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„Gnosis“ – Versionsunterschied

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'''Gnosis''' (von [https://de.wikipedia.org/wiki/Altgriechische_Sprache altgriechisch] <span lang="grc-Grek" class="Grek">γνῶσις</span> [[gnôsis]] „[Er-]Kenntnis“ bzw. „Wissen“) oder '''Gnostizismus''' ([https://de.wikipedia.org/wiki/Latinisierung latinisierte] Form des griechischen <span lang="grc-Grek" class="Grek">γνωστικισμός</span> <span lang="grc-Latn" class="Latn">gnōstikismós</span>) bezeichnet als [[religionswissenschaftlich|religionswissenschaftlicher]] Begriff verschiedene religiöse Lehren und Gruppierungen des [https://de.wikipedia.org/wiki/2._Jahrhundert 2.] und [https://de.wikipedia.org/wiki/3._Jahrhundert 3. Jahrhunderts n. Chr.], teils auch frühere Vorläufer.<p>Der Ausdruck wird auch für verschiedene Strömungen verwendet, die in wirkungsgeschichtlichem Zusammenhang mit diesen Gruppierungen stehen oder in den vertretenen Lehren Ähnlichkeiten aufweisen. Gnostische Positionen fassten teilweise auch in einigen Gemeinden des frühen Christentums Fuß. Die Gnosis entwickelte sich im 2. Jahrhundert zum theologischen Hauptgegner der [https://de.wikipedia.org/wiki/Alte_Kirche frühen Kirche].<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gnostik?wprov=srpw1_0#cite_note-1 [1]]</sup></p><p>Trotz aller Verschiedenheiten zeigen die gnostischen Lehren eine gewisse Grundtendenz: Eine oberste, über alle irdische Wirklichkeit schlechthin erhabene „gute Gottheit“ entfaltet sich in vielfachen Abstufungen und Ausströmungen ([https://de.wikipedia.org/wiki/Emanation_(Philosophie) Emanation]). Die sichtbare Welt schuf ein „[https://de.wikipedia.org/wiki/Demiurg Demiurg]“, der auch den minderwertigen „fleischlichen“ Menschen bildete, indem er das zur göttlichen Oberwelt gehörende [https://de.wikipedia.org/wiki/Pneuma Pneuma]mit der „bösen Materie“ vermischte. Die Erlösung des Menschen liegt in der Gnosis, d.&nbsp;h. in der Erkenntnis seines kosmischen Geschicks und der Göttlichkeit seines eigenen Selbst.<sup id="cite_ref-2" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gnostik?wprov=srpw1_0#cite_note-2 [2]]</sup></p>
{{Begriffsklärungshinweis}}
== <span id="Sprachgebrauch">Sprachgebrauch</span> ==
<p>Die Ausdrücke ''Gnosis, Gnostik'' und ''Gnostizismus'' werden oft unterschiedslos verwendet. Üblicherweise bezeichnet Gnosis ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Religion religiöses] Wissen, das die ''Gnostiker'' nach eigenem Verständnis von der übrigen Menschheit abhebt. In der Literatur des zweiten und dritten Jahrhunderts war ''Gnostiker'' eine gängige Bezeichnung für [https://de.wikipedia.org/wiki/Christentum christliche] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Judentum jüdische], aber auch [https://de.wikipedia.org/wiki/Heidentum heidnische] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Hellenismus hellenistische] Intellektuelle. ''Gnō̂sis''bedeutete „Erkenntnis“ im allgemeinen Sinn, so dass die Selbstbezeichnung als „Gnostiker“ oft unspezifisch ist. Gnostische Bewegungen im spezifischen Sinn wurden nach ihren Führern oder Gründern als [https://de.wikipedia.org/wiki/Valentinianismus Valentinianer], [https://de.wikipedia.org/wiki/Simon_Magus Simonianer] oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Basilides_(Gnostiker) Basilidianer] bezeichnet, was aber vermutlich bereits Fremdbezeichnungen von Kritikern sind, während einige dieser Gruppen sich vermutlich schlicht „Christen“ nannten.<sup id="cite_ref-3" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gnostik?wprov=srpw1_0#cite_note-3 [3]]</sup> Die unspezifische Selbstbezeichnung als Wissende oder Erkennende wurde im Gefolge antignostischer [https://de.wikipedia.org/wiki/Polemik Polemik] christlicher [https://de.wikipedia.org/wiki/Theologie Theologen] (insbesondere [https://de.wikipedia.org/wiki/Iren%C3%A4us_von_Lyon Irenäus von Lyon]) ausgedehnt auf jene geistig nahestehenden Lehren, welche Glaubensinhalte mit spekulativ-[https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophie philosophischen] Elementen versahen und unter verschiedenen Hinsichten in Abhängigkeits- oder Ähnlichkeitsbeziehungen zu stehen scheinen.</p><p>Die spätere Literatur setzte oft eine einheitliche Bewegung namens Gnosis voraus. Der Begriff ''Gnostizismus'' entstammt der Neuzeit. Der englische Philosoph und Theologe [https://de.wikipedia.org/wiki/Henry_More Henry More] prägte ihn im 17. Jahrhundert zur Zusammenfassung sämtlicher christlicher [https://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%A4resie Häresien]. Seit dem 18.&nbsp;Jahrhundert dienen ''Gnosis'' oder ''Gnostizismus'' auch als Interpretationskategorie für zeitgenössische religiöse oder philosophische Strömungen (etwa bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Ferdinand_Christian_Baur Ferdinand Christian Baur], [https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Gottlieb_Fichte Johann Gottlieb Fichte] oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Steiner Rudolf Steiner]). Damit gerät freilich das [https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Religion religionsgeschichtliche] Phänomen, welches in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Antike Antike] als ''Gnosis''bezeichnet wird, aus dem Blick. Auf dem Gnosis-Kongress von [https://de.wikipedia.org/wiki/Messina Messina] wurde daher 1966 eine präzisere Sprachregelung vorgeschlagen. Danach bezeichne ''Gnosis'' ein „Wissen um göttliche Geheimnisse, das einer Elite vorbehalten ist“, ''Gnostizismus'' hingegen „eine bestimmte Gruppe von Systemen des 2. Jahrhunderts nach Christus“, welche durch historische und typologische Merkmale umgrenzt wird. Dieser Vorschlag steht nicht nur im Konflikt mit der Begriffsgeschichte (etwa insofern er das religionsgeschichtliche Phänomen von einem für Historiker unbrauchbaren Gnosis-Begriff abtrennt), sondern ist auch unterbestimmt.</p><p>In der jüngeren Diskussion ist – abhängig von der historischen Einschätzung – umstritten, ob Gnosis als Bewegung innerhalb der christlichen Religion (mit möglicherweise vorchristlichen Vorstufen) zu fassen ist (so etwa [https://de.wikipedia.org/wiki/Adolf_von_Harnack Adolf von Harnack]<sup id="cite_ref-4" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gnostik?wprov=srpw1_0#cite_note-4 [4]]</sup>) oder als [https://de.wikipedia.org/wiki/Weltanschauung Weltanschauung] oder Religion, die sich verschiedenen Religionen anpassen kann (so etwa [https://de.wikipedia.org/wiki/Gilles_Quispel Gilles Quispel] und zeitweise [https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Jonas Hans Jonas]<sup id="cite_ref-5" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gnostik?wprov=srpw1_0#cite_note-5 [5]]</sup> und [https://de.wikipedia.org/wiki/Eric_Voegelin Eric Voegelin]). Hierbei wird unterschiedlich beurteilt, ob Gnosis eine ursprünglich eigenständige Religion oder einen Versuch darstellt, die jüdisch-christliche Religion philosophisch zu untermauern, der dann in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Manich%C3%A4ismus manichäischen] Religion endet. Insbesondere jüngere Textfunde haben die Einsicht geschärft, dass es ein einheitliches Phänomen ''Gnosis'' nur im Rahmen typologischer Konstruktionen gibt (so etwa [https://de.wikipedia.org/wiki/Christoph_Markschies Christoph Markschies]). Teilweise behalten [https://de.wikipedia.org/wiki/Religionswissenschaft Religionswissenschaftler] den Terminus ''Gnostizismus'' auch den ausgearbeiteteren Systemen des späten zweiten und dritten Jahrhunderts vor. Im angelsächsischen Sprachgebrauch hat sich der Terminus ''gnosticism'' weitgehend zur religionswissenschaftlichen Eingrenzung auf spezifische [https://de.wikipedia.org/wiki/Mythos mythische] Erscheinungsformen durchgesetzt.</p>
== <span id="Hauptmerkmale_der_Gnosis">Hauptmerkmale der Gnosis</span> ==
<p>[https://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_Rudolph Kurt Rudolph] (1990)<sup id="cite_ref-6" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gnostik?wprov=srpw1_0#cite_note-6 [6]]</sup> entwirft fünf Wesenmerkmale, um die Gnosis zu ordnen bzw. charakterisieren:</p>
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Dualismus Dualismus], es besteht ein Gegensatz zwischen Gut und Böse, und es gibt einen transzendenten, verborgenen Gott und einen niederen Schöpfergott ([https://de.wikipedia.org/wiki/Demiurg Demiurg])
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Kosmogonie Kosmogonie], auch im Ergebnis werden Dualitäten beschrieben, Licht und Finsternis, Geist und Fleisch; das Böse war von Anfang an in der Schöpfung vorhanden
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Soteriologie Soteriologie], eine Erlösung wird in der Gnosis über den Weg der Erkenntnis des dualistischen Charakters der Welt beschritten.
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Eschatologie Eschatologie], Ziel des Gläubigen ist es, sich in den Ort des Guten hinein zu bewegen, das Primat der spirituellen Dimension in der eigenen Existenz zu erkennen
*Gemeinde und Kult
<p>Zu den zentralen Inhalten der Gnosis gehören die folgenden Thesen:</p>
*Es gibt einen vollkommenen allumfassenden Gott.
*Durch einen eigenmächtigen bzw. selbstbezogenen Akt in den [https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%84on_(Philosophie) Äonen] tritt ein unvollkommener Gott ins Dasein. Dieser wird [https://de.wikipedia.org/wiki/Demiurg Demiurg] oder Schöpfergott genannt, weil er seinerseits eigenmächtig das materielle All erschafft.
**Der Demiurg wird in vielen gnostischen Schriften mit [https://de.wikipedia.org/wiki/JHWH JHWH] identifiziert, dem Gott des [https://de.wikipedia.org/wiki/Tanach Tanach], des Alten Testaments der Bibel.
**Daher gehen die Gnostiker davon aus, dass [https://de.wikipedia.org/wiki/Jesus_von_Nazareth Jesus von Nazareth] nicht der Sohn des Gottes der Juden ist, sondern – als eine Inkarnation des [https://de.wikipedia.org/wiki/Christus Christus] – das Kind der vollkommenen Gottheit, also geistig verstanden, nicht etwa körperlich ([https://de.wikipedia.org/wiki/Christologie Christologie]).
*Ebenfalls erschafft der Demiurg den Menschen und verbringt diesen in immer dichtere Materie.
*Die Schöpfung (und der Mensch) tragen jedoch grundsätzlich das Prinzip der ursprünglichen vollkommenen Gottheit in sich, von dem sie nicht zu trennen sind.
*Einige gnostische Strömungen sehen die materielle Welt inklusive menschlichem Körper als „[https://de.wikipedia.org/wiki/Das_B%C3%B6se böse]“ an, andere legen den Schwerpunkt auf das innewohnende geistige Prinzip, das den Rückweg zur geistigen Vollkommenheit respektive Einheit ermöglicht.
*Das innewohnende geistige Prinzip, auch [https://de.wikipedia.org/wiki/Pneuma Pneuma], ''Funke'' oder ''Samenkorn'' genannt, muss dem Menschen in Abgrenzung zur [https://de.wikipedia.org/wiki/Seele Psyche] bewusst werden, um die Verhaftungen an die materielle Welt erkennen und lösen zu können.
<p>Eine übersichtliche Zusammenfassung des gnostischen Weltbildes findet sich im Artikel über das [https://de.wikipedia.org/wiki/Apokryphon_des_Johannes Apokryphon des Johannes]. Dies kann keineswegs für die gesamte „Gnosis“ verallgemeinert werden, trifft aber zumindest auf eine (oder mehrere) ihrer größeren Strömungen zu (sethianische Gnosis / [https://de.wikipedia.org/wiki/Barbelognosis Barbelognosis]).</p>
== <span id="Antike_Gnosis">Antike Gnosis</span> ==
<p>Ähnlichkeiten zu gnostischen Gruppierungen und Einflüsse auf diese diskutiert man für religiöse Bewegungen im [https://de.wikipedia.org/wiki/Syrien syrischen], [https://de.wikipedia.org/wiki/Perserreich persischen] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Hellenistisches_Judentum hellenistisch-jüdischen] Umfeld. Die exakten Abhängigkeiten und Einflüsse dieser Bewegungen untereinander sind schwer festzustellen und umstritten; inwieweit man sie bereits gnostisch nennen kann, hängt stark davon ab, wie man diesen Begriff versteht. Die Annahme einer „jüdischen Gnosis“ etwa ist im Gegensatz zur Rede von „jüdischen Wurzeln der Gnosis“<sup id="cite_ref-7" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gnostik?wprov=srpw1_0#cite_note-7 [7]]</sup> umstritten, weil viele Charakteristika und ein Interesse an alttestamentlichen biblischen Texten fehlen.</p><p>Größere Kenntnis ermöglichen die überlieferten Quellen für gnostische Gruppen im frühen [https://de.wikipedia.org/wiki/Christentum Christentum], wobei Elemente der antiken [https://de.wikipedia.org/wiki/Griechische_Philosophie griechischen Philosophie] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Religiosit%C3%A4t Religiosität] (insbesondere [https://de.wikipedia.org/wiki/Mittelplatonismus Mittelplatonismus]und [https://de.wikipedia.org/wiki/Pythagor%C3%A4er#Neupythagoreismus Neupythagoräer], [https://de.wikipedia.org/wiki/Reinkarnation Seelenwanderungslehre]), persischer (insbesondere [https://de.wikipedia.org/wiki/Zoroastrismus Zoroastrismus]), [https://de.wikipedia.org/wiki/Babylonien babylonischer] und [https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%84gypten ägyptischer] Religionen auszumachen sind. Auch Zusammenhänge mit dem etwa gleichzeitig in Nordindien entstandenen [https://de.wikipedia.org/wiki/Mahayana Mahayana]-[https://de.wikipedia.org/wiki/Buddhismus Buddhismus] werden erwogen.</p>
=== <span id="Quellen">Quellen</span> ===
<p>Bis ins 20. Jahrhundert waren Historiker und Religionswissenschaftler weitgehend angewiesen auf Textüberlieferungen bei frühchristlichen Theologen wie [https://de.wikipedia.org/wiki/Iren%C3%A4us_von_Lyon Irenäus von Lyon], [https://de.wikipedia.org/wiki/Clemens_von_Alexandrien Clemens von Alexandrien], [https://de.wikipedia.org/wiki/Hippolyt_von_Rom Hippolyt von Rom], [https://de.wikipedia.org/wiki/Origenes Origenes] oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Epiphanius_von_Salamis Epiphanius von Salamis] oder Darstellungen in freilich oft [https://de.wikipedia.org/wiki/Polemik polemischer] Verzeichnung etwa bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Justin_der_M%C3%A4rtyrer Justin] oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Tertullian Tertullian]. Nach der [https://de.wikipedia.org/wiki/Theologische_Realenzyklop%C3%A4die Theologischen Realenzyklopädie], Artikel ''Gnosis II''.4, ist die grundlegende Glaubwürdigkeit von Irenäus durch die Funde in [https://de.wikipedia.org/wiki/Nag-Hammadi-Schriften Nag Hammadi] weitgehend erhärtet worden.</p><p>An Originaltexten – vor allem in [https://de.wikipedia.org/wiki/Koptische_Sprache koptischer Sprache] – sind zu nennen:</p>
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Codex_Askewianus Codex Askewianus], der das Werk ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Pistis_Sophia Pistis Sophia]'' enthält,
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Codex_Berolinensis_Gnosticus_8502 Codex Berolinensis Gnosticus 8502] mit dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Evangelium_der_Maria Evangelium der Maria], dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Apokryphon_des_Johannes Apokryphon des Johannes] und der [https://de.wikipedia.org/wiki/Sophia_Jesu_Christi Sophia Jesu Christi],
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Codex_Brucianus Codex Brucianus], der neben anderem die ''Bücher des Jeû'' enthält.
<p>Lange Zeit waren dies die einzigen direkten Textzeugen aus dem Umfeld der Gnosis selbst. Eine wesentlich breitere Textgrundlage kommt in den Blick, seit 1945/1946 bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Nag_Hammadi Nag Hammadi] in [https://de.wikipedia.org/wiki/Ober%C3%A4gypten Ägypten] eine ganze Bibliothek auch gnostischer Schriften gefunden wurde, darunter [https://de.wikipedia.org/wiki/Pseudepigraphie pseudepigraphische] Parallelen zu den neutestamentlichen Gattungen wie das [https://de.wikipedia.org/wiki/Thomasevangelium Thomasevangelium], eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Apokalypse_des_Paulus_(NHC) Apokalypse des Paulus] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Offenbarung_des_Petrus Apokalypse des Petrus] und die [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Paraphrase_des_Seem&action=edit&redlink=1 Paraphrase des Seem]. Des Weiteren sind manichäische Texte zu nennen: die Funde aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Turfan Turfan] und aus der Oase [https://de.wikipedia.org/wiki/Dakhleh Dakhleh], die Bibliothek von [https://de.wikipedia.org/wiki/Medinet_Madi Medinet Madi], der [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6lner_Mani-Kodex Kölner Mani-Kodex]. Das [https://de.wikipedia.org/wiki/Corpus_Hermeticum Corpus Hermeticum] sowie die [https://de.wikipedia.org/wiki/Hekhalot Hekhalot]-Literatur sind, was ihren gnostischen Charakter betrifft, zumindest umstritten (es fehlen im ersteren Falle widergöttliche Kräfte und ein sie bezwingender Erlöser, im zweiten Falle fehlt ein mythologisches Drama um den göttlichen Funken, hier ist eher an Einflüsse der [https://de.wikipedia.org/wiki/Kabbala Kabbala] zu denken).</p><p>Auch in Texten des Neuen Testaments sind Ausdrücke wie ''Gnostiker'' zu finden. Wegen der erwähnten damaligen undifferenzierten Verwendungsweise dieser Ausdrücke ist dabei fast in jedem Fall sehr unklar und umstritten, ob damit ''Gnostiker'' im Sinne etwa valentinianischer Christen gemeint sind, ob an den dortigen Sprachgebrauch angeschlossen wird und wenn ja, in welchem Ausmaße dies kritisch geschieht, oder ob damit einfach auf religiöse Erkenntnis in einem unspezifischen Sinne Bezug genommen wird. Entsprechende Probleme diskutiert man etwa für den Epheserbrief oder den Kolosser-Brief, wo [https://de.wikipedia.org/wiki/Paulus_von_Tarsus Paulus] vor „Philosophie und leerem Betrug“ (2,8) warnt. Für das [https://de.wikipedia.org/wiki/Johannesevangelium Johannesevangelium] nahm etwa [https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Bultmann Rudolf Bultmann] Elemente einer gnostischen Erlösungslehre an. Dem widersprechen aber entscheidende Merkmale (kein Mythos einer Weltschöpfung durch einen bösen [https://de.wikipedia.org/wiki/Demiurg Demiurgen], Inkarnation und Leiden am Kreuz statt [https://de.wikipedia.org/wiki/Doketismus Doketismus]), wenngleich sich gnostische Theologen gerne auf das Johannesevangelium beziehen, etwa wegen des Beginns mit der [https://de.wikipedia.org/wiki/Erschaffung_der_Welt Erschaffung der Welt] und einer schroffen, nur durch Christus durchbrochenen Trennung zwischen Licht und Finsternis, oben und unten.</p>
=== <span id="Nichtchristliche_gnostische_Gruppierungen">Nichtchristliche gnostische Gruppierungen</span> ===
<p>Der [https://de.wikipedia.org/wiki/Manich%C3%A4ismus Manichäismus] war eine gnostisch geprägte, intensiv missionierende antike Religion, die sich bis nach China ausbreitete. Sein Gründer [https://de.wikipedia.org/wiki/Mani_(Religionsstifter) Mani] war in einer christlichen Täufergemeinschaft aufgewachsen und betrachtete sich als Apostel Christi und als Fortsetzer und Vollender von dessen Lebenswerk.</p><p>Der Manichäismus wurde unter [https://de.wikipedia.org/wiki/Diokletian Diokletian] als persische Bedrohung verfolgt. Gegen Ende des vierten Jahrhunderts ergriffen christliche Kaiser Maßnahmen gegen die Manichäer. Der gegenüber dem Heidentum tolerante [https://de.wikipedia.org/wiki/Valentinian_I. Valentinian I.] erließ Gesetze, nach denen das Eigentum der Manichäer konfisziert werden konnte, [https://de.wikipedia.org/wiki/Gratian Gratian] reihte sie zusammen mit den extremen [https://de.wikipedia.org/wiki/Arianismus Arianern] als unerwünscht ein und [https://de.wikipedia.org/wiki/Theodosius_I. Theodosius I.] erließ Gesetze, die den Manichäismus verboten.</p><p>Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Mand%C3%A4er Mandäer] sind eine bis heute existierende Minderheit im [https://de.wikipedia.org/wiki/Irak Irak], in [https://de.wikipedia.org/wiki/Iran Iran] und weltweit, wo die vorherrschende Religion gnostische Einflüsse aufweist.</p><p>Im [https://de.wikipedia.org/wiki/Islam Islam] werden einige Gruppierungen der [https://de.wikipedia.org/wiki/Schia Schia] ([https://de.wikipedia.org/wiki/Ismailiten Ismailiten], [https://de.wikipedia.org/wiki/Aleviten Aleviten], [https://de.wikipedia.org/wiki/Nusairier Nusairier] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Drusen Drusen]), sowie die aus der Schia hervorgegangenen [https://de.wikipedia.org/wiki/Synkretismus synkretistischen] Religionen der Gnosis zugerechnet. Manchmal werden auch die [https://de.wikipedia.org/wiki/Sufismus Sufis] (Anhänger der islamischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Mystik Mystik]) zu den Gnostikern gerechnet.<sup id="cite_ref-8" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gnostik?wprov=srpw1_0#cite_note-8 [8]]</sup> Wie in der christlich geprägten Gnosis, gilt auch in der islamischen Gnosis die materielle Welt als „fremd“.<sup id="cite_ref-9" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gnostik?wprov=srpw1_0#cite_note-9 [9]]</sup> Ähnliches gilt für die [https://de.wikipedia.org/wiki/Merkaba Merkaba]-Mystik, die [https://de.wikipedia.org/wiki/Kabbala Kabbala] und den [https://de.wikipedia.org/wiki/Chassidismus Chassidismus] als Strömungen [https://de.wikipedia.org/wiki/Judentum jüdischer] Mystik.</p>
=== <span id="Gnostische_Gruppierungen_im_Christentum">Gnostische Gruppierungen im Christentum</span> ===
<p>Der Ausdruck ''Gnosis'' wird erst im Zuge der Konstitution großkirchlicher Autorität zunehmend trennschärfer verwendet. Mit dem Ausdruck ''Gnostiker'' werden anfangs die verschiedensten Personenkreise bezeichnet. Dies hat [https://de.wikipedia.org/wiki/Adolf_Harnack Adolf Harnack] deutlich beschrieben. Er beschreibt den frühchristlichen Gnostizismus als eine sehr variantenreiche Bewegung, die an ihren Extremen kaum vom Volkschristentum einerseits oder vom hellenistischen Synkretismus auf der anderen Seite unterschieden werden kann. Er führt am einen Extrem die [https://de.wikipedia.org/wiki/Enkratiten Enkratiten] auf, die einen strikten [https://de.wikipedia.org/wiki/Asketismus Asketismus] in der Nachfolge Christi betonten und nur manchmal [https://de.wikipedia.org/wiki/Dualismus dualistische] Ideen aufnahmen, zur Spekulation neigende christliche Theologen wie [https://de.wikipedia.org/wiki/Origenes Origenes] ebenso wie unauffällige [https://de.wikipedia.org/wiki/Doketismus doketistische] Gemeinschaften und am anderen Extrem die [https://de.wikipedia.org/wiki/Karpokratianer Karpokratianer], die neben Statuen von [https://de.wikipedia.org/wiki/Pythagoras Pythagoras], [https://de.wikipedia.org/wiki/Platon Platon] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Aristoteles Aristoteles] dem Genius [https://de.wikipedia.org/wiki/Jesus_Christus Jesu] eine Statue aufstellten. Noch weiter in der säkularen Kultur gab es Zauberer und Wahrsager mit christlichem Aushängeschild sowie Scharlatane, die mit unverständlichen Beschwörungsformeln den Leuten das Geld aus der Tasche lockten. In der Mitte seien die gnostischen Gruppierungen wie [https://de.wikipedia.org/wiki/Valentianer Valentianer], [https://de.wikipedia.org/wiki/Basilidianer Basilidianer] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Ophiten Ophiten]auszumachen.<sup id="cite_ref-10" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gnostik?wprov=srpw1_0#cite_note-10 [10]]</sup> Heute würden viele Historiker den genannten Personenkreisen keine übergeordnete Gruppenidentität einer ''Bewegung der Gnosis'' mehr zuschreiben.</p><p>Frühe Vertreter der gnostischen Gruppierungen sind [https://de.wikipedia.org/wiki/Simon_Magus Simon Magus], [https://de.wikipedia.org/wiki/Menandros_(Gnostiker) Menandros], [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Satornilos&action=edit&redlink=1 Satornilos], [https://de.wikipedia.org/wiki/Basilides_(Gnostiker) Basilides].</p><p>Große Systementwürfe und gnostische Schulen entstehen im 2. und 3. Jh., vor allem die [https://de.wikipedia.org/wiki/Valentinianismus Valentinianer] mit [https://de.wikipedia.org/wiki/Valentinus Valentinus], [https://de.wikipedia.org/wiki/Herakleon_(Gnostiker) Herakleon] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Ptolem%C3%A4us_(Gnostiker) Ptolemäus] und die sogenannten [https://de.wikipedia.org/wiki/Barbelo-Gnostiker Barbelo-Gnostiker], auch die [https://de.wikipedia.org/wiki/Ophiten Ophiten]. Für die sogenannte [https://de.wikipedia.org/wiki/Sethianer sethianische Gnosis] wird eine Gruppenidentität oft (etwa von B. Layton) bezweifelt, zumal die entsprechenden Texte stark differierende Systeme erkennen lassen. [https://de.wikipedia.org/wiki/Marcion Marcion] unterscheidet sich trotz vieler Gemeinsamkeiten in entscheidenden Punkten von ihnen, weshalb sein Status als ''Gnostiker'' umstritten ist. Gemeinsam ist diesen Entwürfen der Versuch, eine Synthese jüdisch-christlicher Theologie und vulgärplatonistischer Spekulation in mythologischem Gerüst auszudrücken, wobei göttliche Eigenschaften personifiziert und irdische heilsgeschichtliche und himmlischen Geschehnissen vorgebildet werden.</p><p>Die ''Valentinianische Abhandlung,'' das einzige originale Dokument der Valentinianer, das auch Irenäus paraphrasiert, gibt in erzählendem Duktus eine platonisierende Lehre von drei Seelenteilen, denen eine dreiteilige anthropologische Klassifizierung entspricht:</p>
#pneumatikoi (griech. <span class="Grek" lang="grc-Grek">πνευματικοί</span> ''‚Geist''-artige‘)
#psychikoi (griech. <span class="Grek" lang="grc-Grek">ψυχικοί</span> ''‚Seelen''-artige‘)
#hylikoi (griech. <span class="Grek" lang="grc-Grek">ὑλικοί</span> ''‚Stoff''-artige‘)
<p>Die Sophia Achamoth gibt, nach der dort gegebenen Erzählung (hier nach W. A. Löhr paraphrasiert), den Pneumatikern die pneumatischen Samen, um mit dem psychischen Seelenteil geformt zu werden. Der psychische Seelenteil muss moralisch erzogen werden, durch die Welt und den Erlöser. Der Erlöser ist pneumatischer und psychischer Natur. Da er keine hylische Natur angenommen hat, kann diese nicht gerettet werden. Die Heilsgeschichte hat ihr Ziel in der Rückkehr der pneumatischen Elemente zum [https://de.wikipedia.org/wiki/Pleroma Pleroma]. Befreit von ihrer psychischen Hülle, verbinden sich die pneumatischen Seelenteile mit den Engeln, die den Erlöser umgeben. Die psychischen Seelenteile, welche sich durch Glaube und gute Werke bewährt haben, steigen in die erste Achtheit des Pleromas auf.</p><p>Die Anhänger der gnostischen Schulen wurden während der [https://de.wikipedia.org/wiki/Christenverfolgungen_im_R%C3%B6mischen_Reich Christenverfolgungen] ebenso verfolgt wie die apostolischen Kirchen; so wurden beispielsweise die alexandrinischen Karpokratianer bei der Christenverfolgung von 202 durch [https://de.wikipedia.org/wiki/Septimius_Severus Septimius Severus] vernichtet.<sup id="cite_ref-11" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gnostik?wprov=srpw1_0#cite_note-11 [11]]</sup></p>
== <span id="Spätere_Einflüsse_von_oder_Bezugnahmen_auf_gnostische_Überlieferungen">Spätere Einflüsse von oder Bezugnahmen auf gnostische Überlieferungen</span> ==
<p>Gnostische Elemente wurden im mittelalterlichen Europa von [https://de.wikipedia.org/wiki/Alchemie Alchemisten],<sup id="cite_ref-12" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gnostik?wprov=srpw1_0#cite_note-12 [12]]</sup><sup id="cite_ref-13" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gnostik?wprov=srpw1_0#cite_note-13 [13]]</sup><sup id="cite_ref-14" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gnostik?wprov=srpw1_0#cite_note-14 [14]]</sup> den [https://de.wikipedia.org/wiki/Bogomilen Bogomilen] und den [https://de.wikipedia.org/wiki/Katharer Katharern] übernommen, in der islamischen Welt u. a. von [https://de.wikipedia.org/wiki/Drusen Drusen] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Jesiden Jesiden]. Auch der [https://de.wikipedia.org/wiki/Spiritualismus_(theologisch) Spiritualismus] wurde mit gnostischen Traditionen in Verbindung gebracht.</p><p>Im 19. Jahrhundert übernahmen das [https://de.wikipedia.org/wiki/Mormonentum Mormonentum] und später die [https://de.wikipedia.org/wiki/Theosophie Theosophie] verschiedene gnostische Wesenszüge. Für das 20. Jahrhundert werden teils Einflüsse auf die [https://de.wikipedia.org/wiki/Anthroposophie Anthroposophie], die [https://de.wikipedia.org/wiki/Rosenkreuzer Rosenkreuzer], die [https://de.wikipedia.org/wiki/Gralsbewegung Gralsbewegung], und die Psychologie von [https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Gustav_Jung Carl Gustav Jung] diskutiert.</p><p>Der Historiker [https://de.wikipedia.org/wiki/Nicholas_Goodrick-Clarke Nicholas Goodrick-Clarke] betont den Einfluss gnostischer und manichäischer Denkmuster auf Ideologien [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechte_Esoterik rassistischer Esoterik],<sup id="cite_ref-15" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gnostik?wprov=srpw1_0#cite_note-15 [15]]</sup> etwa in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Ariosophie Ariosophie] oder bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Miguel_Serrano Miguel Serrano].<sup id="cite_ref-16" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gnostik?wprov=srpw1_0#cite_note-16 [16]]</sup><sup id="cite_ref-17" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gnostik?wprov=srpw1_0#cite_note-17 [17]]</sup></p><p>Insbesondere unter Verwendung eines nicht religionswissenschaftlich-historisch, sondern inhaltlich bestimmten Gnosis-Begriffs haben einige Autoren (darunter auch Psychologen, Philosophen des 19. und 20. Jahrhunderts) einen Zusammenhang mit „Gnosis“ hergestellt.<sup id="cite_ref-18" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gnostik?wprov=srpw1_0#cite_note-18 [18]]</sup></p>
== <span id="Gnostische_Kirchen_der_Neuzeit">Gnostische Kirchen der Neuzeit</span> ==
<p>Sogenannte „gnostische Kirchen“ sind seit Ende des 19. Jahrhunderts entstandene spirituelle Gemeinschaften und esoterische Gruppen, die sich auf gnostisches Gedankengut berufen und deren Anschauungen nicht den Lehren herkömmlicher Kirchen entsprechen. Der Begriff „gnostische Kirche“ fand historisch erstmals bei Joanny Bricauds „Église Gnostique“ Verwendung.<sup id="cite_ref-19" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gnostik?wprov=srpw1_0#cite_note-19 [19]]</sup> Zu den „gnostischen Kirchen“ zählen unter anderem die [https://de.wikipedia.org/wiki/Liberalkatholische_Kirche Liberalkatholische Kirche], die [https://de.wikipedia.org/wiki/Ordo_Templi_Orientis#Gnostisch-Katholische_Kirche Gnostisch-Katholische Kirche („Ecclesia Gnostica Catholica“)]<sup id="cite_ref-20" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gnostik?wprov=srpw1_0#cite_note-20 [20]]</sup> von [https://de.wikipedia.org/wiki/Theodor_Reuss Theodor Reuss], die [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Gnostische_Schule&action=edit&redlink=1 Gnostische Schule] (Peithmann), das [https://de.wikipedia.org/wiki/Lectorium_Rosicrucianum Lectorium Rosicrucianum], die [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Gnostische_Gemeinde_der_Urdner&action=edit&redlink=1 Gnostische Gemeinde der Urdner] ([https://de.wikipedia.org/wiki/Berlin Berlin]), die [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Gemeinde_der_Gnostiker&action=edit&redlink=1 Gemeinde der Gnostiker] (E. H. Schmitt), die [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Gnostische_Tempel-Br%C3%BCderschaft&action=edit&redlink=1 Gnostische Tempel-Brüderschaft] ([https://de.wikipedia.org/wiki/Herford Herford]) und die [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Altgnostische_Kirche_von_Eleusis&action=edit&redlink=1 Altgnostische Kirche von Eleusis] ([https://de.wikipedia.org/wiki/Hamborn Hamborn]).<sup id="cite_ref-21" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gnostik?wprov=srpw1_0#cite_note-21 [21]]</sup><sup id="cite_ref-22" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gnostik?wprov=srpw1_0#cite_note-22 [22]]</sup></p><p>Die erste gnostische Kirche der Neuzeit, die [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=%C3%89glise_gnostique_universelle&action=edit&redlink=1 Église gnostique universelle], wurde am 21. September 1890 von dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Spiritist Spiritisten] [https://de.wikipedia.org/wiki/Jules_Doinel Jules Doinel] (1842–1902) gegründet. Ihre [https://de.wikipedia.org/wiki/Apostolische_Sukzession apostolische Sukzession] leitete die gnostische Kirche Dionels aus der Tradition zweier Vorläufer ab: Den gnostischen Lehren des [https://de.wikipedia.org/wiki/Memphis-Misra%C3%AFm-Ritus Memphis-Misraïm-Ritus] und der [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Johannitischen_Kirche_der_Urchristen&action=edit&redlink=1 Johannitischen Kirche der Urchristen] (Église Johannite des Chrétiens Primitifs), die sich Anfang des 19. Jahrhunderts von der vorwiegend in Frankreich wirkenden mystisch-maurischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Geheimgesellschaft Geheimgesellschaft] des urchristlich-neognostisch nachempfundenen Tempelritterordens abspaltete. Die „Johannitische Kirche der Urchristen“ leitete ihre Sukzession wiederum von den Urchristen ab, deren Lehren im johanneischen Christentum am direktesten überliefert worden seien. Seine Berufung bezog der [https://de.wikipedia.org/wiki/Freimaurerei Hochgradfreimaurer] Jules-Stanislas Dionel, der sich im 66. Grad des Memphis-Misraïm-Ritus mit der Freimaurerei in [https://de.wikipedia.org/wiki/Orl%C3%A9ans Orléans] beschäftigte, aus der Charter des Gnostikers Kanzler Etienne, der Anfang des 11. Jahrhunderts wegen seiner Zugehörigkeit zu einem gnostischen Geheimbund als katharischer Märtyrer verbrannt wurde.<sup id="cite_ref-23" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gnostik?wprov=srpw1_0#cite_note-23 [23]]</sup><sup id="cite_ref-24" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gnostik?wprov=srpw1_0#cite_note-24 [24]]</sup></p>
== <span id="Siehe_auch">Siehe auch</span> ==


*[https://de.wikipedia.org/wiki/Alte_Kirche Alte Kirche]
'''Gnosis''' (von {{grcS|γνῶσις|gnō̂sis}} „Erkenntnis“<ref>[[Johann Baptist Hofmann]]: ''Etymologisches Wörterbuch des Griechischen.'' R. Oldenbourg, München 1950, S. 45 (zu ''γιγνώσκω'' ‚erkenne‘).</ref>) oder '''Gnostizismus''' ([[Latinisierung|latinisierte]] Form des griechischen {{lang|grc|γνωστικισμός|gnōstikismós}}) bzw. '''Gnostik''' bezeichnet als [[religionswissenschaft]]licher Begriff verschiedene religiöse Lehren und Gruppierungen des 2. und 3. Jahrhunderts n.&nbsp;Chr., teils auch frühere Vorläufer.  
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Gnostikern Liste von Gnostikern]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Nag-Hammadi-Schriften Nag-Hammadi-Schriften]


== <span id="Literatur">Literatur</span> ==
Der Ausdruck wird auch für verschiedene Strömungen verwendet, die in wirkungsgeschichtlichem Zusammenhang mit diesen Gruppierungen stehen oder in den vertretenen Lehren Ähnlichkeiten aufweisen.
Gnostische Positionen fassten teilweise auch in einigen Gemeinden des frühen [[Christentum]]s Fuß. Die Gnosis entwickelte sich im 2. Jahrhundert zum theologischen Hauptgegner der [[Alte Kirche|frühen Kirche]].<ref>''Stuttgarter Erklärungsbibel.'' 2.&nbsp;Auflage. [[Deutsche Bibelgesellschaft]], Stuttgart 1992, ISBN 3-438-01121-2, Sacherklärungen S.&nbsp;29</ref>


*[https://de.wikipedia.org/wiki/Barbara_Aland Barbara Aland]: <cite>Die Gnosis</cite>. Reclam, Stuttgart 2014, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783150192108 ISBN 978-3-15-019210-8].
Trotz aller Verschiedenheiten zeigen die gnostischen Lehren eine gewisse Grundtendenz: Eine oberste, über alle irdische Wirklichkeit schlechthin erhabene „gute Gottheit“ entfaltet sich in vielfachen Abstufungen und Ausströmungen ([[Emanation (Philosophie)|Emanation]]). Die sichtbare Welt schuf ein „[[Demiurg]]“, der auch den minderwertigen „fleischlichen“ Menschen bildete, indem er das zur göttlichen Oberwelt gehörende [[Pneuma]] mit der „bösen Materie“ vermischte. Die [[Erlösung]] des Menschen liegt in der Gnosis, d.&nbsp;h. in der Erkenntnis seines kosmischen Geschicks und der Göttlichkeit seines eigenen Selbst.<ref>[https://www.wissen.de/lexikon/gnosis ''Gnosis''], Artikel im Onlinelexikon [[wissen.de]], [[Konradin Mediengruppe]], Leinfelden-Echterdingen.</ref>
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_B%C3%B6hlig Alexander Böhlig], [https://de.wikipedia.org/wiki/Christoph_Markschies Christoph Markschies] (Hrsg.): ''Gnosis und Manichäismus'' (= ''Forschungen und Studien zu Texten von Valentin und Mani sowie zu den Bibliotheken von Nag Hammadi und Medinet Madi.''Beihefte zur Zeitschrift für die neutestamentliche Wissenschaft und die Kunde der älteren Kirche 72). Walter de Gruyter, Berlin 1994, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3110142945 ISBN 3-11-014294-5].
*[https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Johanna_Brankaer&action=edit&redlink=1 Johanna Brankaer]: ''Die Gnosis – Texte und Kommentar.'' Marix Verlag 2010, EAN 9783865399540.
*[https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Roelof_van_den_Broek&action=edit&redlink=1 Roelof van den Broek]: ''Gnosticism.'' ''I. Gnostic Religion.'' und ''II. Gnostic Literature.'' In: [https://de.wikipedia.org/wiki/Wouter_J._Hanegraaff Wouter J. Hanegraaff], [https://de.wikipedia.org/wiki/Antoine_Faivre Antoine Faivre] u. a. (Hrsg.): ''Dictionary of Gnosis & Western Esotericism.'' Vol. 1, Brill, Leiden/ Boston 2005, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9004141871 ISBN 90-04-14187-1], S. 403–432.
*Roelof van den Broek: ''Studies in Gnosticism and Alexandrian Christianity.'' Brill, Leiden 1996, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9004106545 ISBN 90-04-10654-5].
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Bousset Wilhelm Bousset]: ''Hauptprobleme der Gnosis.'' Göttingen 1907, Neuauflage Bd. 10 Forschungen zur Religion und Literatur des Alten und Neuen Testaments, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1973, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783647535517 ISBN 978-3-6475-3551-7].
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Evangelist_Hafner Johann Evangelist Hafner]: ''[https://web.archive.org/web/20120713051518/http://www.uni-potsdam.de/db/religion/getdata.php?ID=218 Selbstdefinition des Christentums] ([https://de.wikipedia.org/wiki/Web-Archivierung#Begrifflichkeiten <span class="webarchiv-memento">Memento</span>] vom 13. Juli 2012 im ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Internet_Archive Internet Archive]''). Ein systemtheoretischer Zugang zur frühchristlichen Ausgrenzung der Gnosis.'' Herder, Freiburg 2003, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3451280736 ISBN 3-451-28073-6].
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Jens_Holzhausen Jens Holzhausen]: ''Gnostizismus, Gnosis, Gnostiker. Ein Beitrag zur antiken Terminologie.'' In: ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Jahrbuch_f%C3%BCr_Antike_und_Christentum Jahrbuch für Antike und Christentum].'' Band 44 (2001), S. 58–75. Aschendorff, Münster 2002, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3402081350 ISBN 3-402-08135-0].
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Julia_Iwersen Julia Iwersen]: ''Gnosis – Eine Einführung.'' Panorama Verlag 2005, EAN 9783926642554.
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Jonas Hans Jonas]: ''Gnosis und spätantiker Geist''. 2 Bände. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1954 ff., [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3525531230 ISBN 3-525-53123-0] (Band 1), [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3525538413 ISBN 3-525-53841-3] (Band 2).
*Hans Jonas: ''Gnosis: Die Botschaft des fremden Gottes.'' Verlag der Weltreligionen, Frankfurt am Main 2008, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783458720089 ISBN 978-3-458-72008-9].
*Karen L. King: ''What is Gnosticism.'' Harvard University Press, Oxford 2003, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/067401071X ISBN 0-674-01071-X].
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Leisegang Hans Leisegang]: ''Die Gnosis''. 4. Aufl. – Stuttgart 1955, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3520032058 ISBN 3-520-03205-8].
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Adelbert_Lipsius Richard Adelbert Lipsius]: ''Der Gnostizismus, sein Wesen, Ursprung und Entwicklungsgang.'' F. A. Brockhaus, Leipzig 1860, [https://books.google.de/books?id=FK5AAQAAMAAJ&printsec=frontcover&hl=de&source=gbs_ge_summary_r&cad=0#v=onepage&q&f=false. Online].
*Alastair H. B. Logan: ''The Gnostics. Identifying an Early Christian Cult.'' Continuum International Publishing Group/T & T Clark, London 2006, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/0567040623 ISBN 0-567-04062-3].
*Alastair H. B. Logan: ''Gnostic Truth and Christian Heresy. A Study in the History of Gnosticism.'' Hendrickson Publishers, Peabody 1996, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/1565632435 ISBN 1-56563-243-5].
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Christoph_Markschies Christoph Markschies]: ''Die Gnosis''. (= bsr 2173). 2. Auflage. Beck, München 2006, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3406447732 ISBN 3-406-44773-2].
*Martin R. von Ostheim: ''Selbsterlösung durch Erkenntnis. Die Gnosis im 2. Jahrhundert n. Chr.'' (= Schwabe Reflexe 25). Schwabe, Basel 2013, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783796528941 ISBN 978-3-7965-2894-1].
*Birger Albert Pearson: ''Ancient Gnosticism.'' Traditions And Literature. Fortress, Minneapolis 2007, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9780800632588 ISBN 978-0-8006-3258-8].
*Birger Albert Pearson: ''Gnosticism and Christianity in Roman and Coptic Egypt.'' Studies in antiquity and Christianity. T & T Clark, London/ New York 2004, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/0567026108 ISBN 0-567-02610-8].
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_Rudolph Kurt Rudolph]: ''Die Gnosis. Wesen und Geschichte einer spätantiken Religion.'' Koehler & Amelang, Leipzig 1974; 4. Auflage. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2005, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3525521103 ISBN 3-525-52110-3] ([https://gnosis.study/library/%D0%93%D0%BD%D0%BE%D0%B7%D0%B8%D1%81/%D0%98%D1%81%D1%81%D0%BB%D0%B5%D0%B4%D0%BE%D0%B2%D0%B0%D0%BD%D0%B8%D1%8F/DEU/Rudolph%20K.%20-%20Die%20Gnosis.%20Wesen%20und%20Geschichte%20einer%20Sp%C3%A4tantiken%20Religion.pdf, PDF; 13,2 MB, 430 Seiten] abgerufen auf gnosis.study)
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Eugen_Heinrich_Schmitt Eugen Heinrich Schmitt]: ''Die Gnosis. Grundlagen der Weltanschauung einer edleren Kultur.'' I. BAND, Die Gnosis des Altertums. Eugen Diederichs, Leipzig 1903, [http://www.odysseetheater.org/ftp/bibliothek/Gnosis/Schmitt-Eugen-Die-Gnosis-Grundlagen-Der-Weltanschauung-Einer-Edleren-Kultur-Bd-1.pdf, PDF; 29,6 MB, 650 Seiten] abgerufen auf odysseetheater.org
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Sloterdijk Peter Sloterdijk]: ''Weltrevolution der Seele: ein Lese- und Arbeitsbuch der Gnosis von der Spätantike bis zur Gegenwart''. München 1991, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3760810551 ISBN 3-7608-1055-1].
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Holger_Strutwolf Holger Strutwolf]: ''Gnosis als System. Zur Rezeption der valentinianischen Gnosis bei Origenes.'' Göttingen 1993 (= ''Forschungen zur Kirchen- und Dogmengeschichte.'' Band 56).
*[https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Einar_Thomassen&action=edit&redlink=1 Einar Thomassen]: ''The spiritual seed. The Church of the Valentinians.'' Brill, Leiden 2008, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9789004167339 ISBN 978-90-04-16733-9].
*[https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Hans-Friedrich_Weiss&action=edit&redlink=1 Hans-Friedrich Weiss]: ''Frühes Christentum und Gnosis: eine rezeptionsgeschichtliche Studie.'' (= Wissenschaftliche Untersuchungen zum Neuen Testament 225). Mohr Siebeck, Tübingen 2008, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783161496066 ISBN 978-3-16-149606-6].
*[https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Michael_Allen_Williams&action=edit&redlink=1 Michael Allen Williams]: ''Rethinking „Gnosticism“. An Argument for Dismantling a Dubious Category.'' Princeton 1996, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/0691011273 ISBN 0-691-01127-3].
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Edwin_M._Yamauchi Edwin M. Yamauchi]: ''Pre-Christian Gnosticism. A Survey of the Proposed Evidences.'' William B. Eerdmans, Grand Rapids 1973/Wipf and Stock 2003, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/1592443966 ISBN 1-59244-396-6].


== <span id="Einführungen">Einführungen</span> ==
== Sprachgebrauch ==
Die Ausdrücke ''Gnosis, Gnostik'' und ''Gnostizismus'' werden oft unterschiedslos verwendet. Üblicherweise bezeichnet Gnosis ein [[Religion|religiöses]] Wissen, das die '''Gnostiker''' (die „Wissenden“, die vom Offenbarungsvorgang ihren Namen ableiteten<ref>Allison Coudert: ''Der Stein der Weisen. Die geheime Kunst der Alchemisten.'' (Originalausgabe: ''Alchemy: the Philosopher’s Stone.'' 1980) Lizenzausgabe. Pawlak, Herrsching 1992, ISBN 3-88199-911-6, S. 27–28.</ref>) nach eigenem Verständnis von der übrigen Menschheit abhebt. In der Literatur des zweiten und dritten Jahrhunderts war ''Gnostiker'' eine gängige Bezeichnung für christliche und [[Judentum|jüdische]], aber auch [[Heidentum|heidnische]] und [[Hellenismus|hellenistische]] Intellektuelle. ''Gnō̂sis'' bedeutete „Erkenntnis“ im allgemeinen Sinn, so dass die Selbstbezeichnung als „Gnostiker“ oft unspezifisch ist. Gnostische Bewegungen im spezifischen Sinn wurden nach ihren Führern oder Gründern als [[Valentinianismus|Valentinianer]], [[Simon Magus|Simonianer]] oder [[Basilides (Gnostiker)|Basilidianer]] bezeichnet, was aber vermutlich bereits Fremdbezeichnungen von Kritikern sind, während einige dieser Gruppen sich vermutlich schlicht „Christen“ nannten.<ref>Dafür sprechen u. a. Belege bei [[Justin der Märtyrer|Justin]] (Dialog mit Trypho 35,6); siehe z. B. Markschies 2001, 18.</ref> Die unspezifische Selbstbezeichnung als Wissende oder Erkennende wurde im Gefolge antignostischer [[Polemik]] christlicher [[Theologie|Theologen]] (insbesondere [[Irenäus von Lyon]]) ausgedehnt auf jene geistig nahestehenden Lehren, die Glaubensinhalte mit spekulativ-[[Philosophie|philosophischen]] Elementen versahen und unter verschiedenen Hinsichten in Abhängigkeits- oder Ähnlichkeitsbeziehungen zu stehen scheinen.


*[https://de.wikipedia.org/wiki/Siegfried_G._Richter Siegfried G. Richter]: ''Das koptische Ägypten. Schätze im Schatten der Pharaonen'' (mit Fotos von Jo Bischof). Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2019, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783805352116 ISBN 978-3-8053-5211-6], S. 103–111.
Die spätere Literatur setzte oft eine einheitliche Bewegung namens Gnosis voraus. Der Begriff ''Gnostizismus'' entstammt der Neuzeit. Der englische Philosoph und Theologe [[Henry More]] prägte ihn im 17. Jahrhundert zur Zusammenfassung sämtlicher christlicher [[Häresie]]n. Seit dem 18.&nbsp;Jahrhundert dienen ''Gnosis'' oder ''Gnostizismus'' auch als Interpretationskategorie für zeitgenössische religiöse oder philosophische Strömungen (etwa bei [[Ferdinand Christian Baur]], [[Johann Gottlieb Fichte]] oder [[Rudolf Steiner]]). Damit geriet jedoch das [[Geschichte der Religion|religionsgeschichtliche]] Phänomen, das in der [[Antike]] als ''Gnosis'' bezeichnet wird, aus dem Blick. Auf dem Gnosis-Kongress von [[Messina]] wurde daher 1966 eine präzisere Sprachregelung vorgeschlagen. Danach bezeichne ''Gnosis'' ein „Wissen um göttliche Geheimnisse, das einer Elite vorbehalten ist“, ''Gnostizismus'' hingegen „eine bestimmte Gruppe von Systemen des 2. Jahrhunderts nach Christus“, die durch historische und typologische Merkmale umgrenzt wird. Dieser Vorschlag steht nicht nur im Konflikt mit der Begriffsgeschichte (etwa insofern er das religionsgeschichtliche Phänomen von einem für Historiker unbrauchbaren Gnosis-Begriff abtrennt), sondern ist auch unterbestimmt.


== <span id="Weblinks">Weblinks</span> ==
In der jüngeren Diskussion ist – abhängig von der historischen Einschätzung – umstritten, ob Gnosis als Bewegung innerhalb der christlichen Religion (mit möglicherweise vorchristlichen Vorstufen) zu fassen ist (so etwa [[Adolf von Harnack]]<ref>{{Literatur |Autor=[[Adolf von Harnack]] |Titel=Lehrbuch der Dogmengeschichte |Band=3&nbsp;Bände 1886–1890 |Auflage=4. |Datum=|Kommentar=erschienen 1909–1910 |OCLC=5006786}}</ref>) oder als [[Weltanschauung]] oder Religion, die sich verschiedenen Religionen anpassen kann (so etwa [[Gilles Quispel]] und zeitweise [[Hans Jonas]]<ref>Vgl. [[Hans Jonas]]: ''Gnosis und spätantiker Geist''. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1934; 1954; Erster Teil: ''Die mythologische Gnosis. Mit einer Einführung zur Geschichte und Methodologie der Forschung.'' 4. Auflage. 1988, ISBN 3-525-53123-0; Zweiter Teil: ''Von der Mythologie zur mystischen Philosophie.'' 3. Auflage. hrsg. u. erg. v. Kurt Rudolph 1993, ISBN 3-525-53841-3.</ref> und [[Eric Voegelin]]). Hierbei wird unterschiedlich beurteilt, ob Gnosis eine ursprünglich eigenständige Religion oder einen Versuch darstellt, die jüdisch-christliche Religion philosophisch zu untermauern, der dann in der [[Manichäismus|manichäischen]] Religion endet. Insbesondere jüngere Textfunde haben die Einsicht geschärft, dass es ein einheitliches Phänomen ''Gnosis'' nur im Rahmen typologischer Konstruktionen gibt (so etwa [[Christoph Markschies]]). Der amerikanische Religionswissenschaftler Michael A. Williams plädierte in einer 1996 vorgelegten Studie dafür, auf den Begriff ''Gnostizismus'' grundsätzlich zu verzichten, da die Phänomene, die unter dieser Bezeichnung zusammengefasst werden, mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten aufwiesen. Stattdessen solle man von [[Valentinianismus]] oder in einem weiteren Sinne von „biblical demiurgical traditions“ („biblischen [[demiurg]]ischen Traditionen“) sprechen, die als Schöpfer und Lenker der Welt nicht den höchsten Gott annehmen, sondern eine oder mehrere
<div class="sisterproject"><span class="noviewer" role="presentation" aria-hidden="true"><span class="mw-default-size"><span title="Wiktionary">[[file:16px-Wiktfavicon_en.svg.png|16x16px]]</span></span></span>'''[https://de.wiktionary.org/wiki/Gnosis Wiktionary: Gnosis]'''&nbsp;– Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen</div>
ihm untergeordnete Entitäten.<ref>Michael A. Williams: ''Rethinking „Gnosticism“. An Argument for Dismantling a Dubious Category.'' Princeton University Press, Princeton 1996, ISBN 0-691-01127-3, das Zitat S. 52.</ref> Manche [[Religionswissenschaft]]ler behalten den Terminus ''Gnostizismus'' auch den ausgearbeiteteren Systemen des späten zweiten und dritten Jahrhunderts vor. Im angelsächsischen Sprachgebrauch hat sich der Terminus ''gnosticism'' weitgehend zur religionswissenschaftlichen Eingrenzung auf spezifische [[Mythos|mythische]] Erscheinungsformen durchgesetzt.
;Primärtexte


*[http://www.gnosis.org/library.html Gnostic Society Library] (englisch).
== Hauptmerkmale der Gnosis ==
*[http://www.earlychristianwritings.com/ Early Christian Writings – Sammlung von frühen Schriften aus dem christlichen Umfeld] (englisch).
[[Kurt Rudolph]] (1977) entwirft fünf Wesenmerkmale, um die Gnosis zu ordnen bzw. zu charakterisieren:
* [[Dualismus]], es besteht ein Gegensatz zwischen Gut und Böse, und es gibt einen transzendenten, verborgenen Gott und einen niederen Schöpfergott ([[Demiurg]])
* [[Kosmogonie]], auch im Ergebnis werden Dualitäten beschrieben, Licht und Finsternis, Geist und Fleisch; das Böse war von Anfang an in der Schöpfung vorhanden
* [[Soteriologie]], eine Erlösung wird in der Gnosis über den Weg der Erkenntnis des dualistischen Charakters der Welt beschritten.
* [[Eschatologie]], Ziel des Gläubigen ist es, sich in den Ort des Guten hinein zu bewegen, das Primat der spirituellen Dimension in der eigenen Existenz zu erkennen
* Gemeinde und Kult.<ref>Kurt Rudolph: ''Die Gnosis. Wesen und Geschichte einer spätantiken Religion.'' 3. Aufl. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1990, ISBN 978-3-52552-110-6, S.&nbsp;65 f.</ref>


;Sekundärliteratur
Zu den zentralen Inhalten der Gnosis gehören die folgenden Thesen:
* Es gibt einen vollkommenen allumfassenden Gott.
* Durch einen eigenmächtigen bzw. selbstbezogenen Akt in den [[Äon (Philosophie)|Äonen]] tritt ein unvollkommener Gott ins Dasein. Dieser wird [[Demiurg]] oder Schöpfergott genannt, weil er seinerseits eigenmächtig das materielle All erschafft.
** Der Demiurg wird in vielen gnostischen Schriften mit [[JHWH]] identifiziert, dem Gott des jüdischen [[Tanach]], des Alten Testaments der Bibel.
** Daher gehen die Gnostiker davon aus, dass [[Jesus von Nazareth]] nicht der Sohn des Gottes der Juden ist, sondern – als eine Inkarnation des [[Christus]] – das Kind der vollkommenen Gottheit, also geistig verstanden, nicht etwa körperlich ([[Christologie]]).
* Ebenfalls erschafft der Demiurg den Menschen und verbringt diesen in die Materie.
* Die Schöpfung (und der Mensch) tragen jedoch grundsätzlich das Prinzip der ursprünglichen vollkommenen Gottheit in sich, von dem sie nicht zu trennen sind.
* Einige gnostische Strömungen sehen die materielle Welt inklusive menschlichem Körper als „[[Das Böse|böse]]“ an, andere legen den Schwerpunkt auf das innewohnende geistige Prinzip, das den Rückweg zur geistigen Vollkommenheit respektive Einheit ermöglicht.
* Das innewohnende geistige Prinzip, auch [[Pneuma]], ''Funke'' oder ''Samenkorn'' genannt, muss dem Menschen in Abgrenzung zur [[Seele|Psyche]] bewusst werden, um die Verhaftungen an die materielle Welt erkennen und lösen zu können.


*Robert M. Grant:&nbsp;[http://xtf.lib.virginia.edu/xtf/view?docId=DicHist/uvaGenText/tei/DicHist2.xml;chunk.id=dv2-38 ''Gnosticism''] im ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Dictionary_of_the_History_of_Ideas Dictionary of the History of Ideas]''
Christoph Markschies (2001) schlägt auf Grundlage eines „gewissen Konsens[es]“ der neueren Forschung ein typologisches Modell vor. Demnach sind solche theologischen Systeme gnostisch, die durch mehrere der folgenden Motive gekennzeichnet sind:
*Jaan Lahe: [http://dspace.utlib.ee/dspace/bitstream/10062/1111/5/Lahe.pdf Die Berührungspunkte zwischen Gnosis und Judentum und ihre Widerspiegelungen in den authentischen Briefen des Paulus] (PDF; 1,2&nbsp;MB), Magisterarbeit, Tartu 2004.
*Jaan Lahe: [http://www.kirj.ee/public/trames/trames-2006-3-2.pdf Ist die Gnosis aus dem Christentum ableitbar?] (PDF; 76&nbsp;kB) In: Trames 10 (2006), S. 220–231.
*Edward Moore:&nbsp;[http://www.iep.utm.edu/g/gnostic.htm ''Gnosticism.''] In: J. Fieser, B. Dowden (Hrsg.): ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Internet_Encyclopedia_of_Philosophy Internet Encyclopedia of Philosophy]''.
*[http://jewishencyclopedia.com/view.jsp?artid=280&letter=G&search=gnosticism Gnosticism Eintrag] in der ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Jewish_Encyclopedia Jewish Encyclopedia].'' Funk and Wagnalls, New York 1901–1906.
*[http://www.newadvent.org/cathen/06592a.htm Eintrag] in der ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Catholic_Encyclopedia Catholic Encyclopedia]'', Robert Appleton Company, New York 1913.
*[http://www.uni-muenster.de/IAEK/forschen/kop/mani/ Arbeitsstelle für Manichäismusforschung an der Uni Münster]
*Alexandra Rassidakis: ''Die Provokation der Vorübergehenden. Gnosis als Denkfigur in der Literatur des 20. Jahrhunderts.'' Dissertationsschrift, Universität Düsseldorf, 1999 ([http://www.mythos-magazin.de/mythosforschung/ar_gnosis.pdf [1]] auf mythos-magazin.de)


== <span id="Einzelnachweise_und_Anmerkungen">Einzelnachweise und Anmerkungen</span> ==
# Die oberste Gottheit ist jenseitig und fern.
# Es gibt weitere göttliche Figuren, die den Menschen näher sind.
# Die materielle Welt ist böse, der Gnostiker fühlt sich in ihr fremd.
# Der in platonischer Tradition als [[Demiurg]] bezeichnete Schöpfergott ist unwissend oder böse.
# Göttliche Funken fielen in die materielle Welt, schlummern nun in einem Teil der Menschen und können befreit werden.
# Ein Erlöser steigt aus der oberen Sphäre herab (und später wieder hinauf), um den Menschen die Erkenntnis über ihren Zustand mitzuteilen.
# Wer erkennt, dass der Funke in ihm ist, erlangt Erlösung.
# Sowohl der Gottesbegriff als auch die Entgegensetzung von Geist und Materie und die Anthropologie sind dualistisch.<ref>Christoph Markschies: ''Die Gnosis''. Beck, München 2001, S. 22–26</ref>


#<span class="reference-text">''Stuttgarter Erklärungsbibel.'' 2.&nbsp;Auflage. [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Bibelgesellschaft Deutsche Bibelgesellschaft], Stuttgart 1992, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3438011212 ISBN 3-438-01121-2], Sacherklärungen S.&nbsp;29</span>
Laut dem italienischen Religionshistoriker Giovanni Filoramo wurzelt die Gnosis in [[Entfremdung]]s- bzw. Trennungserfahrungen, nämlich in der Abtrennung des [[Selbst]] von den verschiedenen Masken des empirisch erlebten [[Ich]], von der der Welt und insbesondere der Trennung von Gott. Die Gnosis erhebe den Anspruch, diese Trennung durch die Erkenntnis zu überwinden, dass das Selbst mit dem Göttlichen identisch ist. Insofern sei sie „totale Erkenntnis, als sie die Dichotomie zw[ischen] Subjekt und Objekt, eigentlich jede Dichotomie, überschreitet, weil sie absolute Erkenntnis des Absoluten ist“. Diese Erkenntnis beinhalte die Erlösung.<ref>Giovanni Filoramo: ''Gnosis/Gnostizismus I. Religionswissenschaftlich''. In ''[[Religion in Geschichte und Gegenwart]]'', 4. Auflage, Bd. 3,  Mohr-Siebeck, Tübingen 2000, S. 1043.</ref>
#<span class="reference-text">[https://www.wissen.de/lexikon/gnosis ''Gnosis''], Artikel im Onlinelexikon [https://de.wikipedia.org/wiki/Wissen.de wissen.de], [https://de.wikipedia.org/wiki/Konradin_Mediengruppe Konradin Mediengruppe], Leinfelden-Echterdingen.</span>
 
#<span class="reference-text">Dafür sprechen u. a. Belege bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Justin_der_M%C3%A4rtyrer Justin] (Dialog mit Trypho 35,6); siehe z. B. Markschies 2001, 18.</span>
== Antike Gnosis ==
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Adolf_von_Harnack Adolf von Harnack]: <cite>Lehrbuch der Dogmengeschichte</cite>. 4. Auflage. 3 Bände 1886–1890, [https://de.wikipedia.org/wiki/OCLC OCLC] [https://worldcat.org/oclc/5006786 5006786] (erschienen 1909–1910).</span>
Größere Kenntnis ermöglichen die überlieferten Quellen für gnostische Gruppen im frühen [[Christentum]], wobei Elemente der antiken [[Griechische Philosophie|griechischen Philosophie]] und [[Religiosität]] (insbesondere [[Mittelplatonismus]] und [[Pythagoräer#Neupythagoreismus|Neupythagoräer]], [[Reinkarnation|Seelenwanderungslehre]]), persischer (insbesondere [[Zoroastrismus]]), [[Babylonien|babylonischer]] und [[Ägypten|ägyptischer]] Religionen auszumachen sind. Auch Zusammenhänge mit dem etwa gleichzeitig in Nordindien entstandenen [[Mahayana]]-[[Buddhismus]] werden erwogen.
#<span class="reference-text">Vgl. [https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Jonas Hans Jonas]: ''Gnosis und spätantiker Geist''. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1934; 1954; Erster Teil: ''Die mythologische Gnosis. Mit einer Einführung zur Geschichte und Methodologie der Forschung.'' 4. Auflage. 1988, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3525531230 ISBN 3-525-53123-0]; Zweiter Teil: ''Von der Mythologie zur mystischen Philosophie.'' 3. Auflage. hrsg. u. erg. v. Kurt Rudolph 1993, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3525538413 ISBN 3-525-53841-3].</span>
 
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_Rudolph Kurt Rudolph]: ''Die Gnosis. Wesen und Geschichte einer spätantiken Religion.'' 3. Aufl. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1990, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783525521106 ISBN 978-3-52552-110-6], S.&nbsp;65 f.([https://web.archive.org/web/20191127131015/https://gnosis.study/library/%D0%93%D0%BD%D0%BE%D0%B7%D0%B8%D1%81/%D0%98%D1%81%D1%81%D0%BB%D0%B5%D0%B4%D0%BE%D0%B2%D0%B0%D0%BD%D0%B8%D1%8F/DEU/Rudolph%20K.%20-%20Die%20Gnosis.%20Wesen%20und%20Geschichte%20einer%20Sp%C3%A4tantiken%20Religion.pdf, PDF; 13,2 MB, 430 Seiten]abgerufen auf gnosis.study)</span>
=== Ursprünge ===
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/George_W._MacRae George W. MacRae]: ''The Jewish. Background of the Gnostic Sophia Myth.'' Novum Testamentum (An International Quarterly for New Testament and Related Studies) Fasc. 2 (Apr., 1970), S.&nbsp;86–101 [https://doi.org/10.2307/1560039 DOI:10.2307/1560039]</span>
Die Ursprünge der Gnosis sind ein bis heute ungelöstes Problem. Diskutiert werden verschiedene historische Strömungen, die alle eine stark dichotome Weltsicht aufweisen:
#<span class="reference-text">Im [https://de.wikipedia.org/wiki/Arabische_Sprache Arabischen] heißt dieser Begriff ''‘irfān'' (عرفان), bedeutet wörtlich „Zustand des Wissens“ und wird inhaltlich mit „Mystik“ gleichgesetzt; damit entspricht er dem „inneren Kern“ des [https://de.wikipedia.org/wiki/Sufismus Sufismus].</span>
* So wird vermutet, sie wurzele in heterodoxen und namentlich [[Apokalyptik|apokalyptischen]] Strömungen im antiken [[Judentum]];
#<span class="reference-text">Geo Widengren: ''Religionsphänomenologie.'' Walter de Gruyter, Berlin 1969; Neuauflage 2012, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783110883961 ISBN 978-3-110-88396-1], S. 508.</span>
* andere wie die französische Philosophin Simone Pétrement sehen sie als [[Häresie]] des frühen Christentums an;<ref>Simone Pétrement: ''A Separate God. The Christian Origins of Gnosticism''. HarperSanFrancisco, San Francisco 1990, ISBN 0-06-066501-7.</ref>
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Adolf_von_Harnack Adolf von Harnack], Dogmengeschichte Band 1.</span>
* wieder andere suchen die Ursprünge der Gnosis im mittleren [[Platonismus]] mit seiner Betonung der [[Transzendenz]] (was nach dem amerikanischen Theologen Robert M. Grant schlecht zu der scharfen Kritik passt, mit der ihr [[Plotin]] und die [[Neuplatonismus|Neuplatoniker]] begegneten);
#<span class="reference-text">Art. ''Alexandria I.'' In: [https://de.wikipedia.org/wiki/Theologische_Realenzyklop%C3%A4die Theologische Realenzyklopädie]</span>
* oder man verortet ihre Entstehung im [[Synkretismus|synkretistischen]] religiösen Umfeld des [[Römisches Reich|Römischen Reichs]], in dem Elemente der [[Religion des antiken Griechenland|griechisch]]-[[Römische Religion|römischen]], der [[Syria|syrischen]], der [[Altägyptische Religion|ägyptischen]], der [[Babylonische Religion|mesopotamischen Religion]], des [[Zoroastrismus]] und vielleicht auch des [[Hinduismus]] ineinander flossen.<ref>{{DHI|1=http://xtf.lib.virginia.edu/xtf/view?docId=DicHist/uvaGenText/tei/DicHist2.xml;chunk.id=dv2-38|2=Gnosticism|3=Robert M. Grant}}</ref>
#<span class="reference-text">Vgl. Harry J. Sheppard: ''The origin of the gnostic-alchemical relationship.'' In: ''Scientia.'' 97/56, 1962, S. 146–149.</span>
Die exakten Abhängigkeiten und Einflüsse dieser Bewegungen untereinander sind schwer festzustellen und umstritten; inwieweit man sie bereits gnostisch nennen kann, hängt stark davon ab, wie man diesen Begriff versteht. Die Annahme einer „jüdischen Gnosis“ etwa ist im Gegensatz zur Rede von „jüdischen Wurzeln der Gnosis“<ref>[[George W. MacRae]]: ''The Jewish. Background of the Gnostic Sophia Myth.'' Novum Testamentum (An International Quarterly for New Testament and Related Studies) Fasc. 2 (Apr., 1970), S.&nbsp;86–101 [[DOI:10.2307/1560039]]</ref> umstritten, weil viele Charakteristika und ein Interesse an alttestamentlichen biblischen Texten fehlen. Konsens scheint allenfalls darüber zu bestehen, dass sich die Gnosis nicht [[Kausalität#Monokausalität, Multikausalität und Kausalkette|monokausal]] aus einer dieser Strömungen herleiten lasse.<ref>Andreas Löw: ''Gnosis I: Antike''. In: [[Christoph Auffarth]], Jutta Bernard, Hubert Mohr (Hrsg.): ''Metzler Lexikon Religion. Gegenwart – Alltag – Medien.'' Bd. 1, J.B. Metzler, Stuttgart/Weimar 2005, ISBN 978-3-476-02070-3, S. 505.</ref>
#<span class="reference-text">Harry J. Sheppard: ''Gnosticism and Alchemy.'' In: ''Ambix.'' Band 6, 1957, S. 86–101.</span>
 
#<span class="reference-text">Vgl. darüber hinaus [https://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Pagel Walter Pagel], Marianne Winder: ''Gnostisches bei Paracelsus und Konrad von Megenberg.'' In: Gundolf Keil, Rainder Rudolf, Wolfram Schmitt, Hans J. Vermeer (Hrsg.): ''Fachliteratur des Mittelalters. Festschrift Gerhard Eis.'' Stuttgart 1968, S. 359–371.</span>
Der deutsch-amerikanische Philosoph [[Hans Jonas]] (1903–1993) sieht in der Gnosis eine allgemeinmenschliche Möglichkeit, nämlich die Wahrnehmung, dass die Welt insgesamt widergöttlich ist und auf Zwang beruht und das eigene Selbst nicht zu diesem als negativ empfundenen Zusammenhang gehört.<ref>Hans Jonas: ''Gnosis und spätantiker Geist''. Zwei Bände, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1934 und 1954, hier referiert nach Andreas Löw: ''Gnosis I: Antike''. In: Christoph Auffarth et al. (Hrsg.): ''Metzler Lexikon Religion.'' Bd. 1, J.B. Metzler, Stuttgart/Weimar 2005, S. 505.</ref>
#<span class="reference-text">Vgl. auch Harald Strohm: ''Die Gnosis und der Nationalsozialismus. Eine religionspsychologische Studie.'' Alibri, Aschaffenburg, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3932710681 ISBN 3-932710-68-1].</span>
 
#<span class="reference-text">Nicholas Goodrick-Clarke: ''Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus.'' 2. Auflage. Graz 2000, S. 10, 175. (Erstausgabe ''The Occult Roots of Nazism.'' 1985)</span>
=== Quellen ===
#<span class="reference-text">Nicholas Goodrick-Clarke: ''Im Schatten der Schwarzen Sonne. Arische Kulte, Esoterischer Nationalsozialismus und die Politik der Abgrenzung.'' Marix Verlag, Wiesbaden 2009, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783865391858 ISBN 978-3-86539-185-8], S. 380. (Original ''Black Sun.'' 2002).</span>
Bis ins 20. Jahrhundert waren Historiker und Religionswissenschaftler weitgehend angewiesen auf Textüberlieferungen bei frühchristlichen Theologen wie [[Irenäus von Lyon]], [[Clemens von Alexandrien]], [[Hippolyt von Rom]], [[Origenes]] oder [[Epiphanius von Salamis]] oder Darstellungen in freilich oft [[Polemik|polemischer]] Verzeichnung etwa bei [[Justin der Märtyrer|Justin]] oder [[Tertullian]]. Nach der [[Theologische Realenzyklopädie|Theologischen Realenzyklopädie]], Artikel ''Gnosis II''.4, ist die grundlegende Glaubwürdigkeit von Irenäus durch die [[Nag-Hammadi-Schriften|Funde in Nag Hammadi]] weitgehend erhärtet worden.
#<span class="reference-text">Vgl. etwa Peter Sloterdijk, Thomas Macho: ''Weltrevolution der Seele''. Ein Lese- und Arbeitsbuch der Gnosis von der Spätantike bis zur Gegenwart. Artemis & Winkler, 1991, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3760810551 ISBN 3-7608-1055-1]; Reinhard W. Sonnenschmidt: ''Politische Gnosis''. Entfremdungsglaube und Unsterblichkeitsillusion in spätantiker Religion und politischer Philosophie. Fink, München 2001, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3770536266 ISBN 3-7705-3626-6]; Samuel Vollenweider: ''Gnosis in der Moderne?'' In: Ders.: ''Horizonte neutestamentlicher Christologie: Studien zu Paulus und zur frühchristlichen Theologie.'' Mohr Siebeck, Tübingen 2002, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/316147791X ISBN 3-16-147791-X], S. 347–362 (S. 357 kurze kritische Bezugnahme auf den „schillernden“ Gnosisbegriff bei Sloterdijk/Macho 1991).</span>
 
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Peter-Robert_K%C3%B6nig Peter-Robert König]: ''Ein Leben für die Rose (Arnoldo Krumm-Heller).'' München 1995, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3927890219 ISBN 3-927890-21-9], S. 45.</span>
An Originaltexten – vor allem in [[Koptische Sprache|koptischer Sprache]] – sind zu nennen:
#<span class="reference-text">[https://web.archive.org/web/20110719071905/http://www.oto.de/egc.html Deutsche Website der Gnostisch-Katholischen Kirche („Ecclesia Gnostica Catholica“)] ([https://de.wikipedia.org/wiki/Web-Archivierung#Begrifflichkeiten <span class="webarchiv-memento">Memento</span>] des <span class="dewiki-iconexternal">[https://redirecter.toolforge.org/?url=http%3A%2F%2Fwww.oto.de%2Fegc.html Originals]</span> vom 19. Juli 2011 im ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Internet_Archive Internet Archive]'') <small><span class="wp_boppel noviewer" role="presentation" aria-hidden="true"><span title="i">[[file:15px-Pictogram_voting_info.svg.png|15x15px]]</span></span>&nbsp;'''Info:''' Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß [https://de.wikipedia.org/wiki/Benutzer:InternetArchiveBot/Anleitung/Archivlink Anleitung] und entferne dann diesen Hinweis.</small></span>
* [[Codex Askewianus]], der das Werk ''[[Pistis Sophia]]'' enthält,
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Horst_E._Miers Horst E. Miers]: ''Lexikon des Geheimwissens.'' Goldmann Verlag, München 1993, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3442121795 ISBN 3-442-12179-5], S. 251–252.</span>
* [[Codex Berolinensis Gnosticus 8502]] mit dem [[Evangelium der Maria]], dem [[Apokryphon des Johannes]] und der [[Sophia Jesu Christi]],
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_R._H._Frick Karl R. H. Frick]: ''Licht und Finsternis. Gnostisch-theosophische und freimaurerisch-okkulte Geheimgesellschaften bis zur Wende des 20. Jahrhunderts. Band II. ''Marix Verlag, Wiesbaden 2005, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3865390447 ISBN 3-86539-044-7], S. 274, S. 314–315 und S. 513.</span>
* [[Codex Brucianus]], der neben anderem die ''Bücher des Jeû'' enthält.
#<span class="reference-text">Horst E. Miers: ''Lexikon des Geheimwissens.'' Goldmann Verlag, München 1993, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3442121795 ISBN 3-442-12179-5], S. 251–252.</span>
 
#<span class="reference-text">Karl R. H. Frick: ''Licht und Finsternis. Gnostisch-theosophische und freimaurerisch-okkulte Geheimgesellschaften bis zur Wende des 20. Jahrhunderts.'' Band 2, Marix Verlag, Wiesbaden 2005, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3865390447 ISBN 3-86539-044-7], S. 234, 240, 336–339.</span>
Lange Zeit waren dies die einzigen direkten Textzeugen aus dem Umfeld der Gnosis selbst. Eine wesentlich breitere Textgrundlage kommt in den Blick, seit 1945/1946 bei [[Nag Hammadi]] in [[Oberägypten|Ägypten]] eine ganze Bibliothek auch gnostischer Schriften gefunden wurde, darunter [[Pseudepigraphie|pseudepigraphische]] Parallelen zu den neutestamentlichen Gattungen wie das [[Thomasevangelium]], eine [[Apokalypse des Paulus (NHC)|Apokalypse des Paulus]] und [[Offenbarung des Petrus|Apokalypse des Petrus]] und die [[Paraphrase des Seem]]. Des Weiteren sind manichäische Texte zu nennen: die Funde aus [[Turfan]] und aus der Oase [[Dakhleh]], die Bibliothek von [[Medinet Madi]], der [[Kölner Mani-Kodex]]. Das [[Corpus Hermeticum]] sowie die [[Hekhalot]]-Literatur sind, was ihren gnostischen Charakter betrifft, zumindest umstritten (es fehlen im ersteren Falle widergöttliche Kräfte und ein sie bezwingender Erlöser, im zweiten Falle fehlt ein mythologisches Drama um den göttlichen Funken, hier ist eher an Einflüsse der [[Kabbala]] zu denken).
 
Auch in Texten des Neuen Testaments sind Ausdrücke wie ''Gnostiker'' zu finden. Wegen der erwähnten damaligen undifferenzierten Verwendungsweise dieser Ausdrücke ist dabei fast in jedem Fall sehr unklar und umstritten, ob damit ''Gnostiker'' im Sinne etwa valentinianischer Christen gemeint sind, ob an den dortigen Sprachgebrauch angeschlossen wird und wenn ja, in welchem Ausmaße dies kritisch geschieht, oder ob damit einfach auf religiöse Erkenntnis in einem unspezifischen Sinne Bezug genommen wird. Entsprechende Probleme diskutiert man etwa für den Epheserbrief oder den Kolosser-Brief, wo [[Paulus von Tarsus|Paulus]] vor „Philosophie und leerem Betrug“ (2,8) warnt. Für das [[Johannesevangelium]] nahm etwa [[Rudolf Bultmann]] Elemente einer gnostischen Erlösungslehre an. Dem widersprechen aber entscheidende Merkmale (kein Mythos einer Weltschöpfung durch einen bösen [[Demiurg]]en, Inkarnation und Leiden am Kreuz statt [[Doketismus]]), wenngleich sich gnostische Theologen gerne auf das Johannesevangelium beziehen, etwa wegen des Beginns mit der [[Erschaffung der Welt]] und einer schroffen, nur durch Christus durchbrochenen Trennung zwischen Licht und Finsternis, oben und unten.
 
=== Nichtchristliche gnostische Gruppierungen ===
Der [[Manichäismus]] war eine gnostisch geprägte, intensiv missionierende antike Religion, die sich bis nach China ausbreitete. Sein Gründer [[Mani (Religionsstifter)|Mani]] war in einer christlichen Täufergemeinschaft aufgewachsen und betrachtete sich als Apostel Christi und als Fortsetzer und Vollender von dessen Lebenswerk.
 
Der Manichäismus wurde unter [[Diokletian]] als persische Bedrohung verfolgt. Gegen Ende des vierten Jahrhunderts ergriffen christliche Kaiser Maßnahmen gegen die Manichäer. Der gegenüber dem Heidentum tolerante [[Valentinian I.]] erließ Gesetze, nach denen das Eigentum der Manichäer konfisziert werden konnte, [[Gratian]] reihte sie zusammen mit den extremen [[Arianismus|Arianern]] als unerwünscht ein und [[Theodosius I.]] erließ Gesetze, die den Manichäismus verboten.
 
Die [[Mandäer]] sind eine bis heute existierende Minderheit im [[Irak]], in [[Iran]] und weltweit, wo die vorherrschende Religion gnostische Einflüsse aufweist.
 
Im [[Islam]] werden einige Gruppierungen der [[Schia]] ([[Ismailiten]], [[Aleviten]], [[Nusairier]] und [[Drusen]]), sowie die aus der Schia hervorgegangenen [[Synkretismus|synkretistischen]] Religionen der Gnosis zugerechnet. Manchmal werden auch die [[Sufismus|Sufis]] (Anhänger der islamischen [[Mystik]]) zu den Gnostikern gerechnet.<ref>Im [[Arabische Sprache|Arabischen]] heißt dieser Begriff ''‘irfān'' (عرفان), bedeutet wörtlich „Zustand des Wissens“ und wird inhaltlich mit „Mystik“ gleichgesetzt; damit entspricht er dem „inneren Kern“ des [[Sufismus]].</ref> Wie in der christlich geprägten Gnosis, gilt auch in der islamischen Gnosis die materielle Welt als „fremd“.<ref>Geo Widengren: ''Religionsphänomenologie.'' Walter de Gruyter, Berlin 1969; Neuauflage 2012, ISBN 978-3-110-88396-1, S. 508.</ref> Ähnliches gilt für die [[Merkaba]]-Mystik, die [[Kabbala]] und den [[Chassidismus]] als Strömungen [[Judentum|jüdischer]] Mystik.
 
=== Gnostische Gruppierungen im Christentum ===
Der Ausdruck ''Gnosis'' wird erst im Zuge der Konstitution großkirchlicher Autorität zunehmend trennschärfer verwendet. Mit dem Ausdruck ''Gnostiker'' werden anfangs die verschiedensten Personenkreise bezeichnet. Dies hat [[Adolf Harnack]] deutlich beschrieben. Er beschreibt den frühchristlichen Gnostizismus als eine sehr variantenreiche Bewegung, die an ihren Extremen kaum vom Volkschristentum einerseits oder vom hellenistischen Synkretismus auf der anderen Seite unterschieden werden kann. Er führt am einen Extrem die [[Enkratiten]] auf, die einen strikten [[Asketismus]] in der Nachfolge Christi betonten und nur manchmal [[Dualismus|dualistische]] Ideen aufnahmen, zur Spekulation neigende christliche Theologen wie [[Origenes]] ebenso wie unauffällige [[Doketismus|doketistische]] Gemeinschaften und am anderen Extrem die [[Karpokratianer]], die neben Statuen von [[Pythagoras]], [[Platon]] und [[Aristoteles]] dem Genius [[Jesus Christus|Jesu]] eine Statue aufstellten. Noch weiter in der säkularen Kultur gab es Zauberer und Wahrsager mit christlichem Aushängeschild sowie Scharlatane, die mit unverständlichen Beschwörungsformeln den Leuten das Geld aus der Tasche lockten. In der Mitte seien die gnostischen Gruppierungen wie [[Valentianer]], [[Basilidianer]] und [[Ophiten]] auszumachen.<ref>[[Adolf von Harnack]], Dogmengeschichte Band 1.</ref> Heute würden viele Historiker den genannten Personenkreisen keine übergeordnete Gruppenidentität einer ''Bewegung der Gnosis'' mehr zuschreiben.
 
Frühe Vertreter der gnostischen Gruppierungen sind [[Simon Magus]], [[Menandros (Gnostiker)|Menandros]], [[Satornilus]] und [[Basilides (Gnostiker)|Basilides]].
 
Große Systementwürfe und gnostische Schulen entstehen im 2. und 3. Jh., vor allem die [[Valentinianismus|Valentinianer]] mit [[Valentinus]], [[Marcus (Gnostiker)|Markus]], [[Herakleon (Gnostiker)|Herakleon]] und [[Ptolemäus (Gnostiker)|Ptolemäus]] und die sogenannten [[Barbelo-Gnostiker]], auch die [[Ophiten]]. Für die sogenannte [[Sethianer|sethianische Gnosis]] wird eine Gruppenidentität oft (etwa von B. Layton) bezweifelt, zumal die entsprechenden Texte stark differierende Systeme erkennen lassen. [[Marcion]] unterscheidet sich trotz vieler Gemeinsamkeiten in entscheidenden Punkten von ihnen, weshalb sein Status als Gnostiker umstritten ist. Gemeinsam ist diesen Entwürfen der Versuch, eine Synthese jüdisch-christlicher Theologie und vulgärplatonistischer Spekulation in mythologischem Gerüst auszudrücken, wobei göttliche Eigenschaften personifiziert und irdische heilsgeschichtliche und himmlischen Geschehnissen vorgebildet werden.
 
Die ''Valentinianische Abhandlung,'' das einzige originale Dokument der Valentinianer, das auch Irenäus paraphrasiert, gibt in erzählendem Duktus eine platonisierende Lehre von drei Seelenteilen, denen eine dreiteilige anthropologische Klassifizierung entspricht:
# pneumatikoi (griech. {{lang|grc|πνευματικοί}} ‚''Geist''-artige‘)
# psychikoi (griech. {{lang|grc|ψυχικοί}} ‚''Seelen''-artige‘)
# hylikoi (griech. {{lang|grc|ὑλικοί}} ‚''Stoff''-artige‘)
Die Sophia Achamoth gibt, nach der dort gegebenen Erzählung (hier nach W. A. Löhr paraphrasiert), den Pneumatikern die pneumatischen Samen, um mit dem psychischen Seelenteil geformt zu werden. Der psychische Seelenteil muss moralisch erzogen werden, durch die Welt und den Erlöser. Der Erlöser ist pneumatischer und psychischer Natur. Da er keine hylische Natur angenommen hat, kann diese nicht gerettet werden. Die Heilsgeschichte hat ihr Ziel in der Rückkehr der pneumatischen Elemente zum [[Pleroma]]. Befreit von ihrer psychischen Hülle, verbinden sich die pneumatischen Seelenteile mit den Engeln, die den Erlöser umgeben. Die psychischen Seelenteile, die sich durch Glaube und gute Werke bewährt haben, steigen in die erste Achtheit des Pleromas auf.
 
Die Anhänger der gnostischen Schulen wurden während der [[Christenverfolgungen im Römischen Reich|Christenverfolgungen]] ebenso verfolgt wie die apostolischen Kirchen; so wurden beispielsweise die alexandrinischen Karpokratianer bei der Christenverfolgung von 202 durch [[Septimius Severus]] vernichtet.<ref>Art. ''Alexandria I.'' In: [[Theologische Realenzyklopädie]]</ref>
 
== {{Anker|neognostisch}}Spätere Einflüsse von oder Bezugnahmen auf gnostische Überlieferungen ==
Gnostische Elemente wurden, zum Teil beruhend auf [[Hermes Trismegistos]], im mittelalterlichen Europa von [[Alchemie|Alchemisten]],<ref>Vgl. Harry J. Sheppard: ''The origin of the gnostic-alchemical relationship.'' In: ''Scientia.'' 97/56, 1962, S. 146–149.</ref><ref>Harry J. Sheppard: ''Gnosticism and Alchemy.'' In: ''Ambix.'' Band 6, 1957, S. 86–101.</ref><ref>Allison Coudert: ''Der Stein der Weisen. Die geheime Kunst der Alchemisten.'' (Originalausgabe: ''Alchemy: the Philosopher’s Stone.'' 1980) Lizenzausgabe. Pawlak, Herrsching 1992, ISBN 3-88199-911-6, S. 27–34, 117 und 124–126.</ref><ref>Vgl. darüber hinaus [[Walter Pagel]], Marianne Winder: ''Gnostisches bei Paracelsus und Konrad von Megenberg.'' In: Gundolf Keil, Rainder Rudolf, Wolfram Schmitt, Hans J. Vermeer (Hrsg.): ''Fachliteratur des Mittelalters. Festschrift Gerhard Eis.'' Stuttgart 1968, S. 359–371.</ref> den [[Bogomilen]] und den [[Katharer]]n übernommen, in der islamischen Welt u. a. von [[Drusen]] und [[Jesiden]]. Auch der [[Spiritualismus (theologisch)|Spiritualismus]] wurde mit gnostischen Traditionen in Verbindung gebracht.
 
Im 19. Jahrhundert übernahmen das [[Mormonentum]] und später die [[Theosophie]] verschiedene gnostische Wesenszüge. Für das 20. Jahrhundert werden teils Einflüsse auf die [[Anthroposophie]], die [[Rosenkreuzer]], die [[Gralsbewegung]], und die Psychologie von [[Carl Gustav Jung]] diskutiert.
 
Der Historiker [[Nicholas Goodrick-Clarke]] betont den Einfluss gnostischer und manichäischer Denkmuster auf Ideologien [[Rechte Esoterik|rassistischer Esoterik]],<ref>Vgl. auch Harald Strohm: ''Die Gnosis und der Nationalsozialismus. Eine religionspsychologische Studie.'' Alibri, Aschaffenburg, ISBN 3-932710-68-1.</ref> etwa in der [[Ariosophie]] oder bei [[Miguel Serrano]].<ref>Nicholas Goodrick-Clarke: ''Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus.'' 2. Auflage. Graz 2000, S. 10, 175. (Erstausgabe ''The Occult Roots of Nazism.'' 1985)</ref><ref>Nicholas Goodrick-Clarke: ''Im Schatten der Schwarzen Sonne. Arische Kulte, Esoterischer Nationalsozialismus und die Politik der Abgrenzung.'' Marix Verlag, Wiesbaden 2009, ISBN 978-3-86539-185-8, S. 380. (Original ''Black Sun.'' 2002).</ref>
 
Insbesondere unter Verwendung eines nicht religionswissenschaftlich-historisch, sondern inhaltlich bestimmten Gnosis-Begriffs haben einige Autoren (darunter auch Psychologen, Philosophen des 19. und 20. Jahrhunderts) einen Zusammenhang mit „Gnosis“ hergestellt.<ref>Vgl. etwa Peter Sloterdijk, Thomas Macho: ''Weltrevolution der Seele''. Ein Lese- und Arbeitsbuch der Gnosis von der Spätantike bis zur Gegenwart. Artemis & Winkler, 1991, ISBN 3-7608-1055-1; Reinhard W. Sonnenschmidt: ''Politische Gnosis''. Entfremdungsglaube und Unsterblichkeitsillusion in spätantiker Religion und politischer Philosophie. Fink, München 2001, ISBN 3-7705-3626-6; Samuel Vollenweider: ''Gnosis in der Moderne?'' In: Ders.: ''Horizonte neutestamentlicher Christologie: Studien zu Paulus und zur frühchristlichen Theologie.'' Mohr Siebeck, Tübingen 2002, ISBN 3-16-147791-X, S. 347–362 (S. 357 kurze kritische Bezugnahme auf den „schillernden“ Gnosisbegriff bei Sloterdijk/Macho 1991).</ref>
 
== Gnostische Kirchen der Neuzeit ==
Sogenannte „gnostische Kirchen“ sind seit Ende des 19. Jahrhunderts entstandene spirituelle Gemeinschaften und esoterische Gruppen, die sich auf gnostisches Gedankengut berufen und deren Anschauungen nicht den Lehren herkömmlicher Kirchen entsprechen. Der Begriff „gnostische Kirche“ fand historisch erstmals bei Joanny Bricauds „Église Gnostique“ Verwendung.<ref>[[Peter-Robert König]]: ''Ein Leben für die Rose (Arnoldo Krumm-Heller).'' München 1995, ISBN 3-927890-21-9, S. 45.</ref> Zu den „gnostischen Kirchen“ zählen unter anderem die [[Liberalkatholische Kirche]], die [[Ordo Templi Orientis#Gnostisch-Katholische Kirche|Gnostisch-Katholische Kirche („Ecclesia Gnostica Catholica“)]]<ref>{{Webarchiv|text=Deutsche Website der Gnostisch-Katholischen Kirche („Ecclesia Gnostica Catholica“) |url=http://www.oto.de/egc.html |wayback=20110719071905 }}</ref> von [[Theodor Reuss]], die [[Gnostische Schule]] (Peithmann), das [[Lectorium Rosicrucianum]], die [[Gnostische Gemeinde der Urdner]] ([[Berlin]]), die [[Gemeinde der Gnostiker]] (E. H. Schmitt), die [[Gnostische Tempel-Brüderschaft]] ([[Herford]]) und die [[Altgnostische Kirche von Eleusis]] ([[Hamborn]]).<ref>[[Horst E. Miers]]: ''Lexikon des Geheimwissens.'' Goldmann Verlag, München 1993, ISBN 3-442-12179-5, S. 251–252.</ref><ref>[[Karl R. H. Frick]]: ''Licht und Finsternis. Gnostisch-theosophische und freimaurerisch-okkulte Geheimgesellschaften bis zur Wende des 20. Jahrhunderts. Band II. '' Marix Verlag, Wiesbaden 2005, ISBN 3-86539-044-7, S. 274, S. 314–315 und S. 513.</ref>
 
Die erste gnostische Kirche der Neuzeit, die [[Église gnostique universelle]], wurde am 21. September 1890 von dem [[Spiritist]]en [[Jules Doinel]] (1842–1902) gegründet. Ihre [[apostolische Sukzession]] leitete die gnostische Kirche Dionels aus der Tradition zweier Vorläufer ab: Den gnostischen Lehren des [[Memphis-Misraïm-Ritus]] und der [[Johannitischen Kirche der Urchristen]] (Église Johannite des Chrétiens Primitifs), die sich Anfang des 19. Jahrhunderts von der vorwiegend in Frankreich wirkenden mystisch-maurischen [[Geheimgesellschaft]] des urchristlich-neognostisch nachempfundenen Tempelritterordens abspaltete. Die „Johannitische Kirche der Urchristen“ leitete ihre Sukzession wiederum von den Urchristen ab, deren Lehren im johanneischen Christentum am direktesten überliefert worden seien. Seine Berufung bezog der [[Freimaurerei|Hochgradfreimaurer]] Jules-Stanislas Dionel, der sich im 66. Grad des Memphis-Misraïm-Ritus mit der Freimaurerei in [[Orléans]] beschäftigte, aus der Charter des Gnostikers Kanzler Etienne, der Anfang des 11. Jahrhunderts wegen seiner Zugehörigkeit zu einem gnostischen Geheimbund als katharischer Märtyrer verbrannt wurde.<ref>Horst E. Miers: ''Lexikon des Geheimwissens.'' Goldmann Verlag, München 1993, ISBN 3-442-12179-5, S. 251–252.</ref><ref>Karl R. H. Frick: ''Licht und Finsternis. Gnostisch-theosophische und freimaurerisch-okkulte Geheimgesellschaften bis zur Wende des 20. Jahrhunderts.'' Band 2, Marix Verlag, Wiesbaden 2005, ISBN 3-86539-044-7, S. 234, 240, 336–339.</ref>
 
== Siehe auch ==
* [[Liste von Gnostikern]]
 
== Literatur ==
<!--Für Editionen der [[Nag-Hammadi-Schriften]] siehe dort!-->
* {{Literatur
  |Autor=[[Barbara Aland]]
  |Hrsg=
  |Titel=Die Gnosis
  |Verlag=Reclam
  |Ort=Stuttgart
  |Datum=2014
  |ISBN=978-3-15-019210-8}}
* [[Alexander Böhlig]], [[Christoph Markschies]] (Hrsg.): ''Gnosis und Manichäismus'' (= ''Forschungen und Studien zu Texten von Valentin und Mani sowie zu den Bibliotheken von Nag Hammadi und Medinet Madi.'' Beihefte zur Zeitschrift für die neutestamentliche Wissenschaft und die Kunde der älteren Kirche 72). Walter de Gruyter, Berlin 1994, ISBN 3-11-014294-5.
* [[Johanna Brankaer]]: ''Die Gnosis – Texte und Kommentar.'' Marix Verlag 2010, EAN 9783865399540.
* [[Roelof van den Broek]]: ''Gnosticism.'' ''I. Gnostic Religion.'' und ''II. Gnostic Literature.'' In: [[Wouter J. Hanegraaff]], [[Antoine Faivre]] u. a. (Hrsg.): ''Dictionary of Gnosis & Western Esotericism.'' Vol. 1, Brill, Leiden/Boston 2005, ISBN 90-04-14187-1, S. 403–432.
* Roelof van den Broek: ''Studies in Gnosticism and Alexandrian Christianity.'' Brill, Leiden 1996, ISBN 90-04-10654-5.
* [[Johann Evangelist Hafner]]: ''{{Webarchiv | url=http://www.uni-potsdam.de/db/religion/getdata.php?ID=218 | wayback=20120713051518 | text=Selbstdefinition des Christentums}}. Ein systemtheoretischer Zugang zur frühchristlichen Ausgrenzung der Gnosis.'' Herder, Freiburg 2003, ISBN 3-451-28073-6.
* [[Jens Holzhausen]]: ''Gnostizismus, Gnosis, Gnostiker. Ein Beitrag zur antiken Terminologie.'' In: ''[[Jahrbuch für Antike und Christentum]].'' Band 44 (2001),  ISBN 3-402-08135-0, S. 58–75.
* [[Julia Iwersen]]: ''Gnosis – Eine Einführung.'' Panorama Verlag 2005, EAN 9783926642554.
* [[Hans Jonas]]: ''Gnosis und spätantiker Geist''. 2 Bände. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1954 ff., ISBN 3-525-53123-0 (Band 1), ISBN 3-525-53841-3 (Band 2).
* Hans Jonas: ''Gnosis: Die Botschaft des fremden Gottes.'' Verlag der Weltreligionen, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-458-72008-9.
* Karen L. King: ''What is Gnosticism.'' Harvard University Press, Oxford 2003, ISBN 0-674-01071-X.
* [[Hans Leisegang]]: ''Die Gnosis''. 4. Aufl. Kröner, Stuttgart 1955, ISBN 3-520-03205-8.
* Alastair H. B. Logan: ''The Gnostics. Identifying an Early Christian Cult.'' Continuum International Publishing Group/T & T Clark, London 2006, ISBN 0-567-04062-3.
* Alastair H. B. Logan: ''Gnostic Truth and Christian Heresy. A Study in the History of Gnosticism.'' Hendrickson Publishers, Peabody 1996, ISBN 1-56563-243-5.
* [[Christoph Markschies]]: ''Die Gnosis''. (= bsr 2173). 2. Auflage. Beck, München 2006, ISBN 3-406-44773-2.
* Martin R. von Ostheim: ''Selbsterlösung durch Erkenntnis. Die Gnosis im 2. Jahrhundert n. Chr.'' (= Schwabe Reflexe 25). Schwabe, Basel 2013, ISBN 978-3-7965-2894-1.
* Birger Albert Pearson: ''Ancient Gnosticism.'' Traditions And Literature. Fortress, Minneapolis 2007, ISBN 978-0-8006-3258-8.
* Birger Albert Pearson: ''Gnosticism and Christianity in Roman and Coptic Egypt.'' Studies in antiquity and Christianity. T & T Clark, London / New York 2004, ISBN 0-567-02610-8.
* [[Kurt Rudolph]]: ''Die Gnosis. Wesen und Geschichte einer spätantiken Religion.'' Koehler & Amelang, Leipzig 1974; 4. Auflage. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2005, ISBN 3-525-52110-3 ([https://gnosis.study/library/Гнозис/Исследования/DEU/Rudolph%20K.%20-%20Die%20Gnosis.%20Wesen%20und%20Geschichte%20einer%20Spätantiken%20Religion.pdf  PDF; Digitalisat] abgerufen auf gnosis.study)
* [[Eugen Heinrich Schmitt]]: ''Die Gnosis. Grundlagen der Weltanschauung einer edleren Kultur.'' I. BAND, Die Gnosis des Altertums. Eugen Diederichs, Leipzig 1903, [http://www.odysseetheater.org/ftp/bibliothek/Gnosis/Schmitt-Eugen-Die-Gnosis-Grundlagen-Der-Weltanschauung-Einer-Edleren-Kultur-Bd-1.pdf, PDF; 29,6 MB, 650 Seiten] abgerufen auf odysseetheater.org
* [[Peter Sloterdijk]] / [[Thomas Macho]] (Hrsg.): ''Weltrevolution der Seele. Ein Lese- und Arbeitsbuch der Gnosis von der Spätantike bis zur Gegenwart''. 2 Bde., München 1991, ISBN 3-7608-1055-1.
* [[Holger Strutwolf]]: ''Gnosis als System. Zur Rezeption der valentinianischen Gnosis bei Origenes.'' Göttingen 1993 (= ''Forschungen zur Kirchen- und Dogmengeschichte.'' Band 56).
* [[Hans-Friedrich Weiss]]: ''Frühes Christentum und Gnosis: eine rezeptionsgeschichtliche Studie.'' (= Wissenschaftliche Untersuchungen zum Neuen Testament 225). Mohr Siebeck, Tübingen 2008, ISBN 978-3-16-149606-6.
* [[Michael Allen Williams]]: ''Rethinking „Gnosticism“. An Argument for Dismantling a Dubious Category.'' Princeton 1996, ISBN 0-691-01127-3.
* [[Edwin M. Yamauchi]]: ''Pre-Christian Gnosticism. A Survey of the Proposed Evidences.'' William B. Eerdmans, Grand Rapids 1973/Wipf and Stock 2003, ISBN 1-59244-396-6.
 
== Weblinks ==
{{Wiktionary}}
 
; Primärtexte
* [http://www.gnosis.org/library.html Gnostic Society Library] (englisch).
* [http://www.earlychristianwritings.com/ Early Christian Writings – Sammlung von frühen Schriften aus dem christlichen Umfeld] (englisch).
; Sekundärliteratur
* {{DHI|1=http://xtf.lib.virginia.edu/xtf/view?docId=DicHist/uvaGenText/tei/DicHist2.xml;chunk.id=dv2-38|2=Gnosticism|3=Robert M. Grant}}
* Jaan Lahe: [http://dspace.utlib.ee/dspace/bitstream/10062/1111/5/Lahe.pdf Die Berührungspunkte zwischen Gnosis und Judentum und ihre Widerspiegelungen in den authentischen Briefen des Paulus] (PDF; 1,2&nbsp;MB), Magisterarbeit, Tartu 2004.
* Jaan Lahe: [http://www.kirj.ee/public/trames/trames-2006-3-2.pdf Ist die Gnosis aus dem Christentum ableitbar?] (PDF; 76&nbsp;kB) In: Trames 10 (2006), S. 220–231.
* {{IEP|http://www.iep.utm.edu/g/gnostic.htm|Gnosticism|Edward Moore}}
* {{JE|1=http://jewishencyclopedia.com/view.jsp?artid=280&letter=G&search=gnosticism Gnosticism}}
* {{CE|http://www.newadvent.org/cathen/06592a.htm}}
* [http://www.uni-muenster.de/IAEK/forschen/kop/mani/ Arbeitsstelle für Manichäismusforschung an der Uni Münster]
* Alexandra Rassidakis: ''Die Provokation der Vorübergehenden. Gnosis als Denkfigur in der Literatur des 20. Jahrhunderts.'' Dissertationsschrift, Universität Düsseldorf, 1999 ([http://www.mythos-magazin.de/mythosforschung/ar_gnosis.pdf] auf mythos-magazin.de)
 
== Anmerkungen ==
<references />
 
{{Normdaten|TYP=s|GND=4021391-2}}
 
[[Kategorie:Gnosis| ]]
[[Kategorie:Häresiegeschichte (Alte Kirche)]]
[[Kategorie:Historische Religion]]
[[Kategorie:Synkretistische Religion]]
[[Kategorie:Religion (Spätantike)]]
[[Kategorie:Wikipedia.de Artikel]]
[[Kategorie:Gnostizismus]]

Aktuelle Version vom 28. Juli 2026, 10:05 Uhr

gno-sis agr.-deu. 'Kenntniß'

Gnosis (von altgriechisch γνῶσις gnō̂sis „Erkenntnis“[1]) oder Gnostizismus (latinisierte Form des griechischen γνωστικισμός gnōstikismós) bzw. Gnostik bezeichnet als religionswissenschaftlicher Begriff verschiedene religiöse Lehren und Gruppierungen des 2. und 3. Jahrhunderts n. Chr., teils auch frühere Vorläufer.

Der Ausdruck wird auch für verschiedene Strömungen verwendet, die in wirkungsgeschichtlichem Zusammenhang mit diesen Gruppierungen stehen oder in den vertretenen Lehren Ähnlichkeiten aufweisen. Gnostische Positionen fassten teilweise auch in einigen Gemeinden des frühen Christentums Fuß. Die Gnosis entwickelte sich im 2. Jahrhundert zum theologischen Hauptgegner der frühen Kirche.[2]

Trotz aller Verschiedenheiten zeigen die gnostischen Lehren eine gewisse Grundtendenz: Eine oberste, über alle irdische Wirklichkeit schlechthin erhabene „gute Gottheit“ entfaltet sich in vielfachen Abstufungen und Ausströmungen (Emanation). Die sichtbare Welt schuf ein „Demiurg“, der auch den minderwertigen „fleischlichen“ Menschen bildete, indem er das zur göttlichen Oberwelt gehörende Pneuma mit der „bösen Materie“ vermischte. Die Erlösung des Menschen liegt in der Gnosis, d. h. in der Erkenntnis seines kosmischen Geschicks und der Göttlichkeit seines eigenen Selbst.[3]

Sprachgebrauch

Die Ausdrücke Gnosis, Gnostik und Gnostizismus werden oft unterschiedslos verwendet. Üblicherweise bezeichnet Gnosis ein religiöses Wissen, das die Gnostiker (die „Wissenden“, die vom Offenbarungsvorgang ihren Namen ableiteten[4]) nach eigenem Verständnis von der übrigen Menschheit abhebt. In der Literatur des zweiten und dritten Jahrhunderts war Gnostiker eine gängige Bezeichnung für christliche und jüdische, aber auch heidnische und hellenistische Intellektuelle. Gnō̂sis bedeutete „Erkenntnis“ im allgemeinen Sinn, so dass die Selbstbezeichnung als „Gnostiker“ oft unspezifisch ist. Gnostische Bewegungen im spezifischen Sinn wurden nach ihren Führern oder Gründern als Valentinianer, Simonianer oder Basilidianer bezeichnet, was aber vermutlich bereits Fremdbezeichnungen von Kritikern sind, während einige dieser Gruppen sich vermutlich schlicht „Christen“ nannten.[5] Die unspezifische Selbstbezeichnung als Wissende oder Erkennende wurde im Gefolge antignostischer Polemik christlicher Theologen (insbesondere Irenäus von Lyon) ausgedehnt auf jene geistig nahestehenden Lehren, die Glaubensinhalte mit spekulativ-philosophischen Elementen versahen und unter verschiedenen Hinsichten in Abhängigkeits- oder Ähnlichkeitsbeziehungen zu stehen scheinen.

Die spätere Literatur setzte oft eine einheitliche Bewegung namens Gnosis voraus. Der Begriff Gnostizismus entstammt der Neuzeit. Der englische Philosoph und Theologe Henry More prägte ihn im 17. Jahrhundert zur Zusammenfassung sämtlicher christlicher Häresien. Seit dem 18. Jahrhundert dienen Gnosis oder Gnostizismus auch als Interpretationskategorie für zeitgenössische religiöse oder philosophische Strömungen (etwa bei Ferdinand Christian Baur, Johann Gottlieb Fichte oder Rudolf Steiner). Damit geriet jedoch das religionsgeschichtliche Phänomen, das in der Antike als Gnosis bezeichnet wird, aus dem Blick. Auf dem Gnosis-Kongress von Messina wurde daher 1966 eine präzisere Sprachregelung vorgeschlagen. Danach bezeichne Gnosis ein „Wissen um göttliche Geheimnisse, das einer Elite vorbehalten ist“, Gnostizismus hingegen „eine bestimmte Gruppe von Systemen des 2. Jahrhunderts nach Christus“, die durch historische und typologische Merkmale umgrenzt wird. Dieser Vorschlag steht nicht nur im Konflikt mit der Begriffsgeschichte (etwa insofern er das religionsgeschichtliche Phänomen von einem für Historiker unbrauchbaren Gnosis-Begriff abtrennt), sondern ist auch unterbestimmt.

In der jüngeren Diskussion ist – abhängig von der historischen Einschätzung – umstritten, ob Gnosis als Bewegung innerhalb der christlichen Religion (mit möglicherweise vorchristlichen Vorstufen) zu fassen ist (so etwa Adolf von Harnack[6]) oder als Weltanschauung oder Religion, die sich verschiedenen Religionen anpassen kann (so etwa Gilles Quispel und zeitweise Hans Jonas[7] und Eric Voegelin). Hierbei wird unterschiedlich beurteilt, ob Gnosis eine ursprünglich eigenständige Religion oder einen Versuch darstellt, die jüdisch-christliche Religion philosophisch zu untermauern, der dann in der manichäischen Religion endet. Insbesondere jüngere Textfunde haben die Einsicht geschärft, dass es ein einheitliches Phänomen Gnosis nur im Rahmen typologischer Konstruktionen gibt (so etwa Christoph Markschies). Der amerikanische Religionswissenschaftler Michael A. Williams plädierte in einer 1996 vorgelegten Studie dafür, auf den Begriff Gnostizismus grundsätzlich zu verzichten, da die Phänomene, die unter dieser Bezeichnung zusammengefasst werden, mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten aufwiesen. Stattdessen solle man von Valentinianismus oder in einem weiteren Sinne von „biblical demiurgical traditions“ („biblischen demiurgischen Traditionen“) sprechen, die als Schöpfer und Lenker der Welt nicht den höchsten Gott annehmen, sondern eine oder mehrere ihm untergeordnete Entitäten.[8] Manche Religionswissenschaftler behalten den Terminus Gnostizismus auch den ausgearbeiteteren Systemen des späten zweiten und dritten Jahrhunderts vor. Im angelsächsischen Sprachgebrauch hat sich der Terminus gnosticism weitgehend zur religionswissenschaftlichen Eingrenzung auf spezifische mythische Erscheinungsformen durchgesetzt.

Hauptmerkmale der Gnosis

Kurt Rudolph (1977) entwirft fünf Wesenmerkmale, um die Gnosis zu ordnen bzw. zu charakterisieren:

  • Dualismus, es besteht ein Gegensatz zwischen Gut und Böse, und es gibt einen transzendenten, verborgenen Gott und einen niederen Schöpfergott (Demiurg)
  • Kosmogonie, auch im Ergebnis werden Dualitäten beschrieben, Licht und Finsternis, Geist und Fleisch; das Böse war von Anfang an in der Schöpfung vorhanden
  • Soteriologie, eine Erlösung wird in der Gnosis über den Weg der Erkenntnis des dualistischen Charakters der Welt beschritten.
  • Eschatologie, Ziel des Gläubigen ist es, sich in den Ort des Guten hinein zu bewegen, das Primat der spirituellen Dimension in der eigenen Existenz zu erkennen
  • Gemeinde und Kult.[9]

Zu den zentralen Inhalten der Gnosis gehören die folgenden Thesen:

  • Es gibt einen vollkommenen allumfassenden Gott.
  • Durch einen eigenmächtigen bzw. selbstbezogenen Akt in den Äonen tritt ein unvollkommener Gott ins Dasein. Dieser wird Demiurg oder Schöpfergott genannt, weil er seinerseits eigenmächtig das materielle All erschafft.
    • Der Demiurg wird in vielen gnostischen Schriften mit JHWH identifiziert, dem Gott des jüdischen Tanach, des Alten Testaments der Bibel.
    • Daher gehen die Gnostiker davon aus, dass Jesus von Nazareth nicht der Sohn des Gottes der Juden ist, sondern – als eine Inkarnation des Christus – das Kind der vollkommenen Gottheit, also geistig verstanden, nicht etwa körperlich (Christologie).
  • Ebenfalls erschafft der Demiurg den Menschen und verbringt diesen in die Materie.
  • Die Schöpfung (und der Mensch) tragen jedoch grundsätzlich das Prinzip der ursprünglichen vollkommenen Gottheit in sich, von dem sie nicht zu trennen sind.
  • Einige gnostische Strömungen sehen die materielle Welt inklusive menschlichem Körper als „böse“ an, andere legen den Schwerpunkt auf das innewohnende geistige Prinzip, das den Rückweg zur geistigen Vollkommenheit respektive Einheit ermöglicht.
  • Das innewohnende geistige Prinzip, auch Pneuma, Funke oder Samenkorn genannt, muss dem Menschen in Abgrenzung zur Psyche bewusst werden, um die Verhaftungen an die materielle Welt erkennen und lösen zu können.

Christoph Markschies (2001) schlägt auf Grundlage eines „gewissen Konsens[es]“ der neueren Forschung ein typologisches Modell vor. Demnach sind solche theologischen Systeme gnostisch, die durch mehrere der folgenden Motive gekennzeichnet sind:

  1. Die oberste Gottheit ist jenseitig und fern.
  2. Es gibt weitere göttliche Figuren, die den Menschen näher sind.
  3. Die materielle Welt ist böse, der Gnostiker fühlt sich in ihr fremd.
  4. Der in platonischer Tradition als Demiurg bezeichnete Schöpfergott ist unwissend oder böse.
  5. Göttliche Funken fielen in die materielle Welt, schlummern nun in einem Teil der Menschen und können befreit werden.
  6. Ein Erlöser steigt aus der oberen Sphäre herab (und später wieder hinauf), um den Menschen die Erkenntnis über ihren Zustand mitzuteilen.
  7. Wer erkennt, dass der Funke in ihm ist, erlangt Erlösung.
  8. Sowohl der Gottesbegriff als auch die Entgegensetzung von Geist und Materie und die Anthropologie sind dualistisch.[10]

Laut dem italienischen Religionshistoriker Giovanni Filoramo wurzelt die Gnosis in Entfremdungs- bzw. Trennungserfahrungen, nämlich in der Abtrennung des Selbst von den verschiedenen Masken des empirisch erlebten Ich, von der der Welt und insbesondere der Trennung von Gott. Die Gnosis erhebe den Anspruch, diese Trennung durch die Erkenntnis zu überwinden, dass das Selbst mit dem Göttlichen identisch ist. Insofern sei sie „totale Erkenntnis, als sie die Dichotomie zw[ischen] Subjekt und Objekt, eigentlich jede Dichotomie, überschreitet, weil sie absolute Erkenntnis des Absoluten ist“. Diese Erkenntnis beinhalte die Erlösung.[11]

Antike Gnosis

Größere Kenntnis ermöglichen die überlieferten Quellen für gnostische Gruppen im frühen Christentum, wobei Elemente der antiken griechischen Philosophie und Religiosität (insbesondere Mittelplatonismus und Neupythagoräer, Seelenwanderungslehre), persischer (insbesondere Zoroastrismus), babylonischer und ägyptischer Religionen auszumachen sind. Auch Zusammenhänge mit dem etwa gleichzeitig in Nordindien entstandenen Mahayana-Buddhismus werden erwogen.

Ursprünge

Die Ursprünge der Gnosis sind ein bis heute ungelöstes Problem. Diskutiert werden verschiedene historische Strömungen, die alle eine stark dichotome Weltsicht aufweisen:

Die exakten Abhängigkeiten und Einflüsse dieser Bewegungen untereinander sind schwer festzustellen und umstritten; inwieweit man sie bereits gnostisch nennen kann, hängt stark davon ab, wie man diesen Begriff versteht. Die Annahme einer „jüdischen Gnosis“ etwa ist im Gegensatz zur Rede von „jüdischen Wurzeln der Gnosis“[14] umstritten, weil viele Charakteristika und ein Interesse an alttestamentlichen biblischen Texten fehlen. Konsens scheint allenfalls darüber zu bestehen, dass sich die Gnosis nicht monokausal aus einer dieser Strömungen herleiten lasse.[15]

Der deutsch-amerikanische Philosoph Hans Jonas (1903–1993) sieht in der Gnosis eine allgemeinmenschliche Möglichkeit, nämlich die Wahrnehmung, dass die Welt insgesamt widergöttlich ist und auf Zwang beruht und das eigene Selbst nicht zu diesem als negativ empfundenen Zusammenhang gehört.[16]

Quellen

Bis ins 20. Jahrhundert waren Historiker und Religionswissenschaftler weitgehend angewiesen auf Textüberlieferungen bei frühchristlichen Theologen wie Irenäus von Lyon, Clemens von Alexandrien, Hippolyt von Rom, Origenes oder Epiphanius von Salamis oder Darstellungen in freilich oft polemischer Verzeichnung etwa bei Justin oder Tertullian. Nach der Theologischen Realenzyklopädie, Artikel Gnosis II.4, ist die grundlegende Glaubwürdigkeit von Irenäus durch die Funde in Nag Hammadi weitgehend erhärtet worden.

An Originaltexten – vor allem in koptischer Sprache – sind zu nennen:

Lange Zeit waren dies die einzigen direkten Textzeugen aus dem Umfeld der Gnosis selbst. Eine wesentlich breitere Textgrundlage kommt in den Blick, seit 1945/1946 bei Nag Hammadi in Ägypten eine ganze Bibliothek auch gnostischer Schriften gefunden wurde, darunter pseudepigraphische Parallelen zu den neutestamentlichen Gattungen wie das Thomasevangelium, eine Apokalypse des Paulus und Apokalypse des Petrus und die Paraphrase des Seem. Des Weiteren sind manichäische Texte zu nennen: die Funde aus Turfan und aus der Oase Dakhleh, die Bibliothek von Medinet Madi, der Kölner Mani-Kodex. Das Corpus Hermeticum sowie die Hekhalot-Literatur sind, was ihren gnostischen Charakter betrifft, zumindest umstritten (es fehlen im ersteren Falle widergöttliche Kräfte und ein sie bezwingender Erlöser, im zweiten Falle fehlt ein mythologisches Drama um den göttlichen Funken, hier ist eher an Einflüsse der Kabbala zu denken).

Auch in Texten des Neuen Testaments sind Ausdrücke wie Gnostiker zu finden. Wegen der erwähnten damaligen undifferenzierten Verwendungsweise dieser Ausdrücke ist dabei fast in jedem Fall sehr unklar und umstritten, ob damit Gnostiker im Sinne etwa valentinianischer Christen gemeint sind, ob an den dortigen Sprachgebrauch angeschlossen wird und wenn ja, in welchem Ausmaße dies kritisch geschieht, oder ob damit einfach auf religiöse Erkenntnis in einem unspezifischen Sinne Bezug genommen wird. Entsprechende Probleme diskutiert man etwa für den Epheserbrief oder den Kolosser-Brief, wo Paulus vor „Philosophie und leerem Betrug“ (2,8) warnt. Für das Johannesevangelium nahm etwa Rudolf Bultmann Elemente einer gnostischen Erlösungslehre an. Dem widersprechen aber entscheidende Merkmale (kein Mythos einer Weltschöpfung durch einen bösen Demiurgen, Inkarnation und Leiden am Kreuz statt Doketismus), wenngleich sich gnostische Theologen gerne auf das Johannesevangelium beziehen, etwa wegen des Beginns mit der Erschaffung der Welt und einer schroffen, nur durch Christus durchbrochenen Trennung zwischen Licht und Finsternis, oben und unten.

Nichtchristliche gnostische Gruppierungen

Der Manichäismus war eine gnostisch geprägte, intensiv missionierende antike Religion, die sich bis nach China ausbreitete. Sein Gründer Mani war in einer christlichen Täufergemeinschaft aufgewachsen und betrachtete sich als Apostel Christi und als Fortsetzer und Vollender von dessen Lebenswerk.

Der Manichäismus wurde unter Diokletian als persische Bedrohung verfolgt. Gegen Ende des vierten Jahrhunderts ergriffen christliche Kaiser Maßnahmen gegen die Manichäer. Der gegenüber dem Heidentum tolerante Valentinian I. erließ Gesetze, nach denen das Eigentum der Manichäer konfisziert werden konnte, Gratian reihte sie zusammen mit den extremen Arianern als unerwünscht ein und Theodosius I. erließ Gesetze, die den Manichäismus verboten.

Die Mandäer sind eine bis heute existierende Minderheit im Irak, in Iran und weltweit, wo die vorherrschende Religion gnostische Einflüsse aufweist.

Im Islam werden einige Gruppierungen der Schia (Ismailiten, Aleviten, Nusairier und Drusen), sowie die aus der Schia hervorgegangenen synkretistischen Religionen der Gnosis zugerechnet. Manchmal werden auch die Sufis (Anhänger der islamischen Mystik) zu den Gnostikern gerechnet.[17] Wie in der christlich geprägten Gnosis, gilt auch in der islamischen Gnosis die materielle Welt als „fremd“.[18] Ähnliches gilt für die Merkaba-Mystik, die Kabbala und den Chassidismus als Strömungen jüdischer Mystik.

Gnostische Gruppierungen im Christentum

Der Ausdruck Gnosis wird erst im Zuge der Konstitution großkirchlicher Autorität zunehmend trennschärfer verwendet. Mit dem Ausdruck Gnostiker werden anfangs die verschiedensten Personenkreise bezeichnet. Dies hat Adolf Harnack deutlich beschrieben. Er beschreibt den frühchristlichen Gnostizismus als eine sehr variantenreiche Bewegung, die an ihren Extremen kaum vom Volkschristentum einerseits oder vom hellenistischen Synkretismus auf der anderen Seite unterschieden werden kann. Er führt am einen Extrem die Enkratiten auf, die einen strikten Asketismus in der Nachfolge Christi betonten und nur manchmal dualistische Ideen aufnahmen, zur Spekulation neigende christliche Theologen wie Origenes ebenso wie unauffällige doketistische Gemeinschaften und am anderen Extrem die Karpokratianer, die neben Statuen von Pythagoras, Platon und Aristoteles dem Genius Jesu eine Statue aufstellten. Noch weiter in der säkularen Kultur gab es Zauberer und Wahrsager mit christlichem Aushängeschild sowie Scharlatane, die mit unverständlichen Beschwörungsformeln den Leuten das Geld aus der Tasche lockten. In der Mitte seien die gnostischen Gruppierungen wie Valentianer, Basilidianer und Ophiten auszumachen.[19] Heute würden viele Historiker den genannten Personenkreisen keine übergeordnete Gruppenidentität einer Bewegung der Gnosis mehr zuschreiben.

Frühe Vertreter der gnostischen Gruppierungen sind Simon Magus, Menandros, Satornilus und Basilides.

Große Systementwürfe und gnostische Schulen entstehen im 2. und 3. Jh., vor allem die Valentinianer mit Valentinus, Markus, Herakleon und Ptolemäus und die sogenannten Barbelo-Gnostiker, auch die Ophiten. Für die sogenannte sethianische Gnosis wird eine Gruppenidentität oft (etwa von B. Layton) bezweifelt, zumal die entsprechenden Texte stark differierende Systeme erkennen lassen. Marcion unterscheidet sich trotz vieler Gemeinsamkeiten in entscheidenden Punkten von ihnen, weshalb sein Status als Gnostiker umstritten ist. Gemeinsam ist diesen Entwürfen der Versuch, eine Synthese jüdisch-christlicher Theologie und vulgärplatonistischer Spekulation in mythologischem Gerüst auszudrücken, wobei göttliche Eigenschaften personifiziert und irdische heilsgeschichtliche und himmlischen Geschehnissen vorgebildet werden.

Die Valentinianische Abhandlung, das einzige originale Dokument der Valentinianer, das auch Irenäus paraphrasiert, gibt in erzählendem Duktus eine platonisierende Lehre von drei Seelenteilen, denen eine dreiteilige anthropologische Klassifizierung entspricht:

  1. pneumatikoi (griech. πνευματικοί ‚Geist-artige‘)
  2. psychikoi (griech. ψυχικοί ‚Seelen-artige‘)
  3. hylikoi (griech. ὑλικοί ‚Stoff-artige‘)

Die Sophia Achamoth gibt, nach der dort gegebenen Erzählung (hier nach W. A. Löhr paraphrasiert), den Pneumatikern die pneumatischen Samen, um mit dem psychischen Seelenteil geformt zu werden. Der psychische Seelenteil muss moralisch erzogen werden, durch die Welt und den Erlöser. Der Erlöser ist pneumatischer und psychischer Natur. Da er keine hylische Natur angenommen hat, kann diese nicht gerettet werden. Die Heilsgeschichte hat ihr Ziel in der Rückkehr der pneumatischen Elemente zum Pleroma. Befreit von ihrer psychischen Hülle, verbinden sich die pneumatischen Seelenteile mit den Engeln, die den Erlöser umgeben. Die psychischen Seelenteile, die sich durch Glaube und gute Werke bewährt haben, steigen in die erste Achtheit des Pleromas auf.

Die Anhänger der gnostischen Schulen wurden während der Christenverfolgungen ebenso verfolgt wie die apostolischen Kirchen; so wurden beispielsweise die alexandrinischen Karpokratianer bei der Christenverfolgung von 202 durch Septimius Severus vernichtet.[20]

Spätere Einflüsse von oder Bezugnahmen auf gnostische Überlieferungen

Gnostische Elemente wurden, zum Teil beruhend auf Hermes Trismegistos, im mittelalterlichen Europa von Alchemisten,[21][22][23][24] den Bogomilen und den Katharern übernommen, in der islamischen Welt u. a. von Drusen und Jesiden. Auch der Spiritualismus wurde mit gnostischen Traditionen in Verbindung gebracht.

Im 19. Jahrhundert übernahmen das Mormonentum und später die Theosophie verschiedene gnostische Wesenszüge. Für das 20. Jahrhundert werden teils Einflüsse auf die Anthroposophie, die Rosenkreuzer, die Gralsbewegung, und die Psychologie von Carl Gustav Jung diskutiert.

Der Historiker Nicholas Goodrick-Clarke betont den Einfluss gnostischer und manichäischer Denkmuster auf Ideologien rassistischer Esoterik,[25] etwa in der Ariosophie oder bei Miguel Serrano.[26][27]

Insbesondere unter Verwendung eines nicht religionswissenschaftlich-historisch, sondern inhaltlich bestimmten Gnosis-Begriffs haben einige Autoren (darunter auch Psychologen, Philosophen des 19. und 20. Jahrhunderts) einen Zusammenhang mit „Gnosis“ hergestellt.[28]

Gnostische Kirchen der Neuzeit

Sogenannte „gnostische Kirchen“ sind seit Ende des 19. Jahrhunderts entstandene spirituelle Gemeinschaften und esoterische Gruppen, die sich auf gnostisches Gedankengut berufen und deren Anschauungen nicht den Lehren herkömmlicher Kirchen entsprechen. Der Begriff „gnostische Kirche“ fand historisch erstmals bei Joanny Bricauds „Église Gnostique“ Verwendung.[29] Zu den „gnostischen Kirchen“ zählen unter anderem die Liberalkatholische Kirche, die Gnostisch-Katholische Kirche („Ecclesia Gnostica Catholica“)[30] von Theodor Reuss, die Gnostische Schule (Peithmann), das Lectorium Rosicrucianum, die Gnostische Gemeinde der Urdner (Berlin), die Gemeinde der Gnostiker (E. H. Schmitt), die Gnostische Tempel-Brüderschaft (Herford) und die Altgnostische Kirche von Eleusis (Hamborn).[31][32]

Die erste gnostische Kirche der Neuzeit, die Église gnostique universelle, wurde am 21. September 1890 von dem Spiritisten Jules Doinel (1842–1902) gegründet. Ihre apostolische Sukzession leitete die gnostische Kirche Dionels aus der Tradition zweier Vorläufer ab: Den gnostischen Lehren des Memphis-Misraïm-Ritus und der Johannitischen Kirche der Urchristen (Église Johannite des Chrétiens Primitifs), die sich Anfang des 19. Jahrhunderts von der vorwiegend in Frankreich wirkenden mystisch-maurischen Geheimgesellschaft des urchristlich-neognostisch nachempfundenen Tempelritterordens abspaltete. Die „Johannitische Kirche der Urchristen“ leitete ihre Sukzession wiederum von den Urchristen ab, deren Lehren im johanneischen Christentum am direktesten überliefert worden seien. Seine Berufung bezog der Hochgradfreimaurer Jules-Stanislas Dionel, der sich im 66. Grad des Memphis-Misraïm-Ritus mit der Freimaurerei in Orléans beschäftigte, aus der Charter des Gnostikers Kanzler Etienne, der Anfang des 11. Jahrhunderts wegen seiner Zugehörigkeit zu einem gnostischen Geheimbund als katharischer Märtyrer verbrannt wurde.[33][34]

Siehe auch

Literatur

  • Barbara Aland: Die Gnosis. Reclam, Stuttgart 2014, ISBN 978-3-15-019210-8.
  • Alexander Böhlig, Christoph Markschies (Hrsg.): Gnosis und Manichäismus (= Forschungen und Studien zu Texten von Valentin und Mani sowie zu den Bibliotheken von Nag Hammadi und Medinet Madi. Beihefte zur Zeitschrift für die neutestamentliche Wissenschaft und die Kunde der älteren Kirche 72). Walter de Gruyter, Berlin 1994, ISBN 3-11-014294-5.
  • Johanna Brankaer: Die Gnosis – Texte und Kommentar. Marix Verlag 2010, EAN 9783865399540.
  • Roelof van den Broek: Gnosticism. I. Gnostic Religion. und II. Gnostic Literature. In: Wouter J. Hanegraaff, Antoine Faivre u. a. (Hrsg.): Dictionary of Gnosis & Western Esotericism. Vol. 1, Brill, Leiden/Boston 2005, ISBN 90-04-14187-1, S. 403–432.
  • Roelof van den Broek: Studies in Gnosticism and Alexandrian Christianity. Brill, Leiden 1996, ISBN 90-04-10654-5.
  • Johann Evangelist Hafner: Selbstdefinition des Christentums (Memento vom 13. Juli 2012 im Internet Archive). Ein systemtheoretischer Zugang zur frühchristlichen Ausgrenzung der Gnosis. Herder, Freiburg 2003, ISBN 3-451-28073-6.
  • Jens Holzhausen: Gnostizismus, Gnosis, Gnostiker. Ein Beitrag zur antiken Terminologie. In: Jahrbuch für Antike und Christentum. Band 44 (2001), ISBN 3-402-08135-0, S. 58–75.
  • Julia Iwersen: Gnosis – Eine Einführung. Panorama Verlag 2005, EAN 9783926642554.
  • Hans Jonas: Gnosis und spätantiker Geist. 2 Bände. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1954 ff., ISBN 3-525-53123-0 (Band 1), ISBN 3-525-53841-3 (Band 2).
  • Hans Jonas: Gnosis: Die Botschaft des fremden Gottes. Verlag der Weltreligionen, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-458-72008-9.
  • Karen L. King: What is Gnosticism. Harvard University Press, Oxford 2003, ISBN 0-674-01071-X.
  • Hans Leisegang: Die Gnosis. 4. Aufl. Kröner, Stuttgart 1955, ISBN 3-520-03205-8.
  • Alastair H. B. Logan: The Gnostics. Identifying an Early Christian Cult. Continuum International Publishing Group/T & T Clark, London 2006, ISBN 0-567-04062-3.
  • Alastair H. B. Logan: Gnostic Truth and Christian Heresy. A Study in the History of Gnosticism. Hendrickson Publishers, Peabody 1996, ISBN 1-56563-243-5.
  • Christoph Markschies: Die Gnosis. (= bsr 2173). 2. Auflage. Beck, München 2006, ISBN 3-406-44773-2.
  • Martin R. von Ostheim: Selbsterlösung durch Erkenntnis. Die Gnosis im 2. Jahrhundert n. Chr. (= Schwabe Reflexe 25). Schwabe, Basel 2013, ISBN 978-3-7965-2894-1.
  • Birger Albert Pearson: Ancient Gnosticism. Traditions And Literature. Fortress, Minneapolis 2007, ISBN 978-0-8006-3258-8.
  • Birger Albert Pearson: Gnosticism and Christianity in Roman and Coptic Egypt. Studies in antiquity and Christianity. T & T Clark, London / New York 2004, ISBN 0-567-02610-8.
  • Kurt Rudolph: Die Gnosis. Wesen und Geschichte einer spätantiken Religion. Koehler & Amelang, Leipzig 1974; 4. Auflage. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2005, ISBN 3-525-52110-3 (PDF; Digitalisat abgerufen auf gnosis.study)
  • Eugen Heinrich Schmitt: Die Gnosis. Grundlagen der Weltanschauung einer edleren Kultur. I. BAND, Die Gnosis des Altertums. Eugen Diederichs, Leipzig 1903, PDF; 29,6 MB, 650 Seiten abgerufen auf odysseetheater.org
  • Peter Sloterdijk / Thomas Macho (Hrsg.): Weltrevolution der Seele. Ein Lese- und Arbeitsbuch der Gnosis von der Spätantike bis zur Gegenwart. 2 Bde., München 1991, ISBN 3-7608-1055-1.
  • Holger Strutwolf: Gnosis als System. Zur Rezeption der valentinianischen Gnosis bei Origenes. Göttingen 1993 (= Forschungen zur Kirchen- und Dogmengeschichte. Band 56).
  • Hans-Friedrich Weiss: Frühes Christentum und Gnosis: eine rezeptionsgeschichtliche Studie. (= Wissenschaftliche Untersuchungen zum Neuen Testament 225). Mohr Siebeck, Tübingen 2008, ISBN 978-3-16-149606-6.
  • Michael Allen Williams: Rethinking „Gnosticism“. An Argument for Dismantling a Dubious Category. Princeton 1996, ISBN 0-691-01127-3.
  • Edwin M. Yamauchi: Pre-Christian Gnosticism. A Survey of the Proposed Evidences. William B. Eerdmans, Grand Rapids 1973/Wipf and Stock 2003, ISBN 1-59244-396-6.
Wiktionary: Gnosis – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Primärtexte
Sekundärliteratur

Anmerkungen

  1. ↑ Johann Baptist Hofmann: Etymologisches Wörterbuch des Griechischen. R. Oldenbourg, München 1950, S. 45 (zu γιγνώσκω ‚erkenne‘).
  2. ↑ Stuttgarter Erklärungsbibel. 2. Auflage. Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart 1992, ISBN 3-438-01121-2, Sacherklärungen S. 29
  3. ↑ Gnosis, Artikel im Onlinelexikon wissen.de, Konradin Mediengruppe, Leinfelden-Echterdingen.
  4. ↑ Allison Coudert: Der Stein der Weisen. Die geheime Kunst der Alchemisten. (Originalausgabe: Alchemy: the Philosopher’s Stone. 1980) Lizenzausgabe. Pawlak, Herrsching 1992, ISBN 3-88199-911-6, S. 27–28.
  5. ↑ Dafür sprechen u. a. Belege bei Justin (Dialog mit Trypho 35,6); siehe z. B. Markschies 2001, 18.
  6. ↑ Adolf von Harnack: Lehrbuch der Dogmengeschichte. 4. Auflage. 3 Bände 1886–1890, OCLC 5006786 (erschienen 1909–1910).
  7. ↑ Vgl. Hans Jonas: Gnosis und spätantiker Geist. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1934; 1954; Erster Teil: Die mythologische Gnosis. Mit einer Einführung zur Geschichte und Methodologie der Forschung. 4. Auflage. 1988, ISBN 3-525-53123-0; Zweiter Teil: Von der Mythologie zur mystischen Philosophie. 3. Auflage. hrsg. u. erg. v. Kurt Rudolph 1993, ISBN 3-525-53841-3.
  8. ↑ Michael A. Williams: Rethinking „Gnosticism“. An Argument for Dismantling a Dubious Category. Princeton University Press, Princeton 1996, ISBN 0-691-01127-3, das Zitat S. 52.
  9. ↑ Kurt Rudolph: Die Gnosis. Wesen und Geschichte einer spätantiken Religion. 3. Aufl. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1990, ISBN 978-3-52552-110-6, S. 65 f.
  10. ↑ Christoph Markschies: Die Gnosis. Beck, München 2001, S. 22–26
  11. ↑ Giovanni Filoramo: Gnosis/Gnostizismus I. Religionswissenschaftlich. In Religion in Geschichte und Gegenwart, 4. Auflage, Bd. 3, Mohr-Siebeck, Tübingen 2000, S. 1043.
  12. ↑ Simone Pétrement: A Separate God. The Christian Origins of Gnosticism. HarperSanFrancisco, San Francisco 1990, ISBN 0-06-066501-7.
  13. ↑ Robert M. Grant: Gnosticism im Dictionary of the History of Ideas
  14. ↑ George W. MacRae: The Jewish. Background of the Gnostic Sophia Myth. Novum Testamentum (An International Quarterly for New Testament and Related Studies) Fasc. 2 (Apr., 1970), S. 86–101 DOI:10.2307/1560039
  15. ↑ Andreas Löw: Gnosis I: Antike. In: Christoph Auffarth, Jutta Bernard, Hubert Mohr (Hrsg.): Metzler Lexikon Religion. Gegenwart – Alltag – Medien. Bd. 1, J.B. Metzler, Stuttgart/Weimar 2005, ISBN 978-3-476-02070-3, S. 505.
  16. ↑ Hans Jonas: Gnosis und spätantiker Geist. Zwei Bände, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1934 und 1954, hier referiert nach Andreas Löw: Gnosis I: Antike. In: Christoph Auffarth et al. (Hrsg.): Metzler Lexikon Religion. Bd. 1, J.B. Metzler, Stuttgart/Weimar 2005, S. 505.
  17. ↑ Im Arabischen heißt dieser Begriff ‘irfān (عرفان), bedeutet wörtlich „Zustand des Wissens“ und wird inhaltlich mit „Mystik“ gleichgesetzt; damit entspricht er dem „inneren Kern“ des Sufismus.
  18. ↑ Geo Widengren: Religionsphänomenologie. Walter de Gruyter, Berlin 1969; Neuauflage 2012, ISBN 978-3-110-88396-1, S. 508.
  19. ↑ Adolf von Harnack, Dogmengeschichte Band 1.
  20. ↑ Art. Alexandria I. In: Theologische Realenzyklopädie
  21. ↑ Vgl. Harry J. Sheppard: The origin of the gnostic-alchemical relationship. In: Scientia. 97/56, 1962, S. 146–149.
  22. ↑ Harry J. Sheppard: Gnosticism and Alchemy. In: Ambix. Band 6, 1957, S. 86–101.
  23. ↑ Allison Coudert: Der Stein der Weisen. Die geheime Kunst der Alchemisten. (Originalausgabe: Alchemy: the Philosopher’s Stone. 1980) Lizenzausgabe. Pawlak, Herrsching 1992, ISBN 3-88199-911-6, S. 27–34, 117 und 124–126.
  24. ↑ Vgl. darüber hinaus Walter Pagel, Marianne Winder: Gnostisches bei Paracelsus und Konrad von Megenberg. In: Gundolf Keil, Rainder Rudolf, Wolfram Schmitt, Hans J. Vermeer (Hrsg.): Fachliteratur des Mittelalters. Festschrift Gerhard Eis. Stuttgart 1968, S. 359–371.
  25. ↑ Vgl. auch Harald Strohm: Die Gnosis und der Nationalsozialismus. Eine religionspsychologische Studie. Alibri, Aschaffenburg, ISBN 3-932710-68-1.
  26. ↑ Nicholas Goodrick-Clarke: Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus. 2. Auflage. Graz 2000, S. 10, 175. (Erstausgabe The Occult Roots of Nazism. 1985)
  27. ↑ Nicholas Goodrick-Clarke: Im Schatten der Schwarzen Sonne. Arische Kulte, Esoterischer Nationalsozialismus und die Politik der Abgrenzung. Marix Verlag, Wiesbaden 2009, ISBN 978-3-86539-185-8, S. 380. (Original Black Sun. 2002).
  28. ↑ Vgl. etwa Peter Sloterdijk, Thomas Macho: Weltrevolution der Seele. Ein Lese- und Arbeitsbuch der Gnosis von der Spätantike bis zur Gegenwart. Artemis & Winkler, 1991, ISBN 3-7608-1055-1; Reinhard W. Sonnenschmidt: Politische Gnosis. Entfremdungsglaube und Unsterblichkeitsillusion in spätantiker Religion und politischer Philosophie. Fink, München 2001, ISBN 3-7705-3626-6; Samuel Vollenweider: Gnosis in der Moderne? In: Ders.: Horizonte neutestamentlicher Christologie: Studien zu Paulus und zur frühchristlichen Theologie. Mohr Siebeck, Tübingen 2002, ISBN 3-16-147791-X, S. 347–362 (S. 357 kurze kritische Bezugnahme auf den „schillernden“ Gnosisbegriff bei Sloterdijk/Macho 1991).
  29. ↑ Peter-Robert König: Ein Leben für die Rose (Arnoldo Krumm-Heller). München 1995, ISBN 3-927890-21-9, S. 45.
  30. ↑ Deutsche Website der Gnostisch-Katholischen Kirche („Ecclesia Gnostica Catholica“) (Memento vom 19. Juli 2011 im Internet Archive)
  31. ↑ Horst E. Miers: Lexikon des Geheimwissens. Goldmann Verlag, München 1993, ISBN 3-442-12179-5, S. 251–252.
  32. ↑ Karl R. H. Frick: Licht und Finsternis. Gnostisch-theosophische und freimaurerisch-okkulte Geheimgesellschaften bis zur Wende des 20. Jahrhunderts. Band II. Marix Verlag, Wiesbaden 2005, ISBN 3-86539-044-7, S. 274, S. 314–315 und S. 513.
  33. ↑ Horst E. Miers: Lexikon des Geheimwissens. Goldmann Verlag, München 1993, ISBN 3-442-12179-5, S. 251–252.
  34. ↑ Karl R. H. Frick: Licht und Finsternis. Gnostisch-theosophische und freimaurerisch-okkulte Geheimgesellschaften bis zur Wende des 20. Jahrhunderts. Band 2, Marix Verlag, Wiesbaden 2005, ISBN 3-86539-044-7, S. 234, 240, 336–339.