„Mem“ – Versionsunterschied
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{{Dieser Artikel|behandelt das Mem als Gedankeneinheit; für andere Bedeutungen siehe [[MEM]].}} | |||
[[Datei:Milky Holmes in London (5080111215).jpg|mini|Die vier Schauspielerinnen ([[Seiyū]]) des [[japan]]ischen [[Manga]]- bzw. Medien-[[Franchise (Medien)|Franchises]] ''Milky Holmes'' 2010 vor den [[Abbey Road Studios]] in London. Sie ahmen die Szene auf dem [[Beatles]]-Plattencover zu [[Abbey Road]] nach, die seit den 1970ern eine Art Mem bzw. Stereotyp der [[Popkultur]] ist.]] | |||
[[Image:Paris Manga - Dimanche - 2011-10-02- P1260492 (cropped).jpg|thumb|Im Oktober 2011 nahmen Teilnehmerinnen der Veranstaltung ''Paris Manga 12'' Bezug auf die Aktion der vier Japanerinnen und spielten das Mem auf einem Zebrastreifen in Paris nach. Dabei trugen die [[Cosplay]]erinnen Kopien der Milky-Holmes-Kostüme.]] | |||
Das '''Mem''' (Neutrum; Plural: ''Meme'', von {{grcS|μίμημα}} ''mīmēma'', „nachgeahmte Dinge“, zu {{grcS|μιμεῖσθαι}} ''mimeisthai'', „imitieren“) ist Gegenstand der Memtheorie und bezeichnet dem Urheber der Memtheorie [[Richard Dawkins]] zufolge ein im Gehirn gespeichertes, ins Bewusstsein rufbares Informationsmuster, zum Beispiel einen Gedanken, aber nicht bloße Wahrnehmungen oder Gefühle (als Wahrnehmen bzw. Fühlen). Es kann durch [[Kommunikation]] weitergegeben und über den Prozess der Imitation internalisiert werden, damit vervielfältigt und so [[soziokulturell]] auf ähnliche Weise [[Perpetuierung|perpetuiert]] werden, wie [[Gen]]e auf [[Biologie|biologischem]] Wege vererbbar sind. Ganz entsprechend unterliegen Meme damit einer [[Soziokulturelle Evolution|soziokulturellen Evolution]], die weitgehend mit denselben Theorien beschrieben werden kann. Analog sind bei der Weitergabe Veränderungen möglich – etwa durch Missverständnis oder unterschiedliche Auffassungen –, wobei (äußere) [[Umwelt]]einflüsse die weitere Verbreitung verstärken oder unterdrücken können. Nach Ansicht des Wissenschaftlers [[Mihály Csíkszentmihályi]] wird ein Mem kreiert, „wenn das menschliche Nervensystem auf eine Erfahrung reagiert“.<ref>Mihaly Csikszentmihalyi: ''Dem Sinn des Lebens eine Zukunft geben.'' Klett-Cotta, Stuttgart 1995, S. 164.</ref> | |||
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Die Memtheorie wird in verschiedenen Fachwissenschaften (insb. [[Psychologie]], [[Sozialwissenschaften]], [[Kulturwissenschaften]]), soweit sie Beachtung findet, einer zum Teil harschen Kritik unterzogen. Einerseits seien die Begriffe (Replikator, Einheit der Selektion usw.) zu unscharf definiert, um überhaupt empirisch bestätigt oder widerlegt lwerden zu können, andererseits ignoriere die Memtheorie schlicht die Ergebnisse der psychologischen und sozialwissenschaftlichen Forschung.<ref name="Dinge 2004">[[Mario Bunge]], [[Martin Mahner]]: ''Über die Natur der Dinge. Materialismus und Wissenschaft''. Stuttgart (Hirzel), 2004, S. 126.</ref> Zur Umstrittenheit der Memtheorie trage darüber hinaus bei, dass der Erkenntnisgewinn der Theorie unklar sei.<ref>Manuela Lenzen: ''Evolutionstheorien in den Natur- und Sozialwissenschaften'', Campus Verlag, 2003, ISBN 3-593-40050-2, S. 118.</ref> | |||
*zum [ | |||
*zum [ | Seit der Jahrtausendwende wird der Begriff auch – oftmals in seiner englischen Schreibweise [[Meme (Kulturphänomen)|''Meme'']] – für [[Internetphänomen]]e verwendet, die sich in [[Soziale Medien|sozialen Medien]] „viral“ verbreiten. | ||
*zum [ | |||
*zum [ | == Etymologie und Begrifflichkeit == | ||
=== Mem === | |||
Das Wort Mem ist ein [[Kunstwort]]. Es ist [[Etymologie|etymologisch]] dem englischen Wort ''gene'' (Gen) nachempfunden und hat mehrere weitere Bezüge: | |||
* zum [[Griechische Sprache|griechischen]] μιμεῖσθαι ''mimeisthai'' (nachahmen) und μῖμος ''mimos'' (Mime, Schauspieler) | |||
* zum [[Französische Sprache|französischen]] ''même'' (gleich) | |||
* zum [[Lateinische Sprache|lateinischen]] ''memor'' (eingedenk, sich erinnernd) | |||
* zum [[Englische Sprache|englischen]] ''mime'' (mimen) und ''memory'' (Erinnerung, Gedächtnis) | |||
[[Heinz von Förster]] führte die Bezeichnung „Mem“ 1948 in seiner Schrift „Das Gedächtnis. Eine quantenphysikalische Untersuchung“ ein. Er fasste darin das „Mem“ als den „Träger der Erinnerungsmerkmale“<ref>{{Internetquelle |autor=Heinz von Förster |url=https://archive.org/details/FoersterHeinzDasGedchtnisEineQuantenphysikalischenUntersuchungVorwortOttoPoetzl/page/n7/mode/2up |titel=Das Gedächtnis. Eine quantenphysikalische Untersuchung, S. 1 |hrsg= Verlag Franz Deuticke |datum=1948 |abruf=2022-05-07}}</ref> auf. In Analogie zu der von [[Max Delbrück (Biophysiker)|Delbrück]], [[Erwin Schrödinger|Schrödinger]] u. a. entwickelten Auffassung, das „Gen“ als Träger der Erbmerkmale, als Quantenzustand eines Großmoleküls zu deuten, sah er im „Mem“ einen zu verschiedenen Quantenzuständen fähigen Mikrokomplex. | |||
Die englische Bezeichnung ''meme'' wurde 1976 vom Evolutionsbiologen [[Richard Dawkins]] vorgestellt; er nannte als Beispiele dazu: „[[Idee]]n, [[Überzeugung]]en, [[Verhaltensmuster]]“. Mit diesem kulturellen [[Pendant]] zum biologischen Gen ({{enS|gene}}) veranschaulichte er das Prinzip der natürlichen [[Selektion (Evolution)|Selektion]], deren Grundeinheit [[Replikatorgleichungen|Replikatoren]] von Informationen sind.<ref>Richard Dawkins: ''Meme, die neuen Replikatoren.'' In: ''[[Das egoistische Gen]].'' (Original: ''The Selfish Gene.'' Oxford University Press, 1976). Jubiläumsausgabe 2007, S. 316–334. ISBN 3-499-19609-3.</ref> Die Bezeichnung ''Mem'' beschrieb er als selbst gewähltes Kunstwort, das sich auf den griechischen Terminus μίμημα, ''mimema'' („etwas Nachgemachtes“), beruft. | |||
=== Memetik === | |||
Als '''Memetik''' wird das daraus abgeleitete Prinzip der Informationsweitergabe bezeichnet.<ref>[[Susan Blackmore]]: ''Die Macht der Meme.'' Heidelberg, Berlin: Spektrum Akademischer Verlag, 2000, ISBN 3-8274-1601-9.</ref><ref>[http://www.uni-muenster.de/PeaCon/phantawi/extro/Memetik/memetik.html Was ist Memetik?], Einführung der Uni Münster</ref> Das Mem findet seinen Niederschlag in der ''Memvorlage'' (im [[Gehirn]] oder einem anderen [[Datenspeicher|Speichermedium]]) und der ''Memausführung'' <!-- SIEHE DISKUSSION: (vgl. Salwiczek) -->(zum Beispiel [[Kommunikation]]: Eine [[Partitur]] (Memotyp) wird verwendet, um Musik reproduzierbar zu machen. Die tatsächlich im Konzertsaal erklingende Musik ist entsprechend der sogenannte Phänotyp). Für die Begriffe ''Memvorlage'' und ''Memausführung'' werden in Analogie zu dem Begriffspaar ''[[Genotyp]]'' und ''[[Phänotyp]]'' aus der [[Genetik]] häufig auch die Bezeichnungen ''Memotyp'' und ''Phämotyp'' verwendet. | |||
=== Memplex === | |||
Die Vernetzung von einander bedingenden Memen wurde von Dawkins zunächst als „koadaptiver Mem-Komplex“ (''coadapted meme complex'') bezeichnet, was später zum Kunstwort '''Memplex''' zusammengezogen wurde.<ref>H.C. Speel: ''Memetics: On a conceptual farmework for cultural evolution.'' Symposium „Einstein meets Magritte“. Brüssel, Free University, 1995</ref><ref>H.C. Speel: ''{{Webarchiv |url=http://www.hanscees.com/memesym.htm |text=Why memes are also Interactors |wayback=20120516132231}}'' 15th International Congress on Cybernetics - Namur (Belgien) 1998</ref> | |||
== Theoriegeschichte == | |||
Dawkins griff nach eigenem Bekunden auf die 1975 geäußerten Thesen des US-amerikanischen [[Anthropologie|Anthropologen]] [[Frank Theodore Cloak|F. Ted Cloak Jr.]] (* 1931) über die Existenz von ''Corpuscles of Culture'', von Kulturkörperchen auf [[neuronal]]er Ebene, als Grundlage der kulturellen Evolution zurück. Dawkins unterscheidet nicht, ob eine Information sich auf einem [[Desoxyribonukleinsäure|DNS]]-Abschnitt befindet, als Gedanke im Gehirn abgespeichert, als Satz in einem Buch abgedruckt oder als gesprochenes Wort von Mensch zu Mensch unterwegs ist. Informationen vermehren sich nach Dawkins, egal, ob als Gen durch die Zellteilung und die damit einhergehende Replikation des DNS-Strangs oder mittels Kommunikation beim Mem. Die Übertragung des Mems durch Kommunikation ist dabei nicht als Kopie („Blaupause“) eines Gedankens von Gehirn zu Gehirn zu verstehen, sondern – indem der wesentliche Kern der Botschaft erfasst und weitergegeben wird – eher wie ein „Backrezept“ zur Reproduktion desselben Gedankens.<ref>Richard Dawkins: ''Meme, die neuen Replikatoren.'' In: ''Das egoistische Gen''. Jubiläumsausgabe 2007, S. 326. ISBN 3-499-19609-3.</ref> Beschreibungsmodelle von Gedanken-Memen unterliegen damit sehr ähnlichen Gesetzmäßigkeiten wie die der Evolution in der Biologie. Dawkins spricht in diesem Zusammenhang vom „universellen [[Darwinismus]]“.<ref>Richard Dawkins: Vorwort. In: Susan Blackmore: ''Die Macht der Meme.'' Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, Berlin 2000. S. 20–21.</ref> | |||
Meme als Replikator der kulturellen Evolution weisen eine begrenzte [[Analogie (Philosophie)|Analogie]] zu anderen Replikatoren auf. Neben den Genen werden von Dawkins auch [[Viren]], [[Computerviren]] oder [[Prion]]en genannt. Im Analogieschluss werden Prozesse der kulturellen Replikation – wie in der [[Evolutionstheorie]] – ebenfalls mit [[Genetische Variabilität|Variation]] und [[Selektion (Evolution)|Selektion]] erklärt. Entsprechend führe die unvollkommene [[Replikation]] zu unterschiedlichem [[Reproduktion (Biologie)|Reproduktionserfolg]] verschiedener Replikatoren. Wie auch bei anderen Replikatoren kommt es zur Bildung von kollektiv-autokatalytischen Verbänden von Memen.<ref>Stuart Kauffman: ''Der Öltropfen im Wasser.'' München 1996, S. 463.</ref> | |||
Der Philosoph [[Daniel Dennett]] unterstützte das Konzept der Memetik in seinem Werk ''Darwin’s Dangerous Idea: Evolution and the Meanings of Life''.<ref>Daniel C. Dennett: ''Darwin’s Dangerous Idea: Evolution and the Meanings of Life.'' New York (Simon & Schuster), 1995 (dt. ''Darwins gefährliches Erbe.'')</ref> Als unabhängige, aber geistig verwandte Theorie kann die 1970 von [[Otto Koenig (Verhaltensforscher)|Otto Koenig]] formulierte [[Kulturethologie]] bezeichnet werden. Auch sie beschäftigt sich mit der Evolution von Kultur, zieht dafür jedoch nicht das Konstrukt des Mems heran, sondern arbeitet rein [[Deskription|deskriptiv]]. | |||
Von 1997 bis 2005 gab es ein regelmäßig erscheinendes ''Journal of Memetics''.<ref>[http://cfpm.org/jom-emit/issues.html Website des Journal of Memetics, alt]</ref><ref>[http://pcp.vub.ac.be/jom-emit/index.html Website des Journal of Memetics, neu]</ref> Seit 2009 gibt es die alle drei Monate erscheinende Zeitschrift ''Memetic Computing''.<ref>[http://www.springer.com/engineering/computational+intelligence+and+complexity/journal/12293 Website des Memetic Computing]</ref> | |||
== Anwendung == | |||
=== Naturwissenschaften === | |||
Durch die Mem-Hypothese lassen sich Teilaspekte der Evolution der Vogel[[dialekt]]e erklären<!-- s.o. (vgl. Salwiczek)-->. So ist nach den Überlegungen des [[Symbiosismus]] Sprache analog zu einem ‚biologischen Organismus‘, genauer als ein [[Mutualismus|mutualistischer]] [[Symbiont]] zu verstehen, dessen Träger das menschliche [[Gehirn]] ist. Sprache vermittelt Meme, die kleinsten replizierbaren Elemente extra-[[gen]]etischer Information, und ist daher von großer Bedeutung in der [[Stammesgeschichte des Menschen|Entwicklungsgeschichte der Menschheit]]. | |||
Verschiedentlich wird auch versucht, mit Ansätzen der Memetik komplexe soziale Phänomene wie [[Sprachwandel]] oder die Ausbreitung verschiedener [[Missionierende Religion|missionarischer Religionen]] und [[Kult]]e zu erhellen. Außerdem zeigen die Vertreter dieser [[Hypothese]] [[Koevolution|koevolutive]] Korrespondenzen zwischen genetischer und „memetischer“ Evolution (Hirnentwicklung) auf. | |||
=== Religion === | |||
Zur Veranschaulichung des Konzepts nennt Dawkins die [[Monotheismus|monotheistische]] Festlegung auf „einen“ Gott einen erfolgreichen kulturellen Replikator (gemessen z. B. an seiner Verbreitung), während z. B. der Glaube an die Wirkung von [[Regentanz|Regentänzen]] sich nicht global durchsetzen konnte, irgendwann sogar einer kulturellen Auslese zum Opfer fiel und nun ein Nischendasein führt. Dabei kann das Mem „nur ein Gott“ als Teil eines außerordentlich großen Verbandes sich gegenseitig stützender Meme gesehen werden und die jeweilige Religion damit als Memplex. Diese Idee wird vom Romanautor [[Wolfgang Jeschke]] in seinem 2013 erschienenen Buch ''Dschiheads'' aufgegriffen, in dem er von der Zukunft auf die Jetztzeit und ihre religiösen Auseinandersetzungen, insbesondere um den militanten [[Islamismus]], blickt. | |||
=== Soziologie === | |||
Nach [[Susan Blackmore]] ist die Essenz eines jeden Memplexes die, dass sich Meme in ihrem Innern als Teil der Gruppe besser replizieren als auf sich allein gestellt.<ref>Susan Blackmore: ''Die Macht der Meme'', Heidelberg, Berlin: Spektrum Akademischer Verlag, 2000, S. 52.</ref> Als Beispiel für einen ''Memplex'' nennt sie den [[Kettenbrief]], der typischerweise folgende Ideen enthält:<ref>Susan Blackmore: ''Die Macht der Meme'', Heidelberg, Berlin: Spektrum Akademischer Verlag, 2000, S. 50–51.</ref> | |||
* eine beliebige unwahre oder sinnlose Information, | |||
* vermeintliche Indizien für die Seriosität der Informationsquelle, | |||
* die Behauptung, dass die Information für den Empfänger wichtig sei, | |||
* die Behauptung, dass die Information für weitere Personen wichtig sei, | |||
* die Aufforderung, den Brief an diese Personen weiterzusenden. | |||
Für sich alleine hätte jedes dieser Meme relativ schlechte Chancen, sich innerhalb einer Gesellschaft zu verbreiten. Als Gruppe sind sie jedoch häufig geeignet, eine gewisse Anzahl von Personen von der Wichtigkeit ihrer Verbreitung zu überzeugen. | |||
[[Don Beck (Unternehmensberater)|Don Beck]] und [[Chris Cowan]] (1990)<ref>[[Don Beck (Unternehmensberater)|Don Beck]] und [[Christopher C. Cowan|Christopher Cowan]]: ''Spiral Dynamics: Mastering Values, Leadership, and Change.'' Wiley/Blackwell, 1996 und 2005, ISBN 1-4051-3356-2, (deutsch: ''Spiral Dynamics – Leadership, Werte und Wandel.'' ISBN 978-3-89901-107-4)</ref> geprägten Begriff „vMEME“ ({{enS|value meme}}) dieser bezeichnet im Rahmen des Modells von der [[Spiral Dynamics]] ein System von Werten und Deutungsmustern. Im Unterschied zum Mem als einzelner kultureller Informationseinheit soll ein vMEME die übergeordneten Wertestrukturen beschreiben, die kulturelle Inhalte organisieren und bewerten. Obwohl Don Beck und Chris Cowan Schüler von [[Clare W. Graves]] waren, stammte der Begriff „vMEME“ nicht von Graves selbst. Graves sprach von „levels of existence“ (Existenzebenen) bzw. psychologischen Existenzsystemen. Beck und Cowan übertrugen Graves Modell in den 1990er Jahren auf die damals populäre Memetik und führten dafür den Begriff „vMEME“ ein. | |||
=== Schrift und Sprache === | |||
Nach [[Susan Blackmore|Blackmore]] (1999)<ref>Susan Blackmore: ''Die Macht der Meme.'' Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg/Berlin 2000, ISBN 3-8274-1002-9, S. 326</ref> stellt die [[Schrift]], in der Kulturgeschichte, einen nützlichen Schritt dar, um die ‚Lebensdauer‘ des gesprochenen Wortes zu erhöhen. [[Schreiben]] sei der erste Schritt zur Bildung einer langlebigeren Sprachübermittlung. | |||
== Kritik == | |||
=== Analogie zum Evolutionsmechanismus === | |||
Mit ihrer analogen Anwendung des Evolutionsmechanismus auf geistige und kulturelle Prozesse setzt die Memtheorie voraus, dass Meme in vergleichbarer Weise wie Gene diskrete Einheiten sind, die sich von anderen Memen klar abgrenzen lassen; ansonsten ließe sich die Einheit der Selektion nicht bestimmen. Dies wird aber von Kulturwissenschaftlern und Psychologen bestritten.<ref>M. Bloch: ''A well-disposed social anthropologist’s problems with memes.'' In: ''Essays on cultural transmission.'' Oxford: Berg, 2005, S. 87 ff.</ref><ref>S. Atran: ''The trouble with memes. Inference versus imitation in cultural creation.'' In: ''Human Nature.'' Band 12, Nr. 4, 2001, S. 351 ff.</ref> Weiterhin setzt Dawkins’ Modell kultureller Evolution eine relativ hohe Kopiergenauigkeit voraus, die nur in Ausnahmefällen durch Fehler und Ungenauigkeiten zu Mutationen führt. Anders lässt sich von der Memtheorie die hohe Konstanz kultureller Repräsentationen nicht erklären.<ref>David Mihola: ''We are all born with native minds. Beiträge der Kognitiven Anthropologie zur Kognitionswissenschaft am Beispiel der „Folkbiology“.'' Diplomarbeit, Universität Wien, 2008, S. 16 ([http://othes.univie.ac.at/2778/1/2008-11-11_9902433.pdf othes.univie.ac.at] PDF).</ref> Die Aneignung kultureller Repräsentationen durch Individuen erfolgt allerdings nur in seltenen Grenzfällen ohne eine Transformation.<ref>Vgl. [[Dan Sperber]]: ''Why a deep understanding of cultural evolution is incompatible with shallow psychology.'' In: N. Enfield & S. Levinson (Hrsg.), ''Roots of human sociality'', Oxford: Berg, 2006, S. 431 ff.</ref> Eine empirische Untersuchung von [[Scott Atran]] hat gezeigt, dass normale Studenten etwa bei der Wiedergabe von Sprichwörtern die [[Metapher|metaphorische]] Bedeutung erfassen und diese sinngemäß wiedergeben, wohingegen [[Autist]]en sich lediglich auf die wörtliche Bedeutung beziehen und mit sprachlichen Äußerungen am ehesten „kopierend“ umgehen.<ref>Scott Atran: ''The trouble with memes. Inference versus imitation in cultural creation.'' In: ''Human Nature.'' Band 12, Nr. 4, 2001, S. 351 ff.</ref> Unter anderem wegen dieser schwachen wissenschaftlichen Fundierung konnte sich die Memtheorie in den Sozialwissenschaften bisher nicht durchsetzen, sondern ist vor allem von der Öffentlichkeit breit rezipiert worden.<ref>Dirk Richter: ''Das Scheitern der Biologisierung der Soziologie - Zum Stand der Diskussion um die Soziobiologie und anderer evolutionstheoretischer Ansätze.'' In: ''KZfSS Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie.'' Band 57, Nr. 3, September 2005, S. 523 ff.</ref> | |||
Zudem wird in der [[Evolutionsbiologie]] auch die der Memtheorie zugrunde liegende Gentheorie von Dawkins von einigen zurückgewiesen.<ref>So von [[Ernst Mayr]] und [[Lynn Margulis]]. Siehe [[Joachim Bauer]]: ''Prinzip Menschlichkeit. Warum wir von Natur aus kooperieren.'' München 2008, S. 140–149, 152, 155</ref> | |||
=== Erkenntnisgewinn und empirische Fundierung === | |||
Unklar ist, welcher Erkenntnisgewinn sich aus den Anleihen des Memkonzepts bei der biologischen Evolutionstheorie für die geistes-, sozial- und kulturwissenschaftliche Forschung ergeben könnte. So waren nach Auffassung des Psychologen [[Gustav Jahoda]] (1920–2016) die überzeugenden Elemente der u. a. von [[Susan Blackmore]] popularisierten Memtheorie bereits im 19. Jahrhundert bekannt, die neueren Elemente seien jedoch „spekulativ und höchst fragwürdig“.<ref>G. Jahoda: ''The Ghosts in the Meme Machine.'' In: ''History of the Human Sciences.'' Band 15, Nr. 2, 2002, S. 55–68.</ref> Wird mit der Mem-Hypothese der Anspruch erhoben, soziale und kulturelle Entwicklungen in einer Weise zu analysieren, die dem naturwissenschaftlichen Verständnis der Realität entspricht, so muss die Memetik zeigen, dass sie zu anderen, weiterreichenden und belastbareren Aussagen gelangen kann als die Sozial-, Kultur- und Geisteswissenschaften herkömmlicher Art. Wenn ''Mem'' dagegen eine naturalisierende Wortneuschöpfung für „Idee“ oder „Gedanke“ ist, muss [[Ockhams Rasiermesser]] zum Einsatz kommen: ''Entitäten sollen nicht unnötig vervielfacht werden'', wobei dies nicht die Theorie der Memetik betreffen würde. Allerdings ist nach Susan Blackmore das Wort ''Mem'' nicht als bloßes Synonym etwa für ''Idee'' oder ''Gedanke'' zu verstehen, sondern es bezeichnet nur solche Konzepte, die von einem Menschen auf einen anderen übertragen werden, indem Letzterer Ersteren in Bezug auf das Konzept geistig und gegebenenfalls anwendungsmäßig imitiert (also nachvollzieht, nachahmt), wobei auch Mutationen, also Abweichungen auftreten können.<ref>{{Internetquelle |autor=Susan Blackmore |url=https://www.spektrum.de/magazin/die-macht-der-meme/827031 |titel=Die Macht der Meme |werk=Spektrum.de |hrsg=Spektrum der Wissenschaft |datum=2000-12-01 |abruf=2022-08-20}}</ref> | |||
Außerdem, so Susan Blackmore, erklärten herkömmliche Sozial-, Kultur- und Geisteswissenschaften und die (klassische) Evolutionstheorie nicht, warum Menschen zum Beispiel Sinfonien komponieren, Spaghetti mit der Gabel essen und über den Ursprung des Universums nachdenken. Das Problem hiermit sei, dass all dies für das reine Überleben einer Population überflüssig erscheint; mit der Memtheorie könne es aber erklärt werden.<ref>{{Internetquelle |autor=Susan Blackmore |url=https://www.spektrum.de/magazin/die-macht-der-meme/827031 |titel=Die Macht der Meme |werk=Spektrum.de |hrsg=Spektrum der Wissenschaft |datum=2000-12-01 |abruf=2021-12-11}}</ref> | |||
Anders als im Disput über die biologische Evolutionstheorie können Kritiker der Memtheorie darauf verweisen, dass es für die Existenz von Memen und ihre Replikationsmechanismen – anders als für Gene – bislang keine empirischen Belege gibt.<ref>D. Sperber: ''An Objection to the Memetic Approach to Culture.'' In: Augner (Hrsg.): ''Darwinizing Culture: The Status of Memetics as a Science.'' Oxford University Press, Oxford 2000, S. 163, 173.</ref><ref>Joseph Poulshock (2002): ''The Problem and Potential of Memetics.'' In: ''Journal of Psychology and Theology.'' “memetics is rife with conceptual problems and utterly lacking in empirical support”.</ref> Selbst wer die Memtheorie als plausibel erachtet, muss daher nach [[Empirische Evidenz|empirischer Evidenz]] fragen. | |||
Auch wurde kritisiert, dass sich die Memetik nicht mit einer [[materialistisch]]en [[Ontologie]] im Einklang befindet: „Die Anhänger der Memetik versprechen sich von ihrem Ansatz eine selektionstheoretische Erklärung der Weitergabe und Ausbreitung von Ideen. Die Memetik ist jedoch zum einen konzeptionell so unklar, dass sie an Sinnlosigkeit grenzt, zum anderen ignoriert sie praktisch die gesamte psychologische und sozialwissenschaftliche Forschung zur menschlichen Kommunikation (…). Idealistische Fantasien werden nicht dadurch akzeptabler, dass sie in evolutionsbiologischem Gewande daherkommen.“<ref name="Dinge 2004" /> | |||
== Siehe auch == | |||
* [[Memetischer Algorithmus]] | |||
* [[Richard Semon]] („[[Mneme]]“) | |||
== Literatur == | |||
* Scott Atran: ''The Trouble with Memes.'' In: ''Human Nature.'' 12, 4 (2001), S. 351 ff. | |||
* Robert Aunger: ''The Electric Meme. A New Theory of How We Think.'' Free Press, New York, NY 2002, ISBN 0-7432-0150-7. | |||
* Antoinette Becker, C. Mehr, H. H. Nanu, G. Reuter, D. Stegmüller (Hrsg.): ''Gene, Meme und Gehirne. Geist und Gesellschaft als Natur. Eine Debatte.'' Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft, Band 1643, Frankfurt am Main 2003, ISBN 978-3-518-29243-3. | |||
* [[Susan Blackmore]]: ''Die Macht der Meme oder die Evolution von Kultur und Geist.'' Besprochen von R. Schäfer in: ''Skeptiker.'' 1/2004, S. 33–34. | |||
* [[Rolf Breitenstein]]: ''Memetik und Ökonomie. Wie die Meme Märkte und Organisationen bestimmen.'' LIT, Münster 2000, ISBN 3-8258-6246-1 (Download als [http://www.sozialer-datenschutz.de/ sozialer-datenschutz.de] PDF, 213 S. 1,5 MB). | |||
* Richard Brodie: ''Virus of the Mind.'' Integral Press, Seattle 1996; ISBN 0-9636001-1-7. | |||
* [[Mihály Csíkszentmihályi]]: ''Dem Sinn des Lebens eine Zukunft geben.'' Klett-Cotta, Stuttgart 2000, ISBN 3-608-91018-2. | |||
* {{Literatur | |||
|Autor=[[Richard Dawkins]] | |||
|Titel=Das egoistische Gen | |||
|Auflage=Überarb. und erw. | |||
|Verlag=Rowohlt | |||
|Ort=Reinbek bei Hamburg | |||
|Datum=1998 | |||
|ISBN=978-3-499-19609-6}} | |||
* Olaf Dilling: ''Hypochonder des Geistes. Kritische Anmerkungen zu Richard Dawkins Theorie kultureller Evolution.'' Marburger Forum, Heft 2008/3, [https://web.archive.org/web/20120516131255/http://www.marburger-forum.de/mafo/heft2008-3/Dil_Hyp.htm marburger-forum.de]. | |||
* Maria Kronfeldner: ''Darwinian Creativity and Memetics.'' Acumen, Durham 2011, ISBN 1-84465-256-4. | |||
* Aaron Lynch: ''Thought contagion.'' Basic Books, New York 1996, ISBN 0-465-08466-4. | |||
* Andreas Osterroth: ''Das Internet-Meme als Sprache-Bild-Text.'' IMAGE, Ausgabe 22, Juli 2015, S. 26–48 [http://www.gib.uni-tuebingen.de/own/journal/upload/f2dad21b204e03e1552f983bc0414e96.pdf] | |||
* James W. Polichak: ''Wozu sind Meme gut?'' Eine Kritik memetischer Ansätze zum Verständnis der Informationsverarbeitung. In: ''Skeptiker.'' 1/2004, S. 4–12. | |||
* Limor Shifman, Yasemin Dincer: ''Meme : Kunst, Kultur und Politik im digitalen Zeitalter.'' Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 2014. ISBN 3-518-12681-4. | |||
== Weblinks == | |||
* [http://www.itconversations.com/shows/detail784.html Audio-Vortrag über die Memplex-Forschung, IT Conversations] (englisch) | |||
* Susan Blackmore: ''Evolution und Meme: Das menschliche Gehirn als selektiver Imitationsapparat'' [https://www.susanblackmore.co.uk/articles/evolution-and-memes-german-translation/ deutsch] (original: ''Evolution and Memes: The human brain as a selective imitation device'' [http://www.susanblackmore.co.uk/Articles/cas01.html englisch]) | |||
* Dave Gross: [http://users.lycaeum.org/~sputnik/Memetics/ ''Memetics publications'' (Artikelsammlung)] (englisch) | |||
* John D. Gottsch: [http://cfpm.org/jom-emit/2001/vol5/gottsch_jd.html ''Mutation, Selection, And Vertical Transmission Of Theistic Memes In Religious Canons''.] The [[Johns Hopkins University]] School of Medicine, Artikel im ''Journal of Memetics'' (englisch) | |||
* Alexis Dworsky: [http://www.alexisdworsky.de/leben-und-werk/texte/kulturelle%20evolution.pdf ''Kulturelle Evolution''] (PDF; 611 kB) | |||
* Florian Rötzer: {{Webarchiv |url=http://www.heise.de/tp/r4/artikel/2/2079/1.html |text=''Memetik'' |wayback=20050115142904}}; in: Telepolis vom 3. Dezember 1996 | |||
* Vera F. Birkenbihl: [http://de.youtube.com/watch?v=XY60DBP4UQk&NR=1 Video-Vortrag ''Viren des Geistes''] | |||
* Christopher von Bülow: [https://web.archive.org/web/20220111002415/https://www.philosophie.uni-konstanz.de/typo3temp/secure_downloads/87495/0/de0f56268a8ad66b13cfc7652e092ce47ea79fb6/mem.pdf ''Artikel Mem''] (PDF; 125 kB); in: ''Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie'', 2. Aufl., Bd. 5, Stuttgart/Weimar: [[J.B. Metzler]] 2013 | |||
== Einzelnachweise == | |||
<references responsive="1" /> | |||
{{Normdaten|TYP=s|GND=4193425-8|REMARK=Begriff der evolut. Kultursemiotik.}} | |||
[[Kategorie:Theoretische Biologie]] | |||
[[Kategorie:Evolution]] | |||
[[Kategorie:Kulturwissenschaft]] | |||
[[Kategorie:Richard Dawkins]] | |||
[[Kategorie:Wikipedia.de Artikel]] | |||
Aktuelle Version vom 21. Juli 2026, 18:19 Uhr
mem- agr.-deu. 'Simulation, Immitation, Gleichmachung, Nachahmung'


Das Mem (Neutrum; Plural: Meme, von altgriechisch μίμημα mīmēma, „nachgeahmte Dinge“, zu altgriechisch μιμεῖσθαι mimeisthai, „imitieren“) ist Gegenstand der Memtheorie und bezeichnet dem Urheber der Memtheorie Richard Dawkins zufolge ein im Gehirn gespeichertes, ins Bewusstsein rufbares Informationsmuster, zum Beispiel einen Gedanken, aber nicht bloße Wahrnehmungen oder Gefühle (als Wahrnehmen bzw. Fühlen). Es kann durch Kommunikation weitergegeben und über den Prozess der Imitation internalisiert werden, damit vervielfältigt und so soziokulturell auf ähnliche Weise perpetuiert werden, wie Gene auf biologischem Wege vererbbar sind. Ganz entsprechend unterliegen Meme damit einer soziokulturellen Evolution, die weitgehend mit denselben Theorien beschrieben werden kann. Analog sind bei der Weitergabe Veränderungen möglich – etwa durch Missverständnis oder unterschiedliche Auffassungen –, wobei (äußere) Umwelteinflüsse die weitere Verbreitung verstärken oder unterdrücken können. Nach Ansicht des Wissenschaftlers Mihály Csíkszentmihályi wird ein Mem kreiert, „wenn das menschliche Nervensystem auf eine Erfahrung reagiert“.[1]
Die Memtheorie wird in verschiedenen Fachwissenschaften (insb. Psychologie, Sozialwissenschaften, Kulturwissenschaften), soweit sie Beachtung findet, einer zum Teil harschen Kritik unterzogen. Einerseits seien die Begriffe (Replikator, Einheit der Selektion usw.) zu unscharf definiert, um überhaupt empirisch bestätigt oder widerlegt lwerden zu können, andererseits ignoriere die Memtheorie schlicht die Ergebnisse der psychologischen und sozialwissenschaftlichen Forschung.[2] Zur Umstrittenheit der Memtheorie trage darüber hinaus bei, dass der Erkenntnisgewinn der Theorie unklar sei.[3]
Seit der Jahrtausendwende wird der Begriff auch – oftmals in seiner englischen Schreibweise Meme – für Internetphänomene verwendet, die sich in sozialen Medien „viral“ verbreiten.
Etymologie und Begrifflichkeit
Mem
Das Wort Mem ist ein Kunstwort. Es ist etymologisch dem englischen Wort gene (Gen) nachempfunden und hat mehrere weitere Bezüge:
- zum griechischen μιμεῖσθαι mimeisthai (nachahmen) und μῖμος mimos (Mime, Schauspieler)
- zum französischen même (gleich)
- zum lateinischen memor (eingedenk, sich erinnernd)
- zum englischen mime (mimen) und memory (Erinnerung, Gedächtnis)
Heinz von Förster führte die Bezeichnung „Mem“ 1948 in seiner Schrift „Das Gedächtnis. Eine quantenphysikalische Untersuchung“ ein. Er fasste darin das „Mem“ als den „Träger der Erinnerungsmerkmale“[4] auf. In Analogie zu der von Delbrück, Schrödinger u. a. entwickelten Auffassung, das „Gen“ als Träger der Erbmerkmale, als Quantenzustand eines Großmoleküls zu deuten, sah er im „Mem“ einen zu verschiedenen Quantenzuständen fähigen Mikrokomplex.
Die englische Bezeichnung meme wurde 1976 vom Evolutionsbiologen Richard Dawkins vorgestellt; er nannte als Beispiele dazu: „Ideen, Überzeugungen, Verhaltensmuster“. Mit diesem kulturellen Pendant zum biologischen Gen (englisch gene) veranschaulichte er das Prinzip der natürlichen Selektion, deren Grundeinheit Replikatoren von Informationen sind.[5] Die Bezeichnung Mem beschrieb er als selbst gewähltes Kunstwort, das sich auf den griechischen Terminus μίμημα, mimema („etwas Nachgemachtes“), beruft.
Memetik
Als Memetik wird das daraus abgeleitete Prinzip der Informationsweitergabe bezeichnet.[6][7] Das Mem findet seinen Niederschlag in der Memvorlage (im Gehirn oder einem anderen Speichermedium) und der Memausführung (zum Beispiel Kommunikation: Eine Partitur (Memotyp) wird verwendet, um Musik reproduzierbar zu machen. Die tatsächlich im Konzertsaal erklingende Musik ist entsprechend der sogenannte Phänotyp). Für die Begriffe Memvorlage und Memausführung werden in Analogie zu dem Begriffspaar Genotyp und Phänotyp aus der Genetik häufig auch die Bezeichnungen Memotyp und Phämotyp verwendet.
Memplex
Die Vernetzung von einander bedingenden Memen wurde von Dawkins zunächst als „koadaptiver Mem-Komplex“ (coadapted meme complex) bezeichnet, was später zum Kunstwort Memplex zusammengezogen wurde.[8][9]
Theoriegeschichte
Dawkins griff nach eigenem Bekunden auf die 1975 geäußerten Thesen des US-amerikanischen Anthropologen F. Ted Cloak Jr. (* 1931) über die Existenz von Corpuscles of Culture, von Kulturkörperchen auf neuronaler Ebene, als Grundlage der kulturellen Evolution zurück. Dawkins unterscheidet nicht, ob eine Information sich auf einem DNS-Abschnitt befindet, als Gedanke im Gehirn abgespeichert, als Satz in einem Buch abgedruckt oder als gesprochenes Wort von Mensch zu Mensch unterwegs ist. Informationen vermehren sich nach Dawkins, egal, ob als Gen durch die Zellteilung und die damit einhergehende Replikation des DNS-Strangs oder mittels Kommunikation beim Mem. Die Übertragung des Mems durch Kommunikation ist dabei nicht als Kopie („Blaupause“) eines Gedankens von Gehirn zu Gehirn zu verstehen, sondern – indem der wesentliche Kern der Botschaft erfasst und weitergegeben wird – eher wie ein „Backrezept“ zur Reproduktion desselben Gedankens.[10] Beschreibungsmodelle von Gedanken-Memen unterliegen damit sehr ähnlichen Gesetzmäßigkeiten wie die der Evolution in der Biologie. Dawkins spricht in diesem Zusammenhang vom „universellen Darwinismus“.[11]
Meme als Replikator der kulturellen Evolution weisen eine begrenzte Analogie zu anderen Replikatoren auf. Neben den Genen werden von Dawkins auch Viren, Computerviren oder Prionen genannt. Im Analogieschluss werden Prozesse der kulturellen Replikation – wie in der Evolutionstheorie – ebenfalls mit Variation und Selektion erklärt. Entsprechend führe die unvollkommene Replikation zu unterschiedlichem Reproduktionserfolg verschiedener Replikatoren. Wie auch bei anderen Replikatoren kommt es zur Bildung von kollektiv-autokatalytischen Verbänden von Memen.[12]
Der Philosoph Daniel Dennett unterstützte das Konzept der Memetik in seinem Werk Darwin’s Dangerous Idea: Evolution and the Meanings of Life.[13] Als unabhängige, aber geistig verwandte Theorie kann die 1970 von Otto Koenig formulierte Kulturethologie bezeichnet werden. Auch sie beschäftigt sich mit der Evolution von Kultur, zieht dafür jedoch nicht das Konstrukt des Mems heran, sondern arbeitet rein deskriptiv.
Von 1997 bis 2005 gab es ein regelmäßig erscheinendes Journal of Memetics.[14][15] Seit 2009 gibt es die alle drei Monate erscheinende Zeitschrift Memetic Computing.[16]
Anwendung
Naturwissenschaften
Durch die Mem-Hypothese lassen sich Teilaspekte der Evolution der Vogeldialekte erklären. So ist nach den Überlegungen des Symbiosismus Sprache analog zu einem ‚biologischen Organismus‘, genauer als ein mutualistischer Symbiont zu verstehen, dessen Träger das menschliche Gehirn ist. Sprache vermittelt Meme, die kleinsten replizierbaren Elemente extra-genetischer Information, und ist daher von großer Bedeutung in der Entwicklungsgeschichte der Menschheit.
Verschiedentlich wird auch versucht, mit Ansätzen der Memetik komplexe soziale Phänomene wie Sprachwandel oder die Ausbreitung verschiedener missionarischer Religionen und Kulte zu erhellen. Außerdem zeigen die Vertreter dieser Hypothese koevolutive Korrespondenzen zwischen genetischer und „memetischer“ Evolution (Hirnentwicklung) auf.
Religion
Zur Veranschaulichung des Konzepts nennt Dawkins die monotheistische Festlegung auf „einen“ Gott einen erfolgreichen kulturellen Replikator (gemessen z. B. an seiner Verbreitung), während z. B. der Glaube an die Wirkung von Regentänzen sich nicht global durchsetzen konnte, irgendwann sogar einer kulturellen Auslese zum Opfer fiel und nun ein Nischendasein führt. Dabei kann das Mem „nur ein Gott“ als Teil eines außerordentlich großen Verbandes sich gegenseitig stützender Meme gesehen werden und die jeweilige Religion damit als Memplex. Diese Idee wird vom Romanautor Wolfgang Jeschke in seinem 2013 erschienenen Buch Dschiheads aufgegriffen, in dem er von der Zukunft auf die Jetztzeit und ihre religiösen Auseinandersetzungen, insbesondere um den militanten Islamismus, blickt.
Soziologie
Nach Susan Blackmore ist die Essenz eines jeden Memplexes die, dass sich Meme in ihrem Innern als Teil der Gruppe besser replizieren als auf sich allein gestellt.[17] Als Beispiel für einen Memplex nennt sie den Kettenbrief, der typischerweise folgende Ideen enthält:[18]
- eine beliebige unwahre oder sinnlose Information,
- vermeintliche Indizien für die Seriosität der Informationsquelle,
- die Behauptung, dass die Information für den Empfänger wichtig sei,
- die Behauptung, dass die Information für weitere Personen wichtig sei,
- die Aufforderung, den Brief an diese Personen weiterzusenden.
Für sich alleine hätte jedes dieser Meme relativ schlechte Chancen, sich innerhalb einer Gesellschaft zu verbreiten. Als Gruppe sind sie jedoch häufig geeignet, eine gewisse Anzahl von Personen von der Wichtigkeit ihrer Verbreitung zu überzeugen.
Don Beck und Chris Cowan (1990)[19] geprägten Begriff „vMEME“ (englisch value meme) dieser bezeichnet im Rahmen des Modells von der Spiral Dynamics ein System von Werten und Deutungsmustern. Im Unterschied zum Mem als einzelner kultureller Informationseinheit soll ein vMEME die übergeordneten Wertestrukturen beschreiben, die kulturelle Inhalte organisieren und bewerten. Obwohl Don Beck und Chris Cowan Schüler von Clare W. Graves waren, stammte der Begriff „vMEME“ nicht von Graves selbst. Graves sprach von „levels of existence“ (Existenzebenen) bzw. psychologischen Existenzsystemen. Beck und Cowan übertrugen Graves Modell in den 1990er Jahren auf die damals populäre Memetik und führten dafür den Begriff „vMEME“ ein.
Schrift und Sprache
Nach Blackmore (1999)[20] stellt die Schrift, in der Kulturgeschichte, einen nützlichen Schritt dar, um die ‚Lebensdauer‘ des gesprochenen Wortes zu erhöhen. Schreiben sei der erste Schritt zur Bildung einer langlebigeren Sprachübermittlung.
Kritik
Analogie zum Evolutionsmechanismus
Mit ihrer analogen Anwendung des Evolutionsmechanismus auf geistige und kulturelle Prozesse setzt die Memtheorie voraus, dass Meme in vergleichbarer Weise wie Gene diskrete Einheiten sind, die sich von anderen Memen klar abgrenzen lassen; ansonsten ließe sich die Einheit der Selektion nicht bestimmen. Dies wird aber von Kulturwissenschaftlern und Psychologen bestritten.[21][22] Weiterhin setzt Dawkins’ Modell kultureller Evolution eine relativ hohe Kopiergenauigkeit voraus, die nur in Ausnahmefällen durch Fehler und Ungenauigkeiten zu Mutationen führt. Anders lässt sich von der Memtheorie die hohe Konstanz kultureller Repräsentationen nicht erklären.[23] Die Aneignung kultureller Repräsentationen durch Individuen erfolgt allerdings nur in seltenen Grenzfällen ohne eine Transformation.[24] Eine empirische Untersuchung von Scott Atran hat gezeigt, dass normale Studenten etwa bei der Wiedergabe von Sprichwörtern die metaphorische Bedeutung erfassen und diese sinngemäß wiedergeben, wohingegen Autisten sich lediglich auf die wörtliche Bedeutung beziehen und mit sprachlichen Äußerungen am ehesten „kopierend“ umgehen.[25] Unter anderem wegen dieser schwachen wissenschaftlichen Fundierung konnte sich die Memtheorie in den Sozialwissenschaften bisher nicht durchsetzen, sondern ist vor allem von der Öffentlichkeit breit rezipiert worden.[26] Zudem wird in der Evolutionsbiologie auch die der Memtheorie zugrunde liegende Gentheorie von Dawkins von einigen zurückgewiesen.[27]
Erkenntnisgewinn und empirische Fundierung
Unklar ist, welcher Erkenntnisgewinn sich aus den Anleihen des Memkonzepts bei der biologischen Evolutionstheorie für die geistes-, sozial- und kulturwissenschaftliche Forschung ergeben könnte. So waren nach Auffassung des Psychologen Gustav Jahoda (1920–2016) die überzeugenden Elemente der u. a. von Susan Blackmore popularisierten Memtheorie bereits im 19. Jahrhundert bekannt, die neueren Elemente seien jedoch „spekulativ und höchst fragwürdig“.[28] Wird mit der Mem-Hypothese der Anspruch erhoben, soziale und kulturelle Entwicklungen in einer Weise zu analysieren, die dem naturwissenschaftlichen Verständnis der Realität entspricht, so muss die Memetik zeigen, dass sie zu anderen, weiterreichenden und belastbareren Aussagen gelangen kann als die Sozial-, Kultur- und Geisteswissenschaften herkömmlicher Art. Wenn Mem dagegen eine naturalisierende Wortneuschöpfung für „Idee“ oder „Gedanke“ ist, muss Ockhams Rasiermesser zum Einsatz kommen: Entitäten sollen nicht unnötig vervielfacht werden, wobei dies nicht die Theorie der Memetik betreffen würde. Allerdings ist nach Susan Blackmore das Wort Mem nicht als bloßes Synonym etwa für Idee oder Gedanke zu verstehen, sondern es bezeichnet nur solche Konzepte, die von einem Menschen auf einen anderen übertragen werden, indem Letzterer Ersteren in Bezug auf das Konzept geistig und gegebenenfalls anwendungsmäßig imitiert (also nachvollzieht, nachahmt), wobei auch Mutationen, also Abweichungen auftreten können.[29]
Außerdem, so Susan Blackmore, erklärten herkömmliche Sozial-, Kultur- und Geisteswissenschaften und die (klassische) Evolutionstheorie nicht, warum Menschen zum Beispiel Sinfonien komponieren, Spaghetti mit der Gabel essen und über den Ursprung des Universums nachdenken. Das Problem hiermit sei, dass all dies für das reine Überleben einer Population überflüssig erscheint; mit der Memtheorie könne es aber erklärt werden.[30]
Anders als im Disput über die biologische Evolutionstheorie können Kritiker der Memtheorie darauf verweisen, dass es für die Existenz von Memen und ihre Replikationsmechanismen – anders als für Gene – bislang keine empirischen Belege gibt.[31][32] Selbst wer die Memtheorie als plausibel erachtet, muss daher nach empirischer Evidenz fragen.
Auch wurde kritisiert, dass sich die Memetik nicht mit einer materialistischen Ontologie im Einklang befindet: „Die Anhänger der Memetik versprechen sich von ihrem Ansatz eine selektionstheoretische Erklärung der Weitergabe und Ausbreitung von Ideen. Die Memetik ist jedoch zum einen konzeptionell so unklar, dass sie an Sinnlosigkeit grenzt, zum anderen ignoriert sie praktisch die gesamte psychologische und sozialwissenschaftliche Forschung zur menschlichen Kommunikation (…). Idealistische Fantasien werden nicht dadurch akzeptabler, dass sie in evolutionsbiologischem Gewande daherkommen.“[2]
Siehe auch
Literatur
- Scott Atran: The Trouble with Memes. In: Human Nature. 12, 4 (2001), S. 351 ff.
- Robert Aunger: The Electric Meme. A New Theory of How We Think. Free Press, New York, NY 2002, ISBN 0-7432-0150-7.
- Antoinette Becker, C. Mehr, H. H. Nanu, G. Reuter, D. Stegmüller (Hrsg.): Gene, Meme und Gehirne. Geist und Gesellschaft als Natur. Eine Debatte. Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft, Band 1643, Frankfurt am Main 2003, ISBN 978-3-518-29243-3.
- Susan Blackmore: Die Macht der Meme oder die Evolution von Kultur und Geist. Besprochen von R. Schäfer in: Skeptiker. 1/2004, S. 33–34.
- Rolf Breitenstein: Memetik und Ökonomie. Wie die Meme Märkte und Organisationen bestimmen. LIT, Münster 2000, ISBN 3-8258-6246-1 (Download als sozialer-datenschutz.de PDF, 213 S. 1,5 MB).
- Richard Brodie: Virus of the Mind. Integral Press, Seattle 1996; ISBN 0-9636001-1-7.
- Mihály Csíkszentmihályi: Dem Sinn des Lebens eine Zukunft geben. Klett-Cotta, Stuttgart 2000, ISBN 3-608-91018-2.
- Richard Dawkins: Das egoistische Gen. Überarb. und erw. Auflage. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1998, ISBN 978-3-499-19609-6.
- Olaf Dilling: Hypochonder des Geistes. Kritische Anmerkungen zu Richard Dawkins Theorie kultureller Evolution. Marburger Forum, Heft 2008/3, marburger-forum.de.
- Maria Kronfeldner: Darwinian Creativity and Memetics. Acumen, Durham 2011, ISBN 1-84465-256-4.
- Aaron Lynch: Thought contagion. Basic Books, New York 1996, ISBN 0-465-08466-4.
- Andreas Osterroth: Das Internet-Meme als Sprache-Bild-Text. IMAGE, Ausgabe 22, Juli 2015, S. 26–48 [1]
- James W. Polichak: Wozu sind Meme gut? Eine Kritik memetischer Ansätze zum Verständnis der Informationsverarbeitung. In: Skeptiker. 1/2004, S. 4–12.
- Limor Shifman, Yasemin Dincer: Meme : Kunst, Kultur und Politik im digitalen Zeitalter. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 2014. ISBN 3-518-12681-4.
Weblinks
- Audio-Vortrag über die Memplex-Forschung, IT Conversations (englisch)
- Susan Blackmore: Evolution und Meme: Das menschliche Gehirn als selektiver Imitationsapparat deutsch (original: Evolution and Memes: The human brain as a selective imitation device englisch)
- Dave Gross: Memetics publications (Artikelsammlung) (englisch)
- John D. Gottsch: Mutation, Selection, And Vertical Transmission Of Theistic Memes In Religious Canons. The Johns Hopkins University School of Medicine, Artikel im Journal of Memetics (englisch)
- Alexis Dworsky: Kulturelle Evolution (PDF; 611 kB)
- Florian Rötzer: Memetik (Memento vom 15. Januar 2005 im Internet Archive); in: Telepolis vom 3. Dezember 1996
- Vera F. Birkenbihl: Video-Vortrag Viren des Geistes
- Christopher von Bülow: Artikel Mem (PDF; 125 kB); in: Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie, 2. Aufl., Bd. 5, Stuttgart/Weimar: J.B. Metzler 2013
Einzelnachweise
- ↑ Mihaly Csikszentmihalyi: Dem Sinn des Lebens eine Zukunft geben. Klett-Cotta, Stuttgart 1995, S. 164.
- ↑ a b Mario Bunge, Martin Mahner: Über die Natur der Dinge. Materialismus und Wissenschaft. Stuttgart (Hirzel), 2004, S. 126.
- ↑ Manuela Lenzen: Evolutionstheorien in den Natur- und Sozialwissenschaften, Campus Verlag, 2003, ISBN 3-593-40050-2, S. 118.
- ↑ Heinz von Förster: Das Gedächtnis. Eine quantenphysikalische Untersuchung, S. 1. Verlag Franz Deuticke, 1948, abgerufen am 7. Mai 2022.
- ↑ Richard Dawkins: Meme, die neuen Replikatoren. In: Das egoistische Gen. (Original: The Selfish Gene. Oxford University Press, 1976). Jubiläumsausgabe 2007, S. 316–334. ISBN 3-499-19609-3.
- ↑ Susan Blackmore: Die Macht der Meme. Heidelberg, Berlin: Spektrum Akademischer Verlag, 2000, ISBN 3-8274-1601-9.
- ↑ Was ist Memetik?, Einführung der Uni Münster
- ↑ H.C. Speel: Memetics: On a conceptual farmework for cultural evolution. Symposium „Einstein meets Magritte“. Brüssel, Free University, 1995
- ↑ H.C. Speel: Why memes are also Interactors (Memento vom 16. Mai 2012 im Internet Archive) 15th International Congress on Cybernetics - Namur (Belgien) 1998
- ↑ Richard Dawkins: Meme, die neuen Replikatoren. In: Das egoistische Gen. Jubiläumsausgabe 2007, S. 326. ISBN 3-499-19609-3.
- ↑ Richard Dawkins: Vorwort. In: Susan Blackmore: Die Macht der Meme. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, Berlin 2000. S. 20–21.
- ↑ Stuart Kauffman: Der Öltropfen im Wasser. München 1996, S. 463.
- ↑ Daniel C. Dennett: Darwin’s Dangerous Idea: Evolution and the Meanings of Life. New York (Simon & Schuster), 1995 (dt. Darwins gefährliches Erbe.)
- ↑ Website des Journal of Memetics, alt
- ↑ Website des Journal of Memetics, neu
- ↑ Website des Memetic Computing
- ↑ Susan Blackmore: Die Macht der Meme, Heidelberg, Berlin: Spektrum Akademischer Verlag, 2000, S. 52.
- ↑ Susan Blackmore: Die Macht der Meme, Heidelberg, Berlin: Spektrum Akademischer Verlag, 2000, S. 50–51.
- ↑ Don Beck und Christopher Cowan: Spiral Dynamics: Mastering Values, Leadership, and Change. Wiley/Blackwell, 1996 und 2005, ISBN 1-4051-3356-2, (deutsch: Spiral Dynamics – Leadership, Werte und Wandel. ISBN 978-3-89901-107-4)
- ↑ Susan Blackmore: Die Macht der Meme. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg/Berlin 2000, ISBN 3-8274-1002-9, S. 326
- ↑ M. Bloch: A well-disposed social anthropologist’s problems with memes. In: Essays on cultural transmission. Oxford: Berg, 2005, S. 87 ff.
- ↑ S. Atran: The trouble with memes. Inference versus imitation in cultural creation. In: Human Nature. Band 12, Nr. 4, 2001, S. 351 ff.
- ↑ David Mihola: We are all born with native minds. Beiträge der Kognitiven Anthropologie zur Kognitionswissenschaft am Beispiel der „Folkbiology“. Diplomarbeit, Universität Wien, 2008, S. 16 (othes.univie.ac.at PDF).
- ↑ Vgl. Dan Sperber: Why a deep understanding of cultural evolution is incompatible with shallow psychology. In: N. Enfield & S. Levinson (Hrsg.), Roots of human sociality, Oxford: Berg, 2006, S. 431 ff.
- ↑ Scott Atran: The trouble with memes. Inference versus imitation in cultural creation. In: Human Nature. Band 12, Nr. 4, 2001, S. 351 ff.
- ↑ Dirk Richter: Das Scheitern der Biologisierung der Soziologie - Zum Stand der Diskussion um die Soziobiologie und anderer evolutionstheoretischer Ansätze. In: KZfSS Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie. Band 57, Nr. 3, September 2005, S. 523 ff.
- ↑ So von Ernst Mayr und Lynn Margulis. Siehe Joachim Bauer: Prinzip Menschlichkeit. Warum wir von Natur aus kooperieren. München 2008, S. 140–149, 152, 155
- ↑ G. Jahoda: The Ghosts in the Meme Machine. In: History of the Human Sciences. Band 15, Nr. 2, 2002, S. 55–68.
- ↑ Susan Blackmore: Die Macht der Meme. In: Spektrum.de. Spektrum der Wissenschaft, 1. Dezember 2000, abgerufen am 20. August 2022.
- ↑ Susan Blackmore: Die Macht der Meme. In: Spektrum.de. Spektrum der Wissenschaft, 1. Dezember 2000, abgerufen am 11. Dezember 2021.
- ↑ D. Sperber: An Objection to the Memetic Approach to Culture. In: Augner (Hrsg.): Darwinizing Culture: The Status of Memetics as a Science. Oxford University Press, Oxford 2000, S. 163, 173.
- ↑ Joseph Poulshock (2002): The Problem and Potential of Memetics. In: Journal of Psychology and Theology. “memetics is rife with conceptual problems and utterly lacking in empirical support”.