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„Zirkel“ – Versionsunterschied

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** das selbst Ende des 18. Jhs. in der Form Cercle übernommen und zeitweilig (bis ins 19. Jh.) neben ''Zirkel'' gebraucht wird.
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** Dieses lebt in neuester Zeit vor allem als ‘Kreis von Lernenden, Lehrgang, Kursus’ (19. Jh.) weiter.
** Dieses lebt in neuester Zeit vor allem als ‘Kreis von Lernenden, Lehrgang, Kursus’ (19. Jh.) weiter.
= Zirkel =
{{Dieser Artikel | behandelt das Zeichengerät bzw. das mathematische Instrument; zu anderen Bedeutungen siehe [[Zirkel (Begriffsklärung)]].}}
{{Belege fehlen}}
[[Datei:Cyrkiel RB1.jpg|mini|hochkant|Zirkel (rechts) mit alter­nativ zu montie­renden Bleistift­minen­halter (Mitte) und Verlängerungs­stück (Klapp­schenkel) für größere Kreisradien (links)]]
[[Datei:IMB DQj3Fs.gif|mini|Erstellung eines Kreises mit einem Zirkel]]
[[Datei:Roman compasses from Cambodunum.jpg|mini|Zwei römische Zirkel aus Kempten (1.–3. Jh.)]]
[[Datei:Zirkelschmidt-1568.png|mini|hochkant|Zirkelschmied (1568)]]
Der '''Zirkel''' ([[althochdeutsch]] ''zirkil'', von {{laS|circulus}} „Kreisbahn“) ist ein [[Zeichengerät]] zum Zeichnen von [[Kreis]]en bzw. (allgemeiner) zum Übertragen von Distanzen.<ref>{{Meyers-1905 |Lemma=Zirkel |BK-Nummer=1 |Band=20 |Seite=954 |zenoID=20007725582}}</ref> Außerdem ist er ein in der ebenen [[Euklidische Geometrie|Euklidischen Geometrie]] verwendetes [[mathematisches Instrument]], das einen Kreis um einen gegebenen Punkt zieht. Eine Sonderform von Zirkeln sind [[Ellipsograph des Archimedes|Ellipsenzirkel]],<ref>{{Meyers-1905 |Lemma=Ellipsenzirkel |Band=5 |Seite=720 |SeiteBis=721 |zenoID=20006548377}}</ref> die das Zeichnen von [[Ellipse]]n erlauben.
== Geschichte, Philosophie und Mathematik ==
In der Antike war der Zirkel neben dem [[Lineal]] das einzige Hilfsmittel zur [[Konstruktion mit Zirkel und Lineal|Konstruktion]] geometrischer Objekte.
Auch im Mathematik-Unterricht (Geometrie, Konstruktion) sind Zirkel und [[Lineal]] die einzigen Hilfsmittel, um geometrische Zeichenoperationen ([[Parallelverschiebung]] von [[Gerade]]n, Errichten der Senkrechten auf einer Gerade, der [[Mittelsenkrechte]]n auf einer [[Strecke (Geometrie)|Strecke]], Konstruktion von Dreiecken, Trapezen, Parallelogrammen, Rechtecken, regelmäßigen Sechsecken usw.) auszuführen.
Heute wird im Schulunterricht neben dem Zirkel und [[Lineal]] auch das [[Geodreieck]] und [[Dynamische Geometrie|Dynamische Geometrie-Software]] benutzt.
Die entsprechenden Operationen werden auch beim [[CAD]] benötigt und teilweise automatisch ausgeführt.
== Beschreibung des Zirkels ==
Das Zeichengerät ''Zirkel'' besteht aus zwei gleich langen, üblicherweise metallenen Stäben, die jeweils an einem Ende gelenkig verbunden sind. Einer der Stäbe hat an seinem anderen Ende eine Spitze ([[Nadel]]), die zur Fixierung des Zirkels auf der Unterlage dient. Mit dem Fixieren wird der Kreismittelpunkt festgelegt, mit dem Abstand des zweiten Schenkels zum ersten der [[Radius]].
Am Ende des zweiten, beweglichen Stabes befindet sich in der Regel eine Vorrichtung, mit der der Kreis oder Kreisabschnitt auf der Unterlage gezeichnet wird. Zum Zeichnen werden abhängig vom Untergrund verschiedene Vorrichtungen angewendet. Auf Papier wird eine [[Bleistift]]mine (in der Schule) oder eine Vorrichtung für [[Tuschezeichner|Tusche]] (technische Zeichnungen) auf Pergament verwendet. Für Darstellungen von Kreisen auf anderen Materialien, beispielsweise [[Leder]], wird [[Tafelkreide|Kreide]] verwendet. Auf metallenen Oberflächen kommt eine [[Reißnadel]] zum Einsatz. Kreide-Zirkel für Schultafeln (besonders aus Mattglas) haben meist einen Mittelpunktsschenkel, der mit einem Kugelgelenk an der Spitze eines flachen Dreibeins sitzt. Die Beine tragen Gummifüße oder [[Saugnapf|Saugnäpfe]], ein mittiger weißer Visierkegel weist zum Mittelpunkt auf der Tafel.<ref name="Tafel">{{Meyers-1905 |Lemma=Tafelzirkel |Band=19 |Seite=281 |zenoID=20007557302}}</ref>
Der Winkelabstand der Schenkel bestimmt den Kreisradius und wird am einfachsten durch (meist justierbare) Reibung der Schenkelanlenkung(en) festgehalten. Zahnradgetriebe oder Symmetrierhebel stellen den gerändelten Drehzapfen am Zirkelkopf senkrecht. Schnellverstellzirkel tragen am Kopf eine starke Feder, die das Walzenlager presst, den Griff symmetrisch hält und die Schenkel sanft zusammendrückt. Eine Stange mit gegenläufigen Gewinden und einhändig bedienbarem Mitteltrieb-Rändelrad spreizt die Schenkel justierbar. Sich auf Fingerdruck öffnende und dann verschiebbare Muttern oder Gewinde mit sehr großen Steigungen (diese in eng gleitenden Kunststoffmuttern) ermöglichen noch schnellere Radiusverstellung. Schneiderzirkel aus Holz und einfache Zirkel für Metallbau oder Zimmerer weisen häufig einen (eventuell geschlitzten) Blechbogen auf, der zusammen mit einer Klemmschraube den eingestellten Schenkelwinkel fixiert.
Spezielle Zirkel enthalten am eingestochenen, fest stehenden Schenkel eine Millimeterteilung oder einen [[Nonius]]. Der ''genaue'' Abstand zwischen den Schenkelspitzen wird am beweglichen Schenkel abgelesen.
=== Varianten ===
Aus dem Bereich der [[Ideenlehre]] („[[Konstruktion mit Zirkel und Lineal]]“) kommt die Unterscheidung zwischen kollabierendem und nichtkollabierendem Zirkel. Ein kollabierender Zirkel ist üblicherweise ein rein gedankliches Werkzeug –&nbsp;ein Zirkel, mit dem man keinen Radius abnehmen und zu einem anderen Mittelpunkt übertragen kann, da er beim Abheben zuschnappen würde&nbsp;–, während real existierende Zirkel praktisch immer nichtkollabierende Zirkel sind; siehe dazu den Hauptartikel ''[[kollabierender Zirkel]].'' Die folgenden Varianten sind alle nicht-kollabierend.
==== Stechzirkel ====
[[Stechzirkel]] oder ''Einhandzirkel'' haben zwei Spitzen, je eine je Schenkel. Sie zeichnen nicht, sondern dienen zum Abgreifen von Längen. Durch mehrfaches Einstechen und Weiterzirkeln können auch Längen bestimmt werden. Das funktioniert näherungsweise auch entlang von Kurven oder zum Erzeugen von Einstichen in gleichmäßigen Abständen entlang von Kurven oder Linien.
In der Seefahrt zur [[Navigation]] dienen Stechzirkel zum Abgreifen von Strecken und Entfernungen auf [[Seekarte]]n.
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  Dividers 1.jpg|Navigationszirkel
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In der geometrischen Konstruktion von Gliederketten oder Wellenerscheinungen. [[Stechzirkel]] werden von [[Steinmetz]]en auch zum Einritzen von radialen Linien in einen [[Naturstein]] verwendet, der von ihnen bearbeitet wird.
Ein sogenannter ''Feldzirkel'' ist ein größerer, von einer stehenden Person zu bedienender Stechzirkel, der zum Abmessen von Entfernungen in der freien Natur, auf landwirtschaftlichen Feldern oder auch in der [[Archäologie]] verwendet wird. Er ist auf ein festes Maß einstellbar (meist 1 [[Meter]]). Er erreicht nicht die Genauigkeit eines Messbandes, ist aber genauer als Schätzen und reicht für viele Zwecke aus.
==== Fallnullenzirkel ====
[[Datei:Rotring S0214750 with Rapidograph 0.5 mm drawing 1.5–15 mm circles.jpg|mini|Fallnullenzirkel mit eingespanntem Tuschezeichner]]
Zum Zeichnen sehr kleiner Kreise hinunter bis zu einem Durchmesser von etwa einem Millimeter dienen ''Fallnullenzirkel.'' Die Achse wird mit ihrer Spitze angesetzt, der Schenkel wird fallengelassen und zum Zeichnen rotiert.
==== Stangenzirkel ====
Zum Zeichnen großer Kreise (bis 60 cm Radius) verwendet man einen sogenannten ''Stangenzirkel,'' bei dem die beiden Punkte (Kreismittelpunkt und Radius) an einer Metallstange parallel verschoben werden können.
==== Schultafel-Zirkel ====
[[Datei:Wiblingwerde-Holzkreidezirkel-1-Asio.jpg|mini|Kreidezirkel für Schultafel]]
{{Hauptartikel|Tafelzirkel}}
Zum Zeichnen von Kreisen und Kreisformen auf [[Schreibtafel|Schulwandtafeln]] werden große Zirkel verwendet, die an einem Schenkel eine [[Tafelkreide]] aufnehmen können und am anderen Schenkel im Umkreis der Spitze ein kleines Dreibein mit Gummisaugern haben. Die Schenkel sind etwa 50 cm lang.<ref name="Tafel" />
==== Improvisierte Zirkel ====
Ein einfacher Zirkel lässt sich aus einem [[Nagel]] oder einer [[Nadel]] zum Festlegen des Mittelpunkts, einem [[Faden]] oder einer [[Kordel (Textilie)|Schnur]] zur Bestimmung des Radius und einem Stift zum Zeichnen konstruieren. Die Enden des Fadens werden um Stift und Nagel gewickelt, der passende Radius muss durch Probieren mittels Aufwickeln ermittelt werden (Siehe hierzu auch [[Gärtnerkonstruktion]]). Auch eine Schnurschlinge oder dünner Karton, durchstochen an zwei Stellen, kommen in Betracht.
Weitere Varianten: [[Greifzirkel]], [[Hohlzirkel]]
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  L-Reisszeug.png|Historische Ausführungen
  Zirkel.jpg|Schneidezirkel und Schulzirkel
  Fallnullenzirkel01.jpg|Fallnullenzirkel
  Stangenzirkel.jpg|Stangenzirkel
  Lotter Zirkelkasten.JPG|Ein Zirkelkasten des Herstellers Johann Christian Lotter
</gallery>
== Symbolik des Zirkels ==
Im Mittelalter wurde der Zirkel zum Symbol der Geometrie, der kosmischen Ordnung und Planungsarbeit, insbesondere in der Baukunst sowie Erd-, Land- und Stadtvermessung. In der bildenden Kunst zeigen Buchmalereien den Weltenrichter als [[Geodät|Geometer]], der den Erdkreis vermisst. Der Zirkel ist mit dem [[Winkelmaß]] und dem heiligen Buch noch heute ein Symbol der [[Freimaurerei]], das den Baubruderschaften der Dom[[bauhütte]]n entlehnt wurde, die diese Kombination als Symbol führten. Ein Zirkel ist eines der Attribute der [[Temperantia]], der Personifikation der Mäßigung und Besonnenheit, und der personifizierten [[Melancholie]] wie in [[Albrecht Dürer]]s [[Kupferstich]] ''Melencolia I'' (1514).
* Der Zirkel gehörte zusammen mit dem [[Hammer (Heraldik)|Hammer]] und [[Ährenkranz]] in Form eines [[Lorbeerkranz]]es zum [[Hoheitszeichen|Emblem]] des [[Arbeiter-und-Bauern-Staat|Arbeiter- und Bauernstaates]] [[Deutsche Demokratische Republik|DDR]]. Er versinnbildlichte darin die Intellektuellen (im Sprachgebrauch der DDR als „Schicht der Intelligenz“ bezeichnet), während Hammer und Ähren für die Arbeiter bzw. die Bauernschaft standen.
* Eine andere Symbolik umfasst das Wappen von [[Langenstein (Oberösterreich)]]. Der Zirkel steht zudem in der [[Kunststil|Kunstrichtung]] [[Sozialistischer Realismus]].
* Wohl das weltweit einzige Zirkelmuseum: Zirkelmuseum in [[Wilhelmsdorf (Mittelfranken)|Wilhelmsdorf]] (Bayern)<ref>[https://zirkelmuseum.de/de/home zirkelmuseum.de]</ref>
<gallery>
  Europe a Prophecy, copy D, object 1 (Bentley 1, Erdman i, Keynes i) British Museum.jpg|The Ancient of Days (1794) von [[William Blake]], Symbol der [[Theophilanthropie]] in der [[Französische Revolution|Französischen Revolution]]
  Coat of arms of East Germany (1955–1990).svg|Zirkel im [[Staatswappen der DDR|Staatsemblem der DDR]]
  Wappen Dietenhausen.png|[[Keltern (Gemeinde)#Gemeindegliederung|Dietenhausen]]
  Wappen at langenstein.png|[[Langenstein (Oberösterreich)|Langenstein]]
  CHE Lignières COA.svg|[[Lignières NE|Lignières]]
  SestoCampano-Stemma.png|[[Sesto Campano]]
  Sesto Fiorentino (FI)-Stemma.png|[[Sesto Fiorentino]]
</gallery>
== Siehe auch ==
* [[Gärtnerkonstruktion]]
* [[kollabierender Zirkel]]
* [[Nullenzirkel]]
* [[Reduktionszirkel]]
* [[Tafelzirkel]]
* [[Zirkelbesteck]]
== Weblinks ==
{{Commons|Compass (drafting)|Zirkel|audio=0|video=0}}
{{Wiktionary|Zirkel}}
* [http://www.history.didaktik.mathematik.uni-wuerzburg.de/vollrath/papers/083.pdf Historie: Spezialisierung und Generalisierung in der Entwicklung der Zirkel.] (PDF; 0,7&nbsp;MB) history.didaktik.mathematik.uni-wuerzburg.de
== Einzelnachweise ==
<references />
{{Normdaten|TYP=s|GND=4326754-3}}
[[Kategorie:Zirkel| ]]
[[Kategorie:Euklidische Geometrie]]
[[Kategorie:Wikipedia.de Artikel]]

Version vom 22. Juli 2026, 13:33 Uhr

Zirk-el lat.-deu. ‘Kreislinie, Kreis, Kreisbahn, Ring, Reif, Personenkreis, Menschengruppe’; 'Gerät zum Zeichnen von Kreisen, Abgreifen von Maßen o. Ä."

  • Zirkel m.
    • ‘zweischenkliges Gerät zum Zeichnen von Kreislinien oder zum Messen und Übertragen von Strecken’,
    • auch ‘Kreis, Personenkreis, Gruppe’,
    • ahd. zirkil (um 900),
    • mhd. zirkel ‘Instrument zum Ziehen eines Kreises’,
    • mhd. außerdem ‘Kreis, Kreislauf, goldener Reif’.
  • Das Hptw. ist in den letztgenannten Verwendungen
    • entlehnt aus lat. circulus ‘Kreislinie, Kreis, Kreisbahn, Ring, Reif, Personenkreis, Menschengruppe’ (s. zirkulieren),
    • trifft sich aber im Mhd. mit der seit dem Ahd. bezeugten Benennung des in der Geometrie benötigten Hilfsinstruments,
      • die auf gleichbed. lat. circinus (auch ‘Kreis’) zurückgeht,
        • wobei sich das auslautende -l im Dt. vielleicht durch Vermischung mit lat. circulus
          • (vgl. mlat. circinus ‘Zirkel, Zange’ und ‘Kreis’,
          • circulus ‘Ring, Kreis, Kugel’ und ‘Zirkel’)
        • oder durch Anpassung an die Gerätebezeichnungen auf ger. -ila- (s. Gürtel, Hebel, Meißel) erklärt.
    • Beide lat. Bildungen gehören zu lat. circus m. ‘Kreis, Kreislinie, (runde) Rennbahn für Wagenrennen, Zirkus’ (s. Zirkus).
  • Die Bedeutung ‘zu Geselligkeit oder zur Wahrnehmung gemeinsamer Interessen sich versammelnde Menschengruppe’ (1. Hälfte 18. Jh.)
    • steht unter dem Einfluß von frz. cercle ‘in einem Salon versammelte Personen, Klub, Vereinigung Gleichgesinnter’
      • (zunächst ‘um den König oder die Königin versammelter Kreis von Vertrauten’,
      • aus lat. circulus im Sinne von ‘Personenkreis, Gruppe’),
    • das selbst Ende des 18. Jhs. in der Form Cercle übernommen und zeitweilig (bis ins 19. Jh.) neben Zirkel gebraucht wird.
    • Dieses lebt in neuester Zeit vor allem als ‘Kreis von Lernenden, Lehrgang, Kursus’ (19. Jh.) weiter.

Zirkel

Zirkel (rechts) mit alter­nativ zu montie­renden Bleistift­minen­halter (Mitte) und Verlängerungs­stück (Klapp­schenkel) für größere Kreisradien (links)
Erstellung eines Kreises mit einem Zirkel
Zwei römische Zirkel aus Kempten (1.–3. Jh.)
Zirkelschmied (1568)

Der Zirkel (althochdeutsch zirkil, von lat. circulus „Kreisbahn“) ist ein Zeichengerät zum Zeichnen von Kreisen bzw. (allgemeiner) zum Übertragen von Distanzen.[1] Außerdem ist er ein in der ebenen Euklidischen Geometrie verwendetes mathematisches Instrument, das einen Kreis um einen gegebenen Punkt zieht. Eine Sonderform von Zirkeln sind Ellipsenzirkel,[2] die das Zeichnen von Ellipsen erlauben.

Geschichte, Philosophie und Mathematik

In der Antike war der Zirkel neben dem Lineal das einzige Hilfsmittel zur Konstruktion geometrischer Objekte.

Auch im Mathematik-Unterricht (Geometrie, Konstruktion) sind Zirkel und Lineal die einzigen Hilfsmittel, um geometrische Zeichenoperationen (Parallelverschiebung von Geraden, Errichten der Senkrechten auf einer Gerade, der Mittelsenkrechten auf einer Strecke, Konstruktion von Dreiecken, Trapezen, Parallelogrammen, Rechtecken, regelmäßigen Sechsecken usw.) auszuführen.

Heute wird im Schulunterricht neben dem Zirkel und Lineal auch das Geodreieck und Dynamische Geometrie-Software benutzt.

Die entsprechenden Operationen werden auch beim CAD benötigt und teilweise automatisch ausgeführt.

Beschreibung des Zirkels

Das Zeichengerät Zirkel besteht aus zwei gleich langen, üblicherweise metallenen Stäben, die jeweils an einem Ende gelenkig verbunden sind. Einer der Stäbe hat an seinem anderen Ende eine Spitze (Nadel), die zur Fixierung des Zirkels auf der Unterlage dient. Mit dem Fixieren wird der Kreismittelpunkt festgelegt, mit dem Abstand des zweiten Schenkels zum ersten der Radius.

Am Ende des zweiten, beweglichen Stabes befindet sich in der Regel eine Vorrichtung, mit der der Kreis oder Kreisabschnitt auf der Unterlage gezeichnet wird. Zum Zeichnen werden abhängig vom Untergrund verschiedene Vorrichtungen angewendet. Auf Papier wird eine Bleistiftmine (in der Schule) oder eine Vorrichtung für Tusche (technische Zeichnungen) auf Pergament verwendet. Für Darstellungen von Kreisen auf anderen Materialien, beispielsweise Leder, wird Kreide verwendet. Auf metallenen Oberflächen kommt eine Reißnadel zum Einsatz. Kreide-Zirkel für Schultafeln (besonders aus Mattglas) haben meist einen Mittelpunktsschenkel, der mit einem Kugelgelenk an der Spitze eines flachen Dreibeins sitzt. Die Beine tragen Gummifüße oder Saugnäpfe, ein mittiger weißer Visierkegel weist zum Mittelpunkt auf der Tafel.[3]

Der Winkelabstand der Schenkel bestimmt den Kreisradius und wird am einfachsten durch (meist justierbare) Reibung der Schenkelanlenkung(en) festgehalten. Zahnradgetriebe oder Symmetrierhebel stellen den gerändelten Drehzapfen am Zirkelkopf senkrecht. Schnellverstellzirkel tragen am Kopf eine starke Feder, die das Walzenlager presst, den Griff symmetrisch hält und die Schenkel sanft zusammendrückt. Eine Stange mit gegenläufigen Gewinden und einhändig bedienbarem Mitteltrieb-Rändelrad spreizt die Schenkel justierbar. Sich auf Fingerdruck öffnende und dann verschiebbare Muttern oder Gewinde mit sehr großen Steigungen (diese in eng gleitenden Kunststoffmuttern) ermöglichen noch schnellere Radiusverstellung. Schneiderzirkel aus Holz und einfache Zirkel für Metallbau oder Zimmerer weisen häufig einen (eventuell geschlitzten) Blechbogen auf, der zusammen mit einer Klemmschraube den eingestellten Schenkelwinkel fixiert.

Spezielle Zirkel enthalten am eingestochenen, fest stehenden Schenkel eine Millimeterteilung oder einen Nonius. Der genaue Abstand zwischen den Schenkelspitzen wird am beweglichen Schenkel abgelesen.

Varianten

Aus dem Bereich der Ideenlehre („Konstruktion mit Zirkel und Lineal“) kommt die Unterscheidung zwischen kollabierendem und nichtkollabierendem Zirkel. Ein kollabierender Zirkel ist üblicherweise ein rein gedankliches Werkzeug – ein Zirkel, mit dem man keinen Radius abnehmen und zu einem anderen Mittelpunkt übertragen kann, da er beim Abheben zuschnappen würde –, während real existierende Zirkel praktisch immer nichtkollabierende Zirkel sind; siehe dazu den Hauptartikel kollabierender Zirkel. Die folgenden Varianten sind alle nicht-kollabierend.

Stechzirkel

Stechzirkel oder Einhandzirkel haben zwei Spitzen, je eine je Schenkel. Sie zeichnen nicht, sondern dienen zum Abgreifen von Längen. Durch mehrfaches Einstechen und Weiterzirkeln können auch Längen bestimmt werden. Das funktioniert näherungsweise auch entlang von Kurven oder zum Erzeugen von Einstichen in gleichmäßigen Abständen entlang von Kurven oder Linien.

In der Seefahrt zur Navigation dienen Stechzirkel zum Abgreifen von Strecken und Entfernungen auf Seekarten.

In der geometrischen Konstruktion von Gliederketten oder Wellenerscheinungen. Stechzirkel werden von Steinmetzen auch zum Einritzen von radialen Linien in einen Naturstein verwendet, der von ihnen bearbeitet wird.

Ein sogenannter Feldzirkel ist ein größerer, von einer stehenden Person zu bedienender Stechzirkel, der zum Abmessen von Entfernungen in der freien Natur, auf landwirtschaftlichen Feldern oder auch in der Archäologie verwendet wird. Er ist auf ein festes Maß einstellbar (meist 1 Meter). Er erreicht nicht die Genauigkeit eines Messbandes, ist aber genauer als Schätzen und reicht für viele Zwecke aus.

Fallnullenzirkel

Fallnullenzirkel mit eingespanntem Tuschezeichner

Zum Zeichnen sehr kleiner Kreise hinunter bis zu einem Durchmesser von etwa einem Millimeter dienen Fallnullenzirkel. Die Achse wird mit ihrer Spitze angesetzt, der Schenkel wird fallengelassen und zum Zeichnen rotiert.

Stangenzirkel

Zum Zeichnen großer Kreise (bis 60 cm Radius) verwendet man einen sogenannten Stangenzirkel, bei dem die beiden Punkte (Kreismittelpunkt und Radius) an einer Metallstange parallel verschoben werden können.

Schultafel-Zirkel

Kreidezirkel für Schultafel

Zum Zeichnen von Kreisen und Kreisformen auf Schulwandtafeln werden große Zirkel verwendet, die an einem Schenkel eine Tafelkreide aufnehmen können und am anderen Schenkel im Umkreis der Spitze ein kleines Dreibein mit Gummisaugern haben. Die Schenkel sind etwa 50 cm lang.[3]

Improvisierte Zirkel

Ein einfacher Zirkel lässt sich aus einem Nagel oder einer Nadel zum Festlegen des Mittelpunkts, einem Faden oder einer Schnur zur Bestimmung des Radius und einem Stift zum Zeichnen konstruieren. Die Enden des Fadens werden um Stift und Nagel gewickelt, der passende Radius muss durch Probieren mittels Aufwickeln ermittelt werden (Siehe hierzu auch Gärtnerkonstruktion). Auch eine Schnurschlinge oder dünner Karton, durchstochen an zwei Stellen, kommen in Betracht.

Weitere Varianten: Greifzirkel, Hohlzirkel

Symbolik des Zirkels

Im Mittelalter wurde der Zirkel zum Symbol der Geometrie, der kosmischen Ordnung und Planungsarbeit, insbesondere in der Baukunst sowie Erd-, Land- und Stadtvermessung. In der bildenden Kunst zeigen Buchmalereien den Weltenrichter als Geometer, der den Erdkreis vermisst. Der Zirkel ist mit dem Winkelmaß und dem heiligen Buch noch heute ein Symbol der Freimaurerei, das den Baubruderschaften der Dombauhütten entlehnt wurde, die diese Kombination als Symbol führten. Ein Zirkel ist eines der Attribute der Temperantia, der Personifikation der Mäßigung und Besonnenheit, und der personifizierten Melancholie wie in Albrecht Dürers Kupferstich Melencolia I (1514).

Siehe auch

Commons: Zirkel – Album mit Bildern
Wiktionary: Zirkel – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. ↑ Zirkel. [1]. In: Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage. Band 20: Veda–Zz. Bibliographisches Institut, Leipzig / Wien 1909, S. 954 (Digitalisat. zeno.org).
  2. ↑ Ellipsenzirkel. In: Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage. Band 5: Differenzgeschäfte–Erde. Bibliographisches Institut, Leipzig / Wien 1906, S. 720–721 (Digitalisat. zeno.org).
  3. ↑ a b Tafelzirkel. In: Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage. Band 19: Sternberg–Vector. Bibliographisches Institut, Leipzig / Wien 1909, S. 281 (Digitalisat. zeno.org).
  4. ↑ zirkelmuseum.de