„Redundanztheorie“ – Versionsunterschied
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Die Redundanztheorie der Wahrheit besagt, dass Sätze, in denen das Wort „wahr“ vorkommt, in der Regel | <p>Die Redundanztheorie der Wahrheit besagt, dass Sätze, in denen das Wort „wahr“ vorkommt, in der Regel redundant sind. Dieser Begriff kann danach ohne Informationsverlust aus der Sprache eliminiert werden; es ist in einem gewissen Sinne überflüssig. Als Hauptvertreter der Redundanztheorie werden gewöhnlich [https://de.wikipedia.org/wiki/Frank_Plumpton_Ramsey Frank Plumpton Ramsey], [https://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_Jules_Ayer Alfred Jules Ayer] und Quine genannt. Dieser Ansatz kann gemäß Dummett bis auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Gottlob_Frege Gottlob Frege] zurückgeführt werden, der in seinem Werk ''[https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cber_Sinn_und_Bedeutung Über Sinn und Bedeutung]'' 1892 den Grundgedanken der Redundanztheorie formulierte:</p><div class="Vorlage_Zitat"><div><blockquote><p>„Man kann ja geradezu sagen: ‚Der Gedanke, dass 5 eine Primzahl ist, ist wahr.‘ Wenn man aber genauer zusieht, so bemerkt man, dass damit eigentlich nicht mehr gesagt ist als in dem einfachen Satz ‚5 ist eine Primzahl‘. […] Daraus ist zu entnehmen, dass das Verhältnis des Gedankens zum Wahren doch mit dem des Subjekts zum Prädikate nicht verglichen werden darf.<sup id="cite_ref-31" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Wahrheit?wprov=srpw1_0#cite_note-31 [31]]</sup>“</p></blockquote></div></div><p>Frege drückt hier bereits die zentrale Idee der Redundanztheorie aus, dass der Ausdruck „wahr“ im Grunde nichts zum Sinn der Sätze, in denen er vorkommt, beiträgt und daher inhaltlich redundant ist. In klassischer Form wird dieser Gedanke in Ramseys ''Facts and Propositions'' formuliert, wo es lapidar heißt, dass „es in Wirklichkeit kein gesondertes Wahrheitsproblem gibt, sondern lediglich eine sprachliche Verwirrung [''linguistic muddle'']“.<sup id="cite_ref-Ramsey_32-0" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Wahrheit?wprov=srpw1_0#cite_note-Ramsey-32 [32]]</sup> Wahrheit oder Falschheit können primär Propositionen (''propositions'') zugeschrieben werden. Wenn einer sage, „''p'' ist wahr“, bejahe er damit nur ''p'', und wenn er sage, „''p'' ist falsch“, behaupte er damit ''nicht-p''. Damit würde aber der Inhalt der Proposition ''p'' nicht erweitert. So meine beispielsweise der Satz „Es ist wahr, dass Cäsar ermordet wurde“ nicht mehr als der Satz „Cäsar wurde ermordet“. Eine Satzform wie „es ist wahr“ werde nur aus stilistischen Gründen verwendet, oder um der eigenen Behauptung Nachdruck zu verleihen.</p><p>Frege selbst weist jedoch eine Redundanztheorie zurück, für ihn ist Wahrheit eine undefinierbare logische Grundvorstellung und „Das Wahre“ ein abstrakter Gegenstand.</p><p>Gegen die Redundanztheorie wurde eingewendet,<sup id="cite_ref-33" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Wahrheit?wprov=srpw1_0#cite_note-33 [33]]</sup> dass der Begriff „wahr“ nicht erklärt und nicht definiert wird. So kann gegen das Cäsar-Beispiel von Ramsey ein Satz konstruiert werden, in dem die Bezeichnung „wahr“ wesentlich vorkommt und zum Verständnis nicht wegfallen kann: „Alles, was der Papst sagt, ist wahr.“</p> | ||
Frege selbst weist jedoch eine Redundanztheorie zurück, für ihn ist Wahrheit eine undefinierbare logische Grundvorstellung und „Das Wahre“ ein abstrakter Gegenstand. | |||
Gegen die Redundanztheorie wurde eingewendet, dass der Begriff „wahr“ nicht erklärt und nicht definiert wird. So kann gegen das Cäsar-Beispiel von Ramsey ein Satz konstruiert werden, in dem die Bezeichnung „wahr“ wesentlich vorkommt und zum Verständnis nicht wegfallen kann: „Alles, was der Papst sagt, ist wahr.“ | |||
Version vom 22. Juli 2024, 14:14 Uhr
Redundanz–Theorie f. ‘überflüssige Information’ (20. Jh.).
← Wahrheit
Die Redundanztheorie der Wahrheit besagt, dass Sätze, in denen das Wort „wahr“ vorkommt, in der Regel redundant sind. Dieser Begriff kann danach ohne Informationsverlust aus der Sprache eliminiert werden; es ist in einem gewissen Sinne überflüssig. Als Hauptvertreter der Redundanztheorie werden gewöhnlich Frank Plumpton Ramsey, Alfred Jules Ayer und Quine genannt. Dieser Ansatz kann gemäß Dummett bis auf Gottlob Frege zurückgeführt werden, der in seinem Werk Über Sinn und Bedeutung 1892 den Grundgedanken der Redundanztheorie formulierte:
„Man kann ja geradezu sagen: ‚Der Gedanke, dass 5 eine Primzahl ist, ist wahr.‘ Wenn man aber genauer zusieht, so bemerkt man, dass damit eigentlich nicht mehr gesagt ist als in dem einfachen Satz ‚5 ist eine Primzahl‘. […] Daraus ist zu entnehmen, dass das Verhältnis des Gedankens zum Wahren doch mit dem des Subjekts zum Prädikate nicht verglichen werden darf.[31]“
Frege drückt hier bereits die zentrale Idee der Redundanztheorie aus, dass der Ausdruck „wahr“ im Grunde nichts zum Sinn der Sätze, in denen er vorkommt, beiträgt und daher inhaltlich redundant ist. In klassischer Form wird dieser Gedanke in Ramseys Facts and Propositions formuliert, wo es lapidar heißt, dass „es in Wirklichkeit kein gesondertes Wahrheitsproblem gibt, sondern lediglich eine sprachliche Verwirrung [linguistic muddle]“.[32] Wahrheit oder Falschheit können primär Propositionen (propositions) zugeschrieben werden. Wenn einer sage, „p ist wahr“, bejahe er damit nur p, und wenn er sage, „p ist falsch“, behaupte er damit nicht-p. Damit würde aber der Inhalt der Proposition p nicht erweitert. So meine beispielsweise der Satz „Es ist wahr, dass Cäsar ermordet wurde“ nicht mehr als der Satz „Cäsar wurde ermordet“. Eine Satzform wie „es ist wahr“ werde nur aus stilistischen Gründen verwendet, oder um der eigenen Behauptung Nachdruck zu verleihen.
Frege selbst weist jedoch eine Redundanztheorie zurück, für ihn ist Wahrheit eine undefinierbare logische Grundvorstellung und „Das Wahre“ ein abstrakter Gegenstand.
Gegen die Redundanztheorie wurde eingewendet,[33] dass der Begriff „wahr“ nicht erklärt und nicht definiert wird. So kann gegen das Cäsar-Beispiel von Ramsey ein Satz konstruiert werden, in dem die Bezeichnung „wahr“ wesentlich vorkommt und zum Verständnis nicht wegfallen kann: „Alles, was der Papst sagt, ist wahr.“