„genius malignus“ – Versionsunterschied
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Der '''[https://de.wikipedia.org/wiki/Genius_malignus Genius malignus]''' ([https://de.wikipedia.org/wiki/Latein lat.] „böser Geist“) ist in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophie Philosophie] [https://de.wikipedia.org/wiki/Ren%C3%A9_Descartes René Descartes]’ eine gedankliche Figur, die zur Entstehung des [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuzeit neuzeitlichen] [https://de.wikipedia.org/wiki/Skeptizismus Skeptizismus] führte.<p>In der ersten der ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Meditationes_de_prima_philosophia Meditationes de prima philosophia]'' ([https://de.wikipedia.org/wiki/1641 1641]) entwickelte Descartes die Annahme, ein Genius malignus bringe ihn dazu, zu glauben, er besitze wohl [https://de.wikipedia.org/wiki/Sinnesorgan Sinnesorgane], mit denen er die ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Res_extensa res extensa]'' der Außenwelt wahrnehmen könne. Schließt man aufgrund dessen die Möglichkeit nicht aus, dass [https://de.wikipedia.org/wiki/Erkenntnis Erkenntnisse] keine Abbildungen von Wirklichkeit, sondern Täuschungen sind, so entsteht daraus ein Skeptizismus über das [https://de.wikipedia.org/wiki/Wissen Wissen] von der Außenwelt.</p><p>Als Wiederentdeckung des Genius malignus entstand in der Philosophie des [https://de.wikipedia.org/wiki/20._Jahrhundert 20. Jahrhunderts] das ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Gehirn_im_Tank Gehirn-im-Tank]-Argument'' ([https://de.wikipedia.org/wiki/Englische_Sprache engl.] „brain in a vat“), zunächst von [https://de.wikipedia.org/wiki/David_Malet_Armstrong David Malet Armstrong] und [https://de.wikipedia.org/wiki/John_Jamieson_Carswell_Smart John Jamieson Carswell Smart] ohne skeptische Absicht formuliert, nach dem das [https://de.wikipedia.org/wiki/Bewusstsein Bewusstsein], die ''res cogitans'', auch aus einem Gehirn bestehen könne, das sich die Wirklichkeit selbst vorspiegele. Das Gehirn-im-Tank-Argument wurde schließlich von [https://de.wikipedia.org/wiki/Gilbert_Harman Gilbert Harman] zur These des generellen Skeptizismus geführt, nach der es nicht möglich ist zu entscheiden, ob Wissen (in seiner allgemeinen Form) überhaupt möglich sei.</p><p>[https://de.wikipedia.org/wiki/Keith_Lehrer Keith Lehrer] wandelte das Denkmodell ab, indem er den Genius malignus durch „Googols“, böse Außerirdische, ersetzte.</p><p>Eine ausführliche Auseinandersetzung mit dem Gehirn-im-Tank-Problem liefert [https://de.wikipedia.org/wiki/Hilary_Putnam Hilary Putnam]. Dabei entwickelt er starke [https://de.wikipedia.org/wiki/Semantik semantische] Argumente gegen die meisten klassischen Varianten der Gehirn-im-Tank-Hypothese. Putnam zufolge kann man also wissen, dass man kein Gehirn in einem Tank ist.</p> | Der '''[https://de.wikipedia.org/wiki/Genius_malignus Genius malignus]''' ([https://de.wikipedia.org/wiki/Latein lat.] „böser Geist“) ist in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophie Philosophie] [https://de.wikipedia.org/wiki/Ren%C3%A9_Descartes René Descartes]’ eine gedankliche Figur, die zur Entstehung des [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuzeit neuzeitlichen] [https://de.wikipedia.org/wiki/Skeptizismus Skeptizismus] führte.<p>In der ersten der ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Meditationes_de_prima_philosophia Meditationes de prima philosophia]'' ([https://de.wikipedia.org/wiki/1641 1641]) entwickelte Descartes die Annahme, ein Genius malignus bringe ihn dazu, zu glauben, er besitze wohl [https://de.wikipedia.org/wiki/Sinnesorgan Sinnesorgane], mit denen er die ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Res_extensa res extensa]'' der Außenwelt wahrnehmen könne. Schließt man aufgrund dessen die Möglichkeit nicht aus, dass [https://de.wikipedia.org/wiki/Erkenntnis Erkenntnisse] keine Abbildungen von Wirklichkeit, sondern Täuschungen sind, so entsteht daraus ein Skeptizismus über das [https://de.wikipedia.org/wiki/Wissen Wissen] von der Außenwelt.</p><p>Als Wiederentdeckung des Genius malignus entstand in der Philosophie des [https://de.wikipedia.org/wiki/20._Jahrhundert 20. Jahrhunderts] das ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Gehirn_im_Tank Gehirn-im-Tank]-Argument'' ([https://de.wikipedia.org/wiki/Englische_Sprache engl.] „brain in a vat“), zunächst von [https://de.wikipedia.org/wiki/David_Malet_Armstrong David Malet Armstrong] und [https://de.wikipedia.org/wiki/John_Jamieson_Carswell_Smart John Jamieson Carswell Smart] ohne skeptische Absicht formuliert, nach dem das [https://de.wikipedia.org/wiki/Bewusstsein Bewusstsein], die ''res cogitans'', auch aus einem Gehirn bestehen könne, das sich die Wirklichkeit selbst vorspiegele. Das Gehirn-im-Tank-Argument wurde schließlich von [https://de.wikipedia.org/wiki/Gilbert_Harman Gilbert Harman] zur These des generellen Skeptizismus geführt, nach der es nicht möglich ist zu entscheiden, ob Wissen (in seiner allgemeinen Form) überhaupt möglich sei.</p><p>[https://de.wikipedia.org/wiki/Keith_Lehrer Keith Lehrer] wandelte das Denkmodell ab, indem er den Genius malignus durch „Googols“, böse Außerirdische, ersetzte.</p><p>Eine ausführliche Auseinandersetzung mit dem Gehirn-im-Tank-Problem liefert [https://de.wikipedia.org/wiki/Hilary_Putnam Hilary Putnam]. Dabei entwickelt er starke [https://de.wikipedia.org/wiki/Semantik semantische] Argumente gegen die meisten klassischen Varianten der Gehirn-im-Tank-Hypothese. Putnam zufolge kann man also wissen, dass man kein Gehirn in einem Tank ist.</p> | ||
Aktuelle Version vom 2. April 2026, 17:12 Uhr
genius malignus lat. wrtl. "Schutzgeist schlechtgeboren", daher folglich sgm. „böser Geist“
Anm. KF: psychologisch das Überich ?
Genius malignus
Der Genius malignus (lat. „böser Geist“) ist in der Philosophie René Descartes’ eine gedankliche Figur, die zur Entstehung des neuzeitlichen Skeptizismus führte.
In der ersten der Meditationes de prima philosophia (1641) entwickelte Descartes die Annahme, ein Genius malignus bringe ihn dazu, zu glauben, er besitze wohl Sinnesorgane, mit denen er die res extensa der Außenwelt wahrnehmen könne. Schließt man aufgrund dessen die Möglichkeit nicht aus, dass Erkenntnisse keine Abbildungen von Wirklichkeit, sondern Täuschungen sind, so entsteht daraus ein Skeptizismus über das Wissen von der Außenwelt.
Als Wiederentdeckung des Genius malignus entstand in der Philosophie des 20. Jahrhunderts das Gehirn-im-Tank-Argument (engl. „brain in a vat“), zunächst von David Malet Armstrong und John Jamieson Carswell Smart ohne skeptische Absicht formuliert, nach dem das Bewusstsein, die res cogitans, auch aus einem Gehirn bestehen könne, das sich die Wirklichkeit selbst vorspiegele. Das Gehirn-im-Tank-Argument wurde schließlich von Gilbert Harman zur These des generellen Skeptizismus geführt, nach der es nicht möglich ist zu entscheiden, ob Wissen (in seiner allgemeinen Form) überhaupt möglich sei.
Keith Lehrer wandelte das Denkmodell ab, indem er den Genius malignus durch „Googols“, böse Außerirdische, ersetzte.
Eine ausführliche Auseinandersetzung mit dem Gehirn-im-Tank-Problem liefert Hilary Putnam. Dabei entwickelt er starke semantische Argumente gegen die meisten klassischen Varianten der Gehirn-im-Tank-Hypothese. Putnam zufolge kann man also wissen, dass man kein Gehirn in einem Tank ist.