„Reigen“ – Versionsunterschied
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Jh. wird aber im Anschluß an [https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Luther Luthers] Gebrauch die Form ''<span class="etymwb-mentioned">Reigen</span>'' neu belebt, wohl unter dem Einfluß [https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Ludwig_Jahn Jahns], der sie für ‘rhythmische, von Musik begleitete Bewegungen’ in die Sprache der Turnkunst einführt.</p> | <p><span class="etymwb-headword"><span class="etymwb-orth">[[reigen]]</span>, </span>veraltet <span class="etymwb-headword"><span class="etymwb-orth">Reihen</span> <span class="etymwb-gramgrp"><abbr title="" data-toggle="tooltip" data-original-title="Maskulinum">m.</abbr> </span></span>im Mittelalter ‘von Instrumentalmusik und Gesang begleiteter volkstümlicher Rundtanz im Freien, wobei die Tanzenden in einer Kette oder paarweise hintereinander den Bewegungen des Vortänzers und zugleich Vorsängers des Tanzliedes folgen’, dann überhaupt ‘Rundtanz’, insbesondere ‘rhythmischer Reihentanz von Kindern’, auch ‘das den Tanz begleitende Lied, die Tanzmelodie’ (vgl. <span class="etymwb-mentioned">Bergreihen</span> ‘Bergmannslied’ noch bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Joachim_Heinrich_Campe Campe] 1807).</p><p><abbr title="" data-toggle="tooltip" data-original-title="mittelhochdeutsch">Mhd.</abbr> <abbr title="" data-toggle="tooltip" data-original-title="mittelniederdeutsch">mnd.</abbr>''<span class="etymwb-mentioned">rei(e)</span>, <span class="etymwb-mentioned">reige</span>'', das, wohl nach <abbr title="" data-toggle="tooltip" data-original-title="niederländisch">nl.</abbr> Vorbild, zu Anfang des 13. Jhs. (etwa gleichzeitig mit der Bezeichnung für die gemessenere, im geschlossenen Raum ausgeübte tänzerische Bewegungsform, s. [https://www.dwds.de/wb/etymwb/Tanz Tanz]) als höfisches Modewort aufkommt, wird ebenso wie gleichbed. <abbr title="" data-toggle="tooltip" data-original-title="mittelniederländisch">mnl.</abbr> <abbr title="" data-toggle="tooltip" data-original-title="niederländisch">nl.</abbr> ''<span class="etymwb-mentioned">rei</span>'' über eine Variante <abbr title="" data-toggle="tooltip" data-original-title="altpikardisch">apikard.</abbr> ''<span class="etymwb-mentioned">rèy</span>'' auf <abbr title="" data-toggle="tooltip" data-original-title="altfranzösisch">afrz.</abbr> ''<span class="etymwb-mentioned">roie</span>'', <span class="etymwb-mentioned">''raie'' </span>‘Streifen, Furche’ (aus <abbr title="" data-toggle="tooltip" data-original-title="gallisch">gall.</abbr> <span class="etymwb-mentioned">*''rica''</span> ‘Furche’) zurückgeführt.</p><p>Diese Herleitung bleibt allerdings fraglich, da für das als Quelle der Entlehnung angenommene <abbr title="" data-toggle="tooltip" data-original-title="altfranzösisch">afrz. </abbr>Substantiv die Bedeutung ‘Rundtanz’ nicht sicher bezeugt ist. In <abbr title="" data-toggle="tooltip" data-original-title="frühneuhochdeutsch">frühnhd.</abbr> ''<span class="etymwb-mentioned">Reie</span>'' (auch ''<span class="etymwb-mentioned">Reihe</span>'' mit sekundärem ''h'' von nur graphischem Wert) und ''<span class="etymwb-mentioned">Reige</span>'' (so bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Luther Luther]) setzen sich zunächst beide <abbr title="" data-toggle="tooltip" data-original-title="mittelhochdeutsch">mhd.</abbr> Formen fort, daneben werden seit dem 16. Jh. auch Nominative mit der den obliquen Kasus der schwach flektierten Substantive entstammenden Endung -''n'' üblich. Das 18. Jh. bevorzugt ''<span class="etymwb-mentioned">Reihen</span>'', im 19. Jh. wird aber im Anschluß an [https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Luther Luthers] Gebrauch die Form ''<span class="etymwb-mentioned">Reigen</span>'' neu belebt, wohl unter dem Einfluß [https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Ludwig_Jahn Jahns], der sie für ‘rhythmische, von Musik begleitete Bewegungen’ in die Sprache der Turnkunst einführt.</p> | ||
Aktuelle Version vom 20. Dezember 2023, 14:46 Uhr
reigen, veraltet Reihen m. im Mittelalter ‘von Instrumentalmusik und Gesang begleiteter volkstümlicher Rundtanz im Freien, wobei die Tanzenden in einer Kette oder paarweise hintereinander den Bewegungen des Vortänzers und zugleich Vorsängers des Tanzliedes folgen’, dann überhaupt ‘Rundtanz’, insbesondere ‘rhythmischer Reihentanz von Kindern’, auch ‘das den Tanz begleitende Lied, die Tanzmelodie’ (vgl. Bergreihen ‘Bergmannslied’ noch bei Campe 1807).
Mhd. mnd.rei(e), reige, das, wohl nach nl. Vorbild, zu Anfang des 13. Jhs. (etwa gleichzeitig mit der Bezeichnung für die gemessenere, im geschlossenen Raum ausgeübte tänzerische Bewegungsform, s. Tanz) als höfisches Modewort aufkommt, wird ebenso wie gleichbed. mnl. nl. rei über eine Variante apikard. rèy auf afrz. roie, raie ‘Streifen, Furche’ (aus gall. *rica ‘Furche’) zurückgeführt.
Diese Herleitung bleibt allerdings fraglich, da für das als Quelle der Entlehnung angenommene afrz. Substantiv die Bedeutung ‘Rundtanz’ nicht sicher bezeugt ist. In frühnhd. Reie (auch Reihe mit sekundärem h von nur graphischem Wert) und Reige (so bei Luther) setzen sich zunächst beide mhd. Formen fort, daneben werden seit dem 16. Jh. auch Nominative mit der den obliquen Kasus der schwach flektierten Substantive entstammenden Endung -n üblich. Das 18. Jh. bevorzugt Reihen, im 19. Jh. wird aber im Anschluß an Luthers Gebrauch die Form Reigen neu belebt, wohl unter dem Einfluß Jahns, der sie für ‘rhythmische, von Musik begleitete Bewegungen’ in die Sprache der Turnkunst einführt.