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„Werk:TDPC/3.2“ – Versionsunterschied

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Id, quod video [[sensibiliter]], scio ex se non esse.  
Id, quod video [[sensibiliter]], scio ex se non esse.  
Ich weiß, dass das, was ich sinnlich sehe, nicht aus sich selbst ist.


[[sicut|Sicut]] [[enim]] [[sensus]] [[nihil]] a se discernit, sed habet [[discretionem]] a [[superiori]] [[virtute]], sic et [[sensibile]] a se non est, sed est ab [[altiore]] virtute.  
[[sicut|Sicut]] [[enim]] [[sensus]] [[nihil]] a se discernit, sed habet [[discretionem]] a [[superiori]] [[virtute]], sic et [[sensibile]] a se non est, sed est ab [[altiore]] virtute.  


Denn so wie der Sinn nichts wirklich von selbst unterscheiden, aber Urteilsvermögen oberer Tugend hat, so ist das Sinnliche nicht von selbst, sondern von einer erhabenen Tugend.
Ideo apostolus dicebat «a creatura mundi»<ref>'''Röm 1, 20. "'''Seit Erschaffung der Welt wird seine unsichtbare Wirklichkeit an den Werken der Schöpfung mit der Vernunft wahrgenommen, seine ewige Macht und Gottheit. Daher sind sie unentschuldbar."</ref>, ut a visibili mundo tamquam creatura ad creatorem elevemur.  
 
Ideo apostolus dicebat «a creatura mundi»<ref>'''Röm 1, 20.'''
 
Seit Erschaffung der Welt wird seine unsichtbare Wirklichkeit an den Werken der Schöpfung mit der Vernunft wahrgenommen, seine ewige Macht und Gottheit. Daher sind sie unentschuldbar.</ref>, ut a visibili mundo tamquam creatura ad creatorem elevemur.  


Quando igitur videndo sensibile intelligo ipsum a quadam altiori virtute esse, cum sit finitum, quod a se esse nequit – quomodo enim finitum sibi ipsi terminum posuisset? –, tunc virtutem, a qua est, non possum nisi invisibilem et aeternam conspicere.  
Quando igitur videndo sensibile intelligo ipsum a quadam altiori virtute esse, cum sit finitum, quod a se esse nequit – quomodo enim finitum sibi ipsi terminum posuisset? –, tunc virtutem, a qua est, non possum nisi invisibilem et aeternam conspicere.  
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Nam quomodo esset ab alia virtute, nisi foret creata?  
Nam quomodo esset ab alia virtute, nisi foret creata?  


Sempiterna igitur est virtus, per quam mundi exstat creatura, ideo invisibilis. «Quae enim videntur, temporalia sunt.» <ref>2 Cor. 4,18.
Sempiterna igitur est virtus, per quam mundi exstat creatura, ideo invisibilis. «Quae enim videntur, temporalia sunt.» <ref>2 Cor. 4,18. "da wir nicht auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare blicken. Denn das Sichtbare ist vorläufig, das Unsichtbare aber ewig."</ref>


"da wir nicht auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare blicken. Denn das Sichtbare ist vorläufig, das Unsichtbare aber ewig."</ref>
Et haec est ipsa omni creaturae invisibilis divinitas.
 
Ich weiß, dass das, was ich sinnlich sehe, nicht aus sich selbst ist.
 
Denn so wie der Sinn nichts wirklich von selbst unterscheiden, aber Urteilsvermögen oberer Tugend hat, so ist das Sinnliche nicht von selbst, sondern von einer erhabenen Tugend.


Et haec est ipsa omni creaturae invisibilis divinitas.


   
   
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KARO: Von dem, was ich sinnlich sehe, weiß ich, daß es nicht aus sich ist. Wie nämlich der Sinn nichts von sich aus unterscheidet, sondern die Unterscheidung von einem übergeordneten Vermögen1 hat2, so ist auch das Sinnliche nicht aus sich, sondern von einer höheren Kraft her. Deshalb sagte der Apostel »von der Schöpfung der Welt her«, damit wir von der sichtbaren Welt als vom Geschöpf zum Schöpfer uns erheben. Wenn ich also im Anschauen des Sinnlichen einsehe, daß es von einer höheren Kraft her ist, da es doch ein Begrenztes ist, das von sich her nicht sein kann - denn wie hätte das Begrenzte sich selbst die Grenze gesetzt?J-, dann kann ich die Kraft, von der her es ist, nur als unsichtbare und ewige erblicken. Die Schöpferkraft näm- lich kann nur als ewige gedacht werden. Denn wie wäre sie von einer anderen Kraft her, außer sie wäre geschaffen? Ewigwährend also ist die Kraft, durch die die geschaffene Welt besteht; deshalb unsichtbar, »denn was gesehen wird, ist zeitlich«4• Und sie ist die aller Kreatur unsichtbare Göttlichkeit selbst.
KARD: Von dem, was ich sinnlich sehe, weiß ich, daß es nicht aus sich ist. Wie nämlich der Sinn nichts von sich aus unterscheidet, sondern die Unterscheidung von einem übergeordneten Vermögen<ref>{{:TDPC/Anm/3,1}}</ref> hat<ref>{{:TDPC/Anm/3,2}}</ref>, so ist auch das Sinnliche nicht aus sich, sondern von einer höheren Kraft her. Deshalb sagte der Apostel »von der Schöpfung der Welt her«, damit wir von der sichtbaren Welt als vom Geschöpf zum Schöpfer uns erheben. Wenn ich also im Anschauen des Sinnlichen einsehe, daß es von einer höheren Kraft her ist, da es doch ein Begrenztes ist, das von sich her nicht sein kann - denn wie hätte das Begrenzte sich selbst die Grenze gesetzt?<ref>{{:TDPC/Anm/3,3}}</ref> –, dann kann ich die Kraft, von der her es ist, nur als unsichtbare und ewige erblicken. Die Schöpferkraft näm- lich kann nur als ewige gedacht werden. Denn wie wäre sie von einer anderen Kraft her, außer sie wäre geschaffen? Ewigwährend also ist die Kraft, durch die die geschaffene Welt besteht; deshalb unsichtbar, »denn was gesehen wird, ist zeitlich«<ref>{{:TDPC/Anm/3,4}}</ref> Und sie ist die aller Kreatur unsichtbare Göttlichkeit selbst.


'''Kardinal:''' Von dem, was ich sinnlich sehe, weiß ich, daß es nicht aus sich ist; wie der Sinn nichts von sich aus unterscheidet, vielmehr diese Unterscheidung von einer höheren Kraft hat, so ist auch das Sinnliche nicht von sich, sondern von einer höheren Kraft. Deshalb erklärte der Apostel, daß wir von der Weltschöpfung als der sichtbaren Welt ausgehend gleichsam als Geschöpf zum Schöpfer verwiesen werden. Wenn ich also beim Sehen des Sinnlichen einsehe, daß es von einer höheren Kraft stammt, da es etwas Begrenztes ist, das nicht von sich selbst sein kann – denn wie hätte das Begrenzte sich selbst die Grenze setzen können? –, dann vermag ich die Kraft, aus der es stammt, nicht anders denn als eine unsichtbare und ewige zu erblicken. Die Schöpferkraft können wir nämlich nur als eine ewige erkennen. Denn wie sollte sie von einer anderen Kraft sein, ohne geschaffen zu sein? Die Kraft, durch welche die Weltschöpfung besteht, ist also immerwährend und unsichtbar; denn was wir sehen, ist zeitlich. Sie ist die alles schaffende unsichtbare Gottheit.</noinclude>
'''Kardinal:''' Von dem, was ich sinnlich sehe, weiß ich, daß es nicht aus sich ist; wie der Sinn nichts von sich aus unterscheidet, vielmehr diese Unterscheidung von einer höheren Kraft hat, so ist auch das Sinnliche nicht von sich, sondern von einer höheren Kraft. Deshalb erklärte der Apostel, daß wir von der Weltschöpfung als der sichtbaren Welt ausgehend gleichsam als Geschöpf zum Schöpfer verwiesen werden. Wenn ich also beim Sehen des Sinnlichen einsehe, daß es von einer höheren Kraft stammt, da es etwas Begrenztes ist, das nicht von sich selbst sein kann – denn wie hätte das Begrenzte sich selbst die Grenze setzen können? –, dann vermag ich die Kraft, aus der es stammt, nicht anders denn als eine unsichtbare und ewige zu erblicken. Die Schöpferkraft können wir nämlich nur als eine ewige erkennen. Denn wie sollte sie von einer anderen Kraft sein, ohne geschaffen zu sein? Die Kraft, durch welche die Weltschöpfung besteht, ist also immerwährend und unsichtbar; denn was wir sehen, ist zeitlich. Sie ist die alles schaffende unsichtbare Gottheit.</noinclude>

Version vom 1. Juli 2024, 12:13 Uhr

▷[1]Cardinalis:

Id, quod video sensibiliter, scio ex se non esse.

Sicut enim sensus nihil a se discernit, sed habet discretionem a superiori virtute, sic et sensibile a se non est, sed est ab altiore virtute.

Ideo apostolus dicebat «a creatura mundi»[2], ut a visibili mundo tamquam creatura ad creatorem elevemur.

Quando igitur videndo sensibile intelligo ipsum a quadam altiori virtute esse, cum sit finitum, quod a se esse nequit – quomodo enim finitum sibi ipsi terminum posuisset? –, tunc virtutem, a qua est, non possum nisi invisibilem et aeternam conspicere.

Virtus enim creativa non potest intelligi nisi aeterna.

Nam quomodo esset ab alia virtute, nisi foret creata?

Sempiterna igitur est virtus, per quam mundi exstat creatura, ideo invisibilis. «Quae enim videntur, temporalia sunt.» [3]

Et haec est ipsa omni creaturae invisibilis divinitas.

Ich weiß, dass das, was ich sinnlich sehe, nicht aus sich selbst ist.

Denn so wie der Sinn nichts wirklich von selbst unterscheiden, aber Urteilsvermögen oberer Tugend hat, so ist das Sinnliche nicht von selbst, sondern von einer erhabenen Tugend.



◀▷

KARD: Von dem, was ich sinnlich sehe, weiß ich, daß es nicht aus sich ist. Wie nämlich der Sinn nichts von sich aus unterscheidet, sondern die Unterscheidung von einem übergeordneten Vermögen[4] hat[5], so ist auch das Sinnliche nicht aus sich, sondern von einer höheren Kraft her. Deshalb sagte der Apostel »von der Schöpfung der Welt her«, damit wir von der sichtbaren Welt als vom Geschöpf zum Schöpfer uns erheben. Wenn ich also im Anschauen des Sinnlichen einsehe, daß es von einer höheren Kraft her ist, da es doch ein Begrenztes ist, das von sich her nicht sein kann - denn wie hätte das Begrenzte sich selbst die Grenze gesetzt?[6] –, dann kann ich die Kraft, von der her es ist, nur als unsichtbare und ewige erblicken. Die Schöpferkraft näm- lich kann nur als ewige gedacht werden. Denn wie wäre sie von einer anderen Kraft her, außer sie wäre geschaffen? Ewigwährend also ist die Kraft, durch die die geschaffene Welt besteht; deshalb unsichtbar, »denn was gesehen wird, ist zeitlich«[7] Und sie ist die aller Kreatur unsichtbare Göttlichkeit selbst.

Kardinal: Von dem, was ich sinnlich sehe, weiß ich, daß es nicht aus sich ist; wie der Sinn nichts von sich aus unterscheidet, vielmehr diese Unterscheidung von einer höheren Kraft hat, so ist auch das Sinnliche nicht von sich, sondern von einer höheren Kraft. Deshalb erklärte der Apostel, daß wir von der Weltschöpfung als der sichtbaren Welt ausgehend gleichsam als Geschöpf zum Schöpfer verwiesen werden. Wenn ich also beim Sehen des Sinnlichen einsehe, daß es von einer höheren Kraft stammt, da es etwas Begrenztes ist, das nicht von sich selbst sein kann – denn wie hätte das Begrenzte sich selbst die Grenze setzen können? –, dann vermag ich die Kraft, aus der es stammt, nicht anders denn als eine unsichtbare und ewige zu erblicken. Die Schöpferkraft können wir nämlich nur als eine ewige erkennen. Denn wie sollte sie von einer anderen Kraft sein, ohne geschaffen zu sein? Die Kraft, durch welche die Weltschöpfung besteht, ist also immerwährend und unsichtbar; denn was wir sehen, ist zeitlich. Sie ist die alles schaffende unsichtbare Gottheit.

  1. ↑ ▷n. 3 Mit Z. 1 ist das Problem allererst genau gestellt: Die creatura mundi ist durch visibilitas, Sichtbarkeit ausgezeichnet. In Z. 3ff. bringt der Kardinal die erste Entwicklung, die erste Inbeziehungsetzung des Sichtbaren zum Unsichtbaren, indem er aussagt, daß die Unterschiedenheit und deshalb Sichtbarkeit von einer unsichtbaren Unterscheidungskraft herrührt, so daß gilt, daß das Sichtbare im Unsichtbaren gründet, Gottes virtus also von der Schöpfung her als unsichtbare verstanden werden muß. Die erkenntnis-theoretische Erläuterung, daß der sensus seine Unterschei- dungskraft nicht aus sich hat, sondern von einer über ihm liegenden Macht, wird ins Ontologische gewendet (sic, 5). Z. 12f.: Virtus - aeterna nimmt Bezug auf n. 2,8.
  2. ↑ Röm 1, 20. "Seit Erschaffung der Welt wird seine unsichtbare Wirklichkeit an den Werken der Schöpfung mit der Vernunft wahrgenommen, seine ewige Macht und Gottheit. Daher sind sie unentschuldbar."
  3. ↑ 2 Cor. 4,18. "da wir nicht auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare blicken. Denn das Sichtbare ist vorläufig, das Unsichtbare aber ewig."
  4. ↑ TDPC/Anm/3,1
  5. ↑ TDPC/Anm/3,2
  6. ↑ TDPC/Anm/3,3
  7. ↑ TDPC/Anm/3,4