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„ÜdSAC/Buch I • Kapitel 2“ – Versionsunterschied

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# [[Diogenes]] dagegen (behauptete), so wie einige andere auch, (die Seele sei) [[Luft (Element)|Luft]], da er glaubte, sie sei das Feinteiligste von allem und Prinzip; und durch sie würde die Seele erkennen und bewegen.  
# [[Diogenes]] dagegen (behauptete), so wie einige andere auch, (die Seele sei) [[Luft (Element)|Luft]], da er glaubte, sie sei das Feinteiligste von allem und Prinzip; und durch sie würde die Seele erkennen und bewegen.  
## Insofern sie (die Luft) erstes sei und die übrigen (Dinge) aus ihr bestünden, würde sie erkennen; und insofern sie am feinsten sei, sei sie fähig zu bewegen.  
## Insofern sie (die Luft) erstes sei und die übrigen (Dinge) aus ihr bestünden, würde sie erkennen; und insofern sie am feinsten sei, sei sie fähig zu bewegen.  
# Auch [[Heraklit]] behauptet, das Prinzip sei Seele, wenn es denn der aufsteigende Dunst ist, aus dem die anderen Dinge zusammengesetzt sind; auch sei sie am unkörperlichsten und ständig im Fluss, und das Bewegte werde durch Bewegtes erkannt.
# Auch [[Herakleitos von Ephesos|Heraklit]] behauptet, das Prinzip sei Seele, wenn es denn der aufsteigende Dunst ist, aus dem die anderen Dinge zusammengesetzt sind; auch sei sie am unkörperlichsten und ständig im Fluss, und das Bewegte werde durch Bewegtes erkannt.
## Dass die Dinge aber in Bewegung seien, glaubte sowohl er als auch die Masse (der Menschen).  
## Dass die Dinge aber in Bewegung seien, glaubte sowohl er als auch die Masse (der Menschen).  
# Ganz ähnlich wie diese scheint auch [[Alkmaion]] über die Seele gedacht zu haben.  
# Ganz ähnlich wie diese scheint auch [[Alkmaion]] über die Seele gedacht zu haben.  

Aktuelle Version vom 27. März 2026, 19:18 Uhr

Seite 13–27

  1. Bei unserer Untersuchung der Seele ist es notwendig, gleichzeitig mit dem Durchgang durch die Schwierigkeiten, die es im Voranschreiten zu bewältigen gilt, die Meinungen der Vorgänger mit hinzuzuziehen, soweit sie sich über sie ge­äußert haben, damit wir übernehmen, was davon zutrifft, und vermeiden, was nicht zutrifft.
    1. Zu Anfang der Untersuchung nehmen wir uns das vor, was der Seele von Natur hauptsächlich zuzukommen scheint.
      1. Das Beseelte scheint sich vom Unbeseelten also hauptsächlich durch zweierlei zu unterscheiden: durch Bewegung und durch das Wahrnehmen.
      2. Und so sind von den älteren (Philosophen) im Wesentlichen eben diese zwei Positionen hinsichtlich der Seele auf uns gekommen.
  2. So behaupten einige, die Seele sei hauptsächlich und primär das Bewegende; und da sie glaubten, dass das, was selbst nicht bewegt ist, anderes nicht bewegen kann, nahmen sie an, dass die Seele eines von den bewegten Dingen sei.
    1. Daher kommt es, dass Demokrit behauptet, sie sei eine Art Feuer und warm.
      1. Formen und Atome gebe es nämlich unendlich viele, wobei er die kugelförmigen darunter Feuer und Seele nennt – so wie die sogenannten Sonnenstäubchen in der Luft, die in den durch die Fenster einfallenden Sonnenstrahlen sichtbar werden –, und die Gesamtmasse da­raus nennt er Elemente der gesamten Natur,
    2. und ähnlich auch Leukipp;
      1. und die kugelförmigen unter ihnen (nennt er deswegen) Seele, weil die derartig beschaffenen Gestalten am besten durch alles hindurchdringen und das Übrige in Bewegung setzen könnten, da sie selbst ja auch bewegt seien;
      2. beide sind ja der Annahme, die Seele sei das, was den Lebewesen ihre Bewegung verschafft.
      3. Deswegen sei die Atmung auch Kriterium des Lebendig­-Seins.
    3. Dem Umstand, dass die Umgebung die Körper zusammendrückt und (dabei) diejenigen Formen herauspresst, die den Lebewesen dadurch ihre Bewegung verschaffen, dass sie auch selber nie stillstehen, werde nämlich dadurch abgeholfen, dass beim Atmen andere und gleichartige (Formen) von außen hereinkämen;
      1. diese verhinderten es auch, dass die im Lebewesen befindlichen (Formen, Atome) abgestoßen werden, indem sie das Zusammendrückende und Verdichtende (aus der Umgebung) abwehrten.
      2. Und Lebewesen seien lebendig, solange sie fähig seien, dies zu tun.
  3. Der Lehre der Pythagoräer scheint aber derselbe Gedanke zugrunde zu liegen.
    1. Denn einige von ihnen sagten, die Sonnenstäubchen in der Luft seien Seele, andere dagegen, sie sei das, was diese (Sonnenstäubchen) bewege.
    2. Hierüber ist gesagt worden,[Anm. Hrsg. 1] weshalb sie sich ständig zu bewegen scheinen, auch dann, wenn völlige Windstille herrscht.
  4. Bei allen denen aber, die behaupten, die Seele sei das sich selbst Bewegende, läuft es auf dasselbe hinaus.
    1. Sie scheinen nämlich alle angenommen zu haben, dass die Bewegung das der Seele im höchsten Grad Eigentümliche sei und alles andere durch die Seele, diese aber von sich selbst bewegt werde, weil man nichts Bewegendes sehen kann, was nicht auch selbst bewegt ist.
  5. Ebenso behauptet auch Anaxagoras, die Seele sei das Bewegende, und wenn sonst noch wer gesagt hat, dass die Vernunft das All in Bewegung setzt;
    1. allerdings (behauptet er es) nicht auf ganz dieselbe Weise wie Demokrit.
      1. Dieser nämlich (sagt), Seele und Vernunft seien schlicht dasselbe;
        1. denn das Wahre sei das, was erscheint,
        2. weswegen Homer treffend gedichtet habe, dass »Hektor anders denkend am Boden liegt«.
      2. Er betrachtet die Vernunft damit nicht als ein bestimmtes Vermögen zur Wahrheit, sondern behauptet, Seele und Vernunft seien dasselbe.
    2. Anaxagoras äußert sich diesbezüglich weniger deutlich: Denn zwar sagt er an vielen Stellen, die Vernunft sei die Ursache des Guten und Richtigen, doch woanders (sagt er), sie sei die Seele, weil sie in allen Lebewesen vorhanden sei, in großen und kleinen wie auch in edlen und weniger geschätzten.
      1. Doch die im Sinne des Denkens ausgesagte Vernunft scheint jedenfalls nicht allen Lebewesen in gleicher Weise zuzukommen, sondern nicht einmal allen Menschen.
  6. Alle diejenigen also, die dem Umstand besondere Beachtung geschenkt haben, dass das Beseelte bewegt ist, nahmen an, die Seele sei das, was vornehmlich Bewegung verursacht.
  7. Alle diejenigen dagegen, die dem Erkennen und Wahrnehmen der seienden Dinge (besondere Beachtung geschenkt haben), behaupteten, die Seele sei die Prinzipien,
    1. wobei die einen mehrere (Prinzipien) annahmen,
    2. die anderen aber, die nur eines (annahmen), (behaupteten, die Seele sei) dieses.
  8. So behauptet Empedokles zwar, sie bestehe aus allen Elementen, aber auch, dass jedes einzelne davon Seele sei. Dabei drückt er sich folgendermaßen aus:
    1. Denn mit Erde erblicken wir Erde, Wasser mit Wasser
    2. Mit Äther den himmlischen Äther, indes mit Feuer verderbliches Feuer
    3. Mit Liebe aber Liebe, und den Hader mit schmählichem Hader
  9. Auf dieselbe Weise lässt auch Platon im Timaios die Seele aus den Elementen bestehen.
    1. Gleiches werde nämlich durch Gleiches erkannt und die Dinge bestünden aus den Prinzipien.
    2. Ebenso verfuhr er auch in der Über Philosophie genannten Vorlesung, wo er das »Lebewesen­-Selbst« aus der Idee des Einen selbst und der ersten Länge und Breite und Tiefe bestehen ließ und die übrigen Dinge auf ähnliche Art und Weise.
      1. Dann aber auch anders: Vernunft sei das Eine und Wissen die Zwei – denn es richtet sich auf einfache Weise auf eine Sache –,
      2. die Zahl der Oberfläche aber sei Meinung und Wahrnehmung die (Zahl) des Festkörpers.
      3. Zwar sind die Zahlen als die Ideen selbst und die Prinzipien bezeichnet worden, doch sie bestehen aus den Elementen,
        1. und die Dinge werden teils durch Vernunft beurteilt, teils durch Wissen, teils durch Meinung, teils durch Wahrnehmung,
        2. Ideen aber seien diese Zahlen der Dinge.
    3. Da die Seele sowohl beweglich zu sein schien als auch zum Erkennen fähig, haben einige sie so aus beidem zusammengeflochten und erklärt, die Seele sei sich selbst bewegende Zahl.
  10. Hinsichtlich Art und Anzahl der Prinzipien
    1. unterscheiden sich diejenigen, die sie körperlich sein lassen,
    2. am meisten von denen, die sie unkörperlich (sein lassen),
    3. und von diesen beiden wiederum (unterscheiden sich) diejenigen, die (beides) mischten und Prinzipien vertraten, die von beiden stammen.
  11. Sie sind aber auch uneins hinsichtlich der Menge (der angenommenen Prinzipien).
    1. Teils sagen sie, es sei eines, teils mehrere.
    2. Und dementsprechend erklären sie sich auch zur Seele:
      1. Sie waren nämlich auch der Ansicht, dass das von Natur zum Bewegen Fähige seiner Natur nach zu den ersten (Prinzipien gehört), und dies nicht ohne guten Grund.
      2. Von daher schien einigen (die Seele) Feuer zu sein, denn dies ist das feinteiligste und unkörperlichste unter den Elementen, außerdem wird es bewegt und bewegt die anderen Dinge auf primäre Weise.
    3. Demokrit hat sich auch detaillierter dazu geäußert und dargelegt, weshalb dies beides zutreffe:
      1. Seele und Vernunft seien nämlich dasselbe, und dies sei einer von den ursprünglichen und unteilbaren Körpern, der durch Feinteiligkeit und seine Gestalt zum Bewegen fähig sei.
      2. Unter den Gestalten aber, sagt er, sei die kugelförmige die am leichtesten bewegliche; und von solcher Beschaffenheit seien die Vernunft und das Feuer.
  12. Anaxagoras scheint Seele und Vernunft dagegen zwar als verschieden zu bezeichnen, wie wir auch schon vorher gesagt haben,[Anm. Hrsg. 2] doch er bedient sich beider als einer einzigen Natur, nur dass er die Vernunft am meisten von allen als Prinzip ansetzt:
    1. So sagt er zum Beispiel, dass sie als einzige unter den seienden Dingen einfach und unvermischt sei und rein.
    2. Auch spricht er beides, das Erkennen wie das Bewegen, demselben Prinzip zu, wenn er sagt, die Vernunft habe das All in Bewegung gesetzt.
  13. Es scheint auch Thales, soweit dies überliefert ist, die Seele als etwas zum Bewegen Fähiges aufgefasst zu haben, wenn er denn wirklich gesagt hat, der Magnetstein hätte Seele, weil er das Eisen bewegt.
  14. Diogenes dagegen (behauptete), so wie einige andere auch, (die Seele sei) Luft, da er glaubte, sie sei das Feinteiligste von allem und Prinzip; und durch sie würde die Seele erkennen und bewegen.
    1. Insofern sie (die Luft) erstes sei und die übrigen (Dinge) aus ihr bestünden, würde sie erkennen; und insofern sie am feinsten sei, sei sie fähig zu bewegen.
  15. Auch Heraklit behauptet, das Prinzip sei Seele, wenn es denn der aufsteigende Dunst ist, aus dem die anderen Dinge zusammengesetzt sind; auch sei sie am unkörperlichsten und ständig im Fluss, und das Bewegte werde durch Bewegtes erkannt.
    1. Dass die Dinge aber in Bewegung seien, glaubte sowohl er als auch die Masse (der Menschen).
  16. Ganz ähnlich wie diese scheint auch Alkmaion über die Seele gedacht zu haben.
    1. Er sagt nämlich, sie sei unsterblich, weil sie den Unsterblichen gleiche, was ihr deswegen zukomme, weil sie immer in Bewegung sei.
      1. Denn alles Göttliche sei auch immer kontinuierlich in Bewegung, Mond, Sonne, die Sterne und der ganze Himmel.
  17. Von den plumperen (Denkern) haben sich einige auch für das Wasser ausgesprochen, so wie Hippon.
    1. Sie scheinen durch die Beobachtung zu ihrer Überzeugung gelangt zu sein, dass der Samen bei allen feucht ist.
    2. Und damit widerlegt er die­jenigen, die behaupten, die Seele sei Blut, weil der Same kein Blut ist; bei diesem (Samen) aber handle es sich um die erste Seele.
    3. Andere, wie Kritias, sagten, sie sei Blut, in der Annahme, dass das Wahrnehmen der Seele am eigentümlichsten sei und ihr dies aufgrund der Natur des Blutes zukomme.
  18. Für jedes Element hat sich ein Vertreter gefunden, außer für die Erde; für die hat sich keiner erklärt, es sei denn, wenn wer gesagt hat, sie bestehe aus allen Elementen, bzw. sei alle (Elemente).
  19. Es definieren also sozusagen alle die Seele durch drei (Merkmale): durch Bewegung, Wahrnehmung und durch das Unkörperliche, und ein jedes davon führt sich auf die Prinzipien zurück.
    1. Deswegen machen auch diejenigen, die sie durch das Erkennen definieren, entweder ein Element aus ihr oder lassen sie aus den Elementen bestehen, und dabei ähneln sie sich sehr in ihren Behauptungen, bis auf einen.[Anm. Hrsg. 3]
    2. Denn sie sagen, Gleiches werde durch Gleiches erkannt.
    3. Und da die Seele ja alles erkennt, lassen sie sie aus allen Prinzipien bestehen.
  20. Alle die nun, welche nur eine Ursache und ein Element behaupten, setzen auch die Seele als eines, z. B. Feuer oder Luft.
    1. Und die, welche behaupten, es gäbe mehrere Prinzipien, lassen auch die Seele aus mehreren bestehen.
  21. Einzig Anaxagoras sagt, die Vernunft werde nicht affiziert und habe mit keinem der anderen Dinge irgendetwas gemein.
    1. Doch auf welche Weise sie erkennen soll, wenn sie auf diese Weise beschaffen ist, und aus welchem Grund, hat er weder gesagt, noch ist es aus dem, was er gesagt hat, ersichtlich.
  22. Alle diejenigen aber, die Gegensätze zu den Prinzipien zählen, setzen auch die Seele aus den Gegenteilen zusammen.
    1. Und diejenigen, welche nur das eine der Gegenteile (zum Prinzip machen), z. B. das Warme oder Kalte oder etwas anderes von der Art, setzten ebenso auch die Seele als eines davon an.
  23. Deswegen halten sie sich auch an die Etymologie:
    1. So sagen diejenigen, die behaupten, sie sei das Warme, dass aufgrund dessen auch das Lebendig­-Sein so benannt sei;
    2. die anderen, (die sagen, die Seele sei) das Kalte, (sagen, dass) sie aufgrund des Einatmens und der Abkühlung Seele genannt werde.[Anm. Hrsg. 4]
  24. Dies sind also die Überlieferungen über die Seele und die Gründe, aufgrund derer (die Vorgänger) sich auf diese Weise geäußert haben.
  1. ↑ 404a19 f. »ist gesagt worden« Es ist nicht klar, auf wen Aristoteles hier anspielt. Es könnte sein, dass er selbst sich in einer uns verlorenen Schrift dazu geäußert hat (der Wortlaut »es ist gesagt worden«, den Aristoteles sonst gerne benutzt, um auf seine eigenen Arbeiten zu referieren, würde dies nahelegen). Es könnte aber auch sein, dass er hier auf jemand anderen anspielt, vielleicht sogar, wie von dem spätantiken Kommentator Sophonias (ad loc.) angeregt, auf die Pythagoräer selbst.
  2. ↑ 405a14 »Anaxagoras ... wie wir auch schon vorher gesagt ha-ben« In I 2, 404b1 ff.
  3. ↑ 405b14 »bis auf einen« Gemeint ist Anaxagoras, wie im Folgenden deutlich wird.
  4. ↑ 405b27 f. »... Seele genannt werde« Die etymologischen Behaup­tungen hier sind, dass der Ausdruck für lebendig sein (zên) sich vom Ausdruck für kochen (zein) und der Ausdruck für Seele (psychê) sich von dem Adjektiv »kalt« (psychron) herleiten.