„Kollektiv“ – Versionsunterschied
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* ‘[[Menschengruppe]]’ (1. Hälfte 19. Jh.), | * ‘[[Menschengruppe]]’ (1. Hälfte 19. Jh.), | ||
* heute besonders, unter Einfluß von russ. ''kollektív'' (коллектив), ‘durch berufliche Interessen verbundene Arbeitsgemeinschaft bzw. Produktionsgemeinschaft’ (nach 1945). | * heute besonders, unter Einfluß von russ. ''kollektív'' (коллектив), ‘durch berufliche Interessen verbundene Arbeitsgemeinschaft bzw. Produktionsgemeinschaft’ (nach 1945). | ||
* Älter ''[[Kollektivum]]'', Collectiv(um) grammatischer Terminus ‘mehreres zusammenfassende Bezeichnung, [[Sammelbegriff]]’ (um 1800), entsprechend spätlat. (nōmen) collēctīvum.<p title="Sinn und Bezeichnetes (Semantik)">Bedeutungen: [1] ''[https://de.wiktionary.org/wiki/Soziologie Soziologie]:'' soziales Gebilde, deren Mitglieder unter einem Gesichtspunkt zusammengefasst werden können</p> | * Älter ''[[Kollektivum]]'', Collectiv(um) grammatischer Terminus ‘mehreres zusammenfassende Bezeichnung, [[Sammelbegriff]]’ (um 1800), entsprechend spätlat. (nōmen) collēctīvum.<p title="Sinn und Bezeichnetes (Semantik)">Bedeutungen: [1] ''[https://de.wiktionary.org/wiki/Soziologie Soziologie]:'' soziales Gebilde, deren Mitglieder unter einem Gesichtspunkt zusammengefasst werden können</p> | ||
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<p title="Verwendungsbeispielsätze">Beispiele: [1] Die Verpflichtung des Werktätigen, sich vor dem ''Kollektiv'' zu entschuldigen, wird bestätigt, oder ihm wird eine solche Pflicht auferlegt.<sup id="cite_ref-3" class="reference">[https://de.wiktionary.org/wiki/Kollektiv#cite_note-3 [3]]</sup></p> | <p title="Verwendungsbeispielsätze">Beispiele: [1] Die Verpflichtung des Werktätigen, sich vor dem ''Kollektiv'' zu entschuldigen, wird bestätigt, oder ihm wird eine solche Pflicht auferlegt.<sup id="cite_ref-3" class="reference">[https://de.wiktionary.org/wiki/Kollektiv#cite_note-3 [3]]</sup></p> | ||
<p title="Signifikante Kollokationen">Charakteristische Wortkombinationen: [1] als ''Kollektiv'' [https://de.wiktionary.org/wiki/handeln handeln]</p> | <p title="Signifikante Kollokationen">Charakteristische Wortkombinationen: [1] als ''Kollektiv'' [https://de.wiktionary.org/wiki/handeln handeln]</p> | ||
<p title="Signifikante Kollokationen">'''Kollektiv''' (von [https://de.wikipedia.org/wiki/Latein lateinisch] colligere „zusammensuchen, zusammenlesen“) bezeichnet [https://de.wikipedia.org/wiki/Soziales_Gebilde soziale Gebilde], deren Zugehörige unbestimmt nach sehr verschiedenen Gesichtspunkten zusammengefasst werden – das können etwa ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Volk Volk], eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Religion Religion], ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Staat Staat], ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Unternehmen Unternehmen] oder eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Soziale_Klasse soziale Klasse] sein. Andererseits gibt es spezielle handlungsorientierte Kollektive, deren Angehörige als [https://de.wikipedia.org/wiki/Soziale_Gruppe Gruppe], [https://de.wikipedia.org/wiki/Team Team] oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Mannschaft Mannschaft] zweckmäßig und zielgerichtet in bestimmten Handlungsgemeinschaften kooperieren.</p> | |||
== <span id="Der_Begriff_in_der_Soziologie">Der Begriff in der Soziologie</span> == | |||
<p>In der [https://de.wikipedia.org/wiki/Soziologie Soziologie] wird zwischen ''unorganisierten'' und ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Organisation#Soziologie organisierten]'' Kollektiven unterschieden.</p> | |||
=== <span id="Unorganisierte_Kollektive">Unorganisierte Kollektive</span> === | |||
<p>Die Bezeichnung ''Kollektiv'' benennt in der Soziologie nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_K._Merton Robert King Merton] (1910–2003) u. a. allgemein eine Mehrzahl von Personen, die aufgrund eines Systems von gemeinsamen Normen, [https://de.wikipedia.org/wiki/Wertvorstellung Wertvorstellungen] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Handeln Handlungen] [https://de.wikipedia.org/wiki/Emotion Gefühle] der Zusammengehörigkeit entwickeln.<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Kollektiv#cite_note-1 [1]]</sup> Nach dieser Definition fallen Kollektive zum Beispiel nicht unter Begriffe wie [https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialkategorie Sozialkategorie], die Personen demographisch zuordnet, oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Soziales_Milieu Milieugruppe], deren Mitglieder im Gegensatz zum Kollektiv aufgrund ihres gemeinsamen sozialen [https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialer_Status Status] miteinander lose und indifferent [https://de.wikipedia.org/wiki/Soziale_Interaktion interagieren]. Vergleichbar definierte [https://de.wikipedia.org/wiki/Ferdinand_T%C3%B6nnies Ferdinand Tönnies](1855–1936) den Begriff ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Samtschaft Samtschaft]'' für unbestimmte, unorganisierte ''soziale Kollektive'' und betonte das Merkmal des fehlenden organisatorischen Zusammenhalts. Gemeinsame Willensentscheidungen und gemeinsame Handlungen kommen laut Tönnies nur unter speziellen Voraussetzungen zustande.</p><p>Als ''abstrakte Kollektive'' bezeichnet [https://de.wikipedia.org/wiki/Leopold_von_Wiese Leopold von Wiese] soziale Gebilde wie [https://de.wikipedia.org/wiki/Glaubensgemeinschaft Glaubensgemeinschaften] oder ganze [https://de.wikipedia.org/wiki/Nation Nationen], die aufgrund von „Dauerwerten“ einen „überpersönlichen Charakter“ erhalten.</p> | |||
=== <span id="Organisierte_Kollektive">Organisierte Kollektive</span> === | |||
<p>Als ''politisches Kollektiv'' wird ein soziales Gebilde mit gemeinsamen [https://de.wikipedia.org/wiki/Politik politischen] Zielen bezeichnet, dessen Mitglieder sich freiwillig organisieren, im Wesentlichen nach den Grundsätzen der Gleichheit und Gleichberechtigung – oft nach dem Prinzip des [https://de.wikipedia.org/wiki/Konsens Konsenses] – Entscheidungen treffen und für deren praktische Umsetzung zusammenarbeiten.</p><p>Menschen, die in ''Arbeits- und Handlungssystemen'' gemeinschaftlich tätig sind, bilden Kollektive im Sinne spezieller ''Handlungsgemeinschaften'', wobei die geleistete [https://de.wikipedia.org/wiki/Arbeit_(Philosophie) Arbeit] gesellschaftliche Wirkung entfaltet. Auch zur kulturellen und sportlichen Betätigung organisieren sich Menschen in Kollektiven, um etwa als [https://de.wikipedia.org/wiki/Ensemble Ensemble], [https://de.wikipedia.org/wiki/Team Team] oder Mannschaft gemeinsam Erfolge zu erzielen.</p><p>An das Konzept der [https://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%A4terepublik Räterepublik] angelehnt, entwickelte [https://de.wikipedia.org/wiki/Anton_Semjonowitsch_Makarenko Anton Semjonowitsch Makarenko] (1888–1939) das Prinzip eines „[https://de.wikipedia.org/wiki/Kommunismus kommunistischen] Kollektivs“ in der [https://de.wikipedia.org/wiki/P%C3%A4dagogik Pädagogik].<sup id="cite_ref-2" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Kollektiv#cite_note-2 [2]]</sup></p> | |||
== <span id="Der_Begriff_in_der_Kulturwissenschaft">Der Begriff in der Kulturwissenschaft</span> == | |||
<p>Der in die [https://de.wikipedia.org/wiki/Kulturwissenschaft Kulturwissenschaft] eingeführte Begriff Kollektiv ist breiter und merkmalsoffener als jener der [https://de.wikipedia.org/wiki/Soziologie Soziologie]. Unter Kollektiv wird jede Übereinstimmung oder Zusammenschau von Personen verstanden, die eine oder mehrere Gemeinsamkeiten aufweisen.</p><p>Der Kulturwissenschaftler [https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus_P._Hansen Klaus P. Hansen] legte 2009 in seinem Werk ''Kultur, Kollektiv, Nation'' theoretische Grundlagen für eine Kollektivwissenschaft und prägte darin unter anderem den Begriff der „[https://de.wikipedia.org/wiki/Multikollektivit%C3%A4t Multikollektivität]“.</p> | |||
== <span id="Kollektive_in_Wirtschaft_und_Verwaltung">Kollektive in Wirtschaft und Verwaltung</span> == | |||
<div class="hauptartikel" role="navigation"><span class="hauptartikel-pfeil" title="siehe" role="presentation" aria-hidden="true">→ </span>''<span class="hauptartikel-text">Hauptartikel</span>: [https://de.wikipedia.org/wiki/Autogestion Kollektive Selbstverwaltung (Autogestion)]''</div><div class="hintergrundfarbe1 rahmenfarbe1 navigation-not-searchable noprint Vorlage_Belege_fehlen hatnote"><div class="noviewer noresize" role="presentation" aria-hidden="true">[https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Belege ]</div><div><div>Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit [https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Belege Belegen] (beispielsweise [https://de.wikipedia.org/wiki/Hilfe:Einzelnachweise Einzelnachweisen]) ausgestattet. Angaben ohne ausreichenden Beleg könnten demnächst entfernt werden. Bitte hilf Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst.</div></div></div><p>In der kollektiven Selbstverwaltung und einigen alternativen Modellen zur [https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96konomie Ökonomie] bezeichnet ''Kollektiv'' einen selbstverwalteten und weniger [https://de.wikipedia.org/wiki/Hierarchie hierarchischen] Betrieb oder ein entsprechendes Projekt. Seit Ende der 1970er-Jahre entstand in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Neue_Soziale_Bewegungen Alternativbewegung] in Westeuropa und Nordamerika eine Vielzahl dieser Kollektive, in denen oftmals die Entscheidungsstruktur und Vergütung auf ähnlichen Prinzipien beruht:</p> | |||
*Unter dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Konsensprinzip Konsensprinzip] wird verstanden, dass die Entscheidungen in einem gemeinsamen Prozess stattfinden, dessen Ende zur Zufriedenheit aller Teilnehmenden führt. | |||
*Prinzip der gegenseitigen Hilfe: „[https://de.wikipedia.org/wiki/Gegenseitige_Hilfe Gegenseitige Hilfe]“ ist ein Begriff des russischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Anarchismus Anarchisten] [https://de.wikipedia.org/wiki/Pjotr_Alexejewitsch_Kropotkin Peter Kropotkin], welches dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Wettbewerb_(Wirtschaft) Konkurrenzprinzip] gegenübersteht und auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Solidarit%C3%A4t Solidarität] fußt. Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Tauschkreis Tauschringe] sind ein Beispiel für gegenseitige Hilfe. | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Solidarische_%C3%96konomie Solidarische Ökonomie] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Gemeinwohl-%C3%96konomie Gemeinwohl-Ökonomie] verfolgen ähnliche Ziele | |||
*Räte-Prinzip: Kollektive verstehen sich zueinander nicht als in Konkurrenz stehend, sondern streben eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Vernetzung Vernetzung] an, die nach dem Prinzip der [https://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%A4terepublik Rätedemokratie] funktioniert, womit im Wesentlichen gemeint ist, dass keine Entscheidungsbefugnis „nach oben“ delegiert wird, sondern bei den Kollektiven zu bleiben habe. | |||
<p>Da in Deutschland viele Rechtsformen nicht explizit auf diese Kollektive und ihre Prinzipien zugeschnitten sind, entstehen oftmals rechtliche Probleme.<sup id="cite_ref-3" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Kollektiv#cite_note-3 [3]]</sup></p><p>Besondere Formen dieser Art von Kollektivität sind die [https://de.wikipedia.org/wiki/Kommune_(Lebensgemeinschaft) Kommunen], in denen zudem noch gemeinsam gewohnt wird, was dann als zusätzliches Prinzip von dem ''gemeinsamen Leben und Arbeiten'' verstanden wird.</p><p>In den Ländern des Südens („[https://de.wikipedia.org/wiki/Dritte_Welt Dritte Welt]“) war die Kollektiv-Bewegung häufig Hoffnung einer Selbstbefreiung im Sinne einer politischen und gesellschaftlichen Emanzipation. Dabei konnte man in vielen Fällen an Formen der traditionellen – kollektiven – Ökonomie anknüpfen, wie im Fall der [https://de.wikipedia.org/wiki/Ejido Ejidos] in Ecuador oder der [https://de.wikipedia.org/wiki/Ujamaa Ujamaa] in Tansania.</p><p>Eine – als erfolgreich geltende – Form der Kollektive sind die [https://de.wikipedia.org/wiki/Kibbuz Kibbuze] in [https://de.wikipedia.org/wiki/Israel Israel]. Hier wirken drei kollektiv-fördernde Faktoren zusammen:</p> | |||
#gemeinsame Religion oder religiöse Ideologie | |||
#wirtschaftlicher Erfolg | |||
#Bedrohung von außen (gemeinsamer äußerer Feind) | |||
<p>Das Kollektiv als Wirtschaftsform basiert auf der Vorstellung, dass Menschen nicht nur als [https://de.wikipedia.org/wiki/Homo_oeconomicus homo oeconomicus] handeln, sondern ihre Individualinteressen auch bewusst zugunsten gemeinsamer Interessen zurückstellen können.</p> | |||
== <span id="Kollektive_im_Sozialismus">Kollektive im Sozialismus</span> == | |||
<span></span>[[file:220px-DDR_-_Ruhe_und_Ordnung_-_Schild_eines_Verkaufskollekives_-_um_1960.jpg|link=https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:DDR_-_Ruhe_und_Ordnung_-_Schild_eines_Verkaufskollekives_-_um_1960.jpg|220x124px]]Ruhe und Ordnung – Schild eines Verkaufskollektives der DDR um 1960<p>In der [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Demokratische_Republik DDR] entsprach die Bezeichnung „Kollektiv“ ungefähr dem, was in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutschland Bundesrepublik] „[https://de.wikipedia.org/wiki/Arbeitsgruppe Arbeitsgruppe]“ wird. In den [https://de.wikipedia.org/wiki/Volkseigener_Betrieb Volkseigenen Betrieben], den [https://de.wikipedia.org/wiki/Landwirtschaftliche_Produktionsgenossenschaft Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften] und den [https://de.wikipedia.org/wiki/Produktionsgenossenschaft_des_Handwerks Produktionsgenossenschaften des Handwerks] wurde das Kollektiv als „[https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialistische_Brigade Brigade]“ bezeichnet.</p><p>In Verlautbarungen und [https://de.wikipedia.org/wiki/Agitprop Agitprop] wurden auch große Kollektive „zitiert“, wie „die Arbeiterklasse“.<sup id="cite_ref-4" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Kollektiv#cite_note-4 [4]]</sup></p><p>Zur Propagierung des Kollektivs wurde auch bei spitzensportlichen Leistungen das Kollektiv (Trainer, Trainingsgruppe, Mannschaftsarzt, Physiotherapeut und andere) hervorgehoben.<sup id="cite_ref-5" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Kollektiv#cite_note-5 [5]]</sup></p> | |||
== <span id="Kollektivbewusstsein">Kollektivbewusstsein</span> == | |||
<p>Kollektivbewusstsein ([https://de.wikipedia.org/wiki/Franz%C3%B6sische_Sprache französisch] conscience collective ou commune) ist ein soziologischer Begriff der [https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%89mile_Durkheim Durkheim-Schule] für die geistigen Eigenschaften und Werte einer Gesellschaft, die sich u. a. in Systemen wie [https://de.wikipedia.org/wiki/Moral Moral], [https://de.wikipedia.org/wiki/Recht Recht], [https://de.wikipedia.org/wiki/Gewohnheit Gewohnheiten], [https://de.wikipedia.org/wiki/Sprache Sprache], [https://de.wikipedia.org/wiki/Gewissen Gewissen], [https://de.wikipedia.org/wiki/Wissen Wissen] äußern. Es ist die „Gesamtheit der [https://de.wikipedia.org/wiki/Glauben Glaubensvorstellungen] und Gefühle, die allen Mitgliedern derselben Gesellschaft gemeinsam sind“.<sup id="cite_ref-6" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Kollektiv#cite_note-6 [6]]</sup> Allgemein ist auch die Rede von Volksseele, Kollektivseele, kollektiver Mentalität, Gruppenseele und anderen Gesamtheiten geistiger Eigenschaften eines sozialen Gebildes. Das Kollektivbewusstsein bringt die „Objektivität des sozialen Geschehens“ gegenüber den individuellen Motivationen der Menschen zum Ausdruck.<sup id="cite_ref-7" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Kollektiv#cite_note-7 [7]]</sup> Die genannten, dem Kulturmenschen geläufigen geistigen Eigenschaften wurden in ähnlicher Weise auch von [https://de.wikipedia.org/wiki/Lucien_L%C3%A9vy-Bruhl Lucien Lévy-Bruhl] beschrieben, der sie mit den „mystischen Kollektivvorstellungen“ (représentations collectives) der Primitiven verglich (siehe auch [https://de.wikipedia.org/wiki/Participation_mystique participation mystique]),<sup id="cite_ref-8" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Kollektiv#cite_note-8 [8]]</sup> sowie von [https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Gustav_Jung Carl Gustav Jung], der das Konzept eines [https://de.wikipedia.org/wiki/Kollektives_Unbewusstes kollektiven Unbewussten] erarbeitete (vergleiche auch [https://de.wikipedia.org/wiki/Archetyp_(Psychologie) Archetyp (Psychologie)]).</p><p>Nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_Vierkandt Alfred Vierkandt] bilden die Angelegenheiten einer sozialen Gruppe die kollektiven Bewusstseinsinhalte, die das kollektive Subjekt in Form des „Wir“ gegenüber dem individuellen „Ich“ formuliert.</p> | |||
== <span id="Kritik">Kritik</span> == | |||
<span></span><div class="hintergrundfarbe1 rahmenfarbe1 navigation-not-searchable noprint Vorlage_Belege_fehlen hatnote"><div class="noviewer noresize" role="presentation" aria-hidden="true">[https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Belege ]</div><div><div>Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit [https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Belege Belegen] (beispielsweise [https://de.wikipedia.org/wiki/Hilfe:Einzelnachweise Einzelnachweisen]) ausgestattet. Angaben ohne ausreichenden Beleg könnten demnächst entfernt werden. Bitte hilf Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst.</div></div></div><p>Das Modell der „[https://de.wikipedia.org/wiki/Tragik_der_Allmende Tragik der Allmende]“ legt nahe, dass kollektives Eigentum zu einer erhöhten Ausbeutung der [https://de.wikipedia.org/wiki/Ressource Ressourcen] etwa durch [https://de.wikipedia.org/wiki/Trittbrettfahrerproblem Trittbrettfahrerverhalten] der einzelnen Mitglieder führt. Dies ist jedoch umstritten (siehe [https://de.wikipedia.org/wiki/Tragik_der_Anti-Allmende Tragik der Anti-Allmende]).</p><p>Kritiker der Bildung von „Kollektiven“ unterstellen, dass dabei das [https://de.wikipedia.org/wiki/Bewusstsein Bewusstsein] des Einzelnen durch das Bewusstsein der Gruppe als Gesamtheit verdrängt werde (oder schärfer, dass das „Bewusstsein der Gruppe“ eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Ideologie ideologische] Fiktion zur Knutung des Einzelnen sei). An die Stelle der persönlichen [https://de.wikipedia.org/wiki/Verantwortung Verantwortung] trete die Verantwortlichkeit der [https://de.wikipedia.org/wiki/Soziale_Gruppe Gruppe] (siehe auch [https://de.wikipedia.org/wiki/Kollektivismus Kollektivismus] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Soziologie Soziologie]).</p> | |||
== <span id="Siehe_auch">Siehe auch</span> == | |||
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*[https://de.wikipedia.org/wiki/Gemeinschaft Gemeinschaft] | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Kollektive_Identit%C3%A4t kollektive Identität] | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Kollektive_Intelligenz kollektive Intelligenz] | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Kollektive_Biografie kollektive Biografie] | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Kollektivsymbolik Kollektivsymbolik] | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Kolchos Kolchos] | |||
== <span id="Literatur">Literatur</span> == | |||
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*[https://de.wikipedia.org/wiki/Gabriel_Kuhn Gabriel Kuhn]: ''Jenseits von Staat und Individuum. Individualität und autonome Politik.'' Unrast, Münster 2007, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783897714571 ISBN 978-3-89771-457-1]. | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus_P._Hansen Klaus P. Hansen]: ''Kultur, Kollektiv, Nation.'' Schriftenreihe der Forschungsstelle Grundlagen Kulturwissenschaft, Band 1. Karl Stutz, Passau 2009, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783888491818 ISBN 978-3-88849-181-8]. | |||
*Jörg Scheffer (Hrsg.): ''Wir, die oder alle? Kollektive als Mittler einer komplexen Kulturwirklichkeit'' (= ''Interculture Journal.'' Band 1). Tagungsband der Forschungsstelle Grundlagen Kulturwissenschaft. Passau, September 2009 ([http://www.interculture-journal.com/download/issues/2009_08.pdf PDF: 1,4 MB, 88 Seiten auf interculture-journal.com]). | |||
<p>Kollektive in der alternativen Ökonomie:</p> | |||
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*[https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Berger_(Soziologe) Johannes Berger] (Hrsg.): ''Selbstverwaltete Betriebe in der Marktwirtschaft.'' AJZ, Bielefeld 1986, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3921680603 ISBN 3-921680-60-3]. | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_Beywl Wolfgang Beywl]: ''Betriebe in Selbstverwaltung: Eine empirische Untersuchung in Nordrhein-Westfalen.'' Verlag für Wissenschaftliche Publikationen, Darmstadt 1990. | |||
*Jürgen Daviter, [https://de.wikipedia.org/wiki/Volkmar_Gessner Volkmar Gessner], [https://de.wikipedia.org/wiki/Armin_H%C3%B6land Armin Höland]: ''Selbstverwaltungswirtschaft: Gegen Wirtschaft und Recht?'' AJZ, Bielefeld 1987. | |||
*Ulrich Burnautzki u. a.: ''Unter Geiern: Ein Leitfaden für die Arbeit in selbstverwalteten Projekten.'' Stattbuch, Berlin 1984. | |||
*Arbeitsgruppe Projektberatung (Hrsg.): ''Der Schatz im Silbersee: Ein Finanzierungsleitfaden für selbstverwaltete Betriebe und Projekte.'' Stattbuch, Berlin 1984. | |||
*Roland Spliesgart: ''Landwirtschaftliche Kollektive als Alternative? Eine Fallstudie in Landreformsiedlungen in Brasilien.'' Lit, Münster/ Hamburg 1995. | |||
== <span id="Weblinks">Weblinks</span> == | |||
<span></span><div class="sisterproject"><span class="noviewer" role="presentation" aria-hidden="true"><span class="mw-default-size"><span title="Wiktionary">[[file:16px-Wiktfavicon_en.svg.png|16x16px]]</span></span></span>'''[https://de.wiktionary.org/wiki/Kollektiv Wiktionary: Kollektiv]''' – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen</div> | |||
*[https://kollektivliste.org/ kollektivliste.org] – Offizielle Webseite zur bundesweiten Vernetzung | |||
== <span id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</span> == | |||
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Version vom 10. Mai 2024, 13:40 Uhr
kollektiv, Vorlage:lat.-frz.-dt., n., wrtl. 'gesammelt' kurz. f. Kollektivum; Sammelbegriff
- ‘Menschengruppe’ (1. Hälfte 19. Jh.),
- heute besonders, unter Einfluß von russ. kollektív (коллектив), ‘durch berufliche Interessen verbundene Arbeitsgemeinschaft bzw. Produktionsgemeinschaft’ (nach 1945).
- Älter Kollektivum, Collectiv(um) grammatischer Terminus ‘mehreres zusammenfassende Bezeichnung, Sammelbegriff’ (um 1800), entsprechend spätlat. (nōmen) collēctīvum.
Bedeutungen: [1] Soziologie: soziales Gebilde, deren Mitglieder unter einem Gesichtspunkt zusammengefasst werden können
Synonyme: [1] Gruppe
Unterbegriffe: [1] Arbeiterkollektiv, Autorenkollektiv
Beispiele: [1] Die Verpflichtung des Werktätigen, sich vor dem Kollektiv zu entschuldigen, wird bestätigt, oder ihm wird eine solche Pflicht auferlegt.[3]
Charakteristische Wortkombinationen: [1] als Kollektiv handeln
Kollektiv (von lateinisch colligere „zusammensuchen, zusammenlesen“) bezeichnet soziale Gebilde, deren Zugehörige unbestimmt nach sehr verschiedenen Gesichtspunkten zusammengefasst werden – das können etwa ein Volk, eine Religion, ein Staat, ein Unternehmen oder eine soziale Klasse sein. Andererseits gibt es spezielle handlungsorientierte Kollektive, deren Angehörige als Gruppe, Team oder Mannschaft zweckmäßig und zielgerichtet in bestimmten Handlungsgemeinschaften kooperieren.
Der Begriff in der Soziologie
In der Soziologie wird zwischen unorganisierten und organisierten Kollektiven unterschieden.
Unorganisierte Kollektive
Die Bezeichnung Kollektiv benennt in der Soziologie nach Robert King Merton (1910–2003) u. a. allgemein eine Mehrzahl von Personen, die aufgrund eines Systems von gemeinsamen Normen, Wertvorstellungen und Handlungen Gefühle der Zusammengehörigkeit entwickeln.[1] Nach dieser Definition fallen Kollektive zum Beispiel nicht unter Begriffe wie Sozialkategorie, die Personen demographisch zuordnet, oder Milieugruppe, deren Mitglieder im Gegensatz zum Kollektiv aufgrund ihres gemeinsamen sozialen Status miteinander lose und indifferent interagieren. Vergleichbar definierte Ferdinand Tönnies(1855–1936) den Begriff Samtschaft für unbestimmte, unorganisierte soziale Kollektive und betonte das Merkmal des fehlenden organisatorischen Zusammenhalts. Gemeinsame Willensentscheidungen und gemeinsame Handlungen kommen laut Tönnies nur unter speziellen Voraussetzungen zustande.
Als abstrakte Kollektive bezeichnet Leopold von Wiese soziale Gebilde wie Glaubensgemeinschaften oder ganze Nationen, die aufgrund von „Dauerwerten“ einen „überpersönlichen Charakter“ erhalten.
Organisierte Kollektive
Als politisches Kollektiv wird ein soziales Gebilde mit gemeinsamen politischen Zielen bezeichnet, dessen Mitglieder sich freiwillig organisieren, im Wesentlichen nach den Grundsätzen der Gleichheit und Gleichberechtigung – oft nach dem Prinzip des Konsenses – Entscheidungen treffen und für deren praktische Umsetzung zusammenarbeiten.
Menschen, die in Arbeits- und Handlungssystemen gemeinschaftlich tätig sind, bilden Kollektive im Sinne spezieller Handlungsgemeinschaften, wobei die geleistete Arbeit gesellschaftliche Wirkung entfaltet. Auch zur kulturellen und sportlichen Betätigung organisieren sich Menschen in Kollektiven, um etwa als Ensemble, Team oder Mannschaft gemeinsam Erfolge zu erzielen.
An das Konzept der Räterepublik angelehnt, entwickelte Anton Semjonowitsch Makarenko (1888–1939) das Prinzip eines „kommunistischen Kollektivs“ in der Pädagogik.[2]
Der Begriff in der Kulturwissenschaft
Der in die Kulturwissenschaft eingeführte Begriff Kollektiv ist breiter und merkmalsoffener als jener der Soziologie. Unter Kollektiv wird jede Übereinstimmung oder Zusammenschau von Personen verstanden, die eine oder mehrere Gemeinsamkeiten aufweisen.
Der Kulturwissenschaftler Klaus P. Hansen legte 2009 in seinem Werk Kultur, Kollektiv, Nation theoretische Grundlagen für eine Kollektivwissenschaft und prägte darin unter anderem den Begriff der „Multikollektivität“.
Kollektive in Wirtschaft und Verwaltung
In der kollektiven Selbstverwaltung und einigen alternativen Modellen zur Ökonomie bezeichnet Kollektiv einen selbstverwalteten und weniger hierarchischen Betrieb oder ein entsprechendes Projekt. Seit Ende der 1970er-Jahre entstand in der Alternativbewegung in Westeuropa und Nordamerika eine Vielzahl dieser Kollektive, in denen oftmals die Entscheidungsstruktur und Vergütung auf ähnlichen Prinzipien beruht:
- Unter dem Konsensprinzip wird verstanden, dass die Entscheidungen in einem gemeinsamen Prozess stattfinden, dessen Ende zur Zufriedenheit aller Teilnehmenden führt.
- Prinzip der gegenseitigen Hilfe: „Gegenseitige Hilfe“ ist ein Begriff des russischen Anarchisten Peter Kropotkin, welches dem Konkurrenzprinzip gegenübersteht und auf Solidarität fußt. Die Tauschringe sind ein Beispiel für gegenseitige Hilfe.
- Solidarische Ökonomie und Gemeinwohl-Ökonomie verfolgen ähnliche Ziele
- Räte-Prinzip: Kollektive verstehen sich zueinander nicht als in Konkurrenz stehend, sondern streben eine Vernetzung an, die nach dem Prinzip der Rätedemokratie funktioniert, womit im Wesentlichen gemeint ist, dass keine Entscheidungsbefugnis „nach oben“ delegiert wird, sondern bei den Kollektiven zu bleiben habe.
Da in Deutschland viele Rechtsformen nicht explizit auf diese Kollektive und ihre Prinzipien zugeschnitten sind, entstehen oftmals rechtliche Probleme.[3]
Besondere Formen dieser Art von Kollektivität sind die Kommunen, in denen zudem noch gemeinsam gewohnt wird, was dann als zusätzliches Prinzip von dem gemeinsamen Leben und Arbeiten verstanden wird.
In den Ländern des Südens („Dritte Welt“) war die Kollektiv-Bewegung häufig Hoffnung einer Selbstbefreiung im Sinne einer politischen und gesellschaftlichen Emanzipation. Dabei konnte man in vielen Fällen an Formen der traditionellen – kollektiven – Ökonomie anknüpfen, wie im Fall der Ejidos in Ecuador oder der Ujamaa in Tansania.
Eine – als erfolgreich geltende – Form der Kollektive sind die Kibbuze in Israel. Hier wirken drei kollektiv-fördernde Faktoren zusammen:
- gemeinsame Religion oder religiöse Ideologie
- wirtschaftlicher Erfolg
- Bedrohung von außen (gemeinsamer äußerer Feind)
Das Kollektiv als Wirtschaftsform basiert auf der Vorstellung, dass Menschen nicht nur als homo oeconomicus handeln, sondern ihre Individualinteressen auch bewusst zugunsten gemeinsamer Interessen zurückstellen können.
Kollektive im Sozialismus
Ruhe und Ordnung – Schild eines Verkaufskollektives der DDR um 1960
In der DDR entsprach die Bezeichnung „Kollektiv“ ungefähr dem, was in der Bundesrepublik „Arbeitsgruppe“ wird. In den Volkseigenen Betrieben, den Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften und den Produktionsgenossenschaften des Handwerks wurde das Kollektiv als „Brigade“ bezeichnet.
In Verlautbarungen und Agitprop wurden auch große Kollektive „zitiert“, wie „die Arbeiterklasse“.[4]
Zur Propagierung des Kollektivs wurde auch bei spitzensportlichen Leistungen das Kollektiv (Trainer, Trainingsgruppe, Mannschaftsarzt, Physiotherapeut und andere) hervorgehoben.[5]
Kollektivbewusstsein
Kollektivbewusstsein (französisch conscience collective ou commune) ist ein soziologischer Begriff der Durkheim-Schule für die geistigen Eigenschaften und Werte einer Gesellschaft, die sich u. a. in Systemen wie Moral, Recht, Gewohnheiten, Sprache, Gewissen, Wissen äußern. Es ist die „Gesamtheit der Glaubensvorstellungen und Gefühle, die allen Mitgliedern derselben Gesellschaft gemeinsam sind“.[6] Allgemein ist auch die Rede von Volksseele, Kollektivseele, kollektiver Mentalität, Gruppenseele und anderen Gesamtheiten geistiger Eigenschaften eines sozialen Gebildes. Das Kollektivbewusstsein bringt die „Objektivität des sozialen Geschehens“ gegenüber den individuellen Motivationen der Menschen zum Ausdruck.[7] Die genannten, dem Kulturmenschen geläufigen geistigen Eigenschaften wurden in ähnlicher Weise auch von Lucien Lévy-Bruhl beschrieben, der sie mit den „mystischen Kollektivvorstellungen“ (représentations collectives) der Primitiven verglich (siehe auch participation mystique),[8] sowie von Carl Gustav Jung, der das Konzept eines kollektiven Unbewussten erarbeitete (vergleiche auch Archetyp (Psychologie)).
Nach Alfred Vierkandt bilden die Angelegenheiten einer sozialen Gruppe die kollektiven Bewusstseinsinhalte, die das kollektive Subjekt in Form des „Wir“ gegenüber dem individuellen „Ich“ formuliert.
Kritik
Das Modell der „Tragik der Allmende“ legt nahe, dass kollektives Eigentum zu einer erhöhten Ausbeutung der Ressourcen etwa durch Trittbrettfahrerverhalten der einzelnen Mitglieder führt. Dies ist jedoch umstritten (siehe Tragik der Anti-Allmende).
Kritiker der Bildung von „Kollektiven“ unterstellen, dass dabei das Bewusstsein des Einzelnen durch das Bewusstsein der Gruppe als Gesamtheit verdrängt werde (oder schärfer, dass das „Bewusstsein der Gruppe“ eine ideologische Fiktion zur Knutung des Einzelnen sei). An die Stelle der persönlichen Verantwortung trete die Verantwortlichkeit der Gruppe (siehe auch Kollektivismus und Soziologie).
Siehe auch
- Gemeinschaft
- kollektive Identität
- kollektive Intelligenz
- kollektive Biografie
- Kollektivsymbolik
- Kolchos
Literatur
- Gabriel Kuhn: Jenseits von Staat und Individuum. Individualität und autonome Politik. Unrast, Münster 2007, ISBN 978-3-89771-457-1.
- Klaus P. Hansen: Kultur, Kollektiv, Nation. Schriftenreihe der Forschungsstelle Grundlagen Kulturwissenschaft, Band 1. Karl Stutz, Passau 2009, ISBN 978-3-88849-181-8.
- Jörg Scheffer (Hrsg.): Wir, die oder alle? Kollektive als Mittler einer komplexen Kulturwirklichkeit (= Interculture Journal. Band 1). Tagungsband der Forschungsstelle Grundlagen Kulturwissenschaft. Passau, September 2009 (PDF: 1,4 MB, 88 Seiten auf interculture-journal.com).
Kollektive in der alternativen Ökonomie:
- Johannes Berger (Hrsg.): Selbstverwaltete Betriebe in der Marktwirtschaft. AJZ, Bielefeld 1986, ISBN 3-921680-60-3.
- Wolfgang Beywl: Betriebe in Selbstverwaltung: Eine empirische Untersuchung in Nordrhein-Westfalen. Verlag für Wissenschaftliche Publikationen, Darmstadt 1990.
- Jürgen Daviter, Volkmar Gessner, Armin Höland: Selbstverwaltungswirtschaft: Gegen Wirtschaft und Recht? AJZ, Bielefeld 1987.
- Ulrich Burnautzki u. a.: Unter Geiern: Ein Leitfaden für die Arbeit in selbstverwalteten Projekten. Stattbuch, Berlin 1984.
- Arbeitsgruppe Projektberatung (Hrsg.): Der Schatz im Silbersee: Ein Finanzierungsleitfaden für selbstverwaltete Betriebe und Projekte. Stattbuch, Berlin 1984.
- Roland Spliesgart: Landwirtschaftliche Kollektive als Alternative? Eine Fallstudie in Landreformsiedlungen in Brasilien. Lit, Münster/ Hamburg 1995.
Weblinks
- kollektivliste.org – Offizielle Webseite zur bundesweiten Vernetzung
Einzelnachweise