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'''''Literatur und Quellen'''''
'''''Literatur und Quellen'''''


Jede geistige Arbeit geht aus von den Werken anderer Menschen.<ref>{{Anm. KF}} Gemeint ist eher die Gelehrtentätigkeit, die bedingt ihrer Gelehrtheit von den Werken und Lehren früherer und anderer Gelehrten ausgeht, meist darauf aufbaut und oft so auch deren Irrtümer „vererbt“. Bei mir ging jegliche „geistige“ Tätigkeit von der Erkenntnis allgemein schlechter Daseinszustände aus und diese beruhen auf die geistigen Tätigkeiten der Gelehrten und insofern ist ein hauch Wahrheit in dieser Aussage enthalten, nur anders als man denken mag. wobei „gesitig“ auch noch begrifflich mißverständlich ist, da Geist ein ein uneinheitlich verwendeter Begriff der Philosophie, Theologie, Psychologie und Alltagssprache ist.</ref> Wenn hier erstmals eine zusammenfassende Darstellung der religiösen und politischen Wirksamkeit des Cusanus als Fürstbischof von Brixen vorgelegt werden soll, darf dabei nicht unerwähnt bleiben, daß viele Aspekte dieser umfangreichen und ganz verschiedene Gebiete berührenden Problematik seit 250 Jahren von verschiedenen Autoren behandelt wurden.
Jede geistige Arbeit geht aus von den Werken anderer Menschen. <ref>{{Anm. KF}} Gemeint ist eher die Gelehrtentätigkeit, die bedingt ihrer Gelehrtheit von den Werken und Lehren früherer und anderer Gelehrten ausgeht, meist darauf aufbaut und oft so auch deren Irrtümer „vererbt“. Bei mir ging jegliche „geistige“ Tätigkeit von der Erkenntnis allgemein schlechter Daseinszustände aus und diese beruhen auf die geistigen Tätigkeiten der Gelehrten und insofern ist ein hauch Wahrheit in dieser Aussage enthalten, nur anders als man denken mag. wobei „gesitig“ auch noch begrifflich mißverständlich ist, da Geist ein ein uneinheitlich verwendeter Begriff der Philosophie, Theologie, Psychologie und Alltagssprache ist.</ref> Wenn hier erstmals eine zusammenfassende Darstellung der religiösen und politischen Wirksamkeit des Cusanus als Fürstbischof von Brixen vorgelegt werden soll, darf dabei nicht unerwähnt bleiben, daß viele Aspekte dieser umfangreichen und ganz verschiedene Gebiete berührenden Problematik seit 250 Jahren von verschiedenen Autoren behandelt wurden.


: Ein kurzer Überblick über die wichtigsten Werke<ref>Um den Leser nicht zu verwirren werden hier nur die Namen der Autoren und das Jahr der Werke in Klammern angeführt; genauer dazu s. Lit.-Verz .</ref>, in denen neue Quellen zur Geschichte des Cusanus erschlossen wurden. vermag zugleich aufzuzeigen, welche Aspekte der vielschichtigen Problematik in den verschiedenen Zeiten die Historiker interessierten.
Jede geistige Arbeit geht aus von den Werken anderer Menschen. ∞ Wenn hier erstmals eine zusammenfassende Darstellung der religiösen und politischen Wirksamkeit des Cusanus als [https://de.wikipedia.org/wiki/F%C3%BCrstbischof Fürstbischof] von [https://de.wikipedia.org/wiki/Di%C3%B6zese_Bozen-Brixen Brixen] vorgelegt werden soll, darf dabei nicht unerwähnt bleiben, daß viele Aspekte dieser umfangreichen und ganz verschiedene Gebiete berührenden [https://de.wikipedia.org/wiki/Problem Problematik] seit 250 Jahren von verschiedenen Autoren behandelt wurden.
: Es werden dabei nur solche Arbeiten erwähnt, die die Forschung um neue Aspekte bereicherten. Daß dies längst nicht immer der Fall ist, mag an einem eindrucksvollen Beispiel illustriert werden: Als Cusanus in seinem Konflikt mit Herzog Sigismund von Tirol zugunsten eines Wittelsbachers auf das Bistum Brixen resignieren wollte, dachte er zeitweise an den Prinzen Rupprecht von der Pfalz († 1480), den späteren Kölner Kurfürsten. ''Albert Jäger'' der das Dokument abschrieb, löste dabei die Kürzung einer Verwandtschaftsbeziehung falsch auf und schrieb, Cusanus habe zugunsten des Prinzen Albert von Pfalz-Mosbach<ref>{{Anm. KF}} Es gibt aus dieser Zeit nur einen "Albrecht von Pfalz-Mosbach"</ref> zurücktreten wollen. Dieser Irrtum wurde seit 120 Jahren unbesehen von allen Autoren übernommen. In unserem Rückblick auf die Forschungsgeschichte wollen wir uns daher auf Autoren beschränken, die zu den Quellen selbst zurückgegangen sind und die Schriften der Vorgänger kritisch überprüft haben.
: Ein kurzer Überblick über die wichtigsten Werke <ref>Um den Leser nicht zu verwirren werden hier nur die Namen der Autoren und das Jahr der Werke in Klammern angeführt; genauer dazu s. Lit.-Verz .</ref> , in denen neue Quellen zur Geschichte des Cusanus erschlossen wurden. vermag zugleich aufzuzeigen, welche Aspekte der vielschichtigen Problematik in den verschiedenen Zeiten die Historiker interessierten.
: Es werden dabei nur solche Arbeiten erwähnt, die die Forschung um neue Aspekte bereicherten. Daß dies längst nicht immer der Fall ist, mag an einem eindrucksvollen Beispiel illustriert werden: Als Cusanus in seinem Konflikt mit Herzog Sigismund von Tirol zugunsten eines Wittelsbachers auf das Bistum Brixen resignieren wollte, dachte er zeitweise an den Prinzen Rupprecht von der Pfalz († 1480), den späteren Kölner Kurfürsten. ''Albert Jäger'' der das Dokument abschrieb, löste dabei die Kürzung einer Verwandtschaftsbeziehung falsch auf und schrieb, Cusanus habe zugunsten des Prinzen Albert von Pfalz-Mosbach <ref>{{Anm. KF}} Es gibt aus dieser Zeit nur einen "Albrecht von Pfalz-Mosbach"</ref> zurücktreten wollen. Dieser Irrtum wurde seit 120 Jahren unbesehen von allen Autoren übernommen. In unserem Rückblick auf die Forschungsgeschichte wollen wir uns daher auf Autoren beschränken, die zu den Quellen selbst zurückgegangen sind und die Schriften der Vorgänger kritisch überprüft haben.
: Es werden dabei nur solche Arbeiten erwähnt, die die Forschung um neue Aspekte bereicherten. Daß dies längst nicht immer der Fall ist, mag an einem eindrucksvollen Beispiel illustriert werden: Als Cusanus in seinem Konflikt mit [https://de.wikipedia.org/wiki/Siegmund_(%C3%96sterreich-Tirol) Herzog Sigismund von Tirol] zugunsten eines [https://de.wikipedia.org/wiki/Wittelsbach Wittelsbachers] auf das [https://de.wikipedia.org/wiki/Di%C3%B6zese_Bozen-Brixen#Bischofssitz_Brixen Bistum Brixen] [https://de.wikipedia.org/wiki/Resignation resignieren] wollte, dachte er zeitweise an den [https://de.wikipedia.org/wiki/Ruprecht_von_der_Pfalz_(K%C3%B6ln) Prinzen Rupprecht von der Pfalz] († 1480), den späteren Kölner Kurfürsten. [https://de.wikipedia.org/wiki/Albert_J%C3%A4ger ''Albert Jäger''] der das Dokument abschrieb, löste dabei die Kürzung einer Verwandtschaftsbeziehung falsch auf und schrieb, Cusanus habe zugunsten des [https://de.wikipedia.org/wiki/Albrecht_von_Pfalz-Mosbach Prinzen Albert von Pfalz-Mosbach] ∞ zurücktreten wollen. Dieser Irrtum wurde seit 120 Jahren unbesehen von allen Autoren übernommen. In unserem Rückblick auf die Forschungsgeschichte wollen wir uns daher auf Autoren beschränken, die zu den Quellen selbst zurückgegangen sind und die Schriften der Vorgänger kritisch überprüft haben.&nbsp;
Um 1620 berichtete der gelehrte Vizekanzler ''Matthias Butglechner'' von Tirol in seinem nur handschriftlich überlieferten Werk „Tiroler Adler“ in einseitiger Weise über den Streit des Cusanus mit Herzog Sigismund.
Um 1620 berichtete der gelehrte Vizekanzler ''Matthias Butglechner'' von Tirol in seinem nur handschriftlich überlieferten Werk „Tiroler Adler“ in einseitiger Weise über den Streit des Cusanus mit Herzog Sigismund.
: Viele falsche und populäre Mythen – wie etwa über die Schlacht im Enneberg – nahmen von hier ihren Ausgang. Die erste gedruckte Cusanus-Biographie von ''Caspar Hartzheim'' (1730)<ref>{{Anm. KF}} Hartzheim: Caspar H., geb. zu Köln 1678, trat 1698 zu Trier in den Jesuitenorden, lehrte an verschiedenen Lehranstalten seines Ordens (Trier, Paderborn, Köln etc.) Rhetorik, Philosophie, Theologie, und hinterließ eine „Vita Nicolai de Cusa“, Trier 1730.


Literatur Vgl. Backer, Ecrivains de la Comp. de Jésus I. p. 385.</ref> ist heute natürlich längst überholt und enthält zahlreiche Irrtümer.
Um 1620 berichtete der gelehrte Vizekanzler [https://de.wikipedia.org/wiki/Matthias_Burglechner ''Matthias Butglechner''] von Tirol in seinem nur handschriftlich überlieferten Werk „Tiroler Adler“ in einseitiger Weise über den Streit des Cusanus mit Herzog Sigismund.&nbsp;
: Viele falsche und populäre Mythen – wie etwa über die Schlacht im Enneberg – nahmen von hier ihren Ausgang. Die erste gedruckte Cusanus-Biographie von ''Caspar Hartzheim'' (1730) <ref>{{Anm. KF}} Hartzheim: Caspar H., geb. zu Köln 1678, trat 1698 zu Trier in den Jesuitenorden, lehrte an verschiedenen Lehranstalten seines Ordens (Trier, Paderborn, Köln etc.) Rhetorik, Philosophie, Theologie, und hinterließ eine „Vita Nicolai de Cusa“, Trier 1730.
 
Literatur Vgl. Backer, Ecrivains de la Comp. de Jésus I. p. 385.</ref> ist heute natürlich längst überholt und enthält zahlreiche Irrtümer.
<p>Viele falsche und populäre Mythen – wie etwa über die [https://de.wikipedia.org/wiki/Enneberg#Geschichte Schlacht im Enneberg] – nahmen von hier ihren Ausgang. Die erste gedruckte Cusanus-Biographie von [https://www.deutsche-biographie.de/sfz27969.html ''Caspar Hartzheim''] (1730) ∞ ist heute natürlich längst überholt und enthält zahlreiche Irrtümer.</p><p>[https://de.wikisource.org/wiki/BLK%C3%96:Puell,_Philipp_Nerius ''Phitipp Neri Puell''] (1768) berichtet in seiner Geschichte der Neustifter Pröpste über das Verhältnis des Cusanus zu dem Tiroler Stift.</p><p>[https://de.wikisource.org/wiki/BLK%C3%96:Sinnacher,_Franz_Anton ''Franz Anton Sinnachers''] Geschichte der Brixner Bischöfe ist vor allem dadurch von Wert, daß viele Urkunden und Akten ganz oder teilweise abgeschrieben wurden (1828).</p><p>[https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Anton_von_Scharpff ''Franz Anton Scharpfs''] Biographie des Cusanus (1843) behandelt die Tiroler Zeit des Philosophen nur kurz.</p><p>[http://Johann%20Martin%20D%C3%BCx ''Johann Martin Düx''] geht in seiner Biographie des Kardinals näher auf die Brixner Zeit ein und bringt auch Quellen und Auszüge aus Predigten (1847).</p><p>Trotz ihrer Einseitigkeit und der oft fehlerhaften Übersetzung der Quellen sind die Arbeiten [https://de.wikipedia.org/wiki/Albert_J%C3%A4ger ''Albert Jägers''] über die Verfassungsgeschichte Tirols, seine [https://de.wikipedia.org/wiki/Regest Regesten] zum Cusanus-Streit und seine umfangreiche Darstellung des Konfliktes (1850. 1859. 1861. 1881/85) noch heute wichtig.</p><p>In seiner allerdings sehr antiklerikalen, aber bis heute unüberholten Biographie des [https://de.wikipedia.org/wiki/Pius_II. Enea Silvio Piccolomini] ging [https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Voigt_(Historiker) ''Georg Voigl''] auch ausführlich auf den Cusanus-Konflikt ein (1863).</p><p>Der Innsbrucker Theologe [https://de.wikipedia.org/wiki/Gustav_Bickell ''Gustav Bickell''] veröffentlichte in seiner Sammlung der Brixner Diözesansynoden-Protokolle auch Akten über die Tätigkeit des Cusanus als Seelsorger in Tirol (1880).</p><p>Der Papsthistoriker [https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_von_Pastor ''Ludwig von Pastor''] untersucht den Konflikt um Cusanus in seiner Papstgeschichte vom streng kurialen Standpunkt aus (1886, 1889).</p><p>Die Beteiligung des Cusanus an der Klosterreform in Österreich untersuchte [https://de.wikipedia.org/wiki/Ignaz_Zibermayr Ignaz Zibermayr] ∞ im Zusammenhang mit der Legation des Cusanus für Deutschland (1909. 1914).</p><p>[https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Wolkan ''Rudolf Wolkan''] veröffentlichte in seiner Edition der Briefe des Enea Silvio Piccolomini Briefe des Humanisten an Cusanus (1909. 1912, 1918).</p><p>Die Edition der Korrespondenz des Cusanus mit den [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Tegernsee#Ab_dem_15._Jahrhundert Mönchen von Tegernsee] ∞ durch den späteren französischen Bischof [https://de.wikipedia.org/wiki/Edmond_Vansteenberghe ''Edmond Vansteenberghe''] (1915) beleuchtete erstmals die Stellung des Cusanus in der Geistesgeschichte des süddeutschen Raumes.</p><p>Diese Arbeit und seine Cusanus-Biographie (1920) machen klar, daß man die Tätigkeit des Kardinals nicht in erster Linie (wie bei Jäger und fast der gesamten tirolischen Literatur) vom politischen Aspekt aus sehen kann, sondern daß das Bemühen des Theologen um die Kirchenreform gewissermaßen die Lebensleitlinie bildet, von der aus die gesamte übrige politische wie humanistische Tätigkeit gesehen werden muß. ∞</p><p>Die 1963 und 1974 nachgedruckte Biographie des Cusanus von Vansteenberghe ∞ kann somit noch heute trotz einzelner Irrtümer als das beste Buch über die gesamte Wirksamkeit des Philosophen angesehen werden.</p><p>Der Benediktiner [https://de.wikipedia.org/wiki/Virgil_Redlich ''Virgil Redlich'']'' ''setzte mit seiner verdienstvollen Studie über die Bedeutung des [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Tegernsee Klosters Tegernsee] in der deutschen Geschichte die Linie Vansteenberghes fort (1931). Hier wird auch die von dem französischen Theologen erkannte Bedeutung des Tegernseer Priors [https://de.wikipedia.org/wiki/Bernhard_von_Waging Bernhard von Waging] für die Geschichte des Cusanus gewürdigt.</p><p>Es wurde nun offenbar, daß Wesen und Wirken des Kardinals ohne genaue Kenntnis der Philosophie- und Theologiegeschichte (so bei Jäger usw.) nicht zu verstehen ist.</p><p>Der Theologe [https://de.wikipedia.org/wiki/Josef_Koch_(Philosophiehistoriker) ''Josef Koch'']'' ''übernahm nicht nur 220 druckfertige Cusanus-Briefe aus dem Nachlaß Vansteenberghes, sondern veröffentlichte in mehreren Studien (1942, 1944, 1948, 1953) zahlreiche Dokumente zur Geschichte des Cusanus.</p><p>Auf der gleichen Linie liegt ein kurzer, aber höchst aufschlußreicher Aufsatz von [https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Grabmann ''Martin Grabmann'']'' ''über [https://de.wikipedia.org/wiki/Bernhard_von_Waging Bernhard von Waging] und die Mystik des 15. Jahrhunderts (1946).</p><p>Mit der Edition des Brixner Briefbuchs des Nikolaus Cusanus durch [https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Hausmann_(Historiker) ''Friedrich Hausmann'']'' ''wurden 204 Briefkonzepte aus der täglichen Verwaltungstätigkeit des Brixner Bischofs zugänglich, die seine Genauigkeit in den kleinen Dingen des Alltags dokumentieren (1952). Von der philosophischen und theologischen Tätigkeit des Cusanus erfährt man aus diesem Briefbuch jedoch fast nichts, wie es überhaupt nur sehr wenige echt persönliche oder philosophische Briefe gibt.</p><p>[https://de.wikipedia.org/wiki/Erich_Meuthen ''Erich Meuthen''] fand vor allem in italienischen Archiven neues Material über die letzten Jahre des Cusanus (1958, 1974, 1979).</p><p>Mit der Veröffentlichung von Akten zur Reform des Bistums Brixen lieferte [https://de.wikipedia.org/wiki/Heinz_H%C3%BCrten ''Heinz Hurten''] zusätzliches, über Bickell hinausgehendes Material (1960).</p><p>[https://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Hallauer ''Hermann Hollauer''] veröffentlichte seit 1961 mehrere[https://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&query=124601359 '' Abhandlungen zur Geschichte des Cusanus in Tirol''], besonders über den Kauf von Taufers (1961), die Visitation von Sonnenburg (1964), die Reform der Brixner Klarissen (1967), die Schlacht im Enneberg (1969) und das Verhältnis des Kardinals zu Neustift (1974).</p><p>Ausgehend von den Vorarbeiten Vansteenberghes und Kochs geben Meuthen und Hallauer auch die “[https://actacusana.de/ ''Acta Cusana'']“ heraus, deren erste bisher erschienene Lieferung bis 1437 reicht (1976).</p><p>[https://de.wikipedia.org/wiki/Hartmut_Boockmann ''Hartmut Boockmann''] veröffentlichte eine allen modernen Anforderungen entsprechende Biographie von [https://de.wikipedia.org/wiki/Laurentius_Blumenau ''Laurentius Blumenau''], der als fürstlicher Rat und Jurist im Dienste [https://de.wikipedia.org/wiki/Siegmund_(%C3%96sterreich-Tirol) Herzog Sigismunds] wichtigen Anteil am Konflikt des Kardinals mit dem Tiroler Landesfürsten nahm und mit der Kurie und dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Doge_von_Venedig ''Dogen von Venedig''] für seinen Herrn verhandelte (1965).</p><p>[https://archive.org/details/cusanusgedchtnis0000gras/page/n7/mode/2up ''Nikolaus Grass''], der sich besonders vom volkskundlichen und rechtshistorischen Aspekt mit Cusanus auseinandersetzte, veröffentlichte ein Werk über Cusanus und das Volkstum Tirols (1972) und gab 1970 die [https://archive.org/details/cusanusgedchtnis0000gras/page/n7/mode/2up Cusanus-Gedächtnisschrift] heraus, zu der er selbst eine Abhandlung über Cusanus als Quellenkritiker und Juristen beisteuerte.</p><p>Besondere Erwähnung verdient in diesem Sammelwerk auch die Veröffentlichung der von Cusanus 1452 erlassenen Statuten ∞ für die'' ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Sankt_Magdalena_im_Halltal#Geschichte Waldschwestern im Halltal] durch [https://de.wikipedia.org/wiki/Gerold_Fussenegger ''Gerold Fußenegget''].</p><p>[https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Lentze ''Hans Lentze''] untersuchte in seinem Werk über das [https://de.wikipedia.org/wiki/Stift_Wilten Stift Wilten] auch die Reform des Klosters durch den Kardinal (1964).</p><p>In seiner unveröffentlichten Dissertation über Tirol und Bayern am Ende des Mittelalters untersuchte Robert Gismann die Beziehungen zwischen Cusanus und den bayrischen Herzögen (1976).</p><p>Durch die Untersuchung der [https://de.wikipedia.org/wiki/Restitution ''Restitutionspolitik''] des Brixner Bischofs in Krain und Kärnten (1981) und des Verhältnisses zwischen Enea Silvio Piccolomini und Herzog Sigismund vor der Papstwahl Eneas<span class="Apple-converted-space">&nbsp; </span>konnte der Verfasser der vorliegenden Untersuchung neue Aspekte zur Beurteilung des Cusanus aufzeigen (1982).</p><p>Von der Literatur führte der Weg zu den Quellen. Albert Jäger beschreibt bereits die sechs wichtigsten Quellensammlungen: Das bis zum Ende des Ersten Weltkrieges in Innsbruck aufbewahrte “[https://cte.oeaw.ac.at/edd/Acta_Cusana_II_6_Auszug.pdf ''Regestum Cusanum'']“ ist heute verschwunden und nur noch in einer alten Fotokopie erhalten. Es enthält vor allem Konzepte von der Hand des Cusanus und Abschriften alter Tiroler Urkunden.</p><p>Der noch in Innsbruck aufbewahrte “''Codex Handlung''“ enthält Abschriften aller wichtigen Urkunden zum Streit mit Herzog Sigismund. Das “[https://de.wikipedia.org/wiki/Offener_Brief ''Missiv-Buch'']“ des [https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Sonnenburg ''Klosters Sonnenburg''], eine tagebuchartige Chronik der Auseinandersetzung zwischen Cusanus und der Abtei, befindet sich ebenfalls noch in Innsbruck.</p><p>Die vierte Tiroler Sammlung, die von Jäger erwähnten “''Acta concordiae inter Dominum Cardinalem Nicolaum de Cusa et Dominum Ducem Sigismundum''“ galt bisher als verschollen.) Der Verfasser fand den Codex im Bozner Staatsarchiv wieder, wo er heute aufbewahrt wird („Codex 3“).</p><p>In dem von Cusanus gegründeten Sankt-Nikolaus-Hospital von Kues an der Mosel befindet sich der sogenannte “''Codex Cusanus''“ (Codex 221), der eine Sammlung von 421 Dokumenten aus der Umgebung des Kardinals enthält. Schließlich benützte Jäger noch den aus Tegernsee stammenden Codex ''CIm'' 19697, der heute in der Bayerischen Staatsbibliothek München aufbewahrt wird. In dieser Tegernseer Briefsammlung befindet sich die Korrespondenz des Kardinals mit dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Kaspar_Ayndorffer ''Abt Aindorffer''] und dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Bernhard_von_Waging ''Prior Waging''], aber auch der bisher unveröffentlichte Brief des Kardinals an seinen Freund [https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_III._von_Eych ''Johann von Eich''] von 1460, der wohl der interessanteste aller Cusanus-Briefe ist. ∞</p><p>Schon Voigt wies jedoch 1863 darauf hin, daß Jäger den Münchener Codex ''Cgm ''975 übersehen habe, ebenfalls eine Sammlung von Aktenabschriften, die wie der Codex ''Clm ''215 aus dem Nachlaß des Humanisten [https://de.wikipedia.org/wiki/Hartmann_Schedel ''Hartmann Schedel''] stammt.</p><p>Eine weitere wichtige Quelle bilden die zum großen Teil noch unveröffentlichten Urkunden und Akten des Tiroler Landesarchivs in Innsbruck und des Bozner Staatsarchivs.</p><p>In Innsbruck ist hier besonders der Aktenschuber ''Sigmundiana IX, 62'' von Bedeutung, in dem der Verfasser eine Reihe von unveröffentlichten Cusanus-Briefen fand.</p><p>In der Autogramm-Sammlung des Tiroler Landesarchivs befanden sich neben anderen wichtigen Dokumenten auch unveröffentlichte Briefe des Kardinals an die [https://de.wikipedia.org/wiki/Eleonore_von_Schottland ''Herzogin Eleonore'']. ∞</p><p>Im Staatsarchiv Bozen befinden sich weitere Cusanus-Briefe abschriftlich in einem Codex, der ansonsten Akten zur Geschichte von Cusanus' Nachfolger [https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Golser Bischof Golser] enthält (Codex 6).</p><p>Der Bozner ''Codex ''20 enthält die wichtigsten Urkunden zur Geschichte der Waldschwestern im Halltal und der ''Codex ''82 eine Verteidigungsschrift für Herzog Sigismund.</p><p>Berühmt sind die überaus wertvollen „[https://de.wikipedia.org/wiki/Traditionen_des_Hochstifts_Brixen ''Brixner Traditionsbücher'']“ ''(Codex 139 und 1461 ''mit alten Brixner Urkunden, die am Rande vielfach von Cusanus kommentiert wurden und seine rechtshistorischen Archivstudien bezeugen.</p><p>In den wichtigen Quellensammlungen des höchst verdienstvollen Brixner Diözesanhistorikers [https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Resch_(Historiker) ''Josef Resch''] im Brixner Priesterseminar – insbesondere in der Handschrift D 11 („Acta Cusana“) – fand der Verfasser zahlreiche neue Dokumente, die teilweise von der bisherigen Forschung gänzlich unbeachtete Details zutage brachten.</p><p>Wichtige Aspekte zur [https://de.wikipedia.org/wiki/Abtei_Muri-Gries ''Reform von Gries''] ergaben sich aus Akten des Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum (''Cod. Dipauli'' 1323). Für die Beziehung der [https://de.wikipedia.org/wiki/Kartause_Allerengelberg ''Kartause Allerengelberg''] im Sehnalstal zu Cusanus (die auch die einzigen zeitgenössischen Abschriften seiner Werke in Tirol besaß) sind die [https://books.google.de/books/about/Die_Schnalser_Handschriften_in_Padua.html?id=QrYMn_khjRAC&redir_esc=y ''Schnalser Handschriften''] der Innsbrucker UB wichtig, eine Quelle, deren Bedeutung für die Tiroler Geistesgeschichte des 15. Jahrhunderts kaum bekannt ist!</p><p>Das [https://de.wikipedia.org/wiki/Stift_Wilten ''Stiftsarchiv zu Wilten''] bietet Cusanus-Urkunden und zwei Chroniken. die noch über die erwähnten Studien von Lentze hinausgehen. Aus dem Stamser Archiv erhielt der Verfasser einige Urkunden; leider war es jedoch nicht möglich, das Archiv selbst und die Handschriften von Primisser und Lebersorg einzusehen. Auch das Georgenberger Archiv konnte nicht vom Verfaser auf Cusanus-Akten hin untersucht werden.</p><p>Unveröffentlichte Cusanus-Briefe (an Enca Silvio Piccolornini) befinden sich auch im Vatikanischen Geheimarchiv (''Codex Vaticanus'' 1787).</p><p>Akten und Urkunden zum Verhältnis des Cusanus zu Bayern finden sich im Bayerischen Hauptstaatsarchiv zu München; das diesem angegliederte Geheime Hausarchiv der Wittelsbacher enthält einen Brief des Cusanus an [https://de.wikipedia.org/wiki/Albrecht_III._(Bayern) ''Herzog Albrecht III. von Bayern-München'']. Den letzten erhaltenen Brief des Cusanus von 1464 aus dem Staatsarchiv von Ljubljana (Laibach) konnte der Verfasser bereits veröffentlichen.</p><p>Es versteht sich von selbst, daß bei der relativ schlechten Erforschung des 15. Jahr- hunderts keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit erhoben werden soll; weitere Quellenfunde sind möglich. Der Verfasser möchte dennoch in einem eigenen Quellenwerk die wichtigsten Dokumente zur Tiroler Zeit des Cusanus herausgeben.</p><p>Der Rückblick auf die Literatur und die Quellen zeigt, daß Nikolaus Cusanus bis heute immer wieder die Menschen von den verschiedensten Gesichtspunkten aus beschäftigt hat; ein wahrhaft lohnendes Thema, das in der Geschichte Tirols eine wichtige und interessante Stellung einnimmt, gab es doch keinen Brixner Bischof, der auch nur annähernd die weltweite Bedeutung erlangte wie Nikolaus Cusanus.</p>
 
 
 
Bilder<p>Spitzovales Siegel de Cusanus (Stiftsarchiv Wilten. Lade 3M: Urkunde über die Altarweihe und Ablaßverleihung vom 26.6.1457)</p><p>Das für bedeutende kirchliche Amtshandlungen verwendete Kardinalssiegel (95 x 54 mm) zeigt unten den Kardinal kniend. Darunter das Krebswappen.</p>

Version vom 12. Juli 2024, 12:13 Uhr

Literatur und Quellen

Jede geistige Arbeit geht aus von den Werken anderer Menschen. [1] Wenn hier erstmals eine zusammenfassende Darstellung der religiösen und politischen Wirksamkeit des Cusanus als Fürstbischof von Brixen vorgelegt werden soll, darf dabei nicht unerwähnt bleiben, daß viele Aspekte dieser umfangreichen und ganz verschiedene Gebiete berührenden Problematik seit 250 Jahren von verschiedenen Autoren behandelt wurden.

Jede geistige Arbeit geht aus von den Werken anderer Menschen. ∞ Wenn hier erstmals eine zusammenfassende Darstellung der religiösen und politischen Wirksamkeit des Cusanus als Fürstbischof von Brixen vorgelegt werden soll, darf dabei nicht unerwähnt bleiben, daß viele Aspekte dieser umfangreichen und ganz verschiedene Gebiete berührenden Problematik seit 250 Jahren von verschiedenen Autoren behandelt wurden.

Ein kurzer Überblick über die wichtigsten Werke [2] , in denen neue Quellen zur Geschichte des Cusanus erschlossen wurden. vermag zugleich aufzuzeigen, welche Aspekte der vielschichtigen Problematik in den verschiedenen Zeiten die Historiker interessierten.
Es werden dabei nur solche Arbeiten erwähnt, die die Forschung um neue Aspekte bereicherten. Daß dies längst nicht immer der Fall ist, mag an einem eindrucksvollen Beispiel illustriert werden: Als Cusanus in seinem Konflikt mit Herzog Sigismund von Tirol zugunsten eines Wittelsbachers auf das Bistum Brixen resignieren wollte, dachte er zeitweise an den Prinzen Rupprecht von der Pfalz († 1480), den späteren Kölner Kurfürsten. Albert Jäger der das Dokument abschrieb, löste dabei die Kürzung einer Verwandtschaftsbeziehung falsch auf und schrieb, Cusanus habe zugunsten des Prinzen Albert von Pfalz-Mosbach [3] zurücktreten wollen. Dieser Irrtum wurde seit 120 Jahren unbesehen von allen Autoren übernommen. In unserem Rückblick auf die Forschungsgeschichte wollen wir uns daher auf Autoren beschränken, die zu den Quellen selbst zurückgegangen sind und die Schriften der Vorgänger kritisch überprüft haben.
Es werden dabei nur solche Arbeiten erwähnt, die die Forschung um neue Aspekte bereicherten. Daß dies längst nicht immer der Fall ist, mag an einem eindrucksvollen Beispiel illustriert werden: Als Cusanus in seinem Konflikt mit Herzog Sigismund von Tirol zugunsten eines Wittelsbachers auf das Bistum Brixen resignieren wollte, dachte er zeitweise an den Prinzen Rupprecht von der Pfalz († 1480), den späteren Kölner Kurfürsten. Albert Jäger der das Dokument abschrieb, löste dabei die Kürzung einer Verwandtschaftsbeziehung falsch auf und schrieb, Cusanus habe zugunsten des Prinzen Albert von Pfalz-Mosbach ∞ zurücktreten wollen. Dieser Irrtum wurde seit 120 Jahren unbesehen von allen Autoren übernommen. In unserem Rückblick auf die Forschungsgeschichte wollen wir uns daher auf Autoren beschränken, die zu den Quellen selbst zurückgegangen sind und die Schriften der Vorgänger kritisch überprüft haben. 

Um 1620 berichtete der gelehrte Vizekanzler Matthias Butglechner von Tirol in seinem nur handschriftlich überlieferten Werk „Tiroler Adler“ in einseitiger Weise über den Streit des Cusanus mit Herzog Sigismund.

Um 1620 berichtete der gelehrte Vizekanzler Matthias Butglechner von Tirol in seinem nur handschriftlich überlieferten Werk „Tiroler Adler“ in einseitiger Weise über den Streit des Cusanus mit Herzog Sigismund. 

Viele falsche und populäre Mythen – wie etwa über die Schlacht im Enneberg – nahmen von hier ihren Ausgang. Die erste gedruckte Cusanus-Biographie von Caspar Hartzheim (1730) [4] ist heute natürlich längst überholt und enthält zahlreiche Irrtümer.

Viele falsche und populäre Mythen – wie etwa über die Schlacht im Enneberg – nahmen von hier ihren Ausgang. Die erste gedruckte Cusanus-Biographie von Caspar Hartzheim (1730) ∞ ist heute natürlich längst überholt und enthält zahlreiche Irrtümer.

Phitipp Neri Puell (1768) berichtet in seiner Geschichte der Neustifter Pröpste über das Verhältnis des Cusanus zu dem Tiroler Stift.

Franz Anton Sinnachers Geschichte der Brixner Bischöfe ist vor allem dadurch von Wert, daß viele Urkunden und Akten ganz oder teilweise abgeschrieben wurden (1828).

Franz Anton Scharpfs Biographie des Cusanus (1843) behandelt die Tiroler Zeit des Philosophen nur kurz.

Johann Martin Düx geht in seiner Biographie des Kardinals näher auf die Brixner Zeit ein und bringt auch Quellen und Auszüge aus Predigten (1847).

Trotz ihrer Einseitigkeit und der oft fehlerhaften Übersetzung der Quellen sind die Arbeiten Albert Jägers über die Verfassungsgeschichte Tirols, seine Regesten zum Cusanus-Streit und seine umfangreiche Darstellung des Konfliktes (1850. 1859. 1861. 1881/85) noch heute wichtig.

In seiner allerdings sehr antiklerikalen, aber bis heute unüberholten Biographie des Enea Silvio Piccolomini ging Georg Voigl auch ausführlich auf den Cusanus-Konflikt ein (1863).

Der Innsbrucker Theologe Gustav Bickell veröffentlichte in seiner Sammlung der Brixner Diözesansynoden-Protokolle auch Akten über die Tätigkeit des Cusanus als Seelsorger in Tirol (1880).

Der Papsthistoriker Ludwig von Pastor untersucht den Konflikt um Cusanus in seiner Papstgeschichte vom streng kurialen Standpunkt aus (1886, 1889).

Die Beteiligung des Cusanus an der Klosterreform in Österreich untersuchte Ignaz Zibermayr ∞ im Zusammenhang mit der Legation des Cusanus für Deutschland (1909. 1914).

Rudolf Wolkan veröffentlichte in seiner Edition der Briefe des Enea Silvio Piccolomini Briefe des Humanisten an Cusanus (1909. 1912, 1918).

Die Edition der Korrespondenz des Cusanus mit den Mönchen von Tegernsee ∞ durch den späteren französischen Bischof Edmond Vansteenberghe (1915) beleuchtete erstmals die Stellung des Cusanus in der Geistesgeschichte des süddeutschen Raumes.

Diese Arbeit und seine Cusanus-Biographie (1920) machen klar, daß man die Tätigkeit des Kardinals nicht in erster Linie (wie bei Jäger und fast der gesamten tirolischen Literatur) vom politischen Aspekt aus sehen kann, sondern daß das Bemühen des Theologen um die Kirchenreform gewissermaßen die Lebensleitlinie bildet, von der aus die gesamte übrige politische wie humanistische Tätigkeit gesehen werden muß. ∞

Die 1963 und 1974 nachgedruckte Biographie des Cusanus von Vansteenberghe ∞ kann somit noch heute trotz einzelner Irrtümer als das beste Buch über die gesamte Wirksamkeit des Philosophen angesehen werden.

Der Benediktiner Virgil Redlich setzte mit seiner verdienstvollen Studie über die Bedeutung des Klosters Tegernsee in der deutschen Geschichte die Linie Vansteenberghes fort (1931). Hier wird auch die von dem französischen Theologen erkannte Bedeutung des Tegernseer Priors Bernhard von Waging für die Geschichte des Cusanus gewürdigt.

Es wurde nun offenbar, daß Wesen und Wirken des Kardinals ohne genaue Kenntnis der Philosophie- und Theologiegeschichte (so bei Jäger usw.) nicht zu verstehen ist.

Der Theologe Josef Koch übernahm nicht nur 220 druckfertige Cusanus-Briefe aus dem Nachlaß Vansteenberghes, sondern veröffentlichte in mehreren Studien (1942, 1944, 1948, 1953) zahlreiche Dokumente zur Geschichte des Cusanus.

Auf der gleichen Linie liegt ein kurzer, aber höchst aufschlußreicher Aufsatz von Martin Grabmann über Bernhard von Waging und die Mystik des 15. Jahrhunderts (1946).

Mit der Edition des Brixner Briefbuchs des Nikolaus Cusanus durch Friedrich Hausmann wurden 204 Briefkonzepte aus der täglichen Verwaltungstätigkeit des Brixner Bischofs zugänglich, die seine Genauigkeit in den kleinen Dingen des Alltags dokumentieren (1952). Von der philosophischen und theologischen Tätigkeit des Cusanus erfährt man aus diesem Briefbuch jedoch fast nichts, wie es überhaupt nur sehr wenige echt persönliche oder philosophische Briefe gibt.

Erich Meuthen fand vor allem in italienischen Archiven neues Material über die letzten Jahre des Cusanus (1958, 1974, 1979).

Mit der Veröffentlichung von Akten zur Reform des Bistums Brixen lieferte Heinz Hurten zusätzliches, über Bickell hinausgehendes Material (1960).

Hermann Hollauer veröffentlichte seit 1961 mehrere Abhandlungen zur Geschichte des Cusanus in Tirol, besonders über den Kauf von Taufers (1961), die Visitation von Sonnenburg (1964), die Reform der Brixner Klarissen (1967), die Schlacht im Enneberg (1969) und das Verhältnis des Kardinals zu Neustift (1974).

Ausgehend von den Vorarbeiten Vansteenberghes und Kochs geben Meuthen und Hallauer auch die “Acta Cusana“ heraus, deren erste bisher erschienene Lieferung bis 1437 reicht (1976).

Hartmut Boockmann veröffentlichte eine allen modernen Anforderungen entsprechende Biographie von Laurentius Blumenau, der als fürstlicher Rat und Jurist im Dienste Herzog Sigismunds wichtigen Anteil am Konflikt des Kardinals mit dem Tiroler Landesfürsten nahm und mit der Kurie und dem Dogen von Venedig für seinen Herrn verhandelte (1965).

Nikolaus Grass, der sich besonders vom volkskundlichen und rechtshistorischen Aspekt mit Cusanus auseinandersetzte, veröffentlichte ein Werk über Cusanus und das Volkstum Tirols (1972) und gab 1970 die Cusanus-Gedächtnisschrift heraus, zu der er selbst eine Abhandlung über Cusanus als Quellenkritiker und Juristen beisteuerte.

Besondere Erwähnung verdient in diesem Sammelwerk auch die Veröffentlichung der von Cusanus 1452 erlassenen Statuten ∞ für die Waldschwestern im Halltal durch Gerold Fußenegget.

Hans Lentze untersuchte in seinem Werk über das Stift Wilten auch die Reform des Klosters durch den Kardinal (1964).

In seiner unveröffentlichten Dissertation über Tirol und Bayern am Ende des Mittelalters untersuchte Robert Gismann die Beziehungen zwischen Cusanus und den bayrischen Herzögen (1976).

Durch die Untersuchung der Restitutionspolitik des Brixner Bischofs in Krain und Kärnten (1981) und des Verhältnisses zwischen Enea Silvio Piccolomini und Herzog Sigismund vor der Papstwahl Eneas  konnte der Verfasser der vorliegenden Untersuchung neue Aspekte zur Beurteilung des Cusanus aufzeigen (1982).

Von der Literatur führte der Weg zu den Quellen. Albert Jäger beschreibt bereits die sechs wichtigsten Quellensammlungen: Das bis zum Ende des Ersten Weltkrieges in Innsbruck aufbewahrte “Regestum Cusanum“ ist heute verschwunden und nur noch in einer alten Fotokopie erhalten. Es enthält vor allem Konzepte von der Hand des Cusanus und Abschriften alter Tiroler Urkunden.

Der noch in Innsbruck aufbewahrte “Codex Handlung“ enthält Abschriften aller wichtigen Urkunden zum Streit mit Herzog Sigismund. Das “Missiv-Buch“ des Klosters Sonnenburg, eine tagebuchartige Chronik der Auseinandersetzung zwischen Cusanus und der Abtei, befindet sich ebenfalls noch in Innsbruck.

Die vierte Tiroler Sammlung, die von Jäger erwähnten “Acta concordiae inter Dominum Cardinalem Nicolaum de Cusa et Dominum Ducem Sigismundum“ galt bisher als verschollen.) Der Verfasser fand den Codex im Bozner Staatsarchiv wieder, wo er heute aufbewahrt wird („Codex 3“).

In dem von Cusanus gegründeten Sankt-Nikolaus-Hospital von Kues an der Mosel befindet sich der sogenannte “Codex Cusanus“ (Codex 221), der eine Sammlung von 421 Dokumenten aus der Umgebung des Kardinals enthält. Schließlich benützte Jäger noch den aus Tegernsee stammenden Codex CIm 19697, der heute in der Bayerischen Staatsbibliothek München aufbewahrt wird. In dieser Tegernseer Briefsammlung befindet sich die Korrespondenz des Kardinals mit dem Abt Aindorffer und dem Prior Waging, aber auch der bisher unveröffentlichte Brief des Kardinals an seinen Freund Johann von Eich von 1460, der wohl der interessanteste aller Cusanus-Briefe ist. ∞

Schon Voigt wies jedoch 1863 darauf hin, daß Jäger den Münchener Codex Cgm 975 übersehen habe, ebenfalls eine Sammlung von Aktenabschriften, die wie der Codex Clm 215 aus dem Nachlaß des Humanisten Hartmann Schedel stammt.

Eine weitere wichtige Quelle bilden die zum großen Teil noch unveröffentlichten Urkunden und Akten des Tiroler Landesarchivs in Innsbruck und des Bozner Staatsarchivs.

In Innsbruck ist hier besonders der Aktenschuber Sigmundiana IX, 62 von Bedeutung, in dem der Verfasser eine Reihe von unveröffentlichten Cusanus-Briefen fand.

In der Autogramm-Sammlung des Tiroler Landesarchivs befanden sich neben anderen wichtigen Dokumenten auch unveröffentlichte Briefe des Kardinals an die Herzogin Eleonore. ∞

Im Staatsarchiv Bozen befinden sich weitere Cusanus-Briefe abschriftlich in einem Codex, der ansonsten Akten zur Geschichte von Cusanus' Nachfolger Bischof Golser enthält (Codex 6).

Der Bozner Codex 20 enthält die wichtigsten Urkunden zur Geschichte der Waldschwestern im Halltal und der Codex 82 eine Verteidigungsschrift für Herzog Sigismund.

Berühmt sind die überaus wertvollen „Brixner Traditionsbücher“ (Codex 139 und 1461 mit alten Brixner Urkunden, die am Rande vielfach von Cusanus kommentiert wurden und seine rechtshistorischen Archivstudien bezeugen.

In den wichtigen Quellensammlungen des höchst verdienstvollen Brixner Diözesanhistorikers Josef Resch im Brixner Priesterseminar – insbesondere in der Handschrift D 11 („Acta Cusana“) – fand der Verfasser zahlreiche neue Dokumente, die teilweise von der bisherigen Forschung gänzlich unbeachtete Details zutage brachten.

Wichtige Aspekte zur Reform von Gries ergaben sich aus Akten des Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum (Cod. Dipauli 1323). Für die Beziehung der Kartause Allerengelberg im Sehnalstal zu Cusanus (die auch die einzigen zeitgenössischen Abschriften seiner Werke in Tirol besaß) sind die Schnalser Handschriften der Innsbrucker UB wichtig, eine Quelle, deren Bedeutung für die Tiroler Geistesgeschichte des 15. Jahrhunderts kaum bekannt ist!

Das Stiftsarchiv zu Wilten bietet Cusanus-Urkunden und zwei Chroniken. die noch über die erwähnten Studien von Lentze hinausgehen. Aus dem Stamser Archiv erhielt der Verfasser einige Urkunden; leider war es jedoch nicht möglich, das Archiv selbst und die Handschriften von Primisser und Lebersorg einzusehen. Auch das Georgenberger Archiv konnte nicht vom Verfaser auf Cusanus-Akten hin untersucht werden.

Unveröffentlichte Cusanus-Briefe (an Enca Silvio Piccolornini) befinden sich auch im Vatikanischen Geheimarchiv (Codex Vaticanus 1787).

Akten und Urkunden zum Verhältnis des Cusanus zu Bayern finden sich im Bayerischen Hauptstaatsarchiv zu München; das diesem angegliederte Geheime Hausarchiv der Wittelsbacher enthält einen Brief des Cusanus an Herzog Albrecht III. von Bayern-München. Den letzten erhaltenen Brief des Cusanus von 1464 aus dem Staatsarchiv von Ljubljana (Laibach) konnte der Verfasser bereits veröffentlichen.

Es versteht sich von selbst, daß bei der relativ schlechten Erforschung des 15. Jahr- hunderts keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit erhoben werden soll; weitere Quellenfunde sind möglich. Der Verfasser möchte dennoch in einem eigenen Quellenwerk die wichtigsten Dokumente zur Tiroler Zeit des Cusanus herausgeben.

Der Rückblick auf die Literatur und die Quellen zeigt, daß Nikolaus Cusanus bis heute immer wieder die Menschen von den verschiedensten Gesichtspunkten aus beschäftigt hat; ein wahrhaft lohnendes Thema, das in der Geschichte Tirols eine wichtige und interessante Stellung einnimmt, gab es doch keinen Brixner Bischof, der auch nur annähernd die weltweite Bedeutung erlangte wie Nikolaus Cusanus.


Bilder

Spitzovales Siegel de Cusanus (Stiftsarchiv Wilten. Lade 3M: Urkunde über die Altarweihe und Ablaßverleihung vom 26.6.1457)

Das für bedeutende kirchliche Amtshandlungen verwendete Kardinalssiegel (95 x 54 mm) zeigt unten den Kardinal kniend. Darunter das Krebswappen.

  1. ↑ Anm. KF: Gemeint ist eher die Gelehrtentätigkeit, die bedingt ihrer Gelehrtheit von den Werken und Lehren früherer und anderer Gelehrten ausgeht, meist darauf aufbaut und oft so auch deren Irrtümer „vererbt“. Bei mir ging jegliche „geistige“ Tätigkeit von der Erkenntnis allgemein schlechter Daseinszustände aus und diese beruhen auf die geistigen Tätigkeiten der Gelehrten und insofern ist ein hauch Wahrheit in dieser Aussage enthalten, nur anders als man denken mag. wobei „gesitig“ auch noch begrifflich mißverständlich ist, da Geist ein ein uneinheitlich verwendeter Begriff der Philosophie, Theologie, Psychologie und Alltagssprache ist.
  2. ↑ Um den Leser nicht zu verwirren werden hier nur die Namen der Autoren und das Jahr der Werke in Klammern angeführt; genauer dazu s. Lit.-Verz .
  3. ↑ Anm. KF: Es gibt aus dieser Zeit nur einen "Albrecht von Pfalz-Mosbach"
  4. ↑ Anm. KF: Hartzheim: Caspar H., geb. zu Köln 1678, trat 1698 zu Trier in den Jesuitenorden, lehrte an verschiedenen Lehranstalten seines Ordens (Trier, Paderborn, Köln etc.) Rhetorik, Philosophie, Theologie, und hinterließ eine „Vita Nicolai de Cusa“, Trier 1730. Literatur Vgl. Backer, Ecrivains de la Comp. de Jésus I. p. 385.