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„Einsicht“ – Versionsunterschied

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einsicht {{nhdt.-dt.}} f. ‘das Einsehen, Einblick, Erkenntnis, Vernunft’, Ableitung von ''[[einsehen]]''. Seit Anfang des 18. Jhs. gebräuchlich Einsicht in ein Buch, in einen Zusammenhang; Mehrzal Einsichten (‘Erkenntnisse’) gewinnen.
einsicht {{nhdt.-dt.}} f. ‘das Einsehen, Einblick, Erkenntnis, Vernunft’, Ableitung von ''[[einsehen]]''. Seit Anfang des 18. Jhs. gebräuchlich Einsicht in ein Buch, in einen Zusammenhang; Mehrzal Einsichten (‘Erkenntnisse’) gewinnen.


{{Anm. KF}} Voraussetzung für die Steigerung von Vernunft; Dasein, Abfolge, zustände … einsehen, um diese zu verstehen und zu Erkenntniß und Verständniß zu gelangen (21 Jh. ndt.); 
{{Anm. KF}} Voraussetzung für die Steigerung von Vernunft; Dasein, Abfolge, zustände … einsehen, um diese zu verstehen und zu Erkenntniß und Verständniß zu gelangen (21 Jh. ndt.);
 
'''Einsicht''' (lateinisch ''gnaritas'' bzw. ''naritas'') bedeutet in der Alltagssprache, dass Eigenschaften, Zusammenhänge und Beziehungen eines Objektbereiches subjektiv hinreichend genau ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Erkennung erkannt]'', [https://de.wikipedia.org/wiki/Geist geistig] ''erfasst'' und sachlich richtig ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Begriff_(Philosophie) begriffen]'' werden. Als [https://de.wikipedia.org/wiki/Bewusst bewusstes] Resultat der Kombination von [https://de.wikipedia.org/wiki/Wahrnehmung Wahrnehmungen] und Nach[https://de.wikipedia.org/wiki/Denken denken] ist Einsicht dabei das Ergebnis eines analytisch-synthetischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Erkenntnis Erkenntnis]­prozesses. Auf anderem Wege zustande kommende, dann oft „blitzartig“ erlebte Einsichten werden in der Alltagspsychologie einem besonderen geistigen Vermögen, nämlich der „[https://de.wikipedia.org/wiki/Intuition Intuition]“ zugeschrieben.<div class="mw-heading mw-heading2">
== Geistesgeschichte ==
</div><p>Historisch sind andere Erklärungen des Zustandekommens von Einsichten bekannt. Bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Naturvolk Naturvölkern] beispielsweise gelten Einsichten als innerliche, gelegentlich wohl auch visionär erlebte Ratschläge oder Hinweise von Ahnen, als „Eingebung“ guter oder geheiligter Geister, als Rat hilfreicher Götter und als göttliche „Erleuchtung“ oder „Offenbarung“, banal aber auch als schlichter „Einfall“.</p><div class="mw-heading mw-heading3">
=== Philosophie ===
</div><p>Die Einsicht [https://de.wikipedia.org/wiki/A_priori a priori] kann unterschieden werden von der Erkenntnis [https://de.wikipedia.org/wiki/A_posteriori a posteriori].<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Einsicht#cite_note-1 <span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span>]</sup> Versteht man Einsicht [https://de.wikipedia.org/wiki/Kognitiv kognitiv] als ein Worte-Haben, so erscheint das Zitat von [https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Nietzsche Friedrich Nietzsche] (1844–1900) von Interesse: »Wofür wir Worte haben, darüber sind wir auch schon hinaus.«&nbsp;Damit wird die affektive Beteiligung als Beweggrund bei kognitiven Prozessen angedeutet.<sup id="cite_ref-2" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Einsicht#cite_note-2 <span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span>]</sup><sup id="cite_ref-FLP_3-0" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Einsicht#cite_note-FLP-3 <span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span>]</sup></p><div class="Vorlage_Zitat"><div><blockquote><p>„Einsicht ist mehr als die [https://de.wikipedia.org/wiki/Erkenntnis Erkenntnis] dieser oder jener Sachlage. Sie enthält stets ein Zurückkommen von etwas, worin man verblendeterweise befangen war. Insofern enthält Einsicht immer ein Moment der [https://de.wikipedia.org/wiki/Selbsterkenntnis Selbsterkenntnis] und stellt eine notwendige Seite dessen dar, was wir [https://de.wikipedia.org/wiki/Erfahrung Erfahrung] nennen. Einsicht ist etwas, wozu man kommt. Auch das ist am Ende eine Bestimmung des menschlichen Seins selbst, einsichtig und einsichtsvoll zu sein.“</p></blockquote></div><div class="cite">– <span class="Person h-card">[https://de.wikipedia.org/wiki/Hans-Georg_Gadamer Hans-Georg Gadamer]: ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Wahrheit_und_Methode Wahrheit und Methode]'', Hermeneutik I, Tübingen 1990, S. 362.</span></div></div><div class="mw-heading mw-heading2">
== Forschungsgeschichte ==
</div><div class="mw-heading mw-heading3">
=== Psychologie ===
</div><p>Als psychologischer Fachbegriff bezeichnet Einsicht das ''plötzliche'' Erkennen der Lösung eines Problems oder des Lösungsweges für eine praktische Aufgabe, gelegentlich auch das schlagartige Erkennen von [https://de.wikipedia.org/wiki/Gestalt#Psychologie „Gestalten“] und sonstigen zusammenhängenden Elementen der (meist visuellen) [https://de.wikipedia.org/wiki/Wahrnehmung Wahrnehmung]. Umgangssprachlich ist dabei oft von einem „[https://de.wikipedia.org/wiki/Aha-Erlebnis Aha-Erlebnis]“ die Rede, ein Begriff, der von dem deutschen Sprachpsychologen und Sprachtheoretiker [https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_B%C3%BChler Karl Bühler] (1879–1963) geprägt wurde.</p><p>Probleme, die durch Einsicht lösbar sind, bestehen aus einem einzigen Lösungsschritt, der aber schwer zu sehen ist. Insbesondere [https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Duncker_(Psychologe) Karl Duncker] (1903–1940) hat dazu zahlreiche Verhaltensexperimente durchgeführt. Beim Problemlösen gibt es eine Zeit, in der man augenscheinlich (beobachtbar) nichts tut. Dies ist die Zeit nach dem Erkennen des Problemes (oder Scheitern der ersten Fehl-Lösungsversuche) bis zu dem Moment, an dem man eine Lösung gefunden zu haben glaubt, also ein „Aha-Erlebnis“ hatte. In dieser Phase laufen kognitive Umstrukturierungsprozesse, es wird nachgedacht, sich etwas vorgestellt oder es werden Wahrnehmungs- und Gedächtnisinhalte kombiniert, so dass eine Neuordnung von Wissen entsteht. Früher wurde diese Zeit gelegentlich auch als „[https://de.wikipedia.org/wiki/Inkubation_(Psychologie) Inkubation]“ bezeichnet.</p><p>Das Erlangen einer Einsicht bzw. ein Aha-Erlebnis wurde lange Zeit als eine wichtige Phase des kreativen Schaffensprozesses gesehen.<sup id="cite_ref-:1_4-0" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Einsicht#cite_note-:1-4 <span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span>]</sup> Inzwischen zeigen aber Studien, dass die Fähigkeit, Aufgaben durch Einsicht bzw. mit [https://de.wikipedia.org/wiki/Aha-Erlebnis Aha-Erlebnis] zu lösen, nicht positiv mit [https://de.wikipedia.org/wiki/Kreativit%C3%A4t Kreativität] korreliert ist.<sup id="cite_ref-5" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Einsicht#cite_note-5 <span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span>]</sup></p><p>Wenn von der [https://de.wikipedia.org/wiki/Gestalttheorie gestalttheoretischen] Interpretation abgesehen wird (s.&nbsp;u.), so lässt sich ganz allgemein ein Problemlösungsverhalten immer dann als einsichtig bezeichnen, wenn dem eigentlichen Lösungsvollzug eine Phase der systeminternen und meist vorerfahrungsfreien Verhaltensorganisation auf Grund sensorischer Reizverarbeitung vorausgeht, als deren Resultat eine der Problemlösungssituation angepasste Lösung auftritt.</p><p>Als charakteristische beobachtbare Eigenschaften, als Kriterien einsichtigen Verhaltens gelten:</p>
*das plötzliche Auftreten der Lösung
*die Geschlossenheit der [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Handlungssequenz&action=edit&redlink=1 Handlungssequenz] während des Lösungsvollzugs
*die Substituierbarkeit der Mittel in struktur-analogen Situationen
*die Originalität der Lösung
*die unverzügliche Wiederholbarkeit der Lösung auch bei größter zeitlicher Distanz
<p>Dies sind zugleich die Merkmale, die diesen Verhaltenstyp vom [https://de.wikipedia.org/wiki/Versuch_und_Irrtum Versuch-und-Irrtum]-Verhalten abgrenzen bzw. unterscheiden.</p><div class="hintergrundfarbe1 rahmenfarbe1 navigation-not-searchable noprint Vorlage_Lueckenhaft"><div class="noviewer noresize" role="presentation" aria-hidden="true">[https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:L%C3%BCckenhaft ]</div><div><div>In diesem Artikel oder Abschnitt fehlen noch folgende wichtige Informationen:<div>Empirische Forschungsergebnisse der letzten Jahrzehnte</div>Hilf der Wikipedia, indem du sie [https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Belege#Was_sind_zuverl%C3%A4ssige_Informationsquellen? recherchierst] und <span class="plainlinks">[https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Einsicht&action=edit#editform einfügst].</span></div></div></div><div class="mw-heading mw-heading4">
==== Gestaltpsychologie ====
</div><p>Als ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Gestaltpsychologie gestaltpsychologischer] Begriff wurde „Einsicht“ zuerst von [https://de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_K%C3%B6hler_(Psychologe) Wolfgang Köhler] (1887–1967) in die [https://de.wikipedia.org/wiki/Denkpsychologie Denkpsychologie]eingeführt, siehe dazu auch den gestalttheoretischen Begriff der → [https://de.wikipedia.org/wiki/Isomorphie_(Psychophysiologie)#Ausweitung_des_Modellbegriffs Isomorphie].<sup id="cite_ref-FLP_3-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Einsicht#cite_note-FLP-3 <span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span>]</sup> Daher wird in der englischsprachigen Fachliteratur häufig das deutsche Wort verwendet anstelle üblicher Begriffe wie ''insight'', ''eureka moment'' oder ''lightbulb moment''. Dabei denkt man an das Comic-Bild einer plötzlich aufleuchtenden Glühlampe. Dieses Bild deutet einen Organisationsvorgang im [https://de.wikipedia.org/wiki/Zentrales_Nervensystem ZNS] zum Zeitpunkt des Erzielens von Einsicht an.<sup id="cite_ref-LDP_6-0" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Einsicht#cite_note-LDP-6 <span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span>]</sup></p><div class="mw-heading mw-heading4">
==== Primärtheorie ====
</div><p>Im Rahmen der [https://de.wikipedia.org/wiki/Prim%C3%A4rtheorie Primärtheorie] sind Einsichten ein quasi automatischer Prozess, der eintritt, wenn frühe psychische Blockaden durch ein Urerlebnis (also das Fühlen von „Urschmerzen“) aufgelöst werden.</p><div class="mw-heading mw-heading2">
== Siehe auch ==
</div>
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Lernen_durch_Einsicht Lernen durch Einsicht]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Vipassana Vipassana]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Kenntnis Kenntnis]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Erkenntnis Erkenntnis]
<div class="mw-heading mw-heading2">
== Weblinks ==
</div><div class="sisterproject"><div class="noviewer" role="presentation" aria-hidden="true"><span class="mw-default-size skin-invert-image"><span title="Wikiquote">[[file:13px-Wikiquote-logo.svg.png|13x16px]]</span></span></div>'''[https://de.wikiquote.org/wiki/Einsicht Wikiquote: Einsicht]'''&nbsp;– Zitate</div><div class="sisterproject"><span class="noviewer" role="presentation" aria-hidden="true"><span class="mw-default-size"><span title="Wiktionary">[[file:16px-Wiktfavicon_en.svg.png|16x16px]]</span></span></span>'''[https://de.wiktionary.org/wiki/Einsicht Wiktionary: Einsicht]'''&nbsp;– Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen</div>
*[http://www.spectrum.uni-bielefeld.de/~ttrippel/aesthetik/node3.html Differenzierung von Aha-Erlebnis, Flow-Erlebnis und ästhetischen Erfahrung]
<div class="mw-heading mw-heading2">
== Einzelnachweise ==
</div>
#<span class="reference-text">''Einsicht.'' In: [https://de.wikipedia.org/wiki/Georgi_Schischkoff Georgi Schischkoff] (Hrsg.): ''Philosophisches Wörterbuch.'' 14. Auflage. Alfred Kröner, Stuttgart 1982, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3520013215 ISBN 3-520-01321-5], S. 144.</span>
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Nietzsche Friedrich Nietzsche]: ''[https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%B6tzen-D%C3%A4mmerung_oder_Wie_man_mit_dem_Hammer_philosophiert Götzen-Dämmerung oder Wie man mit dem Hammer philosophiert].'' 1889 KSA 6.</span>
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_R._Hofst%C3%A4tter Peter R. Hofstätter] (Hrsg.): ''Psychologie''. Das Fischer Lexikon. Fischer-Taschenbuch, Frankfurt am Main 1972, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3436011592 ISBN 3-436-01159-2]; (a)&nbsp;zu „Friedrich Nietzsche“, S. 275; (b)&nbsp;zu „Einsicht gemäß Gestalttheorie“, S. 164, 210 f.</span>
#<span class="reference-text">Csikszentmihalyi, Mihaly: <cite>Creativity: flow and the psychology of discovery and invention</cite>. 1st ed Auflage. HarperCollinsPublishers, New York 1996, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/0060171332 ISBN 0-06-017133-2].</span>
#<span class="reference-text">Roger E. Beaty, Emily C. Nusbaum, Paul J. Silvia: <cite>Does insight problem solving predict real-world creativity?</cite> In: <cite>Psychology of Aesthetics, Creativity, and the Arts</cite>. Band&nbsp;8, Nr.&nbsp;3, August 2014, [https://de.wikipedia.org/wiki/Internationale_Standardnummer_f%C3%BCr_fortlaufende_Sammelwerke ISSN]&nbsp;[https://zdb-katalog.de/list.xhtml?t=iss%3D%221931-390X%22&key=cql 1931-390X], S.&nbsp;287–292, [https://de.wikipedia.org/wiki/Digital_Object_Identifier doi]:<span class="uri-handle">[https://doi.org/10.1037/a0035727 10.1037/a0035727]</span> ([http://doi.apa.org/getdoi.cfm?doi=10.1037/a0035727 apa.org] [abgerufen am 5.&nbsp;Juli 2018]).</span>
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Karl_Arnold Wilhelm Karl Arnold] u. a. (Hrsg.): ''Lexikon der Psychologie''. Bechtermünz, Augsburg 1996, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3860475088 ISBN 3-86047-508-8]; Einsicht als Ergebnis eines nervösen Organisationsvorgangs siehe Lex.-Lemma „Einsicht“: Sp. 434.</span>

Version vom 16. September 2024, 11:22 Uhr

einsicht nhdt.-dt. f. ‘das Einsehen, Einblick, Erkenntnis, Vernunft’, Ableitung von einsehen. Seit Anfang des 18. Jhs. gebräuchlich Einsicht in ein Buch, in einen Zusammenhang; Mehrzal Einsichten (‘Erkenntnisse’) gewinnen.

Anm. KF: Voraussetzung für die Steigerung von Vernunft; Dasein, Abfolge, zustände … einsehen, um diese zu verstehen und zu Erkenntniß und Verständniß zu gelangen (21 Jh. ndt.);

Einsicht (lateinisch gnaritas bzw. naritas) bedeutet in der Alltagssprache, dass Eigenschaften, Zusammenhänge und Beziehungen eines Objektbereiches subjektiv hinreichend genau erkannt, geistig erfasst und sachlich richtig begriffen werden. Als bewusstes Resultat der Kombination von Wahrnehmungen und Nachdenken ist Einsicht dabei das Ergebnis eines analytisch-synthetischen Erkenntnis­prozesses. Auf anderem Wege zustande kommende, dann oft „blitzartig“ erlebte Einsichten werden in der Alltagspsychologie einem besonderen geistigen Vermögen, nämlich der „Intuition“ zugeschrieben.

Geistesgeschichte

Historisch sind andere Erklärungen des Zustandekommens von Einsichten bekannt. Bei Naturvölkern beispielsweise gelten Einsichten als innerliche, gelegentlich wohl auch visionär erlebte Ratschläge oder Hinweise von Ahnen, als „Eingebung“ guter oder geheiligter Geister, als Rat hilfreicher Götter und als göttliche „Erleuchtung“ oder „Offenbarung“, banal aber auch als schlichter „Einfall“.

Philosophie

Die Einsicht a priori kann unterschieden werden von der Erkenntnis a posteriori.[1] Versteht man Einsicht kognitiv als ein Worte-Haben, so erscheint das Zitat von Friedrich Nietzsche (1844–1900) von Interesse: »Wofür wir Worte haben, darüber sind wir auch schon hinaus.« Damit wird die affektive Beteiligung als Beweggrund bei kognitiven Prozessen angedeutet.[2][3]

„Einsicht ist mehr als die Erkenntnis dieser oder jener Sachlage. Sie enthält stets ein Zurückkommen von etwas, worin man verblendeterweise befangen war. Insofern enthält Einsicht immer ein Moment der Selbsterkenntnis und stellt eine notwendige Seite dessen dar, was wir Erfahrung nennen. Einsicht ist etwas, wozu man kommt. Auch das ist am Ende eine Bestimmung des menschlichen Seins selbst, einsichtig und einsichtsvoll zu sein.“

– Hans-Georg Gadamer: Wahrheit und Methode, Hermeneutik I, Tübingen 1990, S. 362.

Forschungsgeschichte

Psychologie

Als psychologischer Fachbegriff bezeichnet Einsicht das plötzliche Erkennen der Lösung eines Problems oder des Lösungsweges für eine praktische Aufgabe, gelegentlich auch das schlagartige Erkennen von „Gestalten“ und sonstigen zusammenhängenden Elementen der (meist visuellen) Wahrnehmung. Umgangssprachlich ist dabei oft von einem „Aha-Erlebnis“ die Rede, ein Begriff, der von dem deutschen Sprachpsychologen und Sprachtheoretiker Karl Bühler (1879–1963) geprägt wurde.

Probleme, die durch Einsicht lösbar sind, bestehen aus einem einzigen Lösungsschritt, der aber schwer zu sehen ist. Insbesondere Karl Duncker (1903–1940) hat dazu zahlreiche Verhaltensexperimente durchgeführt. Beim Problemlösen gibt es eine Zeit, in der man augenscheinlich (beobachtbar) nichts tut. Dies ist die Zeit nach dem Erkennen des Problemes (oder Scheitern der ersten Fehl-Lösungsversuche) bis zu dem Moment, an dem man eine Lösung gefunden zu haben glaubt, also ein „Aha-Erlebnis“ hatte. In dieser Phase laufen kognitive Umstrukturierungsprozesse, es wird nachgedacht, sich etwas vorgestellt oder es werden Wahrnehmungs- und Gedächtnisinhalte kombiniert, so dass eine Neuordnung von Wissen entsteht. Früher wurde diese Zeit gelegentlich auch als „Inkubation“ bezeichnet.

Das Erlangen einer Einsicht bzw. ein Aha-Erlebnis wurde lange Zeit als eine wichtige Phase des kreativen Schaffensprozesses gesehen.[4] Inzwischen zeigen aber Studien, dass die Fähigkeit, Aufgaben durch Einsicht bzw. mit Aha-Erlebnis zu lösen, nicht positiv mit Kreativität korreliert ist.[5]

Wenn von der gestalttheoretischen Interpretation abgesehen wird (s. u.), so lässt sich ganz allgemein ein Problemlösungsverhalten immer dann als einsichtig bezeichnen, wenn dem eigentlichen Lösungsvollzug eine Phase der systeminternen und meist vorerfahrungsfreien Verhaltensorganisation auf Grund sensorischer Reizverarbeitung vorausgeht, als deren Resultat eine der Problemlösungssituation angepasste Lösung auftritt.

Als charakteristische beobachtbare Eigenschaften, als Kriterien einsichtigen Verhaltens gelten:

  • das plötzliche Auftreten der Lösung
  • die Geschlossenheit der Handlungssequenz während des Lösungsvollzugs
  • die Substituierbarkeit der Mittel in struktur-analogen Situationen
  • die Originalität der Lösung
  • die unverzügliche Wiederholbarkeit der Lösung auch bei größter zeitlicher Distanz

Dies sind zugleich die Merkmale, die diesen Verhaltenstyp vom Versuch-und-Irrtum-Verhalten abgrenzen bzw. unterscheiden.

Gestaltpsychologie

Als ein gestaltpsychologischer Begriff wurde „Einsicht“ zuerst von Wolfgang Köhler (1887–1967) in die Denkpsychologieeingeführt, siehe dazu auch den gestalttheoretischen Begriff der → Isomorphie.[3] Daher wird in der englischsprachigen Fachliteratur häufig das deutsche Wort verwendet anstelle üblicher Begriffe wie insight, eureka moment oder lightbulb moment. Dabei denkt man an das Comic-Bild einer plötzlich aufleuchtenden Glühlampe. Dieses Bild deutet einen Organisationsvorgang im ZNS zum Zeitpunkt des Erzielens von Einsicht an.[6]

Primärtheorie

Im Rahmen der Primärtheorie sind Einsichten ein quasi automatischer Prozess, der eintritt, wenn frühe psychische Blockaden durch ein Urerlebnis (also das Fühlen von „Urschmerzen“) aufgelöst werden.

Siehe auch

Wiktionary: Einsicht – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Einsicht. In: Georgi Schischkoff (Hrsg.): Philosophisches Wörterbuch. 14. Auflage. Alfred Kröner, Stuttgart 1982, ISBN 3-520-01321-5, S. 144.
  2. Friedrich Nietzsche: Götzen-Dämmerung oder Wie man mit dem Hammer philosophiert. 1889 KSA 6.
  3. Peter R. Hofstätter (Hrsg.): Psychologie. Das Fischer Lexikon. Fischer-Taschenbuch, Frankfurt am Main 1972, ISBN 3-436-01159-2; (a) zu „Friedrich Nietzsche“, S. 275; (b) zu „Einsicht gemäß Gestalttheorie“, S. 164, 210 f.
  4. Csikszentmihalyi, Mihaly: Creativity: flow and the psychology of discovery and invention. 1st ed Auflage. HarperCollinsPublishers, New York 1996, ISBN 0-06-017133-2.
  5. Roger E. Beaty, Emily C. Nusbaum, Paul J. Silvia: Does insight problem solving predict real-world creativity? In: Psychology of Aesthetics, Creativity, and the Arts. Band 8, Nr. 3, August 2014, ISSN 1931-390X, S. 287–292, doi:10.1037/a0035727 (apa.org [abgerufen am 5. Juli 2018]).
  6. Wilhelm Karl Arnold u. a. (Hrsg.): Lexikon der Psychologie. Bechtermünz, Augsburg 1996, ISBN 3-86047-508-8; Einsicht als Ergebnis eines nervösen Organisationsvorgangs siehe Lex.-Lemma „Einsicht“: Sp. 434.