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„Heymericus de Campo“ – Versionsunterschied

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'''Heymericus de Campo''' (auch ''Heimerich von Campen'' und ''Heimrich van de Velde''; * um 1395 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Son_en_Breugel Son] bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Eindhoven Eindhoven]; † [https://de.wikipedia.org/wiki/11._August 11. August] [https://de.wikipedia.org/wiki/1460 1460] in [https://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%B6wen Löwen]) war ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Niederlande niederländischer] Gelehrter und spätmittelalterlicher [https://de.wikipedia.org/wiki/Scholastiker Scholastiker].<div class="mw-heading mw-heading2">
== Leben ==
</div><p>Heymericus de Campo wurde um 1395 in Son als Sohn eines Priesters geboren. Der Ort liegt unmittelbar nördlich von Eindhoven in den heutigen Niederlanden. Von etwa 1410 bis 1420 studierte er [https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophie Philosophie] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Theologie Theologie] in [https://de.wikipedia.org/wiki/Paris Paris]. Nach einer kurzen Studienunterbrechung, während der der junge [https://de.wikipedia.org/wiki/Magister Magister] im belgischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Diest Diest] Philosophie lehrte, nahm er 1423 in [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln] sein Theologiestudium wieder auf, wo Heymerich 1428 den Titel eines "Magisters der Theologie" erwarb. Nachdem der frisch ernannte Theologieprofessor bereits an der [https://de.wikipedia.org/wiki/Universitas_Studii_Coloniensis_(1388%E2%80%931798) Universitas Studii Coloniensis] das Rektorenamt versehen hatte, vertrat Heymerich die Universität von 1433 bis 1435 am [https://de.wikipedia.org/wiki/Basler_Konzil Basler Konzil]. Kurz darauf wechselte er an die [https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Universit%C3%A4t_L%C3%B6wen#Die_alte_Universit%C3%A4t_(1425%E2%80%931797) Universität Löwen], wo Heymerich als [https://de.wikipedia.org/wiki/Professor Professor] bis zu seinem Tod am 11. August 1460 Theologie lehrte.</p><div class="mw-heading mw-heading2">
== Werk ==
</div><p>Heymericus de Campo gilt als Hauptvertreter des [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Albertismus&action=edit&redlink=1 Albertismus], indem er eine neuplatonisch geprägte Aristoteles-Interpretation vertrat. Als seine einflussreichste albertistische Schrift gelten die ''Problemata inter Albertum Magnum et Sanctum Thomam'' oder ''Tractatus problematicus''.<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Heymericus_de_Campo#cite_note-1 [1]]</sup> Dabei wandte sich der niederländische Philosoph im Laufe seines Lebens von dem universitätsüblichen Wissenschaftsstil ab. So griff Heymerich zunehmend neuplatonische Lehren auf und war frühzeitig von [https://de.wikipedia.org/wiki/Raymundus_Lullus Raymundus Lullus] fasziniert. Nach dem Vorbild Lulls entwickelte er schon 1433 eine eigene Universalwissenschaft, die auf den Prinzipien des [https://de.wikipedia.org/wiki/Albertus_Magnus Albertus Magnus] beruhte und bezeichnete diese als ''Siegel der Ewigkeit'' (sigillum aeternitatis). Darüber hinaus nahm Heymerich auch beispielsweise in seiner ''Disputatio de potestate ecclesiastica'' an den zeitgenössischen kirchenpolitischen Streitigkeiten teil. Darin vertrat er zunächst die Position, dass das Generalkonzil über dem Papst steht, was nichts anderes als Kirchen-Parlamentarismus bedeutet. Nicht zuletzt setzte sich Heymerich mit dem Islam auseinander und versuchte sogar, seine kirchentheoretischen Überlegungen mit dem Koran zu rechtfertigen. Gegen Ende seines Aufenthaltes auf dem Generalkonzil in Basel schrieb Heymerich mit dem ''Colliget Principiorum'' eines seiner philosophischen Hauptwerke. Noch bevor er das Basler Konzil besuchte, hatte der niederländische Theologe die Arbeit an seinem monumentalen Apokalypse-Kommentar aufgenommen, den er Ende der 30er Jahre des 15. Jahrhunderts abschloss. Im fortgeschrittenen Lebensalter, in der zweiten Hälfte der 50er Jahre, verfasste Heymerich schließlich sein ''Centheologicon'', in dem er 100 verschiedene Theologien präsentierte, darunter auch die von Lull und Cusanus.</p><div class="mw-heading mw-heading2">
== Wirkung ==
</div><p>Sowohl mit seiner Verbindung von Albertismus und [https://de.wikipedia.org/wiki/Lullismus Lullismus] als auch mit seiner ausgefallenen Koran-Interpretation beeinflusste Heymerich den jungen [https://de.wikipedia.org/wiki/Nikolaus_von_Kues Nikolaus von Kues] nachhaltig. Dessen bekannteste Werke, ''De docta ignorantia'' und ''De Pace fidei'', entwickeln die Ansätze des niederländischen Philosophen konsequent weiter. Beide Denker tauschten von 1425 bis zu Heymerichs Tod 1460 ihre Schriften aus. Daher ist Heymerich neben Nikolaus von Kues ein Wegbereiter des späteren [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Renaissance-Platonismus&action=edit&redlink=1 Renaissance-Platonismus] in Mitteleuropa.</p><div class="mw-heading mw-heading2">
== Literatur ==
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*[https://de.wikipedia.org/wiki/Willehad_Paul_Eckert Willehad Paul Eckert]:&nbsp;''<span class="plainlinks-print">[https://www.deutsche-biographie.de/gnd118818775.html#ndbcontent Heymericus de Campo.]</span>'' In: ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Neue_Deutsche_Biographie Neue Deutsche Biographie]'' (NDB). Band&nbsp;9, Duncker & Humblot, Berlin 1972, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3428001907 ISBN 3-428-00190-7], S.&nbsp;92 (<span class="plainlinks-print">[https://daten.digitale-sammlungen.de/0001/bsb00016326/images/index.html?seite=106 Digitalisat]</span>).
*Florian Hamann: ''Das Siegel der Ewigkeit. Universalwissenschaft und Konziliarismus bei Heymericus de Campo.'' Münster 2006.
*Florian Hamann: ''Das Renaissanceabenteuer, Muslime zu bekehren. Ein Philosophischer Feldzug''. Darmstadt 2021.
*Giles Gérard Meersseman: ''Geschichte des Albertismus, Bd. 2 (Die ersten Kölner Kontroversen).'' Rom 1935.
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_von_Prantl Carl von Prantl]:&nbsp;''[https://de.wikisource.org/wiki/ADB:Heymericus_de_Campo Campen, Heymerich v.]'' In: ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Allgemeine_Deutsche_Biographie Allgemeine Deutsche Biographie]'' (ADB). Band&nbsp;3, Duncker & Humblot, Leipzig 1876, S.&nbsp;738&nbsp;f.
*Klaus Reinhardt (Hrsg.): ''Heymericus de Campo. Philosophie und Theologie im 15. Jahrhundert.'' Regensburg 2009.
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== Weblinks ==
</div>
*[https://www.geschichtsquellen.de/repPers_118818775.html Heymericus de Campo] im Repertorium „Geschichtsquellen des deutschen Mittelalters“
*[https://gesamtkatalogderwiegendrucke.de/docs/HEYMCAM.htm Werke von Heymericus de Campo] im [https://de.wikipedia.org/wiki/Gesamtkatalog_der_Wiegendrucke Gesamtkatalog der Wiegendrucke]
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== Einzelnachweise ==
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#<span class="reference-text">[https://sites.google.com/site/tractatusproblematicus/ Tractatus problematicus (englisch, niederländisch)].</span>
[[Kategorie:Persönlichkeit]]
[[Kategorie:Persönlichkeit]]
[[Kategorie:Cusanus Freund]]
[[Kategorie:Cusanus Freund]]
[[Kategorie:Cusanus Lehrer]]
[[Kategorie:Cusanus Lehrer]]

Version vom 9. Juli 2024, 15:14 Uhr

Heymericus de Campo (auch Heimerich von Campen und Heimrich van de Velde; * um 1395 in Son bei Eindhoven; † 11. August 1460 in Löwen) war ein niederländischer Gelehrter und spätmittelalterlicher Scholastiker.

Leben

Heymericus de Campo wurde um 1395 in Son als Sohn eines Priesters geboren. Der Ort liegt unmittelbar nördlich von Eindhoven in den heutigen Niederlanden. Von etwa 1410 bis 1420 studierte er Philosophie und Theologie in Paris. Nach einer kurzen Studienunterbrechung, während der der junge Magister im belgischen Diest Philosophie lehrte, nahm er 1423 in Köln sein Theologiestudium wieder auf, wo Heymerich 1428 den Titel eines "Magisters der Theologie" erwarb. Nachdem der frisch ernannte Theologieprofessor bereits an der Universitas Studii Coloniensis das Rektorenamt versehen hatte, vertrat Heymerich die Universität von 1433 bis 1435 am Basler Konzil. Kurz darauf wechselte er an die Universität Löwen, wo Heymerich als Professor bis zu seinem Tod am 11. August 1460 Theologie lehrte.

Werk

Heymericus de Campo gilt als Hauptvertreter des Albertismus, indem er eine neuplatonisch geprägte Aristoteles-Interpretation vertrat. Als seine einflussreichste albertistische Schrift gelten die Problemata inter Albertum Magnum et Sanctum Thomam oder Tractatus problematicus.[1] Dabei wandte sich der niederländische Philosoph im Laufe seines Lebens von dem universitätsüblichen Wissenschaftsstil ab. So griff Heymerich zunehmend neuplatonische Lehren auf und war frühzeitig von Raymundus Lullus fasziniert. Nach dem Vorbild Lulls entwickelte er schon 1433 eine eigene Universalwissenschaft, die auf den Prinzipien des Albertus Magnus beruhte und bezeichnete diese als Siegel der Ewigkeit (sigillum aeternitatis). Darüber hinaus nahm Heymerich auch beispielsweise in seiner Disputatio de potestate ecclesiastica an den zeitgenössischen kirchenpolitischen Streitigkeiten teil. Darin vertrat er zunächst die Position, dass das Generalkonzil über dem Papst steht, was nichts anderes als Kirchen-Parlamentarismus bedeutet. Nicht zuletzt setzte sich Heymerich mit dem Islam auseinander und versuchte sogar, seine kirchentheoretischen Überlegungen mit dem Koran zu rechtfertigen. Gegen Ende seines Aufenthaltes auf dem Generalkonzil in Basel schrieb Heymerich mit dem Colliget Principiorum eines seiner philosophischen Hauptwerke. Noch bevor er das Basler Konzil besuchte, hatte der niederländische Theologe die Arbeit an seinem monumentalen Apokalypse-Kommentar aufgenommen, den er Ende der 30er Jahre des 15. Jahrhunderts abschloss. Im fortgeschrittenen Lebensalter, in der zweiten Hälfte der 50er Jahre, verfasste Heymerich schließlich sein Centheologicon, in dem er 100 verschiedene Theologien präsentierte, darunter auch die von Lull und Cusanus.

Wirkung

Sowohl mit seiner Verbindung von Albertismus und Lullismus als auch mit seiner ausgefallenen Koran-Interpretation beeinflusste Heymerich den jungen Nikolaus von Kues nachhaltig. Dessen bekannteste Werke, De docta ignorantia und De Pace fidei, entwickeln die Ansätze des niederländischen Philosophen konsequent weiter. Beide Denker tauschten von 1425 bis zu Heymerichs Tod 1460 ihre Schriften aus. Daher ist Heymerich neben Nikolaus von Kues ein Wegbereiter des späteren Renaissance-Platonismus in Mitteleuropa.

Literatur

Einzelnachweise

  1. Tractatus problematicus (englisch, niederländisch).