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„Wechselwirkungslehre“ – Versionsunterschied

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Die '''Wechselwirkungslehre''', auch als ''Wechselwirkungstheorie'' bezeichnet, ist eine spezielle Ausprägung des [https://de.wikipedia.org/wiki/Verh%C3%A4ltnism%C3%A4%C3%9Figkeitsprinzip_(Deutschland) Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes].<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Wechselwirkungstheorie#cite_note-1 <span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span>]</sup>
 
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== Bedeutung ==
</div><p>Die Wechselwirkungslehre besagt, dass [https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetz Gesetze], die [https://de.wikipedia.org/wiki/Grundrecht Grundrechte] [https://de.wikipedia.org/wiki/Schranke_(Recht) beschränken], ihrerseits im Lichte der Bedeutung dieses Grundrechtes [https://de.wikipedia.org/wiki/Auslegung_(Recht) ausgelegt] und in ihrer das Grundrecht begrenzenden Wirkung selbst wieder eingeschränkt werden müssen.</p><p>Eigenständige Bedeutung kommt der Wechselwirkungslehre im Zusammenhang mit der in <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_5.html Art. 5]</span> Abs.&nbsp;1 [https://de.wikipedia.org/wiki/Grundgesetz_f%C3%BCr_die_Bundesrepublik_Deutschland GG] gewährleisteten [https://de.wikipedia.org/wiki/Meinungsfreiheit#Rechtslage_und_Situation_in_Deutschland Meinungsfreiheit] zu.<sup id="cite_ref-2" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Wechselwirkungstheorie#cite_note-2 <span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span>]</sup></p><p>Auch dort, wo die Verfassung die Beschränkung eines Grundrechtes durch Gesetz zulässt, stellt sie nach Auffassung des [https://de.wikipedia.org/wiki/Bundesverfassungsgericht Bundesverfassungsgerichts] im [https://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%BCth-Urteil Lüth-Urteil] an dieses Gesetz und an seine Auslegung die zusätzliche Anforderung, die grundrechtliche [https://de.wikipedia.org/wiki/Wesensgehaltsgarantie Garantie] zugunsten des Individuums im Blick zu behalten. Die „allgemeinen Gesetze“ im Sinne des <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_5.html Art. 5]</span> Abs. 2 GG müssten im Lichte der besonderen Bedeutung des Grundrechts der freien Meinungsäußerung für den freiheitlichen demokratischen Staat ausgelegt werden.<sup id="cite_ref-3" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Wechselwirkungstheorie#cite_note-3 <span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span>]</sup> Der Einschränkung eines Grundrechts setzt die Wechselwirkungslehre damit ihrerseits eine Schranke ([https://de.wikipedia.org/wiki/Grundrechte_(Deutschland)#Schranken_(Rechtstechnik) Schranken-Schranke]).<sup id="cite_ref-4" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Wechselwirkungstheorie#cite_note-4 <span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span>]</sup></p><p>Die Anwendung der Wechselwirkungslehre führt dazu, dass nur solche Regelungen verhältnismäßig sind, die ein angemessenes Verhältnis zwischen der Bedeutung der Meinungsfreiheit einerseits und dem Rang des durch die Meinungsäußerung beeinträchtigten Rechtsguts, das das einfache Recht schützen will, andererseits herstellen.<sup id="cite_ref-5" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Wechselwirkungstheorie#cite_note-5 <span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span>]</sup></p><p>Als spöttische Bezeichnung für die Wechselwirkungslehre ist der Begriff „Schaukeltheorie“ bekannt.<sup id="cite_ref-6" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Wechselwirkungstheorie#cite_note-6 <span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span>]</sup></p><p>Die Anwendung der Wechselwirkungslehre wurde in der Literatur kritisiert, weil sie dem Gericht einen zu großen Spielraum für eigenständige Argumentation gewähre und die Meinungsfreiheit zu Lasten des Ehrenschutzes stärke.<sup id="cite_ref-7" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Wechselwirkungstheorie#cite_note-7 <span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span>]</sup></p><div class="mw-heading mw-heading2">
== Siehe auch ==
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*[https://de.wikipedia.org/wiki/Praktische_Konkordanz Praktische Konkordanz]
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== Literatur ==
</div>
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Dieter_Grimm Dieter Grimm]: ''Die Meinungsfreiheit in der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts.'' NJW 1995, S. 1697 ff.
*Thomas Möller: ''Der grundrechtliche Schutzbereich der Meinungsfreiheit in Deutschland, England und den USA.'' Nomos-Verlag, 2016. [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783848731565 ISBN 978-3-8487-3156-5]
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== Weblinks ==
</div>
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Karl-Heinz_Ladeur Karl-Heinz Ladeur]: [https://www.kritv.nomos.de/fileadmin/kj/doc/1999/19992Ladeur_S_281.pdf ''Helmut Ridders Konzeption der Meinungs- und Pressefreiheit in der Demokratie''] [https://de.wikipedia.org/wiki/Kritische_Vierteljahresschrift_f%C3%BCr_Gesetzgebung_und_Rechtswissenschaft KritV] 1999, S. 281–294
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== Einzelnachweise ==
</div>
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_Proel%C3%9F Alexander Proelß]: [https://www.uni-trier.de/fileadmin/fb5/prof/OEF005/Einfuehrung_Grundrechte/Folien_Probevorlesung_Trier__Proelss_.pdf ''Das Grundrecht der Meinungsfreiheit (Art. 5 I 1, II GG)''] 11. Januar 2010, 5. Schranken-Schranken der Meinungsfreiheit (I), S. 12</span>
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Volker_Epping Volker Epping]: ''Grundrechte'', 6.&nbsp;Aufl. 2014, Rn.&nbsp;249&nbsp;ff.</span>
#<span class="reference-text">[https://openjur.de/u/183740.html BVerfG, Urteil vom 15. Januar 1958 - Az. 1 BvR 400/51] = BVerfGE 7, 198. Leitsatz 5</span>
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Mike_Wienbracke Mike Wienbracke]: [https://ia800200.us.archive.org/19/items/springer_10.1007-978-3-658-00764-5/10.1007-978-3-658-00764-5.pdf ''Einführung in die Grundrechte. Mit wirtschaftsjuristischem Schwerpunkt und dem Recht der Verfassungsbeschwerde.''][https://de.wikipedia.org/wiki/Springer_Gabler Springer Gabler] 2013, Rdnr. 395</span>
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%B6rn_Ipsen Jörn Ipsen]: ''Staatsrecht II. Grundrechte.'' München, 20. Aufl. 2017, Rdnr. 488</span>
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gerrit_Manssen Gerrit Manssen]: ''Staatsrecht II. Grundrechte.'' München, 14. Aufl. 2017, Rdnr. 393</span>
#<span class="reference-text">Katja Stamm: [https://www.bpb.de/apuz/26032/das-bundesverfassungs-gericht-und-die-meinungsfreiheit?p=all ''Das Bundesverfassungsgericht und die Meinungsfreiheit''] 26. Mai 2002</span>
<sup class="reference"></sup>{{Anmrkng Enzlnchws}}

Version vom 8. September 2024, 14:36 Uhr

Wechselwirkung‎-s-Lehre nhdt.-dt.

▶ Die Wechselwirkungslehre, auch als Wechselwirkungstheorie bezeichnet, ist eine spezielle Ausprägung des Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes.


Die Wechselwirkungslehre, auch als Wechselwirkungstheorie bezeichnet, ist eine spezielle Ausprägung des Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes.[1]

Bedeutung

Die Wechselwirkungslehre besagt, dass Gesetze, die Grundrechte beschränken, ihrerseits im Lichte der Bedeutung dieses Grundrechtes ausgelegt und in ihrer das Grundrecht begrenzenden Wirkung selbst wieder eingeschränkt werden müssen.

Eigenständige Bedeutung kommt der Wechselwirkungslehre im Zusammenhang mit der in Art. 5 Abs. 1 GG gewährleisteten Meinungsfreiheit zu.[2]

Auch dort, wo die Verfassung die Beschränkung eines Grundrechtes durch Gesetz zulässt, stellt sie nach Auffassung des Bundesverfassungsgerichts im Lüth-Urteil an dieses Gesetz und an seine Auslegung die zusätzliche Anforderung, die grundrechtliche Garantie zugunsten des Individuums im Blick zu behalten. Die „allgemeinen Gesetze“ im Sinne des Art. 5 Abs. 2 GG müssten im Lichte der besonderen Bedeutung des Grundrechts der freien Meinungsäußerung für den freiheitlichen demokratischen Staat ausgelegt werden.[3] Der Einschränkung eines Grundrechts setzt die Wechselwirkungslehre damit ihrerseits eine Schranke (Schranken-Schranke).[4]

Die Anwendung der Wechselwirkungslehre führt dazu, dass nur solche Regelungen verhältnismäßig sind, die ein angemessenes Verhältnis zwischen der Bedeutung der Meinungsfreiheit einerseits und dem Rang des durch die Meinungsäußerung beeinträchtigten Rechtsguts, das das einfache Recht schützen will, andererseits herstellen.[5]

Als spöttische Bezeichnung für die Wechselwirkungslehre ist der Begriff „Schaukeltheorie“ bekannt.[6]

Die Anwendung der Wechselwirkungslehre wurde in der Literatur kritisiert, weil sie dem Gericht einen zu großen Spielraum für eigenständige Argumentation gewähre und die Meinungsfreiheit zu Lasten des Ehrenschutzes stärke.[7]

Siehe auch

Literatur

  • Dieter Grimm: Die Meinungsfreiheit in der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts. NJW 1995, S. 1697 ff.
  • Thomas Möller: Der grundrechtliche Schutzbereich der Meinungsfreiheit in Deutschland, England und den USA. Nomos-Verlag, 2016. ISBN 978-3-8487-3156-5

Einzelnachweise

  1. Alexander Proelß: Das Grundrecht der Meinungsfreiheit (Art. 5 I 1, II GG) 11. Januar 2010, 5. Schranken-Schranken der Meinungsfreiheit (I), S. 12
  2. Volker Epping: Grundrechte, 6. Aufl. 2014, Rn. 249 ff.
  3. BVerfG, Urteil vom 15. Januar 1958 - Az. 1 BvR 400/51 = BVerfGE 7, 198. Leitsatz 5
  4. Mike Wienbracke: Einführung in die Grundrechte. Mit wirtschaftsjuristischem Schwerpunkt und dem Recht der Verfassungsbeschwerde.Springer Gabler 2013, Rdnr. 395
  5. Jörn Ipsen: Staatsrecht II. Grundrechte. München, 20. Aufl. 2017, Rdnr. 488
  6. Gerrit Manssen: Staatsrecht II. Grundrechte. München, 14. Aufl. 2017, Rdnr. 393
  7. Katja Stamm: Das Bundesverfassungsgericht und die Meinungsfreiheit 26. Mai 2002

== Einzelnachweise ==