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„Kanon“ – Versionsunterschied

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<p>kan + on | m. ‘Richtschnur, Regel, Kettengesang’. Griech. ''kanṓn'' (κανών) ‘gerade Stange, Richtscheit, Lineal’ ist wohl, ausgehend von einer Bedeutung ‘Rohrstab’, eine Bildung zu griech. ''kánna''&nbsp;‘Rohr, Rohrgeflecht’ (s. ''Kanal'').</p>
Kanon {{agrie.-lat.-dt.}} m. eigtl. '[[Rohr]], [[Rohrstab]]'; [[Maßstab]], vgl. ''[[Kanone]], [[Kanal]], [[Begriffsgeschichte des Wortes Kanon]]''


<!-- /wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><p>Bereits im Griechisch&nbsp;entwickelt ''kanṓn'' die Übertragungen ‘Regel, Vorschrift, Liste, Katalog, Verzeichnis der klassischen Schriftsteller’, die alle von lat. ''canōn'' übernommen werden.</p>
* ‘[[Richtschnur]], [[Regel]], [[Kettengesang]]’.
 
** Griech. ''[[kanṓn]]'' (κανών) ‘gerade Stange, Richtscheit, Lineal’
<!-- /wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><p>Davon ausgehend bezeichnet ''canōn'' in der grie. und lat. Kirchensprache den unveränderlichen Hauptbestandteil der Messe, das Verzeichnis der als göttlich inspiriert geltenden Bücher der Bibel und den Katalog der Heiligen.</p>
*** ist wohl, ausgehend von einer Bedeutung ‘Rohrstab’, eine Bildung
 
**** zu griech. ''[[kánna]]'' (κάννα) ‘Rohr, Rohrgeflecht’ (s. ''[[Kanal]]'').
<!-- /wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><p>In allen übertragenen Bedeutungen wird&nbsp;''canōn'' zu unterschiedlichen Zeiten ins Deutsch&nbsp;übernommen; zuerst wohl ahd. ''canon'' ‘(kirchliche) Rechtsvorschrift’ (9. Jh.), dann für das Hochgebet in der Messopfer, Opfergottesdienst (15. Jh.) und schließlich für ein Lied oder Musikstück, bei dem die Stimmen nacheinander (nach strenger kontrapunktischer Regel) einsetzen (16. Jh.).</p>
*** Bereits im Griech. entwickelt ''[[kanṓn]]'' die Übertragungen ‘[[Regel]], [[Vorschrift]], [[Liste]], [[Katalog]], [[Verzeichnis]] der klassischen Schriftsteller’,  
 
**** die alle von lat. ''[[canōn]]'' übernommen werden.  
<!-- /wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><p>Die Wendung ''unter aller Kanone'' ist eine scherzhafte Übersetzung der Schülersprache von lat. ''sub omni canone'' ‘unter allem Kanon’, d. h. so schlecht, daß es sich der Beurteilungsrichtschnur entzieht.</p>
*** Davon ausgehend bezeichnet ''[[canōn]]'' in der griech. und lat. Kirchensprache  
**** den unveränderlichen Hauptbestandteil der Messe,  
**** das Verzeichnis der als göttlich inspiriert geltenden Bücher der Bibel und  
**** den Katalog der Heiligen.  
* In allen übertragenen Bedeutungen wird ''[[canōn]]'' zu unterschiedlichen Zeiten ins Dt. übernommen;  
** zuerst wohl ahd. ''canon'' ‘(kirchliche) [[Rechtsvorschrift]]’ (9. Jh.),  
** dann für das eucharistische Hochgebet in der Messe (15. Jh.)  
** und schließlich für ein Lied oder Musikstück,  
*** bei dem die Stimmen nacheinander (nach strenger kontrapunktischer Regel) einsetzen (16. Jh.).  
* Die Wendung '<nowiki/>''unter aller Kanone''' ist eine scherzhafte Übersetzung der Schülersprache von lat. ''sub omni canone'' ‘unter allem Kanon’, d. h. so schlecht, daß es sich der Beurteilungsrichtschnur entzieht.

Version vom 16. Juli 2024, 07:42 Uhr

Kanon Vorlage:agrie.-lat.-dt. m. eigtl. 'Rohr, Rohrstab'; Maßstab, vgl. Kanone, Kanal, Begriffsgeschichte des Wortes Kanon

  • ‘Richtschnur, Regel, Kettengesang’.
    • Griech. kanṓn (κανών) ‘gerade Stange, Richtscheit, Lineal’
      • ist wohl, ausgehend von einer Bedeutung ‘Rohrstab’, eine Bildung
        • zu griech. kánna (κάννα) ‘Rohr, Rohrgeflecht’ (s. Kanal).
      • Bereits im Griech. entwickelt kanṓn die Übertragungen ‘Regel, Vorschrift, Liste, Katalog, Verzeichnis der klassischen Schriftsteller’,
        • die alle von lat. canōn übernommen werden.
      • Davon ausgehend bezeichnet canōn in der griech. und lat. Kirchensprache
        • den unveränderlichen Hauptbestandteil der Messe,
        • das Verzeichnis der als göttlich inspiriert geltenden Bücher der Bibel und
        • den Katalog der Heiligen.
  • In allen übertragenen Bedeutungen wird canōn zu unterschiedlichen Zeiten ins Dt. übernommen;
    • zuerst wohl ahd. canon ‘(kirchliche) Rechtsvorschrift’ (9. Jh.),
    • dann für das eucharistische Hochgebet in der Messe (15. Jh.)
    • und schließlich für ein Lied oder Musikstück,
      • bei dem die Stimmen nacheinander (nach strenger kontrapunktischer Regel) einsetzen (16. Jh.).
  • Die Wendung 'unter aller Kanone' ist eine scherzhafte Übersetzung der Schülersprache von lat. sub omni canone ‘unter allem Kanon’, d. h. so schlecht, daß es sich der Beurteilungsrichtschnur entzieht.