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„Werk:De ven. sap./39“ – Versionsunterschied

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'''39'''[[De venatione sapientiae/39|▷]]Aristoteles Socratem ad diffinitiones primo ingenium contulisse in Metaphysica sua scribit. Diffinitio enim scire facit. Exprimit<ref>Z.5</ref> enim diffiniti genericam concordantiam et differentiam specificam, quam vocabulum in suo significato complicat. Videtur igitur quaesitum in diffinitione sua eo modo, quo cognosci potest. Oportet igitur intellectum, qui venatur id quod ipsum posse fieri praecedit, attendere, quomodo etiam li aliud praecedit. Non enim potest fieri aliud<ref>Z.10</ref>, quod posse fieri antecedit, quia aliud est post ipsum. Et quia hoc sic se habet, non potest per alios terminos diffiniri, scilicet per genus et differentias specificari seu determinari quae praecedit. Oportet igitur, quod ipsum sit sui ipsius diffinitio. Et hoc etiam clarum ex antehabitis, quando praecedit differentiam diffinitionis<ref>Z.15</ref> et diffiniti. Nec hoc solum, sed etiam necesse est per ipsum omnia diffiniri, cum esse nequeant, nisi per ipsum sint et diffiniantur. Optime haec vidit Dionysius in capitulo de perfecto et uno libri Divinorum nominum dicens: «Neque est unum illud – omnium causa – unum ex pluribus, sed ante unum omne, omnem<ref>Z.20</ref> multitudinem uniusque omnis ac multitudinis diffinitum.»
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Aristoteles schreibt in seiner Metaphysik, daß sich Sokrates als erster um die Definition bemühte. Die Definition erzeugt nämlich Wissen; sie drückt die ursprüngliche Übereinstimmung und den eigengestaltlichen Unterschied des Definierten, welche das Wort in seinem Bedeutungsgehalt zusammenschließt, aus.
 
Das Gesuchte wird in seiner Definition auf jene Weise eingesehen, in der es erkannt werden kann. Der vernünftige Geist, der das, was dem Werden-Können vorausgeht, erjagt, muß also überdies darauf achten, daß es auch dem Anderen vorausgeht.
 
Denn das, was dem Werden-Können vorausgeht, kann nicht ein Anderes werden, weil das Andere nach ihm ist. Weil es sich so verhält, kann es nicht durch andere Begriffe, nämlich seiner Art und Herkunft nach, definiert und durch Unterschiede spezifiziert oder determiniert werden, da es diesem allen vorangeht.
 
Es ist also notwendig, daß es die Definition seiner selbst ist; das wurde auch aus dem bereits Vorgebrachten deutlich, da es der Differenz von Definition und Definiertem vorangeht. Dann gilt nicht nur dies, sondern es ist auch notwendig, daß alles durch es definiert wird, weil alles nur sein kann, wenn es durch es ist und definiert wird.
 
Sehr gut sieht dies Dionysius, der in seiner Schrift De divinis nominibus im Kapitel über das Vollkommene und Eine sagt: Dieses Eine, das die Ursache von allem ist, ist nicht Eines aus Vielen, sondern vor jedem einzelnen Einen und vor jeder Vielheit das Bestimmende jedes Einzelnen und jeder Vielheit.</noinclude>

Version vom 8. Juli 2024, 07:00 Uhr

39▷Aristoteles Socratem ad diffinitiones primo ingenium contulisse in Metaphysica sua scribit. Diffinitio enim scire facit. Exprimit[1] enim diffiniti genericam concordantiam et differentiam specificam, quam vocabulum in suo significato complicat. Videtur igitur quaesitum in diffinitione sua eo modo, quo cognosci potest. Oportet igitur intellectum, qui venatur id quod ipsum posse fieri praecedit, attendere, quomodo etiam li aliud praecedit. Non enim potest fieri aliud[2], quod posse fieri antecedit, quia aliud est post ipsum. Et quia hoc sic se habet, non potest per alios terminos diffiniri, scilicet per genus et differentias specificari seu determinari quae praecedit. Oportet igitur, quod ipsum sit sui ipsius diffinitio. Et hoc etiam clarum ex antehabitis, quando praecedit differentiam diffinitionis[3] et diffiniti. Nec hoc solum, sed etiam necesse est per ipsum omnia diffiniri, cum esse nequeant, nisi per ipsum sint et diffiniantur. Optime haec vidit Dionysius in capitulo de perfecto et uno libri Divinorum nominum dicens: «Neque est unum illud – omnium causa – unum ex pluribus, sed ante unum omne, omnem[4] multitudinem uniusque omnis ac multitudinis diffinitum.»

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Aristoteles schreibt in seiner Metaphysik, daß sich Sokrates als erster um die Definition bemühte. Die Definition erzeugt nämlich Wissen; sie drückt die ursprüngliche Übereinstimmung und den eigengestaltlichen Unterschied des Definierten, welche das Wort in seinem Bedeutungsgehalt zusammenschließt, aus.

Das Gesuchte wird in seiner Definition auf jene Weise eingesehen, in der es erkannt werden kann. Der vernünftige Geist, der das, was dem Werden-Können vorausgeht, erjagt, muß also überdies darauf achten, daß es auch dem Anderen vorausgeht.

Denn das, was dem Werden-Können vorausgeht, kann nicht ein Anderes werden, weil das Andere nach ihm ist. Weil es sich so verhält, kann es nicht durch andere Begriffe, nämlich seiner Art und Herkunft nach, definiert und durch Unterschiede spezifiziert oder determiniert werden, da es diesem allen vorangeht.

Es ist also notwendig, daß es die Definition seiner selbst ist; das wurde auch aus dem bereits Vorgebrachten deutlich, da es der Differenz von Definition und Definiertem vorangeht. Dann gilt nicht nur dies, sondern es ist auch notwendig, daß alles durch es definiert wird, weil alles nur sein kann, wenn es durch es ist und definiert wird.

Sehr gut sieht dies Dionysius, der in seiner Schrift De divinis nominibus im Kapitel über das Vollkommene und Eine sagt: Dieses Eine, das die Ursache von allem ist, ist nicht Eines aus Vielen, sondern vor jedem einzelnen Einen und vor jeder Vielheit das Bestimmende jedes Einzelnen und jeder Vielheit.

  1. ↑ Z.5
  2. ↑ Z.10
  3. ↑ Z.15
  4. ↑ Z.20