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„transzendental“ – Versionsunterschied

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<p>transzendent + al | „(Sinne, Dasein) überschreiten“; der ''Transzendenz'' nahekommend, ähnlich, sich auf Transzendenz zielend, beziehend oder sich darauf stützend;</p>
<p>[[transzendent]] + [[-al]] | „(Sinne, Dasein) überschreiten“; der ''Transzendenz'' nahekommend, ähnlich, sich auf Transzendenz zielend, beziehend oder sich darauf stützend;</p>


transzendentale,transzendentalen,transzendentalem,transzendentaler,transzendentales
transzendentale,transzendentalen,transzendentalem,transzendentaler,transzendentales<p>vor&nbsp;jeder subjektiven Erfahrung&nbsp;liegend&nbsp;und die Erkenntnis der Gegenstände&nbsp;an sich&nbsp;erst&nbsp;ermöglichend; &nbsp;‘vor jeder Erfahrung und Erkenntnis liegend und diese erst ermöglichend’ (Mitte 18. Jh. Kant),&nbsp;mlat.&nbsp;''transcendentalis''&nbsp;‘übersinnlich’ + -al "seiend", Egsw.-Endung.</p><p>(Philosophie) Beschäftigt sich mit der a priori oder intuitiven Grundlage des Wissens, unabhängig von Erfahrung; alle anderen übertreffend; außerordentlich; mystisch oder übernatürlich.</p><p>(Philosophie, Metaphysik, Platonismus, christliche Theologie, normalerweise im Plural) Jede der drei transzendentalen Eigenschaften des Seins: Wahrheit, Schönheit oder Güte, die jeweils die Ideale von Wissenschaft, Kunst und Religion und die Hauptthemen des Studiums sind Logik, Ästhetik und Ethik.</p><p>Das Adjektiv&nbsp;'''transzendental'''&nbsp;(von&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/Latein lateinisch]&nbsp;''transcendere'', „überschreiten“) wird in&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/Erkenntnistheorie erkenntnistheoretischen]&nbsp;Zusammenhängen mit Bezug auf die Erfahrung verwendet – es bezeichnet Strukturen,&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/Begriff_(Philosophie) Begriffe]&nbsp;oder Erkenntnisfunktionen, die nicht durch&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/Empirie empirische]&nbsp;Erfahrung erworben werden können, deren Bestehen bzw. Gültigkeit aber vorausgesetzt werden muss, damit die Erfahrung einen&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/Wahrheit Wahrheitsgehalt]&nbsp;hat und somit&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/Erkenntnis Erkenntnis]&nbsp;und&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/Wissen Wissen]&nbsp;möglich sind. Da diese Bedingungen also einer jeden möglichen empirischen Erfahrung immer schon vorausliegen und den Bereich des empirisch Erfahrbaren insofern „überschreiten“, aber von diesem nicht losgelöst (transzendent, Transzendenz) sind, bezeichnet&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Kant Immanuel Kant]&nbsp;diese Bedingungen als „transzendental“. Die&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/Transzendentalphilosophie Transzendentalphilosophie]&nbsp;hat zur Aufgabenstellung, die&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/Subjekt_(Philosophie) subjektiven]&nbsp;allgemein-notwendigen Bedingungen für Bewusstseinsprozesse wie die Gewinnung von Erkenntnis bzw. Wissen oder die Ausrichtung auf das moralisch Gute<sup>[https://de.wikipedia.org/wiki/Transzendental#cite_note-1 [1]]</sup>&nbsp;zu untersuchen. Immanuel Kant beschreibt den&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/Erkenntnistheorie erkenntnistheoretischen]&nbsp;Gegenstandsbereich, der der Sinneserfahrung vorausliegt (und daher&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/A_priori a priori]&nbsp;genannt wird) in der&nbsp;''[https://de.wikipedia.org/wiki/Kritik_der_reinen_Vernunft Kritik der reinen Vernunft]''<sup>[https://de.wikipedia.org/wiki/Transzendental#cite_note-2 [2]]</sup>: „''Ich nenne alle Erkenntnis transzendental, die sich&nbsp;''[…]''&nbsp;mit unserer Erkenntnisart von Gegenständen, so fern diese&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/A_priori a priori]&nbsp;möglich sein soll, überhaupt beschäftigt.''“ (Immanuel Kant:&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Kant#Akademieausgabe AA]&nbsp;III, 43<sup>[https://de.wikipedia.org/wiki/Transzendental#cite_note-3 [3]]</sup>)</p><p>Die Eigenschaft „transzendental“ meint einen Zusammenhang mit der empirischen Erkenntnis von&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/Gegenstand Gegenständen]&nbsp;im Allgemeinen und in Absehung von den besonderen Erkenntnisvoraussetzungen eines spezifischen Gegenstands. Entlang dieser Linie bestimmt Kant die&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/Transzendentale_%C3%84sthetik Transzendentale Ästhetik]&nbsp;als Lehre von den Bedingungen der Wahrnehmung von etwas überhaupt, und die&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/Transzendentale_Logik Transzendentale Logik]&nbsp;als die Lehre vom gedanklichen Anteil der Gegenstandserkenntnis – im Unterschied zur allgemeinen formalen Logik, die ihm zufolge mit&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/Urteil_(Logik) Urteilen]und&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/Begriff_(Philosophie) Begriffen]&nbsp;unabhängig von jedem Gegenstandsbezug operieren, und zu den Gesetzen einer spezifischen Wissenschaft, die einzelne Gegenstände und Eigenschaften betreffen.</p><p>Kants Programm führte im&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Idealismus deutschen Idealismus]&nbsp;zum Anspruch, dass Transzendentales, weil&nbsp;''a priori''&nbsp;gültig, Erfahrung und Wissen&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/Letztbegr%C3%BCndung abschließend begründen]&nbsp;kann. Dieser Anspruch wurde in transzendentalen Konzepten – zum Beispiel in denen von&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Wilhelm_Joseph_Schelling Friedrich Schelling]&nbsp;und&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Gottlieb_Fichte Johann Gottlieb Fichte]&nbsp;– zur Konstruktion&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/Idealismus idealistischer]&nbsp;Philosophien und&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/Romantik romantischer]&nbsp;Kunsttheorien verwendet. Damit einher geht aber –&nbsp;entgegen Kants Ansicht –&nbsp;der Anspruch oder doch zumindest die Sehnsucht,&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/Transzendenz Transzendentes]&nbsp;zu erfassen. Auch an diese wiederhergestellte Einheit von&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/Kosmologie Kosmologie]&nbsp;und&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/Erkenntnistheorie Erkenntnistheorie]&nbsp;knüpft Ende des 19.&nbsp;Jahrhunderts der amerikanische&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/Transzendentalismus Transzendentalismus]an.</p>
 
<!-- /wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><p>vor&nbsp;jeder subjektiven Erfahrung&nbsp;liegend&nbsp;und die Erkenntnis der Gegenstände&nbsp;an sich&nbsp;erst&nbsp;ermöglichend; &nbsp;‘vor jeder Erfahrung und Erkenntnis liegend und diese erst ermöglichend’ (Mitte 18. Jh. Kant),&nbsp;mlat.&nbsp;''transcendentalis''&nbsp;‘übersinnlich’ + -al "seiend", Egsw.-Endung.</p>
 
<!-- /wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><p>(Philosophie) Beschäftigt sich mit der a priori oder intuitiven Grundlage des Wissens, unabhängig von Erfahrung; alle anderen übertreffend; außerordentlich; mystisch oder übernatürlich.</p>
 
<!-- /wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><p>(Philosophie, Metaphysik, Platonismus, christliche Theologie, normalerweise im Plural) Jede der drei transzendentalen Eigenschaften des Seins: Wahrheit, Schönheit oder Güte, die jeweils die Ideale von Wissenschaft, Kunst und Religion und die Hauptthemen des Studiums sind Logik, Ästhetik und Ethik.</p>
 
<!-- /wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><p>Das Adjektiv&nbsp;'''transzendental'''&nbsp;(von&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/Latein lateinisch]&nbsp;''transcendere'', „überschreiten“) wird in&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/Erkenntnistheorie erkenntnistheoretischen]&nbsp;Zusammenhängen mit Bezug auf die Erfahrung verwendet – es bezeichnet Strukturen,&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/Begriff_(Philosophie) Begriffe]&nbsp;oder Erkenntnisfunktionen, die nicht durch&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/Empirie empirische]&nbsp;Erfahrung erworben werden können, deren Bestehen bzw. Gültigkeit aber vorausgesetzt werden muss, damit die Erfahrung einen&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/Wahrheit Wahrheitsgehalt]&nbsp;hat und somit&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/Erkenntnis Erkenntnis]&nbsp;und&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/Wissen Wissen]&nbsp;möglich sind. Da diese Bedingungen also einer jeden möglichen empirischen Erfahrung immer schon vorausliegen und den Bereich des empirisch Erfahrbaren insofern „überschreiten“, aber von diesem nicht losgelöst (transzendent, Transzendenz) sind, bezeichnet&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Kant Immanuel Kant]&nbsp;diese Bedingungen als „transzendental“. Die&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/Transzendentalphilosophie Transzendentalphilosophie]&nbsp;hat zur Aufgabenstellung, die&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/Subjekt_(Philosophie) subjektiven]&nbsp;allgemein-notwendigen Bedingungen für Bewusstseinsprozesse wie die Gewinnung von Erkenntnis bzw. Wissen oder die Ausrichtung auf das moralisch Gute<sup>[https://de.wikipedia.org/wiki/Transzendental#cite_note-1 [1]]</sup>&nbsp;zu untersuchen. Immanuel Kant beschreibt den&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/Erkenntnistheorie erkenntnistheoretischen]&nbsp;Gegenstandsbereich, der der Sinneserfahrung vorausliegt (und daher&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/A_priori a priori]&nbsp;genannt wird) in der&nbsp;''[https://de.wikipedia.org/wiki/Kritik_der_reinen_Vernunft Kritik der reinen Vernunft]''<sup>[https://de.wikipedia.org/wiki/Transzendental#cite_note-2 [2]]</sup>: „''Ich nenne alle Erkenntnis transzendental, die sich&nbsp;''[…]''&nbsp;mit unserer Erkenntnisart von Gegenständen, so fern diese&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/A_priori a priori]&nbsp;möglich sein soll, überhaupt beschäftigt.''“ (Immanuel Kant:&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Kant#Akademieausgabe AA]&nbsp;III, 43<sup>[https://de.wikipedia.org/wiki/Transzendental#cite_note-3 [3]]</sup>)</p>
 
<!-- /wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><p>Die Eigenschaft „transzendental“ meint einen Zusammenhang mit der empirischen Erkenntnis von&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/Gegenstand Gegenständen]&nbsp;im Allgemeinen und in Absehung von den besonderen Erkenntnisvoraussetzungen eines spezifischen Gegenstands. Entlang dieser Linie bestimmt Kant die&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/Transzendentale_%C3%84sthetik Transzendentale Ästhetik]&nbsp;als Lehre von den Bedingungen der Wahrnehmung von etwas überhaupt, und die&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/Transzendentale_Logik Transzendentale Logik]&nbsp;als die Lehre vom gedanklichen Anteil der Gegenstandserkenntnis – im Unterschied zur allgemeinen formalen Logik, die ihm zufolge mit&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/Urteil_(Logik) Urteilen]und&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/Begriff_(Philosophie) Begriffen]&nbsp;unabhängig von jedem Gegenstandsbezug operieren, und zu den Gesetzen einer spezifischen Wissenschaft, die einzelne Gegenstände und Eigenschaften betreffen.</p>
 
<!-- /wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><p>Kants Programm führte im&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Idealismus deutschen Idealismus]&nbsp;zum Anspruch, dass Transzendentales, weil&nbsp;''a priori''&nbsp;gültig, Erfahrung und Wissen&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/Letztbegr%C3%BCndung abschließend begründen]&nbsp;kann. Dieser Anspruch wurde in transzendentalen Konzepten – zum Beispiel in denen von&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Wilhelm_Joseph_Schelling Friedrich Schelling]&nbsp;und&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Gottlieb_Fichte Johann Gottlieb Fichte]&nbsp;– zur Konstruktion&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/Idealismus idealistischer]&nbsp;Philosophien und&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/Romantik romantischer]&nbsp;Kunsttheorien verwendet. Damit einher geht aber –&nbsp;entgegen Kants Ansicht –&nbsp;der Anspruch oder doch zumindest die Sehnsucht,&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/Transzendenz Transzendentes]&nbsp;zu erfassen. Auch an diese wiederhergestellte Einheit von&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/Kosmologie Kosmologie]&nbsp;und&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/Erkenntnistheorie Erkenntnistheorie]&nbsp;knüpft Ende des 19.&nbsp;Jahrhunderts der amerikanische&nbsp;[https://de.wikipedia.org/wiki/Transzendentalismus Transzendentalismus]an.</p>

Aktuelle Version vom 15. Dezember 2023, 14:50 Uhr

transzendent + -al | „(Sinne, Dasein) überschreiten“; der Transzendenz nahekommend, ähnlich, sich auf Transzendenz zielend, beziehend oder sich darauf stützend;

transzendentale,transzendentalen,transzendentalem,transzendentaler,transzendentales

vor jeder subjektiven Erfahrung liegend und die Erkenntnis der Gegenstände an sich erst ermöglichend;  ‘vor jeder Erfahrung und Erkenntnis liegend und diese erst ermöglichend’ (Mitte 18. Jh. Kant), mlat. transcendentalis ‘übersinnlich’ + -al "seiend", Egsw.-Endung.

(Philosophie) Beschäftigt sich mit der a priori oder intuitiven Grundlage des Wissens, unabhängig von Erfahrung; alle anderen übertreffend; außerordentlich; mystisch oder übernatürlich.

(Philosophie, Metaphysik, Platonismus, christliche Theologie, normalerweise im Plural) Jede der drei transzendentalen Eigenschaften des Seins: Wahrheit, Schönheit oder Güte, die jeweils die Ideale von Wissenschaft, Kunst und Religion und die Hauptthemen des Studiums sind Logik, Ästhetik und Ethik.

Das Adjektiv transzendental (von lateinisch transcendere, „überschreiten“) wird in erkenntnistheoretischen Zusammenhängen mit Bezug auf die Erfahrung verwendet – es bezeichnet Strukturen, Begriffe oder Erkenntnisfunktionen, die nicht durch empirische Erfahrung erworben werden können, deren Bestehen bzw. Gültigkeit aber vorausgesetzt werden muss, damit die Erfahrung einen Wahrheitsgehalt hat und somit Erkenntnis und Wissen möglich sind. Da diese Bedingungen also einer jeden möglichen empirischen Erfahrung immer schon vorausliegen und den Bereich des empirisch Erfahrbaren insofern „überschreiten“, aber von diesem nicht losgelöst (transzendent, Transzendenz) sind, bezeichnet Immanuel Kant diese Bedingungen als „transzendental“. Die Transzendentalphilosophie hat zur Aufgabenstellung, die subjektiven allgemein-notwendigen Bedingungen für Bewusstseinsprozesse wie die Gewinnung von Erkenntnis bzw. Wissen oder die Ausrichtung auf das moralisch Gute[1] zu untersuchen. Immanuel Kant beschreibt den erkenntnistheoretischen Gegenstandsbereich, der der Sinneserfahrung vorausliegt (und daher a priori genannt wird) in der Kritik der reinen Vernunft[2]: „Ich nenne alle Erkenntnis transzendental, die sich […] mit unserer Erkenntnisart von Gegenständen, so fern diese a priori möglich sein soll, überhaupt beschäftigt.“ (Immanuel Kant: AA III, 43[3])

Die Eigenschaft „transzendental“ meint einen Zusammenhang mit der empirischen Erkenntnis von Gegenständen im Allgemeinen und in Absehung von den besonderen Erkenntnisvoraussetzungen eines spezifischen Gegenstands. Entlang dieser Linie bestimmt Kant die Transzendentale Ästhetik als Lehre von den Bedingungen der Wahrnehmung von etwas überhaupt, und die Transzendentale Logik als die Lehre vom gedanklichen Anteil der Gegenstandserkenntnis – im Unterschied zur allgemeinen formalen Logik, die ihm zufolge mit Urteilenund Begriffen unabhängig von jedem Gegenstandsbezug operieren, und zu den Gesetzen einer spezifischen Wissenschaft, die einzelne Gegenstände und Eigenschaften betreffen.

Kants Programm führte im deutschen Idealismus zum Anspruch, dass Transzendentales, weil a priori gültig, Erfahrung und Wissen abschließend begründen kann. Dieser Anspruch wurde in transzendentalen Konzepten – zum Beispiel in denen von Friedrich Schelling und Johann Gottlieb Fichte – zur Konstruktion idealistischer Philosophien und romantischer Kunsttheorien verwendet. Damit einher geht aber – entgegen Kants Ansicht – der Anspruch oder doch zumindest die Sehnsucht, Transzendentes zu erfassen. Auch an diese wiederhergestellte Einheit von Kosmologie und Erkenntnistheorie knüpft Ende des 19. Jahrhunderts der amerikanische Transzendentalismusan.