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„Sprachausdruck“ – Versionsunterschied

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#das [https://de.wikipedia.org/wiki/Sinnliche_Wahrnehmung sinnlich Wahrnehmbare] eines [https://de.wikipedia.org/wiki/Schriftzeichen sprachlichen Zeichens] (Signe);
#eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Einheit_(Linguistik) sprachliche Einheit] allgemein;
#die Funktion des Ausdrucks als [https://de.wikipedia.org/wiki/Sprachfunktion Sprachfunktion].


== <span id="Ausdruck_als_das_sinnlich_Wahrnehmbare_eines_Zeichens">Ausdruck als das sinnlich Wahrnehmbare eines Zeichens</span> ==
== <span class="mw-page-title-main">Ausdruck (Sprachwissenschaft)</span> ==
<p>Unter einem (sprachlichen) Ausdruck versteht man in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Sprachwissenschaft Sprachwissenschaft] in erster Linie das sinnlich Wahrnehmbare eines (sprachlichen) Zeichens.</p><p>(Sprachliche) Ausdrücke im engeren Sinn sind akustische [https://de.wikipedia.org/wiki/Laut Laute] oder visuelle [https://de.wikipedia.org/wiki/Schriftzeichen Schriftzeichen] oder Bildsymbole.</p><p>In [https://de.wikipedia.org/wiki/Ferdinand_de_Saussure Ferdinand de Saussures] zweiseitiger [https://de.wikipedia.org/wiki/Zeichen Zeichen]-Konzeption steht der Ausdruck, d.&nbsp;h. die Ausdrucksseite (frz.''signifiant'', siehe auch [https://de.wikipedia.org/wiki/Signifikant Signifikant]), dem Inhalt, der Inhaltsseite (frz. ''siginifié'', siehe auch [https://de.wikipedia.org/wiki/Signifikat Signifikat]) gegenüber. Der Ausdruck ist somit die physische Dimension eines Sprachzeichens, also die Lautfolge bzw. die Zeichenkette.</p><p>Der dänische Sprachwissenschaftler in der Tradition De Saussures [https://de.wikipedia.org/wiki/Louis_Hjelmslev Louis Hjelmslev] sieht dabei eine strikte, wechselseitige Beziehung der beiden Zeichenseiten: „Ein Ausdruck ist Ausdruck nur dadurch, daß er Ausdruck eines Inhalts ist, und ein Inhalt ist Inhalt nur dadurch, daß er Inhalt eines Ausdrucks ist.“<sup id="cite_ref-hjelmslev_1-0" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ausdruck_(Sprachwissenschaft)#cite_note-hjelmslev-1 [1]]</sup></p><p>In der [https://de.wikipedia.org/wiki/Umgangssprache Umgangssprache] wird meist die Bezeichnung „[https://de.wikipedia.org/wiki/Begriff_(Philosophie) Begriff]“ im Sinne von „Ausdruck“ verwendet, ein Beispiel zum Thema [https://de.wikipedia.org/wiki/Prekariat Prekariat]:</p><div class="Vorlage_Zitat"><div><blockquote><p>„Bereits Anfang der 1980er taucht der Begriff in der französischen Soziologie auf, als Bezeichnung für saisonale oder temporäre Beschäftigungen.“<sup id="cite_ref-zeit_2-0" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ausdruck_(Sprachwissenschaft)#cite_note-zeit-2 [2]]</sup></p></blockquote></div></div><p>Auf der Grundlage einer linguistischen Terminologie taucht allerdings der ''Ausdruck'' „Prekariat“ Anfang der 1980er Jahre auf, als ''Bezeichnung'' für die damals damit verbundene Vorstellung (den Begriff) der saisonalen Beschäftigung.</p><p>Zwischen einem sprachlichen Ausdruck und der [https://de.wikipedia.org/wiki/Bedeutung_(Sprachphilosophie) Bedeutung] eines sprachlichen Ausdrucks ist streng zu unterscheiden.<sup id="cite_ref-3" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ausdruck_(Sprachwissenschaft)#cite_note-3 [3]]</sup></p>
Unter einem '''Ausdruck''' oder gleichbedeutend ([https://de.wikipedia.org/wiki/Synonym synonym]) unter einem '''sprachlichen Ausdruck''' versteht man in der [[Sprachwissenschaft]] Verschiedenes:
== <span id="Ausdruck_als_sprachliche_Einheit">Ausdruck als sprachliche Einheit</span> ==
 
<p>Das Wort „Ausdruck“ steht zudem auch für eine nicht näher spezifizierte „[https://de.wikipedia.org/wiki/Sprachliche_Einheit sprachliche Einheit] von beliebiger Länge: Wörter, Wortfolgen, Sätze, Satzfolgen etc.“ als Elemente der [https://de.wikipedia.org/wiki/Langue Langue].<sup id="cite_ref-4" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ausdruck_(Sprachwissenschaft)#cite_note-4 [4]]</sup></p>
*das [https://de.wikipedia.org/wiki/Sinnliche_Wahrnehmung sinnlich Wahrnehmbare] eines [https://de.wikipedia.org/wiki/Schriftzeichen sprachlichen Zeichens] ([[Signe]]);
== <span id="Ausdruck_als_Sprachfunktion">Ausdruck als Sprachfunktion</span> ==
*eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Einheit_(Linguistik) sprachliche Einheit] allgemein;
<p>[https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_B%C3%BChler Karl Bühler] verwendet „Ausdruck“ in seinem Zeichenmodell (eher Kommunikationsmodell) auf einer anderen Ebene. Der Ausdruck ist hier – ausgehend vom Sprecher – ein „Symptom“, drückt beispielsweise dessen Stimmung aus und darf nicht mit dem zeichentheoretischen „Ausdruck“ gleichgesetzt werden (''siehe auch:'' [https://de.wikipedia.org/wiki/Organon-Modell Organon-Modell]). In diese Richtung geht die Vorstellung des Ausdrucks in der Ästhetik des 18. Jahrhunderts, die einen subjektiven und suggestiven Kommentar zu einem objektiven Inhalt meint: dasselbe Wort kann mit ängstlichem oder mutigem Ausdruck gesprochen werden, ein musikalischer Ton kann ausdrucksvoll oder ausdruckslos gesungen werden. Hier ist der Ausdruck nicht Stellvertreter für seinen Inhalt, sondern bietet Anhaltspunkte zu seiner Deutung. Zugleich erhielt die textlose [https://de.wikipedia.org/wiki/Instrumentalmusik Instrumentalmusik] als „Ausdruck ohne Inhalt“ eine besondere Bedeutung (vgl. [https://de.wikipedia.org/wiki/Nonverbale_Kommunikation Nonverbale Kommunikation]).</p>
*die Funktion des Ausdrucks als [[Sprachfunktion.]]
 
=== <span id="Ausdruck_als_das_sinnlich_Wahrnehmbare_eines_Zeichens">Ausdruck als das sinnlich Wahrnehmbare eines Zeichens</span> ===
Unter einem (sprachlichen) Ausdruck versteht man in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Sprachwissenschaft Sprachwissenschaft] in erster Linie das sinnlich Wahrnehmbare eines (sprachlichen) Zeichens.
 
(Sprachliche) Ausdrücke im engeren Sinn sind akustische [https://de.wikipedia.org/wiki/Laut Laute] oder visuelle [https://de.wikipedia.org/wiki/Schriftzeichen Schriftzeichen] oder Bildsymbole.
 
In [https://de.wikipedia.org/wiki/Ferdinand_de_Saussure Ferdinand de Saussures] zweiseitiger [https://de.wikipedia.org/wiki/Zeichen Zeichen]-Konzeption steht der Ausdruck, d.&nbsp;h. die Ausdrucksseite (frz.''signifiant'', siehe auch [https://de.wikipedia.org/wiki/Signifikant Signifikant]), dem Inhalt, der Inhaltsseite (frz. ''siginifié'', siehe auch [https://de.wikipedia.org/wiki/Signifikat Signifikat]) gegenüber. Der Ausdruck ist somit die physische Dimension eines Sprachzeichens, also die Lautfolge bzw. die Zeichenkette.
 
Der dänische Sprachwissenschaftler in der Tradition De Saussures [https://de.wikipedia.org/wiki/Louis_Hjelmslev Louis Hjelmslev] sieht dabei eine strikte, wechselseitige Beziehung der beiden Zeichenseiten: „Ein Ausdruck ist Ausdruck nur dadurch, daß er Ausdruck eines Inhalts ist, und ein Inhalt ist Inhalt nur dadurch, daß er Inhalt eines Ausdrucks ist.“<sup id="cite_ref-hjelmslev_1-0" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ausdruck_(Sprachwissenschaft)#cite_note-hjelmslev-1 [1]]</sup>
 
In der [https://de.wikipedia.org/wiki/Umgangssprache Umgangssprache] wird meist die Bezeichnung „[https://de.wikipedia.org/wiki/Begriff_(Philosophie) Begriff]“ im Sinne von „Ausdruck“ verwendet, ein Beispiel zum Thema [https://de.wikipedia.org/wiki/Prekariat Prekariat]:<blockquote>„Bereits Anfang der 1980er taucht der Begriff in der französischen Soziologie auf, als Bezeichnung für saisonale oder temporäre Beschäftigungen.“<sup id="cite_ref-zeit_2-0" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ausdruck_(Sprachwissenschaft)#cite_note-zeit-2 [2]]</sup></blockquote>Auf der Grundlage einer linguistischen Terminologie taucht allerdings der ''Ausdruck'' „Prekariat“ Anfang der 1980er Jahre auf, als ''Bezeichnung'' für die damals damit verbundene Vorstellung (den Begriff) der saisonalen Beschäftigung.
 
Zwischen einem sprachlichen Ausdruck und der [https://de.wikipedia.org/wiki/Bedeutung_(Sprachphilosophie) Bedeutung] eines sprachlichen Ausdrucks ist streng zu unterscheiden.<sup id="cite_ref-3" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ausdruck_(Sprachwissenschaft)#cite_note-3 [3]]</sup>
 
=== <span id="Ausdruck_als_sprachliche_Einheit">Ausdruck als sprachliche Einheit</span> ===
Das Wort „Ausdruck“ steht zudem auch für eine nicht näher spezifizierte „[https://de.wikipedia.org/wiki/Sprachliche_Einheit sprachliche Einheit] von beliebiger Länge: Wörter, Wortfolgen, Sätze, Satzfolgen etc.“ als Elemente der [https://de.wikipedia.org/wiki/Langue Langue].<sup id="cite_ref-4" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ausdruck_(Sprachwissenschaft)#cite_note-4 [4]]</sup>
 
=== <span id="Ausdruck_als_Sprachfunktion">Ausdruck als Sprachfunktion</span> ===
[https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_B%C3%BChler Karl Bühler] verwendet „Ausdruck“ in seinem Zeichenmodell (eher Kommunikationsmodell) auf einer anderen Ebene. Der Ausdruck ist hier – ausgehend vom Sprecher – ein „Symptom“, drückt beispielsweise dessen Stimmung aus und darf nicht mit dem zeichentheoretischen „Ausdruck“ gleichgesetzt werden (''siehe auch:'' [https://de.wikipedia.org/wiki/Organon-Modell Organon-Modell]). In diese Richtung geht die Vorstellung des Ausdrucks in der Ästhetik des 18. Jahrhunderts, die einen subjektiven und suggestiven Kommentar zu einem objektiven Inhalt meint: dasselbe Wort kann mit ängstlichem oder mutigem Ausdruck gesprochen werden, ein musikalischer Ton kann ausdrucksvoll oder ausdruckslos gesungen werden. Hier ist der Ausdruck nicht Stellvertreter für seinen Inhalt, sondern bietet Anhaltspunkte zu seiner Deutung. Zugleich erhielt die textlose [https://de.wikipedia.org/wiki/Instrumentalmusik Instrumentalmusik] als „Ausdruck ohne Inhalt“ eine besondere Bedeutung (vgl. [https://de.wikipedia.org/wiki/Nonverbale_Kommunikation Nonverbale Kommunikation]).<div id="bodyContent" class="vector-body"><div class="mw-body-content"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" dir="ltr" lang="de">
== <span id="Siehe_auch">Siehe auch</span> ==
== <span id="Siehe_auch">Siehe auch</span> ==



Version vom 29. Januar 2024, 20:00 Uhr

Sprach-Ausdruck

Ausdruck (Sprachwissenschaft)

Unter einem Ausdruck oder gleichbedeutend (synonym) unter einem sprachlichen Ausdruck versteht man in der Sprachwissenschaft Verschiedenes:

Ausdruck als das sinnlich Wahrnehmbare eines Zeichens

Unter einem (sprachlichen) Ausdruck versteht man in der Sprachwissenschaft in erster Linie das sinnlich Wahrnehmbare eines (sprachlichen) Zeichens.

(Sprachliche) Ausdrücke im engeren Sinn sind akustische Laute oder visuelle Schriftzeichen oder Bildsymbole.

In Ferdinand de Saussures zweiseitiger Zeichen-Konzeption steht der Ausdruck, d. h. die Ausdrucksseite (frz.signifiant, siehe auch Signifikant), dem Inhalt, der Inhaltsseite (frz. siginifié, siehe auch Signifikat) gegenüber. Der Ausdruck ist somit die physische Dimension eines Sprachzeichens, also die Lautfolge bzw. die Zeichenkette.

Der dänische Sprachwissenschaftler in der Tradition De Saussures Louis Hjelmslev sieht dabei eine strikte, wechselseitige Beziehung der beiden Zeichenseiten: „Ein Ausdruck ist Ausdruck nur dadurch, daß er Ausdruck eines Inhalts ist, und ein Inhalt ist Inhalt nur dadurch, daß er Inhalt eines Ausdrucks ist.“[1]

In der Umgangssprache wird meist die Bezeichnung „Begriff“ im Sinne von „Ausdruck“ verwendet, ein Beispiel zum Thema Prekariat:

„Bereits Anfang der 1980er taucht der Begriff in der französischen Soziologie auf, als Bezeichnung für saisonale oder temporäre Beschäftigungen.“[2]

Auf der Grundlage einer linguistischen Terminologie taucht allerdings der Ausdruck „Prekariat“ Anfang der 1980er Jahre auf, als Bezeichnung für die damals damit verbundene Vorstellung (den Begriff) der saisonalen Beschäftigung.

Zwischen einem sprachlichen Ausdruck und der Bedeutung eines sprachlichen Ausdrucks ist streng zu unterscheiden.[3]

Ausdruck als sprachliche Einheit

Das Wort „Ausdruck“ steht zudem auch für eine nicht näher spezifizierte „sprachliche Einheit von beliebiger Länge: Wörter, Wortfolgen, Sätze, Satzfolgen etc.“ als Elemente der Langue.[4]

Ausdruck als Sprachfunktion

Karl Bühler verwendet „Ausdruck“ in seinem Zeichenmodell (eher Kommunikationsmodell) auf einer anderen Ebene. Der Ausdruck ist hier – ausgehend vom Sprecher – ein „Symptom“, drückt beispielsweise dessen Stimmung aus und darf nicht mit dem zeichentheoretischen „Ausdruck“ gleichgesetzt werden (siehe auch: Organon-Modell). In diese Richtung geht die Vorstellung des Ausdrucks in der Ästhetik des 18. Jahrhunderts, die einen subjektiven und suggestiven Kommentar zu einem objektiven Inhalt meint: dasselbe Wort kann mit ängstlichem oder mutigem Ausdruck gesprochen werden, ein musikalischer Ton kann ausdrucksvoll oder ausdruckslos gesungen werden. Hier ist der Ausdruck nicht Stellvertreter für seinen Inhalt, sondern bietet Anhaltspunkte zu seiner Deutung. Zugleich erhielt die textlose Instrumentalmusik als „Ausdruck ohne Inhalt“ eine besondere Bedeutung (vgl. Nonverbale Kommunikation).

Siehe auch

Literatur

  • Ferdinand de Saussure: Grundfragen der allgemeinen Sprachwissenschaft. 2. Auflage. De Greuyter, Berlin 1967, ISBN 3-11-000158-6.
  • Karl Bühler: Sprachtheorie: die Darstellungsfunktion der Sprache. UTB, Stuttgart 1999, ISBN 3-8252-1159-2.

Quellen

  1. Louis Hjelmslev: Prolegomena zu einer Sprachtheorie. Hueber, München 1974, S. 30.
  2. Aus: Die Zeit, 27. April 2006, Online-Ausgabe, zum Begriff/Ausdruck „Prekariat“
  3. Kutschera, Breitkopf: Einführung in die moderne Logik. 8. Auflage, 2007, ISBN 978-3-495-482711, S. 20
  4. Hadumod Bußmann: Lexikon der Sprachwissenschaft. 3. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2002: „Ausdruck“