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„Werk:Compendium/17“ – Versionsunterschied

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Aktuelle Version vom 20. Juli 2026, 07:47 Uhr

▷Plures etiam | species per visum homo haurit quam brutum animal,[1] puta principaliter, quia sensus visus colorum species, per quas coloratorum ut coloratorum differentias attingit; et consequenter, quia sensus magnitudinis, longitudinis et latitudinis, figurationis, motus, quietis, numeri, temporis et loci species, tot species solus homo ratione utens per visum haurit. Ita per auditum species differentium sonorum, gravium, acutorum, mediorum, cantuum, notarum et talium sonorum, atque novem alias species communis sensus praemissas; ita de aliis sensibus. Trahitque ultra ex omnibus istis sensibilibus speciebus vis ratiocinativa species variarum artium, per quas supplet defectus sensuum, membrorum, infirmitatum atque se iuvat ad resistendum corporalibus nocumentis et ad expellendum ignorantiam et hebetudinem mentis et confortandum ipsam, ut proficiat et fiat homo speculator divinorum. Habetque cognatas species insensibilis virtutis, iusti et aequi, ut noscat, quid iustum, quid rectum, quid laudabile, quid pulchrum, quid delectabile et bonum et illorum contraria, et eligat bona et fiat bonus, virtuosus, prudens, castus, fortis et iustus.

Mehr Eigengestalten nimmt der Mensch durch das Sehen auf als ein unvernünftiges Tier. Ursprünglich z. B. deshalb, weil der Gesichtssinn die Eigengestalten der Farben aufnimmt, durch die er Unterschiede des Farbigen als Farbigen erreicht; in der Folge deshalb, weil der Sinn die Eigengestalten der Größe, Länge, Breite, Gestaltung, Bewegung, Ruhe, Zahl, Zeit und des Ortes aufnimmt. So viele Eigengestalten nimmt nur der Mensch, der den Verstand gebraucht, durch das Sehen auf. Ebenso nimmt er durch das Hören die Eigengestalten der verschiedenen Töne auf, der tiefen, hohen, mittleren, des Gesanges, der Noten und so weiter, wie auch die der neun anderen Eigengestalten des Gemeinsinnes, die wir schon genannt haben. Dasselbe gilt auch für die anderen Sinne. Die Kraft des verstandesmäßigen Denkens gewinnt aus allen diesen sinnlichen Eigengestalten außerdem noch die Eigengestalten der verschiedenen Künste, mittels derer es die Unzulänglichkeit der Sinne, Glieder und der körperlichen Schwäche ausgleicht. Auch hilft es sich damit, körperliche Schädigungen abzuwehren, die Unwissenheit und die Trägheit des Geistes abzulegen und den Geist zu stärken, auf daß der Mensch sich dadurch vollende und ein Betrachter der göttlichen Dinge werde. Er besitzt auch angeborene Eigengestalten der nichtsinnlichen Kraft, Gerechtigkeit und Gleichheit, so daß er weiß, was gerecht, richtig, lobenswert, schön, erfreulich und gut ist und was deren Gegenteil bedeutet; und er wählt das Gute und wird gut, stark, klug, keusch, tapfer und gerecht.◀▷

  1. ↑ fol.171r