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„Platonakademie“ – Versionsunterschied

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[[Datei:Athens Plato Academy Archaeological Site 3.jpg|mini|Archäologische Ausgrabung der Platonischen Akademie im heutigen Athener Stadtteil ''[[Akadimia Platonos]]'']]
Die '''Platonische Akademie''' ([https://de.wikipedia.org/wiki/Altgriechische_Sprache altgriechisch] <span class="Grek" lang="grc-Grek">Άκαδήμεια</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">Akadḗmeia</span> oder <span class="Grek" lang="grc-Grek">Άκαδημία</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">Akadēmía</span>, [https://de.wikipedia.org/wiki/Latinisierung latinisiert] <span class="Grek" lang="grc-Grek">''Academia''</span>) war die von [https://de.wikipedia.org/wiki/Platon Platon] gegründete antike [https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophenschule Philosophenschule] in [https://de.wikipedia.org/wiki/Athen Athen].


Die Platonische Akademie war die älteste und längstlebige Institution dieser Art in Griechenland. Bei dem ''Akademeia'' genannten [https://de.wikipedia.org/wiki/Hain Hain] des [https://de.wikipedia.org/wiki/Attika_(Landschaft) attischen] [https://de.wikipedia.org/wiki/Heros Heros] [https://de.wikipedia.org/wiki/Akademos Akademos]<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Platonische_Akademie#cite_note-1 [1]]</sup> im Nordwesten von Athen, außerhalb der Stadtmauer, kaufte Platon – wohl 387 v. Chr. – ein Grundstück, auf dem er einen Kultbezirk für die [https://de.wikipedia.org/wiki/Musen Musen] einrichtete und philosophisch-wissenschaftlichen Unterricht zu erteilen begann.<sup id="cite_ref-2" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Platonische_Akademie#cite_note-2 [2]]</sup> Im Laufe der Zeit wurde der Name von dem Hain auf die Schule übertragen, und für die Schulmitglieder wurde die Bezeichnung Akademiker (<span lang="grc-Grek" class="Grek">Ἀκαδημεικός</span> <span lang="grc-Latn" class="Latn">Akadēmeikós</span>)<sup id="cite_ref-3" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Platonische_Akademie#cite_note-3 [3]]</sup> gebräuchlich.
Die '''Platonische Akademie''' ({{grcS|Άκαδήμεια|Akadḗmeia}} oder {{lang|grc|Άκαδημία|Akadēmía}}, [[Latinisierung|latinisiert]] {{lang|grc|''Academia''}}) war die von [[Platon]] gegründete antike [[Philosophenschule]] in [[Athen]].


Auf Platons ''Akadḗmeia'' geht der neuzeitliche Begriff [https://de.wikipedia.org/wiki/Akademie Akademie] für wissenschaftliche oder künstlerische [https://de.wikipedia.org/wiki/Hochschule Hochschulen] sowie für Gelehrtenvereinigungen, etwa die [https://de.wikipedia.org/wiki/Akademie_der_Wissenschaften Akademie der Wissenschaften], zurück.
Die Platonische Akademie war die älteste und längstlebige Institution dieser Art in Griechenland. Bei dem ''Akademeia'' genannten [[Hain]] des [[Attika (Landschaft)|attischen]] [[Heros]] [[Akademos]]<ref>Eine ältere Namensform, die im 6. Jahrhundert v. Chr. anscheinend noch vorherrschte, war ''Hekademos'', dementsprechend ''Hekademeia''; siehe Marie-Françoise Billot: ''Académie (topographie et archéologie)''. In: Richard Goulet (Hrsg.): ''Dictionnaire des philosophes antiques'', Bd. 1, Paris 1989, S. 693–789, hier: 697f.</ref> im Nordwesten von Athen, außerhalb der Stadtmauer, kaufte Platon – wohl 387 v. Chr. – ein Grundstück, auf dem er einen Kultbezirk für die [[Musen]] einrichtete und philosophisch-wissenschaftlichen Unterricht zu erteilen begann.<ref>Zur Topographie und den Ausgrabungen siehe die Übersichtsdarstellung von Marie-Françoise Billot: ''Académie (topographie et archéologie)''. In: Richard Goulet (Hrsg.): ''Dictionnaire des philosophes antiques'', Bd. 1, Paris 1989, S. 693–789.</ref> Im Laufe der Zeit wurde der Name von dem Hain auf die Schule übertragen, und für die Schulmitglieder wurde die Bezeichnung Akademiker ({{lang|grc|Ἀκαδημεικός|Akadēmeikós}})<ref>Auch {{lang|grc|Ἀκαδημαϊκός|Akadēmaïkós}}, {{lang|grc|Ἀκαδημικός|Akadēmikós}} und weitere Formen, siehe [[Henry George Liddell]], [[Robert Scott (Altphilologe)|Robert Scott]]: ''A Greek-English Lexicon'', 9. Auflage, Oxford 1940, S. 46 ([http://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus%3Atext%3A1999.04.0057%3Aentry%3D*&#41;akadh%2Fmeia online]).</ref> gebräuchlich.
 
Auf Platons ''Akadḗmeia'' geht der neuzeitliche Begriff [[Akademie]] für wissenschaftliche oder künstlerische [[Hochschule]]n sowie für Gelehrtenvereinigungen, etwa die [[Akademie der Wissenschaften]], zurück.


== Unterrichtsbetrieb ==
== Unterrichtsbetrieb ==
Der Unterricht fand teils auf Platons Grundstück, teils auf öffentlichem Grund im nahen [https://de.wikipedia.org/wiki/Gymnasion Gymnasion] statt. Frühe Quellen berichten, dass sich auf dem Grundstück ein Säulengang (Peripatos), ein Museion, Büsten des Sokrates und Platon, das Grabmal Platons und eine Exedra befanden.<sup id="cite_ref-4" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Platonische_Akademie#cite_note-4 <span class="cite-bracket">[</span>4]]</sup> Fortgeschrittene Schüler übernahmen Lehr- und Forschungsaufgaben.<sup id="cite_ref-5" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Platonische_Akademie#cite_note-5 <span class="cite-bracket">[</span>5]]</sup> Die Frage, ob bzw. inwieweit die Wissensvermittlung formell organisiert war und in welchen Formen sie stattfand, ist umstritten, insbesondere hinsichtlich der Rolle des Lehrvortrags.<sup id="cite_ref-6" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Platonische_Akademie#cite_note-6 <span class="cite-bracket">[</span>6]]</sup> Der Unterricht war normalerweise kostenlos, und es galt das für damalige Verhältnisse ungewöhnliche Prinzip der Gleichberechtigung der Lernenden, es fehlte also eine auf Abstammung und Herkunft basierende soziale Rangordnung.<sup id="cite_ref-7" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Platonische_Akademie#cite_note-7 <span class="cite-bracket">[</span>7]]</sup> Für Frauen an der Akademie gibt es eine Reihe von Belegen; zwei Schülerinnen Platons und seines Nachfolgers [https://de.wikipedia.org/wiki/Speusippos Speusippos], [https://de.wikipedia.org/wiki/Axiothea_von_Phleius Axiothea von Phleius] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Lastheneia_von_Mantineia Lastheneia von Mantineia], sind namentlich bekannt.<sup id="cite_ref-8" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Platonische_Akademie#cite_note-8 <span class="cite-bracket">[</span>8]]</sup>Die Schulmitglieder verstanden sich als Lebensgemeinschaft, was unter anderem in gemeinsamen Mahlzeiten, [https://de.wikipedia.org/wiki/Symposion Symposien] und Festen zum Ausdruck kam.<sup id="cite_ref-9" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Platonische_Akademie#cite_note-9 <span class="cite-bracket">[</span>9]]</sup> Hierin und in der starken Betonung der [https://de.wikipedia.org/wiki/Mathematik Mathematik] als Grundlagenwissenschaft<sup id="cite_ref-10" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Platonische_Akademie#cite_note-10 <span class="cite-bracket">[</span>10]]</sup> zeigte sich wohl [https://de.wikipedia.org/wiki/Pythagoräer pythagoräischer] Einfluss; Platon hatte in Unteritalien das pythagoräische Konzept einer Studien- und [https://de.wikipedia.org/wiki/Lebensgemeinschaft Lebensgemeinschaft] kennengelernt. Für Griechenland neuartig – und wohl vom Vorbild des pythagoräischen Schulbetriebs in Italien angeregt – war die Idee, dass die Schule nicht von der Präsenz des Gründers abhing, sondern nach seinem Tod fortbestand. Forschung und Lehre waren – soweit für uns erkennbar – im Prinzip [https://de.wikipedia.org/wiki/Forschungsfreiheit frei], wobei der Umstand eine Rolle spielte, dass Platon eine dogmatische Fixierung seiner Lehre ablehnte. Einzelne Lehrmeinungen, die denen Platons entgegengesetzt waren, konnten in der Akademie vertreten werden.<sup id="cite_ref-11" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Platonische_Akademie#cite_note-11 <span class="cite-bracket">[</span>11]]</sup> Die Lehrenden und Lernenden teilten aber Platons Grundüberzeugungen; wenn das nicht mehr der Fall war (wie bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Aristoteles Aristoteles]), verließ der Schüler die Akademie. Leiter der Schule war als Nachfolger Platons der [https://de.wikipedia.org/wiki/Scholarch Scholarch] (Schulhaupt); er wurde von den Schülern auf Lebenszeit gewählt. Schon zu Platons Lebzeiten genoss die Schule in der Öffentlichkeit hohes Ansehen, und fähige Persönlichkeiten schlossen sich ihr an.
Der Unterricht fand teils auf Platons Grundstück, teils auf öffentlichem Grund im nahen [[Gymnasion]] statt. Frühe Quellen berichten, dass sich auf dem Grundstück ein Säulengang (Peripatos), ein Museion, Büsten des Sokrates und Platon, das Grabmal Platons und eine Exedra befanden.<ref>Kilian Fleischer: Philodem, Geschichte der Akademie. Einführung, Ausgabe, Kommentar. Brill, Leiden/Boston 2023, ISBN 978-90-04-54653-0, S. 288-296. Die Schilderung in Philodems ''Index Academicorum'', Kol. 2,6-38 geht auf Philochoros von Athen zurück.</ref> Fortgeschrittene Schüler übernahmen Lehr- und Forschungsaufgaben.<ref>John Patrick Lynch: ''Aristotle's School'', Berkeley 1972, S. 75f.; Hans Krämer: ''Die Ältere Akademie''. In: Hellmut Flashar (Hrsg.): ''Grundriss der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie der Antike'', Band 3: ''Ältere Akademie – Aristoteles – Peripatos'', 2. Auflage, Basel 2004, S. 1–165, hier: 4; Matthias Baltes: ''Plato's School, the Academy''. In: Matthias Baltes: ''Dianoemata. Kleine Schriften zu Platon und zum Platonismus'', Stuttgart und Leipzig 1999, S. 249–273, hier: 252f.</ref> Die Frage, ob bzw. inwieweit die Wissensvermittlung formell organisiert war und in welchen Formen sie stattfand, ist umstritten, insbesondere hinsichtlich der Rolle des Lehrvortrags.<ref>Frederick A.C. Beck: ''Greek Education 450–350 B.C.'' London 1964, S. 227–239; Hans Krämer: ''Die Ältere Akademie''. In: Hellmut Flashar (Hrsg.): ''Grundriss der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie der Antike'', Band 3: ''Ältere Akademie – Aristoteles – Peripatos'', 2. Auflage, Basel 2004, S. 1–165, hier: 5f.</ref> Der Unterricht war normalerweise kostenlos, und es galt das für damalige Verhältnisse ungewöhnliche Prinzip der Gleichberechtigung der Lernenden, es fehlte also eine auf Abstammung und Herkunft basierende soziale Rangordnung.<ref>Detlef Thiel: ''Die Philosophie des Xenokrates im Kontext der Alten Akademie'', München 2006, S. 40; Matthias Baltes: ''Plato's School, the Academy''. In: Matthias Baltes: ''Dianoemata. Kleine Schriften zu Platon und zum Platonismus'', Stuttgart und Leipzig 1999, S. 249–273, hier: 256.</ref> Für Frauen an der Akademie gibt es eine Reihe von Belegen; zwei Schülerinnen Platons und seines Nachfolgers [[Speusippos]], [[Axiothea von Phleius]] und [[Lastheneia von Mantineia]], sind namentlich bekannt.<ref>Diogenes Laertios 3,46 und 4,2. Siehe dazu Tiziano Dorandi: ''Assiotea e Lastenia. Due donne all'Academia''. In: ''Atti e Memorie dell'Accademia Toscana di Scienze e Lettere „La Colombaria“'' 54, 1989, S. 53–66.</ref> Die Schulmitglieder verstanden sich als Lebensgemeinschaft, was unter anderem in gemeinsamen Mahlzeiten, [[Symposion|Symposien]] und Festen zum Ausdruck kam.<ref>Detlef Thiel: ''Die Philosophie des Xenokrates im Kontext der Alten Akademie'', München 2006, S. 41f.</ref> Hierin und in der starken Betonung der [[Mathematik]] als Grundlagenwissenschaft<ref>Siehe dazu Detlef Thiel: ''Die Philosophie des Xenokrates im Kontext der Alten Akademie'', München 2006, S. 48–51.</ref> zeigte sich wohl [[Pythagoreer|pythagoreischer]] Einfluss; Platon hatte in Unteritalien das pythagoreische Konzept einer Studien- und [[Lebensgemeinschaft]] kennengelernt. Für Griechenland neuartig – und wohl vom Vorbild des pythagoreischen Schulbetriebs in Italien angeregt – war die Idee, dass die Schule nicht von der Präsenz des Gründers abhing, sondern nach seinem Tod fortbestand. Forschung und Lehre waren – soweit für uns erkennbar – im Prinzip [[Forschungsfreiheit|frei]], wobei der Umstand eine Rolle spielte, dass Platon eine dogmatische Fixierung seiner Lehre ablehnte. Einzelne Lehrmeinungen, die denen Platons entgegengesetzt waren, konnten in der Akademie vertreten werden.<ref>Matthias Baltes: ''Plato's School, the Academy''. In: Matthias Baltes: ''Dianoemata. Kleine Schriften zu Platon und zum Platonismus'', Stuttgart und Leipzig 1999, S. 249–273, hier: 253.</ref> Die Lehrenden und Lernenden teilten aber Platons Grundüberzeugungen; wenn das nicht mehr der Fall war (wie bei [[Aristoteles]]), verließ der Schüler die Akademie. Leiter der Schule war als Nachfolger Platons der [[Scholarch]] (Schulhaupt); er wurde von den Schülern auf Lebenszeit gewählt. Schon zu Platons Lebzeiten genoss die Schule in der Öffentlichkeit hohes Ansehen, und fähige Persönlichkeiten schlossen sich ihr an.


Die von spätantiken Autoren überlieferte Behauptung, in Platons Akademie habe sich eine Inschrift befunden, die jedem der Geometrie Unkundigen den Eintritt untersagte, trifft sicher nicht zu.<sup id="cite_ref-12" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Platonische_Akademie#cite_note-12 <span class="cite-bracket">[</span>12]]</sup>
Die von spätantiken Autoren überlieferte Behauptung, in Platons Akademie habe sich eine Inschrift befunden, die jedem der Geometrie Unkundigen den Eintritt untersagte, trifft sicher nicht zu.<ref>Die Geschichte dieser Legende untersucht [[Henri-Dominique Saffrey]]: ''ΑΓΕΩΜΕΤΡΗΤΟΣ ΜΗΔΕΙΣ ΕΙΣΙΤΩ. Une inscription légendaire.'' In: ''[[Revue des Études Grecques|Revue des Études grecques]]'', Bd. 81, 1968, S. 67–87.</ref>


== Geschichte ==
== Geschichte ==
=== Ältere Akademie ===
Als „Ältere“ oder „Alte“ Akademie bezeichnet man die erste Phase von der Gründung bis zum Tode des Scholarchen [[Krates von Athen|Krates]] (268/264 v. Chr.). Solange Platons Zeitgenossen noch lebten, orientierte man sich an der Erinnerung an seinen mündlichen Unterricht. Dann begann die schriftliche Fixierung des Unterrichtsstoffs und die Kommentierung von [[Platonischer Dialog|Platons Dialogen]]. Die Scholarchen verfassten zahlreiche (heute meist verlorene) Schriften, deren überlieferte Titel einen Eindruck von ihrer universalen Bildung und der Vielfalt der Fächer vermitteln. Man befasste sich mit [[Metaphysik]], [[Ontologie]], [[Erkenntnistheorie]], [[Wissenschaftstheorie]], [[Dialektik]], [[Ethik]], [[Verfassungstheorie]], [[Mathematik]] und [[Geometrie]], [[Astronomie]], [[Kosmologie]], [[Physik]], [[Seele#Traditionelle Vorstellungen und Lehren|Seelenlehre]], [[Sprachwissenschaft]], philosophischer [[Theologie]] und [[Dämonologie|Dämonenlehre]]. Man griff Fragen auf, die Platon angeregt, aber nicht zu einer Lösung gebracht hatte; die Mehrdeutigkeit seiner Dialoge bot vielfältige Ansatzpunkte zum Weiterdenken. Ein Merkmal der Akademie wurde die tiefe, geradezu religiöse Verehrung Platons und die Feier seines Geburtstags am siebten Tag des Monats Thargelion (Mai/Juni), dem mythischen Geburtstag des Gottes [[Apollon]].


=== Ältere Akademie ===
Die Scholarchen der Älteren Akademie nach Platons Tod (348/347 v. Chr.) waren [[Speusippos]] (348/347–339), [[Xenokrates]] von [[Chalkedon]] (339–314), [[Polemon von Athen]] (314–270/269) und [[Krates von Athen]] (270/269–268/264). Weitere bedeutende Gelehrte, die in der Älteren Akademie mitarbeiteten, waren [[Eudoxos von Knidos]], [[Herakleides Pontikos]], [[Philippos von Opus]], [[Krantor von Soloi|Krantor]] und – bis zu seinem Austritt – [[Aristoteles]].
<p>Als „Ältere“ oder „Alte“ Akademie bezeichnet man die erste Phase von der Gründung bis zum Tode des Scholarchen [https://de.wikipedia.org/wiki/Krates_von_Athen Krates](268/264 v. Chr.). Solange Platons Zeitgenossen noch lebten, orientierte man sich an der Erinnerung an seinen mündlichen Unterricht. Dann begann die schriftliche Fixierung des Unterrichtsstoffs und die Kommentierung von [https://de.wikipedia.org/wiki/Platonischer_Dialog Platons Dialogen]. Die Scholarchen verfassten zahlreiche (heute meist verlorene) Schriften, deren überlieferte Titel einen Eindruck von ihrer universalen Bildung und der Vielfalt der Fächer vermitteln. Man befasste sich mit [https://de.wikipedia.org/wiki/Metaphysik Metaphysik], [https://de.wikipedia.org/wiki/Ontologie Ontologie], [https://de.wikipedia.org/wiki/Erkenntnistheorie Erkenntnistheorie], [https://de.wikipedia.org/wiki/Wissenschaftstheorie Wissenschaftstheorie], [https://de.wikipedia.org/wiki/Dialektik Dialektik], [https://de.wikipedia.org/wiki/Ethik Ethik], [https://de.wikipedia.org/wiki/Verfassungstheorie Verfassungstheorie], [https://de.wikipedia.org/wiki/Mathematik Mathematik] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Geometrie Geometrie], [https://de.wikipedia.org/wiki/Astronomie Astronomie], [https://de.wikipedia.org/wiki/Kosmologie Kosmologie], [https://de.wikipedia.org/wiki/Physik Physik], [https://de.wikipedia.org/wiki/Seele#Traditionelle_Vorstellungen_und_Lehren Seelenlehre], [https://de.wikipedia.org/wiki/Sprachwissenschaft Sprachwissenschaft], philosophischer [https://de.wikipedia.org/wiki/Theologie Theologie] und [https://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%A4monologie Dämonenlehre]. Man griff Fragen auf, die Platon angeregt, aber nicht zu einer Lösung gebracht hatte; die Mehrdeutigkeit seiner Dialoge bot vielfältige Ansatzpunkte zum Weiterdenken. Ein Merkmal der Akademie wurde die tiefe, geradezu religiöse Verehrung Platons und die Feier seines Geburtstags am siebten Tag des Monats Thargelion (Mai/Juni), dem mythischen Geburtstag des Gottes [https://de.wikipedia.org/wiki/Apollon Apollon].</p><p>Die Scholarchen der Älteren Akademie nach Platons Tod (348/347 v. Chr.) waren [https://de.wikipedia.org/wiki/Speusippos Speusippos] (348/347–339), [https://de.wikipedia.org/wiki/Xenokrates Xenokrates] von [https://de.wikipedia.org/wiki/Chalkedon Chalkedon] (339–314), [https://de.wikipedia.org/wiki/Polemon_von_Athen Polemon von Athen] (314–270/269) und [https://de.wikipedia.org/wiki/Krates_von_Athen Krates von Athen] (270/269–268/264). Weitere bedeutende Gelehrte, die in der Älteren Akademie mitarbeiteten, waren [https://de.wikipedia.org/wiki/Eudoxos_von_Knidos Eudoxos von Knidos], [https://de.wikipedia.org/wiki/Herakleides_Pontikos Herakleides Pontikos], [https://de.wikipedia.org/wiki/Philippos_von_Opus Philippos von Opus], [https://de.wikipedia.org/wiki/Krantor_von_Soloi Krantor] und – bis zu seinem Austritt – [https://de.wikipedia.org/wiki/Aristoteles Aristoteles].</p>


=== Jüngere („skeptische“) Akademie ===
=== Jüngere („skeptische“) Akademie ===
<p>Einen überaus folgenschweren Einschnitt in der Geschichte der Akademie bildete der Amtsantritt des Scholarchen [[Arkesilaos]] zwischen 268 und 264 v. Chr. Mit ihm begann eine neue Epoche, die man je nach Einteilungsschema „Jüngere“ oder „Mittlere“ Akademie nennt. Innerhalb der Jüngeren Akademie wird von manchen Philosophiehistorikern eine „Mittlere“ und eine mit dem Scholarchen [https://de.wikipedia.org/wiki/Karneades_von_Kyrene Karneades von Kyrene] beginnende „Neue“ unterschieden.</p><p>Arkesilaos selbst war allerdings keineswegs der Ansicht, er vollziehe einen Traditionsbruch. Er wollte nur einen bestimmten Aspekt der Tradition, nämlich die in Platons Dialogen beschriebene tiefe Skepsis des [[Sokrates]] gegenüber voreiligen Entscheidungen und unzureichend begründeten dogmatischen Behauptungen, in den Mittelpunkt der Lehre stellen. So hielt der methodische Zweifel Einzug, was zur Abkehr von der bisherigen schulmäßigen Stoffvermittlung führte. Dieser [[Skeptizismus]], den spätere Scholarchen – besonders der sehr einflussreiche Karneades – weiter ausbauten, griff tatsächlich ein wichtiges Anliegen des Sokrates auf. Indem man aber die Möglichkeit gesicherter [[Wirklichkeitserkenntnis]] bestritt und sie durch abgestufte [[Wahrscheinlichkeitsannahmen]] ersetzte, änderte sich das Ziel des Disputierens. Wenn das Streben nach [[Wahrheitsfindung]], nach zuverlässigem Wissen als letztlich notwendigerweise vergeblich galt, drohte die Gefahr, dass der rhetorische Sieg über den Debattengegner, die bloße Widerlegung fremder Behauptungen als Ziel in den Vordergrund trat und schließlich zum Selbstzweck wurde. Das wäre in gewisser Hinsicht ein später Sieg der [[Sophistik]] über Sokrates und Platon. Das haben die skeptischen Lehrer zwar nicht gewollt, aber ihr grundsätzlicher Verzicht auf eigene Urteile konnte in letzter Konsequenz in eine Selbstaufhebung der Philosophie einmünden. Konsequenterweise machte die Skepsis des Karneades auch vor dem Skeptizismus selbst nicht Halt.</p><p>Die wichtigsten Scholarchen der Jüngeren Akademie waren Arkesilaos (268/264–241/240 v. Chr.), [https://de.wikipedia.org/wiki/Lakydes Lakydes] (241/240–224/223 v. Chr.), Karneades von Kyrene (vor 155–137/136 v. Chr.), [https://de.wikipedia.org/wiki/Kleitomachos Kleitomachos] (127/126–110/109 v. Chr.) und [https://de.wikipedia.org/wiki/Philon_von_Larisa Philon von Larisa] (110/109–88 v. Chr.). Philon floh im Jahr 88 wegen politischer Wirren in Athen nach Rom. Im Verlauf des [https://de.wikipedia.org/wiki/Mithridatische_Kriege Ersten Mithridatischen Krieges] eroberte der römische Feldherr [https://de.wikipedia.org/wiki/Sulla Sulla] im März 86 Athen, das Gelände des Akademie-Hains wurde verwüstet. Spätestens zu dieser Zeit endete der Unterrichtsbetrieb auf dem Gelände der Akademie definitiv.</p>
Einen überaus folgenschweren Einschnitt in der Geschichte der Akademie bildete der Amtsantritt des Scholarchen [[Arkesilaos]] zwischen 268 und 264 v. Chr. Mit ihm begann eine neue Epoche, die man je nach Einteilungsschema „Jüngere“ oder „Mittlere“ Akademie nennt. Innerhalb der Jüngeren Akademie wird von manchen Philosophiehistorikern eine „Mittlere“ und eine mit dem Scholarchen [[Karneades von Kyrene]] beginnende „Neue“ unterschieden.
 
Arkesilaos selbst war allerdings keineswegs der Ansicht, er vollziehe einen Traditionsbruch. Er wollte nur einen bestimmten Aspekt der Tradition, nämlich die in Platons Dialogen beschriebene tiefe Skepsis des [[Sokrates]] gegenüber voreiligen Entscheidungen und unzureichend begründeten dogmatischen Behauptungen, in den Mittelpunkt der Lehre stellen. So hielt der methodische Zweifel Einzug, was zur Abkehr von der bisherigen schulmäßigen Stoffvermittlung führte. Dieser [[Skeptizismus]], den spätere Scholarchen – besonders der sehr einflussreiche Karneades – weiter ausbauten, griff tatsächlich ein wichtiges Anliegen des Sokrates auf. Indem man aber die Möglichkeit gesicherter Wirklichkeitserkenntnis bestritt und sie durch abgestufte Wahrscheinlichkeitsannahmen ersetzte, änderte sich das Ziel des Disputierens. Wenn das Streben nach Wahrheitsfindung, nach zuverlässigem Wissen als letztlich notwendigerweise vergeblich galt, drohte die Gefahr, dass der rhetorische Sieg über den Debattengegner, die bloße Widerlegung fremder Behauptungen als Ziel in den Vordergrund trat und schließlich zum Selbstzweck wurde. Das wäre in gewisser Hinsicht ein später Sieg der [[Sophistik]] über Sokrates und Platon gewesen. Dies hatten die skeptischen Lehrer zwar nicht gewollt, aber ihr grundsätzlicher Verzicht auf eigene Urteile konnte in letzter Konsequenz in eine Selbstaufhebung der Philosophie einmünden. Konsequenterweise machte die Skepsis des Karneades auch vor dem Skeptizismus selbst nicht Halt.
 
Die wichtigsten Scholarchen der Jüngeren Akademie waren Arkesilaos (268/264–241/240 v. Chr.), [[Lakydes]] (241/240–224/223 v. Chr.), Karneades von Kyrene (vor 155–137/136 v. Chr.), [[Kleitomachos]] (127/126–110/109 v. Chr.) und [[Philon von Larisa]] (110/109–88 v. Chr.). Philon floh im Jahr 88 wegen politischer Wirren in Athen nach Rom. Im Verlauf des [[Mithridatische Kriege|Ersten Mithridatischen Krieges]] eroberte der römische Feldherr [[Sulla]] im März 86 Athen, das Gelände des Akademie-Hains wurde verwüstet. Spätestens zu dieser Zeit endete der Unterrichtsbetrieb auf dem Gelände der Akademie definitiv.


=== Neugründung des Antiochos ===
=== Neugründung des Antiochos ===
<p>Schon vor dem gewaltsamen Untergang der Jüngeren Akademie hatte [https://de.wikipedia.org/wiki/Antiochos_von_Askalon Antiochos] von [https://de.wikipedia.org/wiki/Askalon Askalon], ein Schüler Philons, sich von ihm getrennt und eine eigene Schule gegründet, die er programmatisch „Alte Akademie“ nannte. Damit wollte er an die ursprüngliche Schule Platons anknüpfen. Das war eine bewusste Abkehr vom Skeptizismus der Jüngeren Akademie, den Antiochos für unplatonisch hielt. Er war so stark von [https://de.wikipedia.org/wiki/Stoa stoischen] Lehren beeinflusst, dass er geradezu als Stoiker gelten konnte; nach seiner Ansicht stammten diese Lehren ursprünglich aus der Akademie. Sein Nachfolger war sein Bruder [https://de.wikipedia.org/wiki/Aristos Aristos]. Prominente Schüler waren die Römer [https://de.wikipedia.org/wiki/Marcus_Terentius_Varro Varro], [https://de.wikipedia.org/wiki/Marcus_Tullius_Cicero Cicero] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Marcus_Iunius_Brutus Brutus]. Nach Caesars Tod (44 v. Chr.) gab es in Athen keine Akademie als Stätte organisierter Ausbildung mehr, sondern nur noch einzelne Platoniker, die Unterricht erteilten.</p>
Schon vor dem gewaltsamen Untergang der Jüngeren Akademie hatte [[Antiochos von Askalon|Antiochos]] von [[Askalon]], ein Schüler Philons, sich von ihm getrennt und eine eigene Schule gegründet, die er programmatisch „Alte Akademie“ nannte. Damit wollte er an die ursprüngliche Schule Platons anknüpfen. Das war eine bewusste Abkehr vom Skeptizismus der Jüngeren Akademie, den Antiochos für unplatonisch hielt. Er war so stark von [[Stoa|stoischen]] Lehren beeinflusst, dass er geradezu als Stoiker gelten konnte; nach seiner Ansicht stammten diese Lehren ursprünglich aus der Akademie. Sein Nachfolger war sein Bruder [[Aristos]]. Prominente Schüler waren die Römer [[Marcus Terentius Varro|Varro]], [[Marcus Tullius Cicero|Cicero]] und [[Marcus Iunius Brutus|Brutus]]. Nach Caesars Tod (44 v. Chr.) gab es in Athen keine Akademie als Stätte organisierter Ausbildung mehr, sondern nur noch einzelne Platoniker, die Unterricht erteilten.


=== Spätantike ===
=== Spätantike ===
<p>Im 3. Jahrhundert gründete [https://de.wikipedia.org/wiki/Longinos Longinos] in Athen wiederum eine kurzlebige platonische Schule. Aber erst im 5. Jahrhundert kam es zu einer nachhaltigen Wiederbelebung der Tradition platonischer Studien in einem institutionellen Rahmen. Einem reichen [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuplatonismus Neuplatoniker], [https://de.wikipedia.org/wiki/Plutarch_von_Athen Plutarch von Athen], gelang um 410 die Eröffnung des Unterrichtsbetriebs in einem Haus, das er dafür errichten ließ. Diese Schule berief sich nachdrücklich auf die Tradition der Akademie Platons. Mit [https://de.wikipedia.org/wiki/Proklos Proklos], dem berühmtesten dieser Neuplatoniker, erreichte diese Spätblüte ihren Höhepunkt. Doch hatte schon längst das Christentum die Macht im römischen Staat erlangt und war seit dem späten 4. Jahrhundert Staatsreligion, und so war der Untergang dieser [https://de.wikipedia.org/wiki/Sp%C3%A4tantike spätantiken]platonischen Schule nur eine Frage der Zeit. Obwohl die Athener Neuplatoniker das Christentum eindeutig ablehnten und ihre Schule ein Zentrum des geistigen Widerstandes gegen die herrschende Religion war, blieben sie erstaunlich lange unbehelligt. Erst 529 untersagte Kaiser [https://de.wikipedia.org/wiki/Justinian_I. Justinian I.] den Lehrbetrieb; etwas später wiederholte und verschärfte er das Verbot.<sup id="cite_ref-13" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Platonische_Akademie#cite_note-13 <span class="cite-bracket">[</span>13]]</sup> Strittig ist in der Forschung, ob es – wie der Chronist [https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Malalas Johannes Malalas] behauptet – einen besonderen kaiserlichen Erlass gab, der ein Ende des Philosophieunterrichts in Athen anordnete, oder ob es nur um die Umsetzung eines allgemeinen Lehrverbots für Personen, die sich der Taufe widersetzten, auch in Athen ging.<sup id="cite_ref-14" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Platonische_Akademie#cite_note-14 <span class="cite-bracket">[</span>14]]</sup> Faktisch führten die staatlichen Maßnahmen jedenfalls zur Schließung der Schule.</p><p>Vielleicht schon 531, spätestens 532 zogen sieben der letzten Athener Neuplatoniker – darunter [https://de.wikipedia.org/wiki/Damaskios Damaskios], der letzte Scholarch, und sein Schüler [https://de.wikipedia.org/wiki/Simplikios Simplikios] – an den Hof des [https://de.wikipedia.org/wiki/Sassanidenreich Perserkönigs] [https://de.wikipedia.org/wiki/Chosrau_I. Chosrau I.], wo sie mit Toleranz rechnen konnten.<sup id="cite_ref-15" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Platonische_Akademie#cite_note-15 <span class="cite-bracket">[</span>15]]</sup>Doch schon vor Ende 532 kehrten sie ins Oströmische Reich zurück, nachdem Chosrau im [https://de.wikipedia.org/wiki/Ewiger_Frieden Friedensvertrag] mit Justinian eine Garantie für ihre Sicherheit ausgehandelt hatte.<sup id="cite_ref-16" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Platonische_Akademie#cite_note-16 <span class="cite-bracket">[</span>16]]</sup></p><p>Die neuplatonische Schule des 5. und 6. Jahrhunderts wird in der Forschungsliteratur oft Akademie genannt, da sie ihren Sitz in Athen hatte und ihrem eigenen Selbstverständnis nach die Schule Platons war und sich eifrig um die Kommentierung seiner Werke bemühte, auch aus Treue zu seiner Lehre inhaltliche Kompromisse mit dem Christentum ablehnte. Die Berechtigung dieser Bezeichnung ist jedoch fraglich, da sie in den Quellen nicht bezeugt ist. Das ehemalige Gelände der Akademie befand sich im Besitz der Schule, diente aber nicht mehr als Unterrichtsstätte, sondern wurde verpachtet.<sup id="cite_ref-17" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Platonische_Akademie#cite_note-17 <span class="cite-bracket">[</span>17]]</sup></p>
Im 3. Jahrhundert gründete [[Longinos]] in Athen wiederum eine kurzlebige platonische Schule, aber erst im 5. Jahrhundert kam es zu einer nachhaltigen Wiederbelebung der Tradition platonischer Studien in einem institutionellen Rahmen. Einem reichen [[Neuplatonismus|Neuplatoniker]], [[Plutarch von Athen]], gelang um 410 die Eröffnung des Unterrichtsbetriebs in einem Haus, das er dafür errichten ließ. Diese Schule berief sich nachdrücklich auf die Tradition der Akademie Platons. Mit [[Proklos]], dem berühmtesten dieser Neuplatoniker, erreichte diese Spätblüte ihren Höhepunkt. Doch hatte schon längst das Christentum die Macht im römischen Staat erlangt und war seit dem späten 4. Jahrhundert Staatsreligion, und so war der Untergang dieser [[Spätantike|spätantiken]] platonischen Schule nur eine Frage der Zeit. Obwohl die Athener Neuplatoniker das Christentum eindeutig ablehnten und ihre Schule ein Zentrum des geistigen Widerstandes gegen die herrschende Religion war, blieben sie erstaunlich lange unbehelligt. Erst 529 untersagte Kaiser [[Justinian I.]] den Lehrbetrieb; etwas später wiederholte und verschärfte er das Verbot.<ref>Johannes Malalas, ''Chronik'' 18.47; zur Textüberlieferung siehe Edward Watts: ''Justinian, Malalas, and the End of Athenian Philosophical Teaching in A.D. 529''. In: ''The Journal of Roman Studies'' 94, 2004, S. 168–182, hier: 171f.; zur Datierung und zum Hintergrund James Allan Stewart Evans: ''The Age of Justinian'', London 1996, S. 67–71.</ref> Strittig ist in der Forschung, ob es – wie der Chronist [[Johannes Malalas]] behauptet – einen besonderen kaiserlichen Erlass gab, der ein Ende des Philosophieunterrichts in Athen anordnete, oder ob es nur um die Umsetzung eines allgemeinen Lehrverbots für Personen, die sich der Taufe widersetzten, auch in Athen ging.<ref>Siehe hierzu Edward Watts: ''Justinian, Malalas, and the End of Athenian Philosophical Teaching in A.D. 529''. In: ''The Journal of Roman Studies'' 94, 2004, S. 168–182, hier: 172f.; [[Rainer Thiel (Philologe)|Rainer Thiel]]: ''Simplikios und das Ende der neuplatonischen Schule in Athen'', Stuttgart 1999, S. 16f.; [[Udo Hartmann]]: ''Geist im Exil. Römische Philosophen am Hof der Sasaniden.'' In: [[Monika Schuol]] u. a. (Hrsg.): ''Grenzüberschreitungen. Formen des Kontakts zwischen Orient und Okzident im Altertum'', Stuttgart 2002, S. 123–160, hier: S. 135 und Anm. 38.</ref> Faktisch führten die staatlichen Maßnahmen jedenfalls zur Schließung der Schule.
 
Vielleicht schon 531, spätestens 532 zogen sieben der letzten Athener Neuplatoniker – darunter [[Damaskios]], der letzte Scholarch, und sein Schüler [[Simplikios]] – an den Hof des [[Sassanidenreich|Perserkönigs]] [[Chosrau I.]], wo sie mit Toleranz rechnen konnten.<ref>[[Agathias]] 2,30,3–4.</ref> Doch schon vor Ende 532 kehrten sie ins Oströmische Reich zurück, nachdem Chosrau im [[Ewiger Frieden|Friedensvertrag]] mit Justinian eine Garantie für ihre Sicherheit ausgehandelt hatte.<ref>Zur Datierung und zu den Einzelheiten siehe Udo Hartmann: ''Geist im Exil. Römische Philosophen am Hof der Sasaniden.'' In: Monika Schuol u. a. (Hrsg.): ''Grenzüberschreitungen. Formen des Kontakts zwischen Orient und Okzident im Altertum'', Stuttgart 2002, S. 123–160, hier: 135ff.; Edward Watts: ''Where to Live the Philosophical Life in the Sixth Century? Damascius, Simplicius, and the Return from Persia''. In: ''Greek, Roman, and Byzantine Studies'' 45, 2005, S. 285–315 ([http://www.duke.edu/web/classics/grbs/FTexts/45/Watts.pdf online]); Ilsetraut Hadot: ''Dans quel lieu le néoplatonicien Simplicius a-t-il fondé son école de mathématiques, et où a pu avoir lieu son entretien avec un manichéen?'' In: ''[[The International Journal of the Platonic Tradition]]'' 1, 2007, S. 42–107, hier: 44–49.</ref>
 
Die neuplatonische Schule des 5. und 6. Jahrhunderts wird in der Forschungsliteratur oft Akademie genannt, da sie ihren Sitz in Athen hatte und ihrem eigenen Selbstverständnis nach die Schule Platons war und sich eifrig um die Kommentierung seiner Werke bemühte, auch aus Treue zu seiner Lehre inhaltliche Kompromisse mit dem Christentum ablehnte. Die Berechtigung dieser Bezeichnung ist jedoch fraglich, da sie in den Quellen nicht bezeugt ist. Das ehemalige Gelände der Akademie befand sich im Besitz der Schule, diente aber nicht mehr als Unterrichtsstätte, sondern wurde verpachtet.<ref>[[Heinrich Dörrie]]: ''Der Platonismus in der Antike'', Band 1, Stuttgart 1987, S. 550f.</ref>


== Rezeption in der Renaissance ==
== Rezeption in der Renaissance ==
<p>Schon am Anfang des 15. Jahrhunderts bestanden in Florenz Gesprächskreise, die sich dem Studium antiker Literatur widmeten und dabei an die Akademie-Idee anknüpften. Nach der Jahrhundertmitte tauchten Begriffe wie ''Neue Akademie'' oder ''Florentiner Akademie'' auf. Dabei handelte es sich um lockere Gruppen von [https://de.wikipedia.org/wiki/Humanist Humanisten] ohne feste Organisation und Mitgliedschaft. Einen derartigen Diskussionskreis bildete auch die Gruppe um den Florentiner Humanisten [https://de.wikipedia.org/wiki/Marsilio_Ficino Marsilio Ficino]. Ficino erfreute sich der Gunst des [https://de.wikipedia.org/wiki/Cosimo_de%E2%80%99_Medici Cosimo de’ Medici], der ihm im April 1463 ein Landhaus in Careggi bei Florenz schenkte. Die früher allgemein vertretene Auffassung, dass es in Careggi eine Institution namens „Platonische Akademie“ gab, ein Zentrum des geistigen Lebens und Treffpunkt einer Gemeinschaft bedeutender Florentiner Humanisten, ist aber von James Hankins als unzutreffend erwiesen worden.<sup id="cite_ref-18" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Platonische_Akademie#cite_note-18 <span class="cite-bracket">[</span>18]]</sup> Der Begriff ''Platonische Akademie'' wurde von Ficino und seinen Zeitgenossen nicht verwendet, sondern ist eine Erfindung des 17. Jahrhunderts. Eine solche Bezeichnung wäre auch trotz Ficinos Enthusiasmus für Platon unpassend gewesen, denn viele der Beteiligten (Ficinos Gesprächspartner, Freunde und Schüler) waren keine Platoniker und die meisten waren eher Dichter und Literaten als Philosophen. Es gab keine wissenschaftlichen Projekte von Ficinos Akademie, sondern nur Unternehmungen der einzelnen Humanisten. Ficinos Hauptanliegen war eine Synthese von antikem Neuplatonismus und katholischem Christentum. Mit großem Fleiß widmete er sich der Übersetzung (ins Lateinische) und Kommentierung von Werken Platons und antiker Platoniker.</p><p>Im selben Zeitraum entstanden Akademien in Rom (ab 1464 [https://de.wikipedia.org/wiki/Accademia_Romana Accademia Romana] unter [https://de.wikipedia.org/wiki/Julius_Pomponius_Laetus Julius Pomponius Laetus]) und Neapel (zunächst als Gesprächskreis unter [https://de.wikipedia.org/wiki/Antonio_Beccadelli Antonio Beccadelli] († 1471); der eigentliche Gründer war [https://de.wikipedia.org/wiki/Giovanni_Pontano Giovanni Pontano], nach dem sie ''Accademia Pontaniana'' genannt wurde). [https://de.wikipedia.org/wiki/Aldus_Manutius Aldo Manuzio] gründete in Venedig eine ''Neoacademia'', in der die Humanisten ausschließlich in altgriechischer Sprache diskutierten. Im 16. Jahrhundert errichteten in ganz Italien Gelehrte und gebildete Bürger Hunderte von (teilweise kurzlebigen) Akademien. Diese privater Initiative entsprungenen Einrichtungen waren im Prinzip autonom. Im Vordergrund standen typisch humanistische Anliegen, vorwiegend literarische und philologische sowie sonstige altertumskundliche Studien.</p>
Schon am Anfang des 15. Jahrhunderts bestanden in Florenz Gesprächskreise, die sich dem Studium antiker Literatur widmeten und dabei an die Akademie-Idee anknüpften. Nach der Jahrhundertmitte tauchten Begriffe wie ''Neue Akademie'' oder ''Florentiner Akademie'' auf. Dabei handelte es sich um lockere Gruppen von [[Humanist]]en ohne feste Organisation und Mitgliedschaft. Einen derartigen Diskussionskreis bildete auch die Gruppe um den Florentiner Humanisten [[Marsilio Ficino]]. Ficino erfreute sich der Gunst des [[Cosimo de’ Medici]], der ihm im April 1463 ein Landhaus in Careggi bei Florenz schenkte. Die früher allgemein vertretene Auffassung, dass es in Careggi eine Institution namens „Platonische Akademie“ gab, ein Zentrum des geistigen Lebens und Treffpunkt einer Gemeinschaft bedeutender Florentiner Humanisten, ist aber von James Hankins als unzutreffend erwiesen worden.<ref>James Hankins: ''The Myth of the Platonic Academy''. In: James Hankins: ''Humanism and Platonism in the Italian Renaissance'', Band 2, Rom 2004, S. 185–395.</ref> Der Begriff ''Platonische Akademie'' wurde von Ficino und seinen Zeitgenossen nicht verwendet, sondern ist eine Erfindung des 17. Jahrhunderts. Eine solche Bezeichnung wäre auch trotz Ficinos Enthusiasmus für Platon unpassend gewesen, denn viele der Beteiligten (Ficinos Gesprächspartner, Freunde und Schüler) waren keine Platoniker und die meisten waren eher Dichter und Literaten als Philosophen. Es gab keine wissenschaftlichen Projekte von Ficinos Akademie, sondern nur Unternehmungen der einzelnen Humanisten. Ficinos Hauptanliegen war eine Synthese von antikem Neuplatonismus und katholischem Christentum. Mit großem Fleiß widmete er sich der Übersetzung (ins Lateinische) und Kommentierung von Werken Platons und antiker Platoniker.


== S.a. ==
Im selben Zeitraum entstanden Akademien in Rom (ab 1464 [[Accademia Romana]] unter [[Julius Pomponius Laetus]]) und Neapel (zunächst als Gesprächskreis unter [[Antonio Beccadelli]] († 1471); der eigentliche Gründer war [[Giovanni Pontano]], nach dem sie ''Accademia Pontaniana'' genannt wurde). [[Aldus Manutius|Aldo Manuzio]] gründete in Venedig eine ''Neoacademia'', in der die Humanisten ausschließlich in altgriechischer Sprache diskutierten. Im 16. Jahrhundert errichteten in ganz Italien Gelehrte und gebildete Bürger Hunderte von (teilweise kurzlebigen) Akademien. Diese privater Initiative entsprungenen Einrichtungen waren im Prinzip autonom. Im Vordergrund standen typisch humanistische Anliegen, vorwiegend literarische und philologische sowie sonstige altertumskundliche Studien.
[https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Vertreter_und_Rezipienten_des_Platonismus Liste der Vertreter und Rezipienten des Platonismus]


== Lit. ==
== Siehe auch ==
* [[Liste der Vertreter und Rezipienten des Platonismus]]
 
== Literatur ==
'''Übersichtsdarstellungen in Handbüchern'''
'''Übersichtsdarstellungen in Handbüchern'''
*Marie-Françoise Billot: ''Académie (topographie et archéologie).'' In: Richard Goulet (Hrsg.): ''Dictionnaire des philosophes antiques.'' Band 1, CNRS, Paris 1989, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/2222040426 ISBN 2-222-04042-6], S. 693–789
* Marie-Françoise Billot: ''Académie (topographie et archéologie).'' In: Richard Goulet (Hrsg.): ''Dictionnaire des philosophes antiques.'' Band 1, CNRS, Paris 1989, ISBN 2-222-04042-6, S. 693–789
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Woldemar_G%C3%B6rler Woldemar Görler]: ''Älterer Pyrrhonismus, Jüngere Akademie, Antiochos aus Askalon''. In: [https://de.wikipedia.org/wiki/Hellmut_Flashar Hellmut Flashar] (Hrsg.): ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Grundriss_der_Geschichte_der_Philosophie Grundriss der Geschichte der Philosophie]. Die Philosophie der Antike'', Band 4: ''Die hellenistische Philosophie'', 2. Halbband, Schwabe, Basel 1994, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3796509304 ISBN 3-7965-0930-4], S. 717–989
* [[Woldemar Görler]]: ''Älterer Pyrrhonismus, Jüngere Akademie, Antiochos aus Askalon''. In: [[Hellmut Flashar]] (Hrsg.): ''[[Grundriss der Geschichte der Philosophie]]. Die Philosophie der Antike'', Band 4: ''Die hellenistische Philosophie'', 2. Halbband, Schwabe, Basel 1994, ISBN 3-7965-0930-4, S. 717–989
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Kr%C3%A4mer_(Philosoph) Hans Krämer]: ''Die Ältere Akademie''. In: Hellmut Flashar (Hrsg.): ''Grundriss der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie der Antike'', Band 3: ''Ältere Akademie – Aristoteles – Peripatos'', 2., durchgesehene und erweiterte Auflage, Schwabe, Basel 2004, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3796519989 ISBN 3-7965-1998-9], S. 1–165
* [[Hans Krämer (Philosoph)|Hans Krämer]]: ''Die Ältere Akademie''. In: Hellmut Flashar (Hrsg.): ''Grundriss der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie der Antike'', Band 3: ''Ältere Akademie – Aristoteles – Peripatos'', 2., durchgesehene und erweiterte Auflage, Schwabe, Basel 2004, ISBN 3-7965-1998-9, S. 1–165
<p>'''Untersuchungen zur Philosophie und zum Schulbetrieb'''</p>
<!-- hier bitte NICHT den extrem veralteten RE-Artikel von Natorp, 1893, einfügen -->
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Matthias_Baltes Matthias Baltes]: ''Plato's School, the Academy''. In: Matthias Baltes: ''Dianoemata. Kleine Schriften zu Platon und zum Platonismus''. Teubner, Stuttgart/Leipzig 1999, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3519076721 ISBN 3-519-07672-1], S. 249–273
'''Untersuchungen zur Philosophie und zum Schulbetrieb'''
*[https://de.wikipedia.org/wiki/John_M._Dillon John M. Dillon]: ''The Heirs of Plato. A Study of the Old Academy (347–274 BC)''. Oxford University Press, Oxford 2003, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/0198237669 ISBN 0-19-823766-9]
* [[Matthias Baltes]]: ''Plato's School, the Academy''. In: Matthias Baltes: ''Dianoemata. Kleine Schriften zu Platon und zum Platonismus''. Teubner, Stuttgart/Leipzig 1999, ISBN 3-519-07672-1, S. 249–273
<p>'''Untersuchungen zur Archäologie'''</p>
* [[John M. Dillon]]: ''The Heirs of Plato. A Study of the Old Academy (347–274 BC)''. Oxford University Press, Oxford 2003, ISBN 0-19-823766-9
*Ada Caruso: ''Akademia. Archeologia di una scuola filosofica ad Atene da Platone a Proclo (387 a.C. – 485 d.C)'' (= ''Studi di Archeologia e di Topografia di Atene e dell'Attica'', 6). Edizioni Pandemos, Athen/Paestum 2013, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9788887744491 ISBN 978-88-87744-49-1]([http://bmcr.brynmawr.edu/2013/2013-09-37.html Rezension] von [https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Lamberton Robert Lamberton])
'''Untersuchungen zur Archäologie'''
<p>'''Spätantike Rezeption (neuplatonische Schule)'''</p>
* Ada Caruso: ''Akademia. Archeologia di una scuola filosofica ad Atene da Platone a Proclo (387 a.C. – 485 d.C)'' (= ''Studi di Archeologia e di Topografia di Atene e dell'Attica'', 6). Edizioni Pandemos, Athen/Paestum 2013, ISBN 978-88-87744-49-1 ([http://bmcr.brynmawr.edu/2013/2013-09-37.html Rezension] von [[Robert Lamberton]])
*Edward Watts: ''Justinian, Malalas, and the End of Athenian Philosophical Teaching in AD 529''. In: ''[https://de.wikipedia.org/wiki/The_Journal_of_Roman_Studies The Journal of Roman Studies]'' 94, 2004, S. 168–182
'''Spätantike Rezeption (neuplatonische Schule)'''
*Edward Watts: ''City and School in Late Antique Athens and Alexandria.'' University of California Press, Berkeley 2006, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9780520258167 ISBN 978-0-520-25816-7]
* Edward Watts: ''Justinian, Malalas, and the End of Athenian Philosophical Teaching in AD 529''. In: ''[[The Journal of Roman Studies]]'' 94, 2004, S. 168–182
<p>'''Nachantike Rezeption'''</p>
* Edward Watts: ''City and School in Late Antique Athens and Alexandria.'' University of California Press, Berkeley 2006, ISBN 978-0-520-25816-7
*James Hankins: ''The Myth of the Platonic Academy of Florence''. In: ''Renaissance Quarterly'' 44, 1991, S. 429–475 (mit allgemeiner Erörterung des Begriffs Akademie im 15. Jahrhundert)
'''Nachantike Rezeption'''
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Stefan_Rebenich Stefan Rebenich]: ''Akademie''. In: ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Neue_Pauly Der Neue Pauly]'' (DNP), Band 13, Metzler, Stuttgart/Weimar 1999, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3476014835 ISBN 3-476-01483-5], Sp. 40–56 (über die Rezeption des Akademiegedankens seit der Renaissance)
* James Hankins: ''The Myth of the Platonic Academy of Florence''. In: ''Renaissance Quarterly'' 44, 1991, S. 429–475 (mit allgemeiner Erörterung des Begriffs Akademie im 15. Jahrhundert)
* [[Stefan Rebenich]]: ''Akademie''. In: ''[[Der Neue Pauly]]'' (DNP), Band 13, Metzler, Stuttgart/Weimar 1999, ISBN 3-476-01483-5, Sp. 40–56 (über die Rezeption des Akademiegedankens seit der Renaissance)
 
== Weblinks ==
{{Commonscat|Platonic Academy|Platonische Akademie}}
* Roman Eisele: [http://www.roman-eisele.de/rhet/stuff/CiceroAkademieKurzfsg.pdf ''Cicero und die Neue Akademie''], Tübingen 2004 (PDF; 91&nbsp;kB)
* Egon Gottwein: [http://www.gottwein.de/Eth/philos02b.php ''Platon und seine Schule'']
* {{IEP|https://iep.utm.edu/academy/|Plato: The Academy|Lewis Trelawny-Cassity}}


== Webl.'''<span class="plainlinks">[https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Platonic_Academy?uselang=de .]</span>''' ==
'''<span class="plainlinks">[https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Platonic_Academy?uselang=de <span lang="en">Commons</span>: Platonische Akademie]</span>'''&nbsp;– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
*Roman Eisele: [http://www.roman-eisele.de/rhet/stuff/CiceroAkademieKurzfsg.pdf ''Cicero und die Neue Akademie''], Tübingen 2004 (PDF; 91&nbsp;kB)
*Egon Gottwein: [http://www.gottwein.de/Eth/philos02b.php ''Platon und seine Schule'']
*Lewis Trelawny-Cassity:&nbsp;[https://iep.utm.edu/academy/ ''Plato: The Academy.''] In: J. Fieser, B. Dowden (Hrsg.): ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Internet_Encyclopedia_of_Philosophy Internet Encyclopedia of Philosophy]''.
<div class="mw-heading mw-heading2">
== Anmerkungen ==
== Anmerkungen ==
</div>
<references/>
#<span class="reference-text">Eine ältere Namensform, die im 6. Jahrhundert v. Chr. anscheinend noch vorherrschte, war ''Hekademos'', dementsprechend ''Hekademeia''; siehe Marie-Françoise Billot: ''Académie (topographie et archéologie)''. In: Richard Goulet (Hrsg.): ''Dictionnaire des philosophes antiques'', Bd. 1, Paris 1989, S. 693–789, hier: 697f.</span>
{{Coordinate|NS=37/59/33/N |EW=23/42/29/E|type=landmark|region=GR}}
#<span class="reference-text">Zur Topographie und den Ausgrabungen siehe die Übersichtsdarstellung von Marie-Françoise Billot: ''Académie (topographie et archéologie)''. In: Richard Goulet (Hrsg.): ''Dictionnaire des philosophes antiques'', Bd. 1, Paris 1989, S. 693–789.</span>
{{Normdaten|TYP=k|GND=1035537052|VIAF=301913189}}
#<span class="reference-text">Auch <span class="Grek" lang="grc-Grek">Ἀκαδημαϊκός</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">Akadēmaïkós</span>, <span class="Grek" lang="grc-Grek">Ἀκαδημικός</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">Akadēmikós</span> und weitere Formen, siehe [https://de.wikipedia.org/wiki/Henry_George_Liddell Henry George Liddell], [https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Scott_(Altphilologe) Robert Scott]: ''A Greek-English Lexicon'', 9. Auflage, Oxford 1940, S. 46 ([http://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus%3Atext%3A1999.04.0057%3Aentry%3D*)akadh%2Fmeia online]).</span>
 
#<span class="reference-text">Kilian Fleischer: Philodem, Geschichte der Akademie. Einführung, Ausgabe, Kommentar. Brill, Leiden/Boston 2023, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9789004546530 ISBN 978-90-04-54653-0], S. 288-296. Die Schilderung in Philodems ''Index Academicorum'', Kol. 2,6-38 geht auf Philochoros von Athen zurück.</span>
[[Kategorie:Griechische Philosophie]]
#<span class="reference-text">John Patrick Lynch: ''Aristotle's School'', Berkeley 1972, S. 75f.; Hans Krämer: ''Die Ältere Akademie''. In: Hellmut Flashar (Hrsg.): ''Grundriss der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie der Antike'', Band 3: ''Ältere Akademie – Aristoteles – Peripatos'', 2. Auflage, Basel 2004, S. 1–165, hier: 4; Matthias Baltes: ''Plato's School, the Academy''. In: Matthias Baltes: ''Dianoemata. Kleine Schriften zu Platon und zum Platonismus'', Stuttgart und Leipzig 1999, S. 249–273, hier: 252f.</span>
[[Kategorie:Philosophische Institution]]
#<span class="reference-text">Frederick A.C. Beck: ''Greek Education 450–350 B.C.'' London 1964, S. 227–239; Hans Krämer: ''Die Ältere Akademie''. In: Hellmut Flashar (Hrsg.): ''Grundriss der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie der Antike'', Band 3: ''Ältere Akademie – Aristoteles – Peripatos'', 2. Auflage, Basel 2004, S. 1–165, hier: 5f.</span>
[[Kategorie:Bildung (Antike)]]
#<span class="reference-text">Detlef Thiel: ''Die Philosophie des Xenokrates im Kontext der Alten Akademie'', München 2006, S. 40; Matthias Baltes: ''Plato's School, the Academy''. In: Matthias Baltes: ''Dianoemata. Kleine Schriften zu Platon und zum Platonismus'', Stuttgart und Leipzig 1999, S. 249–273, hier: 256.</span>
[[Kategorie:Platon]]
#<span class="reference-text">Diogenes Laertios 3,46 und 4,2. Siehe dazu Tiziano Dorandi: ''Assiotea e Lastenia. Due donne all'Academia''. In: ''Atti e Memorie dell'Accademia Toscana di Scienze e Lettere „La Colombaria“'' 54, 1989, S. 53–66.</span>
[[Kategorie:Platonismus]]
#<span class="reference-text">Detlef Thiel: ''Die Philosophie des Xenokrates im Kontext der Alten Akademie'', München 2006, S. 41f.</span>
[[Kategorie:Wikipedia.de Artikel]]
#<span class="reference-text">Siehe dazu Detlef Thiel: ''Die Philosophie des Xenokrates im Kontext der Alten Akademie'', München 2006, S. 48–51.</span>
#<span class="reference-text">Matthias Baltes: ''Plato's School, the Academy''. In: Matthias Baltes: ''Dianoemata. Kleine Schriften zu Platon und zum Platonismus'', Stuttgart und Leipzig 1999, S. 249–273, hier: 253.</span>
#<span class="reference-text">Die Geschichte dieser Legende untersucht Henri Dominique Saffrey: ''ΑΓΕΩΜΕΤΡΗΤΟΣ ΜΗΔΕΙΣ ΕΙΣΙΤΩ. Une inscription légendaire.'' In: ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Revue_des_%C3%89tudes_Grecques Revue des Études grecques]'', Bd. 81, 1968, S. 67–87.</span>
#<span class="reference-text">Johannes Malalas, ''Chronik'' 18.47; zur Textüberlieferung siehe Edward Watts: ''Justinian, Malalas, and the End of Athenian Philosophical Teaching in A.D. 529''. In: ''The Journal of Roman Studies'' 94, 2004, S. 168–182, hier: 171f.; zur Datierung und zum Hintergrund James Allan Stewart Evans: ''The Age of Justinian'', London 1996, S. 67–71.</span>
#<span class="reference-text">Siehe hierzu Edward Watts: ''Justinian, Malalas, and the End of Athenian Philosophical Teaching in A.D. 529''. In: ''The Journal of Roman Studies'' 94, 2004, S. 168–182, hier: 172f.; [https://de.wikipedia.org/wiki/Rainer_Thiel_(Philologe) Rainer Thiel]: ''Simplikios und das Ende der neuplatonischen Schule in Athen'', Stuttgart 1999, S. 16f.; [https://de.wikipedia.org/wiki/Udo_Hartmann Udo Hartmann]: ''Geist im Exil. Römische Philosophen am Hof der Sasaniden.'' In: [https://de.wikipedia.org/wiki/Monika_Schuol Monika Schuol] u. a. (Hrsg.): ''Grenzüberschreitungen. Formen des Kontakts zwischen Orient und Okzident im Altertum'', Stuttgart 2002, S. 123–160, hier: S. 135 und Anm. 38.</span>
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Agathias Agathias] 2,30,3–4.</span>
#<span class="reference-text">Zur Datierung und zu den Einzelheiten siehe Udo Hartmann: ''Geist im Exil. Römische Philosophen am Hof der Sasaniden.'' In: Monika Schuol u. a. (Hrsg.): ''Grenzüberschreitungen. Formen des Kontakts zwischen Orient und Okzident im Altertum'', Stuttgart 2002, S. 123–160, hier: 135ff.; Edward Watts: ''Where to Live the Philosophical Life in the Sixth Century? Damascius, Simplicius, and the Return from Persia''. In: ''Greek, Roman, and Byzantine Studies'' 45, 2005, S. 285–315 ([http://www.duke.edu/web/classics/grbs/FTexts/45/Watts.pdf online]); Ilsetraut Hadot: ''Dans quel lieu le néoplatonicien Simplicius a-t-il fondé son école de mathématiques, et où a pu avoir lieu son entretien avec un manichéen?'' In: ''[https://de.wikipedia.org/wiki/The_International_Journal_of_the_Platonic_Tradition The International Journal of the Platonic Tradition]'' 1, 2007, S. 42–107, hier: 44–49.</span>
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_D%C3%B6rrie Heinrich Dörrie]: ''Der Platonismus in der Antike'', Band 1, Stuttgart 1987, S. 550f.</span>
#<span class="reference-text">James Hankins: ''The Myth of the Platonic Academy''. In: James Hankins: ''Humanism and Platonism in the Italian Renaissance'', Band 2, Rom 2004, S. 185–395.</span>

Version vom 11. April 2026, 13:36 Uhr

Archäologische Ausgrabung der Platonischen Akademie im heutigen Athener Stadtteil Akadimia Platonos

Die Platonische Akademie (altgriechisch Άκαδήμεια Akadḗmeia oder Άκαδημία Akadēmía, latinisiert Academia) war die von Platon gegründete antike Philosophenschule in Athen.

Die Platonische Akademie war die älteste und längstlebige Institution dieser Art in Griechenland. Bei dem Akademeia genannten Hain des attischen Heros Akademos[1] im Nordwesten von Athen, außerhalb der Stadtmauer, kaufte Platon – wohl 387 v. Chr. – ein Grundstück, auf dem er einen Kultbezirk für die Musen einrichtete und philosophisch-wissenschaftlichen Unterricht zu erteilen begann.[2] Im Laufe der Zeit wurde der Name von dem Hain auf die Schule übertragen, und für die Schulmitglieder wurde die Bezeichnung Akademiker (Ἀκαδημεικός Akadēmeikós)[3] gebräuchlich.

Auf Platons Akadḗmeia geht der neuzeitliche Begriff Akademie für wissenschaftliche oder künstlerische Hochschulen sowie für Gelehrtenvereinigungen, etwa die Akademie der Wissenschaften, zurück.

Unterrichtsbetrieb

Der Unterricht fand teils auf Platons Grundstück, teils auf öffentlichem Grund im nahen Gymnasion statt. Frühe Quellen berichten, dass sich auf dem Grundstück ein Säulengang (Peripatos), ein Museion, Büsten des Sokrates und Platon, das Grabmal Platons und eine Exedra befanden.[4] Fortgeschrittene Schüler übernahmen Lehr- und Forschungsaufgaben.[5] Die Frage, ob bzw. inwieweit die Wissensvermittlung formell organisiert war und in welchen Formen sie stattfand, ist umstritten, insbesondere hinsichtlich der Rolle des Lehrvortrags.[6] Der Unterricht war normalerweise kostenlos, und es galt das für damalige Verhältnisse ungewöhnliche Prinzip der Gleichberechtigung der Lernenden, es fehlte also eine auf Abstammung und Herkunft basierende soziale Rangordnung.[7] Für Frauen an der Akademie gibt es eine Reihe von Belegen; zwei Schülerinnen Platons und seines Nachfolgers Speusippos, Axiothea von Phleius und Lastheneia von Mantineia, sind namentlich bekannt.[8] Die Schulmitglieder verstanden sich als Lebensgemeinschaft, was unter anderem in gemeinsamen Mahlzeiten, Symposien und Festen zum Ausdruck kam.[9] Hierin und in der starken Betonung der Mathematik als Grundlagenwissenschaft[10] zeigte sich wohl pythagoreischer Einfluss; Platon hatte in Unteritalien das pythagoreische Konzept einer Studien- und Lebensgemeinschaft kennengelernt. Für Griechenland neuartig – und wohl vom Vorbild des pythagoreischen Schulbetriebs in Italien angeregt – war die Idee, dass die Schule nicht von der Präsenz des Gründers abhing, sondern nach seinem Tod fortbestand. Forschung und Lehre waren – soweit für uns erkennbar – im Prinzip frei, wobei der Umstand eine Rolle spielte, dass Platon eine dogmatische Fixierung seiner Lehre ablehnte. Einzelne Lehrmeinungen, die denen Platons entgegengesetzt waren, konnten in der Akademie vertreten werden.[11] Die Lehrenden und Lernenden teilten aber Platons Grundüberzeugungen; wenn das nicht mehr der Fall war (wie bei Aristoteles), verließ der Schüler die Akademie. Leiter der Schule war als Nachfolger Platons der Scholarch (Schulhaupt); er wurde von den Schülern auf Lebenszeit gewählt. Schon zu Platons Lebzeiten genoss die Schule in der Öffentlichkeit hohes Ansehen, und fähige Persönlichkeiten schlossen sich ihr an.

Die von spätantiken Autoren überlieferte Behauptung, in Platons Akademie habe sich eine Inschrift befunden, die jedem der Geometrie Unkundigen den Eintritt untersagte, trifft sicher nicht zu.[12]

Geschichte

Ältere Akademie

Als „Ältere“ oder „Alte“ Akademie bezeichnet man die erste Phase von der Gründung bis zum Tode des Scholarchen Krates (268/264 v. Chr.). Solange Platons Zeitgenossen noch lebten, orientierte man sich an der Erinnerung an seinen mündlichen Unterricht. Dann begann die schriftliche Fixierung des Unterrichtsstoffs und die Kommentierung von Platons Dialogen. Die Scholarchen verfassten zahlreiche (heute meist verlorene) Schriften, deren überlieferte Titel einen Eindruck von ihrer universalen Bildung und der Vielfalt der Fächer vermitteln. Man befasste sich mit Metaphysik, Ontologie, Erkenntnistheorie, Wissenschaftstheorie, Dialektik, Ethik, Verfassungstheorie, Mathematik und Geometrie, Astronomie, Kosmologie, Physik, Seelenlehre, Sprachwissenschaft, philosophischer Theologie und Dämonenlehre. Man griff Fragen auf, die Platon angeregt, aber nicht zu einer Lösung gebracht hatte; die Mehrdeutigkeit seiner Dialoge bot vielfältige Ansatzpunkte zum Weiterdenken. Ein Merkmal der Akademie wurde die tiefe, geradezu religiöse Verehrung Platons und die Feier seines Geburtstags am siebten Tag des Monats Thargelion (Mai/Juni), dem mythischen Geburtstag des Gottes Apollon.

Die Scholarchen der Älteren Akademie nach Platons Tod (348/347 v. Chr.) waren Speusippos (348/347–339), Xenokrates von Chalkedon (339–314), Polemon von Athen (314–270/269) und Krates von Athen (270/269–268/264). Weitere bedeutende Gelehrte, die in der Älteren Akademie mitarbeiteten, waren Eudoxos von Knidos, Herakleides Pontikos, Philippos von Opus, Krantor und – bis zu seinem Austritt – Aristoteles.

Jüngere („skeptische“) Akademie

Einen überaus folgenschweren Einschnitt in der Geschichte der Akademie bildete der Amtsantritt des Scholarchen Arkesilaos zwischen 268 und 264 v. Chr. Mit ihm begann eine neue Epoche, die man je nach Einteilungsschema „Jüngere“ oder „Mittlere“ Akademie nennt. Innerhalb der Jüngeren Akademie wird von manchen Philosophiehistorikern eine „Mittlere“ und eine mit dem Scholarchen Karneades von Kyrene beginnende „Neue“ unterschieden.

Arkesilaos selbst war allerdings keineswegs der Ansicht, er vollziehe einen Traditionsbruch. Er wollte nur einen bestimmten Aspekt der Tradition, nämlich die in Platons Dialogen beschriebene tiefe Skepsis des Sokrates gegenüber voreiligen Entscheidungen und unzureichend begründeten dogmatischen Behauptungen, in den Mittelpunkt der Lehre stellen. So hielt der methodische Zweifel Einzug, was zur Abkehr von der bisherigen schulmäßigen Stoffvermittlung führte. Dieser Skeptizismus, den spätere Scholarchen – besonders der sehr einflussreiche Karneades – weiter ausbauten, griff tatsächlich ein wichtiges Anliegen des Sokrates auf. Indem man aber die Möglichkeit gesicherter Wirklichkeitserkenntnis bestritt und sie durch abgestufte Wahrscheinlichkeitsannahmen ersetzte, änderte sich das Ziel des Disputierens. Wenn das Streben nach Wahrheitsfindung, nach zuverlässigem Wissen als letztlich notwendigerweise vergeblich galt, drohte die Gefahr, dass der rhetorische Sieg über den Debattengegner, die bloße Widerlegung fremder Behauptungen als Ziel in den Vordergrund trat und schließlich zum Selbstzweck wurde. Das wäre in gewisser Hinsicht ein später Sieg der Sophistik über Sokrates und Platon gewesen. Dies hatten die skeptischen Lehrer zwar nicht gewollt, aber ihr grundsätzlicher Verzicht auf eigene Urteile konnte in letzter Konsequenz in eine Selbstaufhebung der Philosophie einmünden. Konsequenterweise machte die Skepsis des Karneades auch vor dem Skeptizismus selbst nicht Halt.

Die wichtigsten Scholarchen der Jüngeren Akademie waren Arkesilaos (268/264–241/240 v. Chr.), Lakydes (241/240–224/223 v. Chr.), Karneades von Kyrene (vor 155–137/136 v. Chr.), Kleitomachos (127/126–110/109 v. Chr.) und Philon von Larisa (110/109–88 v. Chr.). Philon floh im Jahr 88 wegen politischer Wirren in Athen nach Rom. Im Verlauf des Ersten Mithridatischen Krieges eroberte der römische Feldherr Sulla im März 86 Athen, das Gelände des Akademie-Hains wurde verwüstet. Spätestens zu dieser Zeit endete der Unterrichtsbetrieb auf dem Gelände der Akademie definitiv.

Neugründung des Antiochos

Schon vor dem gewaltsamen Untergang der Jüngeren Akademie hatte Antiochos von Askalon, ein Schüler Philons, sich von ihm getrennt und eine eigene Schule gegründet, die er programmatisch „Alte Akademie“ nannte. Damit wollte er an die ursprüngliche Schule Platons anknüpfen. Das war eine bewusste Abkehr vom Skeptizismus der Jüngeren Akademie, den Antiochos für unplatonisch hielt. Er war so stark von stoischen Lehren beeinflusst, dass er geradezu als Stoiker gelten konnte; nach seiner Ansicht stammten diese Lehren ursprünglich aus der Akademie. Sein Nachfolger war sein Bruder Aristos. Prominente Schüler waren die Römer Varro, Cicero und Brutus. Nach Caesars Tod (44 v. Chr.) gab es in Athen keine Akademie als Stätte organisierter Ausbildung mehr, sondern nur noch einzelne Platoniker, die Unterricht erteilten.

Spätantike

Im 3. Jahrhundert gründete Longinos in Athen wiederum eine kurzlebige platonische Schule, aber erst im 5. Jahrhundert kam es zu einer nachhaltigen Wiederbelebung der Tradition platonischer Studien in einem institutionellen Rahmen. Einem reichen Neuplatoniker, Plutarch von Athen, gelang um 410 die Eröffnung des Unterrichtsbetriebs in einem Haus, das er dafür errichten ließ. Diese Schule berief sich nachdrücklich auf die Tradition der Akademie Platons. Mit Proklos, dem berühmtesten dieser Neuplatoniker, erreichte diese Spätblüte ihren Höhepunkt. Doch hatte schon längst das Christentum die Macht im römischen Staat erlangt und war seit dem späten 4. Jahrhundert Staatsreligion, und so war der Untergang dieser spätantiken platonischen Schule nur eine Frage der Zeit. Obwohl die Athener Neuplatoniker das Christentum eindeutig ablehnten und ihre Schule ein Zentrum des geistigen Widerstandes gegen die herrschende Religion war, blieben sie erstaunlich lange unbehelligt. Erst 529 untersagte Kaiser Justinian I. den Lehrbetrieb; etwas später wiederholte und verschärfte er das Verbot.[13] Strittig ist in der Forschung, ob es – wie der Chronist Johannes Malalas behauptet – einen besonderen kaiserlichen Erlass gab, der ein Ende des Philosophieunterrichts in Athen anordnete, oder ob es nur um die Umsetzung eines allgemeinen Lehrverbots für Personen, die sich der Taufe widersetzten, auch in Athen ging.[14] Faktisch führten die staatlichen Maßnahmen jedenfalls zur Schließung der Schule.

Vielleicht schon 531, spätestens 532 zogen sieben der letzten Athener Neuplatoniker – darunter Damaskios, der letzte Scholarch, und sein Schüler Simplikios – an den Hof des Perserkönigs Chosrau I., wo sie mit Toleranz rechnen konnten.[15] Doch schon vor Ende 532 kehrten sie ins Oströmische Reich zurück, nachdem Chosrau im Friedensvertrag mit Justinian eine Garantie für ihre Sicherheit ausgehandelt hatte.[16]

Die neuplatonische Schule des 5. und 6. Jahrhunderts wird in der Forschungsliteratur oft Akademie genannt, da sie ihren Sitz in Athen hatte und ihrem eigenen Selbstverständnis nach die Schule Platons war und sich eifrig um die Kommentierung seiner Werke bemühte, auch aus Treue zu seiner Lehre inhaltliche Kompromisse mit dem Christentum ablehnte. Die Berechtigung dieser Bezeichnung ist jedoch fraglich, da sie in den Quellen nicht bezeugt ist. Das ehemalige Gelände der Akademie befand sich im Besitz der Schule, diente aber nicht mehr als Unterrichtsstätte, sondern wurde verpachtet.[17]

Rezeption in der Renaissance

Schon am Anfang des 15. Jahrhunderts bestanden in Florenz Gesprächskreise, die sich dem Studium antiker Literatur widmeten und dabei an die Akademie-Idee anknüpften. Nach der Jahrhundertmitte tauchten Begriffe wie Neue Akademie oder Florentiner Akademie auf. Dabei handelte es sich um lockere Gruppen von Humanisten ohne feste Organisation und Mitgliedschaft. Einen derartigen Diskussionskreis bildete auch die Gruppe um den Florentiner Humanisten Marsilio Ficino. Ficino erfreute sich der Gunst des Cosimo de’ Medici, der ihm im April 1463 ein Landhaus in Careggi bei Florenz schenkte. Die früher allgemein vertretene Auffassung, dass es in Careggi eine Institution namens „Platonische Akademie“ gab, ein Zentrum des geistigen Lebens und Treffpunkt einer Gemeinschaft bedeutender Florentiner Humanisten, ist aber von James Hankins als unzutreffend erwiesen worden.[18] Der Begriff Platonische Akademie wurde von Ficino und seinen Zeitgenossen nicht verwendet, sondern ist eine Erfindung des 17. Jahrhunderts. Eine solche Bezeichnung wäre auch trotz Ficinos Enthusiasmus für Platon unpassend gewesen, denn viele der Beteiligten (Ficinos Gesprächspartner, Freunde und Schüler) waren keine Platoniker und die meisten waren eher Dichter und Literaten als Philosophen. Es gab keine wissenschaftlichen Projekte von Ficinos Akademie, sondern nur Unternehmungen der einzelnen Humanisten. Ficinos Hauptanliegen war eine Synthese von antikem Neuplatonismus und katholischem Christentum. Mit großem Fleiß widmete er sich der Übersetzung (ins Lateinische) und Kommentierung von Werken Platons und antiker Platoniker.

Im selben Zeitraum entstanden Akademien in Rom (ab 1464 Accademia Romana unter Julius Pomponius Laetus) und Neapel (zunächst als Gesprächskreis unter Antonio Beccadelli († 1471); der eigentliche Gründer war Giovanni Pontano, nach dem sie Accademia Pontaniana genannt wurde). Aldo Manuzio gründete in Venedig eine Neoacademia, in der die Humanisten ausschließlich in altgriechischer Sprache diskutierten. Im 16. Jahrhundert errichteten in ganz Italien Gelehrte und gebildete Bürger Hunderte von (teilweise kurzlebigen) Akademien. Diese privater Initiative entsprungenen Einrichtungen waren im Prinzip autonom. Im Vordergrund standen typisch humanistische Anliegen, vorwiegend literarische und philologische sowie sonstige altertumskundliche Studien.

Siehe auch

Literatur

Übersichtsdarstellungen in Handbüchern

  • Marie-Françoise Billot: Académie (topographie et archéologie). In: Richard Goulet (Hrsg.): Dictionnaire des philosophes antiques. Band 1, CNRS, Paris 1989, ISBN 2-222-04042-6, S. 693–789
  • Woldemar Görler: Älterer Pyrrhonismus, Jüngere Akademie, Antiochos aus Askalon. In: Hellmut Flashar (Hrsg.): Grundriss der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie der Antike, Band 4: Die hellenistische Philosophie, 2. Halbband, Schwabe, Basel 1994, ISBN 3-7965-0930-4, S. 717–989
  • Hans Krämer: Die Ältere Akademie. In: Hellmut Flashar (Hrsg.): Grundriss der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie der Antike, Band 3: Ältere Akademie – Aristoteles – Peripatos, 2., durchgesehene und erweiterte Auflage, Schwabe, Basel 2004, ISBN 3-7965-1998-9, S. 1–165

Untersuchungen zur Philosophie und zum Schulbetrieb

  • Matthias Baltes: Plato's School, the Academy. In: Matthias Baltes: Dianoemata. Kleine Schriften zu Platon und zum Platonismus. Teubner, Stuttgart/Leipzig 1999, ISBN 3-519-07672-1, S. 249–273
  • John M. Dillon: The Heirs of Plato. A Study of the Old Academy (347–274 BC). Oxford University Press, Oxford 2003, ISBN 0-19-823766-9

Untersuchungen zur Archäologie

  • Ada Caruso: Akademia. Archeologia di una scuola filosofica ad Atene da Platone a Proclo (387 a.C. – 485 d.C) (= Studi di Archeologia e di Topografia di Atene e dell'Attica, 6). Edizioni Pandemos, Athen/Paestum 2013, ISBN 978-88-87744-49-1 (Rezension von Robert Lamberton)

Spätantike Rezeption (neuplatonische Schule)

  • Edward Watts: Justinian, Malalas, and the End of Athenian Philosophical Teaching in AD 529. In: The Journal of Roman Studies 94, 2004, S. 168–182
  • Edward Watts: City and School in Late Antique Athens and Alexandria. University of California Press, Berkeley 2006, ISBN 978-0-520-25816-7

Nachantike Rezeption

  • James Hankins: The Myth of the Platonic Academy of Florence. In: Renaissance Quarterly 44, 1991, S. 429–475 (mit allgemeiner Erörterung des Begriffs Akademie im 15. Jahrhundert)
  • Stefan Rebenich: Akademie. In: Der Neue Pauly (DNP), Band 13, Metzler, Stuttgart/Weimar 1999, ISBN 3-476-01483-5, Sp. 40–56 (über die Rezeption des Akademiegedankens seit der Renaissance)
Commons: Platonische Akademie – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

  1. ↑ Eine ältere Namensform, die im 6. Jahrhundert v. Chr. anscheinend noch vorherrschte, war Hekademos, dementsprechend Hekademeia; siehe Marie-Françoise Billot: Académie (topographie et archéologie). In: Richard Goulet (Hrsg.): Dictionnaire des philosophes antiques, Bd. 1, Paris 1989, S. 693–789, hier: 697f.
  2. ↑ Zur Topographie und den Ausgrabungen siehe die Übersichtsdarstellung von Marie-Françoise Billot: Académie (topographie et archéologie). In: Richard Goulet (Hrsg.): Dictionnaire des philosophes antiques, Bd. 1, Paris 1989, S. 693–789.
  3. ↑ Auch Ἀκαδημαϊκός Akadēmaïkós, Ἀκαδημικός Akadēmikós und weitere Formen, siehe Henry George Liddell, Robert Scott: A Greek-English Lexicon, 9. Auflage, Oxford 1940, S. 46 (online).
  4. ↑ Kilian Fleischer: Philodem, Geschichte der Akademie. Einführung, Ausgabe, Kommentar. Brill, Leiden/Boston 2023, ISBN 978-90-04-54653-0, S. 288-296. Die Schilderung in Philodems Index Academicorum, Kol. 2,6-38 geht auf Philochoros von Athen zurück.
  5. ↑ John Patrick Lynch: Aristotle's School, Berkeley 1972, S. 75f.; Hans Krämer: Die Ältere Akademie. In: Hellmut Flashar (Hrsg.): Grundriss der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie der Antike, Band 3: Ältere Akademie – Aristoteles – Peripatos, 2. Auflage, Basel 2004, S. 1–165, hier: 4; Matthias Baltes: Plato's School, the Academy. In: Matthias Baltes: Dianoemata. Kleine Schriften zu Platon und zum Platonismus, Stuttgart und Leipzig 1999, S. 249–273, hier: 252f.
  6. ↑ Frederick A.C. Beck: Greek Education 450–350 B.C. London 1964, S. 227–239; Hans Krämer: Die Ältere Akademie. In: Hellmut Flashar (Hrsg.): Grundriss der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie der Antike, Band 3: Ältere Akademie – Aristoteles – Peripatos, 2. Auflage, Basel 2004, S. 1–165, hier: 5f.
  7. ↑ Detlef Thiel: Die Philosophie des Xenokrates im Kontext der Alten Akademie, München 2006, S. 40; Matthias Baltes: Plato's School, the Academy. In: Matthias Baltes: Dianoemata. Kleine Schriften zu Platon und zum Platonismus, Stuttgart und Leipzig 1999, S. 249–273, hier: 256.
  8. ↑ Diogenes Laertios 3,46 und 4,2. Siehe dazu Tiziano Dorandi: Assiotea e Lastenia. Due donne all'Academia. In: Atti e Memorie dell'Accademia Toscana di Scienze e Lettere „La Colombaria“ 54, 1989, S. 53–66.
  9. ↑ Detlef Thiel: Die Philosophie des Xenokrates im Kontext der Alten Akademie, München 2006, S. 41f.
  10. ↑ Siehe dazu Detlef Thiel: Die Philosophie des Xenokrates im Kontext der Alten Akademie, München 2006, S. 48–51.
  11. ↑ Matthias Baltes: Plato's School, the Academy. In: Matthias Baltes: Dianoemata. Kleine Schriften zu Platon und zum Platonismus, Stuttgart und Leipzig 1999, S. 249–273, hier: 253.
  12. ↑ Die Geschichte dieser Legende untersucht Henri-Dominique Saffrey: ΑΓΕΩΜΕΤΡΗΤΟΣ ΜΗΔΕΙΣ ΕΙΣΙΤΩ. Une inscription légendaire. In: Revue des Études grecques, Bd. 81, 1968, S. 67–87.
  13. ↑ Johannes Malalas, Chronik 18.47; zur Textüberlieferung siehe Edward Watts: Justinian, Malalas, and the End of Athenian Philosophical Teaching in A.D. 529. In: The Journal of Roman Studies 94, 2004, S. 168–182, hier: 171f.; zur Datierung und zum Hintergrund James Allan Stewart Evans: The Age of Justinian, London 1996, S. 67–71.
  14. ↑ Siehe hierzu Edward Watts: Justinian, Malalas, and the End of Athenian Philosophical Teaching in A.D. 529. In: The Journal of Roman Studies 94, 2004, S. 168–182, hier: 172f.; Rainer Thiel: Simplikios und das Ende der neuplatonischen Schule in Athen, Stuttgart 1999, S. 16f.; Udo Hartmann: Geist im Exil. Römische Philosophen am Hof der Sasaniden. In: Monika Schuol u. a. (Hrsg.): Grenzüberschreitungen. Formen des Kontakts zwischen Orient und Okzident im Altertum, Stuttgart 2002, S. 123–160, hier: S. 135 und Anm. 38.
  15. ↑ Agathias 2,30,3–4.
  16. ↑ Zur Datierung und zu den Einzelheiten siehe Udo Hartmann: Geist im Exil. Römische Philosophen am Hof der Sasaniden. In: Monika Schuol u. a. (Hrsg.): Grenzüberschreitungen. Formen des Kontakts zwischen Orient und Okzident im Altertum, Stuttgart 2002, S. 123–160, hier: 135ff.; Edward Watts: Where to Live the Philosophical Life in the Sixth Century? Damascius, Simplicius, and the Return from Persia. In: Greek, Roman, and Byzantine Studies 45, 2005, S. 285–315 (online); Ilsetraut Hadot: Dans quel lieu le néoplatonicien Simplicius a-t-il fondé son école de mathématiques, et où a pu avoir lieu son entretien avec un manichéen? In: The International Journal of the Platonic Tradition 1, 2007, S. 42–107, hier: 44–49.
  17. ↑ Heinrich Dörrie: Der Platonismus in der Antike, Band 1, Stuttgart 1987, S. 550f.
  18. ↑ James Hankins: The Myth of the Platonic Academy. In: James Hankins: Humanism and Platonism in the Italian Renaissance, Band 2, Rom 2004, S. 185–395.

Koordinaten: 37° 59′ 33″ N, 23° 42′ 29″ O