„Ethik“ – Versionsunterschied
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[[eth]][[-ik]] <abbr>f.</abbr> ‘philosophische Lehre vom Sittlichen, vom moralischen Bewußtsein und Verhalten der Menschen’, | [[eth]][[-ik]] <abbr>f.</abbr> ‘philosophische Lehre vom Sittlichen, vom moralischen Bewußtsein und Verhalten der Menschen’, | ||
{{Anm. KF}} [[eigtl.]] [[agrie.]] [[ēthikḗ]] [[téchnē]] '''[[ethisch|ethische]] [[Kunst]]', "''[[Ethikkunst]], [[Sittenkunst]]"; | |||
* Entlehnung des 16. Jhs. von <abbr>lat.</abbr> ''[[ēthica]]'' f., ''ēthicē'' f. ‘Moralphilosophie’ | * Entlehnung des 16. Jhs. von <abbr>lat.</abbr> ''[[ēthica]]'' f., ''ēthicē'' f. ‘Moralphilosophie’ | ||
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== Ethik == | == Ethik == | ||
Die '''Ethik''' ist jener Teilbereich der Philosophie, der sich mit den Voraussetzungen und der Bewertung menschlichen Handelns befasst. Ihr Gegenstand ist damit die [[Moral]] insbesondere hinsichtlich ihrer Begründbarkeit und [[Reflexion (Philosophie)|Reflexion]]. [https://de.wikipedia.org/wiki/Cicero Cicero] übersetzte als erster ''[[ēthikḗ téchnē]]'' (''die ethische Kunst'') in den seinerzeit neuen Begriff ''philosophia moralis'' (''Philosophie der Sitten'').<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ethik#cite_note-1 [1]]</sup> In seiner Tradition wird die Ethik auch heute noch als '''Moralphilosophie''' bezeichnet.<sup id="cite_ref-2" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ethik#cite_note-2 [2]]</sup> | |||
<p>Die Ethik und ihre benachbarten Disziplinen (z. B. [ | <p>Die Ethik und ihre benachbarten Disziplinen (z. B. [[Rechtsphilosophie|Rechts-]], [[Staatsphilosophie|Staats-]] und [[Sozialphilosophie]]) werden auch als „[[Philosophie#Praktische Philosophie|praktische Philosophie]]“ zusammengefasst, da sie sich mit dem menschlichen [[Handeln]] befasst. Im Gegensatz dazu steht die „[https://de.wikipedia.org/wiki/Theoretische_Philosophie theoretische Philosophie]“, zu der als klassische Disziplinen die [[Logik]], die [[Erkenntnistheorie]] und die [[Metaphysik]] gezählt werden.</p> | ||
<p>Ihr entsprechen in der Religionswissenschaft die religionsgeschichtliche Erforschung der Sittlichkeit (Moral) sowie vor allem die [https://de.wikipedia.org/wiki/Moraltheologie kath. Moraltheologie] und die ev. [https://de.wikipedia.org/wiki/Theologische_Ethik theologische Ethik],<sup id="cite_ref-3" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ethik#cite_note-3 [3]]</sup> die wiederum Teilgebiete der christlichen [https://de.wikipedia.org/wiki/Systematische_Theologie systematischen Theologie] sind.</p> | <p>Ihr entsprechen in der Religionswissenschaft die religionsgeschichtliche Erforschung der Sittlichkeit (Moral) sowie vor allem die [https://de.wikipedia.org/wiki/Moraltheologie kath. Moraltheologie] und die ev. [https://de.wikipedia.org/wiki/Theologische_Ethik theologische Ethik],<sup id="cite_ref-3" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ethik#cite_note-3 [3]]</sup> die wiederum Teilgebiete der christlichen [https://de.wikipedia.org/wiki/Systematische_Theologie systematischen Theologie] sind.</p> | ||
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== <span id="Ursprung">Ursprung</span> == | == <span id="Ursprung">Ursprung</span> == | ||
<span><span class="hauptartikel-pfeil" title="siehe" role="presentation" aria-hidden="true">→ </span>''<span class="hauptartikel-text">Hauptartikel</span>:''</span>[https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Ethik Geschichte der Ethik] | <span><span class="hauptartikel-pfeil" title="siehe" role="presentation" aria-hidden="true">→ </span>''<span class="hauptartikel-text">Hauptartikel</span>:''</span>[https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Ethik Geschichte der Ethik] | ||
[[Datei:150px-Aristoteles_Louvre.jpg|verweis=https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Aristoteles_Louvre.jpg|mini| | [[Datei:150px-Aristoteles_Louvre.jpg|verweis=https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Aristoteles_Louvre.jpg|mini|119x119px|[https://de.wikipedia.org/wiki/Aristoteles Aristoteles] begründete die Ethik als eigenständige philosophische Disziplin.]] | ||
Bereits die [https://de.wikipedia.org/wiki/Sophisten Sophisten] (im 5. bis 4. Jahrhundert v. Chr.) vertraten die Auffassung, es sei für ein Vernunftwesen wie den Menschen unangemessen, wenn dessen Handeln ausschließlich von Konventionen und Traditionen geleitet wird. Im Zuge der [https://de.wikipedia.org/wiki/Sokratische_Wende sokratischen Wende] rückte [https://de.wikipedia.org/wiki/Sokrates Sokrates] (5. Jahrhundert v. Chr.) die Ethik ins Zentrum des philosophischen Denkens. ''Ethik'' als Bezeichnung für eine philosophische Disziplin geht auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Aristoteles Aristoteles] (4. Jahrhundert v. Chr.) zurück, der damit die wissenschaftliche Beschäftigung mit Gewohnheiten, Sitten und Gebräuchen (''ethos'') meinte. Er war der Überzeugung, menschliche Praxis sei grundsätzlich einer vernünftigen und theoretisch fundierten Reflexion zugänglich. Ethik war somit für Aristoteles eine philosophische Disziplin, die den gesamten Bereich menschlichen Handelns zum Gegenstand hat und diesen Gegenstand mit philosophischen Mitteln einer normativen Beurteilung unterzieht und zur praktischen Umsetzung der auf diese Weise gewonnenen Erkenntnisse anleitet. | Bereits die [https://de.wikipedia.org/wiki/Sophisten Sophisten] (im 5. bis 4. Jahrhundert v. Chr.) vertraten die Auffassung, es sei für ein Vernunftwesen wie den Menschen unangemessen, wenn dessen Handeln ausschließlich von Konventionen und Traditionen geleitet wird. Im Zuge der [https://de.wikipedia.org/wiki/Sokratische_Wende sokratischen Wende] rückte [https://de.wikipedia.org/wiki/Sokrates Sokrates] (5. Jahrhundert v. Chr.) die Ethik ins Zentrum des philosophischen Denkens. ''Ethik'' als Bezeichnung für eine philosophische Disziplin geht auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Aristoteles Aristoteles] (4. Jahrhundert v. Chr.) zurück, der damit die wissenschaftliche Beschäftigung mit Gewohnheiten, Sitten und Gebräuchen (''ethos'') meinte. Er war der Überzeugung, menschliche Praxis sei grundsätzlich einer vernünftigen und theoretisch fundierten Reflexion zugänglich. Ethik war somit für Aristoteles eine philosophische Disziplin, die den gesamten Bereich menschlichen Handelns zum Gegenstand hat und diesen Gegenstand mit philosophischen Mitteln einer normativen Beurteilung unterzieht und zur praktischen Umsetzung der auf diese Weise gewonnenen Erkenntnisse anleitet. | ||
== <span id="Ziele_und_Fragestellungen">Ziele und Fragestellungen</span> == | == <span id="Ziele_und_Fragestellungen">Ziele und Fragestellungen</span> == | ||
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==== <span id="Wissen_und_Willen">Wissen und Willen</span> ==== | ==== <span id="Wissen_und_Willen">Wissen und Willen</span> ==== | ||
[[ | [[Datei:220px-Immanuel_Kant_(portrait).jpg|verweis=https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Immanuel_Kant_(portrait).jpg|mini|160x160px|Kant versuchte eine rein formale Begründung der Ethik]] | ||
Eine Handlung ist dann ''freiwillig'', wenn sie mit Wissen und Willen durchgeführt wird. | |||
<p>Die Unwissenheit kann dabei allerdings nur dann die Freiwilligkeit einer Handlung aufheben, wenn die handelnde Person sich nach besten Kräften vorher informiert hat, und sie mit dem ihr fehlenden ''Wissen''anders gehandelt hätte. War dem Handelnden eine Kenntnis der Norm oder der Folgen zuzumuten, ist er für ihre Übertretung verantwortlich (''ignorantia crassa'' oder ''supina''). Noch weniger entschuldigt jene Unkenntnis, die absichtlich zum Vermeiden eines Konflikts mit der Norm herbeigeführt wurde ''(ignorantia affectata),'' wenn also z. B. bewusst vermieden wird, sich über ein Gesetz zu informieren, um sagen zu können, man hätte von einem bestimmten [https://de.wikipedia.org/wiki/Verbot Verbot] nicht gewusst. Das Sprichwort sagt zu Recht: „[https://de.wikipedia.org/wiki/Unwissenheit_sch%C3%BCtzt_vor_Strafe_nicht Unwissenheit schützt vor Strafe nicht]“. Auch im deutschen Strafrecht wird diesem Sachverhalt Rechnung getragen. So heißt es z. B. in § 17 [https://de.wikipedia.org/wiki/Strafgesetzbuch_(Deutschland) StGB]:<sup id="cite_ref-9" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ethik#cite_note-9 [9]]</sup></p> | <p>Die Unwissenheit kann dabei allerdings nur dann die Freiwilligkeit einer Handlung aufheben, wenn die handelnde Person sich nach besten Kräften vorher informiert hat, und sie mit dem ihr fehlenden ''Wissen''anders gehandelt hätte. War dem Handelnden eine Kenntnis der Norm oder der Folgen zuzumuten, ist er für ihre Übertretung verantwortlich (''ignorantia crassa'' oder ''supina''). Noch weniger entschuldigt jene Unkenntnis, die absichtlich zum Vermeiden eines Konflikts mit der Norm herbeigeführt wurde ''(ignorantia affectata),'' wenn also z. B. bewusst vermieden wird, sich über ein Gesetz zu informieren, um sagen zu können, man hätte von einem bestimmten [https://de.wikipedia.org/wiki/Verbot Verbot] nicht gewusst. Das Sprichwort sagt zu Recht: „[https://de.wikipedia.org/wiki/Unwissenheit_sch%C3%BCtzt_vor_Strafe_nicht Unwissenheit schützt vor Strafe nicht]“. Auch im deutschen Strafrecht wird diesem Sachverhalt Rechnung getragen. So heißt es z. B. in § 17 [https://de.wikipedia.org/wiki/Strafgesetzbuch_(Deutschland) StGB]:<sup id="cite_ref-9" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ethik#cite_note-9 [9]]</sup></p> | ||
<blockquote><p>„Fehlt dem Täter bei Begehung der Tat die Einsicht, Unrecht zu tun, so handelt er ohne Schuld, wenn er diesen Irrtum nicht vermeiden konnte. Konnte der Täter den Irrtum vermeiden, so kann die Strafe nach § 49 Abs. 1 gemildert werden.“</p></blockquote> | <blockquote><p>„Fehlt dem Täter bei Begehung der Tat die Einsicht, Unrecht zu tun, so handelt er ohne Schuld, wenn er diesen Irrtum nicht vermeiden konnte. Konnte der Täter den Irrtum vermeiden, so kann die Strafe nach § 49 Abs. 1 gemildert werden.“</p></blockquote> | ||
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<p>Die Ethik ist häufig nur in der Lage, Aussagen zu den ersten beiden Ebenen zu machen. Die Übertragung von praktischen Grundsätzen auf eine konkrete Situation, erfordert das [https://de.wikipedia.org/wiki/Verm%C3%B6gen_(F%C3%A4higkeit) Vermögen] der praktischen Urteilskraft. Nur mit seiner Hilfe können eventuell auftretende Zielkonflikte gelöst und die voraussichtlichen Folgen von Entscheidungen abgeschätzt werden.</p> | <p>Die Ethik ist häufig nur in der Lage, Aussagen zu den ersten beiden Ebenen zu machen. Die Übertragung von praktischen Grundsätzen auf eine konkrete Situation, erfordert das [https://de.wikipedia.org/wiki/Verm%C3%B6gen_(F%C3%A4higkeit) Vermögen] der praktischen Urteilskraft. Nur mit seiner Hilfe können eventuell auftretende Zielkonflikte gelöst und die voraussichtlichen Folgen von Entscheidungen abgeschätzt werden.</p> | ||
==== <span id="Handlungsfolgen">Handlungsfolgen</span> ==== | ==== <span id="Handlungsfolgen">Handlungsfolgen</span> ==== | ||
[[Datei:Handlung.svg|mini|384x384px|Komponenten einer Handlung]] | |||
Wesentlich für die ethische Bewertung von Handlungen sind die mit ihnen verbundenen Folgen. Diese werden unterschieden in motivierende und in Kauf genommene Folgen. Motivierende Folgen sind solche, um derentwillen eine Handlung ausgeführt wird. Sie werden vom Handelnden unmittelbar angezielt („Voluntarium in se“).<p>In Kauf genommene Folgen („Voluntarium in causa“) werden zwar nicht unmittelbar angezielt, aber als Nebenwirkung der motivierenden Folgen vorausgesehen und bewusst zugelassen ([https://de.wikipedia.org/wiki/Prinzip_der_Doppelwirkung Prinzip der Doppelwirkung]). So unterliegt beispielsweise bewusste Fahrlässigkeit als bedingter Vorsatz (dolus eventualis) der ethischen und rechtlichen Verantwortung: Volltrunkenheit entschuldigt nicht bei einem Verkehrsunfall.</p> | |||
==== <span id="Tun_und_Unterlassen">Tun und Unterlassen</span> ==== | ==== <span id="Tun_und_Unterlassen">Tun und Unterlassen</span> ==== | ||
<p>Bereits [https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_von_Aquin Thomas von Aquin]<sup id="cite_ref-11" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ethik#cite_note-11 [11]]</sup> unterscheidet eine zweifache Kausalität des Willens: die „direkte“ Einwirkung des Willens, in der durch den Willensakt ein bestimmtes Ereignis hervorgerufen wird, und die „indirekte“, in der ein Ereignis dadurch eintritt, dass der Wille untätig bleibt. Tun und Unterlassen unterscheiden sich hierbei nicht hinsichtlich ihrer Freiwilligkeit. Beim Unterlassen verzichtet jemand auf das Eingreifen in einen Prozess, obwohl er die Möglichkeit dazu hätte. Auch das Unterlassen kann daher als Handlung aufgefasst werden und strafbar sein.</p><p>Die strikte Unterscheidung zwischen diesen beiden Handlungsformen, die z. B. in der medizinischen Ethik eine große Rolle spielt (vgl. aktive und passive [https://de.wikipedia.org/wiki/Sterbehilfe Sterbehilfe] etc.), erscheint daher vom ethischen Standpunkt aus gesehen als teilweise fragwürdig.</p> | <p>Bereits [https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_von_Aquin Thomas von Aquin]<sup id="cite_ref-11" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ethik#cite_note-11 [11]]</sup> unterscheidet eine zweifache Kausalität des Willens: die „direkte“ Einwirkung des Willens, in der durch den Willensakt ein bestimmtes Ereignis hervorgerufen wird, und die „indirekte“, in der ein Ereignis dadurch eintritt, dass der Wille untätig bleibt. Tun und Unterlassen unterscheiden sich hierbei nicht hinsichtlich ihrer Freiwilligkeit. Beim Unterlassen verzichtet jemand auf das Eingreifen in einen Prozess, obwohl er die Möglichkeit dazu hätte. Auch das Unterlassen kann daher als Handlung aufgefasst werden und strafbar sein.</p><p>Die strikte Unterscheidung zwischen diesen beiden Handlungsformen, die z. B. in der medizinischen Ethik eine große Rolle spielt (vgl. aktive und passive [https://de.wikipedia.org/wiki/Sterbehilfe Sterbehilfe] etc.), erscheint daher vom ethischen Standpunkt aus gesehen als teilweise fragwürdig.</p> | ||
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<span></span><div class="hauptartikel" role="navigation"><span class="hauptartikel-pfeil" title="siehe" role="presentation" aria-hidden="true">→ </span>''<span class="hauptartikel-text">Hauptartikel</span>: [https://de.wikipedia.org/wiki/Teleologie Teleologie]''</div><p>Im Mittelpunkt teleologischer Ethiken steht die Frage, was ich mit meiner Handlung letztlich bezwecke, welches Ziel ich mit ihr verfolge. Der Begriff „Ziel“ (finis, telos;) ist hier insbesondere als „letztes Ziel“ oder „Endziel“ zu verstehen, von dem all mein Handeln bestimmt wird.</p> | <span></span><div class="hauptartikel" role="navigation"><span class="hauptartikel-pfeil" title="siehe" role="presentation" aria-hidden="true">→ </span>''<span class="hauptartikel-text">Hauptartikel</span>: [https://de.wikipedia.org/wiki/Teleologie Teleologie]''</div><p>Im Mittelpunkt teleologischer Ethiken steht die Frage, was ich mit meiner Handlung letztlich bezwecke, welches Ziel ich mit ihr verfolge. Der Begriff „Ziel“ (finis, telos;) ist hier insbesondere als „letztes Ziel“ oder „Endziel“ zu verstehen, von dem all mein Handeln bestimmt wird.</p> | ||
==== <span id="Glück_als_letztes_Ziel">Glück als letztes Ziel</span> ==== | ==== <span id="Glück_als_letztes_Ziel">Glück als letztes Ziel</span> ==== | ||
[[Datei:Angelo Bronzino - Allegorie Des Glücks.jpg|mini|328x328px|Das Glück als letztes Ziel des menschlichen Lebens –[https://de.wikipedia.org/wiki/Allegorie Allegorie] von [https://de.wikipedia.org/wiki/Angelo_Bronzino Angelo Bronzino]]] | |||
In der Tradition wird als letztes Ziel des Menschen häufig das [https://de.wikipedia.org/wiki/Gl%C3%BCck Glück] oder die Glückseligkeit (beatitudo) genannt. Der Ausdruck „Glück“ wird dabei in einem mehrdeutigen Sinne gebraucht: | |||
Das Glück als letztes Ziel des menschlichen Lebens –[https://de.wikipedia.org/wiki/Allegorie Allegorie] | |||
von[https://de.wikipedia.org/wiki/Angelo_Bronzino Angelo Bronzino] | |||
*zur Bezeichnung eines gelungenen und guten Lebens, dem nichts Wesentliches fehlt („Lebensglück“, ''eudaimonia'') | *zur Bezeichnung eines gelungenen und guten Lebens, dem nichts Wesentliches fehlt („Lebensglück“, ''eudaimonia'') | ||
*zur Bezeichnung günstiger Lebensumstände („Zufallsglück“, ''eutychia'') | *zur Bezeichnung günstiger Lebensumstände („Zufallsglück“, ''eutychia'') | ||
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<p>Im Vergleich zum Begriff des Guten kommt dem Wertbegriff allerdings eine stärkere gesellschaftliche Bedingtheit zu. So spricht man von einem „Wertewandel“, wenn man ausdrücken will, dass sich bestimmte, in einer Gesellschaft allgemein akzeptierte [https://de.wikipedia.org/wiki/Handlungsnorm Handlungsnormen] im Verlauf der Geschichte verändert haben. Damit meint man aber in der Regel nicht, dass das, was früher für gut gehalten wurde, nun „tatsächlich“ nicht mehr gut sei, sondern nur, dass sich das allgemeine Urteil darüber geändert habe.</p> | <p>Im Vergleich zum Begriff des Guten kommt dem Wertbegriff allerdings eine stärkere gesellschaftliche Bedingtheit zu. So spricht man von einem „Wertewandel“, wenn man ausdrücken will, dass sich bestimmte, in einer Gesellschaft allgemein akzeptierte [https://de.wikipedia.org/wiki/Handlungsnorm Handlungsnormen] im Verlauf der Geschichte verändert haben. Damit meint man aber in der Regel nicht, dass das, was früher für gut gehalten wurde, nun „tatsächlich“ nicht mehr gut sei, sondern nur, dass sich das allgemeine Urteil darüber geändert habe.</p> | ||
=== <span id="Tugend">Tugend</span> === | === <span id="Tugend">Tugend</span> === | ||
<div class="hauptartikel" role="navigation"><span class="hauptartikel-pfeil" title="siehe" role="presentation" aria-hidden="true">→ </span>''<span class="hauptartikel-text">Hauptartikel</span>: | <div class="hauptartikel" role="navigation"><span class="hauptartikel-pfeil" title="siehe" role="presentation" aria-hidden="true">→ </span>''<span class="hauptartikel-text">Hauptartikel</span>: [[Tugend]]''<br>Die richtige Abwägung ethischer Güter und ihre Durchsetzung setzt Tugend voraus. In ihrer klassischen Definition formuliert sie Aristoteles als ''jene feste Grundhaltung, von der aus [der Handelnde] tüchtig wird und die ihm eigentümliche Leistung in vollkommener Weise zustande bringt'' (NE 1106a).<sup id="cite_ref-NE_13-0" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ethik#cite_note-NE-13 [13]]</sup>[[Datei:220px-Raffael_054.jpg|verweis=https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Raffael_054.jpg|mini|220x220px|''<nowiki/>'<nowiki/>'''Allegorie der Tugend von [https://de.wikipedia.org/wiki/Raffael Raffael] in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Stanza_della_Segnatura Stanza della Segnatura] des [https://de.wikipedia.org/wiki/Apostolischer_Palast Vatikan]''''']]<p>'''Die Leistung der ethischen Tugenden besteht vor allem darin, im Menschen eine Einheit von sinnlichem Strebevermögen und sittlicher Erkenntnis zu bewirken. Ein Mensch gilt erst dann als „gut“, wenn er zur inneren Einheit mit sich selbst gekommen ist und das als richtig Erkannte auch affektiv voll bejaht. Dies ist nach Aristoteles nur durch eine Integration der Gefühle durch die ethischen Tugenden möglich. Ungeordnete Gefühle verfälschen das sittliche Urteil. Das Ziel der Einheit von Vernunft und Gefühl führt über eine bloße Ethik der richtigen Entscheidung hinaus. Es kommt nicht nur darauf an, was wir tun, sondern auch wer wir sind.'''</p><p>'''Tugend setzt neben Erkenntnis eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Gew%C3%B6hnung Gewöhnung] voraus, die durch Erziehung und soziale Praxis erreicht wird. Wir werden gerecht, mutig etc., indem wir uns in Situationen begeben, wo wir uns entsprechend verhalten können. Die wichtigste Rolle kommt dabei der Tugend der [https://de.wikipedia.org/wiki/Klugheit Klugheit] (phronesis) zu. Ihr obliegt es, die rechte „Mitte“ zwischen den Extremen zu finden und sich für die optimale Lösung in der konkreten Situation zu entscheiden.'''</p> | ||
=== <span id="Sollen">Sollen</span> === | === <span id="Sollen">Sollen</span> === | ||
<p>Der Begriff „sollen“ ist ein Grundbegriff deontologischer Ethikansätze. Er bezieht sich – als Imperativ – auf eine Handlung, mit der ein bestimmtes Ziel erreicht werden soll. Dabei müssen folgende Bedingungen erfüllt sein:</p> | <p>Der Begriff „sollen“ ist ein Grundbegriff deontologischer Ethikansätze. Er bezieht sich – als Imperativ – auf eine Handlung, mit der ein bestimmtes Ziel erreicht werden soll. Dabei müssen folgende Bedingungen erfüllt sein:</p> | ||
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<p>Die Begriffe „gut“ und „gesollt“ sind zwar eng miteinander verwandt aber nicht deckungsgleich. So können wir in Situationen stehen, in denen wir nur zwischen schlechten Alternativen wählen können. Hier ist es gesollt, dass wir uns für das „geringere Übel“ entscheiden. Umgekehrt ist nicht alles Gute auch gesollt. Das kann z. B. der Fall sein, wenn das Erreichen eines Gutes ein anderes Gut ausschließt. Hier muss eine [https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BCterabw%C3%A4gung Güterabwägung] erfolgen, die zum Verzicht eines Gutes führt.</p> | <p>Die Begriffe „gut“ und „gesollt“ sind zwar eng miteinander verwandt aber nicht deckungsgleich. So können wir in Situationen stehen, in denen wir nur zwischen schlechten Alternativen wählen können. Hier ist es gesollt, dass wir uns für das „geringere Übel“ entscheiden. Umgekehrt ist nicht alles Gute auch gesollt. Das kann z. B. der Fall sein, wenn das Erreichen eines Gutes ein anderes Gut ausschließt. Hier muss eine [https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BCterabw%C3%A4gung Güterabwägung] erfolgen, die zum Verzicht eines Gutes führt.</p> | ||
=== <span id="Gerechtigkeit">Gerechtigkeit</span> === | === <span id="Gerechtigkeit">Gerechtigkeit</span> === | ||
<div class="hauptartikel" role="navigation"><span class="hauptartikel-pfeil" title="siehe" role="presentation" aria-hidden="true">→ </span>''<span class="hauptartikel-text">Hauptartikel</span>: [https://de.wikipedia.org/wiki/Gerechtigkeit Gerechtigkeit]''</div>[[Datei:220px-Raffael_053.jpg|verweis=https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Raffael_053.jpg|mini|220x220px|Darstellung der [https://de.wikipedia.org/wiki/Justitia Justitia] von Raffael]]<p>Der Begriff der [https://de.wikipedia.org/wiki/Gerechtigkeit Gerechtigkeit] ist seit der intensiven Diskussion um die „Theorie der Gerechtigkeit“ von [https://de.wikipedia.org/wiki/John_Rawls John Rawls] und vor allem seit der aktuellen politischen Debatte um die Aufgaben des Sozialstaates (Betonung der [https://de.wikipedia.org/wiki/Chancengerechtigkeit Chancen-] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Leistungsgerechtigkeit Leistungsgerechtigkeit] gegenüber der Verteilungsgerechtigkeit) wieder stark ins Blickfeld geraten.</p><p>„Gerecht“ wird – wie der Begriff „gut“ – in vielerlei Bedeutungen gebraucht. Es werden Handlungen, Haltungen, Personen, Verhältnisse, politische Institutionen und zuweilen auch Affekte (der „gerechte Zorn“) als gerecht bezeichnet. Grundsätzlich kann zwischen einem „subjektiven“ und einem „objektiven“ Gebrauch unterschieden werden, wobei beide Varianten aufeinander bezogen sind.</p><p>Die ''subjektive'' oder besser personale ''Gerechtigkeit'' bezieht sich auf das Verhalten oder die ethische Grundhaltung einer Einzelperson. Eine Person kann gerecht handeln ohne gerecht zu sein und umgekehrt. Damit im Zusammenhang steht die kantische Unterscheidung zwischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Legalit%C3%A4t Legalität] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Moral Moralität]. Legale Handlungen befinden sind nach außen hin betrachtet in Übereinstimmung mit dem Sittengesetz, geschehen aber nicht ausschließlich aufgrund moralischer Beweggründe, sondern z. B. auch aus Angst, Opportunismus etc. Bei moralischen Handlungen dagegen stimmen Handlung und Motiv miteinander überein. In diesem Sinne wird Gerechtigkeit als eine der vier ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Kardinaltugend Kardinaltugenden]'' bezeichnet.</p><p>Die ''objektive'' oder institutionelle ''Gerechtigkeit'' bezieht sich auf die Bereiche Recht und Staat. Hier geht es immer um Pflichten innerhalb einer Gemeinschaft, die das Gleichheitsprinzip berühren. Es ist grundsätzlich zu unterscheiden zwischen der ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Ausgleichende_Gerechtigkeit ausgleichenden Gerechtigkeit]'' (iustitita commutativa) und ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Verteilungsgerechtigkeit Verteilungsgerechtigkeit]'' (iustitita distributiva). Bei der ausgleichenden Gerechtigkeit tritt der Wert einer Ware oder Leistung in den Vordergrund. Bei der Verteilungsgerechtigkeit geht es um den Wert der beteiligten Personen.</p><p>Die Gerechtigkeit der Einzelpersonen und der Institutionen sind in einem engen Zusammenhang zueinander zu sehen. Ohne gerechte Bürger werden keine gerechten Institutionen geschaffen oder aufrechterhalten werden können. Ungerechte Institutionen erschweren andererseits die Entfaltung der Individualtugend der Gerechtigkeit.</p><p>Das Anliegen der Ethik beschränkt sich nicht auf das Thema „Gerechtigkeit“. Zu den Tugenden gehören noch diejenigen, die man vor allem sich selbst gegenüber hat (Klugheit, [https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%A4%C3%9Figung Mäßigung], [https://de.wikipedia.org/wiki/Tapferkeit Tapferkeit]). Zu den ethischen Pflichten gegenüber anderen zählt noch die Pflicht des ''Wohltun''s (beneficientia), die über die Gerechtigkeit hinausgeht und ihre Wurzel letztlich in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Liebe Liebe] hat. Während der Gerechtigkeit das Gleichheitsprinzip zugrunde liegt, ist dies beim Wohltun die Notlage oder Bedürftigkeit des anderen. Diese Unterscheidung entspricht der zwischen „iustitia“ und „[https://de.wikipedia.org/wiki/Barmherzigkeit caritas]“ (Thomas von Aquin), Rechts- und Tugendpflichten (Kant) bzw. in der Gegenwart der zwischen „duties of justice“ und „duties of charity“ ([https://de.wikipedia.org/wiki/Philippa_Foot Philippa Foot]).</p> | |||
== <span id="Ethische_Theorien">Ethische Theorien</span> == | == <span id="Ethische_Theorien">Ethische Theorien</span> == | ||
<p>Klassen ethischer oder moralphilosophischer Theorien lassen sich danach unterscheiden, welche Kriterien sie für die Bestimmung des moralisch Guten zugrunde legen. Das moralisch Gute kann bestimmt werden durch:</p> | <p>Klassen ethischer oder moralphilosophischer Theorien lassen sich danach unterscheiden, welche Kriterien sie für die Bestimmung des moralisch Guten zugrunde legen. Das moralisch Gute kann bestimmt werden durch:</p> | ||
*die Folgen ([https://de.wikipedia.org/wiki/Teleologische_Ethik Teleologische Ethiken], [https://de.wikipedia.org/wiki/Konsequentialismus Konsequentialismus]); | *die Folgen ([https://de.wikipedia.org/wiki/Teleologische_Ethik Teleologische Ethiken], [https://de.wikipedia.org/wiki/Konsequentialismus Konsequentialismus]); | ||
*die [https://de.wikipedia.org/wiki/Einstellung_(Psychologie) Verhaltensdispositionen], Charaktereigenschaften und „Tugenden“ ([https://de.wikipedia.org/wiki/Tugendethik Tugendethiken]); | *die [https://de.wikipedia.org/wiki/Einstellung_(Psychologie) Verhaltensdispositionen], Charaktereigenschaften und „Tugenden“ ([https://de.wikipedia.org/wiki/Tugendethik Tugendethiken]); | ||
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<p>Wenn man fragt, warum Individuum A eine bestimmte Handlungsnorm N befolgen soll, so gibt es zwei Arten von Antworten.</p><p>Die eine Art von Antworten bezieht sich auf ''eine Institution oder ein Verfahren, wodurch die Norm gesetzt wurde''. Beispiele hierfür sind:</p><p>A soll N befolgen, weil …</p> | <p>Wenn man fragt, warum Individuum A eine bestimmte Handlungsnorm N befolgen soll, so gibt es zwei Arten von Antworten.</p><p>Die eine Art von Antworten bezieht sich auf ''eine Institution oder ein Verfahren, wodurch die Norm gesetzt wurde''. Beispiele hierfür sind:</p><p>A soll N befolgen, weil …</p> | ||
*… A dies versprochen hat, | *… A dies versprochen hat, | ||
*… der Verstorbene dies in seinem Testament so festgelegt hat, | *… der Verstorbene dies in seinem Testament so festgelegt hat, | ||
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<p>Die andere Art von Antworten bezieht sich auf ''die inhaltliche Beschaffenheit der Norm''. Beispiele für diese Art von Antworten sind:</p><p>A soll N befolgen, weil …</p> | <p>Die andere Art von Antworten bezieht sich auf ''die inhaltliche Beschaffenheit der Norm''. Beispiele für diese Art von Antworten sind:</p><p>A soll N befolgen, weil …</p> | ||
*… N gerecht ist, | *… N gerecht ist, | ||
*… N für alle das Beste ist, | *… N für alle das Beste ist, | ||
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<p>Erkenntnisse der [https://de.wikipedia.org/wiki/Evolution%C3%A4re_Spieltheorie Evolutionären Spieltheorie]<sup id="cite_ref-28" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ethik#cite_note-28 [28]]</sup> lassen Rückschlüsse darauf zu, dass das Durchsetzungsproblem durch Selbstdurchdringung gelöst werden kann. Diese Auffassung vertraten zuerst Vertreter der [https://de.wikipedia.org/wiki/Neue_Institutionen%C3%B6konomik Neuen Institutionenökonomik]. So wiesen Eirik Furubotn und [https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Richter_(Wirtschaftswissenschaftler) Rudolf Richter] darauf hin, dass der Aufbau einer Reputation eine dominate Spielstrategie sein kann.<sup id="cite_ref-29" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ethik#cite_note-29 [29]]</sup></p> | <p>Erkenntnisse der [https://de.wikipedia.org/wiki/Evolution%C3%A4re_Spieltheorie Evolutionären Spieltheorie]<sup id="cite_ref-28" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ethik#cite_note-28 [28]]</sup> lassen Rückschlüsse darauf zu, dass das Durchsetzungsproblem durch Selbstdurchdringung gelöst werden kann. Diese Auffassung vertraten zuerst Vertreter der [https://de.wikipedia.org/wiki/Neue_Institutionen%C3%B6konomik Neuen Institutionenökonomik]. So wiesen Eirik Furubotn und [https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Richter_(Wirtschaftswissenschaftler) Rudolf Richter] darauf hin, dass der Aufbau einer Reputation eine dominate Spielstrategie sein kann.<sup id="cite_ref-29" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ethik#cite_note-29 [29]]</sup></p> | ||
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*[https://de.wikipedia.org/wiki/Arno_Anzenbacher Arno Anzenbacher]: ''Einführung in die Ethik.'' 3. Auflage. Patmos, Düsseldorf 2003, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3491690285 ISBN 3-491-69028-5] (gut lesbare Einführung) | *[https://de.wikipedia.org/wiki/Arno_Anzenbacher Arno Anzenbacher]: ''Einführung in die Ethik.'' 3. Auflage. Patmos, Düsseldorf 2003, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3491690285 ISBN 3-491-69028-5] (gut lesbare Einführung) | ||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Dieter_Birnbacher Dieter Birnbacher]: ''Analytische Einführung in die Ethik.'' De Gruyter, Berlin u. a. 2003, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3110176254 ISBN 3-11-017625-4] (systematische Darstellung der normativen Ethik aus Sicht eines [https://de.wikipedia.org/wiki/Analytische_Philosophie analytischen Philosophen]; moderne Ansätze stehen im Vordergrund) | *[https://de.wikipedia.org/wiki/Dieter_Birnbacher Dieter Birnbacher]: ''Analytische Einführung in die Ethik.'' De Gruyter, Berlin u. a. 2003, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3110176254 ISBN 3-11-017625-4] (systematische Darstellung der normativen Ethik aus Sicht eines [https://de.wikipedia.org/wiki/Analytische_Philosophie analytischen Philosophen]; moderne Ansätze stehen im Vordergrund) | ||
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;Gesamtdarstellungen | ;Gesamtdarstellungen | ||
*Marcus Düwell, Christoph Hübenthal, [https://de.wikipedia.org/wiki/Micha_Werner Micha H. Werner] (Hrsg.): ''Handbuch Ethik.'' 2. akt. Auflage. Metzler, Stuttgart u. a. 2006, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3476021246 ISBN 3-476-02124-6] (derzeit das Standardhandbuch zur Ethik; enthält einen historischen und einen begrifflichen Teil; breite Berücksichtigung der aktuellen Diskussion; zum Teil sehr anspruchsvoll) | *Marcus Düwell, Christoph Hübenthal, [https://de.wikipedia.org/wiki/Micha_Werner Micha H. Werner] (Hrsg.): ''Handbuch Ethik.'' 2. akt. Auflage. Metzler, Stuttgart u. a. 2006, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3476021246 ISBN 3-476-02124-6] (derzeit das Standardhandbuch zur Ethik; enthält einen historischen und einen begrifflichen Teil; breite Berücksichtigung der aktuellen Diskussion; zum Teil sehr anspruchsvoll) | ||
*Hugh LaFollette (Hrsg.): ''Blackwell Guide to Ethical Theory.'' Blackwell, Oxford 2000. ([http://www.hughlafollette.com/papers/b-guide.htm Inhaltsverzeichnis]) | *Hugh LaFollette (Hrsg.): ''Blackwell Guide to Ethical Theory.'' Blackwell, Oxford 2000. ([http://www.hughlafollette.com/papers/b-guide.htm Inhaltsverzeichnis]) | ||
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*[https://de.wikipedia.org/wiki/Otfried_H%C3%B6ffe Otfried Höffe] (Hrsg.): ''Lexikon der Ethik.'' 6. Auflage. Beck, München 2002, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3406475868 ISBN 3-406-47586-8] (das Standardlexikon zur Einführung in die Begriffe der Ethik) | *[https://de.wikipedia.org/wiki/Otfried_H%C3%B6ffe Otfried Höffe] (Hrsg.): ''Lexikon der Ethik.'' 6. Auflage. Beck, München 2002, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3406475868 ISBN 3-406-47586-8] (das Standardlexikon zur Einführung in die Begriffe der Ethik) | ||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Gerhard_Schweppenh%C3%A4user Gerhard Schweppenhäuser]: ''Grundbegriffe der Ethik zur Einführung.'' 2. Auflage. Junius, Hamburg 2006, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3885066327 ISBN 3-88506-632-7] (konzentriert sich auf die Behandlung zentraler Grundbegriffe der Ethik) | *[https://de.wikipedia.org/wiki/Gerhard_Schweppenh%C3%A4user Gerhard Schweppenhäuser]: ''Grundbegriffe der Ethik zur Einführung.'' 2. Auflage. Junius, Hamburg 2006, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3885066327 ISBN 3-88506-632-7] (konzentriert sich auf die Behandlung zentraler Grundbegriffe der Ethik) | ||
;Ethik in der Wissenschaft | ;Ethik in der Wissenschaft | ||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Lenk_(Philosoph) Hans Lenk] (Hrsg.): ''Wissenschaft und Ethik'', Philipp Reclam jun., Stuttgart 1991, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3150086981 ISBN 3-15-008698-1]. | *[https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Lenk_(Philosoph) Hans Lenk] (Hrsg.): ''Wissenschaft und Ethik'', Philipp Reclam jun., Stuttgart 1991, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3150086981 ISBN 3-15-008698-1]. | ||
== <span id="Weblinks">Weblinks</span> == | == <span id="Weblinks">Weblinks</span> == | ||
<div class="sisterproject">'''<span class="plainlinks">[https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Ethics?uselang=de <span lang="en">Commons</span>: Ethik]</span>''' – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateie | |||
'''[https://de.wiktionary.org/wiki/Ethik Wiktionary: Ethik]''' – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzunge | |||
'''[https://de.wikiquote.org/wiki/Ethik Wikiquote: Ethik]''' – Zitate</div> | |||
*[https://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&query=4015602-3 Literatur von und über Ethik] im Katalog der [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Nationalbibliothek Deutschen Nationalbibliothek] | *[https://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&query=4015602-3 Literatur von und über Ethik] im Katalog der [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Nationalbibliothek Deutschen Nationalbibliothek] | ||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Karl-Heinz_Brodbeck Karl-Heinz Brodbeck]: ''[https://web.archive.org/web/20130614183131/http://193.174.81.9/professoren/bwl/brodbeck/ethik/bro-moral.pdf Ethik und Moral. eine kritische Einführung.] ([https://de.wikipedia.org/wiki/Web-Archivierung#Begrifflichkeiten <span class="webarchiv-memento">Memento</span>] vom 14. Juni 2013 im ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Internet_Archive Internet Archive]'')'' (PDF; 1,5 MB) Verlag BWT, Würzburg 2003, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3980869318 ISBN 3-9808693-1-8]. (Freies, einführendes E-Book) | *[https://de.wikipedia.org/wiki/Karl-Heinz_Brodbeck Karl-Heinz Brodbeck]: ''[https://web.archive.org/web/20130614183131/http://193.174.81.9/professoren/bwl/brodbeck/ethik/bro-moral.pdf Ethik und Moral. eine kritische Einführung.] ([https://de.wikipedia.org/wiki/Web-Archivierung#Begrifflichkeiten <span class="webarchiv-memento">Memento</span>] vom 14. Juni 2013 im ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Internet_Archive Internet Archive]'')'' (PDF; 1,5 MB) Verlag BWT, Würzburg 2003, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3980869318 ISBN 3-9808693-1-8]. (Freies, einführendes E-Book) | ||
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#<span class="reference-text">H. J. Niemann: ''Die Strategie der Vernunft. Rationalität in Erkenntnis, Moral und Metaphysik.'' Vieweg, Braunschweig u. a. 1993, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3528065222 ISBN 3-528-06522-2].</span> | #<span class="reference-text">H. J. Niemann: ''Die Strategie der Vernunft. Rationalität in Erkenntnis, Moral und Metaphysik.'' Vieweg, Braunschweig u. a. 1993, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3528065222 ISBN 3-528-06522-2].</span> | ||
#<span class="reference-text">Vgl. auch [https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Gottfried_Mayer Johannes Gottfried Mayer], [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Detlef_Weinich&action=edit&redlink=1 Detlef Weinich] (Hrsg.): ''Ethik und Evolutionstheorien'' (= ''Texte und Wissen.'' Band 4). Königshausen & Neumann, Würzburg 1999.</span> | #<span class="reference-text">Vgl. auch [https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Gottfried_Mayer Johannes Gottfried Mayer], [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Detlef_Weinich&action=edit&redlink=1 Detlef Weinich] (Hrsg.): ''Ethik und Evolutionstheorien'' (= ''Texte und Wissen.'' Band 4). Königshausen & Neumann, Würzburg 1999.</span> | ||
#<span class="reference-text">R. Richter, E. Furubotn: ''Neue Institutionenökonomik.'' Mohr Siebeck, Tübingen 2003, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3161480600 ISBN 3-16-148060-0], S. 277.</span> | #<span class="reference-text">R. Richter, E. Furubotn: ''Neue Institutionenökonomik.'' Mohr Siebeck, Tübingen 2003, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3161480600 ISBN 3-16-148060-0], S. 277.</span></div> | ||
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Version vom 18. Mai 2024, 12:13 Uhr
eth-ik f. ‘philosophische Lehre vom Sittlichen, vom moralischen Bewußtsein und Verhalten der Menschen’,
Anm. KF: eigtl. agrie. ēthikḗ téchnē 'ethische Kunst', "Ethikkunst, Sittenkunst";
- Entlehnung des 16. Jhs. von lat. ēthica f., ēthicē f. ‘Moralphilosophie’
"sich der eigenen Ethik stellen"
- Ethikbewusstsein entwickeln und selbstbestimmt eine höhere gelebte Ethik anstreben;
- sich seiner Einstellungen, seinem Gewissen und Wissen bewusst und treu zu sein;
Ethik
Die Ethik ist jener Teilbereich der Philosophie, der sich mit den Voraussetzungen und der Bewertung menschlichen Handelns befasst. Ihr Gegenstand ist damit die Moral insbesondere hinsichtlich ihrer Begründbarkeit und Reflexion. Cicero übersetzte als erster ēthikḗ téchnē (die ethische Kunst) in den seinerzeit neuen Begriff philosophia moralis (Philosophie der Sitten).[1] In seiner Tradition wird die Ethik auch heute noch als Moralphilosophie bezeichnet.[2]
Die Ethik und ihre benachbarten Disziplinen (z. B. Rechts-, Staats- und Sozialphilosophie) werden auch als „praktische Philosophie“ zusammengefasst, da sie sich mit dem menschlichen Handeln befasst. Im Gegensatz dazu steht die „theoretische Philosophie“, zu der als klassische Disziplinen die Logik, die Erkenntnistheorie und die Metaphysik gezählt werden.
Ihr entsprechen in der Religionswissenschaft die religionsgeschichtliche Erforschung der Sittlichkeit (Moral) sowie vor allem die kath. Moraltheologie und die ev. theologische Ethik,[3] die wiederum Teilgebiete der christlichen systematischen Theologie sind.
Wortherkunft
Das deutsche Wort Ethik stammt von griechisch ἠθική (ἐπιστήμη) ēthikē (epistēmē) „das sittliche (Verständnis)“, von ἦθος ēthos „Charakter, Sinnesart“ (dagegen ἔθος: Gewohnheit, Sitte, Brauch).[4]
Ursprung
Hauptartikel:Geschichte der Ethik

Bereits die Sophisten (im 5. bis 4. Jahrhundert v. Chr.) vertraten die Auffassung, es sei für ein Vernunftwesen wie den Menschen unangemessen, wenn dessen Handeln ausschließlich von Konventionen und Traditionen geleitet wird. Im Zuge der sokratischen Wende rückte Sokrates (5. Jahrhundert v. Chr.) die Ethik ins Zentrum des philosophischen Denkens. Ethik als Bezeichnung für eine philosophische Disziplin geht auf Aristoteles (4. Jahrhundert v. Chr.) zurück, der damit die wissenschaftliche Beschäftigung mit Gewohnheiten, Sitten und Gebräuchen (ethos) meinte. Er war der Überzeugung, menschliche Praxis sei grundsätzlich einer vernünftigen und theoretisch fundierten Reflexion zugänglich. Ethik war somit für Aristoteles eine philosophische Disziplin, die den gesamten Bereich menschlichen Handelns zum Gegenstand hat und diesen Gegenstand mit philosophischen Mitteln einer normativen Beurteilung unterzieht und zur praktischen Umsetzung der auf diese Weise gewonnenen Erkenntnisse anleitet.
Ziele und Fragestellungen
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Die (allgemeine) Ethik wird heute als die philosophische Disziplin verstanden, die Kriterien für gutes und schlechtes Handeln und für die Bewertung seiner Motive und Folgen aufstellt. Sie ist von ihrer Zielsetzung her eine praktische Wissenschaft. Es geht ihr nicht um ein Wissen um seiner selbst willen (theoria), sondern um eine verantwortbare Praxis. Sie soll dem Menschen Hilfen für seine sittlichen Entscheidungen liefern. Dabei kann die Ethik allerdings nur allgemeine Prinzipien und Normen guten Handelns oder ethischen Urteilens überhaupt oder Wertvorzugsurteile für bestimmte Typen von Problemsituationen begründen. Die situationsspezifische Anwendung dieser Prinzipien auf neue Situationen und Lebenslagen ist nicht durch sie leistbar, sondern Aufgabe der praktischen Urteilskraft und des geschulten Gewissens.
Die drei Fragen nach
- dem „höchsten Gut“,
- dem richtigen Handeln in bestimmten Situationen und
- der Freiheit des Willens
stehen im Zentrum.
Als philosophische Disziplin bearbeitet die Ethik moralische Fragen auf der Grundlage lebensweltlicher Einstellungen, Wertüberzeugungen und rationaler Argumente. Auch in den jüdischen, christlichen und islamischen Theologien werden ethische Fragen behandelt. In der Theologischen Ethik werden unterschiedliche Voraussetzungen und Vorgehensweisen zugrunde gelegt: Während sogenannte Glaubensethiken religiöse Überzeugungen, einschließlich offenbarungstheologisch vermittelter Traditionen, als Argumentationsgrundlage voraussetzen, werden v. a. seit den 1970er Jahren auch Ansätze vertreten, wonach die Begründung ethischer Normen nur voraussetzt, was unabhängig von spezifischen religiösen oder weltanschaulichen Verortungen rational einsichtig zu machen ist. Beispiele dafür sind die Vorschläge sogenannter „Autonomer Moral“ von Alfons Auer oder Franz Böckle.
Abgrenzung
Rechtswissenschaft
Auch die Rechtswissenschaft fragt danach, wie gehandelt werden soll. Im Unterschied zur Ethik (welche seit Christian Thomasius und Kant von der Rechtslehre unterschieden wird[5]) bezieht sie sich jedoch im Allgemeinen auf eine bestimmte, faktisch geltende Rechtsordnung (positives Recht), deren Normen sie auslegt und anwendet. Wo die Rechtswissenschaft als Rechtsphilosophie, Rechtspolitik oder Gesetzgebungslehre auch die Begründung von Rechtsnormen behandelt, nähert sie sich der Ethik an. Auch das Vernunftrecht zeigt Parallelen zur Ethik.
Empirie
Mit gesellschaftlichen Normen des Handelns befassen sich auch empirische Wissenschaften wie Soziologie, Ethnologie und Psychologie. Im Unterschied zur normativen Ethik im philosophischen Sinne geht es dort jedoch um die Beschreibung und Erklärung faktisch bestehender ethischer Überzeugungen, Einstellungen und Sanktionsmuster und nicht um deren Rechtfertigung oder Kritik. Beziehungen bestehen also zur deskriptiven Ethik.
Theorie der rationalen Entscheidung
Auch die Theorie der rationalen Entscheidung beantwortet die Frage: Wie soll ich handeln? Jedoch unterscheidet sie sich von ethischen Fragestellungen dadurch, dass Theorien rationalen Handelns nicht in jedem Falle auch Theorien des moralisch Guten sind. Von ethischen Theorien mit einem allgemeinverbindlichen Anspruch unterscheiden sich Theorien rationaler Entscheidung dadurch, dass nur die Ziele und Interessen eines bestimmten Individuums oder eines kollektiven Subjekts (z. B. eines wirtschaftlichen Unternehmens oder eines Staates) berücksichtigt werden.
Disziplinen
| Disziplin | Gegenstandsbereich | Methode |
|---|---|---|
| Metaethik | Sprache und Logik moralischer Diskurse, Methoden moralischer Argumentationen, Leistungskraft ethischer Theorien | analytisch |
| Normative Ethik | Prinzipien und Kriterien der Moral, Maßstab moralisch richtigen Handelns, Prinzipien eines für alle guten Lebens | abstrakt wertend |
| Angewandte Ethik | gültige Normen, Werte, Handlungsempfehlungen des jeweiligen Bereichs | konkret wertend |
| Deskriptive Ethik | tatsächlich befolgte Handlungspräferenzen, empirisch vorfindliche Normen- und Wertesysteme | beschreibend |
Metaethik
Metaethik stellt die Grundlage der anderen Disziplinen dar und beschäftigt sich mit ihren allgemeingültigen Kriterien und Methoden. Sie analysiert die allgemeinen logischen, semantischen und pragmatischen Strukturen moralischen und ethischen Sprechens und sich v. a. mit der Bedeutung ethischer und verwandter Begriffe, der Verwendung ethischer Begriffe in moralischen Sätzen und der Frage nach der Begründbarkeit von Werturteilen beschäftigt. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts wird sie als eigenständige Disziplin betrachtet.
Normative Ethik
Normative Ethik erarbeitet und untersucht allgemeingültige Normen und Werte sowie deren Begründung. Sie ist der Kern der allgemeinen Ethik. Als Reflexionstheorie der Moral wertet und urteilt sie über das Gute und Richtige.
Angewandte Ethik
Angewandte Ethik baut auf der normativen Ethik auf. Sie äußert sich als Individual- und Sozialethik sowie in den Bereichsethiken zu spezifischen Lebensbereichen, beispielsweise Medizinethik oder Wirtschaftsethik. Ethikkommissionen, -räte und -institute erarbeiten Normen oder Handlungsempfehlungen für bestimmte Bereiche.
Deskriptive Ethik
Häufig nicht zum klassischen Kanon der Ethik gerechnet wird die deskriptive Ethik, die sich versteht als empirische Untersuchung, Beschreibung und ursächlichen Erklärung von Normensystem innerhalb einer Gesellschaft, und dabei keine moralischen Urteile fällt.
Begründungen normativer Sätze
Gründe für und gegen Moral
Die Frage, ob man überhaupt moralisch sein soll, wird in Platons Politeia im ersten Kapitel aufgeworfen. In der Moderne wurde der Diskurs um die Frage von Bradley[6] und Prichard eingeleitet.
Metaethische Kognitivisten behaupten, erkennen zu können, wie man moralisch handeln solle. Somit stellt sich ihnen die Frage, ob man das überhaupt tun soll nicht mehr, da sie auch gleich mit erkennen, dass man dies tun soll.
Metaethische Nonkognitivisten hingegen müssen die Frage, ob man moralisch handeln soll, klären. Die Diskussion wird in der Philosophie zumeist anhand der Frage „Warum soll man moralisch sein?“ geführt. Das Sollen innerhalb der Frage ist dabei kein moralisches Sollen, sondern verweist auf eine Akzeptanz besserer Gründe, z. B. anhand der Theorie der rationalen Entscheidung. Die Antwort auf die Frage hängt also ab vom jeweiligen Verständnis von Vernunft.
Die Frage, ob man moralisch sein soll oder nicht, wird beantwortet mit:
- „Ja“ von allen, die Gründe für Moral anführen,[7]
- „Nein“ von den Amoralisten,
- „Das muss jeder für sich selbst entscheiden“ von Dezisionisten.
Die Situation des Menschen, der sich zwischen diesen Antworten entscheiden muss, hat ihre klassische Gestaltung in der so genannten Prodikos-Fabel von Herakles am Scheideweg gefunden, die auch von vielen christlichen Autoren rezipiert wurde.
Absolute Begründung der Moral
Eine bekannte absolute Moralbegründung ist die der Letztbegründung von Karl-Otto Apel. Angenommen jemand lehnt es ab, über Zwecke zu reden, dann sei diese Ablehnung bereits ein Reden über Zwecke. Insofern ist dies ein so genannter performativer Selbstwiderspruch.
Moralbegründung aus Sicht der Systemtheorie verzichtet darauf, zu begründen, warum Individuen moralisch handeln sollen. Stattdessen wird dargelegt, warum Moral als Regulierungsfunktion des Kommunikationssystems unentbehrlich ist (s. a. AGIL-Schema).
Relative Begründungen der Moral
Viele Philosophen behaupten, dass man zwar nicht beweisen kann, dass Amoralismus logisch widersprüchlich ist, dass aber im wirklichen Leben Amoralisten viele Nachteile haben, so dass moralisches Verhalten größere Rentabilität im Sinne der Theorie der rationalen Entscheidung besitzt. Ethik wird mit dieser Form von Moralbegründung zu einer Spezialform von Zweckrationalität. Einer der wichtigsten Vertreter dieser Argumentationslinie ist David Gauthier.
Viele Philosophen dieser Richtung berufen sich auf den Grundsatz quid pro quo oder auf Tit for Tat-Strategien.
Andere meinen, Amoralisten seien auf Einsamkeit festgelegt, da man ihnen nicht vertrauen könne und auch sie niemandem vertrauen könnten. Daher könnten sie eines der wichtigsten Lebensgüter, soziale Gemeinschaft und Anerkennung, nie erreichen.
Nach R. M. Hare können Amoralisten keine moralischen Begriffe gebrauchen und daher nicht von ihren Mitmenschen fordern, sie fair zu behandeln. Die Möglichkeit entsprechender Lügen sah Hare nicht. Hare behauptete zudem, der Aufwand, den Amoralisten treiben müssten, um ihre Überzeugung zu verschleiern, wäre so groß, dass sie sozial immer im Nachteil seien
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WP wäre keine zulässige Quelle
Amoralisten kritisieren verschiedene Moralbegründungen, indem sie darauf verweisen, dass es in vielen Teilen der Welt relativ stabile Verhältnisse gibt, die üblichen moralischen Vorstellungen widersprechen, z. B. völkerrechtswidrige Kriege um Ressourcen, Sklaverei oder erfolgreiche Mafia-Organisationen. Siehe ethischer Relativismus.
Dezisionismus
Dezision (von latein. decidere: entscheiden, fallen, abschneiden) bedeutet so viel wie Entscheidung. Der Begriff des Dezisionismus wird oft in pejorativer Bedeutung gebraucht von Metaethischen Kognitivisten gegenüber Philosophen, die nur relative Begründungen der Moral anerkennen, z. B. Hare oder Popper und Hans Albert.
Dezisionisten sehen keine Alternative zu Prinzipienentscheidungen, die aus logischen oder pragmatischen Gründen ihrerseits nicht mehr weiter begründet werden können. So behauptete z. B. Henry Sidgwick, der Mensch müsse sich zwischen Utilitarismus und Egoismus entscheiden.
Dem Dezisionismus wird von seinen Kritikern ähnlich wie dem metaethischen Nonkognitivismus entgegengehalten, dass auch Entscheidungen wiederum einer Bewertung unterzogen werden könnten: Man entscheide sich nicht für bestimmte ethische Prinzipien, sondern diese würden umgekehrt die Grundlage von Entscheidungen darstellen.
Außerdem argumentieren Vertreter des Naturrechts dafür, dass sich die Objektivität der Ethik (also das Sollen) auf die Natur bzw. das Wesen des Seienden und letztlich auf das Sein selbst (z. B. Gott) zurückführen ließen.
Ethische Grundbegriffe

Moralische Handlungen
Im Mittelpunkt deontologischer Ethiken steht der Begriff der Handlung. Sie wird in erster Annäherung definiert als „eine von einer Person verursachte Veränderung des Zustands der Welt“.[8] Die Veränderung kann eine äußere, in Raum und Zeit beobachtbare oder eine innere, mentale Veränderung sein. Auch die Art und Weise, wie man von außen einwirkenden Ereignissen begegnet, kann im weiteren Sinne als Handlung bezeichnet werden.
Absicht und Freiwilligkeit
Handlungen unterscheiden sich von Ereignissen dadurch, dass wir als ihre Ursache nicht auf ein weiteres Ereignis verweisen, sondern auf die Absicht des Handelnden. Die Absicht (lateinisch intentio; nicht zu verwechseln mit dem juristischen Absichtsbegriff, dem dolus directus 1. Grades) ist ein von der Handlung selbst zu unterscheidender Akt. Geplanten Handlungen liegt eine zeitlich vorausgehende Absicht zugrunde. Wir führen die Handlung so aus, wie wir sie uns vorher schon vorgenommen hatten. Der Begriff der Absicht ist von dem der Freiwilligkeit zu unterscheiden. Die Freiwilligkeit ist eine Eigenschaft, die zur Handlung selbst gehört. Der Begriff der Freiwilligkeit ist weiter als der der Absicht; er umfasst auch die spontanen Handlungen, bei denen nicht mehr von einer Absicht im engeren Sinne gesprochen werden kann.
Wissen und Willen

Eine Handlung ist dann freiwillig, wenn sie mit Wissen und Willen durchgeführt wird.
Die Unwissenheit kann dabei allerdings nur dann die Freiwilligkeit einer Handlung aufheben, wenn die handelnde Person sich nach besten Kräften vorher informiert hat, und sie mit dem ihr fehlenden Wissenanders gehandelt hätte. War dem Handelnden eine Kenntnis der Norm oder der Folgen zuzumuten, ist er für ihre Übertretung verantwortlich (ignorantia crassa oder supina). Noch weniger entschuldigt jene Unkenntnis, die absichtlich zum Vermeiden eines Konflikts mit der Norm herbeigeführt wurde (ignorantia affectata), wenn also z. B. bewusst vermieden wird, sich über ein Gesetz zu informieren, um sagen zu können, man hätte von einem bestimmten Verbot nicht gewusst. Das Sprichwort sagt zu Recht: „Unwissenheit schützt vor Strafe nicht“. Auch im deutschen Strafrecht wird diesem Sachverhalt Rechnung getragen. So heißt es z. B. in § 17 StGB:[9]
„Fehlt dem Täter bei Begehung der Tat die Einsicht, Unrecht zu tun, so handelt er ohne Schuld, wenn er diesen Irrtum nicht vermeiden konnte. Konnte der Täter den Irrtum vermeiden, so kann die Strafe nach § 49 Abs. 1 gemildert werden.“
Für die sittliche Bewertung einer Handlung ist außerdem das effektive Wollen wesentlich, die Absicht ihrer Verwirklichung. Das setzt voraus, dass zumindest der Handelnde der Auffassung war, dass ihm eine Verwirklichung seiner Absicht möglich sei, d. h., dass das Ergebnis von seinem Handeln kausal herbeigeführt werden könne. Unterliegt der Handelnde einem äußeren Zwang, hebt dieser die Freiwilligkeit der Handlung im Allgemeinen auf.
Handlungsprinzipien
Absichten finden ihren Ausdruck in praktischen Grundsätzen. Diese können zunächst einmal in inhaltliche und formale Grundsätze unterschieden werden. Inhaltliche Grundsätze legen konkrete inhaltliche Güter (Leben, Gesundheit, Besitz, Vergnügen, Umwelt etc.) als Bewertungskriterium für das Handeln zugrunde. Sie sind teilweise subjektiv und haben unter Umständen einen dezisionistischen Charakter. In diesen Fällen können sie ihre eigene Vorrangstellung nicht gegenüber anderen, konkurrierenden inhaltlichen Grundsätzen begründen.
Formale Grundsätze verzichten auf einen Bezug zu konkreten inhaltlichen Gütern. Das bekannteste Beispiel ist der Kategorische Imperativ Kants.
Es lassen sich grundsätzlich drei Ebenen der praktischen Sätze voneinander unterscheiden:[10]
- ein oberstes Prinzip praktischer Überlegungen (wie z. B. der Kategorische Imperativ)
- praktische Grundsätze, die sich aus dem obersten Prinzip ableiten (wie z. B. die zehn Gebote)
- Sätze, die Entscheidungen formulieren, indem sie Maximen auf konkrete Lebenssituationen anwenden
Die Ethik ist häufig nur in der Lage, Aussagen zu den ersten beiden Ebenen zu machen. Die Übertragung von praktischen Grundsätzen auf eine konkrete Situation, erfordert das Vermögen der praktischen Urteilskraft. Nur mit seiner Hilfe können eventuell auftretende Zielkonflikte gelöst und die voraussichtlichen Folgen von Entscheidungen abgeschätzt werden.
Handlungsfolgen

Wesentlich für die ethische Bewertung von Handlungen sind die mit ihnen verbundenen Folgen. Diese werden unterschieden in motivierende und in Kauf genommene Folgen. Motivierende Folgen sind solche, um derentwillen eine Handlung ausgeführt wird. Sie werden vom Handelnden unmittelbar angezielt („Voluntarium in se“).
In Kauf genommene Folgen („Voluntarium in causa“) werden zwar nicht unmittelbar angezielt, aber als Nebenwirkung der motivierenden Folgen vorausgesehen und bewusst zugelassen (Prinzip der Doppelwirkung). So unterliegt beispielsweise bewusste Fahrlässigkeit als bedingter Vorsatz (dolus eventualis) der ethischen und rechtlichen Verantwortung: Volltrunkenheit entschuldigt nicht bei einem Verkehrsunfall.
Tun und Unterlassen
Bereits Thomas von Aquin[11] unterscheidet eine zweifache Kausalität des Willens: die „direkte“ Einwirkung des Willens, in der durch den Willensakt ein bestimmtes Ereignis hervorgerufen wird, und die „indirekte“, in der ein Ereignis dadurch eintritt, dass der Wille untätig bleibt. Tun und Unterlassen unterscheiden sich hierbei nicht hinsichtlich ihrer Freiwilligkeit. Beim Unterlassen verzichtet jemand auf das Eingreifen in einen Prozess, obwohl er die Möglichkeit dazu hätte. Auch das Unterlassen kann daher als Handlung aufgefasst werden und strafbar sein.
Die strikte Unterscheidung zwischen diesen beiden Handlungsformen, die z. B. in der medizinischen Ethik eine große Rolle spielt (vgl. aktive und passive Sterbehilfe etc.), erscheint daher vom ethischen Standpunkt aus gesehen als teilweise fragwürdig.
Das Ziel menschlichen Handelns
Im Mittelpunkt teleologischer Ethiken steht die Frage, was ich mit meiner Handlung letztlich bezwecke, welches Ziel ich mit ihr verfolge. Der Begriff „Ziel“ (finis, telos;) ist hier insbesondere als „letztes Ziel“ oder „Endziel“ zu verstehen, von dem all mein Handeln bestimmt wird.
Glück als letztes Ziel

In der Tradition wird als letztes Ziel des Menschen häufig das Glück oder die Glückseligkeit (beatitudo) genannt. Der Ausdruck „Glück“ wird dabei in einem mehrdeutigen Sinne gebraucht:
- zur Bezeichnung eines gelungenen und guten Lebens, dem nichts Wesentliches fehlt („Lebensglück“, eudaimonia)
- zur Bezeichnung günstiger Lebensumstände („Zufallsglück“, eutychia)
- zur Bezeichnung des subjektiven Wohlbefindens (Glück als Lust, hedone)
Philosophiegeschichtlich konkurrieren die Bestimmungen von Glück als „Lebensglück“ und als subjektives Wohlbefinden miteinander. Für die Eudämonisten (Platon, Aristoteles) ist Glück die Folge der Verwirklichung einer Norm, die als Telos im Wesen des Menschen angelegt ist. Glücklich ist dieser Konzeption zufolge vor allem, wer auf vernünftige Weise tätig ist.
Für die Hedonisten (Sophisten, klassische Utilitaristen) gibt es kein zu verwirklichendes Telos des Menschen mehr; es steht keine objektive Norm zur Verfügung, um zu entscheiden, ob jemand glücklich ist. Dies führt zu einer Subjektivierung des Glücksbegriffs. Es obliege allein dem jeweiligen Individuum, zu bewerten, ob es glücklich ist. Glück wird zum Teil auch mit dem Erreichen von Gütern wie Macht, Reichtum, Ruhm etc. gleichgesetzt.
Sinn und Ziel
Das Wort „Sinn“ bezeichnet grundsätzlich die Qualität von etwas, das dieses verstehbar macht. Wir verstehen etwas dadurch, indem wir erkennen, worauf es „hingeordnet“ ist, wozu es dient. Die Frage nach dem Sinn steht also in einem engen Zusammenhang mit der Frage nach dem Ziel oder Zweck von etwas. Auch der Sinn einer Handlung oder gar des ganzen Lebens kann nur beantwortet werden, wenn die Frage nach seinem Ziel geklärt ist. Eine menschliche Handlung bzw. ein gesamtes Leben ist dann sinnvoll, wenn es auf dieses Ziel hin ausgerichtet ist.
Das Gute
Der Begriff „gut“
„Gut“ gehört wie der Begriff „seiend“ zu den ersten und daher nicht mehr definierbaren Begriffen. Es wird zwischen einem adjektivischen und einem substantivischen Gebrauch unterschieden.
Als Adjektiv bezeichnet das Wort „gut“ generell die Hinordnung eines „Gegenstandes“ auf eine bestimmte Funktion oder einen bestimmten Zweck. So spricht man z. B. von einem „guten Messer“, wenn es seine im Prädikator „Messer“ ausgedrückte Funktion erfüllen – also z. B. gut schneiden kann. Analog spricht man von einem „guten Arzt“, wenn er in der Lage ist, seine Patienten zu heilen und Krankheiten zu bekämpfen. Ein „guter Mensch“ ist demnach jemand, der in seinem Leben auf das hin ausgerichtet ist, was das Menschsein ausmacht, also dem menschlichen Wesen bzw. seiner Natur entspricht.
Als Substantiv bezeichnet das Wort „das Gut“ etwas, auf das hin wir unser Handeln ausrichten. Wir gebrauchen es normalerweise in dieser Weise, um „eine unter bestimmten Bedingungen vollzogene Wahl als richtig oder gerechtfertigt zu beurteilen“.[12] So kann beispielsweise eine Aussage wie „Die Gesundheit ist ein Gut“ als Rechtfertigung für die Wahl einer bestimmten Lebens- und Ernährungsweise dienen. In der philosophischen Tradition war man der Auffassung, dass prinzipiell jedes Seiende – unter einer gewissen Rücksicht – Ziel des Strebens sein könne („omne ens est bonum“). Daher wurde die „Gutheit“ des Seienden zu den Transzendentalien gerechnet.
Gemäß der Analyse von Richard Mervyn Hare werden wertende Wörter wie „gut“ oder „schlecht“ dazu verwendet, in Entscheidungssituationen Handeln anzuleiten bzw. Empfehlungen zu geben. Die Wörter „gut“ oder „schlecht“ haben demnach keine beschreibende (deskriptive), sondern eine vorschreibende (präskriptive) Funktion.
Dies kann an einer außermoralischen Verwendung des Wortes „gut“ verdeutlicht werden. Wenn ein Verkäufer zum Kunden sagt: „Dies ist ein guter Wein“, dann empfiehlt er den Kauf dieses Weines, er beschreibt damit jedoch keine wahrnehmbare Eigenschaft des Weines. Insofern es jedoch sozial verbreitete Bewertungsstandards für Weine gibt (er darf nicht nach Essig schmecken, man darf davon keine Kopfschmerzen bekommen etc.), so bedeutet die Bewertung des Weines als „gut“, dass der Wein diese Standards erfüllt und dass er somit auch bestimmte empirische Eigenschaften besitzt.
Die Bewertungskriterien, die an eine Sache angelegt werden, können je nach dem Verwendungszweck variieren. Ein herber Wein mag als Tafelwein gut, für sich selbst getrunken dagegen eher schlecht sein. Der Verwendungszweck einer Sache ist keine feststehende Eigenschaft der Sache selbst, sondern beruht auf menschlicher Setzung. Eine Sache ist „gut“ – immer bezogen auf bestimmte Kriterien. Wenn der Verkäufer sagt: „Dies ist ein sehr guter Tafelwein“ dann ist er so, wie er gemäß den üblichen Kriterien für Tafelwein sein soll.
Wenn das Wort „gut“ in moralischen Zusammenhängen gebraucht wird („Dies war eine gute Tat“), so empfiehlt man die Tat und drückt aus, dass sie so war, wie sie sein soll. Man beschreibt damit jedoch nicht die Tat. Wird auf allgemein anerkannte moralische Kriterien Bezug genommen, drückt man damit zugleich aus, dass die Tat bestimmte empirische Eigenschaften besitzt, z. B. eine Zurückstellung des Eigeninteresses zugunsten überwiegender Interessen von Mitmenschen.
Das höchste Gut
Als das höchste Gut (summum bonum) wird das bezeichnet, was nicht nur unter einer bestimmten Rücksicht (für den Menschen) gut ist, sondern schlechthin, da es dem Menschen als Menschen ohne Einschränkung entspricht. Es ist identisch mit dem „unbedingt Gesollten“. Seine inhaltliche Bestimmung hängt ab von der jeweiligen Sicht der Natur des Menschen. In der Tradition wurden dabei die unterschiedlichsten Lösungsvorschläge präsentiert:
- das Glück (Eudämonismus)
- die Lust (Hedonismus, klassischer Utilitarismus)
- Macht (Machiavelli)
- Einheit mit Gott bzw. Gott selbst (christliche Philosophie)
- Erwachen (bodhi) zu Weisheit und Mitgefühl (Buddhismus)
- Bedürfnisbefriedigung (Hobbes)
- Einheit von Tugend und Glück (Kant)
- Freiheit (Sartre)
Werte
Der Begriff „Wert“ stammte ursprünglich aus der Politischen Ökonomie, in der Adam Smith, David Ricardo und später Karl Marx unter anderem die Unterscheidung von Gebrauchs- und Tauschwertuntersuchten. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde „Wert“ ein philosophischer Terminus, der im Rahmen der Wertphilosophie (Max Scheler u. a.) eine zentrale Bedeutung einnahm. Dort führte man ihn als Gegenbegriff zur Kantischen Pflichtethik ein, in der Annahme, dass Werten vor allen Vernunftüberlegungen eine „objektive Gültigkeit“ zukommen würde.
In der Alltagssprache taucht der Begriff auch in jüngster Zeit wieder verstärkt auf, gerade wenn von „Grundwerten“, einem „Wertewandel“ oder einer „neuen Wertedebatte“ die Rede ist.
Der Wertbegriff weist große Ähnlichkeiten mit dem Begriff des Guten auf. Er wird wie dieser grundsätzlich in einer subjektiven und einer objektiven Variante gebraucht:
- als „objektiver Wert“ bezeichnet er den „Wert“ von bestimmten Gütern für den Menschen – wie z. B. den Wert des menschlichen Lebens, der Gesundheit etc. Dies entspricht der Bedeutung von „bonum physicum“ („physisches Gut“).
- als „subjektive Werthaltung“ bezeichnet er das, was mir wertvoll ist, meine „Wertvorstellungen“ – wie Treue, Gerechtigkeit etc. Dies entspricht der Bedeutung von „bonum morale“ („sittliches Gut“).
Im Vergleich zum Begriff des Guten kommt dem Wertbegriff allerdings eine stärkere gesellschaftliche Bedingtheit zu. So spricht man von einem „Wertewandel“, wenn man ausdrücken will, dass sich bestimmte, in einer Gesellschaft allgemein akzeptierte Handlungsnormen im Verlauf der Geschichte verändert haben. Damit meint man aber in der Regel nicht, dass das, was früher für gut gehalten wurde, nun „tatsächlich“ nicht mehr gut sei, sondern nur, dass sich das allgemeine Urteil darüber geändert habe.

