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[[ÜHA/3|▶]] | [[ÜHA/3|▶]]»''[[Tätigkeitswort]]''« ist eines, das zusätzlich ''[[Zeit]]'' mitbezeichnet, dessen Teil, für sich genommen, nichts anzeigt; es ist Ausdruck von Aussagen, die über andere Gegenstände gemacht werden.<ref>{{:ADHM/AdH/Herm. 013}}</ref> Mit »zeigt Zeit mit an« meine ich z. B.: »Gesundheit« ist eine ''[[Benennung]]'', »ist gesund« ein ''Tätigkeitswort'', es bezeichnet nämlich mit das Gegenwärtig-Vorliegen. Und es ist immer ein Ausdruck von Vorliegendem, z. B. dessen an einem Satzgegenstand. Dagegen »ist nicht gesund« oder »leidet nicht« nenne ich ''nicht'' Tätigkeitsausdruck;<ref>{{:ADHM/AdH/Herm. 014}}</ref> es bezeichnet zwar eine Zeit mit und liegt auch immer an etwas vor, doch liegt für den Unterschied keine Bezeichnung bereit; so heiße es denn »unbestimmtes Tätigkeitswort«, weil es gleicherweise an Beliebigem zutrifft, ob das nun ist oder nicht ist. Entsprechend aber auch, »gesundete« oder »wird gesund sein« sind nicht Tätigkeitswort, sondern ''Fälle'' eines solchen; sie unterscheiden sich vom Tätigkeitswort darin, daß dieses ''gegenwärtige'' Zeit mitbezeichnet, sie aber die Zeit ''darum'' ''herum''.<ref>{{:ADHM/AdH/Herm. 015}}</ref> – | ||
Bloß so für sich ausgesprochen sind die Tätigkeitsworte auch Benennungen und deuten auf etwas hin – wer sie ausspricht, richtet das Verstehen fest auf einen Punkt, und wer sie hört, macht sich daran fest<ref>{{:ADHM/AdH/Herm. 016}}</ref> – nur, ob das nun ''ist'' oder nicht, zeigt dies noch nicht an; denn »sein« oder »nicht sein« sind nicht Anzeiger eines Gegenständlichen, auch nicht, wenn man »seiend« bloß für sich sagt. Als dieses selbst ist es nämlich ''nichts'', es bezeichnet aber eine Verbindung mit, die ohne die verbundenen Stücke nicht zu denken ist.<ref>{{:ADHM/AdH/Herm. 017}}</ref> | |||
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9) ἐστι] ἐστιν M-P | 9) ἐστι] ἐστιν M-P | ||
=== Übs. Kirchmann 1876 === | |||
Das ''Zeitwort'' ist ein Wort, was auch noch die Zeit bezeichnet und dessen Theile nichts besonderes bedeuten und welches immer das von einem Andern Ausgesagte bezeichnet. Ich sage also, dass es auch die Zeit noch anzeigt; so ist z.B. die Gesundheit ein Hauptwort und das: »er ist gesund«, ein Zeitwort, denn es bezeichnet noch, dass das Gesunde jetzt vor handen ist. Es ist ferner immer die Bezeichnung eines von einem andern Ausgesagten, z.B. eines ''von'' einem Unterliegenden oder ''in'' einem Unterliegenden Ausgesagten. | |||
Dagegen nenne ich das: er ist ''nicht'' gesund, oder: erkrankt ''nicht'', kein Zeitwort; es bezeichnet zwar auch die Zeit und wird immer von Etwas ausgesagt, doch giebt es für den Art-Unterschied desselben keinen Namen; es soll deshalb ein unbestimmtes Zeitwort heissen; weil es von allem Möglichen gleichmässig ausgesagt werden kann, mag es sein oder nicht-sein. Ebenso sind das: er war gesund, und das: er wird gesund werden, keine Zeitworte, sondern Beugungen eines Zeitwortes. Sie unterscheiden sich von dem Zeitwort dadurch, dass dieses die gegenwärtige Zeit bezeichnet, jenes aber die Zeit vor oder nach der gegenwärtigen. | |||
Wenn die Zeitworte rein für sich ausgesprochen werden, so sind sie Hauptworte und bezeichnen zwar etwas (denn der Sprechende hält dabei sein Denken an und der Hörende verharrt dabei), aber sie sagen nicht, ob dieses Etwas ''ist'' oder ''nicht'' ist; denn sie bezeichnen weder das Sein, noch das Nichtsein des Gegenstandes und dies gilt selbst dann, wenn man das Wort: ''Seiendes'' ohne Zusatz für sich ausspricht, denn als solches ist es noch nichts, vielmehr deutet es nur eine Verbindung im Voraus an, die man aber ohne das damit Verbundene sich noch nicht vorstellen kann. | |||
=== Engl. === | |||
A verb is that which, in addition to its proper meaning, carries with it the notion of time. No part of it has any independent meaning, and it is a sign of something said of something else. | A verb is that which, in addition to its proper meaning, carries with it the notion of time. No part of it has any independent meaning, and it is a sign of something said of something else. | ||
Version vom 7. August 2024, 08:51 Uhr
▶»Tätigkeitswort« ist eines, das zusätzlich Zeit mitbezeichnet, dessen Teil, für sich genommen, nichts anzeigt; es ist Ausdruck von Aussagen, die über andere Gegenstände gemacht werden.[1] Mit »zeigt Zeit mit an« meine ich z. B.: »Gesundheit« ist eine Benennung, »ist gesund« ein Tätigkeitswort, es bezeichnet nämlich mit das Gegenwärtig-Vorliegen. Und es ist immer ein Ausdruck von Vorliegendem, z. B. dessen an einem Satzgegenstand. Dagegen »ist nicht gesund« oder »leidet nicht« nenne ich nicht Tätigkeitsausdruck;[2] es bezeichnet zwar eine Zeit mit und liegt auch immer an etwas vor, doch liegt für den Unterschied keine Bezeichnung bereit; so heiße es denn »unbestimmtes Tätigkeitswort«, weil es gleicherweise an Beliebigem zutrifft, ob das nun ist oder nicht ist. Entsprechend aber auch, »gesundete« oder »wird gesund sein« sind nicht Tätigkeitswort, sondern Fälle eines solchen; sie unterscheiden sich vom Tätigkeitswort darin, daß dieses gegenwärtige Zeit mitbezeichnet, sie aber die Zeit darum herum.[3] –
Bloß so für sich ausgesprochen sind die Tätigkeitsworte auch Benennungen und deuten auf etwas hin – wer sie ausspricht, richtet das Verstehen fest auf einen Punkt, und wer sie hört, macht sich daran fest[4] – nur, ob das nun ist oder nicht, zeigt dies noch nicht an; denn »sein« oder »nicht sein« sind nicht Anzeiger eines Gegenständlichen, auch nicht, wenn man »seiend« bloß für sich sagt. Als dieses selbst ist es nämlich nichts, es bezeichnet aber eine Verbindung mit, die ohne die verbundenen Stücke nicht zu denken ist.[5]
Ῥῆμα δέ ἐστι τὸ προσσημαῖνον χρόνον, οὗ μέρος οὐδὲν σημαίνει χωρίς, καὶ ἔστιν ἀεὶ 1) τῶν καθ' ἑτέρου λεγομένων σημεῖον. λέγω δ' ὅτι προσσημαίνει χρόνον, οἷον ὑγίεια μὲν ὄνομα, τὸ δὲ 2) ὑγιαίνει ῥῆμα· προσσημαίνει γὰρ τὸ νῦν ὑπάρχειν. καὶ ἀεὶ τῶν καθ' ἑτέρου λεγομένων σημεῖόν 3) ἐστιν, οἷον [10] τῶν καθ' ὑποκειμένου ὑποκειμένου ἢ ἐν ὑποκειμένωι 4).
Τὸ δὲ οὐχ ὑγιαίνει καὶ τὸ οὐ κάμνει οὐ ῥῆμα λέγωo προσσημαίνει μὲν γὰρ χρόνον καὶ ἀεὶ κατά τινος ὑπάρχει, τῆι δὲ διαφορᾶι 5) ὄνομα οὐ κεῖται· ἀλλ' ἔστω ἀόριστον ῥῆμα, ὅτι ὁμοίως ἐφ' ὁτουοῦν ὑπάρχει, καὶ ὄντος καὶ μὴ ὄντος. [15] ὁμοίως δὲ καὶ τὸ ὑγίανεν ἢ τὸ ὑγιανεῖ οὐ ῥῆμα, ἀλλὰ πτῶσις ῥήματος· διαφέρει δὲ τοῦ ῥήματος, ὅτι τὸ μὲν τὸν παρόντα προσσημαίνει χρόνον, τὰ δὲ τὸν πέριξ.
Αὐτὰ μὲν οὖν καθ' ἑαυτὰ 6) λεγόμενα τὰ ῥήματα ὀνόματά ἐστι καὶ σημαίνει τι (ἵστησι γὰρ ὁ λέγων τὴν διάνοιαν, [20] καὶ ὁ ἀκούσας ἠρέμησεν), ἀλλ' εἰ ἔστιν ἢ μή, οὔπω σημαίνει· οὐδὲ 7) γὰρ τὸ εἶναι ἢ μὴ εἶναι σημεῖόν ἐστι τοῦ πράγματος, οὐδ' ἐὰν τὸ ὂν εἴπηις καθ' ἑαυτὸ ψιλόν. 8) αὐτὸ μὲν γὰρ οὐδέν ἐστι 9), προσσημαίνει δὲ σύνθεσίν τινα, ἣν ἄνευ τῶν συγκειμένων οὐκ ἔστι νοῆσαι. [25]
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1) χωρίς, καὶ ἔστιν ἀεὶ τῶν] χωρίς· ἔστι δὲ τῶν M-P
2) δὲ] δ' M-P
3) τῶν καθ' ἑτέρου λεγομένων σημεῖόν] τῶν ὑπαρχόντων σημεῖόν M-P
4) ὑποκειμένου ἢ ἐν ὑποκειμένωι.] ὑποκειμένου. M-P
5) δέ διαφορᾶι] διαφορᾶι δὲ M-P
6) ἑαυτά] αὑτὰ M-P
7) οὐδέ] οὐ M-P
8) εἴπηις καθ' ἑαυτό ψιλόν.] εἴπηις ψιλόν. M-P
9) ἐστι] ἐστιν M-P
Übs. Kirchmann 1876
Das Zeitwort ist ein Wort, was auch noch die Zeit bezeichnet und dessen Theile nichts besonderes bedeuten und welches immer das von einem Andern Ausgesagte bezeichnet. Ich sage also, dass es auch die Zeit noch anzeigt; so ist z.B. die Gesundheit ein Hauptwort und das: »er ist gesund«, ein Zeitwort, denn es bezeichnet noch, dass das Gesunde jetzt vor handen ist. Es ist ferner immer die Bezeichnung eines von einem andern Ausgesagten, z.B. eines von einem Unterliegenden oder in einem Unterliegenden Ausgesagten.
Dagegen nenne ich das: er ist nicht gesund, oder: erkrankt nicht, kein Zeitwort; es bezeichnet zwar auch die Zeit und wird immer von Etwas ausgesagt, doch giebt es für den Art-Unterschied desselben keinen Namen; es soll deshalb ein unbestimmtes Zeitwort heissen; weil es von allem Möglichen gleichmässig ausgesagt werden kann, mag es sein oder nicht-sein. Ebenso sind das: er war gesund, und das: er wird gesund werden, keine Zeitworte, sondern Beugungen eines Zeitwortes. Sie unterscheiden sich von dem Zeitwort dadurch, dass dieses die gegenwärtige Zeit bezeichnet, jenes aber die Zeit vor oder nach der gegenwärtigen.
Wenn die Zeitworte rein für sich ausgesprochen werden, so sind sie Hauptworte und bezeichnen zwar etwas (denn der Sprechende hält dabei sein Denken an und der Hörende verharrt dabei), aber sie sagen nicht, ob dieses Etwas ist oder nicht ist; denn sie bezeichnen weder das Sein, noch das Nichtsein des Gegenstandes und dies gilt selbst dann, wenn man das Wort: Seiendes ohne Zusatz für sich ausspricht, denn als solches ist es noch nichts, vielmehr deutet es nur eine Verbindung im Voraus an, die man aber ohne das damit Verbundene sich noch nicht vorstellen kann.
Engl.
A verb is that which, in addition to its proper meaning, carries with it the notion of time. No part of it has any independent meaning, and it is a sign of something said of something else.
I will explain what I mean by saying that it carries with it the notion of time. ‘Health’ is a noun, but ‘is healthy’ is a verb; for besides its proper meaning it indicates the present existence of the state in question.
Moreover, a verb is always a sign of something said of something else, i.e. of something either predicable of or present in some other thing.
Such expressions as ‘is not-healthy’, ‘is not, ill’, I do not describe as verbs; for though they carry the additional note of time, and always form a predicate, there is no specified name for this variety; but let them be called indefinite verbs, since they apply equally well to that which exists and to that which does not.
Similarly ‘he was healthy’, ‘he will be healthy’, are not verbs, but tenses of a verb; the difference lies in the fact that the verb indicates present time, while the tenses of the verb indicate those times which lie outside the present.
Verbs in and by themselves are substantival and have significance, for he who uses such expressions arrests the hearer’s mind, and fixes his attention; but they do not, as they stand, express any judgement, either positive or negative. For neither are ‘to be’ and ‘not to be’ the participle ‘being’ significant of any fact, unless something is added; for they do not themselves indicate anything, but imply a copulation, of which we cannot form a conception apart from the things coupled.== Einzelnachweise ==
- ↑ ▶13) Die beiden Differenzen sind klar: (1) Ein Verbum kann in spezieller Weise über Formveränderungen in die Zeit gesetzt werden; Aristoteles bleibt auch hier auf der objektiven, semantischen Seite: Es bezeichnet Zeit mit. (2) Es steht in einem logos auf der Prädikatsseite, ist also nicht das, wovon die Rede ist.
- ↑ ▶14) Analog zu 16 a 30. Die Negation wird offensichtlich nicht als bloß operative Funktionspartikel betrachtet, die den Sinn ihrer Anwendung erst in Sätzen fände; sie negiert hier schon Wortinhalte, bringt diese auf die unbestimmte Seite des Nicht-seins und zieht, zu einem Zugrundeliegenden hinzugesetzt, dieses mit hinüber. Wenn etwas Bestimmtes nicht ist, kann immer noch alles andere sein, daher »unbestimmt«, sowohl beim Verb wie auch beim Nomen.
- ↑ ▶15) Absolute Präponderanz also der Präsensform hier wie der Nennform beim Nomen. Es ist wieder nicht die bloße Form, sondern ihr Inhalt: Was hier und jetzt gilt, ist für die hier zu betrachtenden Urteilsarten allein interessant. Was einmal gegolten hat oder gelten wird, die »Zeit darum herum«, wie er viel anschaulicher sagt, mag genauso zu Rhetorik oder Poetik gehören wie Gebet etc. (17 a 4–6).
- ↑ ▶16) In der Tat waren zu Anfang des platonischen Kratylos die Worte überhaupt noch nicht geschieden: jedes Wort weist auf etwas hin, ist also vor seinem Satzgebrauch erst einmal ein »Name«. Spezieller, die Grammatik sieht auch die Nennform des Verbs, den Infinitiv, als ein Substantiv an. Die Begründung, die er gibt, nämlich das Suchen des ruhenden Punktes in der Flucht der – hier – phonetischen Erscheinungen, wird auf erkenntnistheoretischem Niveau gewissermaßen zitiert bei Anal. post., B 19, 100 a 15 ff. Beide Topoi gehen offenbar zurück auf die Etymologie von ἐπιστήμη (Wissen) bei Platon, Krat., 437 a (wobei man allerdings 412a unbeachtet lassen muß).
- ↑ ▶17) Hier ist er der bloß kopulativen Funktion des »ist« am nächsten, aber vollen Ernst hat er mit der bloßen Formalität davon doch nicht gemacht. »Sein« und einige andere (z. B. »eines«) gehören bei ihm zu den Allgemeinbestimmungen, die an allem und jedem vorkommen, also selbst praktisch keinen Inhalt haben. Ein anderer kommt ihm hierin sehr nahe und ist an Radikalität weit über ihn hinausgegangen: »Seyn, reines Seyn – ohne alle weitere Bestimmung. In seiner unbestimmten Unmittelbarkeit ist es nur sich selbst gleich und auch nicht ungleich gegen Anderes, hat keine Verschiedenheit innerhalb seiner, noch nach außen … Es ist die reine Unbestimmtheit und Leere … ist in der Tat Nichts, und nicht mehr noch weniger als Nichts.« Hegel, Logik I, WW IV, 87 f. Glockner.