„Sinnesempfindung“ – Versionsunterschied
| [ungesichtete Version] | [ungesichtete Version] |
Die Seite wurde neu angelegt: „mini|hochkant=1.5|Erkenntnis und ihre theoretische Reflexion; Abbildung aus [[James Ayscough, ''A Short Account of the Eye and Nature of Vision'' (London, 1752), S. 30]] '''Sinnesempfindung''' ist ein Begriff aus der Wahrnehmungstheorie. Bereits Immanuel Kant (1724–1804) gebrauchte den Begriff der ''Sinnenempfindung''.<ref name="KNS4">Immanuel Kant: ''Kriti…“ |
KKeine Bearbeitungszusammenfassung |
||
| Zeile 1: | Zeile 1: | ||
'''Sinnesempfindung''' ist ein Begriff aus der [[Wahrnehmungstheorie]]. Bereits [[Immanuel Kant]] (1724–1804) gebrauchte den Begriff der ''Sinnenempfindung''.<ref name="KNS4">[[Immanuel Kant]]: ''[[Kritik der Urteilskraft]]''. (1790) Herausgegeben von Wilhelm Weischedel, Sonderausgabe, Suhrkamp, Frankfurt / M 1995, stw, ISBN 3-518-09327-4, text- und seitenidentisch mit Bd. X der Werkausgabe. S. 222, KdU B 153, § 39. Es heißt dort: „''Wenn Empfindung ... auf Erkenntnis bezogen wird, so heißt sie Sinnenempfindung''.“</ref> Diese Theorie ist durch Ergebnisse der [[Hirnforschung]] als bestätigt anzusehen. Der Begriff erklärt sich seiner Wortzusammensetzung nach aus der [[Empfindung]] als durch [[Reiz]]einwirkung vermittels der [[Sinnesorgan]]e hervorgerufener Elementarvorgang. Die Empfindung entsteht nach [[neurophysiologisch]]er Erkenntnis im Bereich der ''primären [[Sinneszentrum|sensorischen Hirnareale]]'', vergleiche auch → [[Sensorische Projektionszentren|sensorische Projektionsfelder]]. Erst durch einen zweiten Schritt der Abgleichung aller Sinnesempfindungen mit bereits vorhandenen Daten kommt es zum Vorgang der Wahrnehmung. Seit [[Leibniz]] und Kant wird dieser Vorgang als [[Apperzeption]] bezeichnet. Es handelt sich dabei um eine Art von innerer ›Passkontrolle‹ ([[Gnosis (Neuropsychologie)|gnostische]] Hirnfunktionen in den sog. ''sekundären [[Assoziationszentren]]''). Man spricht auch von sensorischer Integration. Die bereits ''vorhandenen Daten'' wurden von der Philosophie als [[Vorstellung]]sbilder bezeichnet, der Vorgang der Abgleichung als [[Schematismus]]. Es handelt sich hierbei um Gegenstände einer kritischen [[Erkenntnislehre]].[[Datei:1752 James Ayscough A short account of the Eye and nature of vision p30.jpg|mini|Erkenntnis und ihre theoretische Reflexion; Abbildung aus [[James Ayscough]], ''A Short Account of the Eye and Nature of Vision'' (London, 1752), S. 30|zentriert|596x596px]] | |||
'''Sinnesempfindung''' ist ein Begriff aus der [[Wahrnehmungstheorie]]. Bereits [[Immanuel Kant]] (1724–1804) gebrauchte den Begriff der ''Sinnenempfindung''.<ref name="KNS4">[[Immanuel Kant]]: ''Kritik der Urteilskraft''. (1790) Herausgegeben von Wilhelm Weischedel, Sonderausgabe, Suhrkamp, Frankfurt / M 1995, stw, ISBN 3-518-09327-4, text- und seitenidentisch mit Bd. X der Werkausgabe. S. 222, KdU B 153, § 39. Es heißt dort: „''Wenn Empfindung ... auf Erkenntnis bezogen wird, so heißt sie Sinnenempfindung''.“</ref> Diese Theorie ist durch Ergebnisse der [[Hirnforschung]] als bestätigt anzusehen. Der Begriff erklärt sich seiner Wortzusammensetzung nach aus der [[Empfindung]] als durch [[Reiz]]einwirkung vermittels der [[Sinnesorgan]]e hervorgerufener Elementarvorgang. Die Empfindung entsteht nach [[neurophysiologisch]]er Erkenntnis im Bereich der ''primären [[Sinneszentrum|sensorischen Hirnareale]]'', vergleiche auch → [[Sensorische Projektionszentren|sensorische Projektionsfelder]]. Erst durch einen zweiten Schritt der Abgleichung aller Sinnesempfindungen mit bereits vorhandenen Daten kommt es zum Vorgang der Wahrnehmung. Seit [[Leibniz]] und Kant wird dieser Vorgang als [[Apperzeption]] bezeichnet. Es handelt sich dabei um eine Art von innerer ›Passkontrolle‹ ([[Gnosis (Neuropsychologie)|gnostische]] Hirnfunktionen in den sog. ''sekundären [[Assoziationszentren]]''). Man spricht auch von sensorischer Integration. Die bereits ''vorhandenen Daten'' wurden von der Philosophie als [[Vorstellung]]sbilder bezeichnet, der Vorgang der Abgleichung als [[Schematismus]]. Es handelt sich hierbei um Gegenstände einer kritischen [[Erkenntnislehre]]. | |||
== Einzelnachweise == | == Einzelnachweise == | ||
<references /> | <references /> | ||
Aktuelle Version vom 21. Juli 2026, 13:09 Uhr
Sinnesempfindung ist ein Begriff aus der Wahrnehmungstheorie. Bereits Immanuel Kant (1724–1804) gebrauchte den Begriff der Sinnenempfindung.[1] Diese Theorie ist durch Ergebnisse der Hirnforschung als bestätigt anzusehen. Der Begriff erklärt sich seiner Wortzusammensetzung nach aus der Empfindung als durch Reizeinwirkung vermittels der Sinnesorgane hervorgerufener Elementarvorgang. Die Empfindung entsteht nach neurophysiologischer Erkenntnis im Bereich der primären sensorischen Hirnareale, vergleiche auch → sensorische Projektionsfelder. Erst durch einen zweiten Schritt der Abgleichung aller Sinnesempfindungen mit bereits vorhandenen Daten kommt es zum Vorgang der Wahrnehmung. Seit Leibniz und Kant wird dieser Vorgang als Apperzeption bezeichnet. Es handelt sich dabei um eine Art von innerer ›Passkontrolle‹ (gnostische Hirnfunktionen in den sog. sekundären Assoziationszentren). Man spricht auch von sensorischer Integration. Die bereits vorhandenen Daten wurden von der Philosophie als Vorstellungsbilder bezeichnet, der Vorgang der Abgleichung als Schematismus. Es handelt sich hierbei um Gegenstände einer kritischen Erkenntnislehre.

Einzelnachweise
- ↑ Immanuel Kant: Kritik der Urteilskraft. (1790) Herausgegeben von Wilhelm Weischedel, Sonderausgabe, Suhrkamp, Frankfurt / M 1995, stw, ISBN 3-518-09327-4, text- und seitenidentisch mit Bd. X der Werkausgabe. S. 222, KdU B 153, § 39. Es heißt dort: „Wenn Empfindung ... auf Erkenntnis bezogen wird, so heißt sie Sinnenempfindung.“
Literatur
- Harold L. Atwood, William A. MacKay: Neurophysiologie. Text-/Bild-Manual. Schattauer, Stuttgart 1994, ISBN 978-3-7945-1416-8 (englisch: Essentials of Neurophysiology. Übersetzt von J. Walden und O. W. Witte, broschiert, 403 Seiten (weitere OCLC-Nr.n: 257182047 und 715866807)).
- Peter Duus: Neurologisch-topische Diagnostik. 5. Auflage. Georg Thieme Verlag Stuttgart 1990, ISBN 3-13-535805-4, S. 390
- Edmund Husserl (1901): Logische Untersuchungen
- Arthur Schopenhauer (1819): Die Welt als Wille und Vorstellung
- Immanuel Kant (1781): Kritik der reinen Vernunft
- John Locke (1690): Versuch über den menschlichen Verstand