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„Chronik“ – Versionsunterschied

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** Dt. Texte bewahren die lat. Form verschiedentlich bis ins 18. Jh.
** Dt. Texte bewahren die lat. Form verschiedentlich bis ins 18. Jh.
Eine '''Chronik''' (von [https://de.wikipedia.org/wiki/Altgriechische_Sprache altgriechisch] <span class="Grek" lang="grc-Grek">χρονικά (βιβλία)</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">chrónika (biblía)</span> zu <span class="Grek" lang="grc-Grek">χρόνος</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">[https://de.wikipedia.org/wiki/Chronos chrónos]</span> ,Zeit‘, demnach sinngemäß „Zeitbuch“) ist eine geschichtliche [https://de.wikipedia.org/wiki/Prosa Prosadarstellung], in der die Ereignisse in zeitlicher Reihenfolge geordnet dargestellt sind. Chroniken können von knappen, reinen Datenlisten bis hin zu ausführlichen Schilderungen für einzelne Jahresereignisse reichen. Der Verfasser einer Chronik wird als '''Chronist''', die entsprechende [https://de.wikipedia.org/wiki/Gattung_(Literatur) literarische Gattung] als '''Chronistik''' bezeichnet.<div class="mw-heading mw-heading2">
 
{{Begriffsklärungshinweis|Zu den als ''Chronik'' bezeichneten Bibelteilen siehe [[Buch der Chronik]].}}
 
Eine '''Chronik''' (von {{grcS|χρονικά (βιβλία)|chrónika (biblía)}} zu {{lang|grc|χρόνος|[[Chronos|chrónos]]}} ‚Zeit‘, demnach sinngemäß „Zeitbuch“)<ref>Vgl. zur Wort- und Begriffsgeschichte Gerhard Wolf: ''Einleitung.'' In: Gerhard Wolf, Norbert H. Ott (Hrsg.): ''Handbuch Chroniken des Mittelalters.'' Berlin/Boston 2016, S. 12 ff.</ref> ist eine geschichtliche [[Prosa]]darstellung, in der die Ereignisse in zeitlicher Reihenfolge geordnet dargestellt sind. Chroniken können von knappen, reinen Datenlisten bis hin zu ausführlichen Schilderungen für einzelne Jahresereignisse reichen. Der Verfasser einer Chronik wird als '''Chronist''', die entsprechende [[Gattung (Literatur)|literarische Gattung]] als '''Chronistik''' bezeichnet.
 
== Überblick ==
== Überblick ==
</div><p>Die Chronik als Form der Geschichtsschreibung wurde im [https://de.wikipedia.org/wiki/Altertum Altertum] entwickelt. Bereits im [https://de.wikipedia.org/wiki/Alter_Orient alten Orient] entstanden kurze chronikalische Werke, wenngleich diese nicht literarisch aufgearbeitet waren und nur über wichtige Ereignisse knapp berichteten.</p><p>In der griechisch-römischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Antike Antike] entstanden ebenfalls Chroniken, die inhaltlich aber weiter gefasst waren. Zu nennen ist z.&nbsp;B. [https://de.wikipedia.org/wiki/Apollodor_von_Athen_(Schriftsteller) Apollodor von Athen], [https://de.wikipedia.org/wiki/Kastor_von_Rhodos Kastor von Rhodos] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Publius_Herennius_Dexippus Dexippos] (wenngleich dessen Chronik wohl recht stark der „klassischen Geschichtsschreibung“ angenähert war). Christliche antike Autoren orientierten sich an dem Genre der griechischen Chronistik aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Hellenismus hellenistischer] Zeit. Bedeutenden Einfluss für spätere christlichen Geschichtsschreiber hatte die Chronik des [https://de.wikipedia.org/wiki/Sextus_Iulius_Africanus Sextus Iulius Africanus]. Gerade für die Zeit der [https://de.wikipedia.org/wiki/Sp%C3%A4tantike Spätantike] liefern einige Chroniken, obwohl viele nur knappe Darstellungen boten, wichtige Erkenntnisse. Zu nennen sind unter anderem die Chronik des [https://de.wikipedia.org/wiki/Eusebius_von_Caesarea Eusebius von Caesarea], des [https://de.wikipedia.org/wiki/Hieronymus_(Kirchenvater) Hieronymus], des [https://de.wikipedia.org/wiki/Hydatius_von_Aquae_Flaviae Hydatius von Aquae Flaviae], des [https://de.wikipedia.org/wiki/Josua_Stylites Josua Stylites], des [https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Malalas Johannes Malalas] oder das [https://de.wikipedia.org/wiki/Chronicon_Paschale Chronicon Paschale]. Einen Spezialfall stellen die sogenannten ''Consularia'' dar, bei denen es sich um Chroniken auf Basis römischer Konsullisten (''[https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_r%C3%B6mischen_Konsuln fasti consulares]'') handelt, die nur knappe inhaltliche Zusätze boten. Mit dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Ende_der_Antike Ende der Antike] lebte die Tradition der Chronik im [https://de.wikipedia.org/wiki/Byzantinisches_Reich byzantinischen Reich] fort (siehe etwa [https://de.wikipedia.org/wiki/Georgios_Synkellos Georgios Synkellos] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Theophanes Theophanes]).</p><p>Im lateinischen Westen erlebte die Chronik ihre Blütezeit im hohen und späten [https://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter Mittelalter]. Sie stellt sich als Bericht über geschichtliche Vorgänge in zeitlicher Anordnung, jedoch nicht auf der Grundlage der Kalender-Jahre ([https://de.wikipedia.org/wiki/Annalen Annalen]), sondern im größeren [https://de.wikipedia.org/wiki/Chronologie chronologischen]Zusammenhang der Regierungszeiten etwa von Königen und Päpsten dar. Chroniken verfolgen die Absicht, dem Leser einen zeitlich geordneten historischen Überblick zu verschaffen; die von einem explizit christlichen Standpunkt aus verfassten Chroniken versuchen auch, einen Zusammenhang zwischen christlicher Heilsgeschichte und weltlicher Geschichte herzustellen.</p><p>Nach Inhalt und Reichweite sind [https://de.wikipedia.org/wiki/Weltchronik Weltchroniken], [https://de.wikipedia.org/wiki/Kaiserchronik Kaiser]- und [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=K%C3%B6nigschronik&action=edit&redlink=1 Königschroniken], [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Landeschroni&action=edit&redlink=1 Landeschroniken], [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Klosterchronik&action=edit&redlink=1 Kloster]-, Kirchen- und [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=St%C3%A4dtechronik&action=edit&redlink=1 Städtechroniken] zu unterscheiden. Die Hauschronik ist eine familiäre, genealogisch ausgerichtete Erinnerungsschrift. Hinzu kamen schließlich die [https://de.wikipedia.org/wiki/Familienchronik Familienchroniken], die seit der [https://de.wikipedia.org/wiki/Renaissance Renaissance] in Italien, bald auch in den deutschen Handelsstädten entstehen und ein neues Medium bürgerlichen Selbst- und Traditionsbewusstseins, aber auch eine Vorform der [https://de.wikipedia.org/wiki/Autobiografie Autobiografie] bilden. Mittelalterliche Beispiele von Chroniken sind unter anderem die ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Chronica_maiora Chronica maiora]'' des [https://de.wikipedia.org/wiki/Isidor_von_Sevilla Isidor von Sevilla] (6./7. Jahrhundert), die ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Fredegar Fredegarchronik]'' (7. Jahrhundert), die Chronik des [https://de.wikipedia.org/wiki/Thietmar_von_Merseburg Thietmar von Merseburg] (11. Jahrhundert), die ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Chronica_sive_Historia_de_duabus_civitatibus Chronica sive Historia de duabus civitatibus]'' des [https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_von_Freising Otto von Freising] (12. Jahrhundert) oder die Weltchronik von [https://de.wikipedia.org/wiki/Hartmann_Schedel Hartmann Schedel] (spätes 15. Jahrhundert). Hinzu kommen zahlreiche weitere Werke. Deutschsprachige Chroniken (sieht man vom ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Annolied Annolied]'' ab) kennt man seit dem 12. Jahrhundert.</p><div class="sieheauch" role="navigation"><span class="sieheauch-text">Siehe auch</span>: [https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_mittelalterlicher_Chroniken_und_Annalen Liste mittelalterlicher Chroniken und Annalen]</div><p>[https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Schulchronik&action=edit&redlink=1 Schulchroniken] begannen im 19. Jahrhundert und zeichneten oft das bis dahin gesammelte Wissen der ortsschulgeschichtlichen Entwicklung auf, um dann detailliert über die aktuelle Schulsituation (schul-)jährlich zu berichten.</p>[[file:220px-Chronik1894.jpg|link=https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Chronik1894.jpg|220x378px]]
Die Chronik als Form der Geschichtsschreibung wurde im [[Altertum]] entwickelt. Bereits im [[Alter Orient|alten Orient]] entstanden kurze chronikalische Werke, wenngleich diese nicht literarisch aufgearbeitet waren und nur über wichtige Ereignisse knapp berichteten.<ref>Zur historischen Entwicklung vgl. zusammenfassend Gerhard Wolf: ''Einleitung.'' In: Gerhard Wolf, Norbert H. Ott (Hrsg.): ''Handbuch Chroniken des Mittelalters.'' Berlin/Boston 2016, S. 1 ff.</ref>
 
In der griechisch-römischen [[Antike]] entstanden ebenfalls Chroniken, die inhaltlich aber weiter gefasst waren. Zu nennen ist z.&nbsp;B. [[Apollodor von Athen (Schriftsteller)|Apollodor von Athen]], [[Kastor von Rhodos]] und [[Publius Herennius Dexippus|Dexippos]] (wenngleich dessen Chronik wohl recht stark der „klassischen Geschichtsschreibung“ angenähert war). Christliche antike Autoren orientierten sich an dem Genre der griechischen Chronistik aus [[Hellenismus|hellenistischer]] Zeit. Bedeutenden Einfluss für spätere christlichen Geschichtsschreiber hatte die Chronik des [[Sextus Iulius Africanus]]. Gerade für die Zeit der [[Spätantike]] liefern einige Chroniken, obwohl viele nur knappe Darstellungen boten, wichtige Erkenntnisse, wobei die meisten Werke von christlichen Autoren stammen.<ref>Gerhard Wolf: ''Einleitung.'' In: Gerhard Wolf, Norbert H. Ott (Hrsg.): ''Handbuch Chroniken des Mittelalters.'' Berlin/Boston 2016, S. 6 ff.</ref> Zu nennen sind unter anderem die Chronik des [[Eusebius von Caesarea]], des [[Hieronymus (Kirchenvater)|Hieronymus]], des [[Hydatius von Aquae Flaviae]], des [[Josua Stylites]], des [[Johannes Malalas]] oder das [[Chronicon Paschale]]. Einen Spezialfall stellen die sogenannten ''Consularia'' dar, bei denen es sich um Chroniken auf Basis römischer Konsullisten (''[[Liste der römischen Konsuln|fasti consulares]]'') handelt, die nur knappe inhaltliche Zusätze boten. Mit dem [[Ende der Antike]] lebte die Tradition der Chronik im [[Byzantinisches Reich|byzantinischen Reich]] fort (siehe etwa [[Georgios Synkellos]] und [[Theophanes]]).
 
Im lateinischen Westen erlebte die Chronik ihre Blütezeit im [[Mittelalter]], beginnend bereits im [[Frühmittelalter]] hin zu den zahlreichen [[spätmittelalter]]lichen Welt- und Lokalchroniken.<ref>Überblick bei Gerhard Wolf, Norbert H. Ott (Hrsg.): ''Handbuch Chroniken des Mittelalters.'' Berlin/Boston 2016, S. 47 ff.; Werküberblick in der ''[[Encyclopedia of the Medieval Chronicle]]''.</ref> Sie stellt sich als Bericht über geschichtliche Vorgänge in zeitlicher Anordnung, jedoch nicht auf der Grundlage der Kalender-Jahre ([[Annalen]]), sondern im größeren [[Chronologie|chronologischen]] Zusammenhang der Regierungszeiten etwa von Königen und Päpsten dar. Chroniken verfolgen die Absicht, dem Leser einen zeitlich geordneten historischen Überblick zu verschaffen; die von einem explizit christlichen Standpunkt aus verfassten Chroniken versuchen auch, einen Zusammenhang zwischen christlicher Heilsgeschichte und weltlicher Geschichte herzustellen.
 
Nach Inhalt und Reichweite sind [[Weltchronik]]en, [[Kaiserchronik|Kaiser]]- und [[Königschronik]]en, [[Landeschroni]]ken, [[Klosterchronik|Kloster]]-, Kirchen- und [[Städtechronik]]en zu unterscheiden.<ref>Zu den modernen Kategorisierungen vgl.  auch Gerhard Wolf: ''Einleitung.'' In: Gerhard Wolf, Norbert H. Ott (Hrsg.): ''Handbuch Chroniken des Mittelalters.'' Berlin/Boston 2016, S. 20 ff.</ref> Die Hauschronik ist eine familiäre, genealogisch ausgerichtete Erinnerungsschrift. Hinzu kamen schließlich die [[Familienchronik]]en, die seit der [[Renaissance]] in Italien, bald auch in den deutschen Handelsstädten entstehen und ein neues Medium bürgerlichen Selbst- und Traditionsbewusstseins, aber auch eine Vorform der [[Autobiografie]] bilden. Mittelalterliche Beispiele von Chroniken sind unter anderem die ''[[Chronica maiora]]'' des [[Isidor von Sevilla]] (6./7. Jahrhundert), die ''[[Fredegar]]chronik'' (7. Jahrhundert), die Chronik des [[Thietmar von Merseburg]] (11. Jahrhundert), die ''[[Chronica sive Historia de duabus civitatibus]]'' des [[Otto von Freising]] (12. Jahrhundert) oder die Weltchronik von [[Hartmann Schedel]] (spätes 15. Jahrhundert). Hinzu kommen zahlreiche weitere Werke. Deutschsprachige Chroniken (sieht man vom ''[[Annolied]]'' ab) kennt man seit dem 12. Jahrhundert.
 
{{Siehe auch|Liste mittelalterlicher Chroniken und Annalen}}
 
'''Schulchroniken''' begannen im 19. Jahrhundert und zeichneten oft das bis dahin gesammelte Wissen der ortsschulgeschichtlichen Entwicklung auf, um dann detailliert über die aktuelle Schulsituation (schul-)jährlich zu berichten.[[Datei:Chronik1894.jpg|miniatur|Familienchronik 1894]]
 
Neben ihrer historischen Gebrauchsform lebt die Chronik heute auch als populäre Gebrauchsform weiter, so zum Beispiel in [[Dorfchronik|Dorf]]- oder [[Vereinschronik]]en. Eine weitere Karriere hat sie als literarisches Strukturmodell besonders in der fiktionalen Erzählprosa gemacht. So zum Beispiel in den ''[[Buddenbrooks]]'' von [[Thomas Mann]].
 
Beispiel afrikanischer Chroniken sind etwa die ''[[Kilwachronik]]'' (um 1520) oder die ''[[Patechronik]]''.


Familienchronik 1894<figure class="mw-default-size"><br><figcaption>Familienchronik 1894</figcaption></figure><p>Neben ihrer historischen Gebrauchsform lebt die Chronik heute auch als populäre Gebrauchsform weiter, so zum Beispiel in [https://de.wikipedia.org/wiki/Dorfchronik Dorf]- oder [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Vereinschronik&action=edit&redlink=1 Vereinschroniken]. Eine weitere Karriere hat sie als literarisches Strukturmodell besonders in der fiktionalen Erzählprosa gemacht. So zum Beispiel in den ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Buddenbrooks Buddenbrooks]'' von [https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Mann Thomas Mann].</p><p>Beispiel afrikanischer Chroniken sind etwa die ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Kilwachronik Kilwachronik]'' (um 1520) oder die ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Patechronik Patechronik]''.</p><div class="mw-heading mw-heading2">
== Verwandte Formen ==
== Verwandte Formen ==
</div><p>Durch die rein chronologische Darstellung von Ereignissen unterscheidet sich die Chronik von solchen [https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichtswerk Geschichtswerken], die das Geschehene unter Herstellung von Bezügen und Zusammenhängen zu verstehen, beschreiben und zu erklären versuchen sowie oft reichere Stilelemente beinhalten (z.&nbsp;B. Reden). Solche Geschichtswerke sind im Mittelalter unter anderem von [https://de.wikipedia.org/wiki/Gregor_von_Tours Gregor von Tours], [https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_von_Kirchberg Ernst von Kirchberg], [https://de.wikipedia.org/wiki/Fulcher_von_Chartres Fulcher von Chartres], [https://de.wikipedia.org/wiki/Lambert_von_Hersfeld Lambert von Hersfeld], [https://de.wikipedia.org/wiki/Jean_Froissart Jean Froissart], [https://de.wikipedia.org/wiki/Thietmar_von_Merseburg Thietmar von Merseburg], [https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_von_St._Blasien Otto von St. Blasien] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Matthias_von_Neuenburg Matthias von Neuenburg] verfasst worden. Bekannte spätmittelalterliche Chronisten aus der Schweiz sind unter anderem [https://de.wikipedia.org/wiki/Gerold_Edlibach Gerold Edlibach], [https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Fr%C3%BCnd Hans Fründ], [https://de.wikipedia.org/wiki/Konrad_Justinger Konrad Justinger], [https://de.wikipedia.org/wiki/Diebold_Schilling_der_%C3%84ltere Diebold Schilling der Ältere], [https://de.wikipedia.org/wiki/Diebold_Schilling_der_J%C3%BCngere Diebold Schilling der Jüngere], [https://de.wikipedia.org/wiki/Werner_Schodoler Werner Schodoler], [https://de.wikipedia.org/wiki/Christoph_Silberysen Christoph Silberysen], [https://de.wikipedia.org/wiki/Bendicht_Tschachtlan Bendicht Tschachtlan] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Jakob_Wick Johann Jakob Wick].</p><p>Als [https://de.wikipedia.org/wiki/Publikation Publikation] ist eine Chronik ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Nachschlagewerk Nachschlagewerk], das nicht nach dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Alphabet Alphabet], sondern nach der Zeitachse gegliedert ist. Allerdings findet man im Buchhandel unter der Bezeichnung „Chronik“ auch sonstige Darstellungen, die der Chronologie nicht mehr als andere Geschichtswerke folgen.</p><p>Außereuropäische Formen der Chronik sind z.&nbsp;B.</p>
Durch die rein chronologische Darstellung von Ereignissen unterscheidet sich die Chronik von solchen [[Geschichtswerk]]en, die das Geschehene unter Herstellung von Bezügen und Zusammenhängen zu verstehen, beschreiben und zu erklären versuchen sowie oft reichere Stilelemente beinhalten (z.&nbsp;B. Reden). Solche Geschichtswerke sind im Mittelalter unter anderem von [[Gregor von Tours]] (wenngleich seine ''Historien'' keine Chronik waren), [[Ernst von Kirchberg]], [[Fulcher von Chartres]], [[Lambert von Hersfeld]], [[Thietmar von Merseburg]], [[Otto von St. Blasien]], [[Matthias von Neuenburg]], [[Jean Froissart]] und [[Thomas Walsingham]] verfasst worden. Bekannte [[spätmittelalter]]liche Chronisten aus der Schweiz sind unter anderem [[Gerold Edlibach]], [[Hans Fründ]], [[Konrad Justinger]], [[Diebold Schilling der Ältere]], [[Diebold Schilling der Jüngere]], [[Werner Schodoler]], [[Christoph Silberysen]], [[Bendicht Tschachtlan]] und [[Johann Jakob Wick]].
*die [https://de.wikipedia.org/wiki/Kano-Chronik Kano-Chronik] aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Nigeria Nigeria]
 
*die Chroniken für zahlreiche südostasiatische Stadtstaaten, siehe [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Chroniken_S%C3%BCdostasiens&action=edit&redlink=1 Chroniken Südostasiens]
Als [[Publikation]] ist eine Chronik ein [[Nachschlagewerk]], das nicht nach dem [[Alphabet]], sondern nach der Zeitachse gegliedert ist. Allerdings findet man im Buchhandel unter der Bezeichnung „Chronik“ auch sonstige Darstellungen, die der Chronologie nicht mehr als andere Geschichtswerke folgen.
<div class="mw-heading mw-heading2">
 
Außereuropäische Formen der Chronik sind z.&nbsp;B. die [[Kano-Chronik]] aus [[Nigeria]] und die Chroniken für zahlreiche südostasiatische Stadtstaaten.
 
== Literatur ==
== Literatur ==
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* [[Richard W. Burgess]], Michael Kulikowski: ''Mosaics of Time. The Latin Chronicle Traditions from the First Century BC to the Sixth Century AD.'' Band 1: ''A Historical Introduction to the Chronicle Genre from its Origins to the High Middle Ages'' (= ''Studies in the early Middle Ages.'' Bd. 33). Brepols, Turnhout 2013, ISBN 978-2-503-53140-3.
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Richard_W._Burgess Richard W. Burgess], Michael Kulikowski: ''Mosaics of Time. The Latin Chronicle Traditions from the First Century BC to the Sixth Century AD.'' Band 1: ''A Historical Introduction to the Chronicle Genre from its Origins to the High Middle Ages'' (= ''Studies in the early Middle Ages.''Bd. 33). Brepols, Turnhout 2013, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9782503531403 ISBN 978-2-503-53140-3].
* Stefan Dicker: ''Landesbewusstsein und Zeitgeschehen: Studien zur bayerischen Chronistik des 15. Jahrhunderts'' (= ''Norm und Struktur. Studien zum sozialen Wandel in Mittelalter und früher Neuzeit.'' Bd. 30). Böhlau, Köln 2009, ISBN 978-3-412-20103-6.
*Stefan Dicker: ''Landesbewusstsein und Zeitgeschehen: Studien zur bayerischen Chronistik des 15. Jahrhunderts'' (= ''Norm und Struktur. Studien zum sozialen Wandel in Mittelalter und früher Neuzeit.'' Bd. 30). Böhlau, Köln 2009, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783412201036 ISBN 978-3-412-20103-6].
* Graeme Dunphy (Hrsg.): ''[[Encyclopedia of the Medieval Chronicle]]''. 2 Bde. Brill, Leiden 2010 (mit mehreren Werks- und Überblicksartikeln).
*Graeme Dunphy (Hrsg.): ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Encyclopedia_of_the_Medieval_Chronicle Encyclopedia of the Medieval Chronicle]''. 2 Bde. Brill, Leiden 2010 (mit mehreren Werks- und Überblicksartikeln).
* Stephanie Dzeja: ''Die Geschichte der eigenen Stadt. Städtische Chronistik in Frankfurt am Main vom 16. bis zum 18. Jahrhundert'' (= ''Europäische Hochschulschriften.'' Bd. 946). Lang, Frankfurt a. M. 2003, ISBN 3-631-50419-5.
*Stephanie Dzeja: ''Die Geschichte der eigenen Stadt. Städtische Chronistik in Frankfurt am Main vom 16. bis zum 18. Jahrhundert'' (= ''Europäische Hochschulschriften.'' Bd. 946). Lang, Frankfurt a. M. 2003, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3631504195 ISBN 3-631-50419-5].
* Constantin Hruschka: ''Kriegsführung und Geschichtsschreibung im Spätmittelalter. Eine Untersuchung zur Chronistik der Konzilszeit'' (= ''Kollektive Einstellungen und sozialer Wandel im Mittelalter.'' N.F., Bd. 5). Böhlau, Köln 2001, ISBN 3-412-06501-3.
*Constantin Hruschka: ''Kriegsführung und Geschichtsschreibung im Spätmittelalter. Eine Untersuchung zur Chronistik der Konzilszeit'' (= ''Kollektive Einstellungen und sozialer Wandel im Mittelalter.'' N.F., Bd. 5). Böhlau, Köln 2001, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3412065013 ISBN 3-412-06501-3].
* Peter Johanek: ''Weltchronistik und regionale Geschichtsschreibung im Spätmittelalter.'' In: [[Hans Patze]] (Hrsg.): ''Geschichtsschreibung und Geschichtsbewußtsein im späten Mittelalter'' (= ''Vorträge und Forschungen.'' Bd. 31). Thorbecke, Sigmaringen 1987, ISBN 3-7995-6631-7, S. 287–330 ([https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/vuf/article/viewFile/16154/10008 online])
*Peter Johanek: ''Weltchronistik und regionale Geschichtsschreibung im Spätmittelalter.'' In: [https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Patze Hans Patze] (Hrsg.): ''Geschichtsschreibung und Geschichtsbewußtsein im späten Mittelalter'' (= ''Vorträge und Forschungen.'' Bd. 31). Thorbecke, Sigmaringen 1987, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3799566317 ISBN 3-7995-6631-7], S. 287–330 ([http://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/vuf/article/viewFile/16154/10008 online])
* Niklas Fröhlich: ''Spätantike Chroniken im Fluss der Zeit. Kompilieren, Kürzen, Kontinuieren als kulturelles Phänomen, historische Quelle und philologische Herausforderung.'' De Gruyter, Berlin/Boston 2025 ([https://doi.org/10.1515/9783111507958 Open Access]).
*Regula Schmid: ''Geschichte im Dienst der Stadt. Amtliche Historie und Politik im Spätmittelalter.'' Chronos, Zürich 2009, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783034009287 ISBN 978-3-0340-0928-7].
* Regula Schmid: ''Geschichte im Dienst der Stadt. Amtliche Historie und Politik im Spätmittelalter.'' Chronos, Zürich 2009, ISBN 978-3-0340-0928-7.
*Gerhard Wirth, Karl Schnith, Raoul Manselli und 25 andere: <cite>Chronik. A. Spätantike – B. Allgemeine Fragestellung und Überblick über die mittelalterliche Chronistik (Mittelalterlicher Westen) – C–S. Die mittelalterliche Chronistik nach Ländern, Regionen und Kulturen</cite>. In: <cite>[https://de.wikipedia.org/wiki/Lexikon_des_Mittelalters Lexikon des Mittelalters] ''(LexMA)''</cite>. Band&nbsp;2. Artemis & Winkler, München/Zürich 1983, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3760889026 ISBN 3-7608-8902-6], Sp.&nbsp;1955–2026 (mit ausführlichen Literaturangaben).
* {{LexMA|2|1955|2026|Chronik. A. Spätantike – B. Allgemeine Fragestellung und Überblick über die mittelalterliche Chronistik (Mittelalterlicher Westen) – C–S. Die mittelalterliche Chronistik nach Ländern, Regionen und Kulturen|Gerhard Wirth, Karl Schnith, Raoul Manselli und 25 andere|mit ausführlichen Literaturangaben}}
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Rolf_Sprandel Rolf Sprandel] (Hrsg.): ''Chronisten als Zeitzeugen: Forschungen zur spätmittelalterlichen Geschichtsschreibung in Deutschland'' (= ''Kollektive Einstellungen und sozialer Wandel im Mittelalter.'' Neue Folge, Band 3). Köln/Weimar/Wien 1994.
* [[Rolf Sprandel]] (Hrsg.): ''Chronisten als Zeitzeugen: Forschungen zur spätmittelalterlichen Geschichtsschreibung in Deutschland'' (= ''Kollektive Einstellungen und sozialer Wandel im Mittelalter.'' Neue Folge, Band 3). Köln/Weimar/Wien 1994.
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Gerhard_Wolf_(Philologe) Gerhard Wolf], [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Norbert_Ott&action=edit&redlink=1 Norbert H. Ott] (Hrsg.): ''Handbuch Chroniken des Mittelalters.'' De Gruyter, Berlin/Boston 2016, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783110206272 ISBN 978-3-11-020627-2].
* Raimondo Tocci (Hrsg.): ''A Companion to Byzantine Chronicles.'' Brill, Leiden/Boston 2025.
<div class="mw-heading mw-heading2">
* [[Gerhard Wolf (Philologe)|Gerhard Wolf]], [[Norbert Ott|Norbert H. Ott]] (Hrsg.): ''Handbuch Chroniken des Mittelalters.'' De Gruyter, Berlin/Boston 2016, ISBN 978-3-11-020627-2.
== Siehe auch ==
 
</div>
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Buch_der_Chronik Buch der Chronik]
<div class="mw-heading mw-heading2">
== Weblinks ==
== Weblinks ==
{{Wiktionary|Chronik}}
{{Wiktionary|Chronist}}
* {{DNB-Portal|4127914-1|TYP=Literatur über|NAME=Chroniken}}
== Anmerkungen ==
<references />
{{Normdaten|TYP=s|GND=4127914-1|LCCN=|NDL=|VIAF=}}
[[Kategorie:Chronik (Literatur)| ]]
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[[Kategorie:Wikipedia.de Artikel]]
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[[Kategorie:Chronik]]
*[https://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&query=4127914-1 Literatur über Chroniken] im Katalog der [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Nationalbibliothek Deutschen Nationalbibliothek]

Aktuelle Version vom 28. Juli 2026, 11:06 Uhr

Chronik f. ‘in zeitlicher Abfolge aufgezeichneter Geschichtsablauf’,

  • Ww
    • ahd. krōnih (8. Jh.),
    • mhd. krōnik(e).
  • Entlehnt aus lat. chronica Plur., nach griech. chroniká biblía κρονικὰ βιβλία ‘Geschichtsbücher’.
  • Das Adjektiv griech. chronikós κρονικός ‘die Zeit betreffend’
    • ist eine Ableitung von chrónos κρόνος m. ‘Zeit, Zeitdauer, Zeitverlauf’.
    • Dt. Texte bewahren die lat. Form verschiedentlich bis ins 18. Jh.

Eine Chronik (von altgriechisch χρονικά (βιβλία) chrónika (biblía) zu χρόνος chrónos ‚Zeit‘, demnach sinngemäß „Zeitbuch“)[1] ist eine geschichtliche Prosadarstellung, in der die Ereignisse in zeitlicher Reihenfolge geordnet dargestellt sind. Chroniken können von knappen, reinen Datenlisten bis hin zu ausführlichen Schilderungen für einzelne Jahresereignisse reichen. Der Verfasser einer Chronik wird als Chronist, die entsprechende literarische Gattung als Chronistik bezeichnet.

Überblick

Die Chronik als Form der Geschichtsschreibung wurde im Altertum entwickelt. Bereits im alten Orient entstanden kurze chronikalische Werke, wenngleich diese nicht literarisch aufgearbeitet waren und nur über wichtige Ereignisse knapp berichteten.[2]

In der griechisch-römischen Antike entstanden ebenfalls Chroniken, die inhaltlich aber weiter gefasst waren. Zu nennen ist z. B. Apollodor von Athen, Kastor von Rhodos und Dexippos (wenngleich dessen Chronik wohl recht stark der „klassischen Geschichtsschreibung“ angenähert war). Christliche antike Autoren orientierten sich an dem Genre der griechischen Chronistik aus hellenistischer Zeit. Bedeutenden Einfluss für spätere christlichen Geschichtsschreiber hatte die Chronik des Sextus Iulius Africanus. Gerade für die Zeit der Spätantike liefern einige Chroniken, obwohl viele nur knappe Darstellungen boten, wichtige Erkenntnisse, wobei die meisten Werke von christlichen Autoren stammen.[3] Zu nennen sind unter anderem die Chronik des Eusebius von Caesarea, des Hieronymus, des Hydatius von Aquae Flaviae, des Josua Stylites, des Johannes Malalas oder das Chronicon Paschale. Einen Spezialfall stellen die sogenannten Consularia dar, bei denen es sich um Chroniken auf Basis römischer Konsullisten (fasti consulares) handelt, die nur knappe inhaltliche Zusätze boten. Mit dem Ende der Antike lebte die Tradition der Chronik im byzantinischen Reich fort (siehe etwa Georgios Synkellos und Theophanes).

Im lateinischen Westen erlebte die Chronik ihre Blütezeit im Mittelalter, beginnend bereits im Frühmittelalter hin zu den zahlreichen spätmittelalterlichen Welt- und Lokalchroniken.[4] Sie stellt sich als Bericht über geschichtliche Vorgänge in zeitlicher Anordnung, jedoch nicht auf der Grundlage der Kalender-Jahre (Annalen), sondern im größeren chronologischen Zusammenhang der Regierungszeiten etwa von Königen und Päpsten dar. Chroniken verfolgen die Absicht, dem Leser einen zeitlich geordneten historischen Überblick zu verschaffen; die von einem explizit christlichen Standpunkt aus verfassten Chroniken versuchen auch, einen Zusammenhang zwischen christlicher Heilsgeschichte und weltlicher Geschichte herzustellen.

Nach Inhalt und Reichweite sind Weltchroniken, Kaiser- und Königschroniken, Landeschroniken, Kloster-, Kirchen- und Städtechroniken zu unterscheiden.[5] Die Hauschronik ist eine familiäre, genealogisch ausgerichtete Erinnerungsschrift. Hinzu kamen schließlich die Familienchroniken, die seit der Renaissance in Italien, bald auch in den deutschen Handelsstädten entstehen und ein neues Medium bürgerlichen Selbst- und Traditionsbewusstseins, aber auch eine Vorform der Autobiografie bilden. Mittelalterliche Beispiele von Chroniken sind unter anderem die Chronica maiora des Isidor von Sevilla (6./7. Jahrhundert), die Fredegarchronik (7. Jahrhundert), die Chronik des Thietmar von Merseburg (11. Jahrhundert), die Chronica sive Historia de duabus civitatibus des Otto von Freising (12. Jahrhundert) oder die Weltchronik von Hartmann Schedel (spätes 15. Jahrhundert). Hinzu kommen zahlreiche weitere Werke. Deutschsprachige Chroniken (sieht man vom Annolied ab) kennt man seit dem 12. Jahrhundert.

Schulchroniken begannen im 19. Jahrhundert und zeichneten oft das bis dahin gesammelte Wissen der ortsschulgeschichtlichen Entwicklung auf, um dann detailliert über die aktuelle Schulsituation (schul-)jährlich zu berichten.

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Familienchronik 1894

Neben ihrer historischen Gebrauchsform lebt die Chronik heute auch als populäre Gebrauchsform weiter, so zum Beispiel in Dorf- oder Vereinschroniken. Eine weitere Karriere hat sie als literarisches Strukturmodell besonders in der fiktionalen Erzählprosa gemacht. So zum Beispiel in den Buddenbrooks von Thomas Mann.

Beispiel afrikanischer Chroniken sind etwa die Kilwachronik (um 1520) oder die Patechronik.

Verwandte Formen

Durch die rein chronologische Darstellung von Ereignissen unterscheidet sich die Chronik von solchen Geschichtswerken, die das Geschehene unter Herstellung von Bezügen und Zusammenhängen zu verstehen, beschreiben und zu erklären versuchen sowie oft reichere Stilelemente beinhalten (z. B. Reden). Solche Geschichtswerke sind im Mittelalter unter anderem von Gregor von Tours (wenngleich seine Historien keine Chronik waren), Ernst von Kirchberg, Fulcher von Chartres, Lambert von Hersfeld, Thietmar von Merseburg, Otto von St. Blasien, Matthias von Neuenburg, Jean Froissart und Thomas Walsingham verfasst worden. Bekannte spätmittelalterliche Chronisten aus der Schweiz sind unter anderem Gerold Edlibach, Hans Fründ, Konrad Justinger, Diebold Schilling der Ältere, Diebold Schilling der Jüngere, Werner Schodoler, Christoph Silberysen, Bendicht Tschachtlan und Johann Jakob Wick.

Als Publikation ist eine Chronik ein Nachschlagewerk, das nicht nach dem Alphabet, sondern nach der Zeitachse gegliedert ist. Allerdings findet man im Buchhandel unter der Bezeichnung „Chronik“ auch sonstige Darstellungen, die der Chronologie nicht mehr als andere Geschichtswerke folgen.

Außereuropäische Formen der Chronik sind z. B. die Kano-Chronik aus Nigeria und die Chroniken für zahlreiche südostasiatische Stadtstaaten.

Literatur

  • Richard W. Burgess, Michael Kulikowski: Mosaics of Time. The Latin Chronicle Traditions from the First Century BC to the Sixth Century AD. Band 1: A Historical Introduction to the Chronicle Genre from its Origins to the High Middle Ages (= Studies in the early Middle Ages. Bd. 33). Brepols, Turnhout 2013, ISBN 978-2-503-53140-3.
  • Stefan Dicker: Landesbewusstsein und Zeitgeschehen: Studien zur bayerischen Chronistik des 15. Jahrhunderts (= Norm und Struktur. Studien zum sozialen Wandel in Mittelalter und früher Neuzeit. Bd. 30). Böhlau, Köln 2009, ISBN 978-3-412-20103-6.
  • Graeme Dunphy (Hrsg.): Encyclopedia of the Medieval Chronicle. 2 Bde. Brill, Leiden 2010 (mit mehreren Werks- und Überblicksartikeln).
  • Stephanie Dzeja: Die Geschichte der eigenen Stadt. Städtische Chronistik in Frankfurt am Main vom 16. bis zum 18. Jahrhundert (= Europäische Hochschulschriften. Bd. 946). Lang, Frankfurt a. M. 2003, ISBN 3-631-50419-5.
  • Constantin Hruschka: Kriegsführung und Geschichtsschreibung im Spätmittelalter. Eine Untersuchung zur Chronistik der Konzilszeit (= Kollektive Einstellungen und sozialer Wandel im Mittelalter. N.F., Bd. 5). Böhlau, Köln 2001, ISBN 3-412-06501-3.
  • Peter Johanek: Weltchronistik und regionale Geschichtsschreibung im Spätmittelalter. In: Hans Patze (Hrsg.): Geschichtsschreibung und Geschichtsbewußtsein im späten Mittelalter (= Vorträge und Forschungen. Bd. 31). Thorbecke, Sigmaringen 1987, ISBN 3-7995-6631-7, S. 287–330 (online)
  • Niklas Fröhlich: Spätantike Chroniken im Fluss der Zeit. Kompilieren, Kürzen, Kontinuieren als kulturelles Phänomen, historische Quelle und philologische Herausforderung. De Gruyter, Berlin/Boston 2025 (Open Access).
  • Regula Schmid: Geschichte im Dienst der Stadt. Amtliche Historie und Politik im Spätmittelalter. Chronos, Zürich 2009, ISBN 978-3-0340-0928-7.
  • Gerhard Wirth, Karl Schnith, Raoul Manselli und 25 andere: Chronik. A. Spätantike – B. Allgemeine Fragestellung und Überblick über die mittelalterliche Chronistik (Mittelalterlicher Westen) – C–S. Die mittelalterliche Chronistik nach Ländern, Regionen und Kulturen. In: Lexikon des Mittelalters (LexMA). Band 2. Artemis & Winkler, München/Zürich 1983, ISBN 3-7608-8902-6, Sp. 1955–2026 (mit ausführlichen Literaturangaben).
  • Rolf Sprandel (Hrsg.): Chronisten als Zeitzeugen: Forschungen zur spätmittelalterlichen Geschichtsschreibung in Deutschland (= Kollektive Einstellungen und sozialer Wandel im Mittelalter. Neue Folge, Band 3). Köln/Weimar/Wien 1994.
  • Raimondo Tocci (Hrsg.): A Companion to Byzantine Chronicles. Brill, Leiden/Boston 2025.
  • Gerhard Wolf, Norbert H. Ott (Hrsg.): Handbuch Chroniken des Mittelalters. De Gruyter, Berlin/Boston 2016, ISBN 978-3-11-020627-2.
Wiktionary: Chronik – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wiktionary: Chronist – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Anmerkungen

  1. ↑ Vgl. zur Wort- und Begriffsgeschichte Gerhard Wolf: Einleitung. In: Gerhard Wolf, Norbert H. Ott (Hrsg.): Handbuch Chroniken des Mittelalters. Berlin/Boston 2016, S. 12 ff.
  2. ↑ Zur historischen Entwicklung vgl. zusammenfassend Gerhard Wolf: Einleitung. In: Gerhard Wolf, Norbert H. Ott (Hrsg.): Handbuch Chroniken des Mittelalters. Berlin/Boston 2016, S. 1 ff.
  3. ↑ Gerhard Wolf: Einleitung. In: Gerhard Wolf, Norbert H. Ott (Hrsg.): Handbuch Chroniken des Mittelalters. Berlin/Boston 2016, S. 6 ff.
  4. ↑ Überblick bei Gerhard Wolf, Norbert H. Ott (Hrsg.): Handbuch Chroniken des Mittelalters. Berlin/Boston 2016, S. 47 ff.; Werküberblick in der Encyclopedia of the Medieval Chronicle.
  5. ↑ Zu den modernen Kategorisierungen vgl. auch Gerhard Wolf: Einleitung. In: Gerhard Wolf, Norbert H. Ott (Hrsg.): Handbuch Chroniken des Mittelalters. Berlin/Boston 2016, S. 20 ff.