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„Wesen“ – Versionsunterschied

aus AufEinWort, der freien Forschung
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Die Seite wurde neu angelegt: „<p>wes + en | ein Sein, daß ein Dasein bewohnt, wobei das Bewohnte daher bspw. als Anwesen benannt wird; übertragend die Seele, das Ich oder Selbst, das einen Körperorganismus bewohnt und belebt und dies daher bspw. als Lebewesen benannt wird; Wesen steht von der Wortherkunft und vererbten Wortbedeutung unmittelbar mit wohnen, Gewohnheiten wie auch mit Aufenthalt an einem Ort in Beziehung, daher wird der Daseinszustand eines Wesen, daß von einen…“
 
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<p>wes + en |&nbsp;ein Sein, daß ein Dasein bewohnt, wobei das Bewohnte daher bspw. als Anwesen benannt wird; übertragend die Seele, das Ich oder Selbst, das einen Körperorganismus bewohnt und belebt und dies daher bspw. als Lebewesen benannt wird; Wesen steht von der Wortherkunft und vererbten Wortbedeutung unmittelbar mit wohnen, Gewohnheiten wie auch mit Aufenthalt an einem Ort in Beziehung, daher wird der Daseinszustand eines Wesen, daß von einen Ort weg ist, nicht da, jedoch weiterhin an einem anderen Ort ist, als Abwesenheit eines bestimmten Wesen benannt, zu ab "von, weg".</p>
<p>wes + en |&nbsp;ein Sein, daß ein Dasein bewohnt, wobei das Bewohnte daher bspw. als Anwesen benannt wird; übertragend die Seele, das Ich oder Selbst, das einen Körperorganismus bewohnt und belebt und dies daher bspw. als Lebewesen benannt wird; Wesen steht von der Wortherkunft und vererbten Wortbedeutung unmittelbar mit wohnen, Gewohnheiten wie auch mit Aufenthalt an einem Ort in Beziehung, daher wird der Daseinszustand eines Wesen, daß von einen Ort weg ist, nicht da, jedoch weiterhin an einem anderen Ort ist, als Abwesenheit eines bestimmten Wesen benannt, zu ab "von, weg".</p>
&lt;span class="mwt-editable mwt-comment" id="R1712102791286" " draggable="false" contenteditable="true"&gt; /wp:paragraph &lt;span class="mwt-editable mwt-comment" id="R1712106071660" " draggable="false" contenteditable="true"&gt; wp:paragraph <p>¦⊕¦ eine Wesen, das nicht mehr da oder zugegen ist war da, wobei "war" von ''wesen'' abgeleitet der Ausdruck für ein vergangenes Wesen ist, also wesen mit "ar" anstelle "es" zu "waren" ein Nicht-Wesen, Abwesenheit von Wesen bedeutet.</p>
&lt;span class="mwt-editable mwt-comment" id="R1712049274214" " draggable="false" contenteditable="true"&gt; /wp:paragraph &lt;span class="mwt-editable mwt-comment" id="R1712102765220" " draggable="false" contenteditable="true"&gt; wp:paragraph <p>Wesen Lehrmeinung: ‘Tun und Lassen, den Charakter eines Menschen bestimmende Grundeigenschaften, das Grundlegende einer Sache, Lebewesen’;</p>
&lt;span class="mwt-editable mwt-comment" id="R1712052142888" " draggable="false" contenteditable="true"&gt; /wp:paragraph &lt;span class="mwt-editable mwt-comment" id="R1712114159022" " draggable="false" contenteditable="true"&gt; wp:paragraph <p>‘das Verweilen an einem Ort, Aufenthalt, Existenz, Dasein’ (8. Jh.); mhd. mnd. ''wesen'' ‘das Sein, Verweilen, Wohnen, Aufenthalt(sort), Wohnung, Hauswesen, Existenz, Wesenheit, Leben, Art, Eigenschaft, Zustand, Ding, Sache’;</p>
&lt;span class="mwt-editable mwt-comment" id="R1712110143817" " draggable="false" contenteditable="true"&gt; /wp:paragraph &lt;span class="mwt-editable mwt-comment" id="R1712048224985" " draggable="false" contenteditable="true"&gt; wp:paragraph <p>''wesen'': im Deutsch heute noch als ''gewesen'' früher ahd. ''wesan'' (8. Jh.), mhd. ''wesen'' ‘sein, verweilen, sich aufhalten, existieren, dauern, geschehen’</p>
&lt;span class="mwt-editable mwt-comment" id="R1712054558658" " draggable="false" contenteditable="true"&gt; /wp:paragraph &lt;span class="mwt-editable mwt-comment" id="R1712118403454" " draggable="false" contenteditable="true"&gt; wp:paragraph <p>ahd. wesan (8. Jh.), mhd. wesen ‘sein, verweilen, sich aufhalten, existieren, dauern, geschehen’</p>
&lt;span class="mwt-editable mwt-comment" id="R1712124154443" " draggable="false" contenteditable="true"&gt; /wp:paragraph &lt;span class="mwt-editable mwt-comment" id="R1712127669880" " draggable="false" contenteditable="true"&gt; wp:paragraph <p>mnl. ''wesen'', nl. ''wezen'' ist die nur im Dt. und Nl. übliche Substantivierung des alten germ. Infinitivs zu dem unter ''sein''<sup>1</sup> genannten stark beugenden Wort ahd. ''wesan'' (8. Jh.), mhd. ''wesen'' ‘sein, verweilen, sich aufhalten, existieren, dauern, geschehen’,</p>
&lt;span class="mwt-editable mwt-comment" id="R1712140563636" " draggable="false" contenteditable="true"&gt; /wp:paragraph &lt;span class="mwt-editable mwt-comment" id="R1712072978205" " draggable="false" contenteditable="true"&gt; wp:paragraph <p>asächs., aengl. ''wesan'', mnd. mnl. ''wesen'', afries. ''wesa'', anord. ''vesa'', got. ''wisan'' (ger. *''wesan''),</p>
&lt;span class="mwt-editable mwt-comment" id="R1712120175622" " draggable="false" contenteditable="true"&gt; /wp:paragraph &lt;span class="mwt-editable mwt-comment" id="R1712069949743" " draggable="false" contenteditable="true"&gt; wp:paragraph <p>verwandt mit aind. ''vásati'' ‘wohnt, lebt, verweilt’, grie. ''aésai'' (ἀέσαι, Aorist) ‘(die Nacht) zubringen’, lat. ''Vesta'' ‘Göttin des häuslichen Herdes’, mir. fō(a)id (aus *''u̯oseti'') ‘nächtigt, bleibt, verweilt, wacht in der Nacht’.</p>
&lt;span class="mwt-editable mwt-comment" id="R1712093190014" " draggable="false" contenteditable="true"&gt; /wp:paragraph &lt;span class="mwt-editable mwt-comment" id="R1712142825663" " draggable="false" contenteditable="true"&gt; wp:paragraph <p>Daraus ist uig. *''u̯es''- erschließbar, das als Erweiterung der Ww. uig. *''au''- ‘verweilen, wohnen, übernachten’ erklärbar ist.</p>
&lt;span class="mwt-editable mwt-comment" id="R1712110143125" " draggable="false" contenteditable="true"&gt; /wp:paragraph &lt;span class="mwt-editable mwt-comment" id="R1712115326829" " draggable="false" contenteditable="true"&gt; wp:paragraph <p>¦√¦ uig. ''[https://en.wiktionary.org/wiki/Reconstruction:Proto-Indo-European/h%E2%82%82wes- *h<sub>₂</sub>wes-]''; zwei Urwurzeln von present tense von ''[https://en.wiktionary.org/wiki/Reconstruction:Proto-Indo-European/h%E2%82%81%C3%A9sti *h<sub>₁</sub>ésti]'', von uig.''[https://en.wiktionary.org/wiki/Reconstruction:Proto-Indo-European/h%E2%82%81es- *h<sub>₁</sub>es-].'', und von ''[https://en.wiktionary.org/wiki/Reconstruction:Proto-Indo-European/h%E2%82%81es- *h₁es-]''. und im past tense von ''[https://en.wiktionary.org/wiki/Reconstruction:Proto-Indo-European/h%E2%82%82wes- *h<sub>₂</sub>wes-]''.; verwandt Wesen und mit indo-iranisch [https://en.wiktionary.org/wiki/%E0%A4%B5%E0%A4%B8%E0%A5%8D%E0%A4%A4%E0%A5%81#Sanskrit वस्तु] ([https://de.wikipedia.org/wiki/Vastu vastu], “essence, substance, truth”) (relationship to ''*weh₁'' unclear)</p>
&lt;span class="mwt-editable mwt-comment" id="R1712135504386" " draggable="false" contenteditable="true"&gt; /wp:paragraph &lt;span class="mwt-editable mwt-comment" id="R1712050766759" " draggable="false" contenteditable="true"&gt; wp:paragraph <p>¦↵¦ uger. *[https://en.wiktionary.org/wiki/Reconstruction:Proto-Germanic/wesan%C4%85 ''wesaną'']; synonym altengl. [https://en.wiktionary.org/wiki/Reconstruction:Proto-Germanic/beun%C4%85 *''beuną''] "sein, Sein"; uwger. *[https://en.wiktionary.org/wiki/Reconstruction:Proto-West_Germanic/wesan ''wesan'']; ahd. [https://en.wiktionary.org/wiki/wesan#Old_High_German ''wesan'']; mhd. mnd. [https://en.wiktionary.org/wiki/wesan#Old_High_German ''wesen'']; dt [https://en.wiktionary.org/wiki/Wesen#German ''Wesen'']</p>
&lt;span class="mwt-editable mwt-comment" id="R1712091574373" " draggable="false" contenteditable="true"&gt; /wp:paragraph &lt;span class="mwt-editable mwt-comment" id="R1712116526715" " draggable="false" contenteditable="true"&gt; wp:paragraph <p>‘Sache, Ding’ (Ende 13. Jh.), vgl. das ist ein seltsames Wesen ‘eine seltsame Sache’;</p>
&lt;span class="mwt-editable mwt-comment" id="R1712108468148" " draggable="false" contenteditable="true"&gt; /wp:paragraph &lt;span class="mwt-editable mwt-comment" id="R1712076945516" " draggable="false" contenteditable="true"&gt; wp:paragraph <p>Die Gebrauchshäufigkeit von ''Wesen'' nimmt seit dem 14. Jh. beträchtlich zu; es entwickeln sich dabei zahlreiche neue Bedeutungen, z. B. ‘(sozialer) Stand, Status’ (14. Jh.); ‘Tun und Treiben’ (Hauptbedeutung im Frühnhd.), vgl. ''viel Wesens'' (‘Aufhebens, Lärm’) machen (16. Jh.), sein Wesen treiben ‘seinem Tun und Treiben nachgehen’, dann ‘sein Spiel mit etw. treiben’ (18. Jh.); ‘öffentliches Gemeinwesen und dessen Ordnung’ (14. Jh.); ‘Sache, Ding’ (Ende 13. Jh.), vgl. ''das ist ein seltsames Wesen'' ‘eine seltsame Sache’.</p>
&lt;span class="mwt-editable mwt-comment" id="R1712143863624" " draggable="false" contenteditable="true"&gt; /wp:paragraph &lt;span class="mwt-editable mwt-comment" id="R1712072341162" " draggable="false" contenteditable="true"&gt; wp:paragraph <p>Seit dem 18. Jh. vor allem ‘Lebewesen, Ding’, dann ‘die eigentliche Natur einer Sache’ (vgl. ''das Wesen der Sache''), ‘die Art, der Charakter eines Menschen’ (vgl. ''gesetztes, einnehmendes Wesen'', 18. Jh.), ‘nationale Eigenart’ (17. Jh.; vgl. ''deutsches Wesen'', 18. Jh.); ‘Inbegriff der Persönlichkeit’ (Anfang 18. Jh.).</p>


<!-- /wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><p>¦⊕¦ eine Wesen, das nicht mehr da oder zugegen ist war da, wobei "war" von ''wesen'' abgeleitet der Ausdruck für ein vergangenes Wesen ist, also wesen mit "ar" anstelle "es" zu "waren" ein Nicht-Wesen, Abwesenheit von Wesen bedeutet.</p>
<p>Wesen (Philosophie)</p>
<p>Der Begriff '''Wesen''' (von mittelhochdeutsch ''wësen'', „Aufenthalt, Hauswesen, Art zu leben, Eigenschaft, Lage“,<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Wesen_(Philosophie)#cite_note-1 [1]]</sup> seit dem Spätmittelalter für lateinisch ''essentia'',<sup id="cite_ref-2" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Wesen_(Philosophie)#cite_note-2 [2]]</sup> von ''esse'' „sein“ (mittelhochdeutsch „wësen“), seit [https://de.wikipedia.org/wiki/Cicero Cicero] als Lehnübersetzung von griechisch ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Ousia ousia]'', „Wesen“, lateinisch auch ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Quidditas quidditas]'') hat [https://de.wikipedia.org/wiki/Polysemie mehrere Bedeutungen, die einander ähneln und einen begrifflichen Zusammenhang aufweisen]. Er wird in Philosophie und Theologie verwendet, um die Eigenschaft oder eine Reihe von Eigenschaften zu bezeichnen, die etwas zu dem machen, was es ist, und ohne die es seine charakteristische [https://de.wikipedia.org/wiki/Identit%C3%A4t Gesamtheit an Eigentümlichkeiten] verliert.</p><p>Eng verbunden mit dem Begriff Wesen ist in der philosophischen Tradition auch der Begriff der [https://de.wikipedia.org/wiki/Substanz Substanz]. Essenz steht im Gegensatz zum philosophischen Begriff [https://de.wikipedia.org/wiki/Akzidens_(Philosophie) Akzidens]. Das ist eine Eigenschaft, die etwas zufällig besitzt, ohne die es jedoch seine Identität behält.</p><p>Der Begriff stammt von [https://de.wikipedia.org/wiki/Aristoteles Aristoteles], obwohl er auch bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Platon Platon] zu finden ist.<sup id="cite_ref-3" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Wesen_(Philosophie)#cite_note-3 [3]]</sup> Aristoteles benutzte den griechischen Ausdruck ''to ti ên einai'' (τὸ τί ἦν εἶναι,<sup id="cite_ref-4" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Wesen_(Philosophie)#cite_note-4 [4]]</sup> „das was es sein sollte“) oder manchmal die kürzere Phrase ''to ti esti'' (τὸ τί ἐστι,<sup id="cite_ref-5" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Wesen_(Philosophie)#cite_note-5 [5]]</sup> „das was es ist“). In diesem Sinn wird in der philosophischen Tradition auch der Ausdruck „Essenz“ ''(essentia)'' verwendet. Da die „Essenz“ auch das ist, nach dem mit einem „Was ist das?“ gefragt wird, wird diese in der mittelalterlichen Philosophie auch als ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Quidditas quidditas]'' („Washeit“; vgl. lateinisch ''essentitas''„'''Wesenheit'''“) bezeichnet.</p><p>In der Geschichte der westlichen Philosophie wurde der Begriff Wesen häufig für Lehren benutzt, die verschiedene Formen der [https://de.wikipedia.org/wiki/Existenz Existenz] sowie verschiedene [https://de.wikipedia.org/wiki/Identit%C3%A4t Identitäts]-Bedingungen für Objekte und Eigenschaften aufstellen.</p>
== <span id="Zentrale_Konzepte_des_Wesens-Begriffs">Zentrale Konzepte des Wesens-Begriffs</span> ==
=== <span id="Antike">Antike</span> ===
<p>Das griechische Wort οὐσία ''([https://de.wikipedia.org/wiki/Ousia ousia])'' wird durch die platonisch-aristotelische [https://de.wikipedia.org/wiki/Metaphysik Metaphysik] ein Grundbegriff der Philosophie. Bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Platon Platon] wird die Frage nach dem Wesen zunächst in den Frühdialogen am Leitfaden der Frage nach den [https://de.wikipedia.org/wiki/Tugend Tugenden] und ihrer Einheitlichkeit aufgeworfen. Sie wird beantwortet durch die Angabe dessen, was ein jegliches als es selbst ist: seiner Washeit. Platon verwendet zur Bezeichnung des Allgemeinen statt des Wortes ''ousia'' in der Regel vor allem ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Eidos eidos]'' (deutsch nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Pape Pape]: Ansehen, Gestalt, „das in die Augen fallende“, bei Platon „das Urbild der Dinge im Geist“,<sup id="cite_ref-6" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Wesen_(Philosophie)#cite_note-6 [6]]</sup> lateinisch davon her: ''idea''), also das, was etwas wirklich ist, dem Wesen nach, wesentlich. Über dieses Wesen hinaus gewährt bei Platon die [https://de.wikipedia.org/wiki/Idee_des_Guten Idee des Guten] dem Wesen selbst den Bestand. Das Wesen ist das Unwandelbare und Unauflösliche, das sich stets in derselben Weise gemäß demselben verhält. Es ist so allem entgegengesetzt, was den Grundcharakter des Werdens aufweist, d.&nbsp;h. allem Einzelnen als bloß Einzelnem. Daher ist das Wesen als das wirklich Seiende in allen seinen Charakteren dem entgegengesetzt, was sinnenfällig erfassbar ist, d.&nbsp;h., es ist das Unsinnliche, das nur im Denken erfassbar ist.</p><p>[https://de.wikipedia.org/wiki/Aristoteles Aristoteles] liefert die bis heute gültige Grundlage aller Wesensbestimmungen. In seiner frühen [https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorien Kategorien]-Schrift trifft er die grundlegende Differenzierung des Wesen-Begriffs in „erste“ und „zweite Substanz“ ''(próte ousia'' und ''deutera ousia)''. Dabei gilt ihm als ''ousia'' im ursprünglichen und vollen Sinn das konkrete Einzelne ''(synholon)'' – wie z.&nbsp;B. ein bestimmter Mensch oder ein bestimmtes Pferd (Kat 5, 2 a 11–14). Es ist „Substanz im eigentlichsten, ursprünglichsten und vorzüglichsten Sinne (Kat 5, 2 a 11&nbsp;f.), weil es allem anderen zugrunde liegt“. Die „ersten Substanzen“ können von keinem [https://de.wikipedia.org/wiki/Subjekt_(Philosophie) Subjekt] ausgesagt werden und haften keinem Subjekt an (Kat 5, 2 b 37 – 3 a&nbsp;1).</p><p>Alles andere wird dagegen von diesen „ersten Substanzen“ als dem Subjekt ausgesagt oder ist in ihnen als Subjekt (Kat 5, 2 a 34&nbsp;f.) und gehört zu einer der zehn Kategorien. Dabei bildet die „zweite Substanz“ die erste dieser Kategorien. Die „zweite“ Substanz kann von der ersten ausgesagt werden. Sie bezeichnet dann als Artbegriff das „Wesen“ des Einzeldinges (z.&nbsp;B. „Mensch“ in „Sokrates ist ein Mensch“); auch der übergeordnete Gattungsbegriff (z.&nbsp;B. „Sinnenwesen“ in „Sokrates ist ein Sinnenwesen“) wird von Aristoteles in der Kategorienschrift als „zweite Substanz“ bezeichnet.</p><p>[https://de.wikipedia.org/wiki/Art_(Philosophie) Art] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Gattung_(Philosophie) Gattung] haben insofern den Rang zweiter Substanzen, als sie Prädikate darstellen, welche die erste und eigentliche Substanz in ihrem Was-Sein näher bestimmen (Kat 5, 2 b 29-31). Sie werden überhaupt nur deswegen („sekundäre“) Substanzen genannt, weil sie die erste Substanz näher bestimmen. Innerhalb der zweiten Substanzbegriffe bestimmt der Artbegriff („Mensch“) die erste Substanz wesentlich präziser als der Gattungsbegriff („Sinnenwesen“) und steht dieser näher. Daher ist für Aristoteles „die Art mehr Substanz als die Gattung“ (Kat 5, 2 b 7 f.).</p><p>In seiner späteren Schrift, der ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Metaphysik_(Aristoteles) Metaphysik]'' (Bücher VII und VIII), stellt Aristoteles den Begriff der [https://de.wikipedia.org/wiki/Form_(Philosophie) Form] ''(eidos)'' in den Vordergrund. Diese erhält nun gegenüber dem Einzelding den Vorrang und wird zum eigentlichen Wesen, zur „ersten Substanz“ ''(próte ousia)''.<sup id="cite_ref-7" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Wesen_(Philosophie)#cite_note-7 [7]]</sup></p>
=== <span id="Scholastik">Scholastik</span> ===
<p>In der sich auf Aristoteles berufenden [https://de.wikipedia.org/wiki/Scholastik scholastischen] und in die Neuzeit sich auswirkenden Tradition gewinnt die begriffliche Komponente des Wesens-Begriffs die Vorherrschaft. Das allgemeine Wesen wird als „das Eigentliche“ verstanden, über das allein Wissenschaft möglich ist. Das Individuelle wird dem Allgemeinen untergeordnet und als etwas durch Begrenzung Entstandenes und Unvollkommenes betrachtet. Typisch für diese Denkweise ist die scholastische Frage nach dem „[https://de.wikipedia.org/wiki/Individuationsprinzip Individuationsprinzip]“, also die Frage, wie sich aus dem Allgemeinen das Individuelle ergeben kann. Die Vorherrschaft des vom konkret Wirklichen abgelösten Allgemeinen führt zu der Vorstellung, dass es Sinn habe, von einem „Wesen an sich“, vom Wesen als reine Möglichkeit zu sprechen, also von einem Sosein ohne [https://de.wikipedia.org/wiki/Dasein Dasein]''(esse'' ohne ''existentia)''. In dieser Sicht einer Wesens-Metaphysik ([https://de.wikipedia.org/wiki/Essentialismus Essentialismus]) wird eine so genannte „Realdistinktion“ zwischen Sein und Wesen vorgenommen. Das Wesen erscheint als das einen bestimmten Seinsgehalt ermöglichende Prinzip, das durch das Sein verwirklicht, „[https://de.wikipedia.org/wiki/Akt_(Philosophie) aktuiert]“ wird.</p><p>Die scholastische Wesens-Metaphysik – klassisch vertreten durch den frühen Thomas von Aquin – nimmt von ihrem Ausgangspunkt zunächst eine antiplatonische Haltung ein. Sie geht im Anschluss an Aristoteles davon aus, dass das im primären Sinn Wirkliche das Individuelle, die Einzel-Substanz ist. Diese Einzel-Substanzen lassen sich gemäß dieser Vorstellung in Gruppen einteilen. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Art ''(species)'' als die Gruppe jener Seienden, die mit derselben Definition bezeichnet werden können. Die Einheit der Art wird dabei nicht nur als eine Leistung des Denkens, sondern als etwas in gewisser Weise Reales betrachtet. Es ist das bestimmende Prinzip, die „[https://de.wikipedia.org/wiki/Form_(Philosophie) Form]“ des Seienden, durch die dieses das ist, was es ist. Von diesem Ansatz her wird die Wesensform so sehr eine Realität, dass die Individualität einer eigenen Erklärung bedarf. Daraus entspringt die Frage nach dem Individuationsprinzip, das in der ''materia quantitate signata'' (bezeichnete Materie) angegeben wird. Diese „vereinzelt“ die Form, d.&nbsp;h., sie individualisiert und begrenzt sie auf das Einzelne.</p><p>Im Verständnis der Wesens-Metaphysik steht dabei das Wesen im Gegensatz zum Sein. Es wird als eine begrenzte Möglichkeit zu sein betrachtet ''(potentia)'', die erst durch das Sein in die Wirklichkeit überführt wird. Das Sein wird dabei als bloßes Existenz-Prinzip und als selbst vollkommen inhaltsleer aufgefasst.</p>
== <span id="Kritik_des_Wesensbegriffs">Kritik des Wesensbegriffs</span> ==
<p>Vom Standpunkt einer Seins-Metaphysik<sup id="cite_ref-8" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Wesen_(Philosophie)#cite_note-8 [8]]</sup> wird an der Wesens-Philosophie kritisiert, dass sie zu einem Verständnis der Metaphysik als einer Wissenschaft vom bloß Möglichen führe. Zugleich führe die Auffassung, das Wesen sei etwas an sich Gegebenes zu einem entleerten Seins-Verständnis, nach dem das Sein bloße Existenz, ohne jeden Inhalt ist. Der grundlegende Mangel dieses Ansatzes bestehe in der Gleichsetzung des vom begrifflichen Denken gelieferten Modells der Wirklichkeit mit der Wirklichkeit selbst. Im Sinne einer Seins-Philosophie wird der Wesensbegriff durch das Konzept der „Analogie des Seienden“ ''([https://de.wikipedia.org/wiki/Analogia_entis analogia entis])'' aufgegeben.</p><p>Aus Sicht vieler [https://de.wikipedia.org/wiki/Wissenschaftstheorie wissenschaftstheoretischer] Positionen (z.&nbsp;B. der [https://de.wikipedia.org/wiki/Postmoderne Postmoderne]) wird der Wesensbegriff als starr sowie normativ überfrachtet abgelehnt. [https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Popper Karl Popper] hat für seine Position die Beschreibung „modifizierter Essentialismus“ akzeptiert: immer „tiefere“ Erklärungsebenen, aber keine [https://de.wikipedia.org/wiki/Letztbegr%C3%BCndung Letztbegründung].<sup id="cite_ref-9" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Wesen_(Philosophie)#cite_note-9 [9]]</sup> Der Kritik am Wesensbegriff wird entgegengehalten, dass das Aufgeben eines Wesenskerns die Gefahr der Auflösung der Gegenstandsbetrachtung nach sich ziehe.</p>
== <span id="Andere_Wesensbegriffe">Andere Wesensbegriffe</span> ==
<p>Ein fundamental verschiedener Begriff von „wesentlich“ liegt vor, wenn [https://de.wikipedia.org/wiki/Max_Weber Max Weber] im Anschluss an die [https://de.wikipedia.org/wiki/Wertphilosophie Wertphilosophie] des [https://de.wikipedia.org/wiki/Neukantianismus Neukantianismus] von „Wesentlichem“ im Sinne von [https://de.wikipedia.org/wiki/Bedeutung Bedeutung] oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Sinn_(Semantik) Sinn] spricht. Die Klärung der Fragen, was es bedeutet, wie und warum eine Kulturerscheinung so gestaltet ist, wie sie ist, setzt eine Beziehung dieser Kulturerscheinung auf Wertideen voraus.<sup id="cite_ref-10" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Wesen_(Philosophie)#cite_note-10 [10]]</sup></p>
== <span id="Siehe_auch">Siehe auch</span> ==


<!-- /wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><p>Wesen Lehrmeinung: ‘Tun und Lassen, den Charakter eines Menschen bestimmende Grundeigenschaften, das Grundlegende einer Sache, Lebewesen’;</p>
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Wesensgleichheit Wesensgleichheit]


<!-- /wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><p>‘das Verweilen an einem Ort, Aufenthalt, Existenz, Dasein’ (8. Jh.); mhd. mnd. ''wesen'' ‘das Sein, Verweilen, Wohnen, Aufenthalt(sort), Wohnung, Hauswesen, Existenz, Wesenheit, Leben, Art, Eigenschaft, Zustand, Ding, Sache’;</p>
== <span id="Literatur">Literatur</span> ==


<!-- /wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><p>''wesen'': im Deutsch heute noch als ''gewesen'' früher ahd. ''wesan'' (8. Jh.), mhd. ''wesen'' ‘sein, verweilen, sich aufhalten, existieren, dauern, geschehen’</p>
*Baruch A. Brody: ''Identity and Essence.'' Princeton University, Princeton (N.J.) 1980, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/0691072566 ISBN 0-691-07256-6].
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Herbert_Marcuse Herbert Marcuse]: ''The Concept of Essence.'' In: ''Negations. Essays in Critical Theory.'' Boston 1968. (zuerst: Zeitschrift für Sozialforschung, Band V, 1936)
*L. P. Nolan: ''Descartes’ Theory of Essences''. Irvine 1997.
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Josef_Seifert_(Philosoph) Josef Seifert]: ''Sein und Wesen.'' Winter, Heidelberg 1996, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3825303675 ISBN 3-8253-0367-5].
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Andreas_Urs_Sommer Andreas Urs Sommer]: ''Wesen (Rationalismus, Empirismus, Schulphilosophie, Aufklärung).'' In: ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Historisches_W%C3%B6rterbuch_der_Philosophie Historisches Wörterbuch der Philosophie].'' Band 12, Basel/ Darmstadt 2005, S. 634 ff.
*Alexander Wiehart-Howaldt: ''Essenz, Perfektion, Existenz''. Stuttgart 1996.


<!-- /wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><p>ahd. wesan (8. Jh.), mhd. wesen ‘sein, verweilen, sich aufhalten, existieren, dauern, geschehen’</p>
== <span id="Anmerkungen">Anmerkungen</span> ==


<!-- /wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><p>mnl. ''wesen'', nl. ''wezen'' ist die nur im Dt. und Nl. übliche Substantivierung des alten germ. Infinitivs zu dem unter ''sein''<sup>1</sup> genannten stark beugenden Wort ahd. ''wesan'' (8. Jh.), mhd. ''wesen'' ‘sein, verweilen, sich aufhalten, existieren, dauern, geschehen’,</p>
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Kluge Friedrich Kluge], [https://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_G%C3%B6tze_(Philologe) Alfred Götze]: ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Etymologisches_W%C3%B6rterbuch_der_deutschen_Sprache Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache].'' 20. Auflage. Hrsg. von [https://de.wikipedia.org/wiki/Walther_Mitzka Walther Mitzka]. De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3110057093 ISBN 3-11-005709-3], S. 854.</span>
 
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Dornseiff Franz Dornseiff]: ''Die griechischen Wörter im Deutschen.'' De Gruyter, Berlin 1950, S. 28.</span>
<!-- /wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><p>asächs., aengl. ''wesan'', mnd. mnl. ''wesen'', afries. ''wesa'', anord. ''vesa'', got. ''wisan'' (ger. *''wesan''),</p>
#<span class="reference-text"><span class="cite">[http://classics.mit.edu/Plato/euthyfro.html ''The Internet Classics Archive | Euthyphro by Plato.''] In: ''classics.mit.edu.''<span class="Abrufdatum"> Abgerufen am 12.&nbsp;Juni 2018</span>.</span></span>
 
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Aristotle&action=edit&redlink=1 Aristotle], ''[https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Metaphysics_(Aristotle)&action=edit&redlink=1 Metaphysics]'', 1029b</span>
<!-- /wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><p>verwandt mit aind. ''vásati'' ‘wohnt, lebt, verweilt’, grie. ''aésai'' (ἀέσαι, Aorist) ‘(die Nacht) zubringen’, lat. ''Vesta'' ‘Göttin des häuslichen Herdes’, mir. fō(a)id (aus *''u̯oseti'') ‘nächtigt, bleibt, verweilt, wacht in der Nacht’.</p>
#<span class="reference-text">Aristotle, ''Metaphysics'', 1030a</span>
 
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Pape Wilhelm Pape]: ''Handwörterbuch der griechischen Sprache''. Nachdruck der Ausgabe von 1880, 3.&nbsp;Auflage, [https://de.wikipedia.org/wiki/Vieweg_Verlag Vieweg & Sohn], Braunschweig 1914, [http://www.zeno.org/Pape-1880/K/Pape-1880----01-0724 Bd. 1, S. 724]</span>
<!-- /wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><p>Daraus ist uig. *''u̯es''- erschließbar, das als Erweiterung der Ww. uig. *''au''- ‘verweilen, wohnen, übernachten’ erklärbar ist.</p>
#<span class="reference-text">Der Zusammenhang der beiden Wesens-Konzeptionen in den ''Kategorien'' und der ''Metaphysik'' ist umstritten. Vgl. dazu z.&nbsp;B. [https://de.wikipedia.org/wiki/Otfried_H%C3%B6ffe Otfried Höffe] (Hrsg.): ''Aristoteles-Lexikon'' (=&nbsp;''[https://de.wikipedia.org/wiki/Kr%C3%B6ners_Taschenausgabe Kröners Taschenausgabe].'' Band 459). Kröner, Stuttgart 2005, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3520459019 ISBN 3-520-45901-9], S. 413 ff. und [https://de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_Welsch_(Philosoph) Wolfgang Welsch]: ''Der Philosoph'', S. 248 Anm.</span>
 
#<span class="reference-text">Z.&nbsp;B. [https://de.wikipedia.org/wiki/Bela_Weissmahr Weissmahr]: ''Ontologie'', S. 102f.</span>
<!-- /wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><p>¦√¦ uig. ''[https://en.wiktionary.org/wiki/Reconstruction:Proto-Indo-European/h%E2%82%82wes- *h<sub>₂</sub>wes-]''; zwei Urwurzeln von present tense von ''[https://en.wiktionary.org/wiki/Reconstruction:Proto-Indo-European/h%E2%82%81%C3%A9sti *h<sub>₁</sub>ésti]'', von uig.''[https://en.wiktionary.org/wiki/Reconstruction:Proto-Indo-European/h%E2%82%81es- *h<sub>₁</sub>es-].'', und von ''[https://en.wiktionary.org/wiki/Reconstruction:Proto-Indo-European/h%E2%82%81es- *h₁es-]''. und im past tense von ''[https://en.wiktionary.org/wiki/Reconstruction:Proto-Indo-European/h%E2%82%82wes- *h<sub>₂</sub>wes-]''.; verwandt Wesen und mit indo-iranisch [https://en.wiktionary.org/wiki/%E0%A4%B5%E0%A4%B8%E0%A5%8D%E0%A4%A4%E0%A5%81#Sanskrit वस्तु] ([https://de.wikipedia.org/wiki/Vastu vastu], “essence, substance, truth”) (relationship to ''*weh₁'' unclear)</p>
#<span class="reference-text">Karl R. Popper: ''Die Zielsetzung der Erfahrungswissenschaft.'' In: Hans Albert (Hrsg.): ''Theorie und Realität. Ausgewählte Aufsätze zur Wissenschaftslehre der Sozialwissenschaften.'' Tübingen 1964.</span>
 
#<span class="reference-text">Alexander v. Schelting: ''Max Webers Wissenschaftslehre'', Tübingen 1934, S. 224.</span>
<!-- /wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><p>¦↵¦ uger. *[https://en.wiktionary.org/wiki/Reconstruction:Proto-Germanic/wesan%C4%85 ''wesaną'']; synonym altengl. [https://en.wiktionary.org/wiki/Reconstruction:Proto-Germanic/beun%C4%85 *''beuną''] "sein, Sein"; uwger. *[https://en.wiktionary.org/wiki/Reconstruction:Proto-West_Germanic/wesan ''wesan'']; ahd. [https://en.wiktionary.org/wiki/wesan#Old_High_German ''wesan'']; mhd. mnd. [https://en.wiktionary.org/wiki/wesan#Old_High_German ''wesen'']; dt [https://en.wiktionary.org/wiki/Wesen#German ''Wesen'']</p>
 
<!-- /wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><p>‘Sache, Ding’ (Ende 13. Jh.), vgl. das ist ein seltsames Wesen ‘eine seltsame Sache’;</p>
 
<!-- /wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><p>Die Gebrauchshäufigkeit von ''Wesen'' nimmt seit dem 14. Jh. beträchtlich zu; es entwickeln sich dabei zahlreiche neue Bedeutungen, z. B. ‘(sozialer) Stand, Status’ (14. Jh.); ‘Tun und Treiben’ (Hauptbedeutung im Frühnhd.), vgl. ''viel Wesens'' (‘Aufhebens, Lärm’) machen (16. Jh.), sein Wesen treiben ‘seinem Tun und Treiben nachgehen’, dann ‘sein Spiel mit etw. treiben’ (18. Jh.); ‘öffentliches Gemeinwesen und dessen Ordnung’ (14. Jh.); ‘Sache, Ding’ (Ende 13. Jh.), vgl. ''das ist ein seltsames Wesen'' ‘eine seltsame Sache’.</p>
 
<!-- /wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><p>Seit dem 18. Jh. vor allem ‘Lebewesen, Ding’, dann ‘die eigentliche Natur einer Sache’ (vgl. ''das Wesen der Sache''), ‘die Art, der Charakter eines Menschen’ (vgl. ''gesetztes, einnehmendes Wesen'', 18. Jh.), ‘nationale Eigenart’ (17. Jh.; vgl. ''deutsches Wesen'', 18. Jh.); ‘Inbegriff der Persönlichkeit’ (Anfang 18. Jh.).</p>

Version vom 2. April 2024, 08:55 Uhr

wes + en | ein Sein, daß ein Dasein bewohnt, wobei das Bewohnte daher bspw. als Anwesen benannt wird; übertragend die Seele, das Ich oder Selbst, das einen Körperorganismus bewohnt und belebt und dies daher bspw. als Lebewesen benannt wird; Wesen steht von der Wortherkunft und vererbten Wortbedeutung unmittelbar mit wohnen, Gewohnheiten wie auch mit Aufenthalt an einem Ort in Beziehung, daher wird der Daseinszustand eines Wesen, daß von einen Ort weg ist, nicht da, jedoch weiterhin an einem anderen Ort ist, als Abwesenheit eines bestimmten Wesen benannt, zu ab "von, weg".

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¦⊕¦ eine Wesen, das nicht mehr da oder zugegen ist war da, wobei "war" von wesen abgeleitet der Ausdruck für ein vergangenes Wesen ist, also wesen mit "ar" anstelle "es" zu "waren" ein Nicht-Wesen, Abwesenheit von Wesen bedeutet.

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Wesen Lehrmeinung: ‘Tun und Lassen, den Charakter eines Menschen bestimmende Grundeigenschaften, das Grundlegende einer Sache, Lebewesen’;

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‘das Verweilen an einem Ort, Aufenthalt, Existenz, Dasein’ (8. Jh.); mhd. mnd. wesen ‘das Sein, Verweilen, Wohnen, Aufenthalt(sort), Wohnung, Hauswesen, Existenz, Wesenheit, Leben, Art, Eigenschaft, Zustand, Ding, Sache’;

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wesen: im Deutsch heute noch als gewesen früher ahd. wesan (8. Jh.), mhd. wesen ‘sein, verweilen, sich aufhalten, existieren, dauern, geschehen’

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ahd. wesan (8. Jh.), mhd. wesen ‘sein, verweilen, sich aufhalten, existieren, dauern, geschehen’

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mnl. wesen, nl. wezen ist die nur im Dt. und Nl. übliche Substantivierung des alten germ. Infinitivs zu dem unter sein1 genannten stark beugenden Wort ahd. wesan (8. Jh.), mhd. wesen ‘sein, verweilen, sich aufhalten, existieren, dauern, geschehen’,

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asächs., aengl. wesan, mnd. mnl. wesen, afries. wesa, anord. vesa, got. wisan (ger. *wesan),

<span class="mwt-editable mwt-comment" id="R1712120175622" " draggable="false" contenteditable="true"> /wp:paragraph <span class="mwt-editable mwt-comment" id="R1712069949743" " draggable="false" contenteditable="true"> wp:paragraph

verwandt mit aind. vásati ‘wohnt, lebt, verweilt’, grie. aésai (ἀέσαι, Aorist) ‘(die Nacht) zubringen’, lat. Vesta ‘Göttin des häuslichen Herdes’, mir. fō(a)id (aus *u̯oseti) ‘nächtigt, bleibt, verweilt, wacht in der Nacht’.

<span class="mwt-editable mwt-comment" id="R1712093190014" " draggable="false" contenteditable="true"> /wp:paragraph <span class="mwt-editable mwt-comment" id="R1712142825663" " draggable="false" contenteditable="true"> wp:paragraph

Daraus ist uig. *u̯es- erschließbar, das als Erweiterung der Ww. uig. *au- ‘verweilen, wohnen, übernachten’ erklärbar ist.

<span class="mwt-editable mwt-comment" id="R1712110143125" " draggable="false" contenteditable="true"> /wp:paragraph <span class="mwt-editable mwt-comment" id="R1712115326829" " draggable="false" contenteditable="true"> wp:paragraph

¦√¦ uig. *h₂wes-; zwei Urwurzeln von present tense von *h₁ésti, von uig.*h₁es-., und von *h₁es-. und im past tense von *h₂wes-.; verwandt Wesen und mit indo-iranisch वस्तु (vastu, “essence, substance, truth”) (relationship to *weh₁ unclear)

<span class="mwt-editable mwt-comment" id="R1712135504386" " draggable="false" contenteditable="true"> /wp:paragraph <span class="mwt-editable mwt-comment" id="R1712050766759" " draggable="false" contenteditable="true"> wp:paragraph

¦↵¦ uger. *wesaną; synonym altengl. *beuną "sein, Sein"; uwger. *wesan; ahd. wesan; mhd. mnd. wesen; dt Wesen

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‘Sache, Ding’ (Ende 13. Jh.), vgl. das ist ein seltsames Wesen ‘eine seltsame Sache’;

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Die Gebrauchshäufigkeit von Wesen nimmt seit dem 14. Jh. beträchtlich zu; es entwickeln sich dabei zahlreiche neue Bedeutungen, z. B. ‘(sozialer) Stand, Status’ (14. Jh.); ‘Tun und Treiben’ (Hauptbedeutung im Frühnhd.), vgl. viel Wesens (‘Aufhebens, Lärm’) machen (16. Jh.), sein Wesen treiben ‘seinem Tun und Treiben nachgehen’, dann ‘sein Spiel mit etw. treiben’ (18. Jh.); ‘öffentliches Gemeinwesen und dessen Ordnung’ (14. Jh.); ‘Sache, Ding’ (Ende 13. Jh.), vgl. das ist ein seltsames Wesen ‘eine seltsame Sache’.

<span class="mwt-editable mwt-comment" id="R1712143863624" " draggable="false" contenteditable="true"> /wp:paragraph <span class="mwt-editable mwt-comment" id="R1712072341162" " draggable="false" contenteditable="true"> wp:paragraph

Seit dem 18. Jh. vor allem ‘Lebewesen, Ding’, dann ‘die eigentliche Natur einer Sache’ (vgl. das Wesen der Sache), ‘die Art, der Charakter eines Menschen’ (vgl. gesetztes, einnehmendes Wesen, 18. Jh.), ‘nationale Eigenart’ (17. Jh.; vgl. deutsches Wesen, 18. Jh.); ‘Inbegriff der Persönlichkeit’ (Anfang 18. Jh.).

Wesen (Philosophie)

Der Begriff Wesen (von mittelhochdeutsch wësen, „Aufenthalt, Hauswesen, Art zu leben, Eigenschaft, Lage“,[1] seit dem Spätmittelalter für lateinisch essentia,[2] von esse „sein“ (mittelhochdeutsch „wësen“), seit Cicero als Lehnübersetzung von griechisch ousia, „Wesen“, lateinisch auch quidditas) hat mehrere Bedeutungen, die einander ähneln und einen begrifflichen Zusammenhang aufweisen. Er wird in Philosophie und Theologie verwendet, um die Eigenschaft oder eine Reihe von Eigenschaften zu bezeichnen, die etwas zu dem machen, was es ist, und ohne die es seine charakteristische Gesamtheit an Eigentümlichkeiten verliert.

Eng verbunden mit dem Begriff Wesen ist in der philosophischen Tradition auch der Begriff der Substanz. Essenz steht im Gegensatz zum philosophischen Begriff Akzidens. Das ist eine Eigenschaft, die etwas zufällig besitzt, ohne die es jedoch seine Identität behält.

Der Begriff stammt von Aristoteles, obwohl er auch bei Platon zu finden ist.[3] Aristoteles benutzte den griechischen Ausdruck to ti ên einai (τὸ τί ἦν εἶναι,[4] „das was es sein sollte“) oder manchmal die kürzere Phrase to ti esti (τὸ τί ἐστι,[5] „das was es ist“). In diesem Sinn wird in der philosophischen Tradition auch der Ausdruck „Essenz“ (essentia) verwendet. Da die „Essenz“ auch das ist, nach dem mit einem „Was ist das?“ gefragt wird, wird diese in der mittelalterlichen Philosophie auch als quidditas („Washeit“; vgl. lateinisch essentitas„Wesenheit“) bezeichnet.

In der Geschichte der westlichen Philosophie wurde der Begriff Wesen häufig für Lehren benutzt, die verschiedene Formen der Existenz sowie verschiedene Identitäts-Bedingungen für Objekte und Eigenschaften aufstellen.

Zentrale Konzepte des Wesens-Begriffs

Antike

Das griechische Wort οὐσία (ousia) wird durch die platonisch-aristotelische Metaphysik ein Grundbegriff der Philosophie. Bei Platon wird die Frage nach dem Wesen zunächst in den Frühdialogen am Leitfaden der Frage nach den Tugenden und ihrer Einheitlichkeit aufgeworfen. Sie wird beantwortet durch die Angabe dessen, was ein jegliches als es selbst ist: seiner Washeit. Platon verwendet zur Bezeichnung des Allgemeinen statt des Wortes ousia in der Regel vor allem eidos (deutsch nach Pape: Ansehen, Gestalt, „das in die Augen fallende“, bei Platon „das Urbild der Dinge im Geist“,[6] lateinisch davon her: idea), also das, was etwas wirklich ist, dem Wesen nach, wesentlich. Über dieses Wesen hinaus gewährt bei Platon die Idee des Guten dem Wesen selbst den Bestand. Das Wesen ist das Unwandelbare und Unauflösliche, das sich stets in derselben Weise gemäß demselben verhält. Es ist so allem entgegengesetzt, was den Grundcharakter des Werdens aufweist, d. h. allem Einzelnen als bloß Einzelnem. Daher ist das Wesen als das wirklich Seiende in allen seinen Charakteren dem entgegengesetzt, was sinnenfällig erfassbar ist, d. h., es ist das Unsinnliche, das nur im Denken erfassbar ist.

Aristoteles liefert die bis heute gültige Grundlage aller Wesensbestimmungen. In seiner frühen Kategorien-Schrift trifft er die grundlegende Differenzierung des Wesen-Begriffs in „erste“ und „zweite Substanz“ (próte ousia und deutera ousia). Dabei gilt ihm als ousia im ursprünglichen und vollen Sinn das konkrete Einzelne (synholon) – wie z. B. ein bestimmter Mensch oder ein bestimmtes Pferd (Kat 5, 2 a 11–14). Es ist „Substanz im eigentlichsten, ursprünglichsten und vorzüglichsten Sinne (Kat 5, 2 a 11 f.), weil es allem anderen zugrunde liegt“. Die „ersten Substanzen“ können von keinem Subjekt ausgesagt werden und haften keinem Subjekt an (Kat 5, 2 b 37 – 3 a 1).

Alles andere wird dagegen von diesen „ersten Substanzen“ als dem Subjekt ausgesagt oder ist in ihnen als Subjekt (Kat 5, 2 a 34 f.) und gehört zu einer der zehn Kategorien. Dabei bildet die „zweite Substanz“ die erste dieser Kategorien. Die „zweite“ Substanz kann von der ersten ausgesagt werden. Sie bezeichnet dann als Artbegriff das „Wesen“ des Einzeldinges (z. B. „Mensch“ in „Sokrates ist ein Mensch“); auch der übergeordnete Gattungsbegriff (z. B. „Sinnenwesen“ in „Sokrates ist ein Sinnenwesen“) wird von Aristoteles in der Kategorienschrift als „zweite Substanz“ bezeichnet.

Art und Gattung haben insofern den Rang zweiter Substanzen, als sie Prädikate darstellen, welche die erste und eigentliche Substanz in ihrem Was-Sein näher bestimmen (Kat 5, 2 b 29-31). Sie werden überhaupt nur deswegen („sekundäre“) Substanzen genannt, weil sie die erste Substanz näher bestimmen. Innerhalb der zweiten Substanzbegriffe bestimmt der Artbegriff („Mensch“) die erste Substanz wesentlich präziser als der Gattungsbegriff („Sinnenwesen“) und steht dieser näher. Daher ist für Aristoteles „die Art mehr Substanz als die Gattung“ (Kat 5, 2 b 7 f.).

In seiner späteren Schrift, der Metaphysik (Bücher VII und VIII), stellt Aristoteles den Begriff der Form (eidos) in den Vordergrund. Diese erhält nun gegenüber dem Einzelding den Vorrang und wird zum eigentlichen Wesen, zur „ersten Substanz“ (próte ousia).[7]

Scholastik

In der sich auf Aristoteles berufenden scholastischen und in die Neuzeit sich auswirkenden Tradition gewinnt die begriffliche Komponente des Wesens-Begriffs die Vorherrschaft. Das allgemeine Wesen wird als „das Eigentliche“ verstanden, über das allein Wissenschaft möglich ist. Das Individuelle wird dem Allgemeinen untergeordnet und als etwas durch Begrenzung Entstandenes und Unvollkommenes betrachtet. Typisch für diese Denkweise ist die scholastische Frage nach dem „Individuationsprinzip“, also die Frage, wie sich aus dem Allgemeinen das Individuelle ergeben kann. Die Vorherrschaft des vom konkret Wirklichen abgelösten Allgemeinen führt zu der Vorstellung, dass es Sinn habe, von einem „Wesen an sich“, vom Wesen als reine Möglichkeit zu sprechen, also von einem Sosein ohne Dasein(esse ohne existentia). In dieser Sicht einer Wesens-Metaphysik (Essentialismus) wird eine so genannte „Realdistinktion“ zwischen Sein und Wesen vorgenommen. Das Wesen erscheint als das einen bestimmten Seinsgehalt ermöglichende Prinzip, das durch das Sein verwirklicht, „aktuiert“ wird.

Die scholastische Wesens-Metaphysik – klassisch vertreten durch den frühen Thomas von Aquin – nimmt von ihrem Ausgangspunkt zunächst eine antiplatonische Haltung ein. Sie geht im Anschluss an Aristoteles davon aus, dass das im primären Sinn Wirkliche das Individuelle, die Einzel-Substanz ist. Diese Einzel-Substanzen lassen sich gemäß dieser Vorstellung in Gruppen einteilen. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Art (species) als die Gruppe jener Seienden, die mit derselben Definition bezeichnet werden können. Die Einheit der Art wird dabei nicht nur als eine Leistung des Denkens, sondern als etwas in gewisser Weise Reales betrachtet. Es ist das bestimmende Prinzip, die „Form“ des Seienden, durch die dieses das ist, was es ist. Von diesem Ansatz her wird die Wesensform so sehr eine Realität, dass die Individualität einer eigenen Erklärung bedarf. Daraus entspringt die Frage nach dem Individuationsprinzip, das in der materia quantitate signata (bezeichnete Materie) angegeben wird. Diese „vereinzelt“ die Form, d. h., sie individualisiert und begrenzt sie auf das Einzelne.

Im Verständnis der Wesens-Metaphysik steht dabei das Wesen im Gegensatz zum Sein. Es wird als eine begrenzte Möglichkeit zu sein betrachtet (potentia), die erst durch das Sein in die Wirklichkeit überführt wird. Das Sein wird dabei als bloßes Existenz-Prinzip und als selbst vollkommen inhaltsleer aufgefasst.

Kritik des Wesensbegriffs

Vom Standpunkt einer Seins-Metaphysik[8] wird an der Wesens-Philosophie kritisiert, dass sie zu einem Verständnis der Metaphysik als einer Wissenschaft vom bloß Möglichen führe. Zugleich führe die Auffassung, das Wesen sei etwas an sich Gegebenes zu einem entleerten Seins-Verständnis, nach dem das Sein bloße Existenz, ohne jeden Inhalt ist. Der grundlegende Mangel dieses Ansatzes bestehe in der Gleichsetzung des vom begrifflichen Denken gelieferten Modells der Wirklichkeit mit der Wirklichkeit selbst. Im Sinne einer Seins-Philosophie wird der Wesensbegriff durch das Konzept der „Analogie des Seienden“ (analogia entis) aufgegeben.

Aus Sicht vieler wissenschaftstheoretischer Positionen (z. B. der Postmoderne) wird der Wesensbegriff als starr sowie normativ überfrachtet abgelehnt. Karl Popper hat für seine Position die Beschreibung „modifizierter Essentialismus“ akzeptiert: immer „tiefere“ Erklärungsebenen, aber keine Letztbegründung.[9] Der Kritik am Wesensbegriff wird entgegengehalten, dass das Aufgeben eines Wesenskerns die Gefahr der Auflösung der Gegenstandsbetrachtung nach sich ziehe.

Andere Wesensbegriffe

Ein fundamental verschiedener Begriff von „wesentlich“ liegt vor, wenn Max Weber im Anschluss an die Wertphilosophie des Neukantianismus von „Wesentlichem“ im Sinne von Bedeutung oder Sinn spricht. Die Klärung der Fragen, was es bedeutet, wie und warum eine Kulturerscheinung so gestaltet ist, wie sie ist, setzt eine Beziehung dieser Kulturerscheinung auf Wertideen voraus.[10]

Siehe auch

Literatur

  • Baruch A. Brody: Identity and Essence. Princeton University, Princeton (N.J.) 1980, ISBN 0-691-07256-6.
  • Herbert Marcuse: The Concept of Essence. In: Negations. Essays in Critical Theory. Boston 1968. (zuerst: Zeitschrift für Sozialforschung, Band V, 1936)
  • L. P. Nolan: Descartes’ Theory of Essences. Irvine 1997.
  • Josef Seifert: Sein und Wesen. Winter, Heidelberg 1996, ISBN 3-8253-0367-5.
  • Andreas Urs Sommer: Wesen (Rationalismus, Empirismus, Schulphilosophie, Aufklärung). In: Historisches Wörterbuch der Philosophie. Band 12, Basel/ Darmstadt 2005, S. 634 ff.
  • Alexander Wiehart-Howaldt: Essenz, Perfektion, Existenz. Stuttgart 1996.

Anmerkungen

  1. Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage. Hrsg. von Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 854.
  2. Franz Dornseiff: Die griechischen Wörter im Deutschen. De Gruyter, Berlin 1950, S. 28.
  3. The Internet Classics Archive | Euthyphro by Plato. In: classics.mit.edu. Abgerufen am 12. Juni 2018.
  4. Aristotle, Metaphysics, 1029b
  5. Aristotle, Metaphysics, 1030a
  6. Wilhelm Pape: Handwörterbuch der griechischen Sprache. Nachdruck der Ausgabe von 1880, 3. Auflage, Vieweg & Sohn, Braunschweig 1914, Bd. 1, S. 724
  7. Der Zusammenhang der beiden Wesens-Konzeptionen in den Kategorien und der Metaphysik ist umstritten. Vgl. dazu z. B. Otfried Höffe (Hrsg.): Aristoteles-Lexikon (= Kröners Taschenausgabe. Band 459). Kröner, Stuttgart 2005, ISBN 3-520-45901-9, S. 413 ff. und Wolfgang Welsch: Der Philosoph, S. 248 Anm.
  8. Z. B. Weissmahr: Ontologie, S. 102f.
  9. Karl R. Popper: Die Zielsetzung der Erfahrungswissenschaft. In: Hans Albert (Hrsg.): Theorie und Realität. Ausgewählte Aufsätze zur Wissenschaftslehre der Sozialwissenschaften. Tübingen 1964.
  10. Alexander v. Schelting: Max Webers Wissenschaftslehre, Tübingen 1934, S. 224.