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„pythagoräische Primzahl“ – Versionsunterschied

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Aktuelle Version vom 3. April 2026, 08:03 Uhr

In der Zahlentheorie ist eine pythagoräische Primzahl[1] (vom englischen pythagorean prime) eine Primzahl p∈ℕ der Form p=4n+1 mit n∈ℕ (nicht zu verwechseln mit Pythagoraszahl). Ist eine Primzahl keine pythagoräische Primzahl, so heißt sie nicht-pythagoräische Primzahl.

Beispiele

  • Die kleinsten pythagoräischen Primzahlen sind die folgenden:
5, 13, 17, 29, 37, 41, 53, 61, 73, 89, 97, 101, 109, 113, 137, 149, 157, 173, 181, 193, 197, 229, 233, 241, 257, 269, 277, 281, 293, 313, 317, 337, 349, 353, 373, 389, 397, 401, 409, 421, 433, 449, 457, 461, 509, 521, 541, 557, 569, 577, 593, 601, 613, 617, … (Folge A002144 in OEIS)

Eigenschaften

  • Jede pythagoräische Primzahl kann als Summe von zwei Quadraten dargestellt werden.
Beweis:
Der Beweis folgt direkt aus Fermatschem Satz über die Summe von zwei Quadraten. Gelegentlich nennt man diesen Satz auch Girard’s Theorem.[2]
Beispiel:
41=42+52, 101=12+102, …
  • Die Umkehrung der obigen Eigenschaft gilt ebenfalls:
Ist die Summe von zwei Quadraten eine ungerade Primzahl, so ist sie eine pythagoräische Primzahl.
Beweis:
Der Beweis folgt ebenfalls direkt aus Fermatschem Satz über die Summe von zwei Quadraten:
Für das Quadrat einer geraden Zahl n:=2k mit n,k∈ℤ gilt: n2=(2k)2=4k2≡0(mod4).
Für das Quadrat einer ungeraden Zahl m:=2k+1 mit m,k∈ℤ gilt: m2=(2k+1)2=4k2+4k+1≡1(mod4).
Für ungerade Primzahlen p∈ℙ gilt: p≡1(mod4) (für pythagoräische Primzahlen) oder p≡3(mod4) (für nicht-pythagoräische Primzahlen).
Die Summe von zwei Quadratzahlen ist aus obigen Gründen immer ≡0(mod4), ≡1(mod4) oder ≡2(mod4), aber niemals ≡3(mod4). Ist sie also eine ungerade Primzahl, so bleibt nur ≡1(mod4) übrig und das sind genau die pythagoräischen Primzahlen. ◻
Die pythagoräische Primzahl p=5 und seine Quadratwurzel als Hypotenusen von rechtwinkligen Dreiecken und wie man aus dem kleinen Dreieck das große berechnen kann
Beweis:
Siehe Satz des Pythagoras
  • Ist die Primzahl p∈ℙ die Hypotenusenlänge eines rechtwinkligen Dreiecks, so ist p eine pythagoräische Primzahl und größter Teil eines pythagoräischen Tripels.
  • Es gibt unendlich viele pythagoräische Primzahlen.
Beweis:
Siehe Dirichletscher Primzahlsatz

Das Primrennen zwischen 4n+1 und 4n+3

Sei x∈ℕ. Dann gilt:

Die Anzahl der pythagoräischen Primzahlen (der Form 4n+1) bis x ist annähernd gleich wie die Anzahl der nicht-pythagoräischen Primzahlen (der Form 4n+3) bis x. Im Speziellen ist die Anzahl der pythagoräischen Primzahlen bis x oft etwas kleiner. Dieses Phänomen nennt man auf Englisch Chebyshev’s bias und stammt vom Mathematiker Pafnuti Lwowitsch Tschebyschow.[4][5]

Beispiele

  • Bis x=600000 gibt es nur zwei Zahlen, unter denen mehr pythagoräische Primzahlen (der Form 4n+1) als nicht-pythagoräische (ungerade) Primzahlen (der Form 4n+3) existieren, nämlich 26861 und 26862. Zwischen 26863 und 26878 sind es gleichviele und ab 26879 gibt es wieder mehr nicht-pythagoräische (ungerade) Primzahlen.
  • Die folgende Liste zeigt an, wann ein „Führungswechsel“ im „Rennen“ pythagoräische Primzahlen gegen nicht-pythagoräische (ungerade) Primzahlen stattfindet (auf Englisch Where prime race 4n-1 vs. 4n+1 changes leader):
3, 26861, 26879, 616841, 617039, 617269, 617471, 617521, 617587, 617689, 617723, 622813, 623387, 623401, 623851, 623933, 624031, 624097, 624191, 624241, 624259, 626929, 626963, 627353, 627391, 627449, 627511, 627733, 627919, 628013, 628427, 628937, 629371, … (Folge A007350 in OEIS)

Zusammenhang mit Gaußschen Primzahlen

Die Norm einer Gaußschen Zahl der Form x+i⋅y ist ‖x+i⋅y‖=x2+y2. Es gilt:

  • Eine pythagoräische Primzahl (inklusive der Primzahl p=2) kann immer als Norm einer Gaußschen ganzen Zahl dargestellt werden. Ungerade nicht-pythagoräische Primzahlen können das nicht.
  • Eine pythagoräische Primzahl ist keine Primzahl in der Menge der Gaußschen Primzahlen. Der Realteil x und der Imaginärteil y ihrer Primfaktoren in dieser Faktorisierung sind die Kathetenlängen des rechtwinkligen Dreiecks mit gegebener Hypotenusenlänge p.
Beweis:
Es kann jede pythagoräische Primzahl p=x2+y2 zerlegt werden in p=x2+y2=(x+i⋅y)⋅(x−i⋅y).

Quadratische Reste

  • Seien p,q∈ℙ zwei verschiedene ungerade Primzahlen, wobei mindestens eine der beiden eine pythagoräische Primzahl sein soll. Dann gilt:[6]
p ist quadratischer Rest modulo q genau dann, wenn q quadratischer Rest modulo p ist.
Mit anderen Worten:
Seien p,q∈ℙ mit p>2,q>2,p≠q und p≡1(mod4). Dann gilt mit dem Legendre-Symbol:
(pq)=1⟺(qp)=1
Beispiel:
Sei p=37≡1(mod4) und q=47≡3(mod4). Dann ist 152=225≡37(mod47) und somit ist 37 quadratischer Rest modulo 47. Umgekehrt ist 112=121≡84≡47≡10(mod37) und somit ist 47 quadratischer Rest modulo 37.
  • Seien p,q∈ℙ zwei verschiedene ungerade Primzahlen, wobei beide nicht-pythagoräische Primzahlen sein sollen. Dann gilt:[6]
p ist quadratischer Rest modulo q genau dann, wenn q kein quadratischer Rest modulo p ist.
Mit anderen Worten:
Seien p,q∈ℙ mit p>2,q>2,p≠q und p,q≡3(mod4). Dann gilt:
(pq)=1⟺(qp)=−1
Beispiel:
Sei p=47≡3(mod4) und q=43≡3(mod4). Dann ist 412=1681≡47≡4(mod43) und somit ist 47 quadratischer Rest modulo 43. Umgekehrt gibt es aber kein x mit x2≡43(mod47) und somit ist 43 kein quadratischer Rest modulo 47.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. ↑ Zur Schreibweise: Im aktuellen Duden – Das große Wörterbuch der deutschen Sprache in zehn Bänden - ISBN 3-411-70360-1 wird das Adjektiv „pythagoräisch“ in dieser Schreibweise gegeben und die Schreibweise „pythagoräisch“ als österreichische Sonderform bezeichnet.
  2. ↑ Leonard Eugene Dickson: History of the Theory of Numbers. Volume II: Diophantine Analysis, Chapter VI. Carnegie Institution of Washington, Publication No. 256, Vol. II, S. 228 (englisch); Textarchiv – Internet Archive.
  3. ↑ John Stillwell: Elements of Number Theory. Undergraduate Texts in Mathematics, 2003, S. 112, abgerufen am 28. Juni 2018 (englisch).
  4. ↑ Eric W. Weisstein: Chebyshev Bias. In: MathWorld (englisch).
  5. ↑ Michael Rubinstein, Peter Sarnak: Chebyshev’s bias. In: Experimental Mathematics, 1994, 3 (3), S. 173–197; projecteuclid.org (PDF) abgerufen am 28. Juni 2018.
  6. ↑ a b math.uni-bielefeld.de (PDF; 117 kB) Universität Bielefeld