„Indogermanisch“ – Versionsunterschied
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Die '''indogermanischen''' oder '''indoeuropäischen Sprachen''' bilden mit etwa drei Milliarden [https://de.wikipedia.org/wiki/Muttersprache Muttersprachlern] die sprecherreichste [https://de.wikipedia.org/wiki/Sprachfamilie Sprachfamilie] der Welt. Die Bezeichnung „indogermanisch“ kann missverständlich sein: Sie soll die Grenzen des ursprünglichen Verbreitungsgebiets abstecken – jedoch ist die Mehrzahl der indogermanischen Sprachen weder [https://de.wikipedia.org/wiki/Germanische_Sprachen germanisch] noch [https://de.wikipedia.org/wiki/Indoarische_Sprachen indisch]. Zu dieser Sprachfamilie gehören zum Beispiel auch die [https://de.wikipedia.org/wiki/Romanische_Sprachen romanischen], [https://de.wikipedia.org/wiki/Slawische_Sprachen slawischen], [https://de.wikipedia.org/wiki/Baltische_Sprachen baltischen] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Keltische_Sprachen keltischen Sprachen], [https://de.wikipedia.org/wiki/Griechische_Sprache Griechisch], [https://de.wikipedia.org/wiki/Albanische_Sprache Albanisch], [https://de.wikipedia.org/wiki/Armenische_Sprache Armenisch] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Persische_Sprache Persisch]. Ebenso wenig ist mit der Bezeichnungsvariante „indoeuropäisch“ gemeint, dass es sich um eine europäische Sprachfamilie handelt; ihre ältesten historischen Zeugnisse stammen von außerhalb Europas ([https://de.wikipedia.org/wiki/Hethitische_Sprache Hethitisch] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Vedische_Sprache Vedisches Sanskrit]). Allerdings stellt diese Sprachfamilie heute die Mehrzahl der [https://de.wikipedia.org/wiki/Sprachen_Europas Sprachen Europas].<p>Außerhalb der indoeuropäischen Familie stehen in Europa hauptsächlich: [https://de.wikipedia.org/wiki/Ungarische_Sprache Ungarisch], [https://de.wikipedia.org/wiki/Finnische_Sprache Finnisch] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Estnische_Sprache Estnisch] (die zur [https://de.wikipedia.org/wiki/Uralische_Sprachen uralischen Sprachfamilie] gehören), [https://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%BCrkische_Sprache Türkisch], [https://de.wikipedia.org/wiki/Tatarische_Sprache Tatarisch]und weitere [https://de.wikipedia.org/wiki/Turksprachen Turksprachen] (die vom Balkan bis nach Russland vorkommen), [https://de.wikipedia.org/wiki/Maltesische_Sprache Maltesisch](eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Semitische_Sprachen semitische Sprache]), [https://de.wikipedia.org/wiki/Tschetschenische_Sprache Tschetschenisch] und die anderen [https://de.wikipedia.org/wiki/Nordostkaukasische_Sprachen nordostkaukasischen Sprachen], [https://de.wikipedia.org/wiki/Kalm%C3%BCckische_Sprache Kalmückisch] (eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Mongolische_Sprachen mongolische Sprache] in Südrussland), und [https://de.wikipedia.org/wiki/Baskische_Sprache Baskisch] (eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Isolierte_Sprache isolierte Sprache] in [https://de.wikipedia.org/wiki/Spanien Spanien] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Frankreich Frankreich]), sowie daneben eine Anzahl von weiteren Regionalsprachen in Nord- und Osteuropa.</p><p>Die indogermanischen Sprachen zeigen untereinander weitreichende Übereinstimmungen beim [https://de.wikipedia.org/wiki/Wortschatz Wortschatz], in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Flexion Flexion], in [https://de.wikipedia.org/wiki/Grammatische_Kategorie grammatischen Kategorien] wie [https://de.wikipedia.org/wiki/Numerus Numerus] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Genus Genus] sowie im [https://de.wikipedia.org/wiki/Ablaut Ablaut]. Als gemeinsamer Ursprung wird eine vorgeschichtliche [https://de.wikipedia.org/wiki/Indogermanische_Ursprache indogermanische Ursprache] angenommen, die in Grundzügen durch einen Vergleich der einzelnen Nachfolgesprachen [https://de.wikipedia.org/wiki/Rekonstruktion_(Sprachwissenschaft) rekonstruiert] werden konnte. Die große Verbreitung dieser Sprachfamilie ist das Ergebnis von [https://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%B6lkerwanderung Völkerwanderungen] im Laufe der Jahrtausende und zuletzt auch der [https://de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4ische_Expansion europäischen Expansion] seit dem 15. Jahrhundert.</p><p>Die Teildisziplin der [https://de.wikipedia.org/wiki/Sprachwissenschaft Sprachwissenschaft], die sich mit dieser Sprachfamilie und insbesondere ihrer Entstehung beschäftigt, heißt [https://de.wikipedia.org/wiki/Indogermanistik Indogermanistik].</p> | |||
Aktuelle Version vom 21. Juni 2024, 11:04 Uhr
Ind--o-Germanisch; Indisch Germanische Sprache
Die indogermanischen oder indoeuropäischen Sprachen bilden mit etwa drei Milliarden Muttersprachlern die sprecherreichste Sprachfamilie der Welt. Die Bezeichnung „indogermanisch“ kann missverständlich sein: Sie soll die Grenzen des ursprünglichen Verbreitungsgebiets abstecken – jedoch ist die Mehrzahl der indogermanischen Sprachen weder germanisch noch indisch. Zu dieser Sprachfamilie gehören zum Beispiel auch die romanischen, slawischen, baltischen und keltischen Sprachen, Griechisch, Albanisch, Armenisch und Persisch. Ebenso wenig ist mit der Bezeichnungsvariante „indoeuropäisch“ gemeint, dass es sich um eine europäische Sprachfamilie handelt; ihre ältesten historischen Zeugnisse stammen von außerhalb Europas (Hethitisch und Vedisches Sanskrit). Allerdings stellt diese Sprachfamilie heute die Mehrzahl der Sprachen Europas.
Außerhalb der indoeuropäischen Familie stehen in Europa hauptsächlich: Ungarisch, Finnisch und Estnisch (die zur uralischen Sprachfamilie gehören), Türkisch, Tatarischund weitere Turksprachen (die vom Balkan bis nach Russland vorkommen), Maltesisch(eine semitische Sprache), Tschetschenisch und die anderen nordostkaukasischen Sprachen, Kalmückisch (eine mongolische Sprache in Südrussland), und Baskisch (eine isolierte Sprache in Spanien und Frankreich), sowie daneben eine Anzahl von weiteren Regionalsprachen in Nord- und Osteuropa.
Die indogermanischen Sprachen zeigen untereinander weitreichende Übereinstimmungen beim Wortschatz, in der Flexion, in grammatischen Kategorien wie Numerus und Genus sowie im Ablaut. Als gemeinsamer Ursprung wird eine vorgeschichtliche indogermanische Ursprache angenommen, die in Grundzügen durch einen Vergleich der einzelnen Nachfolgesprachen rekonstruiert werden konnte. Die große Verbreitung dieser Sprachfamilie ist das Ergebnis von Völkerwanderungen im Laufe der Jahrtausende und zuletzt auch der europäischen Expansion seit dem 15. Jahrhundert.
Die Teildisziplin der Sprachwissenschaft, die sich mit dieser Sprachfamilie und insbesondere ihrer Entstehung beschäftigt, heißt Indogermanistik.