„Bessarion“ – Versionsunterschied
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<p>'''Bessarion''' (Taufname griechisch Βασίλειος ''Basíleios'', [https://de.wikipedia.org/wiki/Latein lateinisch] ''Basilius'', Mönchsname griechisch Βησσαρίων ''Bēssaríōn'', lateinisch ''Bessario'', italienisch ''Bessarione'', fälschlich ''Johannes Bessarion'' bzw. ''Giovanni Bessarione''; * zwischen 1399 und 1408 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Trabzon Trapezunt] im nordöstlichen [https://de.wikipedia.org/wiki/Kleinasien Kleinasien]; † [https://de.wikipedia.org/wiki/18._November 18. November] [https://de.wikipedia.org/wiki/1472 1472] in [https://de.wikipedia.org/wiki/Ravenna Ravenna]) war ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Byzantinisches_Reich byzantinischer] [https://de.wikipedia.org/wiki/Renaissance-Humanismus Humanist], Theologe, Kirchenpolitiker, Diplomat, Redner, Publizist, [https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophie_der_Renaissance_und_des_Humanismus Philosoph], [https://de.wikipedia.org/wiki/Klassische_Philologie Philologe] und Übersetzer. Ab 1439 war er [https://de.wikipedia.org/wiki/Kardinal Kardinal], ab 1463 [https://de.wikipedia.org/wiki/Lateinisches_Patriarchat_von_Konstantinopel lateinischer Patriarch von Konstantinopel] im [https://de.wikipedia.org/wiki/Exil Exil].</p> | [[Datei:220px-Bessarion_1476.JPG|verweis=https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Bessarion_1476.JPG|mini|318x318px]] | ||
<p>'''Bessarion''' (Taufname griechisch Βασίλειος ''Basíleios'', [https://de.wikipedia.org/wiki/Latein lateinisch] ''Basilius'', Mönchsname griechisch Βησσαρίων ''Bēssaríōn'', lateinisch ''Bessario'', italienisch ''Bessarione'', fälschlich ''Johannes Bessarion'' bzw. ''Giovanni Bessarione''; * zwischen 1399 und 1408 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Trabzon Trapezunt] im nordöstlichen [https://de.wikipedia.org/wiki/Kleinasien Kleinasien]; † [https://de.wikipedia.org/wiki/18._November 18. November] [https://de.wikipedia.org/wiki/1472 1472] in [https://de.wikipedia.org/wiki/Ravenna Ravenna]) war ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Byzantinisches_Reich byzantinischer] [https://de.wikipedia.org/wiki/Renaissance-Humanismus Humanist], Theologe, Kirchenpolitiker, Diplomat, Redner, Publizist, [https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophie_der_Renaissance_und_des_Humanismus Philosoph], [https://de.wikipedia.org/wiki/Klassische_Philologie Philologe] und Übersetzer. Ab 1439 war er [https://de.wikipedia.org/wiki/Kardinal Kardinal], ab 1463 [https://de.wikipedia.org/wiki/Lateinisches_Patriarchat_von_Konstantinopel lateinischer Patriarch von Konstantinopel] im [https://de.wikipedia.org/wiki/Exil Exil].</p> | |||
Bessarion als Kardinal. Zeitgenössisches Gemälde von[https://de.wikipedia.org/wiki/Joos_van_Wassenhove Justus van Gent] | Bessarion als Kardinal. Zeitgenössisches Gemälde von[https://de.wikipedia.org/wiki/Joos_van_Wassenhove Justus van Gent] | ||
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, Paris<p>Seine Ausbildung erhielt Bessarion anfangs in Konstantinopel, wo er als junger Mann in ein Kloster eintrat. Später studierte er in [https://de.wikipedia.org/wiki/Mystras Mystras] platonische Philosophie und wurde ein eifriger Vertreter des [https://de.wikipedia.org/wiki/Platonismus Platonismus]. Auf dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Konzil_von_Ferrara/Florenz Konzil von Ferrara/Florenz] trug er 1438/39 maßgeblich zur „[https://de.wikipedia.org/wiki/Kirchenunion Kirchenunion]“ bei, der formellen Wiedervereinigung der seit dem 11. Jahrhundert getrennten Kirchen des Ostens und des Westens. In Anerkennung seiner Verdienste um die Überwindung der Kirchenspaltung ernannte ihn Papst [https://de.wikipedia.org/wiki/Eugen_IV. Eugen IV.] zum Kardinal und holte ihn nach Italien.</p><p>Nach dem Wechsel in die lateinischsprachige Welt der Westkirche setzte sich Bessarion vehement für seine von der [https://de.wikipedia.org/wiki/Osmanisches_Reich#Wiedererstarken_und_weitere_Expansion_nach_Westen:_1420_bis_1451 osmanischen Expansion] bedrohte Heimat ein. Seine Hauptanliegen waren zunächst die Verwirklichung der Kirchenunion und die Mobilisierung militärischer Hilfe für das zusammenbrechende Byzantinische Reich. Nach dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Untergang_des_Byzantinischen_Reiches Untergang des Byzantinischen Reiches], den er nicht für endgültig hielt, engagierte er sich für die Rettung und Bewahrung griechischer Kulturgüter und für die Abwehr des weiteren Vordringens der osmanischen Militärmacht nach Westen. Er übernahm die schwierige Aufgabe, als [https://de.wikipedia.org/wiki/P%C3%A4pstlicher_Legat päpstlicher Legat] für einen [https://de.wikipedia.org/wiki/Kreuzzug Kreuzzug] gegen die Türken zu werben, doch mit diesen politischen Bemühungen scheiterte er völlig. Als Theologe vertrat er eine Synthese von christlichem, platonischem und [https://de.wikipedia.org/wiki/Aristotelismus aristotelischem] Gedankengut, als Philosoph verteidigte er [https://de.wikipedia.org/wiki/Platon Platon]und den Platonismus gegen einen großangelegten Angriff des zeitgenössischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Aristotelismus Aristotelikers] [https://de.wikipedia.org/wiki/Georgios_Trapezuntios Georgios Trapezuntios]. Er war ein Pionier der [https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Philosophie philosophiegeschichtlichen] Forschung und leistete einen grundlegenden Beitrag zur Kenntnis und Verbreitung der damals im Abendland noch wenig bekannten Werke und Gedanken Platons.</p><p>Bessarion legte die größte Sammlung griechischer Handschriften im Westen an und schenkte seine kostbare Bibliothek der [https://de.wikipedia.org/wiki/Republik_Venedig Republik Venedig]. Er förderte das Bildungswesen und die [https://de.wikipedia.org/wiki/Altertumswissenschaft altertumswissenschaftliche] Forschung und gewährte bedürftigen Humanisten großzügige Unterstützung. Der Nachwelt blieb er in erster Linie als profilierter Platoniker und führender Repräsentant der griechischen Kultur im Westen in Erinnerung. Die moderne Forschung würdigt ihn als bedeutenden Gelehrten, der zwischen den Kulturen vermittelte und sich damit hohes Ansehen erwarb.</p> | , Paris<p>Seine Ausbildung erhielt Bessarion anfangs in Konstantinopel, wo er als junger Mann in ein Kloster eintrat. Später studierte er in [https://de.wikipedia.org/wiki/Mystras Mystras] platonische Philosophie und wurde ein eifriger Vertreter des [https://de.wikipedia.org/wiki/Platonismus Platonismus]. Auf dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Konzil_von_Ferrara/Florenz Konzil von Ferrara/Florenz] trug er 1438/39 maßgeblich zur „[https://de.wikipedia.org/wiki/Kirchenunion Kirchenunion]“ bei, der formellen Wiedervereinigung der seit dem 11. Jahrhundert getrennten Kirchen des Ostens und des Westens. In Anerkennung seiner Verdienste um die Überwindung der Kirchenspaltung ernannte ihn Papst [https://de.wikipedia.org/wiki/Eugen_IV. Eugen IV.] zum Kardinal und holte ihn nach Italien.</p><p>Nach dem Wechsel in die lateinischsprachige Welt der Westkirche setzte sich Bessarion vehement für seine von der [https://de.wikipedia.org/wiki/Osmanisches_Reich#Wiedererstarken_und_weitere_Expansion_nach_Westen:_1420_bis_1451 osmanischen Expansion] bedrohte Heimat ein. Seine Hauptanliegen waren zunächst die Verwirklichung der Kirchenunion und die Mobilisierung militärischer Hilfe für das zusammenbrechende Byzantinische Reich. Nach dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Untergang_des_Byzantinischen_Reiches Untergang des Byzantinischen Reiches], den er nicht für endgültig hielt, engagierte er sich für die Rettung und Bewahrung griechischer Kulturgüter und für die Abwehr des weiteren Vordringens der osmanischen Militärmacht nach Westen. Er übernahm die schwierige Aufgabe, als [https://de.wikipedia.org/wiki/P%C3%A4pstlicher_Legat päpstlicher Legat] für einen [https://de.wikipedia.org/wiki/Kreuzzug Kreuzzug] gegen die Türken zu werben, doch mit diesen politischen Bemühungen scheiterte er völlig. Als Theologe vertrat er eine Synthese von christlichem, platonischem und [https://de.wikipedia.org/wiki/Aristotelismus aristotelischem] Gedankengut, als Philosoph verteidigte er [https://de.wikipedia.org/wiki/Platon Platon]und den Platonismus gegen einen großangelegten Angriff des zeitgenössischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Aristotelismus Aristotelikers] [https://de.wikipedia.org/wiki/Georgios_Trapezuntios Georgios Trapezuntios]. Er war ein Pionier der [https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Philosophie philosophiegeschichtlichen] Forschung und leistete einen grundlegenden Beitrag zur Kenntnis und Verbreitung der damals im Abendland noch wenig bekannten Werke und Gedanken Platons.</p><p>Bessarion legte die größte Sammlung griechischer Handschriften im Westen an und schenkte seine kostbare Bibliothek der [https://de.wikipedia.org/wiki/Republik_Venedig Republik Venedig]. Er förderte das Bildungswesen und die [https://de.wikipedia.org/wiki/Altertumswissenschaft altertumswissenschaftliche] Forschung und gewährte bedürftigen Humanisten großzügige Unterstützung. Der Nachwelt blieb er in erster Linie als profilierter Platoniker und führender Repräsentant der griechischen Kultur im Westen in Erinnerung. Die moderne Forschung würdigt ihn als bedeutenden Gelehrten, der zwischen den Kulturen vermittelte und sich damit hohes Ansehen erwarb.</p> | ||
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Version vom 4. Juli 2024, 19:45 Uhr
Bessarion (Taufname griechisch Βασίλειος Basíleios, lateinisch Basilius, Mönchsname griechisch Βησσαρίων Bēssaríōn, lateinisch Bessario, italienisch Bessarione, fälschlich Johannes Bessarion bzw. Giovanni Bessarione; * zwischen 1399 und 1408 in Trapezunt im nordöstlichen Kleinasien; † 18. November 1472 in Ravenna) war ein byzantinischer Humanist, Theologe, Kirchenpolitiker, Diplomat, Redner, Publizist, Philosoph, Philologe und Übersetzer. Ab 1439 war er Kardinal, ab 1463 lateinischer Patriarch von Konstantinopel im Exil.
Bessarion als Kardinal. Zeitgenössisches Gemälde vonJustus van Gent
, Paris
Seine Ausbildung erhielt Bessarion anfangs in Konstantinopel, wo er als junger Mann in ein Kloster eintrat. Später studierte er in Mystras platonische Philosophie und wurde ein eifriger Vertreter des Platonismus. Auf dem Konzil von Ferrara/Florenz trug er 1438/39 maßgeblich zur „Kirchenunion“ bei, der formellen Wiedervereinigung der seit dem 11. Jahrhundert getrennten Kirchen des Ostens und des Westens. In Anerkennung seiner Verdienste um die Überwindung der Kirchenspaltung ernannte ihn Papst Eugen IV. zum Kardinal und holte ihn nach Italien.
Nach dem Wechsel in die lateinischsprachige Welt der Westkirche setzte sich Bessarion vehement für seine von der osmanischen Expansion bedrohte Heimat ein. Seine Hauptanliegen waren zunächst die Verwirklichung der Kirchenunion und die Mobilisierung militärischer Hilfe für das zusammenbrechende Byzantinische Reich. Nach dem Untergang des Byzantinischen Reiches, den er nicht für endgültig hielt, engagierte er sich für die Rettung und Bewahrung griechischer Kulturgüter und für die Abwehr des weiteren Vordringens der osmanischen Militärmacht nach Westen. Er übernahm die schwierige Aufgabe, als päpstlicher Legat für einen Kreuzzug gegen die Türken zu werben, doch mit diesen politischen Bemühungen scheiterte er völlig. Als Theologe vertrat er eine Synthese von christlichem, platonischem und aristotelischem Gedankengut, als Philosoph verteidigte er Platonund den Platonismus gegen einen großangelegten Angriff des zeitgenössischen Aristotelikers Georgios Trapezuntios. Er war ein Pionier der philosophiegeschichtlichen Forschung und leistete einen grundlegenden Beitrag zur Kenntnis und Verbreitung der damals im Abendland noch wenig bekannten Werke und Gedanken Platons.
Bessarion legte die größte Sammlung griechischer Handschriften im Westen an und schenkte seine kostbare Bibliothek der Republik Venedig. Er förderte das Bildungswesen und die altertumswissenschaftliche Forschung und gewährte bedürftigen Humanisten großzügige Unterstützung. Der Nachwelt blieb er in erster Linie als profilierter Platoniker und führender Repräsentant der griechischen Kultur im Westen in Erinnerung. Die moderne Forschung würdigt ihn als bedeutenden Gelehrten, der zwischen den Kulturen vermittelte und sich damit hohes Ansehen erwarb.
Mann]]