„Quaternion“ – Versionsunterschied
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Die '''Quaternionen''' (Singular ''die'' oder ''das Quaternion'', von {{laS|quaternio | Die '''Quaternionen''' (Singular ''die'' oder ''das Quaternion'', von {{laS|quaternio}} [[Maskulinum|m.]] „Vierheit“) sind ein Zahlenbereich, der den Zahlenbereich der [[Reelle Zahl|reellen Zahlen]] erweitert – ähnlich den [[Komplexe Zahlen|komplexen Zahlen]] und über diese hinaus. Beschrieben (und systematisch fortentwickelt) wurden sie ab 1843 von [[William Rowan Hamilton]];<ref name="Beutelspacher-LA-7-30">{{Literatur |Autor=[[Albrecht Beutelspacher]] |Titel=Lineare Algebra |Auflage=7. |Verlag=Vieweg+Teubner Verlag |Ort=Wiesbaden |Datum=2010 |ISBN=978-3-528-66508-1 |Seiten=30}}</ref> sie werden deshalb auch ''hamiltonsche Quaternionen'' oder '''Hamilton-Zahlen''' genannt. [[Olinde Rodrigues]] entdeckte sie bereits 1840 unabhängig von Hamilton.<ref>Bei Gauß findet sich eine Notiz über die Multiplikation und Konjugation von Quadrupeln im Kapitel ''Mutation des Raumes''. In: [[Carl Friedrich Gauß]]: ''Werke''. Achter Band. König. Gesell. Wissen., Göttingen 1900, S. 357–361, die auf das Jahr 1819 datiert wird. Die Unterschiede zu Hamilton gehen nicht über notationelle Konventionen hinaus (Zitiert nach [[#Lam|Lam]] S. 25).</ref> Trotzdem wird die [[Menge (Mathematik)|Menge]] der Quaternionen meistens mit <math>\mathbb H</math> bezeichnet. | ||
Die Quaternionen bilden einen [[Schiefkörper]] (oder Divisionsring), bei dem die Multiplikation auch von der ''Reihenfolge'' der Faktoren abhängt, also ''nicht'' [[Kommutativgesetz|kommutativ]] ist. Das heißt, es gibt Quaternionen <math>x</math> und <math>y</math>, bei denen | Die Quaternionen bilden einen [[Schiefkörper]] (oder Divisionsring), bei dem die Multiplikation auch von der ''Reihenfolge'' der Faktoren abhängt, also ''nicht'' [[Kommutativgesetz|kommutativ]] ist. Das heißt, es gibt Quaternionen <math>x</math> und <math>y</math>, bei denen | ||
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Einige aus dem [[Reelle Zahl|Reellen]] bekannte Rechenregeln gelten deshalb für Quaternionen nicht, jedoch gelten [[Assoziativgesetz|Assoziativ-]] und [[Distributivgesetz]] sowie [[Ring (Algebra)#Invertierbarkeit, Einheit|multiplikative Invertierbarkeit]], d. h. die [[Körper (Algebra)|Existenz des Inversen]] <math>x^{-1}</math> zu jedem <math>x\neq 0</math>. | Einige aus dem [[Reelle Zahl|Reellen]] bekannte Rechenregeln gelten deshalb für Quaternionen nicht, jedoch gelten [[Assoziativgesetz|Assoziativ-]] und [[Distributivgesetz]] sowie [[Ring (Algebra)#Invertierbarkeit, Einheit|multiplikative Invertierbarkeit]], d. h. die [[Körper (Algebra)|Existenz des Inversen]] <math>x^{-1}</math> zu jedem <math>x\neq 0</math>. | ||
Die Quaternionen waren das erste Beispiel eines nichtkommutativen Schiefkörpers.<ref>[[ | Die Quaternionen waren das erste Beispiel eines nichtkommutativen Schiefkörpers.<ref name="Lam" details="S. 1">[[Tsit Yuen Lam]] ([[University of California, Berkeley|Berkeley]]): [http://math.berkeley.edu/~lam/quat.ps ''Hamilton’s Quaternions''] ([[PostScript]], englisch). Abgerufen am 30. August 2009 </ref> | ||
Quaternionen erlauben in vielen Fällen eine rechnerisch elegante Beschreibung des dreidimensionalen [[Euklidischer Raum|euklidischen Raumes]] und anderer Räume, insbesondere im Kontext von Drehungen. Daher verwendet man sie unter anderem in Berechnungs- und Darstellungsalgorithmen für Simulationen sowie zur Auswertung [[Textur (Kristallographie)|kristallographischer Texturen]].<ref name="Lunze">{{cite journal |author=Karsten Kunze, Helmut Schaeben |title=The Bingham Distribution of Quaternions und Its Spherical Radon Transform in Texture Analysis |journal=Mathematical Geology |month=11 |year=2004 |volume=8 |pages=917–943 |doi=10.1023/B:MATG.0000048799.56445.59 |language=en}}</ref> Sie sind aber auch als eigenständiges [[mathematisches Objekt]] von Interesse und dienen so zum Beispiel im Beweis des [[Vier-Quadrate-Satz]]es. | Quaternionen erlauben in vielen Fällen eine rechnerisch elegante Beschreibung des dreidimensionalen [[Euklidischer Raum|euklidischen Raumes]] und anderer Räume, insbesondere im Kontext von Drehungen. Daher verwendet man sie unter anderem in Berechnungs- und Darstellungsalgorithmen für Simulationen sowie zur Auswertung [[Textur (Kristallographie)|kristallographischer Texturen]].<ref name="Lunze">{{cite journal |author=Karsten Kunze, Helmut Schaeben |title=The Bingham Distribution of Quaternions und Its Spherical Radon Transform in Texture Analysis |journal=Mathematical Geology |month=11 |year=2004 |volume=8 |pages=917–943 |doi=10.1023/B:MATG.0000048799.56445.59 |language=en}}</ref> Sie sind aber auch als eigenständiges [[mathematisches Objekt]] von Interesse und dienen so zum Beispiel im Beweis des [[Vier-Quadrate-Satz]]es. | ||
== Konstruktion == | |||
Die Quaternionen entstehen aus den reellen Zahlen durch Hinzufügen ([[Adjunktion (Algebra)|Adjunktion]]) dreier neuer Zahlen, denen in Anlehnung an die komplex-imaginäre Einheit die Namen <math>\mathrm i</math>, <math>\mathrm j</math> und <math>\mathrm k</math> gegeben werden. So ergibt sich ein vierdimensionales Zahlensystem (mathematisch ein [[Vektorraum]]) mit einem ''Realteil'', der aus ''einer'' reellen [[Matrix (Mathematik)#Elemente der Matrix|Komponente]] besteht, und einem ''Imaginärteil'' aus ''drei'' Komponenten, der auch Vektorteil genannt wird. | |||
Alle Quaternionen lassen sich eindeutig in der Form | |||
: <math>x_0+x_1\mathrm i+x_2\mathrm j+x_3\mathrm k</math> | |||
mit reellen Zahlen <math>x_0</math>, <math>x_1</math>, <math>x_2</math>, <math>x_3</math> schreiben. Damit bilden die Elemente <math>1,\mathrm i,\mathrm j,\mathrm k</math> eine [[Basis (Vektorraum)|Basis]], die Standardbasis der Quaternionen über <math>\R</math>. Die Addition erfolgt komponentenweise und wird vom Vektorraum geerbt. Multiplikativ werden die neuen Zahlen <math>\mathrm i</math>, <math>\mathrm j</math>, <math>\mathrm k</math> gemäß den ''Hamilton-Regeln'' | |||
{{Anker|Hamilton-Regeln}} | |||
: <math>\mathrm i^2=\mathrm j^2=\mathrm k^2=\mathrm{i}\mathrm{j}\mathrm{k}=-1</math> | |||
verknüpft. Die [[Skalarmultiplikation]] <math>\R \times \mathbb H \to \mathbb H \, </math>, die ebenfalls vom Vektorraum geerbt wird<ref>Sie ist nicht mit dem [[#Skalarprodukt|Skalarprodukt]] zu verwechseln.</ref> und bei der die Skalare als mit jedem Element vertauschbar angesehen werden, zusammen mit der Addition, dem [[Distributivgesetz#Formale Definition|Rechtsdistributivgesetz]] und den Hamilton-Regeln erlauben es, die Multiplikation von der Basis auf alle Quaternionen zu erweitern. Da so auch jeder Skalar <math>\lambda \in \R</math> als <math>\lambda+0\mathrm i+0\mathrm j+0\mathrm k</math> in <math>\mathbb H</math> eingebettet wird, kann <math>\R</math> als [[Unterring]] von <math>\mathbb H</math> aufgefasst werden. | |||
Die so definierte Multiplikation ist [[Assoziativgesetz|assoziativ]], erfüllt die beiden [[Distributivgesetz]]e<ref>Wegen der fehlenden Kommutativität in der Multiplikation können die beiden Distributivgesetze nicht automatisch auf eines reduziert werden.</ref> und macht so die Quaternionen zu einem [[Ring (Algebra)|Ring]]. Sie ist allerdings nicht [[Kommutativgesetz|kommutativ]], d. h., für zwei Quaternionen <math>x</math> und <math>y</math> sind die beiden Produkte <math>x y</math> und <math> y x</math> im Allgemeinen verschieden (s. u.). Das [[Zentrum (Algebra)|Zentrum]] von <math>\mathbb H^\times</math>, also die Menge derjenigen Elemente der multiplikativen Gruppe von <math>\mathbb H</math>, die mit allen Elementen kommutieren, ist <math>\R^\times</math>. | |||
Die Quaternionen bilden einen [[Schiefkörper]] (Divisionsring), da es zu jeder Quaternion <math>x\ne0</math> eine [[#Inverses und Division|inverse Quaternion]] <math>x^{-1}</math> gibt mit | |||
: <math>x x^{-1}=x^{-1} x=1</math> . | |||
Wegen der fehlenden Kommutativität werden Notationen mit Bruchstrich, wie z. B. <math>\tfrac{y}x</math>, vermieden. | |||
Des Weiteren sind die Quaternionen eine [[Dimension (Mathematik)|vierdimensionale]] [[Divisionsalgebra]] über <math>\R</math> – und bis auf [[Isomorphismus|Isomorphie]] die einzige. | |||
== Schreibweise == | |||
Im weiteren Text werden folgende Schreibweisen benutzt: | |||
Ist <math>x</math> eine Quaternion, dann werden ihre reellen Komponenten mit <math>x_0, x_1, x_2, x_3</math> bezeichnet, und diese sind der Basis <math>1,\mathrm i,\mathrm j,\mathrm k</math> folgendermaßen zugeordnet: | |||
: <math>x = x_0+x_1\mathrm i+x_2\mathrm j+x_3\mathrm k .</math> | |||
Gelegentlich wird eine vektorielle Schreibweise benötigt. Dabei werden bspw. die Komponenten <math>(x_1,x_2,x_3)</math> zu einem 3-dimensionalen Vektor <math>\vec x</math> zusammengefasst, sodass man <math>x</math> mit dem 4-dimensionalen Vektor <math>(x_0, \vec x) = (x_0, x_1, x_2, x_3)</math> identifizieren kann.<ref>NB: <math>\vec x</math> wird bei Bedarf auch als Spaltenvektor eingesetzt.</ref> | |||
Analoge Abmachungen sollen für andere Buchstaben wie <math>y</math> etc. gelten. | |||
In manch älterer Literatur wurden Quaternionen mit großen [[Fraktur (Schrift)|Frakturbuchstaben]] und die imaginären Einheiten als ''Einheitsvektoren'' mit kleinen <math>\mathfrak{e}_n</math> in Fraktur bezeichnet, z. B. so: | |||
: <math>\mathfrak{X} = x_0 + \mathfrak{e}_1 x_1 + \mathfrak{e}_2 x_2 + \mathfrak{e}_3 x_3 = \sum_{j=0}^3 \mathfrak{e}_j x_j</math> | |||
mit <math>\mathfrak{e}_0 = 1</math>. | |||
Komplexe Zahlen tragen meist den Namen <math>z</math> und haben die reellen Komponenten <math>\xi</math>, <math>\eta</math>. | |||
== Grundrechenarten == | |||
Die Konstruktion der Quaternionen ist der der komplexen Zahlen analog, allerdings wird nicht nur eine neue Zahl hinzugefügt, sondern derer drei, die mit <math>\mathrm i</math>, <math>\mathrm j</math> und <math>\mathrm k</math> bezeichnet werden. | |||
Die [[Linearkombination]]en | |||
: <math>x_0\mathrm 1+x_1\mathrm i+x_2\mathrm j+x_3\mathrm k</math> | |||
über der Basis <math>\{\mathrm 1,\mathrm i,\mathrm j,\mathrm k\}</math> spannen mit reellen Komponenten <math>x_i</math> den 4-dimensionalen Vektorraum der Quaternionen <math>\mathbb H</math> auf. Als Vektorraum ist <math>\mathbb H</math> isomorph zu <math>\R^4</math>. Das Basiselement <math>\mathrm 1</math>, das die reellen Zahlen [[Injektivität|injektiv]] einbettet (und zugleich das neutrale Element der Multiplikation darstellt), wird in der Linearkombination meist weggelassen. Die Addition und Subtraktion geschieht komponentenweise. | |||
Vom Vektorraum wird auch die [[Skalarmultiplikation]] übernommen, also die linke und rechte Multiplikation mit einer reellen Zahl, die distributiv zu jeder Komponente multipliziert wird. Diese Skalarmultiplikation ist eine [[Einschränkung]] der Hamilton-Multiplikation, die auf ganz <math>\mathbb H</math> definiert ist. Die Hamilton-Multiplikation der Basiselemente untereinander oder etwas umfassender innerhalb der Menge | |||
: <math>\mathrm{Q}_8 := \{\mathrm 1,\mathrm i,\mathrm j,\mathrm k, -\mathrm 1,-\mathrm i,-\mathrm j,-\mathrm k\}</math> | |||
geschieht nach den Hamilton-Regeln | |||
{| | |||
|- | |||
|style="width: 25em;"| | |||
* <math>\mathrm i^2=\mathrm j^2=\mathrm k^2=-1</math> | |||
| <math>(1)</math> | |||
|- | |||
| | |||
* <math>\mathrm i\mathrm j=+\mathrm k,\quad \mathrm j\mathrm k=+\mathrm i,\quad \mathrm k\mathrm i=+\mathrm j</math> | |||
| <math>(2)</math> | |||
|- | |||
| | |||
* <math>\mathrm j\mathrm i=-\mathrm k,\quad \mathrm k\mathrm j=-\mathrm i,\quad \mathrm i\mathrm k=-\mathrm j</math> | |||
| <math>(\bar 2)</math>. | |||
|} | |||
Diese Regeln zusammen mit der Vertauschbarkeit von <math>\pm1</math> mit jedem anderen Element geben eine vollständige Tafel für eine Verknüpfung vor, die sich als [[Assoziativgesetz|assoziativ]] erweist und <math>\mathrm{Q}_8</math> zu einer [[Gruppe (Mathematik)|Gruppe]] macht – der [[Quaternionengruppe]]. | |||
Unter Voraussetzung der Regel <math>(1)</math> (und der Gruppenaxiome) ist die Kombination aus <math>(2)</math> und <math>(\bar 2)</math>, in der das zyklische und antizyklische Verhalten der drei nicht-reellen Quaternionen-Einheiten zum Ausdruck kommt, ersetzbar durch die Einzelregel | |||
{| | |||
|- | |||
|style="width: 25em;"| | |||
* <math>\mathrm i\mathrm j\mathrm k=-1</math> | |||
| <math>(3)</math>. | |||
|} | |||
Diese Einzelregel <math>(3)</math> könnte auch durch jede der fünf alternativen Einzelregeln <math>\mathrm j\mathrm k\mathrm i=-1</math>, <math>\mathrm k\mathrm i\mathrm j=-1</math>, | |||
<math>\mathrm k\mathrm j\mathrm i=1</math>, <math>\mathrm j\mathrm i\mathrm k=1</math> oder <math>\mathrm i\mathrm k\mathrm j=1</math> ersetzt werden. | |||
Mithilfe dieser Ersetzungsregeln, des [[Assoziativgesetz]]es und (linken sowie rechten) [[Distributivgesetz]]es lässt sich die Multiplikation auf ganz <math>\mathbb H</math> fortsetzen. Die <math>\mathrm i, \mathrm j, \mathrm k</math> kann man wie [[Kommutativgesetz#Antikommutativität|''anti-kommutierende'']] Variablen behandeln. Treten Produkte von zweien von ihnen auf, so darf man sie nach den Hamilton-Regeln ersetzen. | |||
Die ausgearbeiteten Formeln für die zwei Verknüpfungen von zwei Quaternionen | |||
: <math>x=x_0+x_1\mathrm i+x_2\mathrm j+x_3\mathrm k</math> und <math>y=y_0+y_1\mathrm i+y_2 \mathrm j+y_3\mathrm k</math> | |||
lauten | |||
:<math>\begin{alignat}{2} | |||
x+y & = (x_0+y_0)+(x_1+y_1)\mathrm i+(x_2+y_2)\mathrm j+(x_3+y_3)\mathrm k &\quad& \text{(Addition)} | |||
\end{alignat}</math> | |||
bzw. | |||
:<math>\begin{alignat}{2} | |||
x\;y & = (x_0 y_0 - x_1 y_1 - x_2 y_2 - x_3 y_3) &\quad& \text{(Multiplikation)}\\ | |||
& \quad + (x_0 y_1 + x_1 y_0 {\color{green} \; + \; x_2 y_3} {\color{red} \; - \; x_3 y_2}) \mathrm i && \\ | |||
& \quad + (x_0 y_2 {\color{red} \; - \; x_1 y_3} + x_2 y_0 {\color{green} \; + \; x_3 y_1}) \mathrm j && \\ | |||
& \quad + (x_0 y_3 {\color{Green} \; + \; x_1 y_2} {\color{red} \; - \; x_2 y_1} + x_3 y_0) \mathrm k && | |||
\end{alignat}</math> | |||
Herleitung:<ref>{{Literatur |Autor=Brian L. Stevens, Frank L. Lewis, Eric N. Johnson |Titel=Aircraft Control and Simulation. Dynamics, Controls Design, and Autonomous Systems |Auflage=Third edition |Verlag=John Wiley & Sons, Inc. |Ort=Hoboken, New Jersey |Datum=2016 |ISBN=978-1-118-87098-3 |Seiten=46}}</ref> | |||
:<math>\begin{align} | |||
x\;y & = (x_0+x_1\mathrm i+x_2\mathrm j+x_3\mathrm k) \; (y_0+y_1\mathrm i+y_2\mathrm j+y_3\mathrm k)\\ | |||
& = x_0 y_0 + x_1 y_1 \mathrm i \mathrm i + x_2 y_2 \mathrm j \mathrm j + x_3 y_3 \mathrm k \mathrm k\\ | |||
& \quad + x_0 y_1 \mathrm i + x_1 y_0 \mathrm i +x_2 y_3 {\color{green} \mathrm j \mathrm k} +x_3 y_2 {\color{red}\mathrm k \mathrm j}\\ | |||
& \quad + x_0 y_2 \mathrm j + x_1 y_3 {\color{red} \mathrm i \mathrm k } + x_2 y_0 \mathrm j + x_3 y_1 {\color{green} \mathrm k \mathrm i}\\ | |||
& \quad + x_0 y_3 \mathrm k + x_1 y_2 {\color{green}\mathrm i \mathrm j} + x_2 y_1 {\color{red} \mathrm j \mathrm i} + x_3 y_0 \mathrm k\\ | |||
& = x_0 y_0 -x_1 y_1 - x_2 y_2 - x_3 y_3\\ | |||
& \quad + (x_0 y_1 + x_1 y_0 {\color{green}\;+\; x_2 y_3 } {\color{red} \; -\; x_3 y_2 }) \mathrm i\\ | |||
& \quad + (x_0 y_2 {\color{red}\;-\; x_1 y_3} + x_2 y_0 {\color{green}\;+\; x_3 y_1} )\mathrm j \\ | |||
& \quad + (x_0 y_3 {\color{green}\;+ \; x_1 y_2} {\color{red}\;-\; x_2 y_1 } + x_3 y_0 ) \mathrm k. | |||
\end{align}</math> | |||
Damit sind die für einen Ring erforderlichen zwei Verknüpfungen definiert. Es ist leicht nachgerechnet, dass alle Ring-Axiome erfüllt sind. | |||
Das additive [[Inverses Element|Inverse]] ist (wie in jedem Vektorraum) das Produkt mit dem Skalar −1. Die ''Subtraktion'' ist die Addition dieses Inversen. | |||
Die für einen [[Schiefkörper]] erforderliche ''Division'' muss wegen der fehlenden Kommutativität durch eine Multiplikation mit dem (multiplikativen) Inversen ersetzt werden (siehe [[#Inverses und Division|Inverses und Division]]).<ref>Reelle Faktoren kommutieren mit <math>\mathrm i,\mathrm j,\mathrm k</math> und damit mit allen Quaternionen, d. h., es gilt beispielsweise | |||
:<math>2\mathrm i\mathrm j=\mathrm i2\mathrm j=\mathrm i\mathrm j 2=2\mathrm k</math>, | |||
aber | |||
:<math>2\mathrm j\mathrm i=\mathrm j 2\mathrm i=\mathrm j\mathrm i 2=-2\mathrm k</math>. | |||
Nicht alle aus der elementaren Algebra bekannten Rechenregeln gelten für die Quaternionen, z. B. gilt | |||
:<math>(\mathrm i+\mathrm j)(\mathrm i-\mathrm j)=\mathrm i\mathrm i-\mathrm i\mathrm j+\mathrm j\mathrm i-\mathrm j \mathrm j=(-1)-\mathrm k+(-\mathrm k)-(-1)=-2\mathrm k</math>. | |||
Die [[Binomische Formel|binomischen Formeln]] <math>(a+b)(a-b)=a^2-b^2</math> oder <math>(a+b)^2=a^2+2ab+b^2</math> sind hier also ''nicht'' anwendbar. Sie setzen voraus, dass <math>ab=ba</math> gilt.</ref> | |||
== Gegenring == | |||
Ist <math>(R,+,\cdot)</math> ein Ring, dann wird der mit der Multiplikation | |||
:<math>x \circ y \; := y \cdot x</math> | |||
ausgestattete Ring <math>R^{\operatorname{op}} := (R,+,\circ) </math> als [[Gegenring]] bezeichnet. Hier folgen alle Ringgesetze, das heißt das Assoziativgesetz sowie beide Distributivgesetze, aus den ursprünglichen Gesetzen. Im Gegenring <math>\mathbb H^{\operatorname{op}}</math>, der wegen der Nicht-Kommutativität von <math>\mathbb H</math> von diesem verschieden ist, gelten alle im Abschnitt ''[[#Grundrechenarten|Grundrechenarten]]'' angeführten Rechenregeln bis auf die Multiplikation, bei der die Vorzeichen der Terme, die nur [[Koeffizient]]en <math>x_m y_n</math> mit <math>m \ne n</math> und <math>m \ne 0 \ne n</math> haben, invertiert sind. Ferner gilt die Kurzform | |||
: <math>\mathrm i\circ \mathrm j\circ \mathrm k=+1</math>. | |||
Im Übrigen hat [[Carl Friedrich Gauß|Gauß]] laut [[#Lam|Lam]].<ref name="Lam" details="Eq. (1.4)"/> die Quaternionenmultiplikation im Jahr 1819 genau so definiert. | |||
Des Weiteren ist die [[Orientierung (Mathematik)|Orientierung]] des [[Drei-Finger-Regel|Dreibeins]] <math>(\mathrm i,\mathrm j,\mathrm k)</math> in <math>\mathbb H^{\operatorname{op}}</math> gespiegelt. Die [[Identische Abbildung|Identität]] auf der Grundmenge <math>\R^4</math> ist ein [[Antiisomorphismus]] und die [[#QKonjugation|Konjugation]] ein [[Isomorphismus]]. | |||
Die Nichtkommutativität ist gleichbedeutend mit der Verschiedenheit von <math>\mathbb H</math> und <math>\mathbb H^{\operatorname{op}}</math>. Da beide Ringe die [[Ring (Algebra)#Ring|Ringaxiome]] der Quaternionen erfüllen, muss dieses Axiomensystem „unvollständig“ sein im Sinne [[#Hölder|Hölders]]. In diesem Sinn vollständig sind die Axiomensysteme der rationalen, reellen oder komplexen Zahlen. | |||
== Grundlegende Begriffe == | |||
=== {{Anker|Realteil|Vektorteil}} Skalarteil und Vektorteil === | |||
Aufgrund der besonderen Stellung der Komponente <math>x_0</math> einer Quaternion | |||
: <math>x=x_0+x_1\mathrm i+x_2\mathrm j+x_3\mathrm k</math> | |||
bezeichnet man sie – wie bei den komplexen Zahlen – als ''Realteil'' oder ''Skalarteil'' | |||
: <math>\operatorname{Re}\,x := x_0</math> , | |||
während die Komponenten <math>x_1,x_2,x_3</math> zusammen den ''Imaginärteil'' oder ''Vektorteil'' | |||
: <math>\operatorname{Im}\,x := x_1\mathrm i + x_2\mathrm j + x_3\mathrm k</math> | |||
bilden. Häufig identifiziert man den Vektorteil auch mit dem Vektor <math>\vec x:=(x_1,x_2,x_3) \in \R^3</math>. | |||
=== {{Anker|QKonjugation}} Konjugation === | |||
Zu jeder Quaternion | |||
: <math>x=x_0+x_1\mathrm i+x_2\mathrm j+x_3\mathrm k</math> | |||
ist die ''konjugierte Quaternion'' definiert als | |||
: <math>\bar x := x_0-x_1\mathrm i-x_2\mathrm j-x_3\mathrm k</math> . | |||
Da hier der Imaginärteil mit seinen Einheitsvektoren verknüpft bleibt und der Realteil als reelle Zahl eindeutig in die Quaternionen einzubetten ist, ergeben sich die einfachen Beziehungen | |||
: <math>x = \operatorname{Re}\,x + \operatorname{Im}\,x </math> | |||
und | |||
: <math>\bar{x} = \operatorname{Re}\,x - \operatorname{Im}\,x </math> , | |||
aus denen sich unmittelbar | |||
: <math>\operatorname{Re}\,x = \frac12(x+\bar{x})</math> | |||
und | |||
: <math>\operatorname{Im}\,x = \frac12(x-\bar{x})</math> | |||
ausrechnet.<ref>Im Komplexen gilt dagegen | |||
:<math>\operatorname{Im}\,z = \frac{1}{2\mathrm i_\Complex}(z-\bar{z})</math> | |||
mit Abspaltung der imaginären Einheit <math>\mathrm i_\Complex</math> von der rein-imaginären Komponente, sodass der Imaginärteil eine ''reelle'' Zahl ist. Und es gilt: | |||
:<math>z = \operatorname{Re}\,z + \mathrm i_\Complex \; \operatorname{Im}\,z.</math></ref> | |||
Ist eine Quaternion gleich ihrer Konjugierten, so ist sie reell, d. h., der Vektorteil ist null. Ist eine Quaternion gleich dem Negativen ihrer Konjugierten, so ist sie eine [[#Reine Quaternion|reine Quaternion]], d. h., der Skalarteil ist null. | |||
Weitere wichtige Eigenschaften der Konjugation sind: | |||
{| | |||
|- | |||
| | |||
* <math>\overline{(\bar x)}=x</math> | |||
| | |||
Die Konjugation ist eine [[Involution (Mathematik)|Involution]]. | |||
|- | |||
| | |||
* <math>\overline{x+y}=\bar x+\bar y</math> und<br /> <math>\overline{\lambda x}=\lambda\bar x</math> für reelle Zahlen <math>\lambda</math> | |||
| Die Konjugation ist <math>\R</math>-[[Lineare Abbildung|linear]]. | |||
|- | |||
| | |||
* <math>\overline{x y}=\bar y\bar x</math> | |||
| | |||
Die Konjugation ist ein [[Antiautomorphismus#Involutiver Antiautomorphismus|involutiver Antiautomorphismus]]. | |||
|- | |||
| | |||
* <math>\overline x = -\tfrac12(x + \mathrm i\,x\,\mathrm i + \mathrm j\,x\,\mathrm j + \mathrm k x \mathrm k)</math> | |||
| | |||
Die Konjugation lässt sich „mit arithmetischen Mitteln“ darstellen.<ref>Das gilt daher auch für den Betrag und die Teilmenge der reellen Zahlen. Bei den komplexen Zahlen gilt das nicht (s. a. [[Komplexe Zahl#Körpertheorie und algebraische Geometrie]]).</ref> | |||
|} | |||
=== Skalarprodukt === | |||
Das [[Skalarprodukt]] <math>\langle{\cdot},{\cdot}\rangle\colon \mathbb H \times \mathbb H \to\R</math> zweier Quaternionen, aufgefasst als Vektoren im <math>\R^4</math>, ist definiert durch | |||
: <math>\langle x,y \rangle:= x_0y_0+x_1y_1+x_2y_2+x_3y_3</math> . | |||
Es gilt | |||
: <math>\langle x,y \rangle= \operatorname{Re}(\bar xy)=\operatorname{Re}(x\bar y) = \frac{1}{2} (x\bar y + y\bar x)</math> . | |||
Es ist eine [[Definitheit|positiv definite]] symmetrische [[Bilinearform#Beispiele|Bilinearform]], über die sich [[#Norm und Betrag|Norm und Betrag]] definieren lassen und mit der [[Skalarprodukt#Norm, Winkel und Orthogonalität|Winkel und Orthogonalität]] bestimmt werden können. | |||
Ferner kann man damit die einzelnen Komponenten einer Quaternion isolieren: | |||
: <math>x_0 = \langle\mathrm 1, x\rangle,\quad x_1 = \langle\mathrm i, x\rangle,\quad x_2 = \langle\mathrm j, x\rangle,\quad x_3 = \langle\mathrm k, x\rangle</math> . | |||
Das aus der Physik weit verbreitete Vorgehen, das Skalarprodukt abkürzend wie eine Multiplikation mit dem [[Mittepunkt]] {{nowrap|„<math>\cdot</math>“}} zu notieren, wird auch bei den Quaternionen häufig angewandt, wobei hier die Verwechslungsgefahr zwischen Quaternionenmultiplikation und Skalarprodukt hoch ist. | |||
Im Folgenden verwenden wir folgende Konvention: | |||
* Das Quaternionenprodukt wird stets ohne Benutzung des Mittepunkts durch Aneinanderreihung der Faktoren notiert. | |||
* Das Skalarprodukt, und zwar sowohl das 4- wie das 3-dimensionale, wird in Multiplikationsschreibweise mit dem Mittepunkt {{nowrap|„<math>\cdot</math>“}} notiert. | |||
=== Kreuzprodukt === | |||
Das Kreuzprodukt zweier Quaternionen <math>x, y</math> ist das [[Kreuzprodukt]] (Vektorprodukt) ihrer Vektorteile und bis auf den Faktor 2 ihr [[Kommutator (Mathematik)|Kommutator]]. Ist <math>x=:(x_0,\vec x)</math> und <math>y =: (y_0,\vec y)</math>, so ist | |||
: <math>\begin{align} | |||
x \times y & := \vec x\times\vec y \\ | |||
& \;= \tfrac12(x y-y x) \\ | |||
& \;= ( x_2 y_3 - x_3 y_2) \mathrm i +(x_3 y_1 - x_1 y_3) \mathrm j +( x_1 y_2 - x_2 y_1) \mathrm k \; . | |||
\end{align}</math> | |||
=== Quaternionenmultiplikation als Skalar- und Kreuzprodukt === | |||
Identifiziert man Quaternionen | |||
{| | |||
|- | |||
|style="width: 25em;"| | |||
: <math>x = x_0+x_1\mathrm i+x_2\mathrm j+x_3\mathrm k</math> | |||
|style="width: 5em;"| und | |||
|style="width: 25em;"| | |||
<math>y = y_0+y_1\mathrm i+y_2\mathrm j+y_3\mathrm k</math> | |||
|} | |||
mit Paaren aus einem Skalar <math>\in \R</math> und einem Vektor <math>\in \R^3</math> | |||
{| | |||
|- | |||
|style="width: 25em;"| | |||
: <math>x=(x_0,\vec x)</math> mit <math>\vec x :=(x_1,x_2,x_3)</math> | |||
|style="width: 5em;"| bzw. | |||
|style="width: 25em;"| | |||
<math>y=(y_0,\vec y)</math> mit <math>\vec y :=(y_1,y_2,y_3)</math> , | |||
|} | |||
so lässt sich die Multiplikation mithilfe des (dreidimensionalen) [[Skalarprodukt]]s und [[Kreuzprodukt]]s beschreiben: | |||
: <math>xy = (x_0,\vec x) (y_0,\vec y)=\Big(x_0 y_0 -\vec x \cdot\vec y,\quad x_0 \vec y+\vec x y_0+\vec x\times\vec y\Big)</math> . | |||
{{Anker|vertauschbar}} | |||
Zwei Quaternionen sind demnach genau dann miteinander ''vertauschbar'', wenn ihr Kreuzprodukt 0 ist, wenn also ihre Vektorteile als reelle Vektoren linear abhängig sind (s. a. [[#Einbettung der komplexen Zahlen|Einbettung der komplexen Zahlen]]). | |||
=== {{Anker|Norm}} Norm und Betrag === | |||
Das Skalarprodukt einer Quaternion <math>x</math> mit sich selbst, welches gleich dem Quaternionenprodukt mit der Konjugierten ist, wird ''Norm'' genannt: | |||
: <math>\operatorname{Norm}(x) := \langle x,x \rangle = x_0^2+x_1^2+x_2^2+x_3^2 = x\bar x = \bar x x </math> <ref>Viele Autoren setzen jedoch Norm dem Betrag gleich.</ref> | |||
Insbesondere ist dieser Wert reell und nichtnegativ. | |||
{{Anker|Betrag}} | |||
Die [[Quadratwurzel]] daraus | |||
: <math>\sqrt{{x_0}^2+{x_1}^2+{x_2}^2+{x_3}^2}=:|x|</math> | |||
wird ''Betrag'' oder ''Länge'' der Quaternion <math>x</math> genannt und stimmt überein mit Betrag oder [[Euklidische Norm|euklidischer Länge]] des Vektors <math>(x_0,x_1,x_2,x_3)</math>. Er erfüllt die wichtige Eigenschaft | |||
: <math>|x y|=|x|\;|y|</math> , | |||
die ''Multiplikativität des Betrags''. | |||
Mit dem Betrag werden die Quaternionen zu einer reellen [[Banachalgebra]]. | |||
=== Inverses und Division === | |||
Bei einer nicht-kommutativen Multiplikation muss man die Gleichungen | |||
{| | |||
|- | |||
|style="width: 10em;"| | |||
: <math>x b=a</math> | |||
|style="width: 5em;"| und | |||
|style="width: 10em;"| | |||
<math>b y=a</math> | |||
|} | |||
unterscheiden. Wenn das [[Inverses Element|Inverse]] <math>b^{-1}</math> existiert, dann sind | |||
{| | |||
|- | |||
|style="width: 10em;"| | |||
: <math>x=a b^{-1}</math> | |||
|style="width: 5em;"| bzw. | |||
|style="width: 10em;"| | |||
<math>y=b^{-1} a</math> | |||
|} | |||
respektive Lösungen, die nur dann übereinstimmen, wenn <math>b</math> und <math>a</math> kommutieren, insbesondere wenn der Divisor <math>b</math> reell ist. In solch einem Fall kann die Schreibweise <math>\tfrac a b</math> verwendet werden – bei allgemeinen Divisionen wäre sie nicht eindeutig. | |||
Wenn zusätzlich <math>c^{-1}</math> existiert, gilt die Formel | |||
: <math>b^{-1} c^{-1}=(c b)^{-1}</math>, | |||
denn | |||
: <math>b^{-1} c^{-1} c b=1</math> und <math> (c b)^{-1} c b=1</math> . | |||
Für | |||
: <math>x=x_0+x_1\mathrm i+x_2\mathrm j+x_3\mathrm k\ne0</math> | |||
ist die Norm | |||
: <math>\operatorname{Norm}(x) = x \bar x = \bar x x = x_0^2+x_1^2+x_2^2+x_3^2>0</math> | |||
reell und positiv. Die Quaternion | |||
: <math>x^{-1} := \frac{\bar x}{x \bar x} </math> | |||
erfüllt dann die Bedingungen des Rechts- | |||
: <math> x x^{-1} = x \frac{\bar x}{x \bar x} = 1</math> | |||
und des Links-Inversen | |||
: <math> x^{-1} x = \frac{\bar x}{\bar x x} x = 1</math> | |||
und kann deshalb als das Inverse schlechthin von <math>x</math> bezeichnet werden. | |||
=== Reine Quaternion === | |||
Eine Quaternion, deren Vektorteil 0 ist, wird mit der ihrem Skalarteil entsprechenden reellen Zahl identifiziert. | |||
Eine Quaternion, deren Realteil 0 ist (äquivalent, deren Quadrat reell und nichtpositiv ist), nennt man ''rein'', ''rein imaginär'' oder ''vektoriell''. Die Menge der reinen Quaternionen wird als <math>\mathbb H _{\text{pure}}</math> oder <math>\operatorname{Im}\,\mathbb H</math> notiert. Sie ist ein [[Dimension (Mathematik)|dreidimensionaler]] reeller [[Vektorraum]] mit Basis <math>\{\mathrm i,\mathrm j,\mathrm k\}</math>. Für reine Quaternionen nimmt die Multiplikation eine besonders einfache Form an: | |||
: <math>(0,\vec x)(0,\vec y) \; = \; \Big({-\vec x \cdot \vec y}, \, \vec x\times\vec y\Big)</math> . | |||
=== Einheitsquaternion === | |||
Eine ''Einheitsquaternion'' (auch ''normierte Quaternion'', Quaternion ''der Länge 1'') ist eine Quaternion, deren Betrag gleich 1 ist. Für sie gilt (analog zu den komplexen Zahlen) | |||
: <math>|x|=1\iff x\bar x=1\iff \bar x=x^{-1}</math>. | |||
Für eine beliebige Quaternion <math>x\ne0</math> ist | |||
: <math>\frac x{|x|}=\frac{x_0}{|x|}+\frac{x_1}{|x|}\mathrm i+\frac{x_2}{|x|}\mathrm j+\frac{x_3}{|x|}\mathrm k</math> | |||
eine Einheitsquaternion, die man manchmal auch als das [[Signumfunktion|Signum]] oder den Versor von <math>x</math> bezeichnet. | |||
Das Produkt zweier Einheitsquaternionen und die Inverse einer Einheitsquaternion sind wieder Einheitsquaternionen. Die Einheitsquaternionen bilden also eine Gruppe. | |||
Geometrisch kann man die Menge der Einheitsquaternionen als die [[Sphäre (Mathematik)|Einheits-3-Sphäre]] <math>\mathbb{S}^3</math> im vierdimensionalen [[Euklidischer Raum|euklidischen Raum]] und damit als [[Lie-Gruppe]] interpretieren, mit dem Raum der [[#Reine Quaternion|reinen Quaternionen]] als zugehöriger [[Lie-Algebra]]. Die Darstellung als [[#Komplexe Matrizen|komplexe Matrizen]] verdeutlicht die umkehrbar eindeutige Entsprechung der Einheitsquaternionen mit der [[Spezielle unitäre Gruppe|speziellen unitären Gruppe]] <math>\mathrm{SU}(2)</math>. | |||
Die einzigen reellen Einheitsquaternionen sind <math>\pm 1</math>. Sie machen auch das [[Zentrum (Algebra)|Zentrum]] von <math>\mathbb{S}^3</math> aus. | |||
=== Reine Einheitsquaternion === | |||
Einheitsquaternionen, die auch reine Quaternionen sind, lassen sich als diejenigen Quaternionen charakterisieren, deren Quadrate <math>-1</math> ergeben: | |||
: <math>\epsilon_0=0 \; \land \; {\epsilon_1}^2+{\epsilon_2}^2+{\epsilon_3}^2=1\qquad\iff\qquad \epsilon^2=-1</math>.<ref>Den unendlich vielen [[Nullstelle]]n des [[Polynom]]s <math>X^2 + 1</math> steht das Fehlen einer Nullstelle beim Polynom <math>\mathrm i X - X \mathrm i + 1</math> vom [[Polynom|Grad]] 1 gegenüber. Letzteres besitzt 2 [[Monom]]e vom Grad 1, dem höchsten Grad seiner Monome. In nicht-kommutativen Ringen wird der Grad des Monoms <math>a_0 X a_1 \dots a_{n-1} X a_n</math> mit <math>a_i \neq 0</math> zu <math>n</math> definiert, und ein Monom dominiert ein Polynom, wenn es unter allen Monomen den höchsten Grad hat. Dann ist der Grad des Polynoms auch gleich dem Grad der dominierenden Monome. Hat ein Polynom über <math>\mathbb H</math> ein ''einziges'' dominierendes Monom von einem Grad > 0, dann hat es immer eine Nullstelle in <math>\mathbb H</math>. ([[#Eilenberg-Niven|Eilenberg-Niven]]).</ref> | |||
Sie liegen in der Äquatorhyperebene der 3-Sphäre <math>\mathbb{S}^3</math> und machen die Einheits-2-Sphäre <math>\mathbb{S}^2</math> des dreidimensionalen Raums <math>\operatorname{Im}\,\mathbb H</math> aus. | |||
=== Einbettung der komplexen Zahlen === | |||
Jede Quaternion <math>\epsilon</math> mit Quadrat <math>-1</math> definiert einen Einbettungs[[isomorphismus]] <math>\iota_{\epsilon}</math> der komplexen Zahlen in die Quaternionen | |||
: <math> | |||
\begin{array}{rccc} | |||
\iota_{\epsilon} \colon & \Complex & \to & \mathbb H \\ | |||
& u+v\mathrm i_\Complex & \mapsto & u+v \epsilon | |||
\end{array} | |||
</math> | |||
mit <math>u,v\in\R</math> und <math>\mathrm i_\Complex</math> als imaginärer Einheit der komplexen Zahlen. Dabei sind die [[Bild (Mathematik)|Bildmengen]] der <math>\epsilon</math> und <math>\bar \epsilon</math> entsprechenden Einbettungen identisch: <math>\iota_{\epsilon}(\Complex) = \iota_{\overline \epsilon}(\Complex)</math>. | |||
Eine jede solche Quaternion darf <math>\mathrm i</math> genannt werden, eine senkrechte dazu <math>\mathrm j</math> und ihr Produkt <math>\mathrm k</math>.<ref name="Conway" details="Seite 40.">[[John Horton Conway|John H. Conway]], Derek A. Smith: ''On Quaternions and Octonions''. A K Peters, 2003, ISBN 1-56881-134-9 (englisch).</ref><ref>Ein [[#Automorphismen|Automorphismus]] definiert eine solche Einbettung (durch [[Einschränkung]]), die nur eine Einbettung von {{nowrap|<math>\R</math>-[[Algebra über einem Körper|Algebren]]}} ist. <math>\mathbb H</math> ist keine Algebra über <math>\Complex</math>.</ref> | |||
Jede nicht-reelle Quaternion liegt in genau einer solchen Einbettung von <math>\Complex</math> . Zwei Quaternionen sind genau dann vertauschbar, wenn es eine gemeinsame Einbettung gibt. | |||
Zwei verschiedene Bilder haben die reelle Achse zum Durchschnitt. | |||
So betrachtet, sind die Quaternionen eine [[Menge (Mathematik)#Vereinigung (Vereinigungsmenge)|Vereinigung]] komplexer Ebenen. | |||
== Polardarstellung == | |||
Jede [[#Einheitsquaternion|Einheitsquaternion]] <math>x^\circ = x_0 + x_1 \mathrm i + x_2 \mathrm j + x_3 \mathrm k \; \ne \; \pm 1</math> kann auf eindeutige Weise in der Form | |||
: <math>x^\circ=\cos\phi+\epsilon\,\sin\phi</math> | |||
:: mit dem ''Polarwinkel''<ref name="Lam2">[[Tsit Yuen Lam]] ([[University of California, Berkeley|Berkeley]]): [http://math.berkeley.edu/~lam/quat.ps ''Hamilton’s Quaternions''] ([[PostScript]], englisch). Abgerufen am 30. August 2009, Seite 22. Der Polarwinkel ist das Analogon zum [[Komplexe Zahl#Darstellung von komplexen Zahlen in der komplexen Zahlenebene|komplexen Argument]] <math>\operatorname{arg}(z)</math>, allerdings ist bei dessen Hauptwert das Signum des Imaginärteils mit hinein genommen, was sich bei den Quaternionen nicht machen lässt, sodass <math>\operatorname{arg}</math> nicht eine einfache [[Einschränkung]] des Polarwinkels ist.</ref> von <math>x^\circ</math> | |||
::: <math>\phi := \arccos(x_0) = \arccos(\operatorname{Re} x^\circ) \in{]0,\pi[}</math> | |||
:: und der ''reinen'' Einheitsquaternion | |||
::: <math>\epsilon := \frac{x_1 \mathrm i + x_2 \mathrm j + x_3 \mathrm k}{\sqrt{1-x_0^2}} = \frac{x_1 \mathrm i + x_2 \mathrm j + x_3 \mathrm k}{\sin \phi} = \frac{\operatorname{Im} x^\circ}{|\operatorname{Im} x^\circ|} = \frac{\vec x^\circ}{|\vec x^\circ|}</math> | |||
dargestellt werden. | |||
Mit der [[Exponentialfunktion#Exponentialfunktion auf beliebigen Banachalgebren|verallgemeinerten Exponentialfunktion]] lässt sich das wegen <math>\epsilon^2=-1\ </math> auch schreiben als | |||
: <math>x^\circ=\exp(\epsilon\phi)</math> | |||
mit der [[#Reine Quaternion|reinen Quaternion]] <math>\epsilon\phi =: x^\prime \in \operatorname{Im}\,\mathbb H </math>. Will man also eine reine Quaternion <math>x^\prime\ne 0</math> exponentiieren, so ist ihr Betrag <math>\phi=|x^\prime|</math> und die [[#Reine Einheitsquaternion|reine Einheitsquaternion]] <math>\epsilon=x^\prime/\phi</math> zu bilden, und es ergibt sich die Einheitsquaternion | |||
: <math>\exp x^\prime = \cos\phi+\epsilon\,\sin\phi</math>. | |||
Der Fall <math>\exp 0 = 1</math> lässt sich [[Fortsetzung (Mathematik)#Stetige Fortsetzung|stetig ergänzen]]. | |||
Damit ist die [[Matrixexponential|Exponentialabbildung]] <math>\exp\colon \operatorname{Im}\,\mathbb H \to \mathbb{S}^3</math> [[surjektiv]]. | |||
Nun ist <math>\exp x^\prime = -1</math> für alle <math>x^\prime \in \operatorname{Im}\,\mathbb H</math> mit <math>|x^\prime| = \pi</math>, und das sind unendlich viele. | |||
Gleichwohl ist die [[Einschränkung]] <math>\exp\colon \{x^\prime \in \operatorname{Im}\,\mathbb H \land |x^\prime| < \pi \} \; \to \; \mathbb{S}^3 \setminus \{-1\}</math> [[Bijektivität|bijektiv]]. | |||
Sie ist [[Stetige Funktion|stetig]], wegen der Nicht-Kommutativität der Multiplikation aber kein [[Homomorphismus]]<ref name="exp-nicht-homomorph">Für <math>x^\prime:=\mathrm i\pi</math> und <math>y^\prime:=\mathrm j\pi</math> ist | |||
:<math>\exp x^\prime \exp y^\prime = \exp(\mathrm i\pi) \exp(\mathrm j\pi) = (-1)(-1)=1</math> | |||
:<math>\ne \exp(x^\prime+y^\prime) = \exp((\mathrm i+\mathrm j)\pi) = \cos(\pi \sqrt 2)+\frac{\mathrm i+\mathrm j}{\sqrt 2}\sin(\pi \sqrt 2)</math>.</ref>. | |||
{{Anker|reine_und_normierte}} | |||
Allgemein lässt sich jede nicht-reelle Quaternion eindeutig in der Form | |||
: <math>x=|x| \; (\cos\phi+\epsilon\,\sin\phi)</math> | |||
:: mit dem ''Polarwinkel'' von <math>x</math> | |||
::: <math>\phi = \arccos \left(\frac{\operatorname{Re} x}{|x|}\right) \in{]0,\pi[} </math> | |||
:: und der reinen Einheitsquaternion (der ''reinen und normierten Quaternion von <math>x</math>'') | |||
::: <math>\epsilon = \frac{\operatorname{Im} x}{\sqrt{|x|^2 - (\operatorname{Re} x)^2}} = \frac{\operatorname{Im} x}{|x| \, \sin \phi} = \frac{\vec x}{|\vec x|}</math> | |||
schreiben. Durch die Festlegung <math>\phi \in{]0,\pi[}</math> ist <math>\sin \phi > 0</math>, sodass <math>\epsilon</math> in dieselbe Richtung wie der Vektorteil <math>\operatorname{Im} x</math> zeigt. | |||
Jede nicht reell-negative Quaternion schreibt sich eindeutig als | |||
: <math>x=|x|\exp x^\prime</math> | |||
mit einer reinen Quaternion <math>x^\prime</math> mit <math>|x^\prime|<\pi</math>. | |||
Diese Darstellungen sind der Polarform komplexer Zahlen | |||
: <math>z=|z|(\cos\phi+\mathrm i_\Complex\sin\phi)=|z| \exp(\mathrm i_\Complex\phi)</math> | |||
(mit <math>\mathrm i_\Complex</math> als imaginärer Einheit) analog. Für die [[Funktionalgleichung]] | |||
: <math>x y = |x| \; |y| \; \exp (x^\prime+y^\prime)</math> | |||
müssen <math>x,y</math> allerdings kommutieren.<ref name="exp-nicht-homomorph" /><ref>Laut [[Tsit Yuen Lam]] ([[University of California, Berkeley|Berkeley]]): [http://math.berkeley.edu/~lam/quat.ps ''Hamilton’s Quaternions''] ([[PostScript]], englisch). Abgerufen am 30. August 2009, Seite 22 mag das Scheitern dieser Funktionalgleichung das größte Hindernis für eine quaternionische [[Funktionentheorie]] gewesen sein.</ref> | |||
== Funktionentheorie == | |||
=== Exponentialfunktion, Logarithmus === | |||
Das Exponential einer nicht-reellen Quaternion <math>x</math> ist: | |||
: <math>\exp (x) = \sum_{n=0}^\infty \frac{x^n}{n!} = \exp (\operatorname{Re} x) \left(\cos |\vec x|+\frac{\vec x}{|\vec x|} \sin |\vec x| \right) \isin \mathbb H</math> | |||
mit <math>\vec x:=\operatorname{Im} x</math> . | |||
Der (natürliche) [[Logarithmus]] einer nicht-reellen Quaternion <math>x</math> ist: | |||
: <math>\ln(x) = \ln |x| + \frac{\vec x}{|\vec x|} \arccos \left(\frac{\operatorname{Re} x}{|x|} \right) \isin \mathbb H</math> <ref>{{Webarchiv |url=http://www.lce.hut.fi/~ssarkka/pub/quat.pdf |wayback=20130926165618 |text=Lce.hut.fi}} (PDF; 68 kB)</ref> | |||
Für nicht-reelles <math>x</math> sind sie [[Umkehrfunktion]]en voneinander | |||
: <math>\exp (\ln(x)) = x</math> | |||
und, falls <math>|\vec x| < \pi</math>, | |||
: <math>\ln(\exp (x)) = x</math> . | |||
Für nicht-reelles, mit <math>x</math> kommutierendes <math>y</math> gelten die [[Funktionalgleichung]]en | |||
: <math>\exp (x+y) = \exp (x) \exp (y)</math> | |||
und | |||
: <math>\ln (x) + \ln (y) = \ln (x y)</math> , | |||
letzteres für <math>x,y</math> mit hinreichend kleinem Imaginärteil. | |||
=== Fortsetzungen komplexer Funktionen === | |||
[[Datei:Lift Complex Function to Quaternions.svg|304px|mini|Im [[Kommutatives Diagramm|kommutativen Diagramm]] müssen sich <math>g_{\epsilon}</math> und <math> g_{\zeta}</math> auf <math>\iota_{\epsilon}\Complex \; \cap \; \iota_{\zeta}\Complex \; \subset \; \mathbb H</math> vertragen.]] | |||
Da <math>\mathbb H</math> als eine Vereinigung von Einbettungen komplexer Ebenen aufgefasst werden kann (s. Abschnitt [[#Einbettung der komplexen Zahlen]]), kann man versuchen, Funktionen <math>g \colon \Complex \to \Complex</math><ref>Die Überlegungen gelten schon, wenn der Definitionsbereich von <math>g</math> ein [[Gebiet (Mathematik)|Gebiet]] ist.</ref> mithilfe der genannten Einbettungsisomorphismen <math>\iota_{\epsilon}</math> vom Komplexen ins Quaternionische zu liften. Dabei ist zu fordern, dass die so gewonnenen Funktionen <math>g_{\epsilon} \colon \iota_{\epsilon} (\Complex) \to \iota_{\epsilon} (\Complex) \subset \mathbb H</math> mit <math>g_{\epsilon}(q) := \iota_{\epsilon} \circ g \circ {\iota_{\epsilon}}^{-1}(q) </math> bei Überschneidungen der [[Definitionsmenge|Definitionsbereiche]] dasselbe Ergebnis liefern, sodass die vereinigte Funktion <math>\tilde g</math> auf der [[Vereinigungsmenge]] <math>\cup_{\epsilon} \bigl( \iota_{\epsilon} (\Complex) \bigr) = \mathbb H</math> vermöge <math>\forall q \in \mathbb H \; \exists \epsilon : q \in \iota_{\epsilon} (\Complex) </math> als <math>\tilde g(q) := g_{\epsilon} (q)</math> in [[Wohldefiniertheit|wohldefinierter]] Weise gebildet werden kann. | |||
Sei <math>g(z) = u(\xi,\eta) + v(\xi,\eta) \ \mathrm i_\Complex</math> eine komplexwertige Funktion <math>\Complex \to \Complex</math> einer komplexen Variablen <math>z = \xi + \eta \, \mathrm i_\Complex</math> mit reellen <math>\xi,\eta</math> und reellen <math>u(\xi,\eta),v(\xi,\eta) .</math><br /> | |||
'''Einbettbarkeit:''' <math>g</math> ist genau dann einbettbar in die Quaternionen, wenn <math>u</math> eine [[Gerade Funktion|gerade]] und <math>v</math> eine [[ungerade Funktion]] des jeweils zweiten Arguments <math>\eta</math> ist. | |||
{| class="wikitable left mw-collapsible mw-collapsed font-size: 105.3%;" | |||
|style="text-align:left; font-size: 95%;"| '''Beweis''' | |||
|- | |||
| | |||
Ist <math>q</math> eine beliebige nicht-reelle Quaternion, dann ist <math>\epsilon := \operatorname{Im} q / |\operatorname{Im} q| </math> eine [[#reine und normierte|reine und normierte Quaternion]] mit <math>\epsilon^2 = -1</math>. Seien ferner <math>\xi := \operatorname{Re} q </math> und <math>\eta := |\operatorname{Im} q| </math>, die beide reell sind. Sowohl <math>\iota_{\epsilon}</math> wie <math>\iota_{\overline \epsilon}</math> ist ein Einbettungsisomorphismus für das Bild <math>q</math>. Im ersteren Fall ist <math>z_{\epsilon} := \xi+\eta \, \mathrm i_\Complex \in \Complex</math> das Urbild von <math>q = \xi+\eta \, \epsilon </math>, im zweiten Fall haben wir wegen <math>q = \xi+\eta \, \epsilon = \xi-\eta \, \bar\epsilon </math> das Urbild <math>z_{\overline \epsilon} := \iota_{\overline \epsilon}^{-1} (\xi-\eta \, \epsilon) = \xi-\eta \, \mathrm i_\Complex </math>; jeweils mit <math>\mathrm i_\Complex</math> als der imaginären Einheit von <math>\Complex</math>. Die Urbilder sind verschieden, das Bild, das bei der zu bildenden Funktion <math>\tilde g</math> als Argument fungieren soll, ist aber beidesmal <math>q</math>.<br /> | |||
Das „Liften“ wird durch die Einbettung der Funktionswerte als | |||
: <math>g_{\epsilon}(q) := \iota_{\epsilon}(g(z_{\epsilon})) = \iota_{\epsilon}(u(\xi,+\eta) + v(\xi,+\eta) \mathrm i_\Complex ) = u(\xi,+\eta) + v(\xi,+\eta) \epsilon</math> | |||
und | |||
: <math>g_{\overline \epsilon}(q) := \iota_{\overline \epsilon}(g(z_{\overline \epsilon})) = \iota_{\overline \epsilon}(u(\xi,-\eta) + v(\xi,-\eta) \mathrm i_\Complex ) = u(\xi,-\eta) + v(\xi,-\eta) \bar\epsilon</math> | |||
vervollständigt (s. Diagramm). Nun ist nach Voraussetzung | |||
: <math>u(\xi,+\eta)=u(\xi,-\eta), \quad v(\xi,+\eta) = -v(\xi,-\eta),</math> | |||
sodass sich | |||
: <math>g_{\overline \epsilon}(q) = u(\xi,-\eta) + v(\xi,-\eta) \bar \epsilon = u(\xi,-\eta) - v(\xi,-\eta) \epsilon = u(\xi,+\eta) + \ v(\xi,+\eta) \epsilon = g_{\epsilon}(q) </math> | |||
ergibt und <math>\tilde g(q)</math> nicht von der Wahl des Einbettungsisomorphismus abhängt. | |||
Die Bedingung ist auch notwendig. Denn lässt umgekehrt die Funktion <math>g(\xi + \eta \, \mathrm i_\Complex) = u(\xi,\eta) + v(\xi,\eta) \mathrm i_\Complex</math> eine Einbettung <math>\tilde g \colon \mathbb H \to \mathbb H; q \mapsto \tilde g(q) </math> in die Quaternionen zu, so gibt es zu jedem <math>q \in \mathbb H</math> eine geeignete reine Einheitsquaternion <math>\epsilon</math> und reelle <math>\xi,\eta </math> mit <math>q = \xi\,+\,\eta \, \epsilon</math> und | |||
: <math>\begin{array}{llll} | |||
\tilde g(q) &= g_{\epsilon}(\xi\,+\,\eta \, \epsilon) = g_{\epsilon}(\iota_{\epsilon} (\xi + \eta \, \mathrm i_\Complex)) = \iota_{\epsilon}(g(\xi + \eta \, \mathrm i_\Complex)) \\ | |||
&= \iota_{\epsilon}(u(\xi,+\eta)\,+\,v(\xi,+\eta) \mathrm i_\Complex) &= u(\xi,+\eta)\,+\,v(\xi,+\eta) \epsilon . | |||
\end{array}</math> | |||
Bei der konjugierten Quaternion <math>\bar \epsilon = -\epsilon</math> hat die Einbettung <math>\iota_{\overline \epsilon} </math> dasselbe Bild <math>\iota_{\overline \epsilon} (\Complex) = \iota_{\epsilon} (\Complex) </math> wie <math>\iota_{\epsilon}</math> und also <math>g_{\overline \epsilon}</math> dieselbe [[Definitionsmenge]] wie <math>g_{\epsilon}</math>. | |||
Der Funktionswert | |||
: <math>\begin{array}{llll} | |||
\tilde g(q) &= g_{\overline \epsilon}(\xi\,-\,\eta \, \bar \epsilon) = g_{\overline \epsilon}(\iota_{\overline \epsilon} (\xi - \eta \, \mathrm i_\Complex)) = \iota_{\overline \epsilon}(g(\xi - \eta \, \mathrm i_\Complex)) \\ | |||
&= \iota_{\overline \epsilon}(u(\xi,-\eta)\,+\,v(\xi,-\eta) \mathrm i_\Complex) &= u(\xi,-\eta)\,+\,v(\xi,-\eta) \bar\epsilon \\ | |||
&&= u(\xi,-\eta)\,-\,v(\xi,-\eta) \epsilon | |||
\end{array}</math> | |||
muss also mit dem vorigen für alle <math>\xi,\eta \in \R</math> übereinstimmen. ■ | |||
|} | |||
Die eingebettete Funktion <math>\tilde g</math> stimmt auf ''allen'' Teilmengen <math>\iota_{\epsilon} (\Complex) \cong \Complex</math> mit <math>g</math> überein, kann also als [[Fortsetzung (Mathematik)|Fortsetzung]] von <math>g</math> angesehen werden und, wenn Verwechslungen nicht zu befürchten sind, wird auch der Funktionsname beibehalten. | |||
Ist <math>g(z) = u(\xi,\eta) + v(\xi,\eta) \mathrm i_\Complex</math> eine einbettbare Funktion, so ist <math>v(\xi,0) = -v(\xi,0)</math> wegen der Ungeradheit von <math>v</math> in der zweiten Variablen, also <math>v(\xi,0) = 0</math> und <math>g(z) \in \R</math> für <math>z \in \R</math>. Somit folgt aus der Einbettbarkeit, dass die [[Einschränkung]] aufs Reelle reell ist.<ref>Letzteres ist aber nicht hinreichend, denn die Funktion <math>g(z) := \operatorname{Im} z</math> ist trotz <math>g\!\mid_\R \, = 0 \in \R</math> wegen <math>u(\xi,\eta) \equiv \eta \not\equiv -\eta \equiv u(\xi,-\eta) </math> nicht einbettbar.<br />Sind jedoch bei solchen Funktionen die Cauchy-Riemannschen Differentialgleichungen erfüllt, so folgt aus der Ungeradheit von <math>v(\xi,\eta)</math> die Geradheit von <math>u(\xi,\eta)</math> (jeweils in der zweiten Variablen) und damit die Einbettbarkeit in die Quaternionen.<br />Im Gegensatz zu <math>g(z) = \operatorname{Im} z</math> ist die Funktion <math>h(z) := \mathrm i_\Complex \, \operatorname{Im} z </math> einbettbar mit der Fortsetzung <math>\tilde h \colon \mathbb H \to \mathbb H; q \mapsto \operatorname{Im} q.</math></ref> Zu dieser Klasse von komplexen Funktionen gehören Norm und Betrag, aber auch alle [[Laurent-Reihe]]n <math>\textstyle \sum_{n=-\infty}^\infty a_n z^n</math> mit reellen Koeffizienten <math>a_n</math>, so die Exponential- und Logarithmusfunktion.<ref>Ein weiteres nicht einbettbares Beispiel ist <math>g(z) := \mathrm i_\Complex</math>, bei dem <math>v(\xi,\eta) = 1</math> ''nicht ungerade'' ist in <math>\eta</math>. Die Einbettung mithilfe des Einbettungsisomorphismus <math>\iota_{{\mathrm i}_{\mathbb H}} </math> ergibt zwar die (konstante) Funktion <math>g_{{\mathrm i}_{\mathbb H}} = \mathrm i_{\mathbb H} </math>, die aber mit anderen Einbettungen, z. B. <math>\iota_{{\mathrm j}_{\mathbb H}} </math> mit dem (ebenfalls konstanten) Ergebnis <math>g_{{\mathrm j}_{\mathbb H}} = \mathrm j_{\mathbb H} \ne \mathrm i_{\mathbb H},</math> nicht zusammenpasst.</ref> | |||
=== Analysis === | |||
Schwieriger ist es, eine allgemeine quaternionische Analysis mit Differential- und/oder [[Integralrechnung]] aufzustellen. | |||
Ein Problem springt unmittelbar ins Auge: der Begriff des [[Differentialrechnung|Differenzenquotienten]] <math>\tfrac{f( x + h ) - f( x )} h </math>, der in der reellen wie der komplexen Analysis so erfolgreich ist, muss wegen der Nicht-Kommutativität als linke ''und'' rechte Version definiert werden. Legt man dann genauso strenge Maßstäbe wie bei der [[Holomorphe Funktion|komplexen Differenzierbarkeit]] an, dann stellt sich heraus, dass bestenfalls lineare Funktionen, und zwar <math>x \mapsto a + x b </math> links und <math>x \mapsto a + b x </math> rechts, differenzierbar sind.<ref>[http://www.zipcon.net/~swhite/docs/math/quaternions/analysis.html ''Quaternion Analysis, Functions of a Quaternion Variable''] (englisch).</ref> Immer definieren lässt sich aber eine [[Richtungsableitung]] und das [[Gâteaux-Differential]]. | |||
Ausgehend von den [[Cauchy-Riemannsche partielle Differentialgleichungen|Cauchy-Riemannschen Differentialgleichungen]] und dem [[Satz von Morera]] wurde folgender Regularitätsbegriff gefunden: Eine quaternionische Funktion ist regulär an der Stelle <math>x </math>, wenn ihr Integral über jeder hinreichend kleinen <math>x </math> umschließenden [[Hyperfläche]] verschwindet.<ref>{{cite journal |first=R. |last=Fueter |authorlink=Rudolf Fueter |title=Über die analytische Darstellung der regulären Funktionen einer Quaternionenvariablen |journal=Comm. Math. Helv. |volume=8 |date=1936 |pages=371–378}}</ref><ref>{{cite journal |first=C.A. |last=Deavours |title=The Quaternion Calculus |journal=Amer. Math. Monthly |volume=80 |date=1973 |pages=995–1008 |language=en}}</ref><ref>{{cite journal |first=A. |last=Sudbery |title=Quaternionic Analysis |doi=10.1017/S0305004100055638 |journal=Math. Proc. Camb. Phil. Soc. |volume=85 |date=1979 |pages=199–225 |language=en}}</ref> | |||
== Beschreibung anderer Konstrukte mit Hilfe von Quaternionen == | |||
=== Minkowski-Skalarprodukt === | |||
Das [[Minkowski-Raum|Minkowski-Skalarprodukt]] zweier Quaternionen, aufgefasst als Vektoren im Minkowski-Raum, ist der Skalarteil von <math>xy</math>: | |||
: <math>x_0y_0-x_1y_1-x_2y_2-x_3y_3=\operatorname{Re}(xy).</math> | |||
=== Vektoranalysis === | |||
Im Folgenden werden Vektoren im dreidimensionalen Raum <math>\R^3</math> mit reinen Quaternionen <math>\in \operatorname{Im}\,\mathbb H</math>, also die üblichen <math>(x,y,z)</math>-Koordinaten mit den <math>(x_1,x_2,x_3)</math>-Komponenten identifiziert. Definiert man den [[Nabla-Operator]] (wie Hamilton) als | |||
: <math>\vec \nabla \;=\; \mathrm i \, \frac\partial{\partial x}+\mathrm j \, \frac\partial{\partial y}+\mathrm k \, \frac\partial{\partial z}</math> | |||
und wendet ihn auf eine skalare Funktion <math>f(x,y,z)</math> als (formale) Skalarmultiplikation an, erhält man den [[Gradient (Mathematik)|Gradienten]] | |||
: <math>\vec \nabla f \;=\; \operatorname{grad} f \;=\; \mathrm i \, \frac{\partial f}{\partial x}+\mathrm j \, \frac{\partial f}{\partial y}+\mathrm k \, \frac{\partial f}{\partial z}.</math> | |||
Die Anwendung auf ein Vektorfeld | |||
: <math>\vec F(x,y,z) \;=\; \mathrm i \, F_1(x,y,z)+\mathrm j \, F_2(x,y,z) +\mathrm k \, F_3(x,y,z)</math> | |||
als (formales) Skalarprodukt ergibt die [[Divergenz eines Vektorfeldes|Divergenz]] | |||
: <math>\vec \nabla \cdot \vec F \;=\; \operatorname{div} \vec F \;=\; \frac{\partial F_1}{\partial x} + \frac{\partial F_2}{\partial y}+ \frac{\partial F_3}{\partial z}</math> . | |||
Die Anwendung auf ein Vektorfeld als (formales) Kreuzprodukt ergibt die [[Rotation eines Vektorfeldes|Rotation]] | |||
: <math>\vec \nabla \times \vec F \;=\; \operatorname{rot} \vec F \;=\; | |||
\mathrm i \left ( \frac{\partial F_3}{\partial y} - \frac{\partial F_2}{\partial z}\right ) | |||
+ | |||
\mathrm j \left ( \frac{\partial F_1}{\partial z} - \frac{\partial F_3}{\partial x}\right ) | |||
+ | |||
\mathrm k \left ( \frac{\partial F_2}{\partial x} - \frac{\partial F_1}{\partial y}\right )</math> . | |||
Die Anwendung auf ein Vektorfeld als (formales) Produkt zweier [[#Reine Quaternion|reiner Quaternionen]] ergibt | |||
: <math>\vec \nabla \vec F \;=\; -\operatorname{div} \vec F + \operatorname{rot} \vec F</math> | |||
mit <math>- \operatorname{div} \vec F</math> als Skalarteil und <math>\operatorname{rot} \vec F</math> als Vektorteil der Quaternion. | |||
Zweimalige Anwendung auf eine Funktion <math>f</math> ergibt den [[Laplace-Operator]] <math>\triangle</math> | |||
: <math>\vec \nabla^2 \, f \;:=\; \vec \nabla \cdot (\vec \nabla \, f) \;=\; \operatorname{div}\left(\operatorname{grad}\,f\right) \;=\; -\triangle f \;=\; -\left(\frac{\partial^2f}{\partial x^2}+\frac{\partial^2f}{\partial y^2}+\frac{\partial^2f}{\partial z^2}\right),</math> | |||
d. h., <math>\nabla</math> wirkt wie ein [[Dirac-Operator]] als (formale) „Quadratwurzel“ des (negativen) Laplace-Operators. | |||
=== Drehungen im dreidimensionalen Raum === | |||
Einheitsquaternionen können für eine elegante Beschreibung von [[Drehung]]en im dreidimensionalen Raum verwendet werden: Für eine feste Einheitsquaternion <math>q</math> ist die Abbildung | |||
: <math>\rho_q\colon x\mapsto qxq^{-1}</math> bzw. <math>\rho_q\colon x\mapsto qx\overline{q}</math> | |||
auf <math>\operatorname{Im}\,\mathbb H</math> eine Drehung. (Hier, wie im Folgenden, ist nur von Drehungen die Rede, die den Ursprung festlassen, d. h., deren Drehachse durch den Ursprung verläuft.) | |||
Die [[#Polardarstellung|Polardarstellung]] stellt die Einheitsquaternion <math>q\neq\pm 1</math> durch einen Winkel <math>0<\alpha<2\pi</math> und eine reine Einheitsquaternion <math>\epsilon</math> eindeutig dar als | |||
: <math>q = \cos\frac{\alpha}{2} + \epsilon\sin\frac{\alpha}{2}</math> . | |||
Dann ist <math>\rho_q\ </math> eine Drehung des <math>\R^3\ </math> um die Achse <math>\epsilon\in\R^3\ </math> mit Drehwinkel <math>\alpha</math>. | |||
Für jede Einheitsquaternion <math>q</math> definieren <math>q</math> und <math>-q</math> dieselbe Drehung; insbesondere entsprechen <math>1</math> und <math>-1</math> beide der identischen Abbildung (Drehung mit Drehwinkel 0). Im Unterschied zur Beschreibung von Drehungen durch [[Orthogonale Matrix|orthogonale Matrizen]] handelt es sich also um keine 1:1-Entsprechung, zu jeder Drehung <math>\rho</math> gibt es genau ''zwei'' Einheitsquaternionen <math>q</math> mit <math>\rho_q=\rho</math>. | |||
Die [[Komposition (Mathematik)|Hintereinanderausführung]] von Drehungen entspricht der Multiplikation der Quaternionen, d. h. | |||
: <math>\rho_{q_1}\circ\rho_{q_2}=\rho_{q_1 q_2}.</math> | |||
Die Umkehrung der Drehrichtung entspricht dem Inversen: | |||
: <math>\rho_{q^{-1}}=\rho_q^{-1}.</math> | |||
{{Anker|-1=2:1-Überlagerung}} | |||
Damit ist die Abbildung | |||
: <math> | |||
\begin{array}{rccc} | |||
\rho \colon & \mathbb{S}^3 & \to & \mathrm{SO}(3) \\ | |||
& q & \mapsto & \rho_q | |||
\end{array} | |||
</math> | |||
ein [[Homomorphismus]] der Gruppe <math>\mathbb{S}^3</math> der Einheitsquaternionen in die [[Drehgruppe]] <math>\mathrm{SO}(3)</math>. Sie ist eine [[Orthogonale Gruppe#Operation der SO(n) auf der Einheitssphäre|Überlagerung der <math>\mathrm{SO}(3)</math>]], und da ein Bildelement <math>\rho_q</math> genau die zwei Urbilder <math>\pm q\in \mathbb{S}^3</math> hat, ''zwei''blättrig, weshalb der Homomorphismus auch ''2:1-Überlagerung(shomomorphismus)''<ref name="Conway" details="Seite 33."/> genannt wird. Ferner ist sie [[Orthogonale Gruppe#Operation der SO(n) auf der Einheitssphäre|universell]], da <math>\mathrm{SU}(2)\cong \mathbb{S}^3</math> [[Zusammenhängender Raum|einfach zusammenhängend]] ist. | |||
==== Bezug zu orthogonalen Matrizen ==== | |||
Explizit entspricht der Einheitsquaternion <math>q \in \mathbb{S}^3</math>, | |||
: <math>q=q_0+q_1\mathrm i+q_2\mathrm j+q_3\mathrm k</math> | |||
mit <math>q_i \in \R</math> und <math>\operatorname{Norm}(q) = q_0^2+q_1^2+q_2^2+q_3^2=1</math>, | |||
die [[Drehmatrix]] | |||
: <math> | |||
\begin{array}{rlll} | |||
D_q := & | |||
\begin{bmatrix} | |||
q_0^2 + q_1^2 - q_2^2 - q_3^2 & | |||
-2q_0q_3+2q_1q_2 & | |||
2q_0q_2+2q_1q_3 \\ | |||
2q_0q_3+2q_1q_2 & | |||
q_0^2 - q_1^2 + q_2^2 - q_3^2 & | |||
-2q_0q_1+2q_2q_3 \\ | |||
-2q_0q_2+2q_1q_3 & | |||
2q_0q_1+2q_2q_3 & | |||
q_0^2 - q_1^2- q_2^2+ q_3^2 | |||
\end{bmatrix} \\[.3em] | |||
= & | |||
\begin{bmatrix} | |||
1-2(q_2^2 + q_3^2) \;\;\;\; & | |||
-2q_0q_3+2q_1q_2 \;\;\;\, & | |||
2q_0q_2+2q_1q_3 \;\;\quad \\ | |||
2q_0q_3+2q_1q_2 & | |||
1-2(q_1^2 + q_3^2) & | |||
-2q_0q_1+2q_2q_3 \\ | |||
-2q_0q_2+2q_1q_3 & | |||
2q_0q_1+2q_2q_3 & | |||
1-2(q_1^2 + q_2^2) | |||
\end{bmatrix} | |||
\in \mathrm{SO}(3), | |||
\end{array} | |||
</math> | |||
diese Formel ist auch als [[Euler-Rodrigues-Formel]] bekannt. | |||
Sie bildet eine reine Quaternion <math>\xi</math> auf <math>(0, D_q \; \vec \xi) = q \; \xi \; q^{-1}</math> ab. | |||
Ist umgekehrt die Drehmatrix | |||
: <math>D = | |||
\begin{bmatrix} | |||
d_{11} & d_{12} & d_{13} \\ | |||
d_{21} & d_{22} & d_{23} \\ | |||
d_{31} & d_{32} & d_{33} | |||
\end{bmatrix} | |||
\in \mathrm{SO}(3)</math><ref>Zu <math>\mathrm{SO}(3)</math> siehe [[Orthogonale Gruppe#Räumliche Drehung]].</ref> | |||
gegeben und ist die [[Spur (Mathematik)|Spur]] | |||
: <math>T_D := d_{00} + d_{11} + d_{22} + d_{33} > 0</math> mit <math>d_{00} := 1</math> , | |||
dann bewerkstelligt die Quaternion | |||
: <math>q_D := | |||
T_D + (d_{32}-d_{23}) \mathrm i + (d_{13}-d_{31}) \mathrm j + (d_{21}-d_{12}) \mathrm k | |||
</math> | |||
die Drehung <math>D \; \vec \xi</math>, denn es ist <math>q_D \; \xi \; q_D^{-1} = (0, D \; \vec \xi)</math> für jede reine Quaternion <math>\xi</math> . | |||
Wenn man die [[Homogene Funktion|homogen]] formulierte Version von <math>D_q</math> als Eingabematrix nimmt, produziert die gezeigte Lösung mit <math>d_{00} := \operatorname{Norm}(q)</math> die Quaternion <math>q_D = 4 q_0 q</math>. Wegen <math>\operatorname{det}(D_q) = \operatorname{Norm}(q)^3</math> kann die Homogenität in den <math>d_{ij}</math> durch die Setzung <math>d_{00} := \sqrt[3]{\operatorname{det}(D)}</math> aufrechterhalten werden. | |||
Die <math>\mathrm{SO}(3)</math> hat wie die <math>\mathbb{S}^3</math> über <math>\R</math> die Dimension 3. Die neun Komponenten von <math>D</math> können also nicht alle frei wählbar sein. Da einer jeden Matrix <math>D\in\mathrm{SO}(3)</math> eine Quaternion <math>q</math> entspricht, decken die Drehmatrizen <math>D_q</math> die ganze <math>\mathrm{SO}(3)</math> ab. Bei <math>D_q</math> ist <math>T_{D_q} = 4 q_0^2</math>. Falls also wirklich <math>D \in \mathrm{SO}(3)</math>, ist auch <math>\frac{q_D}{2 \sqrt{T_D}}</math> die Einheitsquaternion zu <math>q_D</math>. | |||
==== Bezug zu Eulerwinkeln ==== | |||
Für [[Eulerwinkel]] gibt es verschiedene Konventionen; die folgende Darlegung bezieht sich auf die Drehung, die man erhält, wenn man zuerst um die <math>z</math>-Achse um den Winkel <math>2\Psi</math>, dann um die neue <math>x</math>-Achse um den Winkel <math>2\Theta</math> und schließlich um die neue <math>z</math>-Achse um den Winkel <math>2\Phi</math> dreht, d. i. die sog. [[Eulersche Winkel#Konventionen|„x-Konvention“ (z, x’, z’’)]] mit allen Winkeln ''doppelt''. Die Einzeldrehungen entsprechen den [[#Polardarstellung|Einheitsquaternionen]] | |||
: <math>\cos\Psi+\mathrm k \, \sin\Psi,\quad \cos\Theta+\mathrm i \, \sin\Theta,\quad \cos\Phi+\mathrm k \, \sin\Phi,</math> | |||
und da jeweils um die mitgedrehten Achsen gedreht wird, ist die Reihenfolge der Komposition umgekehrt. Die Gesamtdrehung entspricht also | |||
: <math>\left(\cos\Psi+\mathrm k \, \sin\Psi\right)\left(\cos\Theta+\mathrm i \, \sin\Theta\right)\left(\cos\Phi+\mathrm k \, \sin\Phi\right)</math> | |||
: <math>{}=\cos\Psi\cos\Theta\cos\Phi-\sin\Psi\cos\Theta\sin\Phi</math> | |||
:: <math>{}+\mathrm i\left(\cos\Psi\sin\Theta\cos\Phi+\sin\Psi\sin\Theta\sin\Phi\right)</math> | |||
:: <math>{}+\mathrm j\left(-\cos\Psi\sin\Theta\sin\Phi+\sin\Psi\sin\Theta\cos\Phi\right)</math> | |||
:: <math>{}+\mathrm k\left(\sin\Psi\cos\Theta\cos\Phi+\cos\Psi\cos\Theta\sin\Phi\right).</math> | |||
Für andere Konventionen ergeben sich ähnliche Formeln. | |||
Die Eulerwinkel zu einer gegebenen Quaternion lassen sich an der zugehörigen [[Drehmatrix]] ablesen. | |||
==== Universelle Überlagerung der Drehgruppe; Spingruppe ==== | |||
Wie im Abschnitt [[#Einheitsquaternion|Einheitsquaternionen]] gezeigt, gibt es einen durch die Hamiltonschen Zahlen vermittelten [[Isomorphismus]] zwischen der Gruppe <math>\mathbb{S}^3</math> der Einheitsquaternionen und der [[Spezielle unitäre Gruppe|speziellen unitären Gruppe]] <math>\mathrm{SU}(2)</math>. Diese beiden Gruppen sind isomorph zur [[Spingruppe]] <math>\mathrm{Spin(3)}</math> (zur Physik: siehe [[Spin]]). | |||
Die [[#Drehungen im dreidimensionalen Raum|2:1-Überlagerung]] liefert also einen [[Homomorphismus]] der Spingruppe <math>\mathrm{Spin(3)}</math> in die [[Drehgruppe]] <math>\mathrm{SO}(3)</math>. Diese Überlagerung ist zweiblättrig und [[Orthogonale Gruppe#Operation der SO(n) auf der Einheitssphäre|universell]], da <math>\mathrm{Spin(3)}\cong\mathrm{SU}(2)\cong \mathbb{S}^3</math> im Gegensatz zur <math>\mathrm{SO}(3)</math> [[Zusammenhängender Raum|einfach zusammenhängend]] ist. Die natürliche Operation von <math>\mathrm{SU}(2)</math> auf <math>\Complex^2</math> ist eine sog. [[Spinor]]darstellung. | |||
Die aus der [[Quantenmechanik]] bekannten sog. [[Pauli-Matrizen]] <math>\sigma_1,\sigma_2,\sigma_3</math> stehen in einfacher Beziehung zu den drei Erzeugenden <math>\mathrm i, \mathrm j, \mathrm k</math> der [[#Einheitsquaternion|<math>\mathrm{SU}(2)</math>]]. Das wird besonders deutlich in der Darstellung als [[#Komplexe Matrizen|komplexe Matrizen]]: | |||
: <math> | |||
\sigma_1 = | |||
\begin{bmatrix} | |||
0 & 1\\ | |||
1 & 0 | |||
\end{bmatrix} = -\mathrm i_\Complex \mathrm k,\quad | |||
\sigma_2 = | |||
\begin{bmatrix} | |||
0 & -\mathrm i_\Complex\\ | |||
\mathrm i_\Complex & 0 | |||
\end{bmatrix} = -\mathrm i_\Complex \mathrm j,\quad | |||
\sigma_3 = | |||
\begin{bmatrix} | |||
1 & 0\\ | |||
0 & -1 | |||
\end{bmatrix} = -\mathrm i_\Complex \mathrm i | |||
</math> , | |||
dabei ist <math>\mathrm i_\Complex</math> die imaginäre Einheit der komplexen Zahlen. | |||
Die Pauli-Matrizen haben −1 zur Determinante (sind also keine Quaternionen), sind [[spurfrei]] und [[Hermitesche Matrix|hermitesch]] und kommen daher in der Quantenmechanik als ''messbare Größen'' in Frage, was sich für die Anwendungen (s. [[mathematische Struktur der Quantenmechanik]]) als wichtig erwiesen hat. Einzelheiten sind im Artikel [[SU(2)]] dargestellt. | |||
=== Orthogonale Abbildungen des vierdimensionalen Raumes === | |||
Analog zum dreidimensionalen Fall kann man jede orientierungserhaltende orthogonale Abbildung von <math>\mathbb H</math> in sich selbst in der Form | |||
: <math>\rho_{a,b}\colon x\mapsto ax\bar b</math> | |||
für Einheitsquaternionen <math>a,b</math> beschreiben. Es gilt | |||
: <math>\rho_{a_1,b_1}\circ\rho_{a_2,b_2}=\rho_{a_1a_2,b_1b_2}\quad\text{und}\quad\rho_{\bar a,\bar b}=\rho_{a,b}^{-1}.</math> | |||
Diese Konstruktion liefert eine Überlagerung | |||
: <math>\mathrm{SU}(2)\times\mathrm{SU}(2)\to\mathrm{SO}(4)</math> | |||
mit [[Kern (Algebra)|Kern]] <math>\{(1,1),(-1,-1)\}</math>. | |||
== Die endlichen Untergruppen == | |||
Der [[#2:1-Überlagerung|2:1-Überlagerungshomomorphismus]] | |||
: <math>\rho\colon q \mapsto \rho_q</math>, | |||
der einer Einheitsquaternion <math>q\in \mathbb{S}^3</math> die [[#Drehungen im dreidimensionalen Raum|3D-Drehung]] | |||
: <math> | |||
\begin{array}{rccc} | |||
\rho_q \colon & \operatorname{Im}\,\mathbb H & \to & \operatorname{Im}\,\mathbb H \\ | |||
& x & \mapsto & qx\bar q | |||
\end{array} | |||
</math> | |||
zuordnet, muss eine endliche Gruppe <math>Q</math> von Quaternionen in eine endliche Gruppe <math>\rho(Q):=\{\rho_q \mid q \in Q\}</math> überführen, die dann eine endliche Drehgruppe im <math>\R^3</math> ist. Man findet [[zyklische Gruppe]]n <math>\mathrm{C}_n</math> und [[Drehgruppe#Drehgruppen von Figuren|Polyedergruppen]], also die [[Diedergruppe]]n <math>\mathrm{D}_n</math> ([[Diedergruppe#Bezeichnungen|Zählweise]] der ''n''-Ecke), die [[A4 (Gruppe)|Tetraedergruppe]] <math>\mathrm{T}</math>, die [[Oktaedergruppe]] <math>\mathrm{O}</math> und die [[Ikosaedergruppe]] <math>\mathrm{I}</math>. | |||
Die Erzeugenden der zyklischen Gruppen sind [[#Einbettung der komplexen Zahlen|Einbettungen]] von [[Einheitswurzel]]n <math>\exp(2\pi \mathrm i_\Complex/n)</math>.<ref>Wie im referenzierten Abschnitt und im Abschnitt [[#Automorphismen]] bemerkt, gibt es zu jedem fixen Dreibein <math>\mathrm i, \mathrm j, \mathrm k </math> sehr viele verschiedene Einbettungen dieser endlichen Untergruppen in <math>\mathbb{H}</math>.</ref> Die Urbilder der <math>\mathrm{D}_n</math>, <math>\mathrm{T}</math>, <math>\mathrm{O}</math>, <math>\mathrm{I}</math> unter <math>\rho</math> werden mit <math>\mathrm{2D}_n</math>, {{Anker|binäre_Tetraedergruppe}}<math>\mathrm{2T}</math>, {{Anker|binäre_Oktaedergruppe}}<math>\mathrm{2O}</math>, {{Anker|binäre_Ikosaedergruppe}}<math>\mathrm{2I}</math> bezeichnet und heißen ''binäre'' Diedergruppe etc. Für eine Polyedergruppe <math>\mathrm{P}</math> ist also <math>\mathrm{2P}:=\{q \mid \rho_q \in \mathrm{P} \}</math>.<ref>Diese Gruppen firmieren – besonders in der englischen Literatur – auch als binäre Erweiterung <math>\mathrm{2P}</math> der Polyedergruppe <math>\mathrm{P}</math>, und die binären Diedergruppen <math>\mathrm{2D}_n</math> zusätzlich als [[Quaternionengruppe#Dizyklische Gruppen und verallgemeinerte Quaternionengruppen|verallgemeinerte Quaternionengruppen]], auch als [[Dizyklische Gruppe|dizyklische Gruppen]], in Zeichen <math>\mathrm{Dic}_n</math>.</ref> | |||
Die endlichen Gruppen von Quaternionen sind demnach:<ref name="Conway" details=" 3.5 The Finite Groups of Quaternions, S. 33"/> <math>(2 \leq n \in \Z)</math> | |||
{| class="wikitable left" style="text-align:center;" | |||
|- | |||
| Gruppe || erzeugt<br /> von ||style="text-align:right"| Ordnung || [[konvexe Hülle]] im <math>\R^2</math> bzw. <math>\R^4</math> | |||
|- | |||
| <math>\mathrm{C}_n</math> || <math>\langle e_n\rangle</math> ||style="text-align:right"| <math>n</math> || [[Polygon|reguläres ''n''-Eck]] | |||
|- | |||
| <math>\mathrm{2D}_n</math> || <math>\langle e_{2n},\mathrm j\rangle</math> ||style="text-align:right"| <math>4n</math> || <math>\{2n\} \Box \{2n\}</math>,<ref name="perf4polyt"> Gabor Gévay: [http://www.emis.ams.org/journals/BAG/vol.43/no.1/b43h1gev.pdf ''On Perfect 4-Polytopes''] (PDF; 211 kB) Contributions to Algebra and Geometry Volume 43 (2002), No. 1, 243–259: gibt auf S. 256 die 4-Polytope »<math>\{2p\} \Box \{2p\}</math>« für die <math>\mathrm{2D}_p</math> bzw. auf S. 252 Table 2 das 4-Polytop »<math> \text{f}_{1,2}\text{F}_4</math>« für <math>\mathrm{2O}</math>.</ref> bei ''n''=2 zugleich: [[Hurwitzquaternion#Reguläres 16-Zell (Hexadekachor)|reguläres 16-Zell]] | |||
|- | |||
| <math>\mathrm{2T}</math> || <math>\langle \mathrm i,\omega\rangle</math> ||style="text-align:right"| <math>24</math> || [[24-Zell|reguläres 24-Zell]] | |||
|- | |||
| <math>\mathrm{2O}</math> || <math>\langle q_O,\omega\rangle</math> ||style="text-align:right"| <math>48</math> || <math>\text{f}_{1,2}\text{F}_4</math><ref name="perf4polyt" /> = Dihektaoktokontaoktochor (288-Zell) | |||
|- | |||
| <math>\mathrm{2I}</math> || <math>\langle q_I,\omega\rangle</math> ||style="text-align:right"| <math>120</math> || [[600-Zell|reguläres 600-Zell]] | |||
|} | |||
mit | |||
: <math>e_n:=\exp(2\pi \mathrm i/n)</math> , <math>\omega: = \frac{-1+\mathrm i+\mathrm j+\mathrm k}2</math> , <math>q_O:=\frac{\mathrm j+\mathrm k}{\sqrt 2}</math> , <math>q_I: = \frac{2 \mathrm i+(\sqrt 5+1) \mathrm j+(\sqrt 5-1) \mathrm k}4</math> . | |||
Die zyklischen Gruppen <math>\mathrm{C}_n</math> sind in naheliegender Weise Untergruppen von anderen Gruppen. Die [[Quaternionengruppe]] <math>\mathrm{Q}_8</math> = <math>\mathrm{2D}_2</math> ist eine Untergruppe der binären Tetraedergruppe <math>\mathrm{2T}</math>. | |||
Die [[Quaternionengruppe#Automorphismen|Automorphismengruppe]] von <math>\mathrm{Q}_8</math> ist isomorph zur Oktaedergruppe <math>\mathrm{O} = \mathrm{Sym}_4</math> ([[Symmetrische Gruppe]]). Ihre Elemente sind ebenfalls Automorphismen von <math>\mathrm{2T}</math>, <math>\mathrm{2O}</math>, <math>\mathrm{2I}</math> und <math>\mathbb H</math>. | |||
Die konvexen Hüllen sind (bis auf die Fälle <math>\mathrm{C}_n</math>, bei denen man mit 2 Dimensionen auskommt) [[Polytop (Geometrie)|4-Polytope]] und haben, da alle Gruppenelemente von der Länge 1 sind, die [[Sphäre (Mathematik)|Einheits-3-Sphäre]] <math>\mathbb{S}^3</math> als [[Umkugel|Um-3-Sphäre]]. Die Ränder dieser 4-Polytope, also die Zellen, sind Ansammlungen von [[Tetraeder]]n – bis auf den Fall <math>\mathrm{2T}</math>, bei dem es [[Oktaeder]] sind. Bei den regulären unter den konvexen Hüllen ist es klar, dass die Zellen ebenfalls regulär und zueinander kongruent sind und es eine [[Inkugel|In-3-Sphäre]] gibt, die alle Zellen (an ihrem Mittelpunkt) berührt. Die übrigen, nämlich <math>\mathrm{2D}_n</math> und <math>\mathrm{2O}</math>, spannen sog. perfekte<ref name="perf4polyt" /> 4-Polytope auf. Hier sind die Zellen [[Disphenoid#tetragonales Disphenoid|tetragonale Disphenoide]], welche ebenfalls alle zueinander kongruent sind und an ihrem Mittelpunkt von der In-3-Sphäre berührt werden. | |||
== Automorphismen == | |||
Ein jeder Ring-[[Automorphismus]] <math>\sigma</math> von <math>\mathbb H</math> ist ein [[Automorphismus#Innere Automorphismen|innerer]],<ref>[[Tsit Yuen Lam]] ([[University of California, Berkeley|Berkeley]]): [http://math.berkeley.edu/~lam/quat.ps ''Hamilton’s Quaternions''] ([[PostScript]], englisch). Abgerufen am 30. August 2009, Seite 24.</ref> d. h., es gibt eine Quaternion <math>q</math>, sodass <math>\sigma(x) = qxq^{-1}</math> für alle <math>x \in \mathbb{H}</math>. Daraus folgt: | |||
* Das [[Zentrum (Algebra)|Zentrum]] <math>\R</math> bleibt fest, d. h. <math>\sigma(\lambda)=\lambda</math> für alle <math>\lambda\in \R</math>. | |||
* Man kann sich auf die Einheitsquaternionen <math>q\in \mathbb{S}^3</math> beschränken. | |||
* Ein Automorphismus ändert nicht das [[#Skalarprodukt|Skalarprodukt]], d. h. <math>\sigma(x) \cdot \sigma(y) = x \cdot y</math>. | |||
* Die Automorphismen sind genau die [[Winkeltreue|winkel-]] und [[längentreue]]n Drehungen von <math>\operatorname{Im}\,\mathbb H</math> aus dem Abschnitt [[#Drehungen im dreidimensionalen Raum|Drehungen im dreidimensionalen Raum]]. | |||
* Wegen der Längentreue sind die Automorphismen [[Stetige Funktion|stetig]], somit zusätzlich [[Homöomorphismus|topologisch]]. | |||
* <math>\mathbb{S}^3</math> hat das Zentrum <math>\{\pm 1\}</math>. Folglich ist die [[Automorphismengruppe]] <math>\operatorname{Aut}(\mathbb H) \cong \mathbb{S}^3/\{\pm 1\}</math>. | |||
Die [[#Konjugation|Konjugation]] als Spiegelung an der reellen Achse ist ''anti''homomorph<ref>{{MathWorld |title=Antihomomorphism |id=Antihomomorphism}}</ref> in der Multiplikation, d. h. <math>\overline{x y}=\bar y \bar x</math>, und wird als [[Antiautomorphismus#Involutiver Antiautomorphismus|involutiver Antiautomorphismus]] bezeichnet, weil sie zudem eine [[Involution (Mathematik)|Involution]] ist. | |||
== Andere Konstruktionen == | |||
=== Matrixdarstellungen === | |||
==== Komplexe Matrizen ==== | |||
Im [[Matrizenring|Ring]] <math>\Complex^{2\times 2}</math> der [[Komplexe Zahl|komplexen]] 2×2-[[Matrix (Mathematik)|Matrizen]] bildet man den von den Elementen | |||
: <math>1_H := \begin{bmatrix} 1 & 0 \\ 0 & 1 \end{bmatrix},\quad | |||
\mathrm i_H := \begin{bmatrix} \mathrm i_\Complex & 0 \\ 0 & -\mathrm i_\Complex \end{bmatrix},\quad | |||
\mathrm j_H := \begin{bmatrix} 0 & 1 \\ -1 & 0 \end{bmatrix},\quad | |||
\mathrm k_H := \begin{bmatrix} 0 & \mathrm i_\Complex \\ \mathrm i_\Complex & 0 \end{bmatrix}</math> | |||
erzeugten [[Unterring]] <math>H</math>,<ref><math>H</math> ist ein <math>\R</math>-Vektorraum, der aber weder <math>\Complex^{2\times 2}</math>-[[Ideal (Ringtheorie)|Ideal]] noch <math>\Complex</math>-Vektorraum ist, da <math>\mathrm i_\Complex \, 1_H \notin H</math>.</ref> wobei die imaginäre Einheit der komplexen Zahlen als <math>\mathrm i_\Complex</math> kenntlich gemacht ist.<ref>Die Matrizen <math>\mathrm i_H,\mathrm j_H,\mathrm k_H</math> sind [[spurfrei]] und [[Schiefhermitesche Matrix|schiefhermitesch]].</ref> | |||
Eine Matrix | |||
: <math>x_0 \, 1_H+x_1\,\mathrm i_H+x_2\,\mathrm j_H+x_3\,\mathrm k_H=\begin{bmatrix}x_0+x_1\,\mathrm i_\Complex \quad &x_2+x_3\,\mathrm i_\Complex\\-x_2+x_3\,\mathrm i_\Complex \quad &x_0-x_1\,\mathrm i_\Complex\end{bmatrix}\;=\;\begin{bmatrix}w&z\\-\overline z&\overline w\end{bmatrix}</math> | |||
mit reellen <math>x_0,x_1,x_2,x_3</math> und komplexen <math>w:=x_0+x_1\mathrm i_\Complex,z:=x_2+x_3\mathrm i_\Complex</math> hat die [[Determinante]] <math>x_0^2+x_1^2+x_2^2+x_3^2=|w|^2+|z|^2</math>, die nur dann 0 ist, wenn <math>(w,z)=(0,0)</math>. Somit sind alle von der [[Nullmatrix]] verschiedenen Matrizen [[Invertierbare Matrix|invertierbar]] – und der Ring <math>H</math> ist ein [[Schiefkörper]].<ref>Nur Matrixringe der Dimensionen 1, 2 und 4 über <math>\R</math> sind [[nullteilerfrei]] (siehe auch [[#Die Quaternionen als Algebra]]).</ref> | |||
Der so konstruierte Schiefkörper erweist sich als [[isomorph]] zu den Quaternionen. Denn die Abbildung <math>\mathbb H \to H</math> mit den Zuordnungen | |||
: <math>1 \mapsto 1_H,\quad | |||
\mathrm i \mapsto \mathrm i_H,\quad | |||
\mathrm j \mapsto \mathrm j_H,\quad | |||
\mathrm k \mapsto \mathrm k_H</math> | |||
ist [[homomorph]] in den Verknüpfungen Addition und Multiplikation, wobei letztere der [[Matrizenmultiplikation]] zuzuordnen ist. Die konjugierte Quaternion geht auf die [[adjungierte Matrix]] und die [[#Norm|Norm]] auf die [[Determinante]]. Darüber hinaus ist die Abbildung [[Injektivität|injektiv]] und stetig, also [[Homöomorphismus|topologisch]]. | |||
Es gibt verschiedene Möglichkeiten für die Einbettung <math>\mathbb H \to H</math>, die alle zueinander [[Konjugation (Gruppentheorie)|konjugiert]] und [[Homöomorphismus|homöomorph]] sind.<ref>Diese Möglichkeiten entsprechen der Vorschaltung eines [[#Automorphismen|Automorphismus]].</ref> | |||
==== Reelle Matrizen ==== | |||
Ganz analog kann man die Quaternion <math>x_0+x_1\mathrm i+x_2\mathrm j+x_3\mathrm k</math> auch als reelle 4×4-Matrix | |||
: <math>\begin{bmatrix}\begin{array}{rrrr} | |||
x_0 & x_1 & x_2 & x_3 \\ | |||
-x_1 & x_0 & -x_3 & x_2 \\ | |||
-x_2 & x_3 & x_0 & -x_1 \\ | |||
-x_3 & -x_2 & x_1 & x_0 | |||
\end{array}\end{bmatrix}</math> | |||
: <math>= x_0 | |||
\left[\begin{smallmatrix}\begin{array}{rrrr} | |||
1 & 0 & 0 & 0 \\ | |||
0 & 1 & 0 & 0 \\ | |||
0 & 0 & 1 & 0 \\ | |||
0 & 0 & 0 & 1 | |||
\end{array}\end{smallmatrix}\right] | |||
+ x_1 | |||
\left[\begin{smallmatrix}\begin{array}{rrrr} | |||
0 & 1 & 0 & 0 \\ | |||
-1 & 0 & 0 & 0 \\ | |||
0 & 0 & 0 & -1 \\ | |||
0 & 0 & 1 & 0 | |||
\end{array}\end{smallmatrix}\right] | |||
+ x_2 | |||
\left[\begin{smallmatrix}\begin{array}{rrrr} | |||
0 & 0 & 1 & 0 \\ | |||
0 & 0 & 0 & 1 \\ | |||
-1 & 0 & 0 & 0 \\ | |||
0 & -1 & 0 & 0 | |||
\end{array}\end{smallmatrix}\right] | |||
+ x_3 | |||
\left[\begin{smallmatrix}\begin{array}{rrrr} | |||
0 & 0 & 0 & 1 \\ | |||
0 & 0 & -1 & 0 \\ | |||
0 & 1 & 0 & 0 \\ | |||
-1 & 0 & 0 & 0 | |||
\end{array}\end{smallmatrix}\right] | |||
</math> | |||
schreiben. Die Konjugation der Quaternion entspricht der [[Transponierte Matrix|Transposition der Matrix]] und der Betrag der vierten Wurzel aus der Determinante. | |||
Das Modell der reellen Matrizen ist bspw. dann vorteilhaft, wenn man eine Software für [[lineare Algebra]] mit Schwächen bei den komplexen Zahlen hat. | |||
=== Quotientenalgebra === | |||
Eine elegante, aber zugleich abstrakte Konstruktion stellt der Weg über den [[Faktorring|Quotienten]] des [[Nichtkommutativer Polynomring|nichtkommutativen Polynomrings]] in drei [[Unbestimmte]]n dar, deren Bilder <math>\mathrm i,\mathrm j,\mathrm k</math> sind, modulo dem Ideal, das von den Hamilton-Regeln erzeugt wird. Alternativ kommt man auch mit nur zwei Unbestimmten aus. | |||
Auf diese Weise ergibt sich die Quaternionen-Algebra als [[Clifford-Algebra]] der zweidimensionalen, euklidischen Ebene mit Erzeugern <math>\mathrm i \mapsto e_1,\, \mathrm j \mapsto e_2,\, \mathrm k=\mathrm {ij} \mapsto e_1e_2</math>. Im Zusammenhang mit dreidimensionalen Drehungen ist auch die Interpretation als der gerade Anteil der Clifford-Algebra des dreidimensionalen, euklidischen Raumes wichtig. Die Erzeuger werden dann mit <math>\mathrm i \mapsto e_2e_3,\, \mathrm j \mapsto e_3e_1,\,\mathrm k \mapsto e_1e_2</math> identifiziert. | |||
== Die Quaternionen als Algebra == | |||
Es gibt bis auf Isomorphie genau vier [[Dimension (Mathematik)|endlichdimensionale]] <math>\R</math>-[[Algebra über einem Körper|Algebren]], deren Multiplikation ohne [[Nullteiler]] ist, nämlich den Körper <math>\R</math> der reellen Zahlen selbst, den Körper <math>\Complex</math> der komplexen Zahlen, den Schiefkörper <math>\mathbb H</math> der Quaternionen und den [[Alternativkörper]] <math>\mathbb O</math> der Cayleyschen [[Oktave (Mathematik)|Oktaven]].<ref>[[Satz von Frobenius (reelle Divisionsalgebren)]], Korollar 6.8 in Kapitel IX von Hungerford: Algebra (Springer 1974).</ref><ref>[[Divisionsalgebra#Sätze über reelle Divisionsalgebren|Satz von Hurwitz (normierte Divisionsalgebren)]].</ref><ref>Satz von [[Lew Semjonowitsch Pontrjagin|Pontrjagin]] (1931) in [[#Pontrjagin|Pontrjagin]]: Jeder [[lokalkompakt]]e, [[zusammenhängend]]e topologische Schiefkörper ist entweder der Körper der reellen Zahlen oder der Körper der komplexen Zahlen oder der Schiefkörper der Quaternionen.</ref> | |||
Das [[Zentrum (Algebra)|Zentrum]] von <math>\mathbb H</math> ist <math>\R</math>; die Quaternionen sind also eine [[zentraleinfache Algebra]] über <math>\R</math>. [[Reduzierte]] [[Norm (Körpererweiterung)|Norm]] und [[Spur (Mathematik)|Spur]] sind durch | |||
: <math>\mathrm{Nrd}(x)=|x|^2 = x \bar x = \bar x x = \langle x,x \rangle</math> bzw. <math>\mathrm{Trd}(x)=2\cdot\operatorname{Re}\,x</math> | |||
gegeben. | |||
Beim [[Tensorprodukt#Erweiterung der Skalare|Basiswechsel]] von <math>\R</math> zum algebraischen Abschluss <math>\Complex</math> werden die Quaternionen zu einer Matrizenalgebra: | |||
: <math>\mathbb H\otimes_{\R}\Complex\cong M_2(\Complex).</math> | |||
Die komplexe Konjugation auf dem Faktor <math>\Complex</math> des [[Tensorprodukt]]es entspricht einer [[Involution (Mathematik)|Involution]] <math>v</math> der Matrizenalgebra. Die Invarianten von <math>v</math>, d. s. die von <math>v</math> fix gelassenen Elemente <math>x</math> mit <math>v(x)=x</math>, bilden eine zu <math>\mathbb H</math> isomorphe Algebra. Zur oben angegebenen Matrixdarstellung der Quaternionen als [[#Komplexe Matrizen|komplexe Matrizen]] passt die Involution | |||
: <math>v(x):= \epsilon\bar x \epsilon^{-1}</math> mit <math>\epsilon:=\begin{bmatrix}0&1\\-1&0\end{bmatrix}</math> . | |||
Die Tatsache, dass die [[Brauergruppe]] von <math>\R</math> nur aus zwei Elementen besteht, spiegelt sich auch darin wider, dass | |||
: <math>\mathbb H\otimes_{\R}\mathbb H\cong M_4(\R)</math> | |||
ist. | |||
Allgemein bezeichnet man jede vierdimensionale [[zentraleinfache Algebra]] über einem [[Körper (Algebra)|Körper]] als eine [[Quaternionenalgebra]]. | |||
Die Quaternionen sind die [[Clifford-Algebra]] zum Raum <math>\R^2</math> mit einer [[Definitheit|negativ-definiten]] symmetrischen [[Bilinearform]]. | |||
== Andere Grundkörper == | |||
=== Quaternionen über den rationalen Zahlen === | |||
Bei allen [[#Konstruktion|obigen]] Arten der Konstruktion spielt die [[Vollständiger Raum|Vollständigkeit]] des Koeffizientenvorrats keine Rolle. Deshalb kann man (anstatt von den [[Reelle Zahl|reellen Zahlen]] <math>\R \, </math> über <math>\Complex = \R( \mathrm i ) \, </math> zu <math>\mathbb H \, </math>) auch von anderen Grundkörpern, z. B. den [[Rationale Zahl|rationalen Zahlen]] <math>\Q \, </math>, ausgehen, um via [[gaußsche Zahl|gaußscher Zahlen]] <math>\Q( \mathrm i ) \, </math> bei den '''Quaternionen mit rationalen Koeffizienten''' | |||
: <math>G := \{ x_0+x_1\mathrm i+x_2\mathrm j+x_3\mathrm k \; \mid \; x_0,x_1,x_2,x_3 \in \Q \} \, </math> | |||
anzukommen mit formal denselben Rechenregeln. Danach kann, falls überhaupt erforderlich, die [[Vollständiger Raum|Vervollständigung]] für die [[#Norm und Betrag|Betrags]][[Metrischer Raum|metrik]] durchgeführt werden mit einem Endergebnis isomorph zu <math>\mathbb H</math>. | |||
Insofern können bei vielen Aussagen <math>\R</math> durch <math>\Q</math>, <math>\Complex</math> durch <math>\Q( \mathrm i )</math> und <math>\mathbb H</math> durch <math>G</math> ersetzt werden. | |||
Da es nach dem [[Satz von Wedderburn]] keinen endlichen [[Schiefkörper]] mit nicht-[[Kommutativität|kommutativer]] [[Multiplikation]] gibt und die [[Dimension (Mathematik)|Dimension]] des [[Vektorraum]]s <math>G</math> über seinem [[Primkörper]] und [[Zentrum (Algebra)|Zentrum]] <math>\Q</math> mit <math>2^2=4</math> minimal ist, gehört <math>G</math> als [[Abzählbarkeit|abzählbare]] Menge zu den „kleinsten“ Schiefkörpern mit nicht-kommutativer Multiplikation – auf jeden Fall enthält <math>G</math> keinen kleineren. | |||
Der Schiefkörper <math>G</math> besitzt einen sogenannten [[Ganzheitsring]], d. h. eine [[Untermenge]] von Zahlen, genannt [[Hurwitzquaternion]]en, die einen Ring bilden und <math>G</math> zum [[Quotientenkörper]] haben, ganz ähnlich, wie es sich bei den ganzen Zahlen <math>\Z</math> und ihrem Quotientenkörper <math>\Q</math> verhält. In einem solchen Ring lassen sich bspw. [[Gitter (Mathematik)|Approximationsfragen]], [[Teilbarkeit]]sfragen u. Ä. untersuchen. | |||
{{Hauptartikel|Hurwitzquaternion}} | |||
=== Weitere Grundkörper === | |||
Auch Körper <math>K \ncong \Q \, </math> eignen sich als Ausgangspunkt zur Bildung nicht-kommutativer Erweiterungskörper nach Art der Quaternionen. Wichtig ist, dass in <math>K \, </math> die Summe aus vier Quadraten <math>x_0^2+x_1^2+x_2^2+x_3^2 \, </math> nur für <math>x_0=x_1=x_2=x_3=0 \, </math> verschwindet. Dann gibt es auch kein <math>\mathrm i \in K \, </math> mit <math>\mathrm i^2 + 1 = 0 \, </math> und <math>K( \mathrm i ) \, </math> ist eine echte quadratische [[Körpererweiterung|Erweiterung]], die eine Konjugation definiert. Diese Bedingungen sind z. B. bei allen [[Geordneter Körper#Formal reelle Körper|formal reellen Körpern]] erfüllt. | |||
Aber auch bei Körpern, die nicht [[Geordneter Körper|angeordnet]] werden können, kann die obige Bedingung betreffend die Summe aus vier Quadraten erfüllt sein, bspw. im Körper <math>\Q_2</math> der [[p-adische Zahl|2-adischen Zahlen]]. Der so über <math>\Q_2</math> gebildete Quaternionenkörper ist isomorph zur Vervollständigung des (oben beschriebenen) Körpers <math>G</math> der Quaternionen mit rationalen Koeffizienten für die folgende (nichtarchimedische diskrete) Bewertung <math>v</math> , dem [[Bewertungstheorie#p-Bewertung|2-Exponenten]] der Norm, | |||
: <math> | |||
\begin{array}{rccccc} | |||
v \colon & G^* & \xrightarrow{\operatorname{Norm}} & \Q^* & \xrightarrow{v_2} & \Z \\ | |||
& x & \mapsto & x \bar x & \mapsto & v_2(x \bar x) | |||
\end{array} | |||
</math> | |||
mit <math>\operatorname{Norm}(x) = x \bar x = 2^n m, n\in\Z, m\in\Q^*, 2\nmid m, 2\nmid m^{-1}</math> . | |||
Die Primzahl <math>p=2</math> ist die einzige, für die die [[Quaternionen-Algebra]] über <math>\Q_p</math> [[nullteilerfrei]] und ein Schiefkörper ist. | |||
== Anwendungen == | |||
=== Eulerscher Vier-Quadrate-Satz === | |||
Die Identität, die aus dem Produkt zweier ''Summen von vier Quadraten'' | |||
: <math>(x_0^2+x_1^2+x_2^2+x_3^2)(y_0^2+y_1^2+y_2^2+y_3^2)</math> | |||
{| | |||
|- | |||
|style="width:3em;"| || <math>=(x_0y_0-x_1y_1-x_2y_2-x_3y_3)^2</math> | |||
|- | |||
| || <math>+ \; (x_0y_1 + x_1y_0+ x_2y_3- x_3y_2)^2</math> | |||
|- | |||
| || <math>+ \; (x_0y_2- x_1y_3 + x_2y_0+ x_3y_1)^2</math> | |||
|- | |||
| || <math>+ \; (x_0y_3+ x_1y_2- x_2y_1 + x_3y_0)^2</math> | |||
|} | |||
wieder eine ''Summe von vier Quadraten'' macht, gilt universell – einschließlich aller Varianten, die durch Vorzeichenspiel und [[Permutation]] entstehen – in jedem [[Polynomring]] <math> R[x_0,x_1,x_2,x_3,y_0,y_1,y_2,y_3] </math> über einem kommutativen unitären Ring <math> R </math> und kann im Nachhinein als „Abfallprodukt“ der Multiplikativität des [[#Betrag|quaternionischen Betrags]] angesehen werden. Ihre Entdeckung 1748, also lange ''vor'' der Quaternionenzeit, geht jedoch auf [[Leonhard Euler]] zurück, der mit ihrer Hilfe den 1770 erstmals erbrachten Beweis von [[Joseph-Louis Lagrange]] für den lange vermuteten [[Vier-Quadrate-Satz#Beweisskizze|Vier-Quadrate-Satz]] wesentlich vereinfachen konnte. (Anmerkung: Die algebraisch beweisbaren bilinearen 2-, 4- und 8-Quadrate-Identitäten sind die Grundlagen der Kompositionsalgebren, nämlich der komplexen Zahlen, der Quaternionen, und der Oktonionen. Diese letzteren sind sozusagen die „Quadratwurzeln“ aus den ersteren. Alles, was somit korrekt mit Quaternionen berechnet wird, steht bocksteif auf elementaren algebraischen Identitäten. Wie Adolf Hurwitz 1898 bewies,<ref>{{Internetquelle |autor=[[Adolf Hurwitz]] |url=http://resolver.sub.uni-goettingen.de/purl?PPN252457811_1898 |titel=Ueber die Composition der quadratischen Formen von beliebig vielen Variabeln |datum=1898-07-09 |seiten=309–316 |werk=Nachrichten von der Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen – Mathematisch-Physikalische Klasse (1898), Heft 3 |abruf=2023-01-23}}</ref> gibt es außer den erwähnten 2-, 4- und 8-Quadrate-Identitäten keine weiteren bilinearen ''n''-Quadrate-Identitäten mehr.) | |||
=== Informatik und Ingenieurwissenschaften === | |||
Die Darstellung von Drehungen mithilfe von Quaternionen wird im Bereich der interaktiven [[Computergrafik]] genutzt, insbesondere bei [[Computerspiel]]en, sowie bei der Steuerung von [[Satellit (Raumfahrt)|Satelliten]]. Bei Verwendung von Quaternionen an Stelle von [[Drehmatrix|Drehmatrizen]] werden etwas weniger Rechenoperationen benötigt. Insbesondere wenn viele [[Drehung]]en miteinander kombiniert (multipliziert) werden, steigt die Verarbeitungsgeschwindigkeit. | |||
Des Weiteren werden Quaternionen, neben den [[Eulerwinkel]]n, zur Programmierung von [[Industrieroboter]]n (z. B. [[ABB (Unternehmen)|ABB]]) genutzt. | |||
== Geschichte == | |||
[[Datei:William Rowan Hamilton Plaque - geograph.org.uk - 347941.jpg|mini|Gedenktafel an der Broom Bridge in Dublin, wo [[William Rowan Hamilton]] die Multiplikationsregeln im Oktober 1843 spontan in den Stein ritzte.]] | |||
[[William Rowan Hamilton]] hatte 1835 die Konstruktion der komplexen Zahlen als [[Geordnetes Paar|Zahlenpaare]] angegeben. Dadurch motiviert, suchte er lange nach einer entsprechenden Struktur auf dem Raum <math>\R^3</math> der Zahlentripel; heute weiß man, dass keine derartige Struktur existiert. 1843 schließlich gelangte er zu der Erkenntnis, dass es möglich ist, eine Multiplikation auf der Menge der 4-[[Tupel]] zu konstruieren, wenn man dazu bereit ist, die [[Kommutativgesetz|Kommutativität]] aufzugeben. In einem Brief an seinen Sohn gibt er als Datum den 16. Oktober 1843 an und berichtet, er habe sich spontan dazu hinreißen lassen, die Multiplikationsregeln in einen Stein an der Brougham Bridge (heute Broombridge Road) in [[Dublin]] zu ritzen; später wurde dort eine Gedenktafel angebracht. | |||
Die Rechenregeln für Quaternionen waren in Ansätzen schon früher bekannt, so findet sich die Formel für den [[Vier-Quadrate-Satz]] bereits bei [[Leonhard Euler]] (1748). Andere, auch allgemeinere Multiplikationsregeln wurden von [[Hermann Graßmann]] untersucht (1855). | |||
Schon kurz nach der Entdeckung der Quaternionen fand Hamilton die Darstellung von Drehungen des Raumes mithilfe von Quaternionen und damit eine erste Bestätigung der Bedeutung der neuen Struktur; [[Arthur Cayley]] entdeckte 1855 die entsprechenden Aussagen über orthogonale Abbildungen des vierdimensionalen Raumes. Die bloße Parametrisierung der <math>3\times3</math>-Drehmatrizen war hingegen schon Euler bekannt. Cayley gab 1858 in der Arbeit, in der er Matrizen einführte, auch die Möglichkeit der Darstellung von Quaternionen durch komplexe <math>2\times2</math>-Matrizen an. | |||
Hamilton widmete sich fortan ausschließlich dem Studium der Quaternionen; sie wurden in Dublin ein eigenes Examensfach. In seiner Nachfolge wurde 1895 sogar ein „Weltbund zur Förderung der Quaternionen“ gegründet. Der deutsche Mathematiker [[Felix Klein (Mathematiker)|Felix Klein]] schreibt rückblickend über diese anfängliche Euphorie: | |||
{{Zitat | |||
|Text=Wie ich schon andeutete, schloß sich Hamilton eine Schule an, die ihren Meister an Starrheit und Intoleranz noch überbot. […] Die Quaternionen sind gut und brauchbar an ihrem Platze; sie reichen aber in ihrer Bedeutung an die gewöhnlichen komplexen Zahlen nicht heran. […] Die Leichtigkeit und Eleganz, mit der sich hier die weittragendsten Theoreme ergeben, ist in der Tat überraschend, und es läßt sich wohl von hier aus die alles andere ablehnende Begeisterung der Quaternionisten für ihr System begreifen, die […] nun bald über vernünftige Grenzen hinauswuchs, in einer weder der Mathematik als Ganzem noch der Quaternionentheorie selbst förderlichen Weise. […] Die Verfolgung des angegebenen Weges – der neu sein will, obwohl er tatsächlich nur eine peinlich genaue Übertragung längst bekannter Gedanken auf ein einziges neues Objekt, also durchaus keine geniale Konzeption bedeutet – führt zu allerhand Erweiterungen der bekannten Sätze, die in ihrer Allgemeinheit das Hauptcharakteristikum verlieren und gegenstandslos werden, allenfalls zu Besonderheiten, die ein gewisses Vergnügen gewähren mögen. | |||
|Autor=Felix Klein | |||
|Quelle=Vorlesungen über die Entwicklung der Mathematik im 19. Jahrhundert | |||
|ref=<ref>{{Literatur |Autor=Felix Klein |Titel=Vorlesungen über die Entwicklung der Mathematik im 19. Jahrhundert |Band=Teil I. |Verlag=Verlag von Julius Springer |Ort=Berlin |Datum=1926 |Seiten=184 ff}}</ref>}} | |||
== Verwandte Themen == | |||
Ähnliche Konstruktionen wie die Quaternionen werden manchmal unter dem Begriff „[[hyperkomplexe Zahl]]en“ zusammengefasst. Beispielsweise sind die ''Cayley-Zahlen'' oder ''[[Oktave (Mathematik)|Oktaven]]'' ein achtdimensionales Analogon zu den Quaternionen; ihre Multiplikation ist allerdings weder kommutativ noch assoziativ. | |||
== Literatur == | |||
* Jens Carsten Jantzen, [[Joachim Schwermer]]: ''Algebra''. Springer, 2006, ISBN 3-540-21380-5, [[doi:10.1007/3-540-29287-X]] | |||
* [[Serge Lang]]: ''Algebra''. Springer-Verlag, New York 2002, ISBN 0-387-95385-X | |||
* [[Max Koecher]], [[Reinhold Remmert]]: ''Hamiltonsche Quaternionen''. In: H.-D. Ebbinghaus et al.: ''Zahlen''. Springer-Verlag, Berlin 1983, ISBN 3-540-12666-X | |||
* {{Anker|Conway}} [[John Horton Conway|John H. Conway]], Derek A. Smith: ''On Quaternions and Octonions''. A K Peters, 2003, ISBN 1-56881-134-9 (englisch) | |||
* Jack B. Kuipers: ''Quaternions and Rotation Sequences''. Princeton University Press, 2002, ISBN 0-691-10298-8 (englisch) | |||
* W. Bolton: ''Complex Numbers (Mathematics for Engineers)''. Addison-Wesley, 1996, ISBN 0-582-23741-6 (englisch) | |||
* Andrew J. Hanson: ''Visualizing Quaternions''. Morgan Kaufmann Publishers, 2006, ISBN 0-12-088400-3 (englisch) | |||
* {{Anker|Pontrjagin}} [[Lew Semjonowitsch Pontrjagin]]: ''Verallgemeinerungen der Zahlen''. Verlag Harri Deutsch, 1995 | |||
* {{Anker|Eilenberg-Niven}} S. Eilenberg, I. Niven: ''The „fundamental theorem of algebra“ for quaternions''. In: ''Bull. Amer. Soc.'', 50, 1944, S. 246–248 | |||
* {{Anker|Hölder}} Hölder: [[s:Bemerkung zur Quaternionentheorie|Bemerkung zur Quaternionentheorie]] ([[Wikisource]]) | |||
== Weblinks == | |||
{{Commonscat|Quaternions|Quaternion}} | |||
* [http://world.std.com/~sweetser/quaternions/ps/book.pdf Doing Physics with Quaternions] (PDF; 563 kB) | |||
* {{Anker|Lam}} [[Tsit Yuen Lam]] ([[University of California, Berkeley|Berkeley]]): [http://math.berkeley.edu/~lam/quat.ps ''Hamilton’s Quaternions''] ([[PostScript]], englisch). Abgerufen am 30. August 2009 | |||
* [http://www.grundstudium.info/animation/node17.php Quaternionen in der Computeranimation] | |||
* [http://math.ucr.edu/home/baez/octonions/node24.html Der Ort der Entdeckung der Quaternionen (mit Bildern)] | |||
* {{MathWorld| id=Quaternion |title=Quaternion }} | |||
* {{YouTube|d4EgbgTm0Bg|What are quaternions, and how do you visualize them? A story of four dimensions}} von [[3Blue1Brown]] | |||
* {{YouTube|9AakzE0ZLaQ|Was sind und was sollen die Quaternionen?}} von [[Edmund Weitz]] | |||
== Einzelnachweise und Anmerkungen == | |||
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Version vom 8. März 2026, 18:04 Uhr
Die Quaternionen (Singular die oder das Quaternion, von lat. quaternio m. „Vierheit“) sind ein Zahlenbereich, der den Zahlenbereich der reellen Zahlen erweitert – ähnlich den komplexen Zahlen und über diese hinaus. Beschrieben (und systematisch fortentwickelt) wurden sie ab 1843 von William Rowan Hamilton;[1] sie werden deshalb auch hamiltonsche Quaternionen oder Hamilton-Zahlen genannt. Olinde Rodrigues entdeckte sie bereits 1840 unabhängig von Hamilton.[2] Trotzdem wird die Menge der Quaternionen meistens mit bezeichnet.
Die Quaternionen bilden einen Schiefkörper (oder Divisionsring), bei dem die Multiplikation auch von der Reihenfolge der Faktoren abhängt, also nicht kommutativ ist. Das heißt, es gibt Quaternionen und , bei denen
ist. Einige aus dem Reellen bekannte Rechenregeln gelten deshalb für Quaternionen nicht, jedoch gelten Assoziativ- und Distributivgesetz sowie multiplikative Invertierbarkeit, d. h. die Existenz des Inversen zu jedem . Die Quaternionen waren das erste Beispiel eines nichtkommutativen Schiefkörpers.[3]
Quaternionen erlauben in vielen Fällen eine rechnerisch elegante Beschreibung des dreidimensionalen euklidischen Raumes und anderer Räume, insbesondere im Kontext von Drehungen. Daher verwendet man sie unter anderem in Berechnungs- und Darstellungsalgorithmen für Simulationen sowie zur Auswertung kristallographischer Texturen.[4] Sie sind aber auch als eigenständiges mathematisches Objekt von Interesse und dienen so zum Beispiel im Beweis des Vier-Quadrate-Satzes.
Konstruktion
Die Quaternionen entstehen aus den reellen Zahlen durch Hinzufügen (Adjunktion) dreier neuer Zahlen, denen in Anlehnung an die komplex-imaginäre Einheit die Namen , und gegeben werden. So ergibt sich ein vierdimensionales Zahlensystem (mathematisch ein Vektorraum) mit einem Realteil, der aus einer reellen Komponente besteht, und einem Imaginärteil aus drei Komponenten, der auch Vektorteil genannt wird.
Alle Quaternionen lassen sich eindeutig in der Form
mit reellen Zahlen , , , schreiben. Damit bilden die Elemente eine Basis, die Standardbasis der Quaternionen über . Die Addition erfolgt komponentenweise und wird vom Vektorraum geerbt. Multiplikativ werden die neuen Zahlen , , gemäß den Hamilton-Regeln
verknüpft. Die Skalarmultiplikation , die ebenfalls vom Vektorraum geerbt wird[5] und bei der die Skalare als mit jedem Element vertauschbar angesehen werden, zusammen mit der Addition, dem Rechtsdistributivgesetz und den Hamilton-Regeln erlauben es, die Multiplikation von der Basis auf alle Quaternionen zu erweitern. Da so auch jeder Skalar als in eingebettet wird, kann als Unterring von aufgefasst werden.
Die so definierte Multiplikation ist assoziativ, erfüllt die beiden Distributivgesetze[6] und macht so die Quaternionen zu einem Ring. Sie ist allerdings nicht kommutativ, d. h., für zwei Quaternionen und sind die beiden Produkte und im Allgemeinen verschieden (s. u.). Das Zentrum von , also die Menge derjenigen Elemente der multiplikativen Gruppe von , die mit allen Elementen kommutieren, ist .
Die Quaternionen bilden einen Schiefkörper (Divisionsring), da es zu jeder Quaternion eine inverse Quaternion gibt mit
- .
Wegen der fehlenden Kommutativität werden Notationen mit Bruchstrich, wie z. B. , vermieden.
Des Weiteren sind die Quaternionen eine vierdimensionale Divisionsalgebra über – und bis auf Isomorphie die einzige.
Schreibweise
Im weiteren Text werden folgende Schreibweisen benutzt:
Ist eine Quaternion, dann werden ihre reellen Komponenten mit bezeichnet, und diese sind der Basis folgendermaßen zugeordnet:
Gelegentlich wird eine vektorielle Schreibweise benötigt. Dabei werden bspw. die Komponenten zu einem 3-dimensionalen Vektor zusammengefasst, sodass man mit dem 4-dimensionalen Vektor identifizieren kann.[7]
Analoge Abmachungen sollen für andere Buchstaben wie etc. gelten.
In manch älterer Literatur wurden Quaternionen mit großen Frakturbuchstaben und die imaginären Einheiten als Einheitsvektoren mit kleinen in Fraktur bezeichnet, z. B. so:
mit .
Komplexe Zahlen tragen meist den Namen und haben die reellen Komponenten , .
Grundrechenarten
Die Konstruktion der Quaternionen ist der der komplexen Zahlen analog, allerdings wird nicht nur eine neue Zahl hinzugefügt, sondern derer drei, die mit , und bezeichnet werden.
über der Basis spannen mit reellen Komponenten den 4-dimensionalen Vektorraum der Quaternionen auf. Als Vektorraum ist isomorph zu . Das Basiselement , das die reellen Zahlen injektiv einbettet (und zugleich das neutrale Element der Multiplikation darstellt), wird in der Linearkombination meist weggelassen. Die Addition und Subtraktion geschieht komponentenweise.
Vom Vektorraum wird auch die Skalarmultiplikation übernommen, also die linke und rechte Multiplikation mit einer reellen Zahl, die distributiv zu jeder Komponente multipliziert wird. Diese Skalarmultiplikation ist eine Einschränkung der Hamilton-Multiplikation, die auf ganz definiert ist. Die Hamilton-Multiplikation der Basiselemente untereinander oder etwas umfassender innerhalb der Menge
geschieht nach den Hamilton-Regeln
|
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. |
Diese Regeln zusammen mit der Vertauschbarkeit von mit jedem anderen Element geben eine vollständige Tafel für eine Verknüpfung vor, die sich als assoziativ erweist und zu einer Gruppe macht – der Quaternionengruppe.
Unter Voraussetzung der Regel (und der Gruppenaxiome) ist die Kombination aus und , in der das zyklische und antizyklische Verhalten der drei nicht-reellen Quaternionen-Einheiten zum Ausdruck kommt, ersetzbar durch die Einzelregel
|
|
. |
Diese Einzelregel könnte auch durch jede der fünf alternativen Einzelregeln , , , oder ersetzt werden.
Mithilfe dieser Ersetzungsregeln, des Assoziativgesetzes und (linken sowie rechten) Distributivgesetzes lässt sich die Multiplikation auf ganz fortsetzen. Die kann man wie anti-kommutierende Variablen behandeln. Treten Produkte von zweien von ihnen auf, so darf man sie nach den Hamilton-Regeln ersetzen.
Die ausgearbeiteten Formeln für die zwei Verknüpfungen von zwei Quaternionen
- und
lauten
bzw.
Herleitung:[8]
Damit sind die für einen Ring erforderlichen zwei Verknüpfungen definiert. Es ist leicht nachgerechnet, dass alle Ring-Axiome erfüllt sind.
Das additive Inverse ist (wie in jedem Vektorraum) das Produkt mit dem Skalar −1. Die Subtraktion ist die Addition dieses Inversen.
Die für einen Schiefkörper erforderliche Division muss wegen der fehlenden Kommutativität durch eine Multiplikation mit dem (multiplikativen) Inversen ersetzt werden (siehe Inverses und Division).[9]
Gegenring
Ist ein Ring, dann wird der mit der Multiplikation
ausgestattete Ring als Gegenring bezeichnet. Hier folgen alle Ringgesetze, das heißt das Assoziativgesetz sowie beide Distributivgesetze, aus den ursprünglichen Gesetzen. Im Gegenring , der wegen der Nicht-Kommutativität von von diesem verschieden ist, gelten alle im Abschnitt Grundrechenarten angeführten Rechenregeln bis auf die Multiplikation, bei der die Vorzeichen der Terme, die nur Koeffizienten mit und haben, invertiert sind. Ferner gilt die Kurzform
- .
Im Übrigen hat Gauß laut Lam.[3] die Quaternionenmultiplikation im Jahr 1819 genau so definiert.
Des Weiteren ist die Orientierung des Dreibeins in gespiegelt. Die Identität auf der Grundmenge ist ein Antiisomorphismus und die Konjugation ein Isomorphismus.
Die Nichtkommutativität ist gleichbedeutend mit der Verschiedenheit von und . Da beide Ringe die Ringaxiome der Quaternionen erfüllen, muss dieses Axiomensystem „unvollständig“ sein im Sinne Hölders. In diesem Sinn vollständig sind die Axiomensysteme der rationalen, reellen oder komplexen Zahlen.
Grundlegende Begriffe
Skalarteil und Vektorteil
Aufgrund der besonderen Stellung der Komponente einer Quaternion
bezeichnet man sie – wie bei den komplexen Zahlen – als Realteil oder Skalarteil
- ,
während die Komponenten zusammen den Imaginärteil oder Vektorteil
bilden. Häufig identifiziert man den Vektorteil auch mit dem Vektor .
Konjugation
Zu jeder Quaternion
ist die konjugierte Quaternion definiert als
- .
Da hier der Imaginärteil mit seinen Einheitsvektoren verknüpft bleibt und der Realteil als reelle Zahl eindeutig in die Quaternionen einzubetten ist, ergeben sich die einfachen Beziehungen
und
- ,
aus denen sich unmittelbar
und
ausrechnet.[10]
Ist eine Quaternion gleich ihrer Konjugierten, so ist sie reell, d. h., der Vektorteil ist null. Ist eine Quaternion gleich dem Negativen ihrer Konjugierten, so ist sie eine reine Quaternion, d. h., der Skalarteil ist null.
Weitere wichtige Eigenschaften der Konjugation sind:
|
|
Die Konjugation ist eine Involution. |
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Die Konjugation ist -linear. |
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Die Konjugation ist ein involutiver Antiautomorphismus. |
|
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Die Konjugation lässt sich „mit arithmetischen Mitteln“ darstellen.[11] |
Skalarprodukt
Das Skalarprodukt zweier Quaternionen, aufgefasst als Vektoren im , ist definiert durch
- .
Es gilt
- .
Es ist eine positiv definite symmetrische Bilinearform, über die sich Norm und Betrag definieren lassen und mit der Winkel und Orthogonalität bestimmt werden können.
Ferner kann man damit die einzelnen Komponenten einer Quaternion isolieren:
- .
Das aus der Physik weit verbreitete Vorgehen, das Skalarprodukt abkürzend wie eine Multiplikation mit dem Mittepunkt „“ zu notieren, wird auch bei den Quaternionen häufig angewandt, wobei hier die Verwechslungsgefahr zwischen Quaternionenmultiplikation und Skalarprodukt hoch ist.
Im Folgenden verwenden wir folgende Konvention:
- Das Quaternionenprodukt wird stets ohne Benutzung des Mittepunkts durch Aneinanderreihung der Faktoren notiert.
- Das Skalarprodukt, und zwar sowohl das 4- wie das 3-dimensionale, wird in Multiplikationsschreibweise mit dem Mittepunkt „“ notiert.
Kreuzprodukt
Das Kreuzprodukt zweier Quaternionen ist das Kreuzprodukt (Vektorprodukt) ihrer Vektorteile und bis auf den Faktor 2 ihr Kommutator. Ist und , so ist
Quaternionenmultiplikation als Skalar- und Kreuzprodukt
Identifiziert man Quaternionen
|
|
und |
|
mit Paaren aus einem Skalar und einem Vektor
|
bzw. |
mit , |
so lässt sich die Multiplikation mithilfe des (dreidimensionalen) Skalarprodukts und Kreuzprodukts beschreiben:
- .
Zwei Quaternionen sind demnach genau dann miteinander vertauschbar, wenn ihr Kreuzprodukt 0 ist, wenn also ihre Vektorteile als reelle Vektoren linear abhängig sind (s. a. Einbettung der komplexen Zahlen).
Norm und Betrag
Das Skalarprodukt einer Quaternion mit sich selbst, welches gleich dem Quaternionenprodukt mit der Konjugierten ist, wird Norm genannt:
Insbesondere ist dieser Wert reell und nichtnegativ.
Die Quadratwurzel daraus
wird Betrag oder Länge der Quaternion genannt und stimmt überein mit Betrag oder euklidischer Länge des Vektors . Er erfüllt die wichtige Eigenschaft
- ,
die Multiplikativität des Betrags. Mit dem Betrag werden die Quaternionen zu einer reellen Banachalgebra.
Inverses und Division
Bei einer nicht-kommutativen Multiplikation muss man die Gleichungen
|
|
und |
|
unterscheiden. Wenn das Inverse existiert, dann sind
|
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bzw. |
|
respektive Lösungen, die nur dann übereinstimmen, wenn und kommutieren, insbesondere wenn der Divisor reell ist. In solch einem Fall kann die Schreibweise verwendet werden – bei allgemeinen Divisionen wäre sie nicht eindeutig.
Wenn zusätzlich existiert, gilt die Formel
- ,
denn
- und .
Für
ist die Norm
reell und positiv. Die Quaternion
erfüllt dann die Bedingungen des Rechts-
und des Links-Inversen
und kann deshalb als das Inverse schlechthin von bezeichnet werden.
Reine Quaternion
Eine Quaternion, deren Vektorteil 0 ist, wird mit der ihrem Skalarteil entsprechenden reellen Zahl identifiziert.
Eine Quaternion, deren Realteil 0 ist (äquivalent, deren Quadrat reell und nichtpositiv ist), nennt man rein, rein imaginär oder vektoriell. Die Menge der reinen Quaternionen wird als oder notiert. Sie ist ein dreidimensionaler reeller Vektorraum mit Basis . Für reine Quaternionen nimmt die Multiplikation eine besonders einfache Form an:
- .
Einheitsquaternion
Eine Einheitsquaternion (auch normierte Quaternion, Quaternion der Länge 1) ist eine Quaternion, deren Betrag gleich 1 ist. Für sie gilt (analog zu den komplexen Zahlen)
- .
Für eine beliebige Quaternion ist
eine Einheitsquaternion, die man manchmal auch als das Signum oder den Versor von bezeichnet.
Das Produkt zweier Einheitsquaternionen und die Inverse einer Einheitsquaternion sind wieder Einheitsquaternionen. Die Einheitsquaternionen bilden also eine Gruppe.
Geometrisch kann man die Menge der Einheitsquaternionen als die Einheits-3-Sphäre im vierdimensionalen euklidischen Raum und damit als Lie-Gruppe interpretieren, mit dem Raum der reinen Quaternionen als zugehöriger Lie-Algebra. Die Darstellung als komplexe Matrizen verdeutlicht die umkehrbar eindeutige Entsprechung der Einheitsquaternionen mit der speziellen unitären Gruppe .
Die einzigen reellen Einheitsquaternionen sind . Sie machen auch das Zentrum von aus.
Reine Einheitsquaternion
Einheitsquaternionen, die auch reine Quaternionen sind, lassen sich als diejenigen Quaternionen charakterisieren, deren Quadrate ergeben:
- .[13]
Sie liegen in der Äquatorhyperebene der 3-Sphäre und machen die Einheits-2-Sphäre des dreidimensionalen Raums aus.
Einbettung der komplexen Zahlen
Jede Quaternion mit Quadrat definiert einen Einbettungsisomorphismus der komplexen Zahlen in die Quaternionen
mit und als imaginärer Einheit der komplexen Zahlen. Dabei sind die Bildmengen der und entsprechenden Einbettungen identisch: .
Eine jede solche Quaternion darf genannt werden, eine senkrechte dazu und ihr Produkt .[14][15] Jede nicht-reelle Quaternion liegt in genau einer solchen Einbettung von . Zwei Quaternionen sind genau dann vertauschbar, wenn es eine gemeinsame Einbettung gibt.
Zwei verschiedene Bilder haben die reelle Achse zum Durchschnitt.
So betrachtet, sind die Quaternionen eine Vereinigung komplexer Ebenen.
Polardarstellung
Jede Einheitsquaternion kann auf eindeutige Weise in der Form
-
- mit dem Polarwinkel[16] von
- und der reinen Einheitsquaternion
- mit dem Polarwinkel[16] von
dargestellt werden.
Mit der verallgemeinerten Exponentialfunktion lässt sich das wegen auch schreiben als
mit der reinen Quaternion . Will man also eine reine Quaternion exponentiieren, so ist ihr Betrag und die reine Einheitsquaternion zu bilden, und es ergibt sich die Einheitsquaternion
- .
Der Fall lässt sich stetig ergänzen. Damit ist die Exponentialabbildung surjektiv. Nun ist für alle mit , und das sind unendlich viele. Gleichwohl ist die Einschränkung bijektiv. Sie ist stetig, wegen der Nicht-Kommutativität der Multiplikation aber kein Homomorphismus[17].
Allgemein lässt sich jede nicht-reelle Quaternion eindeutig in der Form
-
- mit dem Polarwinkel von
- und der reinen Einheitsquaternion (der reinen und normierten Quaternion von )
- mit dem Polarwinkel von
schreiben. Durch die Festlegung ist , sodass in dieselbe Richtung wie der Vektorteil zeigt.
Jede nicht reell-negative Quaternion schreibt sich eindeutig als
mit einer reinen Quaternion mit .
Diese Darstellungen sind der Polarform komplexer Zahlen
(mit als imaginärer Einheit) analog. Für die Funktionalgleichung
müssen allerdings kommutieren.[17][18]
Funktionentheorie
Exponentialfunktion, Logarithmus
Das Exponential einer nicht-reellen Quaternion ist:
mit .
Der (natürliche) Logarithmus einer nicht-reellen Quaternion ist:
Für nicht-reelles sind sie Umkehrfunktionen voneinander
und, falls ,
- .
Für nicht-reelles, mit kommutierendes gelten die Funktionalgleichungen
und
- ,
letzteres für mit hinreichend kleinem Imaginärteil.
Fortsetzungen komplexer Funktionen

Da als eine Vereinigung von Einbettungen komplexer Ebenen aufgefasst werden kann (s. Abschnitt #Einbettung der komplexen Zahlen), kann man versuchen, Funktionen [20] mithilfe der genannten Einbettungsisomorphismen vom Komplexen ins Quaternionische zu liften. Dabei ist zu fordern, dass die so gewonnenen Funktionen mit bei Überschneidungen der Definitionsbereiche dasselbe Ergebnis liefern, sodass die vereinigte Funktion auf der Vereinigungsmenge vermöge als in wohldefinierter Weise gebildet werden kann.
Sei eine komplexwertige Funktion einer komplexen Variablen mit reellen und reellen
Einbettbarkeit: ist genau dann einbettbar in die Quaternionen, wenn eine gerade und eine ungerade Funktion des jeweils zweiten Arguments ist.
| Beweis |
|
Ist eine beliebige nicht-reelle Quaternion, dann ist eine reine und normierte Quaternion mit . Seien ferner und , die beide reell sind. Sowohl wie ist ein Einbettungsisomorphismus für das Bild . Im ersteren Fall ist das Urbild von , im zweiten Fall haben wir wegen das Urbild ; jeweils mit als der imaginären Einheit von . Die Urbilder sind verschieden, das Bild, das bei der zu bildenden Funktion als Argument fungieren soll, ist aber beidesmal . und vervollständigt (s. Diagramm). Nun ist nach Voraussetzung sodass sich ergibt und nicht von der Wahl des Einbettungsisomorphismus abhängt. Die Bedingung ist auch notwendig. Denn lässt umgekehrt die Funktion eine Einbettung in die Quaternionen zu, so gibt es zu jedem eine geeignete reine Einheitsquaternion und reelle mit und Bei der konjugierten Quaternion hat die Einbettung dasselbe Bild wie und also dieselbe Definitionsmenge wie . Der Funktionswert muss also mit dem vorigen für alle übereinstimmen. ■ |
Die eingebettete Funktion stimmt auf allen Teilmengen mit überein, kann also als Fortsetzung von angesehen werden und, wenn Verwechslungen nicht zu befürchten sind, wird auch der Funktionsname beibehalten.
Ist eine einbettbare Funktion, so ist wegen der Ungeradheit von in der zweiten Variablen, also und für . Somit folgt aus der Einbettbarkeit, dass die Einschränkung aufs Reelle reell ist.[21] Zu dieser Klasse von komplexen Funktionen gehören Norm und Betrag, aber auch alle Laurent-Reihen mit reellen Koeffizienten , so die Exponential- und Logarithmusfunktion.[22]
Analysis
Schwieriger ist es, eine allgemeine quaternionische Analysis mit Differential- und/oder Integralrechnung aufzustellen. Ein Problem springt unmittelbar ins Auge: der Begriff des Differenzenquotienten , der in der reellen wie der komplexen Analysis so erfolgreich ist, muss wegen der Nicht-Kommutativität als linke und rechte Version definiert werden. Legt man dann genauso strenge Maßstäbe wie bei der komplexen Differenzierbarkeit an, dann stellt sich heraus, dass bestenfalls lineare Funktionen, und zwar links und rechts, differenzierbar sind.[23] Immer definieren lässt sich aber eine Richtungsableitung und das Gâteaux-Differential.
Ausgehend von den Cauchy-Riemannschen Differentialgleichungen und dem Satz von Morera wurde folgender Regularitätsbegriff gefunden: Eine quaternionische Funktion ist regulär an der Stelle , wenn ihr Integral über jeder hinreichend kleinen umschließenden Hyperfläche verschwindet.[24][25][26]
Beschreibung anderer Konstrukte mit Hilfe von Quaternionen
Minkowski-Skalarprodukt
Das Minkowski-Skalarprodukt zweier Quaternionen, aufgefasst als Vektoren im Minkowski-Raum, ist der Skalarteil von :
Vektoranalysis
Im Folgenden werden Vektoren im dreidimensionalen Raum mit reinen Quaternionen , also die üblichen -Koordinaten mit den -Komponenten identifiziert. Definiert man den Nabla-Operator (wie Hamilton) als
und wendet ihn auf eine skalare Funktion als (formale) Skalarmultiplikation an, erhält man den Gradienten
Die Anwendung auf ein Vektorfeld
als (formales) Skalarprodukt ergibt die Divergenz
- .
Die Anwendung auf ein Vektorfeld als (formales) Kreuzprodukt ergibt die Rotation
- .
Die Anwendung auf ein Vektorfeld als (formales) Produkt zweier reiner Quaternionen ergibt
mit als Skalarteil und als Vektorteil der Quaternion.
Zweimalige Anwendung auf eine Funktion ergibt den Laplace-Operator
d. h., wirkt wie ein Dirac-Operator als (formale) „Quadratwurzel“ des (negativen) Laplace-Operators.
Drehungen im dreidimensionalen Raum
Einheitsquaternionen können für eine elegante Beschreibung von Drehungen im dreidimensionalen Raum verwendet werden: Für eine feste Einheitsquaternion ist die Abbildung
- bzw.
auf eine Drehung. (Hier, wie im Folgenden, ist nur von Drehungen die Rede, die den Ursprung festlassen, d. h., deren Drehachse durch den Ursprung verläuft.)
Die Polardarstellung stellt die Einheitsquaternion durch einen Winkel und eine reine Einheitsquaternion eindeutig dar als
- .
Dann ist eine Drehung des um die Achse mit Drehwinkel .
Für jede Einheitsquaternion definieren und dieselbe Drehung; insbesondere entsprechen und beide der identischen Abbildung (Drehung mit Drehwinkel 0). Im Unterschied zur Beschreibung von Drehungen durch orthogonale Matrizen handelt es sich also um keine 1:1-Entsprechung, zu jeder Drehung gibt es genau zwei Einheitsquaternionen mit .
Die Hintereinanderausführung von Drehungen entspricht der Multiplikation der Quaternionen, d. h.
Die Umkehrung der Drehrichtung entspricht dem Inversen:
Damit ist die Abbildung
ein Homomorphismus der Gruppe der Einheitsquaternionen in die Drehgruppe . Sie ist eine Überlagerung der , und da ein Bildelement genau die zwei Urbilder hat, zweiblättrig, weshalb der Homomorphismus auch 2:1-Überlagerung(shomomorphismus)[14] genannt wird. Ferner ist sie universell, da einfach zusammenhängend ist.
Bezug zu orthogonalen Matrizen
Explizit entspricht der Einheitsquaternion ,
mit und , die Drehmatrix
diese Formel ist auch als Euler-Rodrigues-Formel bekannt. Sie bildet eine reine Quaternion auf ab.
Ist umgekehrt die Drehmatrix
gegeben und ist die Spur
- mit ,
dann bewerkstelligt die Quaternion
die Drehung , denn es ist für jede reine Quaternion .
Wenn man die homogen formulierte Version von als Eingabematrix nimmt, produziert die gezeigte Lösung mit die Quaternion . Wegen kann die Homogenität in den durch die Setzung aufrechterhalten werden.
Die hat wie die über die Dimension 3. Die neun Komponenten von können also nicht alle frei wählbar sein. Da einer jeden Matrix eine Quaternion entspricht, decken die Drehmatrizen die ganze ab. Bei ist . Falls also wirklich , ist auch die Einheitsquaternion zu .
Bezug zu Eulerwinkeln
Für Eulerwinkel gibt es verschiedene Konventionen; die folgende Darlegung bezieht sich auf die Drehung, die man erhält, wenn man zuerst um die -Achse um den Winkel , dann um die neue -Achse um den Winkel und schließlich um die neue -Achse um den Winkel dreht, d. i. die sog. „x-Konvention“ (z, x’, z’’) mit allen Winkeln doppelt. Die Einzeldrehungen entsprechen den Einheitsquaternionen
und da jeweils um die mitgedrehten Achsen gedreht wird, ist die Reihenfolge der Komposition umgekehrt. Die Gesamtdrehung entspricht also
Für andere Konventionen ergeben sich ähnliche Formeln.
Die Eulerwinkel zu einer gegebenen Quaternion lassen sich an der zugehörigen Drehmatrix ablesen.
Universelle Überlagerung der Drehgruppe; Spingruppe
Wie im Abschnitt Einheitsquaternionen gezeigt, gibt es einen durch die Hamiltonschen Zahlen vermittelten Isomorphismus zwischen der Gruppe der Einheitsquaternionen und der speziellen unitären Gruppe . Diese beiden Gruppen sind isomorph zur Spingruppe (zur Physik: siehe Spin).
Die 2:1-Überlagerung liefert also einen Homomorphismus der Spingruppe in die Drehgruppe . Diese Überlagerung ist zweiblättrig und universell, da im Gegensatz zur einfach zusammenhängend ist. Die natürliche Operation von auf ist eine sog. Spinordarstellung.
Die aus der Quantenmechanik bekannten sog. Pauli-Matrizen stehen in einfacher Beziehung zu den drei Erzeugenden der . Das wird besonders deutlich in der Darstellung als komplexe Matrizen:
- ,
dabei ist die imaginäre Einheit der komplexen Zahlen.
Die Pauli-Matrizen haben −1 zur Determinante (sind also keine Quaternionen), sind spurfrei und hermitesch und kommen daher in der Quantenmechanik als messbare Größen in Frage, was sich für die Anwendungen (s. mathematische Struktur der Quantenmechanik) als wichtig erwiesen hat. Einzelheiten sind im Artikel SU(2) dargestellt.
Orthogonale Abbildungen des vierdimensionalen Raumes
Analog zum dreidimensionalen Fall kann man jede orientierungserhaltende orthogonale Abbildung von in sich selbst in der Form
für Einheitsquaternionen beschreiben. Es gilt
Diese Konstruktion liefert eine Überlagerung
mit Kern .
Die endlichen Untergruppen
Der 2:1-Überlagerungshomomorphismus
- ,
der einer Einheitsquaternion die 3D-Drehung
zuordnet, muss eine endliche Gruppe von Quaternionen in eine endliche Gruppe überführen, die dann eine endliche Drehgruppe im ist. Man findet zyklische Gruppen und Polyedergruppen, also die Diedergruppen (Zählweise der n-Ecke), die Tetraedergruppe , die Oktaedergruppe und die Ikosaedergruppe .
Die Erzeugenden der zyklischen Gruppen sind Einbettungen von Einheitswurzeln .[28] Die Urbilder der , , , unter werden mit , , , bezeichnet und heißen binäre Diedergruppe etc. Für eine Polyedergruppe ist also .[29]
Die endlichen Gruppen von Quaternionen sind demnach:[14]
| Gruppe | erzeugt von |
Ordnung | konvexe Hülle im bzw. |
| reguläres n-Eck | |||
| ,[30] bei n=2 zugleich: reguläres 16-Zell | |||
| reguläres 24-Zell | |||
| [30] = Dihektaoktokontaoktochor (288-Zell) | |||
| reguläres 600-Zell |
mit
- , , , .
Die zyklischen Gruppen sind in naheliegender Weise Untergruppen von anderen Gruppen. Die Quaternionengruppe = ist eine Untergruppe der binären Tetraedergruppe . Die Automorphismengruppe von ist isomorph zur Oktaedergruppe (Symmetrische Gruppe). Ihre Elemente sind ebenfalls Automorphismen von , , und .
Die konvexen Hüllen sind (bis auf die Fälle , bei denen man mit 2 Dimensionen auskommt) 4-Polytope und haben, da alle Gruppenelemente von der Länge 1 sind, die Einheits-3-Sphäre als Um-3-Sphäre. Die Ränder dieser 4-Polytope, also die Zellen, sind Ansammlungen von Tetraedern – bis auf den Fall , bei dem es Oktaeder sind. Bei den regulären unter den konvexen Hüllen ist es klar, dass die Zellen ebenfalls regulär und zueinander kongruent sind und es eine In-3-Sphäre gibt, die alle Zellen (an ihrem Mittelpunkt) berührt. Die übrigen, nämlich und , spannen sog. perfekte[30] 4-Polytope auf. Hier sind die Zellen tetragonale Disphenoide, welche ebenfalls alle zueinander kongruent sind und an ihrem Mittelpunkt von der In-3-Sphäre berührt werden.
Automorphismen
Ein jeder Ring-Automorphismus von ist ein innerer,[31] d. h., es gibt eine Quaternion , sodass für alle . Daraus folgt:
- Das Zentrum bleibt fest, d. h. für alle .
- Man kann sich auf die Einheitsquaternionen beschränken.
- Ein Automorphismus ändert nicht das Skalarprodukt, d. h. .
- Die Automorphismen sind genau die winkel- und längentreuen Drehungen von aus dem Abschnitt Drehungen im dreidimensionalen Raum.
- Wegen der Längentreue sind die Automorphismen stetig, somit zusätzlich topologisch.
- hat das Zentrum . Folglich ist die Automorphismengruppe .
Die Konjugation als Spiegelung an der reellen Achse ist antihomomorph[32] in der Multiplikation, d. h. , und wird als involutiver Antiautomorphismus bezeichnet, weil sie zudem eine Involution ist.
Andere Konstruktionen
Matrixdarstellungen
Komplexe Matrizen
Im Ring der komplexen 2×2-Matrizen bildet man den von den Elementen
erzeugten Unterring ,[33] wobei die imaginäre Einheit der komplexen Zahlen als kenntlich gemacht ist.[34] Eine Matrix
mit reellen und komplexen hat die Determinante , die nur dann 0 ist, wenn . Somit sind alle von der Nullmatrix verschiedenen Matrizen invertierbar – und der Ring ist ein Schiefkörper.[35]
Der so konstruierte Schiefkörper erweist sich als isomorph zu den Quaternionen. Denn die Abbildung mit den Zuordnungen
ist homomorph in den Verknüpfungen Addition und Multiplikation, wobei letztere der Matrizenmultiplikation zuzuordnen ist. Die konjugierte Quaternion geht auf die adjungierte Matrix und die Norm auf die Determinante. Darüber hinaus ist die Abbildung injektiv und stetig, also topologisch.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten für die Einbettung , die alle zueinander konjugiert und homöomorph sind.[36]
Reelle Matrizen
Ganz analog kann man die Quaternion auch als reelle 4×4-Matrix
schreiben. Die Konjugation der Quaternion entspricht der Transposition der Matrix und der Betrag der vierten Wurzel aus der Determinante.
Das Modell der reellen Matrizen ist bspw. dann vorteilhaft, wenn man eine Software für lineare Algebra mit Schwächen bei den komplexen Zahlen hat.
Quotientenalgebra
Eine elegante, aber zugleich abstrakte Konstruktion stellt der Weg über den Quotienten des nichtkommutativen Polynomrings in drei Unbestimmten dar, deren Bilder sind, modulo dem Ideal, das von den Hamilton-Regeln erzeugt wird. Alternativ kommt man auch mit nur zwei Unbestimmten aus.
Auf diese Weise ergibt sich die Quaternionen-Algebra als Clifford-Algebra der zweidimensionalen, euklidischen Ebene mit Erzeugern . Im Zusammenhang mit dreidimensionalen Drehungen ist auch die Interpretation als der gerade Anteil der Clifford-Algebra des dreidimensionalen, euklidischen Raumes wichtig. Die Erzeuger werden dann mit identifiziert.
Die Quaternionen als Algebra
Es gibt bis auf Isomorphie genau vier endlichdimensionale -Algebren, deren Multiplikation ohne Nullteiler ist, nämlich den Körper der reellen Zahlen selbst, den Körper der komplexen Zahlen, den Schiefkörper der Quaternionen und den Alternativkörper der Cayleyschen Oktaven.[37][38][39]
Das Zentrum von ist ; die Quaternionen sind also eine zentraleinfache Algebra über . Reduzierte Norm und Spur sind durch
- bzw.
gegeben.
Beim Basiswechsel von zum algebraischen Abschluss werden die Quaternionen zu einer Matrizenalgebra:
Die komplexe Konjugation auf dem Faktor des Tensorproduktes entspricht einer Involution der Matrizenalgebra. Die Invarianten von , d. s. die von fix gelassenen Elemente mit , bilden eine zu isomorphe Algebra. Zur oben angegebenen Matrixdarstellung der Quaternionen als komplexe Matrizen passt die Involution
- mit .
Die Tatsache, dass die Brauergruppe von nur aus zwei Elementen besteht, spiegelt sich auch darin wider, dass
ist.
Allgemein bezeichnet man jede vierdimensionale zentraleinfache Algebra über einem Körper als eine Quaternionenalgebra.
Die Quaternionen sind die Clifford-Algebra zum Raum mit einer negativ-definiten symmetrischen Bilinearform.
Andere Grundkörper
Quaternionen über den rationalen Zahlen
Bei allen obigen Arten der Konstruktion spielt die Vollständigkeit des Koeffizientenvorrats keine Rolle. Deshalb kann man (anstatt von den reellen Zahlen über zu ) auch von anderen Grundkörpern, z. B. den rationalen Zahlen , ausgehen, um via gaußscher Zahlen bei den Quaternionen mit rationalen Koeffizienten
anzukommen mit formal denselben Rechenregeln. Danach kann, falls überhaupt erforderlich, die Vervollständigung für die Betragsmetrik durchgeführt werden mit einem Endergebnis isomorph zu .
Insofern können bei vielen Aussagen durch , durch und durch ersetzt werden.
Da es nach dem Satz von Wedderburn keinen endlichen Schiefkörper mit nicht-kommutativer Multiplikation gibt und die Dimension des Vektorraums über seinem Primkörper und Zentrum mit minimal ist, gehört als abzählbare Menge zu den „kleinsten“ Schiefkörpern mit nicht-kommutativer Multiplikation – auf jeden Fall enthält keinen kleineren.
Der Schiefkörper besitzt einen sogenannten Ganzheitsring, d. h. eine Untermenge von Zahlen, genannt Hurwitzquaternionen, die einen Ring bilden und zum Quotientenkörper haben, ganz ähnlich, wie es sich bei den ganzen Zahlen und ihrem Quotientenkörper verhält. In einem solchen Ring lassen sich bspw. Approximationsfragen, Teilbarkeitsfragen u. Ä. untersuchen.
Weitere Grundkörper
Auch Körper eignen sich als Ausgangspunkt zur Bildung nicht-kommutativer Erweiterungskörper nach Art der Quaternionen. Wichtig ist, dass in die Summe aus vier Quadraten nur für verschwindet. Dann gibt es auch kein mit und ist eine echte quadratische Erweiterung, die eine Konjugation definiert. Diese Bedingungen sind z. B. bei allen formal reellen Körpern erfüllt.
Aber auch bei Körpern, die nicht angeordnet werden können, kann die obige Bedingung betreffend die Summe aus vier Quadraten erfüllt sein, bspw. im Körper der 2-adischen Zahlen. Der so über gebildete Quaternionenkörper ist isomorph zur Vervollständigung des (oben beschriebenen) Körpers der Quaternionen mit rationalen Koeffizienten für die folgende (nichtarchimedische diskrete) Bewertung , dem 2-Exponenten der Norm,
mit . Die Primzahl ist die einzige, für die die Quaternionen-Algebra über nullteilerfrei und ein Schiefkörper ist.
Anwendungen
Eulerscher Vier-Quadrate-Satz
Die Identität, die aus dem Produkt zweier Summen von vier Quadraten
wieder eine Summe von vier Quadraten macht, gilt universell – einschließlich aller Varianten, die durch Vorzeichenspiel und Permutation entstehen – in jedem Polynomring über einem kommutativen unitären Ring und kann im Nachhinein als „Abfallprodukt“ der Multiplikativität des quaternionischen Betrags angesehen werden. Ihre Entdeckung 1748, also lange vor der Quaternionenzeit, geht jedoch auf Leonhard Euler zurück, der mit ihrer Hilfe den 1770 erstmals erbrachten Beweis von Joseph-Louis Lagrange für den lange vermuteten Vier-Quadrate-Satz wesentlich vereinfachen konnte. (Anmerkung: Die algebraisch beweisbaren bilinearen 2-, 4- und 8-Quadrate-Identitäten sind die Grundlagen der Kompositionsalgebren, nämlich der komplexen Zahlen, der Quaternionen, und der Oktonionen. Diese letzteren sind sozusagen die „Quadratwurzeln“ aus den ersteren. Alles, was somit korrekt mit Quaternionen berechnet wird, steht bocksteif auf elementaren algebraischen Identitäten. Wie Adolf Hurwitz 1898 bewies,[40] gibt es außer den erwähnten 2-, 4- und 8-Quadrate-Identitäten keine weiteren bilinearen n-Quadrate-Identitäten mehr.)
Informatik und Ingenieurwissenschaften
Die Darstellung von Drehungen mithilfe von Quaternionen wird im Bereich der interaktiven Computergrafik genutzt, insbesondere bei Computerspielen, sowie bei der Steuerung von Satelliten. Bei Verwendung von Quaternionen an Stelle von Drehmatrizen werden etwas weniger Rechenoperationen benötigt. Insbesondere wenn viele Drehungen miteinander kombiniert (multipliziert) werden, steigt die Verarbeitungsgeschwindigkeit. Des Weiteren werden Quaternionen, neben den Eulerwinkeln, zur Programmierung von Industrierobotern (z. B. ABB) genutzt.
Geschichte

William Rowan Hamilton hatte 1835 die Konstruktion der komplexen Zahlen als Zahlenpaare angegeben. Dadurch motiviert, suchte er lange nach einer entsprechenden Struktur auf dem Raum der Zahlentripel; heute weiß man, dass keine derartige Struktur existiert. 1843 schließlich gelangte er zu der Erkenntnis, dass es möglich ist, eine Multiplikation auf der Menge der 4-Tupel zu konstruieren, wenn man dazu bereit ist, die Kommutativität aufzugeben. In einem Brief an seinen Sohn gibt er als Datum den 16. Oktober 1843 an und berichtet, er habe sich spontan dazu hinreißen lassen, die Multiplikationsregeln in einen Stein an der Brougham Bridge (heute Broombridge Road) in Dublin zu ritzen; später wurde dort eine Gedenktafel angebracht. Die Rechenregeln für Quaternionen waren in Ansätzen schon früher bekannt, so findet sich die Formel für den Vier-Quadrate-Satz bereits bei Leonhard Euler (1748). Andere, auch allgemeinere Multiplikationsregeln wurden von Hermann Graßmann untersucht (1855).
Schon kurz nach der Entdeckung der Quaternionen fand Hamilton die Darstellung von Drehungen des Raumes mithilfe von Quaternionen und damit eine erste Bestätigung der Bedeutung der neuen Struktur; Arthur Cayley entdeckte 1855 die entsprechenden Aussagen über orthogonale Abbildungen des vierdimensionalen Raumes. Die bloße Parametrisierung der -Drehmatrizen war hingegen schon Euler bekannt. Cayley gab 1858 in der Arbeit, in der er Matrizen einführte, auch die Möglichkeit der Darstellung von Quaternionen durch komplexe -Matrizen an.
Hamilton widmete sich fortan ausschließlich dem Studium der Quaternionen; sie wurden in Dublin ein eigenes Examensfach. In seiner Nachfolge wurde 1895 sogar ein „Weltbund zur Förderung der Quaternionen“ gegründet. Der deutsche Mathematiker Felix Klein schreibt rückblickend über diese anfängliche Euphorie:
„Wie ich schon andeutete, schloß sich Hamilton eine Schule an, die ihren Meister an Starrheit und Intoleranz noch überbot. […] Die Quaternionen sind gut und brauchbar an ihrem Platze; sie reichen aber in ihrer Bedeutung an die gewöhnlichen komplexen Zahlen nicht heran. […] Die Leichtigkeit und Eleganz, mit der sich hier die weittragendsten Theoreme ergeben, ist in der Tat überraschend, und es läßt sich wohl von hier aus die alles andere ablehnende Begeisterung der Quaternionisten für ihr System begreifen, die […] nun bald über vernünftige Grenzen hinauswuchs, in einer weder der Mathematik als Ganzem noch der Quaternionentheorie selbst förderlichen Weise. […] Die Verfolgung des angegebenen Weges – der neu sein will, obwohl er tatsächlich nur eine peinlich genaue Übertragung längst bekannter Gedanken auf ein einziges neues Objekt, also durchaus keine geniale Konzeption bedeutet – führt zu allerhand Erweiterungen der bekannten Sätze, die in ihrer Allgemeinheit das Hauptcharakteristikum verlieren und gegenstandslos werden, allenfalls zu Besonderheiten, die ein gewisses Vergnügen gewähren mögen.“
Verwandte Themen
Ähnliche Konstruktionen wie die Quaternionen werden manchmal unter dem Begriff „hyperkomplexe Zahlen“ zusammengefasst. Beispielsweise sind die Cayley-Zahlen oder Oktaven ein achtdimensionales Analogon zu den Quaternionen; ihre Multiplikation ist allerdings weder kommutativ noch assoziativ.
Literatur
- Jens Carsten Jantzen, Joachim Schwermer: Algebra. Springer, 2006, ISBN 3-540-21380-5, doi:10.1007/3-540-29287-X
- Serge Lang: Algebra. Springer-Verlag, New York 2002, ISBN 0-387-95385-X
- Max Koecher, Reinhold Remmert: Hamiltonsche Quaternionen. In: H.-D. Ebbinghaus et al.: Zahlen. Springer-Verlag, Berlin 1983, ISBN 3-540-12666-X
- John H. Conway, Derek A. Smith: On Quaternions and Octonions. A K Peters, 2003, ISBN 1-56881-134-9 (englisch)
- Jack B. Kuipers: Quaternions and Rotation Sequences. Princeton University Press, 2002, ISBN 0-691-10298-8 (englisch)
- W. Bolton: Complex Numbers (Mathematics for Engineers). Addison-Wesley, 1996, ISBN 0-582-23741-6 (englisch)
- Andrew J. Hanson: Visualizing Quaternions. Morgan Kaufmann Publishers, 2006, ISBN 0-12-088400-3 (englisch)
- Lew Semjonowitsch Pontrjagin: Verallgemeinerungen der Zahlen. Verlag Harri Deutsch, 1995
- S. Eilenberg, I. Niven: The „fundamental theorem of algebra“ for quaternions. In: Bull. Amer. Soc., 50, 1944, S. 246–248
- Hölder: Bemerkung zur Quaternionentheorie (Wikisource)
Weblinks
- Doing Physics with Quaternions (PDF; 563 kB)
- Tsit Yuen Lam (Berkeley): Hamilton’s Quaternions (PostScript, englisch). Abgerufen am 30. August 2009
- Quaternionen in der Computeranimation
- Der Ort der Entdeckung der Quaternionen (mit Bildern)
- Eric W. Weisstein: Quaternion. In: MathWorld (englisch).
- What are quaternions, and how do you visualize them? A story of four dimensions auf YouTube von 3Blue1Brown
- Was sind und was sollen die Quaternionen? auf YouTube von Edmund Weitz
Einzelnachweise und Anmerkungen
- ↑ Albrecht Beutelspacher: Lineare Algebra. 7. Auflage. Vieweg+Teubner Verlag, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-528-66508-1, S. 30.
- ↑ Bei Gauß findet sich eine Notiz über die Multiplikation und Konjugation von Quadrupeln im Kapitel Mutation des Raumes. In: Carl Friedrich Gauß: Werke. Achter Band. König. Gesell. Wissen., Göttingen 1900, S. 357–361, die auf das Jahr 1819 datiert wird. Die Unterschiede zu Hamilton gehen nicht über notationelle Konventionen hinaus (Zitiert nach Lam S. 25).
- ↑ a b Tsit Yuen Lam (Berkeley): Hamilton’s Quaternions (PostScript, englisch). Abgerufen am 30. August 2009 Referenzfehler: Unbekannter Parameter „details“ im
<ref>-Element. Die unterstützten Parameter sind: dir, follow, group, name. - ↑ Karsten Kunze, Helmut Schaeben: The Bingham Distribution of Quaternions und Its Spherical Radon Transform in Texture Analysis. In: Mathematical Geology. 8. Jahrgang, November 2004, S. 917–943, doi:10.1023/B:MATG.0000048799.56445.59 (englisch).
- ↑ Sie ist nicht mit dem Skalarprodukt zu verwechseln.
- ↑ Wegen der fehlenden Kommutativität in der Multiplikation können die beiden Distributivgesetze nicht automatisch auf eines reduziert werden.
- ↑ NB: wird bei Bedarf auch als Spaltenvektor eingesetzt.
- ↑ Brian L. Stevens, Frank L. Lewis, Eric N. Johnson: Aircraft Control and Simulation. Dynamics, Controls Design, and Autonomous Systems. Third edition Auflage. John Wiley & Sons, Inc., Hoboken, New Jersey 2016, ISBN 978-1-118-87098-3, S. 46.
- ↑ Reelle Faktoren kommutieren mit und damit mit allen Quaternionen, d. h., es gilt beispielsweise
- ,
- .
- .
- ↑ Im Komplexen gilt dagegen
- ↑ Das gilt daher auch für den Betrag und die Teilmenge der reellen Zahlen. Bei den komplexen Zahlen gilt das nicht (s. a. Komplexe Zahl).
- ↑ Viele Autoren setzen jedoch Norm dem Betrag gleich.
- ↑ Den unendlich vielen Nullstellen des Polynoms steht das Fehlen einer Nullstelle beim Polynom vom Grad 1 gegenüber. Letzteres besitzt 2 Monome vom Grad 1, dem höchsten Grad seiner Monome. In nicht-kommutativen Ringen wird der Grad des Monoms mit zu definiert, und ein Monom dominiert ein Polynom, wenn es unter allen Monomen den höchsten Grad hat. Dann ist der Grad des Polynoms auch gleich dem Grad der dominierenden Monome. Hat ein Polynom über ein einziges dominierendes Monom von einem Grad > 0, dann hat es immer eine Nullstelle in . (Eilenberg-Niven).
- ↑ a b c John H. Conway, Derek A. Smith: On Quaternions and Octonions. A K Peters, 2003, ISBN 1-56881-134-9 (englisch). Referenzfehler: Unbekannter Parameter „details“ im
<ref>-Element. Die unterstützten Parameter sind: dir, follow, group, name. - ↑ Ein Automorphismus definiert eine solche Einbettung (durch Einschränkung), die nur eine Einbettung von -Algebren ist. ist keine Algebra über .
- ↑ Tsit Yuen Lam (Berkeley): Hamilton’s Quaternions (PostScript, englisch). Abgerufen am 30. August 2009, Seite 22. Der Polarwinkel ist das Analogon zum komplexen Argument , allerdings ist bei dessen Hauptwert das Signum des Imaginärteils mit hinein genommen, was sich bei den Quaternionen nicht machen lässt, sodass nicht eine einfache Einschränkung des Polarwinkels ist.
- ↑ a b Für und ist
- .
- ↑ Laut Tsit Yuen Lam (Berkeley): Hamilton’s Quaternions (PostScript, englisch). Abgerufen am 30. August 2009, Seite 22 mag das Scheitern dieser Funktionalgleichung das größte Hindernis für eine quaternionische Funktionentheorie gewesen sein.
- ↑ Lce.hut.fi (Memento vom 26. September 2013 im Internet Archive) (PDF; 68 kB)
- ↑ Die Überlegungen gelten schon, wenn der Definitionsbereich von ein Gebiet ist.
- ↑ Letzteres ist aber nicht hinreichend, denn die Funktion ist trotz wegen nicht einbettbar.
Sind jedoch bei solchen Funktionen die Cauchy-Riemannschen Differentialgleichungen erfüllt, so folgt aus der Ungeradheit von die Geradheit von (jeweils in der zweiten Variablen) und damit die Einbettbarkeit in die Quaternionen.
Im Gegensatz zu ist die Funktion einbettbar mit der Fortsetzung - ↑ Ein weiteres nicht einbettbares Beispiel ist , bei dem nicht ungerade ist in . Die Einbettung mithilfe des Einbettungsisomorphismus ergibt zwar die (konstante) Funktion , die aber mit anderen Einbettungen, z. B. mit dem (ebenfalls konstanten) Ergebnis nicht zusammenpasst.
- ↑ Quaternion Analysis, Functions of a Quaternion Variable (englisch).
- ↑ R. Fueter: Über die analytische Darstellung der regulären Funktionen einer Quaternionenvariablen. In: Comm. Math. Helv. 8. Jahrgang, 1936, S. 371–378.
- ↑ C.A. Deavours: The Quaternion Calculus. In: Amer. Math. Monthly. 80. Jahrgang, 1973, S. 995–1008 (englisch).
- ↑ A. Sudbery: Quaternionic Analysis. In: Math. Proc. Camb. Phil. Soc. 85. Jahrgang, 1979, S. 199–225, doi:10.1017/S0305004100055638 (englisch).
- ↑ Zu siehe Orthogonale Gruppe.
- ↑ Wie im referenzierten Abschnitt und im Abschnitt #Automorphismen bemerkt, gibt es zu jedem fixen Dreibein sehr viele verschiedene Einbettungen dieser endlichen Untergruppen in .
- ↑ Diese Gruppen firmieren – besonders in der englischen Literatur – auch als binäre Erweiterung der Polyedergruppe , und die binären Diedergruppen zusätzlich als verallgemeinerte Quaternionengruppen, auch als dizyklische Gruppen, in Zeichen .
- ↑ a b c Gabor Gévay: On Perfect 4-Polytopes (PDF; 211 kB) Contributions to Algebra and Geometry Volume 43 (2002), No. 1, 243–259: gibt auf S. 256 die 4-Polytope »« für die bzw. auf S. 252 Table 2 das 4-Polytop »« für .
- ↑ Tsit Yuen Lam (Berkeley): Hamilton’s Quaternions (PostScript, englisch). Abgerufen am 30. August 2009, Seite 24.
- ↑ Eric W. Weisstein: Antihomomorphism. In: MathWorld (englisch).
- ↑ ist ein -Vektorraum, der aber weder -Ideal noch -Vektorraum ist, da .
- ↑ Die Matrizen sind spurfrei und schiefhermitesch.
- ↑ Nur Matrixringe der Dimensionen 1, 2 und 4 über sind nullteilerfrei (siehe auch #Die Quaternionen als Algebra).
- ↑ Diese Möglichkeiten entsprechen der Vorschaltung eines Automorphismus.
- ↑ Satz von Frobenius (reelle Divisionsalgebren), Korollar 6.8 in Kapitel IX von Hungerford: Algebra (Springer 1974).
- ↑ Satz von Hurwitz (normierte Divisionsalgebren).
- ↑ Satz von Pontrjagin (1931) in Pontrjagin: Jeder lokalkompakte, zusammenhängende topologische Schiefkörper ist entweder der Körper der reellen Zahlen oder der Körper der komplexen Zahlen oder der Schiefkörper der Quaternionen.
- ↑ Adolf Hurwitz: Ueber die Composition der quadratischen Formen von beliebig vielen Variabeln. In: Nachrichten von der Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen – Mathematisch-Physikalische Klasse (1898), Heft 3. 9. Juli 1898, S. 309–316, abgerufen am 23. Januar 2023.
- ↑ Felix Klein: Vorlesungen über die Entwicklung der Mathematik im 19. Jahrhundert. Teil I. Verlag von Julius Springer, Berlin 1926, S. 184 ff.