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„Herminonen“ – Versionsunterschied

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(historisch) Eine große Gruppe früher germanischer Stämme, die sich im Einzugsgebiet der Elbe niederließen und sich im 1. Jahrhundert n. Chr. nach Bayern, Schwaben und Böhmen ausbreiteten.
(historisch) Eine große Gruppe früher germanischer Stämme, die sich im Einzugsgebiet der Elbe niederließen und sich im 1. Jahrhundert n. Chr. nach Bayern, Schwaben und Böhmen ausbreiteten.<div class="mw-heading mw-heading2">
== Historische Berichte ==
</div><p>Tacitus berichtet über die mythische [https://de.wikipedia.org/wiki/Origo_gentis Abstammung] der Germanen:</p><div class="Vorlage_Zitat"><div><blockquote><p>„Manno tris filios assignant, e quorum nominibus proximi Oceano Ingaevones, medii Herminones, ceteri Istaevones vocentur“</p></blockquote><blockquote lang="de-Latn"><p>„… dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Mannus_(Gott) Mannus] schreiben sie drei Söhne zu, nach deren Namen die dem Ozean Nächsten [https://de.wikipedia.org/wiki/Ingaevonen Ingävonen], die in der Mitte Herminonen, die übrigen [https://de.wikipedia.org/wiki/Istaevonen Istävonen]genannt sein sollen“</p></blockquote></div><div class="cite">– <cite>Tacitus, [https://de.wikipedia.org/wiki/Germania_(Tacitus) Germania] 2,2</cite></div></div><p>Die Lokalisierung der Herminonen wird auch von der Angabe bei Plinius gedeckt:</p><div class="Vorlage_Zitat"><div><blockquote><p>„mediterranei Hermiones, quorum Suebi, Hermunduri, Chatti, Cherusci“</p></blockquote><blockquote lang="de-Latn"><p>„in der Mitte wohnen die Hermionen, zu denen die [https://de.wikipedia.org/wiki/Sueben Sueben], [https://de.wikipedia.org/wiki/Hermunduren Hermunduren], [https://de.wikipedia.org/wiki/Chatten Chatten] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Cherusker Cherusker] gehören“</p></blockquote></div><div class="cite">– <cite>Plinius, [https://de.wikipedia.org/wiki/Naturalis_historia naturalis historia] 4,100.</cite></div></div><p>Etwas abweichend ist die geographische Einordnung bei Mela:</p><div class="Vorlage_Zitat"><div><blockquote><p>„ultra ultimi Germaniae Hermiones“</p></blockquote><blockquote lang="de-Latn"><p>„jenseits die Herminonen als die Äußersten in Germanien“</p></blockquote></div><div class="cite">– <cite>Mela 3,32</cite></div></div><p>Ob die Angabe Melas deswegen auch „unrichtig“<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Herminonen#cite_note-1 [1]]</sup> ist, bleibt jedoch offen; es scheint nämlich vom Kontext her möglich, dass über die Herminonen hinaus noch andere Stämme wohnen.</p><div class="mw-heading mw-heading2">
== Name ==
</div><p>Die Namensüberlieferung schwankt in den Quellen zwischen ''Herminones'' oder ''Hermiones'' bei Tacitus und ''Hermiones'' in den anderen Quellen. Da die bei Tacitus gebotenen drei Namen untereinander durch [https://de.wikipedia.org/wiki/Stabreim Stabreim] verbunden sind, ist dem anlautenden ''H''- keine sprachwirkliche Bedeutung zuzuschreiben, sondern bloß eine graphische. Die Form ''Hermiones'' (ohne das erste ''n'') ist als Verderbnis zu erklären, die entweder durch den Anschluss an Namen wie lat.-gr. ''Hermione'' oder in der Abschrift mechanisch (durch Ausfall eines als Abkürzungsstrich geschriebenen ''n'', also ''Hermīones'' [= Herminones] → ''Hermiones'') entstanden ist. Die zu postulierende Form germanisch *''Erminones'' ist eine Ableitung mit germ. ''n''-Suffix in individualisierender Funktion von dem urgerm. Adjektiv ''*ermina-'' ‚allgemein, umfassend, gesamt, gewaltig’ (→ ahd., as. ''irmin-'', ae. ''eormen'', aisl. ''iǫrmun-''), so dass die Bedeutung des Namens als ‚die Großen, die Gewaltigen, die Allverbündeten’ anzusetzen ist. Der Name könnte also zur Bezeichnung eines Zusammenschlusses mehrerer Stämme gedient haben. Zu denken ist auch an den Namen des altsächsischen Heiligtums [https://de.wikipedia.org/wiki/Irminsul Irminsul].</p><div class="mw-heading mw-heading2">
== Literatur ==
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*[https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BCnter_Neumann_(Philologe) Günter Neumann]:&nbsp;''Erminonen.'' In: ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Reallexikon_der_Germanischen_Altertumskunde Reallexikon der Germanischen Altertumskunde]'' (RGA). 2. Auflage. Band 7, Walter de Gruyter, Berlin/New York 1989, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3110114453 ISBN 3-11-011445-3], S.&nbsp;515–517.
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Ferdinand_Haug Ferdinand Haug]: ''[https://de.wikisource.org/wiki/RE:Herminones Herminones].'' In: ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Paulys_Realencyclop%C3%A4die_der_classischen_Altertumswissenschaft Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft]'' (RE). Band VIII,1, Stuttgart 1912, Sp.&nbsp;834&nbsp;f.
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Norbert_Wagner_(Germanist) Norbert Wagner]: ''Arminius und die Ingaevones''. In: ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Beitr%C3%A4ge_zur_Namenforschung Beiträge zur Namenforschung]. Neue Folge'', Band 17, 1982, S. 291–304.
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== Anmerkungen ==
</div>
#<span class="reference-text">So Haug, in: ''RE'', Bd. VIII,1, Sp. 324.</span>

Aktuelle Version vom 21. Juni 2024, 18:52 Uhr

(historisch) Eine große Gruppe früher germanischer Stämme, die sich im Einzugsgebiet der Elbe niederließen und sich im 1. Jahrhundert n. Chr. nach Bayern, Schwaben und Böhmen ausbreiteten.

Historische Berichte

Tacitus berichtet über die mythische Abstammung der Germanen:

„Manno tris filios assignant, e quorum nominibus proximi Oceano Ingaevones, medii Herminones, ceteri Istaevones vocentur“

„… dem Mannus schreiben sie drei Söhne zu, nach deren Namen die dem Ozean Nächsten Ingävonen, die in der Mitte Herminonen, die übrigen Istävonengenannt sein sollen“

– Tacitus, Germania 2,2

Die Lokalisierung der Herminonen wird auch von der Angabe bei Plinius gedeckt:

„mediterranei Hermiones, quorum Suebi, Hermunduri, Chatti, Cherusci“

„in der Mitte wohnen die Hermionen, zu denen die Sueben, Hermunduren, Chatten und Cherusker gehören“

– Plinius, naturalis historia 4,100.

Etwas abweichend ist die geographische Einordnung bei Mela:

„ultra ultimi Germaniae Hermiones“

„jenseits die Herminonen als die Äußersten in Germanien“

– Mela 3,32

Ob die Angabe Melas deswegen auch „unrichtig“[1] ist, bleibt jedoch offen; es scheint nämlich vom Kontext her möglich, dass über die Herminonen hinaus noch andere Stämme wohnen.

Name

Die Namensüberlieferung schwankt in den Quellen zwischen Herminones oder Hermiones bei Tacitus und Hermiones in den anderen Quellen. Da die bei Tacitus gebotenen drei Namen untereinander durch Stabreim verbunden sind, ist dem anlautenden H- keine sprachwirkliche Bedeutung zuzuschreiben, sondern bloß eine graphische. Die Form Hermiones (ohne das erste n) ist als Verderbnis zu erklären, die entweder durch den Anschluss an Namen wie lat.-gr. Hermione oder in der Abschrift mechanisch (durch Ausfall eines als Abkürzungsstrich geschriebenen n, also Hermīones [= Herminones] → Hermiones) entstanden ist. Die zu postulierende Form germanisch *Erminones ist eine Ableitung mit germ. n-Suffix in individualisierender Funktion von dem urgerm. Adjektiv *ermina- ‚allgemein, umfassend, gesamt, gewaltig’ (→ ahd., as. irmin-, ae. eormen, aisl. iǫrmun-), so dass die Bedeutung des Namens als ‚die Großen, die Gewaltigen, die Allverbündeten’ anzusetzen ist. Der Name könnte also zur Bezeichnung eines Zusammenschlusses mehrerer Stämme gedient haben. Zu denken ist auch an den Namen des altsächsischen Heiligtums Irminsul.

Literatur

Anmerkungen

  1. So Haug, in: RE, Bd. VIII,1, Sp. 324.