Natürliche Sprachen werden manchmal zum Gegenstand von Sprachplanung, jedoch erfolgen sprachplanerische Eingriffe in der Regel für begrenzte Zeit auf der Basis bestehender natürlicher Entwicklungen. Sie betreffen dann nur wenige, oft eher äußerliche und soziale Aspekte einer Sprache (z. B. eher die Bevorzugung von Varietäten als ihre Entstehung) und greifen kaum in die Grundlagen des grammatischen Systems ein. Ein typisches Beispiel ist die Schaffung einer Standardvarietät (etwa für flächendeckenden Schulunterricht) für eine Sprache, die sonst nur in Dialekte zersplittert vorlag (z. B. im Fall des Rumantsch Grischun).

Tote Sprachen

Einen Grenzfall bilden ferner „tote Sprachen“, also Sprachen, die in einer historisch erstarrten Form weiter tradiert werden, aber nicht mehr durch Kinder in einem ungesteuerten Prozess als Muttersprache erworben werden. Aufgrund der ursprünglich natürlichen Entstehung fallen auch sie noch unter natürliche Sprache.

Plansprachen

Der einzige Fall einer Plansprache, die eine größere Sprechergemeinschaft über mehrere Generationen hinweg hervorgebracht hat, ist das Esperanto. Die Anfänge des Esperanto im 19. Jahrhundert bestanden in einer ersten Grammatik mit 16 Regeln; der erste Wortschatz aus 920 Wortstämmen im ersten Esperanto-Lehrbuchs von 1887. Bis heute sind Grammatik und Wortschatz stark ausgebaut worden (gezählt werden heute über 15.000 Wortstämme). Vor allem wegen der Weiterentwicklung des Esperanto über mehrere Generationen hinweg und aufgrund der Existenz von zumindest etwa tausend Personen, die mit Esperanto als einer ihrer Muttersprachen aufwuchsen, wird die Frage diskutiert, inwieweit Züge einer natürlichen Sprache hier vorliegen.[1][2][3]

Computerlinguistik

Die Computerlinguistik beschäftigt sich mit der automatischen Verarbeitung von natürlicher Sprache. „Natürlichsprachig“ steht hier im Gegensatz zu einer formalsprachlichen Repräsentation.

In der Sprachverarbeitung werden verschiedene Methoden und Typen unterschieden. Als „natürlichsprachig“ werden künstliche Intelligenz, KI-Systeme oder Sprachdialogsysteme (Interactive Voice Response, IVR) bezeichnet, die Äußerungen, die aus ganzen Sätzen bestehen, verarbeiten und mehrere Informationen aus einem einzigen Satz extrahieren. Sprachdialogsysteme sind dabei der klassische Anwendungsfall. Neben sehr simplen Sprachdialogsystemen, die keine Sprache, sondern nur Optionswahlen (etwa Standard-Töne des Mehrfrequenzwahlverfahrens, MFV) verstehen, können einige von ihnen auch festgelegte Ausdrücke erkennen (siehe: Speech Recognition Grammar Specification). Ein Verstehen ohne enge Vorgaben wird dagegen auch als Natural Language Understanding (NLU) bezeichnet. Solche Systeme können aus natürlichsprachlichen Äußerungen verschiedenartige Informationen extrahieren.

Literatur

Wiktionary: natürliche Sprache – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Jouko Lindstedt: Native Esperanto as a test case for natural language. In: SKY Journal of Linguistics, 19 (2006) (= A Man of Measure: Festschrift in Honour of Fred Karlsson.), S. 47–55. Online.
  2. Ida Stria: Esperanto as a Natural Language. In: Język. Komunikacja. Informacja - Language. Communication. Information. Vol. 10 (2015), S. 32–42. ISSN 1896-9585, Online via scholar.google.
  3. Ilona Koutny: A typological description of Esperanto as a natural language. In: Język. Komunikacja. Informacja - Language. Communication. Information. Vol. 10 (2015), S. 43–62. ISSN 1896-9585. Online via scholar.google.