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„Psychophysik“ – Versionsunterschied

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Die '''Psychophysik''' stellt eines der [https://de.wikipedia.org/wiki/Wissenschaftsgeschichte wissenschaftshistorisch] ältesten [https://de.wikipedia.org/wiki/Psychologie psychologischen] Forschungsgebiete dar. Sie bezieht sich auf die gesetzmäßigen Wechselbeziehungen zwischen subjektivem psychischen (mentalen) Erleben und quantitativ messbaren, also objektiven physikalischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Reiz Reizen] als den auslösenden Prozessen. Die Psychophysik wurde 1860 von [https://de.wikipedia.org/wiki/Gustav_Theodor_Fechner Gustav Theodor Fechner] begründet und stützt sich auf die Vorarbeiten von [https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Heinrich_Weber Ernst Heinrich Weber]. Philosophischer Hintergrund ist das [https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophie_des_Geistes#Das_Leib-Seele-Problem Leib-Seele-Problem]. Sie wird als Teilgebiet der [https://de.wikipedia.org/wiki/Experimentelle_Psychologie experimentellen Psychologie], [https://de.wikipedia.org/wiki/Sinnesphysiologie Sinnesphysiologie], [https://de.wikipedia.org/wiki/Wahrnehmungspsychologie Wahrnehmungspsychologie] oder der [https://de.wikipedia.org/wiki/Psychophysiologie Psychophysiologie] betrachtet und befasst sich z. T. auch mit ästhetischen Fragen des [https://de.wikipedia.org/wiki/Geschmack_(Kultur) Geschmacks].[[file:Gustav_Theodor_Fechner.jpg|link=https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Gustav_Theodor_Fechner.jpg|200x275px]][https://de.wikipedia.org/wiki/Gustav_Theodor_Fechner Gustav Theodor Fechner]
[[psycho-]][[Physik]] {{agrie.-Schrg.}} wrtl. 'Seelenkörper; Seelennatur'
[[Datei:310px-Psychophysik.svg.png|verweis=https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Psychophysik.svg|mini|190x190px|Ansatzmöglichkeiten psychischer Kräfte nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Gustav_Theodor_Fechner Gustav Theodor Fechner] (1801–1887)


(1801–1887)
(1) Äußere Psychophysik(2) Innere Psychophysik(3) [https://de.wikipedia.org/wiki/Neurophysiologie Neurophysiologie]


Auf Fechner geht die Unterscheidung zwischen ''äußerer'' und ''innerer Psychophysik'' zurück. Während die äußere Psychophysik den Zusammenhang zwischen Reizungen der [https://de.wikipedia.org/wiki/Sinnesorgan Sinnesorgane] und Erleben misst, beschäftigt sich die innere Psychophysik mit den Relationen zwischen neuronalen Prozessen und Erleben. Meist wird unter „Psychophysik“ primär die Untersuchung von Reiz–Erlebenszusammenhängen verstanden, während der Bereich der inneren Psychophysik heute der [https://de.wikipedia.org/wiki/Kognitive_Neurowissenschaft kognitiven Neurowissenschaft] zugeordnet wird. Diese Zuordnungen resultieren aus der Tatsache, dass Fechner die innere Psychophysik nur theoretisch postulieren, aber aufgrund eingeschränkter [https://de.wikipedia.org/wiki/Neurowissenschaft neurowissenschaftlicher] [https://de.wikipedia.org/wiki/Methode_(Erkenntnistheorie) Methoden] nicht an ihr forschen konnte.
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Die '''Psychophysik''' stellt eines der [https://de.wikipedia.org/wiki/Wissenschaftsgeschichte wissenschaftshistorisch] ältesten [[psychologisch|psychologischen]] Forschungsgebiete dar. Sie bezieht sich auf die gesetzmäßigen Wechselbeziehungen zwischen [[subjektiv|subjektivem]] [[psychisch|psychischen]] ([[mental|mentalen]]) Erleben und quantitativ messbaren, also objektiven physikalischen [[Reize|Reizen]] als den auslösenden Prozessen. Die ''[[Psychophysik]]'' wurde 1860 von [[Gustav Theodor Fechner]] begründet und stützt sich auf die Vorarbeiten von [[Ernst Heinrich Weber]]. Philosophischer Hintergrund ist das [[Leib-Seele-Problem]]. Sie wird als Teilgebiet der [[experimentelle Psychologie|experimentellen Psychologie]], [[Sinnesphysiologie]], [[Wahrnehmungspsychologie]] oder der [[Psychophysiologie]] betrachtet und befasst sich z. T. auch mit ästhetischen Fragen des [https://de.wikipedia.org/wiki/Geschmack_(Kultur) Geschmacks].
[[Datei:Gustav_Theodor_Fechner.jpg|verweis=https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Gustav_Theodor_Fechner.jpg|mini|206x206px|[https://de.wikipedia.org/wiki/Gustav_Theodor_Fechner Gustav Theodor Fechner](1801–1887)]]
Auf Fechner geht die Unterscheidung zwischen ''äußerer'' und ''innerer Psychophysik'' zurück. Während die äußere Psychophysik den Zusammenhang zwischen Reizungen der [[Sinnesorgane]] und Erleben misst, beschäftigt sich die innere Psychophysik mit den Relationen zwischen neuronalen Prozessen und Erleben. Meist wird unter „Psychophysik“ primär die Untersuchung von Reiz–Erlebenszusammenhängen verstanden, während der Bereich der inneren Psychophysik heute der [https://de.wikipedia.org/wiki/Kognitive_Neurowissenschaft kognitiven Neurowissenschaft] zugeordnet wird. Diese Zuordnungen resultieren aus der Tatsache, dass Fechner die innere Psychophysik nur theoretisch postulieren, aber aufgrund eingeschränkter [https://de.wikipedia.org/wiki/Neurowissenschaft neurowissenschaftlicher] [https://de.wikipedia.org/wiki/Methode_(Erkenntnistheorie) Methoden] nicht an ihr forschen konnte.
== <span id="Geschichte">Geschichte</span> ==
== <span id="Geschichte">Geschichte</span> ==
<p>Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Pythagoras Pythagoras] (ca. 570–510 v. Chr.) zugeschriebene Entdeckung eines konstanten Verhältnisses zwischen der Länge der Saiten einer [https://de.wikipedia.org/wiki/Leier_(Zupfinstrument) Leier] und den [https://de.wikipedia.org/wiki/Grundton Grundton] beruht auf der Legende von [https://de.wikipedia.org/wiki/Pythagoras_in_der_Schmiede Pythagoras in der Schmiede].<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Psychophysik#cite_note-1 [1]]</sup> Dennoch hat sich für die auf der Quinte als dem harmonischsten Intervall beruhende Stimmung die Bezeichnung [https://de.wikipedia.org/wiki/Pythagoreische_Stimmung pythagoreische Stimmung] erhalten, vgl.a. [https://de.wikipedia.org/wiki/Quintenzirkel Quintenzirkel]. Die als [https://de.wikipedia.org/wiki/Harmonie_(Musik) harmonisch]bezeichneten Tonintervalle weisen folgende Schwingungsverhältnisse auf: Oktave 1:2, Quinte 2:3, Quart 3:4 und Große Terz 4:5.<sup id="cite_ref-2" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Psychophysik#cite_note-2 [2]]</sup> Mit diesen Ausführungen ist bereits der Bogen gespannt zu ästhetischen Fragestellungen wie z. B. denen des [https://de.wikipedia.org/wiki/Goldener_Schnitt Goldenen Schnitts], zu denen Fechner ebenfalls empirische Studien verfasst hat.<sup id="cite_ref-3" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Psychophysik#cite_note-3 [3]]</sup></p><p>Einer der frühesten Ansätze zur psychophysischen Skalierung stammt von [https://de.wikipedia.org/wiki/Claudius_Ptolem%C3%A4us Claudius Ptolemäus] (ca. 100–175 n. Chr.) um 150 n. Chr. Er hat ein brauchbares Maß für die Größe der Gestirne vorgeschlagen anhand der scheinbaren Helligkeit der Sterne.<sup id="cite_ref-4" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Psychophysik#cite_note-4 [4]]</sup></p>
<p>Die [[Pythagoras]] (ca. 570–510 v. Chr.) zugeschriebene Entdeckung eines konstanten Verhältnisses zwischen der Länge der Saiten einer [https://de.wikipedia.org/wiki/Leier_(Zupfinstrument) Leier] und den [[Grundton]] beruht auf der Legende von [https://de.wikipedia.org/wiki/Pythagoras_in_der_Schmiede Pythagoras in der Schmiede].<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Psychophysik#cite_note-1 [1]]</sup> Dennoch hat sich für die auf der Quinte als dem harmonischsten Intervall beruhende Stimmung die Bezeichnung [https://de.wikipedia.org/wiki/Pythagoreische_Stimmung pythagoreische Stimmung] erhalten, vgl.a. [https://de.wikipedia.org/wiki/Quintenzirkel Quintenzirkel]. Die als [https://de.wikipedia.org/wiki/Harmonie_(Musik) harmonisch] bezeichneten Tonintervalle weisen folgende Schwingungsverhältnisse auf: Oktave 1:2, Quinte 2:3, Quart 3:4 und Große Terz 4:5.<sup id="cite_ref-2" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Psychophysik#cite_note-2 [2]]</sup> Mit diesen Ausführungen ist bereits der Bogen gespannt zu ästhetischen Fragestellungen wie z. B. denen des [https://de.wikipedia.org/wiki/Goldener_Schnitt Goldenen Schnitts], zu denen Fechner ebenfalls empirische Studien verfasst hat.<sup id="cite_ref-3" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Psychophysik#cite_note-3 [3]]</sup></p><p>Einer der frühesten Ansätze zur psychophysischen Skalierung stammt von [[Claudius Ptolemäus]] (ca. 100–175 n. Chr.) um 150 n. Chr. Er hat ein brauchbares Maß für die Größe der Gestirne vorgeschlagen anhand der scheinbaren Helligkeit der Sterne.<sup id="cite_ref-4" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Psychophysik#cite_note-4 [4]]</sup></p>
== <span id="Teilbereiche">Teilbereiche</span> ==
== <span id="Teilbereiche">Teilbereiche</span> ==
<p>Neben der Unterscheidung zwischen innerer und äußerer Psychophysik kann man die Arbeitsbereiche in Bezug auf die Sinnesmodalitäten differenzieren. Viele psychophysische Arbeiten sind auf einen Sinn&nbsp;– also etwa auf die [https://de.wikipedia.org/wiki/Visuelle_Wahrnehmung visuelle] oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Auditive_Wahrnehmung auditive Wahrnehmung] (s.&nbsp;a. [https://de.wikipedia.org/wiki/Psychoakustik Psychoakustik]), den [https://de.wikipedia.org/wiki/Geruchssinn Geruchs-] oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Tastsinn Tastsinn]&nbsp;– spezialisiert. Zudem kann man vier verschiedene Fragebereiche unterscheiden:</p>
<p>Neben der Unterscheidung zwischen innerer und äußerer Psychophysik kann man die Arbeitsbereiche in Bezug auf die Sinnesmodalitäten differenzieren. Viele psychophysische Arbeiten sind auf einen Sinn&nbsp;– also etwa auf die [https://de.wikipedia.org/wiki/Visuelle_Wahrnehmung visuelle] oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Auditive_Wahrnehmung auditive Wahrnehmung] (s.&nbsp;a. [https://de.wikipedia.org/wiki/Psychoakustik Psychoakustik]), den [https://de.wikipedia.org/wiki/Geruchssinn Geruchs-] oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Tastsinn Tastsinn]&nbsp;– spezialisiert. Zudem kann man vier verschiedene Fragebereiche unterscheiden:</p>
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== <span id="Psychophysische_Gesetze">Psychophysische Gesetze</span> ==
== <span id="Psychophysische_Gesetze">Psychophysische Gesetze</span> ==
<span></span>[[file:220px-Ernst_Heinrich_Weber.jpg|link=https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Ernst_Heinrich_Weber.jpg|220x288px]][https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Heinrich_Weber Ernst Heinrich Weber](1795–1878)<p>In der Psychophysik sind eine Reihe klassischer Gesetze formuliert worden (Webers Gesetz, Fechners Gesetz, Stevens’sches Gesetz, Bloch’sches Gesetz, [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Ricc%C3%B2%E2%80%99sches_Gesetz&action=edit&redlink=1 Riccò’sches Gesetz]).</p><p>Das [https://de.wikipedia.org/wiki/Weber-Fechner-Gesetz Webersche Gesetz] beschreibt die Beobachtung, dass die Unterschiedsschwelle in einem nahezu festen Verhältnis zur Reizintensität steht: Je stärker der Reiz, desto größer muss der Reizunterschied sein, um diesen Unterschied zu bemerken. Die formale Beschreibung lautet:</p>
[[Datei:220px-Ernst_Heinrich_Weber.jpg|verweis=https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Ernst_Heinrich_Weber.jpg|mini|196x196px|[https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Heinrich_Weber Ernst Heinrich Weber](1795–1878)]]
In der Psychophysik sind eine Reihe klassischer Gesetze formuliert worden (Webers Gesetz, Fechners Gesetz, Stevens’sches Gesetz, Bloch’sches Gesetz, [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Ricc%C3%B2%E2%80%99sches_Gesetz&action=edit&redlink=1 Riccò’sches Gesetz]).<p>Das [https://de.wikipedia.org/wiki/Weber-Fechner-Gesetz Webersche Gesetz] beschreibt die Beobachtung, dass die Unterschiedsschwelle in einem nahezu festen Verhältnis zur Reizintensität steht: Je stärker der Reiz, desto größer muss der Reizunterschied sein, um diesen Unterschied zu bemerken. Die formale Beschreibung lautet:</p>


𝛥𝑅 / 𝑅 = ''const. = 𝑘''
𝛥𝑅 / 𝑅 = ''const. = 𝑘''
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<p>Dabei steht 𝛥𝑅 für den Reizunterschied und 𝑅&nbsp;für den Reiz. Der Quotient wird auch als ''Weberscher Bruch'' bezeichnet. Ein Beispiel: Bei ''k = 1/10'' braucht man bei einem Reiz von 10 [https://de.wikipedia.org/wiki/Ma%C3%9Feinheit Einheiten] einen Reizunterschied von einer Einheit, um ihn zu bemerken. Bei einem Gewicht von 20&nbsp;g würde man folglich 2&nbsp;g brauchen, um einen Unterschied zu registrieren. Bei einem Gewicht von 20&nbsp;kg wären es hingegen 2&nbsp;kg Reizschwankung.</p><p>''Fechners Gesetz'' (auch ''Fechner-Skala'') beschreibt den Zusammenhang zwischen Reiz- und Erlebnisintensität:</p>
Dabei steht 𝛥𝑅 für den Reizunterschied und 𝑅&nbsp;für den Reiz. Der Quotient wird auch als ''Weberscher Bruch'' bezeichnet. Ein Beispiel: Bei ''k = 1/10'' braucht man bei einem Reiz von 10 [https://de.wikipedia.org/wiki/Ma%C3%9Feinheit Einheiten] einen Reizunterschied von einer Einheit, um ihn zu bemerken. Bei einem Gewicht von 20&nbsp;g würde man folglich 2&nbsp;g brauchen, um einen Unterschied zu registrieren. Bei einem Gewicht von 20&nbsp;kg wären es hingegen 2&nbsp;kg Reizschwankung.<p>''Fechners Gesetz'' (auch ''Fechner-Skala'') beschreibt den Zusammenhang zwischen Reiz- und Erlebnisintensität:</p>


𝐸 = 𝑘 ∙log 𝑅 + 𝑓
𝐸 = 𝑘 ∙log 𝑅 + 𝑓
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<p>𝐸 repräsentiert in der Formel die Empfindungsstärke, 𝑅&nbsp;die Reizstärke. Die Empfindungsstärke entspricht damit dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Logarithmus Logarithmus] der Reizintensität, multipliziert mit einer [https://de.wikipedia.org/wiki/Mathematische_Konstante Konstanten], zu dem eine weitere (kleine) Konstante addiert wird. Anders formuliert besagt Fechners Gesetz, dass die Empfindungsstärke (näherungsweise und in einem geeigneten Bereich) mit dem Logarithmus der Reizstärke wächst. Eine Verdopplung der Reizstärke hat also nicht eine Verdopplung der Empfindungsstärke, sondern etwa nur einen Zuwachs von 𝑘 ∙ 30% &nbsp;zur Folge. Fechner leitete seine Skala aus dem Weberschen Gesetz ab, mittels des Postulats, dass die (je nach Reizintensität unterschiedliche) Unterschiedsschwelle einem konstanten Empfindungszuwachs entspricht. Die Empfindungsstärke ist dann das Integral des Weberschen Bruchs. Wie alle sinnesphysiologischen/wahrnehmungspsychologischen Gesetze gilt Fechners Gesetz nur innerhalb eines gewissen Geltungsbereichs. Fechnerskalen liegen zum Beispiel der [https://de.wikipedia.org/wiki/Lautst%C3%A4rke Lautstärkemessung] (als Schalldruckpegel in [https://de.wikipedia.org/wiki/Bel_(Einheit) dB]) und [https://de.wikipedia.org/wiki/Helligkeit Helligkeitsmessung] zugrunde.</p>[[file:220px-Staircase-Verfahren_(Transformed_Staircase).png|link=https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Staircase-Verfahren_(Transformed_Staircase).png|220x186px]]


𝐸 repräsentiert in der Formel die Empfindungsstärke, 𝑅&nbsp;die Reizstärke. Die Empfindungsstärke entspricht damit dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Logarithmus Logarithmus] der Reizintensität, multipliziert mit einer [https://de.wikipedia.org/wiki/Mathematische_Konstante Konstanten], zu dem eine weitere (kleine) Konstante addiert wird. Anders formuliert besagt Fechners Gesetz, dass die Empfindungsstärke (näherungsweise und in einem geeigneten Bereich) mit dem Logarithmus der Reizstärke wächst. Eine Verdopplung der Reizstärke hat also nicht eine Verdopplung der Empfindungsstärke, sondern etwa nur einen Zuwachs von 𝑘 ∙ 30% &nbsp;zur Folge. Fechner leitete seine Skala aus dem Weberschen Gesetz ab, mittels des Postulats, dass die (je nach Reizintensität unterschiedliche) Unterschiedsschwelle einem konstanten Empfindungszuwachs entspricht. Die Empfindungsstärke ist dann das Integral des Weberschen Bruchs. Wie alle sinnesphysiologischen/wahrnehmungspsychologischen Gesetze gilt Fechners Gesetz nur innerhalb eines gewissen Geltungsbereichs. Fechnerskalen liegen zum Beispiel der [https://de.wikipedia.org/wiki/Lautst%C3%A4rke Lautstärkemessung] (als Schalldruckpegel in [https://de.wikipedia.org/wiki/Bel_(Einheit) dB]) und [https://de.wikipedia.org/wiki/Helligkeit Helligkeitsmessung] zugrunde.
[[Datei:220px-Staircase-Verfahren_(Transformed_Staircase).png|verweis=https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Staircase-Verfahren_(Transformed_Staircase).png|mini|220x220px]]
Exemplarischer Verlauf eines Experiments mit einem adaptiven Schwellenbestimmungsverfahren (hier das sog. Transformed-Staircase-Verfahren). Bis zum ersten Umkehrpunkt (welcher hier nicht mitgezählt wird) wird eine größere Schrittweite und das Simple-Up/Down-Staircase-Verfahren verwendet, damit man sich schnell in den Bereich der Schwelle begibt.<p>Mitte des 20. Jahrhunderts fand [https://de.wikipedia.org/wiki/Stanley_Smith_Stevens Stanley S. Stevens] (1957) einen Weg, Empfindungsstärken direkt zu messen. Er führte dazu verschiedene Verfahren der sog. Magnitude-Estimation ein. Die mittels dieser Methoden gefundenen Empfindungsstärken lassen sich über einen großen Bereich gut durch eine Potenzfunktion beschreiben ([https://de.wikipedia.org/wiki/Stevenssche_Potenzfunktion Stevenssche Potenzfunktion]):</p>
Exemplarischer Verlauf eines Experiments mit einem adaptiven Schwellenbestimmungsverfahren (hier das sog. Transformed-Staircase-Verfahren). Bis zum ersten Umkehrpunkt (welcher hier nicht mitgezählt wird) wird eine größere Schrittweite und das Simple-Up/Down-Staircase-Verfahren verwendet, damit man sich schnell in den Bereich der Schwelle begibt.<p>Mitte des 20. Jahrhunderts fand [https://de.wikipedia.org/wiki/Stanley_Smith_Stevens Stanley S. Stevens] (1957) einen Weg, Empfindungsstärken direkt zu messen. Er führte dazu verschiedene Verfahren der sog. Magnitude-Estimation ein. Die mittels dieser Methoden gefundenen Empfindungsstärken lassen sich über einen großen Bereich gut durch eine Potenzfunktion beschreiben ([https://de.wikipedia.org/wiki/Stevenssche_Potenzfunktion Stevenssche Potenzfunktion]):</p>


𝐺 = 𝑘∙𝑅𝑚
𝐺 = 𝑘∙𝑅<sup>𝑚</sup>
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<p>Der Exponent <span class="mwe-math-element">[[file:0a07d98bb302f3856cbabc47b2b9016692e3f7bc|alt={\displaystyle m}|300px]]</span> repräsentiert hier die modalitätsspezifische Potenz, die für die meisten Sinne kleiner als eins ist (mit Ausnahme des Schmerzes und der Längenempfindung) und 𝐺&nbsp;die subjektiv geschätzte Größe eines Attributes. Nach Stevens trifft die durchschnittliche Schätzung der Größe eines Attributes etwa als Potenzfunktion der Intensität des Reizes zu. Das Stevens’sche Gesetz wird gern in einer doppelt-logarithmischen Darstellung gezeigt; in ihr ist der Zusammenhang eine Gerade, deren Steigung durch den Exponent <span class="mwe-math-element">[[file:0a07d98bb302f3856cbabc47b2b9016692e3f7bc|alt={\displaystyle m}|300px]]</span> gegeben ist.<sup id="cite_ref-5" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Psychophysik#cite_note-5 [5]]</sup></p><p>In den meisten Darstellungen wird das Steven’sche Gesetz als das gegenüber dem Fechner'schen zutreffendere dargestellt. Dieser gängigen Lehrbuchmeinung wird jedoch auch widersprochen.<sup id="cite_ref-6" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Psychophysik#cite_note-6 [6]]</sup></p>
Der Exponent 𝑚 repräsentiert hier die modalitätsspezifische Potenz, die für die meisten Sinne kleiner als eins ist (mit Ausnahme des Schmerzes und der Längenempfindung) und 𝐺&nbsp;die subjektiv geschätzte Größe eines Attributes. Nach Stevens trifft die durchschnittliche Schätzung der Größe eines Attributes etwa als Potenzfunktion der Intensität des Reizes zu. Das Stevens’sche Gesetz wird gern in einer doppelt-logarithmischen Darstellung gezeigt; in ihr ist der Zusammenhang eine Gerade, deren Steigung durch den Exponent 𝑚 gegeben ist.<sup id="cite_ref-5" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Psychophysik#cite_note-5 [5]]</sup><p>In den meisten Darstellungen wird das Steven’sche Gesetz als das gegenüber dem Fechner'schen zutreffendere dargestellt. Dieser gängigen Lehrbuchmeinung wird jedoch auch widersprochen.<sup id="cite_ref-6" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Psychophysik#cite_note-6 [6]]</sup></p>
== <span id="Wissenschafts-_und_philosophiehistorische_Bedeutung">Wissenschafts- und philosophiehistorische Bedeutung</span> ==
== <span id="Wissenschafts-_und_philosophiehistorische_Bedeutung">Wissenschafts- und philosophiehistorische Bedeutung</span> ==
<p>Die Psychophysik hat sich im Verhältnis zu anderen [https://de.wikipedia.org/wiki/Kognitionswissenschaft kognitionswissenschaftlichen] Disziplinen sehr früh entwickelt. Webers und Fechners zentrale Arbeiten fallen auf die Mitte des 19. Jahrhunderts. Ihre systematische und empirische Erforschung von Reiz-Erlebens-Zusammenhängen hat einen großen Einfluss auf viele Wissenschaftler und Philosophen gehabt. Beispiele sind [https://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_von_Helmholtz Hermann von Helmholtz] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Mach Ernst Mach], [https://de.wikipedia.org/wiki/Max_Weber Max Weber] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Wirth Wilhelm Wirth]. [https://de.wikipedia.org/wiki/Sigmund_Freud Sigmund Freud] führte das von Fechner eingeführte Prinzip der psychischen Energie weiter ([https://de.wikipedia.org/wiki/Psychodynamik Psychodynamik]). Fechners Empfindungslehre berührt das in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophie_des_Geistes Philosophie des Geistes] zentrale [https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophie_des_Geistes#Das_Leib-Seele-Problem Leib-Seele-Problem]. Die Psychophysik gehörte damit zu den wissenschaftshistorisch bedeutsamen Vorreitern einer [https://de.wikipedia.org/wiki/Naturwissenschaft naturwissenschaftlichen] Erforschung von [https://de.wikipedia.org/wiki/Bewusstsein Bewusstseinsprozessen].</p><p>Gleichzeitig bietet das Werk Fechners auch eine kritisch-skeptische Perspektive auf die Naturwissenschaften. Fechner war als Kritiker des [https://de.wikipedia.org/wiki/Materialismus Materialismus] nicht der Meinung, dass sich mentale Ereignisse auf physische Ereignisse [https://de.wikipedia.org/wiki/Reduktionismus reduzieren] lassen. Dennoch versuchte er mit der Psychophysik Zusammenhänge zwischen diesen Ereignissen herzustellen. Fechners [https://de.wikipedia.org/wiki/Methodologie methodologische] Einstellung findet sich zum Teil auch heute bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Neurowissenschaften Neurowissenschaftlern] wieder, die nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuronales_Korrelat_des_Bewusstseins neuronalen Korrelaten des Bewusstseins] suchen, ohne damit eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Metaphysik metaphysische] Aussage über die Natur des Bewusstseins machen zu wollen.</p>
<p>Die Psychophysik hat sich im Verhältnis zu anderen [https://de.wikipedia.org/wiki/Kognitionswissenschaft kognitionswissenschaftlichen] Disziplinen sehr früh entwickelt. Webers und Fechners zentrale Arbeiten fallen auf die Mitte des 19. Jahrhunderts. Ihre systematische und empirische Erforschung von Reiz-Erlebens-Zusammenhängen hat einen großen Einfluss auf viele Wissenschaftler und Philosophen gehabt. Beispiele sind [https://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_von_Helmholtz Hermann von Helmholtz] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Mach Ernst Mach], [https://de.wikipedia.org/wiki/Max_Weber Max Weber] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Wirth Wilhelm Wirth]. [https://de.wikipedia.org/wiki/Sigmund_Freud Sigmund Freud] führte das von Fechner eingeführte Prinzip der psychischen Energie weiter ([https://de.wikipedia.org/wiki/Psychodynamik Psychodynamik]). Fechners Empfindungslehre berührt das in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophie_des_Geistes Philosophie des Geistes] zentrale [https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophie_des_Geistes#Das_Leib-Seele-Problem Leib-Seele-Problem]. Die Psychophysik gehörte damit zu den wissenschaftshistorisch bedeutsamen Vorreitern einer [https://de.wikipedia.org/wiki/Naturwissenschaft naturwissenschaftlichen] Erforschung von [https://de.wikipedia.org/wiki/Bewusstsein Bewusstseinsprozessen].</p><p>Gleichzeitig bietet das Werk Fechners auch eine kritisch-skeptische Perspektive auf die Naturwissenschaften. Fechner war als Kritiker des [https://de.wikipedia.org/wiki/Materialismus Materialismus] nicht der Meinung, dass sich mentale Ereignisse auf physische Ereignisse [https://de.wikipedia.org/wiki/Reduktionismus reduzieren] lassen. Dennoch versuchte er mit der Psychophysik Zusammenhänge zwischen diesen Ereignissen herzustellen. Fechners [https://de.wikipedia.org/wiki/Methodologie methodologische] Einstellung findet sich zum Teil auch heute bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Neurowissenschaften Neurowissenschaftlern] wieder, die nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuronales_Korrelat_des_Bewusstseins neuronalen Korrelaten des Bewusstseins] suchen, ohne damit eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Metaphysik metaphysische] Aussage über die Natur des Bewusstseins machen zu wollen.</p>

Version vom 28. April 2024, 14:19 Uhr

psycho-Physik Vorlage:agrie.-Schrg. wrtl. 'Seelenkörper; Seelennatur'

Ansatzmöglichkeiten psychischer Kräfte nach Gustav Theodor Fechner (1801–1887) (1) Äußere Psychophysik(2) Innere Psychophysik(3) Neurophysiologie

Die Psychophysik stellt eines der wissenschaftshistorisch ältesten psychologischen Forschungsgebiete dar. Sie bezieht sich auf die gesetzmäßigen Wechselbeziehungen zwischen subjektivem psychischen (mentalen) Erleben und quantitativ messbaren, also objektiven physikalischen Reizen als den auslösenden Prozessen. Die Psychophysik wurde 1860 von Gustav Theodor Fechner begründet und stützt sich auf die Vorarbeiten von Ernst Heinrich Weber. Philosophischer Hintergrund ist das Leib-Seele-Problem. Sie wird als Teilgebiet der experimentellen Psychologie, Sinnesphysiologie, Wahrnehmungspsychologie oder der Psychophysiologie betrachtet und befasst sich z. T. auch mit ästhetischen Fragen des Geschmacks.

Gustav Theodor Fechner(1801–1887)

Auf Fechner geht die Unterscheidung zwischen äußerer und innerer Psychophysik zurück. Während die äußere Psychophysik den Zusammenhang zwischen Reizungen der Sinnesorgane und Erleben misst, beschäftigt sich die innere Psychophysik mit den Relationen zwischen neuronalen Prozessen und Erleben. Meist wird unter „Psychophysik“ primär die Untersuchung von Reiz–Erlebenszusammenhängen verstanden, während der Bereich der inneren Psychophysik heute der kognitiven Neurowissenschaft zugeordnet wird. Diese Zuordnungen resultieren aus der Tatsache, dass Fechner die innere Psychophysik nur theoretisch postulieren, aber aufgrund eingeschränkter neurowissenschaftlicher Methoden nicht an ihr forschen konnte.

Geschichte

Die Pythagoras (ca. 570–510 v. Chr.) zugeschriebene Entdeckung eines konstanten Verhältnisses zwischen der Länge der Saiten einer Leier und den Grundton beruht auf der Legende von Pythagoras in der Schmiede.[1] Dennoch hat sich für die auf der Quinte als dem harmonischsten Intervall beruhende Stimmung die Bezeichnung pythagoreische Stimmung erhalten, vgl.a. Quintenzirkel. Die als harmonisch bezeichneten Tonintervalle weisen folgende Schwingungsverhältnisse auf: Oktave 1:2, Quinte 2:3, Quart 3:4 und Große Terz 4:5.[2] Mit diesen Ausführungen ist bereits der Bogen gespannt zu ästhetischen Fragestellungen wie z. B. denen des Goldenen Schnitts, zu denen Fechner ebenfalls empirische Studien verfasst hat.[3]

Einer der frühesten Ansätze zur psychophysischen Skalierung stammt von Claudius Ptolemäus (ca. 100–175 n. Chr.) um 150 n. Chr. Er hat ein brauchbares Maß für die Größe der Gestirne vorgeschlagen anhand der scheinbaren Helligkeit der Sterne.[4]

Teilbereiche

Neben der Unterscheidung zwischen innerer und äußerer Psychophysik kann man die Arbeitsbereiche in Bezug auf die Sinnesmodalitäten differenzieren. Viele psychophysische Arbeiten sind auf einen Sinn – also etwa auf die visuelle oder auditive Wahrnehmung (s. a. Psychoakustik), den Geruchs- oder Tastsinn – spezialisiert. Zudem kann man vier verschiedene Fragebereiche unterscheiden:

  1. Zum einen kann die Wahrnehmungsschwelle (Absolutschwelle) untersucht werden. Dabei wird erforscht, wie stark die Reizung eines gegebenen Sinnesorgans sein muss, damit eine Reaktion erfolgt. Durch Adaptationseffekte kann die Wahrnehmungsschwelle in verschiedenen Zusammenhängen erheblich variieren.
  2. Des Weiteren kann die Reizunterscheidung untersucht werden. Wie verschieden müssen zwei Reize sein, damit sie in einem gegebenen Kontext als unterschiedlich empfunden werden (Unterschiedsschwelle)? Mittels des Unsicherheitsintervalls werden physisch verschiedene Reize definiert, die die gleiche Empfindung auslösen. Bei der Farbwahrnehmung spricht man auch von Metamerie.
  3. Ein weiteres Thema ist die Reizerkennung. So kann man fragen, wann etwa ein blaues Dreieck als ein blaues Dreieck erkannt wird. In der Regel wird das Vorhandensein eines Reizes registriert (Reizdetektion), bevor eine Identifikation möglich ist.
  4. Ein letzter Untersuchungsbereich ist die Skalierung, in der nicht nur untersucht wird, ob eine Person einen Reiz erkannt hat, sondern, ob sie schätzen kann, wie stark der Reiz ist. Die Skalierungsfähigkeiten können in verschiedenen Situationen erheblich variieren.

Psychophysische Gesetze

Ernst Heinrich Weber(1795–1878)

In der Psychophysik sind eine Reihe klassischer Gesetze formuliert worden (Webers Gesetz, Fechners Gesetz, Stevens’sches Gesetz, Bloch’sches Gesetz, Riccò’sches Gesetz).

Das Webersche Gesetz beschreibt die Beobachtung, dass die Unterschiedsschwelle in einem nahezu festen Verhältnis zur Reizintensität steht: Je stärker der Reiz, desto größer muss der Reizunterschied sein, um diesen Unterschied zu bemerken. Die formale Beschreibung lautet:

𝛥𝑅 / 𝑅 = const. = 𝑘

Dabei steht 𝛥𝑅 für den Reizunterschied und 𝑅 für den Reiz. Der Quotient wird auch als Weberscher Bruch bezeichnet. Ein Beispiel: Bei k = 1/10 braucht man bei einem Reiz von 10 Einheiten einen Reizunterschied von einer Einheit, um ihn zu bemerken. Bei einem Gewicht von 20 g würde man folglich 2 g brauchen, um einen Unterschied zu registrieren. Bei einem Gewicht von 20 kg wären es hingegen 2 kg Reizschwankung.

Fechners Gesetz (auch Fechner-Skala) beschreibt den Zusammenhang zwischen Reiz- und Erlebnisintensität:

𝐸 = 𝑘 ∙log 𝑅 + 𝑓

𝐸 repräsentiert in der Formel die Empfindungsstärke, 𝑅 die Reizstärke. Die Empfindungsstärke entspricht damit dem Logarithmus der Reizintensität, multipliziert mit einer Konstanten, zu dem eine weitere (kleine) Konstante addiert wird. Anders formuliert besagt Fechners Gesetz, dass die Empfindungsstärke (näherungsweise und in einem geeigneten Bereich) mit dem Logarithmus der Reizstärke wächst. Eine Verdopplung der Reizstärke hat also nicht eine Verdopplung der Empfindungsstärke, sondern etwa nur einen Zuwachs von 𝑘 ∙ 30%  zur Folge. Fechner leitete seine Skala aus dem Weberschen Gesetz ab, mittels des Postulats, dass die (je nach Reizintensität unterschiedliche) Unterschiedsschwelle einem konstanten Empfindungszuwachs entspricht. Die Empfindungsstärke ist dann das Integral des Weberschen Bruchs. Wie alle sinnesphysiologischen/wahrnehmungspsychologischen Gesetze gilt Fechners Gesetz nur innerhalb eines gewissen Geltungsbereichs. Fechnerskalen liegen zum Beispiel der Lautstärkemessung (als Schalldruckpegel in dB) und Helligkeitsmessung zugrunde.

Exemplarischer Verlauf eines Experiments mit einem adaptiven Schwellenbestimmungsverfahren (hier das sog. Transformed-Staircase-Verfahren). Bis zum ersten Umkehrpunkt (welcher hier nicht mitgezählt wird) wird eine größere Schrittweite und das Simple-Up/Down-Staircase-Verfahren verwendet, damit man sich schnell in den Bereich der Schwelle begibt.

Mitte des 20. Jahrhunderts fand Stanley S. Stevens (1957) einen Weg, Empfindungsstärken direkt zu messen. Er führte dazu verschiedene Verfahren der sog. Magnitude-Estimation ein. Die mittels dieser Methoden gefundenen Empfindungsstärken lassen sich über einen großen Bereich gut durch eine Potenzfunktion beschreiben (Stevenssche Potenzfunktion):

𝐺 = 𝑘∙𝑅𝑚

Der Exponent 𝑚 repräsentiert hier die modalitätsspezifische Potenz, die für die meisten Sinne kleiner als eins ist (mit Ausnahme des Schmerzes und der Längenempfindung) und 𝐺 die subjektiv geschätzte Größe eines Attributes. Nach Stevens trifft die durchschnittliche Schätzung der Größe eines Attributes etwa als Potenzfunktion der Intensität des Reizes zu. Das Stevens’sche Gesetz wird gern in einer doppelt-logarithmischen Darstellung gezeigt; in ihr ist der Zusammenhang eine Gerade, deren Steigung durch den Exponent 𝑚 gegeben ist.[5]

In den meisten Darstellungen wird das Steven’sche Gesetz als das gegenüber dem Fechner'schen zutreffendere dargestellt. Dieser gängigen Lehrbuchmeinung wird jedoch auch widersprochen.[6]

Wissenschafts- und philosophiehistorische Bedeutung

Die Psychophysik hat sich im Verhältnis zu anderen kognitionswissenschaftlichen Disziplinen sehr früh entwickelt. Webers und Fechners zentrale Arbeiten fallen auf die Mitte des 19. Jahrhunderts. Ihre systematische und empirische Erforschung von Reiz-Erlebens-Zusammenhängen hat einen großen Einfluss auf viele Wissenschaftler und Philosophen gehabt. Beispiele sind Hermann von Helmholtz und Ernst Mach, Max Weber und Wilhelm Wirth. Sigmund Freud führte das von Fechner eingeführte Prinzip der psychischen Energie weiter (Psychodynamik). Fechners Empfindungslehre berührt das in der Philosophie des Geistes zentrale Leib-Seele-Problem. Die Psychophysik gehörte damit zu den wissenschaftshistorisch bedeutsamen Vorreitern einer naturwissenschaftlichen Erforschung von Bewusstseinsprozessen.

Gleichzeitig bietet das Werk Fechners auch eine kritisch-skeptische Perspektive auf die Naturwissenschaften. Fechner war als Kritiker des Materialismus nicht der Meinung, dass sich mentale Ereignisse auf physische Ereignisse reduzieren lassen. Dennoch versuchte er mit der Psychophysik Zusammenhänge zwischen diesen Ereignissen herzustellen. Fechners methodologische Einstellung findet sich zum Teil auch heute bei Neurowissenschaftlern wieder, die nach neuronalen Korrelaten des Bewusstseins suchen, ohne damit eine metaphysische Aussage über die Natur des Bewusstseins machen zu wollen.

Literatur

  • Gustav Theodor Fechner: Elemente der Psychophysik. 1860.
  • Walter H. Ehrenstein: Psychophysik. In: Lexikon der Neurowissenschaft. 3. Band, Spektrum Verlag, Heidelberg/ Berlin 2001.
  • S. S. Stevens: Psychophysics. New York 1975, OCLC 164635229.
  • Max Weber: Zur Psychophysik der industriellen Arbeit. In: Gesammelte Aufsätze zur Soziologie und Sozialpolitik. Tübingen 1988, ISBN 3-16-845371-4, S. 61–255.
  • Manuel Kühner, Heiner Bubb, Klaus Bengler, Jörg Wild: Adaptive Verfahren in der Psychophysik – Effiziente Bestimmung von Absolut- und Unterschiedsschwellen. In: Ergonomie aktuell. Nr. 13, 2012. (www.lfe.mw.tum.de (Memento vom 4. September 2014 im Internet Archive))
  • Joshua A. Solomon (Hg.): Fechner's Legacy in Psychology: 150 Years of Elementary Psychophysics. 2011, ISBN 978-90-04-19201-0 | ISBN 978-90-04-19220-1[7]
Wiktionary: Psychophysik – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Zur antiken Überlieferung dieser Legende siehe Flora R. Levin: The Harmonics of Nicomachus and the Pythagorean Tradition. University Park (PA) 1975, S. 69–74; zur Nachwirkung im Mittelalter Hans Oppermann: Eine Pythagoraslegende. In: Bonner Jahrbücher. 130, 1925, S. 284–301 und Barbara Münxelhaus: Pythagoras musicus, Bonn 1976, S. 36–55. Luciano De Crescenzo: Geschichte der griechischen Philosophie. Die Vorsokratiker. 1. Auflage. Diogenes-Verlag, Zürich 1985, ISBN 3-257-01703-0, S. 72.
  2. Peter R. Hofstätter (Hrsg.): Psychologie. In: Das Fischer Lexikon. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1972, ISBN 3-436-01159-2, Stw. Gehörsinn, S. 141.
  3. Gustav Theodor Fechner: Zur experimentalen Ästhetik. Hirzel, Leipzig 1871.
  4. Wilhelm Karl Arnold u. a. (Hrsg.): Lexikon der Psychologie. Bechtermünz Verlag, Augsburg 1996, ISBN 3-86047-508-8, Stw. Psychophysik, Spalte 1777.
  5. N. Birbaumer: Biologische Psychologie
  6. Donald Laming: The Measurement of Sensation. Oxford 1997, ISBN 0-19-852342-4.
  7. Fechner's Legacy in Psychology: 150 Years of Elementary Psychophysics. Brill, 2011, ISBN 978-90-04-19201-0 (brill.com [abgerufen am 16. Februar 2023]).