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„Devotio moderna“ – Versionsunterschied

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Die '''Devotio moderna''' ([https://de.wikipedia.org/wiki/Lateinische_Sprache lateinisch]; „zeitgemäße [https://de.wikipedia.org/wiki/Fr%C3%B6mmigkeit Frömmigkeit]“) war eine religiöse Erneuerungsbewegung innerhalb der [https://de.wikipedia.org/wiki/Kirche_(Organisation) Kirche]. Sie entstand im ausgehenden 14.&nbsp;Jahrhundert in den [https://de.wikipedia.org/wiki/Niederlande Niederlanden] und verbreitete sich im 15. Jahrhundert vor allem in [https://de.wikipedia.org/wiki/Nordwestdeutschland Nordwestdeutschland]. Im 16. Jahrhundert verlor sie an Kraft, wirkte jedoch im Denken der deutschen [https://de.wikipedia.org/wiki/Renaissance-Humanismus Renaissance-Humanisten] und der [https://de.wikipedia.org/wiki/Reformator Reformatoren] fort.<div class="mw-heading mw-heading2">
Die '''Devotio moderna''' ([https://de.wikipedia.org/wiki/Lateinische_Sprache lateinisch]; „zeitgemäße [[Frömmigkeit]]“) war eine religiöse Erneuerungsbewegung innerhalb der [https://de.wikipedia.org/wiki/Kirche_(Organisation) Kirche]. Sie entstand im ausgehenden 14.&nbsp;Jahrhundert in den [https://de.wikipedia.org/wiki/Niederlande Niederlanden] und verbreitete sich im 15. Jahrhundert vor allem in [https://de.wikipedia.org/wiki/Nordwestdeutschland Nordwestdeutschland]. Im 16. Jahrhundert verlor sie an Kraft, wirkte jedoch im Denken der deutschen [https://de.wikipedia.org/wiki/Renaissance-Humanismus Renaissance-Humanisten] und der [https://de.wikipedia.org/wiki/Reformator Reformatoren] fort.<div class="mw-heading mw-heading2">
== Geschichte ==
== Geschichte ==
</div><p>Die Ursprünge der Devotio moderna sind mit [https://de.wikipedia.org/wiki/Geert_Groote Geert Groote] (1340–1384) aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Deventer Deventer] verbunden, aus dessen Tätigkeit sich zunächst die [https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%B6nchtum nichtmonastische] Bewegung der [https://de.wikipedia.org/wiki/Br%C3%BCder_vom_gemeinsamen_Leben Brüder vom gemeinsamen Leben] herleitete; später entstand die [https://de.wikipedia.org/wiki/Windesheimer_Chorherren Windesheimer Kongregation], eine im Geist der ''Devotio moderna'' reformierte [https://de.wikipedia.org/wiki/Augustiner-Chorherren Augustiner-Chorherren]-Gemeinschaft. Besonders verbreitet war die Bewegung im 14. und 15. Jahrhundert in niederländischen und niederrheinisch-westfälischen Gebieten. Zuweilen wird sie als Vorgängerin von [https://de.wikipedia.org/wiki/Luthertum Luthertum] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Calvinismus Calvinismus] angesehen. Auch [https://de.wikipedia.org/wiki/Erasmus_von_Rotterdam Erasmus von Rotterdam] wurde in dieser Denkrichtung erzogen.</p><p>Da die ''Devotio moderna'' die rechtlich verfasste Kirche, den äußeren Empfang der Sakramente und die Gelübde und Regeln der Ordensgemeinschaften geringer schätzte als die individuelle Christusbeziehung, beschuldigten die [https://de.wikipedia.org/wiki/Dominikaner Dominikaner] sie auf dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Konzil_von_Konstanz Konstanzer Konzil] (1414–1418) der [https://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%A4resie Häresie]. [https://de.wikipedia.org/wiki/Jean_Gerson Johannes Gerson] verteidigte sie jedoch und verhinderte einen Prozess.<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Devotio_moderna#cite_note-1 <span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span>]</sup></p><p>Bedeutendstes Werk der ''Devotio moderna'' ist die „[https://de.wikipedia.org/wiki/Nachfolge_Christi Nachfolge Christi]“ (lat. ''Imitatio Christi'') des Windesheimer Chorherren [https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_von_Kempen Thomas von Kempen].</p><div class="mw-heading mw-heading2">
</div><p>Die Ursprünge der Devotio moderna sind mit [https://de.wikipedia.org/wiki/Geert_Groote Geert Groote] (1340–1384) aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Deventer Deventer] verbunden, aus dessen Tätigkeit sich zunächst die [https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%B6nchtum nichtmonastische] Bewegung der [https://de.wikipedia.org/wiki/Br%C3%BCder_vom_gemeinsamen_Leben Brüder vom gemeinsamen Leben] herleitete; später entstand die [https://de.wikipedia.org/wiki/Windesheimer_Chorherren Windesheimer Kongregation], eine im Geist der ''Devotio moderna'' reformierte [https://de.wikipedia.org/wiki/Augustiner-Chorherren Augustiner-Chorherren]-Gemeinschaft. Besonders verbreitet war die Bewegung im 14. und 15. Jahrhundert in niederländischen und niederrheinisch-westfälischen Gebieten. Zuweilen wird sie als Vorgängerin von [https://de.wikipedia.org/wiki/Luthertum Luthertum] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Calvinismus Calvinismus] angesehen. Auch [https://de.wikipedia.org/wiki/Erasmus_von_Rotterdam Erasmus von Rotterdam] wurde in dieser Denkrichtung erzogen.</p><p>Da die ''Devotio moderna'' die rechtlich verfasste Kirche, den äußeren Empfang der Sakramente und die Gelübde und Regeln der Ordensgemeinschaften geringer schätzte als die individuelle Christusbeziehung, beschuldigten die [https://de.wikipedia.org/wiki/Dominikaner Dominikaner] sie auf dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Konzil_von_Konstanz Konstanzer Konzil] (1414–1418) der [https://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%A4resie Häresie]. [https://de.wikipedia.org/wiki/Jean_Gerson Johannes Gerson] verteidigte sie jedoch und verhinderte einen Prozess.<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Devotio_moderna#cite_note-1 <span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span>]</sup></p><p>Bedeutendstes Werk der ''Devotio moderna'' ist die „[https://de.wikipedia.org/wiki/Nachfolge_Christi Nachfolge Christi]“ (lat. ''Imitatio Christi'') des Windesheimer Chorherren [https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_von_Kempen Thomas von Kempen].</p><div class="mw-heading mw-heading2">
== Eigenart ==
== Eigenart ==
</div><p>Die ''Devotio moderna'' machte sich etwa in derselben Zeit bemerkbar, in der sich der [https://de.wikipedia.org/wiki/Humanismus Humanismus] mit dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Christentum Christentum] zum christlichen Humanismus verband. Letzterer forderte das Studium der grundlegenden Texte des Christentums, um eine <u>persönliche Beziehung zu Gott</u> herzustellen. Die Brüder vom gemeinsamen Leben fanden ihre Hauptaufgabe und Erwerbsquelle im Abschreiben und Binden von Büchern. Im 16. Jahrhundert wurden die Texte dann durch die Entwicklung der [https://de.wikipedia.org/wiki/Druckerpresse Druckerpresse] immer weiteren Kreisen zugänglich.</p><p>Die ''Devotio moderna'' schöpfte aus den Quellen der [https://de.wikipedia.org/wiki/Christliche_Mystik christlichen Mystik] und stand dem spätmittelalterlichen [https://de.wikipedia.org/wiki/Spiritualismus_(Theologie) Spiritualismus] nahe. Sie „zielte […] auf eine besondere persönliche und innerliche [https://de.wikipedia.org/wiki/Fr%C3%B6mmigkeit Frömmigkeit] ab, die ihre Kraft nicht so sehr aus der Mitfeier der kirchlichen Liturgie und aus den Sakramenten schöpfte als vielmehr aus der stillen Betrachtung des Leidens Christi und aus dem Geiste der Bergpredigt“. Dabei blieb sie jedoch „ganz und gar kirchentreu“ ([https://de.wikipedia.org/wiki/August_Franzen August Franzen]).<sup id="cite_ref-2" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Devotio_moderna#cite_note-2 <span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span>]</sup></p><div class="mw-heading mw-heading2">
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== Literatur ==
== Literatur ==
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Version vom 30. September 2024, 07:49 Uhr

Die Devotio moderna (lateinisch; „zeitgemäße Frömmigkeit“) war eine religiöse Erneuerungsbewegung innerhalb der Kirche. Sie entstand im ausgehenden 14. Jahrhundert in den Niederlanden und verbreitete sich im 15. Jahrhundert vor allem in Nordwestdeutschland. Im 16. Jahrhundert verlor sie an Kraft, wirkte jedoch im Denken der deutschen Renaissance-Humanisten und der Reformatoren fort.

Geschichte

Die Ursprünge der Devotio moderna sind mit Geert Groote (1340–1384) aus Deventer verbunden, aus dessen Tätigkeit sich zunächst die nichtmonastische Bewegung der Brüder vom gemeinsamen Leben herleitete; später entstand die Windesheimer Kongregation, eine im Geist der Devotio moderna reformierte Augustiner-Chorherren-Gemeinschaft. Besonders verbreitet war die Bewegung im 14. und 15. Jahrhundert in niederländischen und niederrheinisch-westfälischen Gebieten. Zuweilen wird sie als Vorgängerin von Luthertum und Calvinismus angesehen. Auch Erasmus von Rotterdam wurde in dieser Denkrichtung erzogen.

Da die Devotio moderna die rechtlich verfasste Kirche, den äußeren Empfang der Sakramente und die Gelübde und Regeln der Ordensgemeinschaften geringer schätzte als die individuelle Christusbeziehung, beschuldigten die Dominikaner sie auf dem Konstanzer Konzil (1414–1418) der Häresie. Johannes Gerson verteidigte sie jedoch und verhinderte einen Prozess.[1]

Bedeutendstes Werk der Devotio moderna ist die „Nachfolge Christi“ (lat. Imitatio Christi) des Windesheimer Chorherren Thomas von Kempen.

Eigenart

Die Devotio moderna machte sich etwa in derselben Zeit bemerkbar, in der sich der Humanismus mit dem Christentum zum christlichen Humanismus verband. Letzterer forderte das Studium der grundlegenden Texte des Christentums, um eine persönliche Beziehung zu Gott herzustellen. Die Brüder vom gemeinsamen Leben fanden ihre Hauptaufgabe und Erwerbsquelle im Abschreiben und Binden von Büchern. Im 16. Jahrhundert wurden die Texte dann durch die Entwicklung der Druckerpresse immer weiteren Kreisen zugänglich.

Die Devotio moderna schöpfte aus den Quellen der christlichen Mystik und stand dem spätmittelalterlichen Spiritualismus nahe. Sie „zielte […] auf eine besondere persönliche und innerliche Frömmigkeit ab, die ihre Kraft nicht so sehr aus der Mitfeier der kirchlichen Liturgie und aus den Sakramenten schöpfte als vielmehr aus der stillen Betrachtung des Leidens Christi und aus dem Geiste der Bergpredigt“. Dabei blieb sie jedoch „ganz und gar kirchentreu“ (August Franzen).[2]

Literatur

  • Christoph Benke: Kleine Geschichte der christlichen Spiritualität. Herder, Freiburg u. a. 2007, ISBN 978-3-451-29608-6, S. 95–98.
  • Karl Egger, Willem Lourdeaux, Alypia van Biezen: Studien zur Devotio moderna. Borengässer, Bonn 1988, ISBN 978-3-923946-12-9.
  • Georgette Epiney-Burgard: Die Wege der Bildung in der Devotio Moderna. In: Hartmut Boockmann, Bernd Moeller, Karl Stackmann (Hrsg.): Lebenslehren und Weltentwürfe im Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit. Politik – Bildung – Naturkunde – Theologie. Bericht über Kolloquien der Kommission zur Erforschung der Kultur des Spätmittelalters 1983 bis 1987 (= Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen: philologisch-historische Klasse. Folge III, Nr. 179). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1989, ISBN 3-525-82463-7, S. 181–200.
  • Elias H. Füllenbach: Devotio Moderna (I. Christianity), in: Encyclopedia of the Bible and Its Reception (EBR), Bd. 6 (2013), Sp. 716–717.
  • Manfred Gerwing: Die sogenannte Devotio moderna. In: Ferdinand Seibt (Hrsg.): Jan Hus - Zwischen Zeiten, Völkern, Konfessionen. München 1997 (= Veröffentlichungen des Collegium Carolinum, 85), S. 49–58.
  • Erwin Iserloh: Thomas von Kempen und die Devotio Moderna. In: ders. (Hrsg.): Kirche - Ereignis und Institution. Aufsätze und Vorträge, I: Kirchengeschichte als Theologie.Münster/Westfalen 1975, S. 111–136.
  • Hans Norbert Janowski: Geert Groote, Thomas von Kempen und die Devotio moderna. Walter-Verlag AG, Olten 1978.
  • Hans Rupprich, Hedwig Heger: Die deutsche Literatur vom späten Mittelalter bis zum Barock. Erster Teil. Das ausgehende Mittelalter, Humanismus und Renaissance 1370–1520. 2. Auflage. C. H. Beck, München 1994, ISBN 3-406-37898-6, S. 336–340 (Erstausgabe: 1970).
  • Beat von Scarpatetti: Die Kirche und das Augustiner-Chorherrenstift St. Leonhard in Basel (11./12. Jh.–1525). Ein Beitrag zur Geschichte der Stadt Basel und der späten Devotio Moderna. Basel 1974

Einzelnachweise

  1. Heiko Augustinus Oberman: Luther. Mensch zwischen Gott und Teufel. Berlin 1981, S. 101.
  2. Kleine Kirchengeschichte. Freiburg 6, 2000, S. 248.