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„Formalismus“ – Versionsunterschied

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* Formalismus m.  
* Formalismus m.
** Kunstrichtung, die die Form des Kunstwerks überbewertet und den Inhalt vernachlässigt,  
** Kunstrichtung, die die Form des Kunstwerks überbewertet und den Inhalt vernachlässigt,
** allgemein ‘nur auf Äußeres gerichtete Betrachtungsweise’,  
** allgemein ‘nur auf Äußeres gerichtete Betrachtungsweise’,
** gelehrte nlat. Bildung des 19. Jhs. zu lat. ''[[fōrmālis]]''; dazu ''[[formalistisch]]'' Adj. (19. Jh.).
** gelehrte nlat. Bildung des 19. Jhs. zu lat. ''[[fōrmālis]]''; dazu ''[[formalistisch]]'' Adj. (19. Jh.).
= <span class="mw-page-title-main">Formalismus (Mathematik)</span> =
<div id="bodyContent" class="vector-body"><div id="contentSub"><div id="mw-content-subtitle"><br></div></div><div id="contentSub2"><br></div><div id="jump-to-nav"><br></div><div id="mw-content-text" class="mw-body-content"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" dir="ltr" lang="de"><p>Der '''Formalismus''' ist eine von [https://de.wikipedia.org/wiki/David_Hilbert David Hilbert] gegründete Schulrichtung in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophie_der_Mathematik Philosophie der Mathematik] bzgl. der [https://de.wikipedia.org/wiki/Grundlagen_der_Mathematik Grundlagen der Mathematik].</p><p>Zentral ist dabei die Frage, wie eine mathematische Folgerung oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Implikation Implikation] aufzufassen ist. Das Anliegen bestand darin, allein von der Form her die [https://de.wikipedia.org/wiki/Vollst%C3%A4ndigkeit_(Logik) Vollständigkeit] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Widerspruchsfreiheit Widerspruchsfreiheit] der [https://de.wikipedia.org/wiki/Axiomensystem Axiomensysteme] der Mathematik zu beweisen.</p><p>In den 1920er Jahren stand der Formalismus (Göttinger Mathematiker) im [https://de.wikipedia.org/wiki/Grundlagenkrise_der_Mathematik Grundlagenstreit der Mathematik] dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Intuitionismus_(Logik_und_Mathematik) Intuitionismus] ([https://de.wikipedia.org/wiki/Luitzen_Egbertus_Jan_Brouwer Brouwer] und Berliner Mathematiker) und dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Logizismus Logizismus] ([https://de.wikipedia.org/wiki/Gottlob_Frege Gottlob Frege] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Bertrand_Russell Bertrand Russell]) gegenüber.</p><p>Als der [https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%B6delscher_Unvollst%C3%A4ndigkeitssatz Gödelsche Unvollständigkeitssatz] zeigte, dass es kein Axiomensystem gibt, welches der formalistischen Aufgabenstellung ([https://de.wikipedia.org/wiki/Hilbertprogramm Hilbertprogramm]) genügt, erlitt der Formalismus eine schwere Niederlage. Andererseits kann man sagen, dass heute fast alle Mathematiker formalistische Axiomatiker sind.</p>
== <span id="Siehe_auch">Siehe auch</span> ==
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Formalisierte_Theorie Formalisierte Theorie]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Axiom Axiom]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Metamathematik Metamathematik]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Beweistheorie Beweistheorie]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Modelltheorie Modelltheorie]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Metalogik Metalogik]
== <span id="Literatur">Literatur</span> ==
*[https://de.wikipedia.org/wiki/David_Hilbert David Hilbert]/[https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Bernays Paul Bernays]: ''Grundlagen der Mathematik'', I-II, Berlin/Heidelberg/New York 1968/1970
*Rosemarie Rheinwald: ''Der Formalismus und seine Grenzen. Untersuchungen zur neueren Philosophie der Mathematik'', Hain, Königstein/Ts. 1984
== <span id="Weblinks">Weblinks</span> ==
*[https://plato.stanford.edu/entries/formalism-mathematics/ Formalism in the Philosophy of Mathematics] in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Stanford_Encyclopedia_of_Philosophy Stanford Encyclopedia of Philosophy] (englisch; inklusive Literaturangaben.)
= <span class="mw-page-title-main">Formalismus (Chemie)</span> =
<div id="bodyContent" class="vector-body"><div id="contentSub"><div id="mw-content-subtitle"><br></div></div><div id="contentSub2"><br></div><div id="jump-to-nav"><br></div><div id="mw-content-text" class="mw-body-content"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" dir="ltr" lang="de"><p>Ein '''Formalismus''' ist in der Chemie ein Modellkonstrukt, das von einfachen Vorstellungen ausgeht und über einfache Handlungsvorschriften Vorhersagen erlaubt. Viele Formalismen haben aufgrund ihrer Einfachheit, ihrer hohen Vorhersagekraft und ihrer breiten Anwendbarkeit große Bedeutung für Chemiker. Formalismen versagen aufgrund ihres Näherungscharakters oftmals bei speziellen Problemen.</p><p>Das Wort '''formal''' wird neben dem Bezug auf Formalismen auch dann verwendet, wenn deutlich gemacht werden soll, dass eine Vorstellung oder Erklärung zwar bis zu einem gewissen Grad plausibel, aber vereinfacht und/oder nicht real ist.</p>
== <span id="Beispiele">Beispiele</span> ==
<p>Beispiele für Formalismen in der Chemie sind</p>
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Oxidationszahl Oxidationszahlen] ([https://de.wikipedia.org/wiki/Redoxreaktion Redoxchemie])
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Formalladung Formalladungen]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Reaktionsmechanismus Elektronenpfeile] (hauptsächlich [https://de.wikipedia.org/wiki/Organische_Chemie organische Chemie])
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Reaktionsordnung Reaktionsordnungen]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%BCckel-N%C3%A4herung Hückel-Molekülorbital-Theorie]
*vollständig lokalisierte Bindungen in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Valenzstrukturtheorie Valenzstrukturtheorie], daraus resultierend
**[https://de.wikipedia.org/wiki/Mesomerie mesomere Grenzformeln]
**Konzept der lokalisierten Ladung (Ausgangspunkt für Vorhersagen zu [https://de.wikipedia.org/wiki/Fragmentierung_(Massenspektrometrie) Fragmentierungen] in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Massenspektrometrie Massenspektrometrie])
== <span id="Formale_Reaktionen">Formale Reaktionen</span> ==
<p>Formale Reaktionen sind [https://de.wikipedia.org/wiki/Chemische_Reaktion chemische Reaktionen], die in der Realität nicht ablaufen, weil beispielsweise die [https://de.wikipedia.org/wiki/Reaktand Reaktanden] nicht miteinander reagieren oder weil einer der Reaktanden nicht beständig ist. Sie werden in der Regel zitiert, wenn es ein allgemeines Muster gibt, nachdem [https://de.wikipedia.org/wiki/Chemischer_Stoff Stoffe] einer [https://de.wikipedia.org/wiki/Stoffklasse Klasse] gebildet werden können, dieses jedoch auf ein spezielles Beispiel nicht anwendbar ist, oder wenn eine Verbindung ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Derivat_(Chemie) Derivat] einer bekannten Grundstruktur darstellt, jedoch nicht aus dieser hergestellt wird.</p><p>Beispielsweise entsteht [https://de.wikipedia.org/wiki/Urethan Urethan] formal aus der [https://de.wikipedia.org/wiki/Isocyans%C3%A4ure Isocyansäure] (unbeständig) und [https://de.wikipedia.org/wiki/Ethanol Ethanol], [https://de.wikipedia.org/wiki/Orthoameisens%C3%A4uretriethylester Orthoameisensäuretriethylester] aus [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Orthoameisens%C3%A4ure&action=edit&redlink=1 Orthoameisensäure] (unbeständig) und Ethanol. [https://de.wikipedia.org/wiki/Carbons%C3%A4ureamide Carbonsäureamide] entstehen formal aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Amine Aminen] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Carbons%C3%A4ure Carbonsäuren]; die Reaktion läuft aber (unter normalem Druck) nicht ab, da die Reaktanden stattdessen in einer [https://de.wikipedia.org/wiki/Protolyse Säure-Base-Reaktion] ein Salz aus den sehr unreaktiven [https://de.wikipedia.org/wiki/Ammonium#Organische_Salze Ammonium]- und [https://de.wikipedia.org/wiki/Carboxylat Carboxylat]-Ionen bilden.</p></div></div></div></div></div></div>

Version vom 29. März 2024, 13:38 Uhr

formal-ismus nlat.-dt.

  • Formalismus m.
    • Kunstrichtung, die die Form des Kunstwerks überbewertet und den Inhalt vernachlässigt,
    • allgemein ‘nur auf Äußeres gerichtete Betrachtungsweise’,
    • gelehrte nlat. Bildung des 19. Jhs. zu lat. fōrmālis; dazu formalistisch Adj. (19. Jh.).

Formalismus (Mathematik)




Der Formalismus ist eine von David Hilbert gegründete Schulrichtung in der Philosophie der Mathematik bzgl. der Grundlagen der Mathematik.

Zentral ist dabei die Frage, wie eine mathematische Folgerung oder Implikation aufzufassen ist. Das Anliegen bestand darin, allein von der Form her die Vollständigkeit und Widerspruchsfreiheit der Axiomensysteme der Mathematik zu beweisen.

In den 1920er Jahren stand der Formalismus (Göttinger Mathematiker) im Grundlagenstreit der Mathematik dem Intuitionismus (Brouwer und Berliner Mathematiker) und dem Logizismus (Gottlob Frege und Bertrand Russell) gegenüber.

Als der Gödelsche Unvollständigkeitssatz zeigte, dass es kein Axiomensystem gibt, welches der formalistischen Aufgabenstellung (Hilbertprogramm) genügt, erlitt der Formalismus eine schwere Niederlage. Andererseits kann man sagen, dass heute fast alle Mathematiker formalistische Axiomatiker sind.

Siehe auch

Literatur

  • David Hilbert/Paul Bernays: Grundlagen der Mathematik, I-II, Berlin/Heidelberg/New York 1968/1970
  • Rosemarie Rheinwald: Der Formalismus und seine Grenzen. Untersuchungen zur neueren Philosophie der Mathematik, Hain, Königstein/Ts. 1984

Formalismus (Chemie)




Ein Formalismus ist in der Chemie ein Modellkonstrukt, das von einfachen Vorstellungen ausgeht und über einfache Handlungsvorschriften Vorhersagen erlaubt. Viele Formalismen haben aufgrund ihrer Einfachheit, ihrer hohen Vorhersagekraft und ihrer breiten Anwendbarkeit große Bedeutung für Chemiker. Formalismen versagen aufgrund ihres Näherungscharakters oftmals bei speziellen Problemen.

Das Wort formal wird neben dem Bezug auf Formalismen auch dann verwendet, wenn deutlich gemacht werden soll, dass eine Vorstellung oder Erklärung zwar bis zu einem gewissen Grad plausibel, aber vereinfacht und/oder nicht real ist.

Beispiele

Beispiele für Formalismen in der Chemie sind

Formale Reaktionen

Formale Reaktionen sind chemische Reaktionen, die in der Realität nicht ablaufen, weil beispielsweise die Reaktanden nicht miteinander reagieren oder weil einer der Reaktanden nicht beständig ist. Sie werden in der Regel zitiert, wenn es ein allgemeines Muster gibt, nachdem Stoffe einer Klasse gebildet werden können, dieses jedoch auf ein spezielles Beispiel nicht anwendbar ist, oder wenn eine Verbindung ein Derivat einer bekannten Grundstruktur darstellt, jedoch nicht aus dieser hergestellt wird.

Beispielsweise entsteht Urethan formal aus der Isocyansäure (unbeständig) und Ethanol, Orthoameisensäuretriethylester aus Orthoameisensäure (unbeständig) und Ethanol. Carbonsäureamide entstehen formal aus Aminen und Carbonsäuren; die Reaktion läuft aber (unter normalem Druck) nicht ab, da die Reaktanden stattdessen in einer Säure-Base-Reaktion ein Salz aus den sehr unreaktiven Ammonium- und Carboxylat-Ionen bilden.