„Langobarden“ – Versionsunterschied
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<p>Die '''Langobarden''' ([https://de.wikipedia.org/wiki/Latein lateinisch] Longobardi, [https://de.wikipedia.org/wiki/Neugriechische_Sprache griechisch] <span class="Grek" lang="el-Grek">οἱ Λαγγοβάρδοι</span>,<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Langobarden#cite_note-1 [1]]</sup> auch '''Winniler''') gehörten, wie man lange annahm, als [https://de.wikipedia.org/wiki/Ethnie ethnische Gruppe] der Stammesgruppe der [https://de.wikipedia.org/wiki/Sueben Sueben] an, eng mit den [https://de.wikipedia.org/wiki/Semnonen Semnonen] verwandt. Demnach waren sie ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Elbgermanen elbgermanischer] Stamm, der ursprünglich an der unteren [https://de.wikipedia.org/wiki/Elbe Elbe] siedelte. Wie [https://de.wikipedia.org/wiki/Stefano_Gasparri Stefano Gasparri] 2017 die Forschungsergebnisse der letzten Jahrzehnte zusammenfasste, stellten solche als ''gentes''bezeichneten Gruppen vielmehr politisch-militärische Ansammlungen dar, die sich an den Rändern, zum Teil innerhalb des [https://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%B6misches_Reich Römerreiches] gebildet hatten, dessen Grenzen überaus durchlässig waren, und die unter einem erfolgreichen militärischen Anführer standen.<sup id="cite_ref-2" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Langobarden#cite_note-2 [2]]</sup> Sie dienten sich den Römern an oder versuchten aus deren Reich Prestige oder materiellen Gewinn zu schlagen. Somit war Verwandtschaft nur einer der Gründe, die diese Einheiten immer wieder neu entstehen ließen, die sich im Nachhinein eine Herkunfts- und Abstammungslegende gaben.</p> | [[Datei:400px-Karte_völkerwanderung.jpg|verweis=https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Karte_v%C3%B6lkerwanderung.jpg|mini|400x400px|Wanderung der Langobarden (blau) zwischen dem 4. und dem 8. Jahrhundert n. Chr.]] | ||
<p>Die '''Langobarden''' ([https://de.wikipedia.org/wiki/Latein lateinisch] Longobardi, [https://de.wikipedia.org/wiki/Neugriechische_Sprache griechisch] <span class="Grek" lang="el-Grek">οἱ Λαγγοβάρδοι</span>,<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Langobarden#cite_note-1 [1]]</sup> auch '''Winniler''') gehörten, wie man lange annahm, als [https://de.wikipedia.org/wiki/Ethnie ethnische Gruppe] der Stammesgruppe der [https://de.wikipedia.org/wiki/Sueben Sueben] an, eng mit den [https://de.wikipedia.org/wiki/Semnonen Semnonen] verwandt. Demnach waren sie ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Elbgermanen elbgermanischer] Stamm, der ursprünglich an der unteren [https://de.wikipedia.org/wiki/Elbe Elbe] siedelte. Wie [https://de.wikipedia.org/wiki/Stefano_Gasparri Stefano Gasparri] 2017 die Forschungsergebnisse der letzten Jahrzehnte zusammenfasste, stellten solche als ''gentes''bezeichneten Gruppen vielmehr politisch-militärische Ansammlungen dar, die sich an den Rändern, zum Teil innerhalb des [https://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%B6misches_Reich Römerreiches] gebildet hatten, dessen Grenzen überaus durchlässig waren, und die unter einem erfolgreichen militärischen Anführer standen.<sup id="cite_ref-2" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Langobarden#cite_note-2 [2]]</sup> Sie dienten sich den Römern an oder versuchten aus deren Reich Prestige oder materiellen Gewinn zu schlagen. Somit war Verwandtschaft nur einer der Gründe, die diese Einheiten immer wieder neu entstehen ließen, die sich im Nachhinein eine Herkunfts- und Abstammungslegende gaben.</p><p>Im 5. Jahrhundert tauchten Langobarden unter einem dieser Anführer namens [https://de.wikipedia.org/wiki/Wacho Wacho] auf, erschienen bald an der Donau in [https://de.wikipedia.org/wiki/Pannonien Pannonien]. Ab 568 eroberten sie unter König [https://de.wikipedia.org/wiki/Alboin Alboin] große Teile Italiens, wobei sie große andere Verbände begleiteten, wie etwa [https://de.wikipedia.org/wiki/Sachsen_(Volk) Sachsen]. Ihrem inzwischen christianisierten Reich – zunächst arianisch, dann katholisch – setzte das fränkische Heer unter Führung König [https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_der_Gro%C3%9Fe Karls I.] mit der Eroberung der Hauptstadt [https://de.wikipedia.org/wiki/Pavia Pavia] im Jahr 774 ein Ende. Der Süden Italiens verblieb allerdings unter langobardischer Herrschaft. Auf die Hauptsiedlungsgebiete im Norden geht die Bezeichnung der [https://de.wikipedia.org/wiki/Lombardei Lombardei] zurück. Dort war, vor allem gegen Ende des Langobardenreichs, die Unterscheidung zwischen Romanen und Langobarden immer weniger ausgeprägt, so dass am Ende fast alle Bewohner des Reiches Langobarden hießen.</p><p>Als ebenso unhaltbar wie die Annahme einer rein verwandtschaftlichen Grundlage des Zusammenhalts und der Zusammensetzung der Langobarden („[https://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%B6lkerwanderung Völkerwanderung]“) erwies sich die vor allem in Italien lange verbreitete Vorstellung, die Kette „barbarischer Invasionen“ hätte gleichsam nur eine Unterbrechung der kulturellen Entwicklung zwischen dem Ende des Römerreiches und dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Hochmittelalter Hochmittelalter] bedeutet.</p> | |||
Aktuelle Version vom 21. Juni 2024, 14:56 Uhr

Die Langobarden (lateinisch Longobardi, griechisch οἱ Λαγγοβάρδοι,[1] auch Winniler) gehörten, wie man lange annahm, als ethnische Gruppe der Stammesgruppe der Sueben an, eng mit den Semnonen verwandt. Demnach waren sie ein elbgermanischer Stamm, der ursprünglich an der unteren Elbe siedelte. Wie Stefano Gasparri 2017 die Forschungsergebnisse der letzten Jahrzehnte zusammenfasste, stellten solche als gentesbezeichneten Gruppen vielmehr politisch-militärische Ansammlungen dar, die sich an den Rändern, zum Teil innerhalb des Römerreiches gebildet hatten, dessen Grenzen überaus durchlässig waren, und die unter einem erfolgreichen militärischen Anführer standen.[2] Sie dienten sich den Römern an oder versuchten aus deren Reich Prestige oder materiellen Gewinn zu schlagen. Somit war Verwandtschaft nur einer der Gründe, die diese Einheiten immer wieder neu entstehen ließen, die sich im Nachhinein eine Herkunfts- und Abstammungslegende gaben.
Im 5. Jahrhundert tauchten Langobarden unter einem dieser Anführer namens Wacho auf, erschienen bald an der Donau in Pannonien. Ab 568 eroberten sie unter König Alboin große Teile Italiens, wobei sie große andere Verbände begleiteten, wie etwa Sachsen. Ihrem inzwischen christianisierten Reich – zunächst arianisch, dann katholisch – setzte das fränkische Heer unter Führung König Karls I. mit der Eroberung der Hauptstadt Pavia im Jahr 774 ein Ende. Der Süden Italiens verblieb allerdings unter langobardischer Herrschaft. Auf die Hauptsiedlungsgebiete im Norden geht die Bezeichnung der Lombardei zurück. Dort war, vor allem gegen Ende des Langobardenreichs, die Unterscheidung zwischen Romanen und Langobarden immer weniger ausgeprägt, so dass am Ende fast alle Bewohner des Reiches Langobarden hießen.
Als ebenso unhaltbar wie die Annahme einer rein verwandtschaftlichen Grundlage des Zusammenhalts und der Zusammensetzung der Langobarden („Völkerwanderung“) erwies sich die vor allem in Italien lange verbreitete Vorstellung, die Kette „barbarischer Invasionen“ hätte gleichsam nur eine Unterbrechung der kulturellen Entwicklung zwischen dem Ende des Römerreiches und dem Hochmittelalter bedeutet.