„Referent (Linguistik)“ – Versionsunterschied
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Als der '''Referent''', auch das ''Bezugsobjekt'', [[Designat]] oder [[Denotat]], wird in der [[Semiotik]] und in der [[Allgemeine Linguistik|allgemeinen Linguistik]] das bezeichnet, worauf sich ein [[Zeichen]], eine [[Zeichenkette]] oder ein sprachlicher [[Ausdruck (Linguistik)|Ausdruck]] wie [[Name]], [[Wort]] oder [[Redewendung]] bezieht. | Als der '''Referent''', auch das ''Bezugsobjekt'', [[Designat]] oder [[Denotat]], wird in der [[Semiotik]] und in der [[Allgemeine Linguistik|allgemeinen Linguistik]] das bezeichnet, worauf sich ein [[Zeichen]], eine [[Zeichenkette]] oder ein sprachlicher [[Ausdruck (Linguistik)|Ausdruck]] wie [[Name]], [[Wort]]<nowiki/>oder [[Redewendung]] bezieht. | ||
Während in der Semiotik wie auch in der Linguistik das nicht-sprachliche Bezugsobjekt im Vordergrund steht (siehe [[Semiotisches Dreieck|semiotisches Dreieck]]) und als ''außersprachliches Bezugsobjekt'' eines Zeichens im Allgemeinen oder eines sprachlichen Ausdrucks im Besonderen definiert wird, wird der Ausdruck ''Referent'' insbesondere in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Textgrammatik Textgrammatik] auch für ''innersprachliche Bezugsobjekte'' verwendet. | Während in der Semiotik wie auch in der Linguistik das nicht-sprachliche Bezugsobjekt im Vordergrund steht (siehe [[Semiotisches Dreieck|semiotisches Dreieck]]) und als ''außersprachliches Bezugsobjekt'' eines Zeichens im Allgemeinen oder eines sprachlichen Ausdrucks im Besonderen definiert wird, wird der Ausdruck ''Referent'' insbesondere in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Textgrammatik Textgrammatik] auch für ''innersprachliche Bezugsobjekte'' verwendet. | ||
Hinsichtlich des unter der Bezeichnung ''Referent'' verstandenen Begriffs ist also zu unterscheiden zwischen einem allgemeinen Begriff, der ein Bezugsobjekt als solches fasst, und den durch dessen Anwendungen oder Interpretationen besonderen Begriffen. Der Referent kann etwas Nicht-Sprachliches oder etwas Sprachliches sein. Ist er etwas Nicht-Sprachliches, so wird der referierende Ausdruck [https://de.wikipedia.org/wiki/Objektsprache objektsprachlich]verwendet. Ist er dagegen etwas Sprachliches, so nennt man den sich darauf beziehenden (referierenden) Ausdruck [ | Hinsichtlich des unter der Bezeichnung ''Referent'' verstandenen Begriffs ist also zu unterscheiden zwischen einem allgemeinen Begriff, der ein Bezugsobjekt als solches fasst, und den durch dessen Anwendungen oder Interpretationen besonderen Begriffen. Der Referent kann etwas Nicht-Sprachliches oder etwas Sprachliches sein. Ist er etwas Nicht-Sprachliches, so wird der referierende Ausdruck [https://de.wikipedia.org/wiki/Objektsprache objektsprachlich]verwendet. Ist er dagegen etwas Sprachliches, so nennt man den sich darauf beziehenden (referierenden) Ausdruck [[metasprachlich]]. | ||
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In dem semiotischen Dreieck von [https://de.wikipedia.org/wiki/Charles_Kay_Ogden Charles Kay Ogden] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Ivor_Armstrong_Richards Ivor Armstrong Richards] symbolisiert das Zeichen (''symbol'') etwas und ruft einen entsprechenden Bewusstseinsinhalt (''reference'') hervor, der sich auf das Objekt (''referent'') bezieht.<ref><span class="reference-text">''Triadische Zeichenrelation.'' In: Dietrich Homberger: ''Sachwörterbuch zur Sprachwissenschaft.'' Reclam, 2000, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3150104718 ISBN 3-15-010471-8].</span></ref> | In dem semiotischen Dreieck von [https://de.wikipedia.org/wiki/Charles_Kay_Ogden Charles Kay Ogden] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Ivor_Armstrong_Richards Ivor Armstrong Richards] symbolisiert das Zeichen (''symbol'') etwas und ruft einen entsprechenden Bewusstseinsinhalt (''reference'') hervor, der sich auf das Objekt (''referent'') bezieht.<ref><span class="reference-text">''Triadische Zeichenrelation.'' In: Dietrich Homberger: ''Sachwörterbuch zur Sprachwissenschaft.'' Reclam, 2000, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3150104718 ISBN 3-15-010471-8].</span></ref> | ||
Ein Referent ist in dieser Sicht ein „Ding aus der Welt.“<ref><span class="reference-text">Danièle Clément: ''Linguistisches Grundwissen.'' 2. Auflage. 2000, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3531231731 ISBN 3-531-23173-1], S. 157; Jörg Meibauer, ''Einführung in die germanistische Linguistik.'' 2. Auflage. 2007, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783476021410 ISBN 978-3-476-02141-0], S. 171.</span></ref> Der Ausdruck ''Ding'' ist dabei weit zu fassen und bedeutet „Objekt, Ort, Eigenschaft oder Ereignis.“<ref name=": | Ein Referent ist in dieser Sicht ein „Ding aus der Welt.“<ref><span class="reference-text">Danièle Clément: ''Linguistisches Grundwissen.'' 2. Auflage. 2000, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3531231731 ISBN 3-531-23173-1], S. 157; Jörg Meibauer, ''Einführung in die germanistische Linguistik.'' 2. Auflage. 2007, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783476021410 ISBN 978-3-476-02141-0], S. 171.</span></ref> Der Ausdruck ''Ding'' ist dabei weit zu fassen und bedeutet „Objekt, Ort, Eigenschaft oder Ereignis.“<ref name=":02"><span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Hadumod_Bu%C3%9Fmann Hadumod Bußmann] (Hrsg.): ''Lexikon der Sprachwissenschaft.'' 3., aktualisierte und erweiterte Auflage. Kröner, Stuttgart 2002, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3520452030 ISBN 3-520-45203-0]. (Referent).</span></ref> ''Welt'' bedeutet hier nicht nur die wirkliche Welt, sondern auch eine nur mögliche Welt. Beispiel: Der Ausdruck ''Harry Potter'' bezieht sich nicht auf eine reale, sondern auf eine fiktive Person. | ||
Diese Perspektive wird mitunter für verfehlt erachtet, so durch den [https://de.wikipedia.org/wiki/Konzeptualismus Konzeptualismus]. Dann wird als Referent ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Konzept Konzept] in einem Konzeptsystem im menschlichen Bewusstsein angesehen.<ref name=": | Diese Perspektive wird mitunter für verfehlt erachtet, so durch den [https://de.wikipedia.org/wiki/Konzeptualismus Konzeptualismus]. Dann wird als Referent ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Konzept Konzept] in einem Konzeptsystem im menschlichen Bewusstsein angesehen.<ref name=":02" /> | ||
=== Referent als innersprachliches Bezugsobjekt === | === Referent als innersprachliches Bezugsobjekt === | ||
Aktuelle Version vom 28. April 2024, 14:45 Uhr
Als der Referent, auch das Bezugsobjekt, Designat oder Denotat, wird in der Semiotik und in der allgemeinen Linguistik das bezeichnet, worauf sich ein Zeichen, eine Zeichenkette oder ein sprachlicher Ausdruck wie Name, Wortoder Redewendung bezieht.
Während in der Semiotik wie auch in der Linguistik das nicht-sprachliche Bezugsobjekt im Vordergrund steht (siehe semiotisches Dreieck) und als außersprachliches Bezugsobjekt eines Zeichens im Allgemeinen oder eines sprachlichen Ausdrucks im Besonderen definiert wird, wird der Ausdruck Referent insbesondere in der Textgrammatik auch für innersprachliche Bezugsobjekte verwendet.
Hinsichtlich des unter der Bezeichnung Referent verstandenen Begriffs ist also zu unterscheiden zwischen einem allgemeinen Begriff, der ein Bezugsobjekt als solches fasst, und den durch dessen Anwendungen oder Interpretationen besonderen Begriffen. Der Referent kann etwas Nicht-Sprachliches oder etwas Sprachliches sein. Ist er etwas Nicht-Sprachliches, so wird der referierende Ausdruck objektsprachlichverwendet. Ist er dagegen etwas Sprachliches, so nennt man den sich darauf beziehenden (referierenden) Ausdruck metasprachlich.
Referent als außersprachliches Bezugsobjekt
Der Ausdruck Referent wird vorherrschend für die nicht-sprachlichen Bezugsobjekte sprachlicher Ausdrücke (semiotisch allgemeiner: Zeichen) verwendet.
In dem semiotischen Dreieck von Charles Kay Ogden und Ivor Armstrong Richards symbolisiert das Zeichen (symbol) etwas und ruft einen entsprechenden Bewusstseinsinhalt (reference) hervor, der sich auf das Objekt (referent) bezieht.[1]
Ein Referent ist in dieser Sicht ein „Ding aus der Welt.“[2] Der Ausdruck Ding ist dabei weit zu fassen und bedeutet „Objekt, Ort, Eigenschaft oder Ereignis.“[3] Welt bedeutet hier nicht nur die wirkliche Welt, sondern auch eine nur mögliche Welt. Beispiel: Der Ausdruck Harry Potter bezieht sich nicht auf eine reale, sondern auf eine fiktive Person.
Diese Perspektive wird mitunter für verfehlt erachtet, so durch den Konzeptualismus. Dann wird als Referent ein Konzept in einem Konzeptsystem im menschlichen Bewusstsein angesehen.[3]
Referent als innersprachliches Bezugsobjekt
Bezieht sich ein sprachlicher Ausdruck auf einen anderen Ausdruck (Wort, Satzglied), so sind diese Referenten des sprachlichen Ausdrucks. So können Pronomen im Satz oder Text sich auf andere Wörter beziehen.
Innersprachliche Referenten können mit dem verweisenden Wort je nachdem, was im Text zuerst kommt, zwei Arten von Beziehungen eingehen:
- anaphorische Beziehung: Referent kommt vor verweisendem Wort.
- „Der Mann kam herein. Er trug einen alten Hut.“ (Mann vor er)
- kataphorische Beziehung: Das verweisende Wort steht vor dem Referenten.
- „Als sie sich über ihre Situation klar wurde, fuhr Sibylle nach Hause.“ (sie vor Sibylle)
Referenten identifiziert man in der formalen Darstellung von Texten in Linguistik und Computerlinguistik gern durch Indices, gerade wenn sich einem Satz viele Pronomen auf verschiedene Referenten beziehen:
Peter1 schuldete Mario2 noch einen Haufen Geld3. Nachdem er2 ihm1 mit ernsten Konsequenzen gedroht hatte, gab er1 es3 ihm2 am 25. schließlich zurück.
Siehe auch
- Deixis vs. Anapher (Anaphorik)
- Koreferenz
- Korrelat (Grammatik)
Einzelnachweise
- ↑ Triadische Zeichenrelation. In: Dietrich Homberger: Sachwörterbuch zur Sprachwissenschaft. Reclam, 2000, ISBN 3-15-010471-8.
- ↑ Danièle Clément: Linguistisches Grundwissen. 2. Auflage. 2000, ISBN 3-531-23173-1, S. 157; Jörg Meibauer, Einführung in die germanistische Linguistik. 2. Auflage. 2007, ISBN 978-3-476-02141-0, S. 171.
- ↑ a b Hadumod Bußmann (Hrsg.): Lexikon der Sprachwissenschaft. 3., aktualisierte und erweiterte Auflage. Kröner, Stuttgart 2002, ISBN 3-520-45203-0. (Referent).