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„Antisthenes“ – Versionsunterschied

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Antisthenes {{dt.-agrie.}} Ἀντισθένης ''[[Antisthénēs]] "Gegenstehender'"''[[Datei:220px-Antisthenes_Pio-Clementino_Inv288.jpg|verweis=https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Antisthenes_Pio-Clementino_Inv288.jpg|mini|200x200px]]
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<p>'''Antisthenes''' ([https://de.wikipedia.org/wiki/Altgriechische_Sprache altgriechisch] Ἀντισθένης ''Antisthénēs''; * um 445 v. Chr.; † um 365 v. Chr.) war ein griechischer [https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophie_der_Antike Philosoph der Antike]. Er lebte in [https://de.wikipedia.org/wiki/Athen Athen] und war Begründer sowie einer der Hauptvertreter der Lehre des [https://de.wikipedia.org/wiki/Kynismus Kynismus].</p><p>Antisthenes dürfte zu seiner Zeit einer der bekanntesten Philosophen Athens gewesen sein. Er war ein Schüler des 20 Jahre älteren [https://de.wikipedia.org/wiki/Sokrates Sokrates], ein Zeitgenosse [https://de.wikipedia.org/wiki/Platon Platons] und ein Lehrer des Kynikers [https://de.wikipedia.org/wiki/Diogenes_von_Sinope Diogenes von Sinope]. In der Philosophiegeschichte wird Antisthenes oft zu den sogenannten [https://de.wikipedia.org/wiki/Sokrates#Nachwirkung kleinen Sokratikern] gezählt.</p><p>Von den Schriften des Antisthenes ist außer zwei kurzen Übungsreden nichts erhalten. Was man heute über sein Leben und seine Lehre weiß, wurde aus Berichten anderer antiker Autoren gesammelt. Insgesamt ist die Überlieferungslage schlecht. Die wichtigsten Auskünfte über Antisthenes stammen von seinem Zeitgenossen [https://de.wikipedia.org/wiki/Xenophon Xenophon], [https://de.wikipedia.org/wiki/Aristoteles Aristoteles] und dem im 3. Jahrhundert tätigen Philosophiehistoriker [https://de.wikipedia.org/wiki/Diogenes_Laertios Diogenes Laertios].</p><p>Antisthenes war dafür bekannt, Luxus und Reichtum geringzuschätzen, [https://de.wikipedia.org/wiki/Autarkie Bedürfnislosigkeit] hingegen zu befürworten. Auf dem Gebiet der [https://de.wikipedia.org/wiki/Logik Logik] hat sich Antisthenes mit [https://de.wikipedia.org/wiki/Definition Definitionen] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Aussage_(Logik) Aussagen]beschäftigt; auf dem der [https://de.wikipedia.org/wiki/Erkenntnistheorie Erkenntnistheorie] hat er gegen die [https://de.wikipedia.org/wiki/Ideenlehre Ideenlehre] Platons die Existenz der platonischen Ideen angezweifelt. Außerdem hat er politische Fragen behandelt und Werke des Dichters [https://de.wikipedia.org/wiki/Homer Homer] interpretiert.</p>
<p>'''Antisthenes''' ([https://de.wikipedia.org/wiki/Altgriechische_Sprache altgriechisch] Ἀντισθένης ''Antisthénēs''; * um 445 v. Chr.; † um 365 v. Chr.) war ein griechischer [https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophie_der_Antike Philosoph der Antike]. Er lebte in [https://de.wikipedia.org/wiki/Athen Athen] und war Begründer sowie einer der Hauptvertreter der Lehre des [https://de.wikipedia.org/wiki/Kynismus Kynismus].</p>
<p>Antisthenes dürfte zu seiner Zeit einer der bekanntesten Philosophen Athens gewesen sein. Er war ein Schüler des 20 Jahre älteren [https://de.wikipedia.org/wiki/Sokrates Sokrates], ein Zeitgenosse [https://de.wikipedia.org/wiki/Platon Platons] und ein Lehrer des Kynikers [https://de.wikipedia.org/wiki/Diogenes_von_Sinope Diogenes von Sinope]. In der Philosophiegeschichte wird Antisthenes oft zu den sogenannten [https://de.wikipedia.org/wiki/Sokrates#Nachwirkung kleinen Sokratikern] gezählt.</p>
<p>Von den Schriften des Antisthenes ist außer zwei kurzen Übungsreden nichts erhalten. Was man heute über sein Leben und seine Lehre weiß, wurde aus Berichten anderer antiker Autoren gesammelt. Insgesamt ist die Überlieferungslage schlecht. Die wichtigsten Auskünfte über Antisthenes stammen von seinem Zeitgenossen [https://de.wikipedia.org/wiki/Xenophon Xenophon], [https://de.wikipedia.org/wiki/Aristoteles Aristoteles] und dem im 3. Jahrhundert tätigen Philosophiehistoriker [https://de.wikipedia.org/wiki/Diogenes_Laertios Diogenes Laertios].</p>
<p>Antisthenes war dafür bekannt, Luxus und Reichtum geringzuschätzen, [https://de.wikipedia.org/wiki/Autarkie Bedürfnislosigkeit] hingegen zu befürworten. Auf dem Gebiet der [https://de.wikipedia.org/wiki/Logik Logik] hat sich Antisthenes mit [https://de.wikipedia.org/wiki/Definition Definitionen] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Aussage_(Logik) Aussagen]beschäftigt; auf dem der [https://de.wikipedia.org/wiki/Erkenntnistheorie Erkenntnistheorie] hat er gegen die [https://de.wikipedia.org/wiki/Ideenlehre Ideenlehre] Platons die Existenz der platonischen Ideen angezweifelt. Außerdem hat er politische Fragen behandelt und Werke des Dichters [https://de.wikipedia.org/wiki/Homer Homer] interpretiert.</p>




Eine von elf gefundenen römischen Kopien einer verlorenen griechischen Antisthenes-Darstellung. Sie befindet sich heute in den[https://de.wikipedia.org/wiki/Vatikanische_Museen Vatikanischen Museen]
Eine von elf gefundenen römischen Kopien einer verlorenen griechischen Antisthenes-Darstellung. Sie befindet sich heute in den[https://de.wikipedia.org/wiki/Vatikanische_Museen Vatikanischen Museen]


.[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-1 [1]]
.[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-1 [1]]<div class="mw-heading mw-heading2">
== Leben ==
</div><p>Die Lebenszeit Antisthenes’ ist vergleichsweise gut aus den antiken Berichten rekonstruierbar und wird auf 445 bis 365 v. Chr. geschätzt.<sup id="cite_ref-2" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-2 [2]]</sup></p><p>Antisthenes war der Sohn eines gleichnamigen Athener Bürgers und einer [https://de.wikipedia.org/wiki/Thraker Thrakerin].<sup id="cite_ref-3" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-3 [3]]</sup> Er selbst soll – zumindest eine Zeit lang – im 8 km von Athen entfernten [https://de.wikipedia.org/wiki/Pir%C3%A4us Piräus] gewohnt haben.<sup id="cite_ref-4" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-4 [4]]</sup> Antisthenes starb im Alter von etwa 80 Jahren infolge einer Krankheit.<sup id="cite_ref-5" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-5 [5]]</sup> Er war in die [https://de.wikipedia.org/wiki/Orphiker Orphischen] Mysterien eingeweiht<sup id="cite_ref-6" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-6 [6]]</sup> und erhielt eine Auszeichnung in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_von_Tanagra_(426_v._Chr.) Schlacht von Tanagra].<sup id="cite_ref-7" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-7 [7]]</sup></p><figure class="mw-default-size">[https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Antisthenes_BM_1838.jpg ]<figcaption>Eine weitere Kopie des verlorenen Originals. Sie wurde in [https://de.wikipedia.org/wiki/Rom Rom] an der [https://de.wikipedia.org/wiki/Via_Appia#Die_antike_Fernstra%C3%9Fe Via Appia] gefunden und befindet sich heute im [https://de.wikipedia.org/wiki/British_Museum British Museum].<sup id="cite_ref-8" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-8 [8]]</sup></figcaption></figure><p>Über die äußere Erscheinung des Antisthenes, der den Beinamen „reiner Hund“ ''(haplokyon)'' führte,<sup id="cite_ref-9" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-9 [9]]</sup> wird berichtet, dass er bei einer Begegnung mit Sokrates einen schäbigen Mantel getragen habe<sup id="cite_ref-10" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-10 [10]]</sup> und dass er generell nichts als einen doppelt umgeschlagenen Mantel getragen und Stock und Hängetasche mitgeführt haben soll.<sup id="cite_ref-11" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-11 [11]]</sup> Zur Beschreibung seines Charakters wird gesagt, er sei „ein ungewöhnlicher Mann, der durch geistvollen Umgang jedermann für sich einnimmt.“<sup id="cite_ref-12" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-12 [12]]</sup> Beim spätantiken Philosophiehistoriker Diogenes Laertios stehen auch zahlreiche Anekdoten aus dem Leben des Antisthenes und etliche ihm zugeschriebene prägnante Aussprüche. In Xenophons ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Symposion_(Xenophon) Symposion]'' tritt Antisthenes einerseits als kynischer Philosoph und bedürfnisloser Mensch auf, andererseits als ständig stichelnder Kritiker, der die Ansichten der anderen Gesprächspartner hinterfragt, sich gerne mit anderen anlegt und sich gelegentlich auch über sie lustig macht. Beispielsweise nennt er die Ehefrau des Sokrates als diejenige, „die unter allen lebenden, ja, meines Bedünkens, unter allen die ehemals gelebt haben und künftig leben werden, die unerträglichste ist“<sup id="cite_ref-13" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-13 [13]]</sup> und fragt einen gewissen [https://de.wikipedia.org/wiki/Nikeratos Nikeratos], der Ähnlichkeiten mit den antiken [https://de.wikipedia.org/wiki/Rhapsode Rhapsoden] aufweist, ob er ein „alberneres Volk in der Welt als die Rhapsoden“ kenne.<sup id="cite_ref-14" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-14 [14]]</sup></p><p>Anfangs war Antisthenes wahrscheinlich ein Schüler des [https://de.wikipedia.org/wiki/Sophisten Sophisten] [https://de.wikipedia.org/wiki/Gorgias_von_Leontinoi Gorgias von Leontinoi],<sup id="cite_ref-15" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-15 [15]]</sup> wechselte später aber zu den Anhängern des [https://de.wikipedia.org/wiki/Sokrates Sokrates], „dessen Standhaftigkeit und Gelassenheit ''([https://de.wikipedia.org/wiki/Apathie apatheia])'' er sich zu eigen machte und damit die kynische Lebensweise begründete.“<sup id="cite_ref-16" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-16 [16]]</sup> Seine Gespräche hat Antisthenes in einem athenischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Gymnasion Gymnasion], dem ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Kynosarges Kynosarges]'', geführt.<sup id="cite_ref-17" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-17 [17]]</sup> Dieses war denjenigen Athenern für ihre Übungen zugeteilt worden, die wie Antisthenes einen nicht-athenischen Elternteil hatten und somit politisch nicht als volle Bürger zählten.<sup id="cite_ref-18" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-18 [18]]</sup></p><p>[https://de.wikipedia.org/wiki/Isokrates Isokrates] verfasste zwei Reden,<sup id="cite_ref-19" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-19 [19]]</sup> in denen er sich gegen die Sokratiker und auch speziell gegen die Kyniker und Antisthenes wandte. Basierend auf diesem Dokument, gehen einige Forscher davon aus, dass Antisthenes in den ersten Jahrzehnten nach dem Tod des Sokrates der berühmteste Sokratiker war, also auch berühmter als Platon.<sup id="cite_ref-20" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-20 [20]]</sup></p><p>Das Verhältnis zu Platon war kritisch. So soll Antisthenes ihn wegen seiner Aufgeblasenheit, Protzigkeit und Arroganz verspottet haben.<sup id="cite_ref-21" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-21 [21]]</sup> In einem Wortspiel nannte er ihn statt Platon („mit breiter Stirn“) ''Sathon'' („mit dickem Glied“).<sup id="cite_ref-22" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-22 [22]]</sup> Diogenes Laertios stellt an drei Stellen einen Bezug zwischen Antisthenes und der Schule der [https://de.wikipedia.org/wiki/Stoa Stoa] her,<sup id="cite_ref-23" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-23 [23]]</sup> die möglicherweise von der Lehre des Antisthenes beeinflusst war.</p><div class="mw-heading mw-heading2">
== Lehre ==
</div><p>Antisthenes gilt bereits dem antiken Philosophiehistoriker Diogenes Laertios als Begründer einer neuen Richtung innerhalb der Philosophie, die später die Bezeichnung [https://de.wikipedia.org/wiki/Kynismus Kynismus] erhielt. Der Kynismus wurde vor allem für seine Ethik bekannt, die sich für Bedürfnislosigkeit und gegen Luxus sowie gesellschaftliche Konventionen ausspricht. Der berühmteste der wenigen<sup id="cite_ref-24" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-24 [24]]</sup> Schüler des Antisthenes war Diogenes von Sinope, weitere Vertreter des Kynismus finden Philosophiehistoriker bis ins 4. Jahrhundert.</p><div class="mw-heading mw-heading3">
=== Schriften ===
</div><p>Antisthenes hat zahlreiche Schriften verfasst, Diogenes Laertios gibt die Titel von 60 bis 70 Werken an, die in 10 Bänden gesammelt waren.<sup id="cite_ref-25" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-25 [25]]</sup> Unter ihnen waren Dialoge,<sup id="cite_ref-26" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-26 [26]]</sup> Traktate und [https://de.wikipedia.org/wiki/Deklamation Übungsreden].<sup id="cite_ref-27" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-27 [27]]</sup> Eingehend untersucht wurde der Katalog und seine Rezeption von [https://de.wikipedia.org/wiki/Andreas_Patzer Andreas Patzer].<sup id="cite_ref-28" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-28 [28]]</sup> Welche der genannten Schriften es tatsächlich gegeben hat, ist unklar.<sup id="cite_ref-29" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-29 [29]]</sup> Grundsätzlich stuft man den Schriftenkatalog bei Diogenes allerdings als vertrauenswürdig ein und geht davon aus, dass er ihn möglicherweise nach ihm vorliegenden Bibliothekskatalogen, vor allem aber nach daraus entstandenen Sammelschriften erstellt hat.<sup id="cite_ref-30" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-30 [30]]</sup> Die in Frage kommenden philosophiehistorischen und biographischen Schriften, die auch Bücherlisten enthielten, entstanden zur Zeit des [https://de.wikipedia.org/wiki/Hellenismus Hellenismus], vor allem in den Städten [https://de.wikipedia.org/wiki/Alexandria Alexandria] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Pergamon Pergamon]. In Frage kommende Autoren, die Antisthenes mit Sicherheit behandelt haben, waren [https://de.wikipedia.org/wiki/Satyros_von_Kallatis Satyros von Kallatis], [https://de.wikipedia.org/wiki/Hermipp Hermipp], [https://de.wikipedia.org/wiki/Sotion_von_Alexandria Sotion von Alexandria] (* um 200 v. Chr.; † 170 v. Chr.), [https://de.wikipedia.org/wiki/Panaitios_von_Rhodos Panaitios] und [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Herodikos_von_Babylon&action=edit&redlink=1 Herodikos von Babylon].<sup id="cite_ref-31" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-31 [31]]</sup> Patzer schließt aus der Anordnung der Schrifttitel, dass es in der Antike eine Gesamtausgabe der Schriften Antisthenes’ gegeben haben muss,<sup id="cite_ref-32" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-32 [32]]</sup> was auch Diogenes Laertios' Bericht von einem zehnbändigen Werk nahelegt.</p><p>Einige Forscher schreiben Antisthenes die zwei erhaltenen, äußerst kurzen Übungsreden ''Aias'' und ''Odysseus'' zu, die nach den Helden [https://de.wikipedia.org/wiki/Ajax_der_Gro%C3%9Fe Ajax dem Großen]und [https://de.wikipedia.org/wiki/Odysseus Odysseus] benannt sind. Sie wurden in Handschriften von [https://de.wikipedia.org/wiki/Rhetor Rednern] überliefert.<sup id="cite_ref-33" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-33 [33]]</sup> In ihnen beanspruchen Ajax und Odysseus die Waffen des gestorbenen [https://de.wikipedia.org/wiki/Achilleus Achilleus] für sich.<sup id="cite_ref-34" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-34 [34]]</sup></p><p>Antisthenes hat auch Interpretationen zu Dichtungen Homers verfasst. Über diese Interpretationen hat später [https://de.wikipedia.org/wiki/Porphyrios Porphyrios] referiert, wovon noch so genannte Homer[https://de.wikipedia.org/wiki/Scholion scholien] erhalten sind.<sup id="cite_ref-35" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-35 [35]]</sup></p><div class="mw-heading mw-heading3">
=== Ethik ===
</div><div class="NavFrame">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes# Einklappen]<div class="NavHead">Textstellen zu Antisthenes</div><div class="NavContent"><div class="Vorlage_Zitat"><div><blockquote><p>„Lieber will ich wahnsinnig werden als genießen.“</p></blockquote></div><div class="cite">– <span class="Person h-card">Diogenes Laertios</span>: <cite>''Über Leben und Lehren berühmter Philosophen'' 6,3</cite></div></div><div class="Vorlage_Zitat"><div><blockquote><p>„Besser noch als Lust ist Wahnsinn. Man sollte um der Lust willen niemals auch nur einen Finger rühren.“</p></blockquote></div><div class="cite">– <span class="Person h-card">[https://de.wikipedia.org/wiki/Eusebius_von_Caesarea Eusebius von Caesarea]</span>: <cite>''praeparatio evangelica'' 15,13</cite></div></div><div class="Vorlage_Zitat"><div><blockquote><p>„Die Lust ist nur dann ein Gut, wenn sie keine Reue nach sich zieht.“</p></blockquote></div><div class="cite">– <span class="Person h-card">Athenaios</span>: <cite>''Das Gastmahl der Gelehrten'' 12,513a</cite></div></div><div class="Vorlage_Zitat"><div><blockquote><p>„Man darf wohl die Lust erstreben, die hinter der Anstrengung liegt, aber nicht die, welche davor liegt.“</p></blockquote></div><div class="cite">– <span class="Person h-card">[https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Stobaios Johannes Stobaios]</span>: <cite>''Sermones'' 29,65</cite></div></div><div class="Vorlage_Zitat"><div><blockquote><p>„Auf die Frage nach dem größten Glück für die Menschen meinte er: „Heiteren Herzens zu sterben!““</p></blockquote></div><div class="cite">– <span class="Person h-card">Diogenes Laertios</span>: <cite>''Über Leben und Lehren berühmter Philosophen'' 6,5</cite></div></div><div class="Vorlage_Zitat"><div><blockquote><p>„...wer unsterblich werden wolle, müsse ein pflichtbewusstes und gerechtes Leben führen.“</p></blockquote></div><div class="cite">– <span class="Person h-card">Diogenes Laertios</span>: <cite>''Über Leben und Lehren berühmter Philosophen'' 6,5</cite></div></div><div class="Vorlage_Zitat"><div><blockquote><p>„Königlich ist es, Gutes zu tun, Schlimmes zu erfahren.“</p></blockquote></div><div class="cite">– <span class="Person h-card">Epiktet</span>: <cite>''Lehrgespräche'' 4,6,20</cite></div></div><div class="Vorlage_Zitat"><div><blockquote><p>„Der Kluge ist schwer zu ertragen; denn wie der Unverstand leicht und erträglich ist, so ist die Einsicht etwas Festes, Unnachgiebiges und hat ein unerschütterliches Gewicht.“</p></blockquote></div><div class="cite">– <span class="Person h-card">[https://de.wikipedia.org/wiki/Philon_von_Alexandria Philon von Alexandria]</span>: <cite>''Über die Freiheit des Tüchtigen'' 869</cite></div></div><div class="Vorlage_Zitat"><div><blockquote><p>„Man soll niemandem dankbar sein, von dem man gelobt wird.“</p></blockquote></div><div class="cite">– <span class="Person h-card">[https://de.wikipedia.org/wiki/Plutarch Plutarch]</span>: <cite>''De vitioso pudore'' 536</cite></div></div><div class="Vorlage_Zitat"><div><blockquote><p>„Man muss dem Widerspruch nicht durch Widerspruch ein Ende machen, sondern durch Belehrung; denn auch den Rasenden heilt man nicht, indem man wieder gegen ihn rast.“</p></blockquote></div><div class="cite">– <span class="Person h-card">Johannes Stobaios</span>: <cite>''Sermones'' 82,8</cite></div></div><div class="Vorlage_Zitat"><div><blockquote><p>„Der Weise treibt nicht nach den bestehenden Gesetzen Politik, sondern nach dem Gesetz der Sittlichkeit.“</p></blockquote></div><div class="cite">– <span class="Person h-card">Diogenes Laertios</span>: <cite>''Über Leben und Lehren berühmter Philosophen'' 6,11.</cite></div></div><div class="Vorlage_Zitat"><div><blockquote><p>„Als die Hasen im Volksrat gleiches Recht für alle forderten, da sagten die Löwen: „Euren Reden, ihr Hasen, fehlen Klauen und Zähne, wie wir sie besitzen.““</p></blockquote></div><div class="cite">– <span class="Person h-card">Aristoteles</span>: <cite>''Politik'' 3,13.</cite></div></div><div class="Vorlage_Zitat"><div><blockquote><p>„''(zu einem Priester, der Gaben für seine Gottheit einsammelte:)'' Ich erhalte die Göttermutter nicht, das ist Sache der Götter.“</p></blockquote></div><div class="cite">– <span class="Person h-card">[https://de.wikipedia.org/wiki/Clemens_von_Alexandria Clemens von Alexandria]</span>: <cite>''Mahnrede an die Griechen'' 7,75,3</cite></div></div><div class="Vorlage_Zitat"><div><blockquote><p>„Nach dem herrschenden Glauben gibt es viele Götter, von Natur aber nur einen.“</p></blockquote></div><div class="cite">– <span class="Person h-card">[https://de.wikipedia.org/wiki/Philodemos Philodemos]</span>: <cite>''De Pietate'' 7a29 ff.</cite></div></div><div class="Vorlage_Zitat"><div><blockquote><p>„Gott sieht man nicht mit Augen und er gleicht niemand; deshalb kann man ihn auch nicht aus einem Bilde erkennen.“</p></blockquote></div><div class="cite">– <span class="Person h-card">[https://de.wikipedia.org/wiki/Theodoret Theodoret]</span>: <cite>''De curatione Graecarum affectionum'' 1,713</cite></div></div><div class="Vorlage_Zitat"><div><blockquote><p>„Der Anfang der Bildung ist die Untersuchung der Wörter ''(onomaton)''.“</p></blockquote></div><div class="cite">– <span class="Person h-card">Epiktet</span>: <cite>''Lehrgespräche'' 1,17,12</cite></div></div><div class="Vorlage_Zitat"><div><blockquote><p>„Das „es war“ ist für sich vollkommen genügend.“</p></blockquote></div><div class="cite">– <span class="Person h-card">''Scholien zu Aristoteles'', S. 256</span></div></div><div class="Vorlage_Zitat"><div><blockquote><p>„Logik ist unfruchtbar.“</p></blockquote></div><div class="cite">– <span class="Person h-card">Epiktet</span>: <cite>''Lehrgespräche'' 1,17,10–12</cite></div></div></div></div>
;Luxus und Bedürfnislosigkeit
<p>Antisthenes richtete sich gegen ein luxuriöses Leben: „Meinen Feinden wünsche ich, dass ihre Kinder in Luxus leben!“<sup id="cite_ref-36" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-36 [36]]</sup> Einmal soll er den Ehemann einer stark aufgeputzten Frau aufgefordert haben, ihm Pferd und Waffen zu zeigen, da luxuriöser Aufputz erst nach zureichender Verteidigung kommen dürfe.<sup id="cite_ref-37" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-37 [37]]</sup> Im Gegensatz zum Luxus lobt Antisthenes die [https://de.wikipedia.org/wiki/Autarkie Autarkie] im Sinne von Bedürfnislosigkeit.<sup id="cite_ref-38" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-38 [38]]</sup></p><p>Als sich in Xenophons ''Symposion''<sup id="cite_ref-39" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-39 [39]]</sup> die Frage stellt, worauf sich Antisthenes am meisten einbilde, antwortet dieser, auf seinen Reichtum. Als sich herausgestellt hat, dass er weder einen Groschen Bargeld, noch Grund und Boden besitzt, erklärt er, dass Reichtum „nicht in unseren Häusern, sondern in unseren Seelen“ liege. Direkt auf dieses Zitat folgt eine längere Stelle, in der Antisthenes seine Position – dem kurz danach auch die „Kunst nichts zu bedürfen“ zugeschrieben wird – in Bezug auf Luxus und Bedürfnislosigkeit darlegt. So gäbe es sehr Reiche, die trotzdem immer noch mehr Geld anhäufen wollen und wie einige Tyrannen nicht einmal vor Mord und Versklavung ganzer Städte zurückschrecken. Er selbst habe wenig, aber doch genug zu essen, trinken sowie Kleidung und ein Haus. Er stehe ungern auf und begnüge sich mit Menschen, mit denen niemand sonst etwas zu tun haben möchte. Er genieße was er habe und würde im Fall des Falles nicht viel verlieren. Hin und wieder leiste er sich eine Kleinigkeit, führe aber ein wenig anspruchsvolles Leben und brauche wenig Geld. Sein Reichtum bestehe aus Schätzen in seiner Seele, die er wie Sokrates gerne mit anderen teile, und in ausgiebig vorhandener Freizeit, die er gerne mit Sokrates verbringe.</p>
;Tugend
<p>Im folgenden Zitat über die Ethik des Antisthenes steht der Begriff der [https://de.wikipedia.org/wiki/Tugend Tugend] ''([https://de.wikipedia.org/wiki/Arete arete])'' im Zentrum:</p><div class="Vorlage_Zitat"><div><blockquote><p>„Seine Philosophie war folgende: Tugend, so bewies er, sei lehrbar. Eigentlicher Adel sei Tugendadel, Tugend allein ist ausreichend ''(autarkes)'' für die Glückseligkeit ''([https://de.wikipedia.org/wiki/Eudaimonie eudaimonia])'' und bedarf zusätzlich nur noch der Kraft eines Sokrates. Die Tugend ist eine Sache des Handelns und bedarf weder vieler Worte noch Kenntnisse. Der Weise habe an sich selbst genug, denn er besitze ja alle übrigen Güter. Ruhmlosigkeit sei etwas Gutes ebenso wie die Arbeit. Der Weise lässt sich in der Politik nicht von den Gesetzen des Staates, sondern von dem der Tugend leiten.“</p></blockquote></div><div class="cite">– <span class="Person h-card">Diogenes Laertios</span>: <cite>''Über Leben und Lehren berühmter Philosophen'' 6, 10–11</cite></div></div><p>Antisthenes, dessen soziale Stellung nicht bekannt ist, nennt hier die Arbeit ''(ponos)'' ein Gut.<sup id="cite_ref-40" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-40 [40]]</sup> In einer weiteren Stelle schreibt Diogenes Laertios: „Dass anstrengende Arbeit etwas Gutes sei, dafür verwies er auf den großen [https://de.wikipedia.org/wiki/Herakles Herakles] und auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Kyros_II. Kyros].“<sup id="cite_ref-41" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-41 [41]]</sup></p><div class="mw-heading mw-heading3">
=== Erkenntnistheorie ===
</div><p>Nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Tzetzes Johannes Tzetzes] soll Antisthenes die von Platon gelehrte Realität der Ideen nicht anerkannt haben. Diese Ideen seien nach Antisthenes vielmehr „bloße Gedanken“ ''(psilai ennoiai)''.<sup id="cite_ref-42" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-42 [42]]</sup> In dieselbe Kerbe schlägt eine bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Simplikios Simplikios] überlieferte Anekdote, laut der Antisthenes zu Platon gesagt haben soll: „Ich sehe ein Pferd, aber ich sehe keine Pferdheit“, worauf Platon entgegnet haben soll: „Du hast eben nur das Auge, mit dem man ein Pferd sieht, aber das Auge, mit dem man eine Pferdheit erblickt, hast du noch nicht erworben.“<sup id="cite_ref-43" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-43 [43]]</sup> Antisthenes könnte damit gemeint haben, dass [https://de.wikipedia.org/wiki/Gattung_(Philosophie) Gattungen] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Art_(Philosophie) Arten] nicht etwas Wirkliches, Existierendes sind, sondern nur auf unseren Vorstellungen beruhen.<sup id="cite_ref-44" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-44 [44]]</sup></p><div class="mw-heading mw-heading3">
=== Logik ===
</div>
;Definition
<p>Antisthenes soll der erste gewesen sein, der definiert hat ''(horisato)'', was eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Aussage_(Logik) Aussage]<sup id="cite_ref-45" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-45 [45]]</sup> ''(logos)'' ist: „Die Aussage zeigt auf, was etwas war oder ist.“<sup id="cite_ref-46" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-46 [46]]</sup> Damit kann er als einer der Vorläufer der antiken Logik gelten, deren erstes umfangreiches Werk Aristoteles verfasst hat. Gerade dieser berichtet wiederum, dass nach Antisthenes Definitionen unmöglich gewesen sein sollen:</p><div class="Vorlage_Zitat"><div><blockquote><p>„So hat denn der Zweifel eine gewisse Berechtigung, welchen die Anhänger des Antisthenes und die in dieser Weise Ungebildeten vorbrachten, es sei nämlich nicht möglich zu definieren, was etwas ist, da die Definition durch eine lange Reihe von Worten geschehe, sondern man könne nur bestimmen und lehren, wie beschaffen etwas ist; vom Silber zum Beispiel lasse sich nicht angeben, was es ist, sondern nur, dass es wie Zinn ist. Darnach ist denn von einigen Wesenheiten Definition und Begriff möglich, zum Beispiel von den zusammengesetzten, mögen diese sinnlich wahrnehmbar oder nur denkbar sein; nicht möglich dagegen von denen, aus welchen als ihren ersten Bestandtheilen diese bestehn, sofern ja der bestimmende Begriff etwas von etwas aussagt, und das eine die Stelle des Stoffes, das andere die der Form einnehmen muss.“</p></blockquote></div><div class="cite">– <span class="Person h-card">Aristoteles</span>: <cite>''Metaphysik'' 1039a14</cite></div></div>
;Unmöglichkeit des Widerspruchs
<p>Diogenes Laertios erwähnt eine Vorlesung des Antisthenes, deren Thema die nicht näher erklärte „Unmöglichkeit, einander zu widersprechen“ gewesen sein soll.<sup id="cite_ref-47" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-47 [47]]</sup> In einer anderen Stelle schreibt er Antisthenes einen „Grundsatz“ zu, der die „Unmöglichkeit des Widerspruchs zu erweisen sucht“<sup id="cite_ref-48" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-48 [48]]</sup> und verweist auf den [https://de.wikipedia.org/wiki/Platonischer_Dialog Dialog] ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Euthydemos Euthydemos]'' von Platon, in dem diese Ansicht (die auch [https://de.wikipedia.org/wiki/Protagoras Protagoras] vertreten habe) diskutiert wird.<sup id="cite_ref-49" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-49 [49]]</sup> Auch Aristoteles greift diesen Punkt auf und nennt Antisthenes’ Ansicht „töricht“. Denn er habe behauptet:</p><div class="Vorlage_Zitat"><div><blockquote><p>„man dürfe von keinem Gegenstande etwas anderes aussagen als seinen eigenen Begriff ''(logos)'': „von einem nur eines.“ Daraus ergab sich denn, daß es unmöglich sei, widersprechende, und beinahe unmöglich, falsche Aussagen zu machen.“</p></blockquote></div><div class="cite">– <span class="Person h-card">Aristoteles</span>: <cite>''Metaphysik'' 1024b33</cite></div></div><p>Auch an einer weiteren Stelle berichtet Aristoteles: „Es ist nicht möglich, zu widersprechen, wie Antisthenes sagt.“<sup id="cite_ref-50" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-50 [50]]</sup></p><div class="mw-heading mw-heading3">
=== Politik ===
</div><p>Antisthenes scheint die antike [https://de.wikipedia.org/wiki/Demokratie Demokratie] kritisiert zu haben. So riet er den Athenern per Volksbeschluss die Esel zu Pferden zu erklären, wie sie ja auch ungelernte Leute durch bloßes Händeheben zu Feldherren machten,<sup id="cite_ref-51" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-51 [51]]</sup> und äußerte auf den Hinweis, dass ihn die Menge lobe: „Was hab ich denn falsch gemacht?“<sup id="cite_ref-52" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-52 [52]]</sup></p><p>Bei seinem Schüler Diogenes von Sinope taucht erstmals der Begriff des [https://de.wikipedia.org/wiki/Kosmopolitismus Weltbürgers] ''(kosmopolites)'' auf, doch stellt bereits Antisthenes – um zu zeigen, dass anstrengende Arbeit etwas Gutes sei – ein Beispiel von Griechen neben einem von Nicht-Griechen.<sup id="cite_ref-53" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-53 [53]]</sup> Ein Vergleich, der zur damaligen Zeit eher ungewöhnlich gewesen sein dürfte; andere zeitgenössische Autoren bezeichneten sämtliche Nicht-Griechen zusammengenommen mit dem abwertenden Begriff Barbaren.</p><div class="mw-heading mw-heading3">
=== Theologie ===
</div><p>Auch im Bereich der Theologie sind vereinzelte Fragmente der Ansichten des Antisthenes erhalten, aus denen sich aber bei weitem kein Gesamtbild der Theologie des Antisthenes ableiten lässt.</p><div class="mw-heading mw-heading2">
== Überlieferung ==
</div><p>Da die Schriften Antisthenes’ – bis auf die zwei kurze Reden – verloren sind, ist so gut wie alles, was wir heute über sein Leben und seine Lehre wissen, Texten anderer antiker Autoren entnommen. Teilweise zitieren sie originale Textstellen des Antisthenes ([https://de.wikipedia.org/wiki/Fragment_(Literatur) Fragmente]), teilweise berichten sie über sein Leben oder seine Lehre oder Antisthenes tritt als Figur in [https://de.wikipedia.org/wiki/Literatur literarischen] Texten auf. Am umfangreichsten berichtet der [https://de.wikipedia.org/wiki/Doxographie Doxograph] Diogenes Laertios, dessen Schrift ''Über Leben und Lehren berühmter Philosophen''<sup id="cite_ref-54" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-54 [54]]</sup> allerdings erst aus dem 3. Jahrhundert stammt. Eine weitere bedeutende Quelle ist der mehr literarische als philosophische Dialog ''Symposion'' von Antisthenes’ Zeitgenossen Xenophon, in dem Antisthenes neben Sokrates als einer der aktivsten Gesprächspartner auftritt. Kurz taucht er auch in Xenophons Schrift ''Memorabilien''<sup id="cite_ref-55" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-55 [55]]</sup> auf.<sup id="cite_ref-56" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-56 [56]]</sup></p><p>Im Vergleich zu Platon und Xenophon, deren Schriften vollständig erhalten sind, ist die Überlieferungslage äußerst schlecht; im Vergleich zu anderen Schülern des Sokrates ist man über die Lehre Antisthenes’ aber gut unterrichtet.<sup id="cite_ref-57" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-57 [57]]</sup></p><p>Die philosophischen Ansichten des Antisthenes sind aus den vorhandenen Quellen nur schwer rekonstruierbar. Was über seine Lehre berichtet wird, ist meist bruchstückhaft oder besteht überhaupt nur aus knappen Weisheitssprüchen oder Anekdoten. Bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Athenaios Athenaios] (der im 3. Jahrhundert eine Schrift von [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Herodikos_von_Babylon&action=edit&redlink=1 Herodikos von Babylon] exzerpiert hat) stehen einige Inhalte der Schriften des Antisthenes. Wie auch in anderen Dialogen finden zahlreiche Autoren im Dialog ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Sophistes Sophistes]'' von Platon eine Anspielung<sup id="cite_ref-58" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-58 [58]]</sup> auf die Logik des Antisthenes, obwohl er nicht namentlich erwähnt wird. Der Name des Antisthenes kommt bei Platon nur einmal vor, und zwar in der Aufzählung der beim Tod des Sokrates anwesenden Personen.<sup id="cite_ref-59" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-59 [59]]</sup> Bei Aristoteles und seinen Kommentatoren werden an einigen Stellen logische und erkenntnistheoretische Ansichten des Antisthenes referiert (siehe oben). Bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Epiktet Epiktet] wird Antisthenes viermal erwähnt.<sup id="cite_ref-60" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-60 [60]]</sup> Im Werk [https://de.wikipedia.org/wiki/Marcus_Tullius_Cicero Ciceros], der ihm die Propagierung einer einfachen Lebensweise zuschreibt,<sup id="cite_ref-61" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-61 [61]]</sup> kommt der Name des Antisthenes viermal vor.<sup id="cite_ref-62" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-62 [62]]</sup> Manche Forscher schreiben die Vorlage, die [https://de.wikipedia.org/wiki/Dion_Chrysostomos Dion Chrysostomos] nach dessen eigener Aussage für seine 13. Rede benutzt hat, dem Antisthenes zu.<sup id="cite_ref-63" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-63 [63]]</sup> Was die Lebensumstände des Antisthenes betrifft, sind nur wenig Informationen vorhanden; sie stammen fast alle von Diogenes Laertios.</p><div class="mw-heading mw-heading2">
== Rezeption ==
</div><p>Die moderne Antisthenes-Rezeption besteht in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Philologie philologischen] Sammlung antiker und mittelalterlicher Textstellen, in denen über Antisthenes berichtet wird, in philosophiegeschichtlichen Darstellungen der Hauptpunkte seiner Philosophie, in [https://de.wikipedia.org/wiki/Monographie Monographien], die sich ausschließlich mit Antisthenes beschäftigen und in Arbeiten zu speziellen Themen der Lehre Antisthenes’.</p><p>In der Behandlung des [https://de.wikipedia.org/wiki/Kynismus Kynismus] allgemein wurde die Frage gestellt, wieweit er auf die ihm nachfolgenden Kyniker und andere antike Philosophen gewirkt hat und ob er tatsächlich als Gründer der kynischen Schule bezeichnet werden kann.</p><p>Die Bilder, die verschiedene Autoren vom Leben und der Lehre des Antisthenes gezeichnet haben, sind sehr unterschiedlich. Wenn man von der von ihm begründeten Tradition der antiken Kyniker absieht, hat die Philosophie des Antisthenes in der Philosophiegeschichte, etwa im Vergleich zu der Philosophie seines Zeitgenossen Platon, kaum Nachwirkungen gehabt; eher kann man von Kontroversen darüber sprechen, was denn tatsächlich die authentischen Ansichten des Antisthenes gewesen sind. Zu den Gründen, warum Antisthenes wenig rezipiert wurde, zählt die – etwa im Vergleich zu Platon – schlechte Überlieferungslage, aber auch die Tatsache, dass die Philosophiegeschichte ihn zu den sogenannten „kleinen Sokratikern“ gezählt hat, die hinsichtlich ihrer Nachwirkung im Schatten des Werks Platons standen.<sup id="cite_ref-64" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-64 [64]]</sup> Eine gewisse Bedeutung hat Antisthenes auch für die moderne Sokrates-Forschung. So erhoffte man sich, das aus Texten anderer Autoren gewonnene Bild durch die Darstellung des Sokrates bei Antisthenes zu ergänzen.<sup id="cite_ref-65" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-65 [65]]</sup></p>
;Schriften zu Antisthenes und Quellensammlungen
<p>Die ersten monographischen Abhandlungen, die sich allerdings noch übermäßig an dem Bericht Diogenes Laertios' orientierten, verfassten Gottlob Ludwig Richter (1724) und [https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Christian_Crell Ludwig Christian Crell] (1728).<sup id="cite_ref-66" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-66 [66]]</sup> Im 19. Jahrhundert weitete sich die Antisthenes-Forschung aus, verfiel allerdings teilweise in „unkritische Spekulation“.<sup id="cite_ref-67" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-67 [67]]</sup> Die erste Behandlung innerhalb der Philosophiegeschichtsschreibung erfuhr Antisthenes 1799 von [https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Gottlieb_Tennemann Wilhelm Gottlieb Tennemann].<sup id="cite_ref-68" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-68 [68]]</sup> Es folgten ihm weitere Philosophiehistoriker, etwa [https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Schleiermacher Friedrich Schleiermacher], [https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Ritter_(Philosoph) Heinrich Ritter] (1830), [https://de.wikipedia.org/wiki/Eduard_Zeller Eduard Zeller] (1846) und [https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_%C3%9Cberweg Friedrich Überweg] (1863). Erst 1821 setzte die [https://de.wikipedia.org/wiki/Philologie philologische] Beschäftigung mit Antisthenes ein. Johann C. von Orelli (1821) und [https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Preller_(Philologe) Ludwig Preller] (1838) veröffentlichten erste Zusammenstellungen der zu Antisthenes überlieferten Bruchstücke, 1842 erschien eine erste ausführlichere, aber immer noch unvollständige Gesamtausgabe von Wilhelm Winckelmann.<sup id="cite_ref-69" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-69 [69]]</sup> Es folgte eine unveränderte Sammlung bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Wilhelm_August_Mullach Friedrich Wilhelm August Mullach], 1872 und 1885 veröffentlichten Gildemeister und Bücheler weitere Fragmente. Auch erschienen zu dieser Zeit wieder Monographien ([https://de.wikipedia.org/wiki/Ferdinand_Deycks Ferdinand Deycks] 1841, Charles Chappuis 1854, Adolf Müller 1860), die sich allerdings auf Biographisches und literarische Probleme konzentrierten. Im 19. Jahrhundert wurden immer mehr antike Textstellen in einen oft sehr spekulativen Zusammenhang mit Antisthenes gebracht, in denen sein Name nicht auftaucht. So konnten 1881 und 1882 Schriften wie ''Antisthenes und Plato''<sup id="cite_ref-70" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-70 [70]]</sup> und ''Über die Erwähnungen der Philosophie des Antisthenes in den Platonischen Schriften''<sup id="cite_ref-71" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-71 [71]]</sup>entstehen, obwohl Platon Antisthenes in seinen Schriften nur einmal erwähnt. Einige der damals gefundenen Platonstellen gelten aber auch heute noch – da sie starke Ähnlichkeit zu Antisthenes-Fragmenten aufweisen – als Anspielungen auf Antisthenes’ Philosophie. In Heranziehung zahlreicher Stellen, die er in einen hypothetischen Zusammenhang mit Antisthenes brachte, versuchte 1882 [https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Ferdinand_D%C3%BCmmler Georg Ferdinand Dümmler] Antisthenes’ Philosophie im großen Stil zu rekonstruieren. Für [https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Jo%C3%ABl Karl Joël]<sup id="cite_ref-72" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-72 [72]]</sup> steht Antisthenes gar im Mittelpunkt sämtlicher sokratischer Schriften Xenophons, wie auch vieler Dialoge Platons. Dieser Richtung einer spekulativ-hypothetischen Rekonstruktion der Philosophie Antisthenes folgten in den Jahren 1890 bis 1915 weitere Philologen und Philosophiehistoriker.</p><p>Andere Autoren haben von 1890 bis 1900 in ihrer Methode kritischere Behandlungen vorgelegt, darunter [https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Natorp Paul Natorp] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Susemihl Franz Susemihl]. Scharfe Kritik an den übertriebenen Interpretationen des 19. Jahrhunderts äußerten 1913 [https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Maier_(Philosoph) Heinrich Maier] und 1919 [https://de.wikipedia.org/wiki/Ulrich_von_Wilamowitz-Moellendorff Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff]. Im Anschluss, 1912, 1932, 1950 und 1951, entstanden auch neue, sorgfältige und alte Zusammenstellungen erweiternde Quellensammlungen. 1922 hat [https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Nestle Wilhelm Nestle]einige Fragmente ins Deutsche übersetzt. Ein gewisser Abschluss wurde 1966 mit der Sammlung von Decleva Caizzi erreicht, 1990 erschien schließlich die heute maßgebliche Sammlung von Gabriele Giannantoni. Neuere Monographien verfassten 1916 Giuseppe Zuccante, 1948 Farrand Sayre und 1964 Caizzi. Überblicke findet man besonders bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Olof_Gigon Olof Gigon] (1947) und Jean Humbert (1967). Zahlreiche Beiträge zu speziellen Themen wie vor allem der antisthenischen Logik, Rhetorik und Homerinterpretation entstehen seit etwa 1910.</p><p>Die heute maßgeblichen Monographien stammen von Andreas Patzer (1970), Herbert David Rankin (1986) und Luis E. Navia (2001).</p>
;Positionen der Antisthenes-Rezeption
<p>Als Anfang der modernen Kynikerforschung<sup id="cite_ref-73" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-73 [73]]</sup> gilt das [https://de.wikipedia.org/wiki/Philologie philologisch] dominierte Kapitel über die Kyniker in [https://de.wikipedia.org/wiki/Eduard_Zeller Eduard Zellers] ''Die Philosophie der Griechen in ihrer geschichtlichen Entwicklung''<sup id="cite_ref-74" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-74 [74]]</sup> von 1844–1852, das die philosophische Lehre gegenüber den Lebensumständen und Anekdoten in den Vordergrund stellt. Von [https://de.wikipedia.org/wiki/Theodor_Gomperz Theodor Gomperz] (1902) stammt die Gegenüberstellung von Antisthenes als Begründer der kynischen Lehre und Diogenes von Sinope als „Vater des praktischen Kynismus“.<sup id="cite_ref-75" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-75 [75]]</sup> Wie vor ihm schon [https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Wilhelm_G%C3%B6ttling Karl Wilhelm Göttling] und auch Gomperz, richtet Donald R. Dudley<sup id="cite_ref-76" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-76 [76]]</sup> seine Darstellung auf die historischen Gestalten hinter der kynischen Lehre und spricht sich dagegen aus, dass Antisthenes der erste Kyniker gewesen sein soll. Er negiert eine Verbindung zwischen Antisthenes und den späteren Kynikern und sieht darin eine nachträgliche, bereits in der Antike entstandene philosophiegeschichtliche Konstruktion. Ob nun Antisthenes der erste Kyniker war oder nicht ist bis heute eine umstrittene Frage, der vor allem auch [https://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_von_Fritz Kurt von Fritz]<sup id="cite_ref-77" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-77 [77]]</sup> nachgegangen ist. Allgemein sieht man in Antisthenes eher den Philosophen, dessen Nachwirkung auf seinen Schriften beruht, bei Diogenes von Sinope steht dessen Person im Vordergrund.<sup id="cite_ref-78" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-78 [78]]</sup> Den sozialkritischen Aspekt der Lehre des Antisthenes rücken marxistische Autoren wie der Russe I. Nachov und Heinz Schulz-Falkenthal<sup id="cite_ref-79" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-79 [79]]</sup> in den Vordergrund. Sie stellen Antisthenes als Vertreter und Fürsprecher der arbeitenden, unteren Gesellschaftsschichten dar.</p><p>Wie allen Philosophen wird auch Antisthenes in systematischen Darstellungen der Philosophiegeschichte eine mehr durch die philosophiegeschichtliche Auffassung des jeweiligen Autors als durch philologisch korrekte Aufarbeitung bestimmte philosophische Position zugeschrieben, die in die philosophiegeschichtliche Interpretation des Autors passen muss. Bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Hegel Hegel] beispielsweise ist die Tugend bei Antisthenes:</p><div class="Vorlage_Zitat"><div><blockquote><p>„...nicht bewußtlose Tugend, wie die unmittelbare eines Bürgers eines freien Volkes, der seine Pflichten gegen Vaterland, Stand und Familie so erfüllt, wie Vaterland, Stand es unmittelbar fordern. Das Bewußtsein, aus sich herausgegangen, bedarf jetzt, Geist zu werden, alle Realität zu ergreifen und derselben als der seinigen bewußt zu werden oder zu begreifen. Solcherlei Zustände aber, die Unschuld oder Schönheit der Seele und dergleichen genannt werden, sind Kinderzustände, die an ihrer Stelle jetzt gepriesen werden, aus denen der Mensch, weil er vernünftig ist, heraustreten muß und aus der aufgehobenen Unmittelbarkeit sich wieder erschaffen muß.“</p></blockquote></div><div class="cite">– <span class="Person h-card">Georg Wilhelm Friedrich Hegel</span>: <cite>''Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie'' 18, 555</cite></div></div><div class="mw-heading mw-heading2">
== Bildnisse ==
</div><figure class="mw-default-size">[https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Bronze_Antisth%C3%A8ne.JPG ]<figcaption>Bronzekopf des Antisthenes, Brindisi, Museo Archeologico Provinciale</figcaption></figure><p>Es sind zwei antike Plastiken bekannt, die Antisthenes darstellen könnten. Die erste ist nicht im Original erhalten, jedoch durch insgesamt 11 römische Kopien bekannt. Eine Kopie aus dem 2. Jahrhundert ist eine in den 1770ern in Tivoli gefundene [https://de.wikipedia.org/wiki/Herme Herme] mit der Inschrift ''ANTISTHENES'', die heute in der Sala delle Muse der vatikanischen Museen steht. Seit 1969 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Ostia_Antica Ostia Antica] auf einer der Kopien der Name des Bildhauers [https://de.wikipedia.org/wiki/Phyromachos Phyromachos] entdeckt worden ist, schreiben einige Forscher das unbekannte Original, das aus Bronze bestand, diesem Künstler zu.<sup id="cite_ref-80" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-80 [80]]</sup>Phyromachos wirkte allerdings im 2. Jahrhundert v. Chr., also deutlich später als Antisthenes, der bereits im 4. Jahrhundert v. Chr. starb.</p><p>Die zweite Plastik ist ein Bronzekopf, der 1992 von Tauchern in der Nähe von [https://de.wikipedia.org/wiki/Brindisi Brindisi] gefunden wurde.<sup id="cite_ref-81" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Antisthenes#cite_note-81 [81]]</sup> Man nimmt an, dass es sich um das Bildnis eines Philosophen handelt, möglicherweise um Antisthenes.</p><div class="mw-heading mw-heading2">
== Quellenausgaben und -übersetzungen ==
</div><p>'''Ausgaben (teilweise mit Übersetzung)'''</p>
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Gabriele_Giannantoni Gabriele Giannantoni] (Hrsg.): ''Socratis et Socraticorum Reliquiae'', Band 2, Bibliopolis, Neapel 1990, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/8870882152 ISBN 88-7088-215-2], S. 137–225 (kritische Ausgabe der griechischen und lateinischen Quellen; [http://ancientsource.daphnet.org/#I2Rlc2NfYnZAaWQqcmVzSWQqdHlwZSpjb2xsYXBzZWQqcXN0cmluZyp0aXRsZSp2ZXJ0aWNhbFRpdGxlKmNsb3NhYmxlKmNvbGxhcHNhYmxlKmRyYWdnYWJsZSptYXhpbWl6YWJsZSptaW5XaWR0aCptYXhXaWR0aCpwb3NpdGlvbnxidkAyNm0qbWVudSpuYXZpZ2F0aW9uKjAqTDJGbmIzSmhYM05vYjNkZmJXVnVkUT09KlJWaFFURTlTUlE9PSpSVmhRVEU5U1JRPT0qMCowKjAqMCoyMjYqMjI2KjBAbGhkMDEqU29jcmF0aWNzKm9yYW5nZSowKkwyRm5iM0poWDNOb2IzZGZZMjlzYkdWamRHbHZiaTh6KlUyOWpjbUYwYVdOeipVMjlqY21GMGFXTnoqMSoxKjEqMSp1bmRlZmluZWQqMzAwKkA4Nmo4dipib29rX3RyYW5zY3JpcHRpb25fMTk2KmJvb2sqMCpMMkZuYjNKaFgzTm9iM2RmWW05dmExOTBjbUZ1YzJOeWFYQjBhVzl1THpFNU5nPT0qVmkxQklIUnlZVzV6WTNKcGNIUnBiMjQ9KlZpMUJJSFJ5WVc1elkzSnBjSFJwYjI0PSoxKjEqMSoxKnVuZGVmaW5lZCozMDAq online])
*Fernanda Decleva Caizzi (Hrsg.): ''Antisthenis fragmenta''. Istituto Editoriale Cisalpino, Milano 1966 (unkritische Ausgabe mit Kommentar)
*Susan H. Prince (Hrsg.): ''Antisthenes of Athens: Texts, Translations, and Commentary.'' University of Michigan Press, Ann Arbor 2015, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9780472119349 ISBN 978-0-472-11934-9]
<p>'''Übersetzungen'''</p>
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Luck Georg Luck] (Hrsg.): ''Die Weisheit der Hunde. Texte der antiken Kyniker in deutscher Übersetzung mit Erläuterungen'' (= ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Kr%C3%B6ners_Taschenausgabe Kröners Taschenausgabe].''Band 484). Kröner, Stuttgart 1997, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3520484013 ISBN 3-520-48401-3], S. 35–75.
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Nestle Wilhelm Nestle]: ''Die Sokratiker''. Scientia, Aalen 1968 (Nachdruck der Ausgabe Jena 1922), S. 79–98 (Übersetzung von 101 Fragmenten; [http://www.bookprep.com/read/uc1.b3118181 online])
<div class="mw-heading mw-heading2">
== Literatur ==
</div><p>'''Übersichtsdarstellungen'''</p>
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus_D%C3%B6ring Klaus Döring]: ''Antisthenes''. In: [https://de.wikipedia.org/wiki/Hellmut_Flashar Hellmut Flashar] (Hrsg.): ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Grundriss_der_Geschichte_der_Philosophie Grundriss der Geschichte der Philosophie]. Die Philosophie der Antike'', Band 2/1, Schwabe, Basel 1998, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3796510361 ISBN 3-7965-1036-1], S. 268–280
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Marie-Odile_Goulet-Caz%C3%A9 Marie-Odile Goulet-Cazé], [https://de.wikipedia.org/wiki/Marie-Christine_Hellmann Marie-Christine Hellmann]: ''Antisthène''. In: [https://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Goulet Richard Goulet] (Hrsg.): ''Dictionnaire des philosophes antiques'', Band 1, CNRS, Paris 1989, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/2222040426 ISBN 2-222-04042-6], S. 245–254
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Natorp Paul Natorp]: ''[https://de.wikisource.org/wiki/RE:Antisthenes_10 Antisthenes 10].'' In: ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Paulys_Realencyclop%C3%A4die_der_classischen_Altertumswissenschaft Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft]'' (RE). Band I,2, Stuttgart 1894, Sp.&nbsp;2538–2545.
*Susan Prince: ''Socrates, Antisthenes, and the Cynics''. In: Sara Ahbel-Rappe, Rachana Kamtekar (Hrsg.): ''A Companion to Socrates''. Blackwell, Malden 2006, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/1405108630 ISBN 1-4051-0863-0], S. 75–92
<p>'''Monographien'''</p>
*Luis E. Navia: ''Antisthenes of Athens. Setting the World Aright''. Greenwood, Westport 2001, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/0313316724 ISBN 0-313-31672-4]
*Andreas Patzer: ''Antisthenes der Sokratiker. Das literarische Werk und die Philosophie, dargestellt am Katalog der Schriften''. Teildruck, Heidelberg 1970 (Dissertation)
*Herbert David Rankin: ''Anthisthenes'' [sic] ''Sokratikos''. Hakkert, Amsterdam 1986, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9025608965 ISBN 90-256-0896-5]
<p>'''Untersuchungen zu Teilbereichen'''</p>
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Aldo_Brancacci Aldo Brancacci]: ''Oikeios logos. La filosofia del linguaggio di Antistene''. Bibliopolis, Neapel 1990, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/8870882292 ISBN 88-7088-229-2]
**Französische Übersetzung (durchgesehen und erweitert): ''Antisthène. Le discours propre.'' Traduit de l’italien par Sophie Aubert (Tradition de la pensée classique). Vrin, Paris 2005, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9782711617265 ISBN 978-2-7116-1726-5]. – Rezension von Annie Hourcade, Revue Philosophique de Louvain 104, 2006, S. 137–141 ([https://www.persee.fr/doc/phlou_0035-3841_2006_num_104_1_7652_t1_0137_0000_2 online])
*Aldo Brancacci: ''Érotique et théorie du plaisir chez Antisthène''. In: Marie-Odile Goulet-Cazé, Richard Goulet (Hrsg.): ''Le cynisme ancien et ses prolongements''. Presses Universitaires de France, Paris 1993, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/2130458408 ISBN 2-13-045840-8], S. 35–55
*Pedro Pablo Fuentes González. [http://revistas.ucm.es/index.php/CFCG/article/view/41550 En defensa del encuentro entre dos Perros, Antístenes y Diógenes: historia de una tensa amistad]. In: ''Cuadernos de Filología Clásica: Estudios Griegos e Indoeuropeos''. 23, 2013, S.&nbsp;225–267 (reprint: in V. Suvák [ed.], ''Antisthenica Cynica Socratica, Oikoumene,''Praha 2014, S. 11–71)
*Gabriele Giannantoni: ''Antistene fondatore della scuola cinica?'' In: Marie-Odile Goulet-Cazé, Richard Goulet (Hrsg.): ''Le cynisme ancien et ses prolongements''. Presses Universitaires de France, Paris 1993, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/2130458408 ISBN 2-13-045840-8], S. 15–34
<p>'''Porträt'''</p>
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Gisela_M._A._Richter Gisela M. A. Richter]: ''The Portraits of the Greeks'' II (1965) 180 Abb.1034-1039.
*Gisela M. A. Richter: ''The Portraits of the Greeks'', Supplement (1972) Abb.1055.1056.
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Nikolaus_Himmelmann Nikolaus Himmelmann]: ''Antisthenes'', in: B. Andreae (Hrsg.) ''Phyromachos-Probleme'', 31. Ergh. Mitteilungen des DAI, Römische Abteilung(1990)13-24.
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Bernard_Andreae Bernard Andreae]: ''Die Antisthenes-Statuette in Neapel'', in: B. Andreae (Hrsg.): ''Phyromachos-Probleme'', 31. Ergh. Mitteilungen des DAI, Römische Abteilung (1990) 80-82.
*L. Seemann (Koch): ''Die Sitzstatuetten des Antisthenes und Pittakos aus Pompeji'', Archäologischer Anzeiger 1993, 263-269.
<div class="mw-heading mw-heading2">
== Weblinks ==
</div><div class="sisterproject"><div class="noresize noviewer" role="presentation" aria-hidden="true"><span class="mw-default-size"><span title="Commons">[[file:12px-Commons-logo.svg.png|12x16px]]</span></span></div>'''<span class="plainlinks">[https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Antisthenes?uselang=de <span lang="en">Commons</span>: Antisthenes]</span>'''&nbsp;– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien</div>
*Julie Piering:&nbsp;[http://www.iep.utm.edu/antisthe ''Antisthenes.''] In: J. Fieser, B. Dowden (Hrsg.): ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Internet_Encyclopedia_of_Philosophy Internet Encyclopedia of Philosophy]''.
*Karl Barlen: ''[http://archive.org/details/4627417 Antisthenes und Plato]'', Struder’sche Buchdruckerei & Buchhandlung, Neuwied 1881
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_M%C3%BCller_(Altphilologe) Karl Müller] (Hrsg.): ''[http://www.archive.org/search.php?query=Fragmenta%20creator%3A%22Mueller%2C%20Karl%2C%20Historian%22 Fragmenta historicorum Graecorum]''. Victor Langlois, Paris 1841–1870, 5&nbsp;Bände (''Scriptorum graecorum bibliotheca'', Bände 34, 37, 40 und&nbsp;59), Neuauflagen 1875–1885, 1928–1938, Reprint Frankfurt am Main, 1975.
*August Wilhelm Winckelmann (Hrsg.): ''[http://books.google.at/books?id=jUUTAAAAQAAJ&printsec=frontcover&dq=Antisthenis.+Fragmenta&hl=de&sa=X&ei=gQq-ULz0FMT5sgbLgIGYBA&ved=0CDQQ6wEwAA Antisthenis. Fragmenta]''. Meyer und Zeller, Zürich 1842
<div class="mw-heading mw-heading2">
== Fußnoten ==
</div>
#<span class="reference-text">Inventarnummer 288; weitere Information zu diesem Bildnis beispielsweise bei [http://arachne.uni-koeln.de/item/objekt/20986 Arachne]</span>
#<span class="reference-text">Klaus Döring: ''Antisthenes''. In: Hellmut Flashar (Hrsg.): ''Grundriss der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie der Antike'', Band 2/1, Schwabe, Basel 1998, S. 268–280, hier: S. 269.</span>
#<span class="reference-text">Diogenes Laertios, ''Über Leben und Lehren berühmter Philosophen'' 6,1.</span>
#<span class="reference-text">Diogenes Laertios, ''Über Leben und Lehren berühmter Philosophen'' 6,2.</span>
#<span class="reference-text">Diogenes Laertios, ''Über Leben und Lehren berühmter Philosophen'' 6,18-19.</span>
#<span class="reference-text">Diogenes Laertios, ''Über Leben und Lehren berühmter Philosophen'' 6,4.</span>
#<span class="reference-text">Diogenes Laertios, ''Über Leben und Lehren berühmter Philosophen'' 6,1.</span>
#<span class="reference-text">Inventarnummer 1838; weitere Informationen zu diesem Bildnis bei [http://arachne.uni-koeln.de/item/objekt/10770 Arachne]</span>
#<span class="reference-text">Diogenes Laertios, ''Über Leben und Lehren berühmter Philosophen'' 6,13.</span>
#<span class="reference-text">Diogenes Laertios, ''Über Leben und Lehren berühmter Philosophen'' 6,8.</span>
#<span class="reference-text">Diogenes Laertios, ''Über Leben und Lehren berühmter Philosophen'' 6,13.</span>
#<span class="reference-text">Diogenes Laertios, ''Über Leben und Lehren berühmter Philosophen'' 6,14.</span>
#<span class="reference-text">Xenophon, ''Symposion'' (Gastmahl) 4.</span>
#<span class="reference-text">Xenophon, ''Symposion'' (Gastmahl) 3.</span>
#<span class="reference-text">Diogenes Laertios, ''Über Leben und Lehren berühmter Philosophen'' 6,2.</span>
#<span class="reference-text">Diogenes Laertios, ''Über Leben und Lehren berühmter Philosophen'' 6,2.</span>
#<span class="reference-text">Diogenes Laertios, ''Über Leben und Lehren berühmter Philosophen'' 6,13.</span>
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Demosthenes Demosthenes], ''Gegen Aristokrates'' 213 ([http://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus%3Atext%3A1999.01.0074%3Aspeech%3D23%3Asection%3D213 online])</span>
#<span class="reference-text">''Gegen die Sophisten'' und ''Helenarede''.</span>
#<span class="reference-text">Andreas Patzer: ''Antisthenes der Sokratiker'', Teildruck, Dissertation Heidelberg 1970, S. 238–246.</span>
#<span class="reference-text">Diogenes Laertios, ''Über Leben und Lehren berühmter Philosophen'' 6,7.</span>
#<span class="reference-text">Diogenes Laertios, ''Über Leben und Lehren berühmter Philosophen'' 3,35. In 6,16 ist ein Dialog namens ''Sathon'' angeführt, den auch Athenaios zwei Mal (5,220d und 11,507a) erwähnt.</span>
#<span class="reference-text">Diogenes Laertios, ''Über Leben und Lehren berühmter Philosophen'' 6,14-15 und 19.</span>
#<span class="reference-text">Diogenes Laertios, ''Über Leben und Lehren berühmter Philosophen'' 6,4.</span>
#<span class="reference-text">Diogenes Laertios, ''Über Leben und Lehren berühmter Philosophen'' 6,15-18.</span>
#<span class="reference-text">Diogenes Laertios, ''Über Leben und Lehren berühmter Philosophen'' 6,2.</span>
#<span class="reference-text">Klaus Döring: ''Antisthenes''. In: Hellmut Flashar (Hrsg.): ''Grundriss der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie der Antike'', Band 2/1, Schwabe, Basel 1998, S. 268–280, hier S. 271.</span>
#<span class="reference-text">Andreas Patzer: ''Antisthenes der Sokratiker'', Teildruck, Dissertation Heidelberg 1970, S. 51–53 und 107–163, siehe auch S. 91–107.</span>
#<span class="reference-text">Vgl. Th. Birt: ''Das antike Buchwesen'', Bonn 1974, S. 449.</span>
#<span class="reference-text">Andreas Patzer: ''Antisthenes der Sokratiker'', Teildruck, Dissertation Heidelberg 1970, S. 118–122.</span>
#<span class="reference-text">Andreas Patzer: ''Antisthenes der Sokratiker'', Teildruck, Dissertation Heidelberg 1970, S. 123–124.</span>
#<span class="reference-text">Andreas Patzer: ''Antisthenes der Sokratiker'', Teildruck, Dissertation Heidelberg 1970, S. 127.</span>
#<span class="reference-text">Andreas Patzer: ''Antisthenes der Sokratiker'', Teildruck, Dissertation Heidelberg 1970, S. 45.</span>
#<span class="reference-text">Klaus Döring: ''Antisthenes''. In: Hellmut Flashar: ''Grundriss der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie der Antike'', Band 2/1, Schwabe, Basel 1998, S. 268–280, hier: S. 271.</span>
#<span class="reference-text">Vgl. Klaus Döring: ''Antisthenes''. In: Hellmut Flashar: ''Grundriss der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie der Antike'', Band 2/1, Schwabe, Basel 1998, S. 268–280, hier: S. 278–280.</span>
#<span class="reference-text">Diogenes Laertios, ''Über Leben und Lehren berühmter Philosophen'' 6,8.</span>
#<span class="reference-text">Diogenes Laertios, ''Über Leben und Lehren berühmter Philosophen'' 6,10.</span>
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_M%C3%BCller_(Altphilologe) Karl Müller]: ''Fragmenta historicorum Graecorum'', 2, 283, 51.</span>
#<span class="reference-text">Vgl. Xenophon, ''Symposion'' (Gastmahl) 3-4.</span>
#<span class="reference-text">Vgl. Heinz Schulz-Falkenthal: ''Zum Arbeitsethos der Kyniker''. In: Margarethe Billerbeck (Hrsg.): ''Die Kyniker in der modernen Forschung''. B. R. Grüner, Amsterdam 1991, S. 287–303.</span>
#<span class="reference-text">Diogenes Laertios, ''Über Leben und Lehren berühmter Philosophen'' 6,2.</span>
#<span class="reference-text">Johannes Tzetzes, ''Chiliades'' 6,606.</span>
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Simplikios Simplikios], ''Kommentar zu den ''Kategorien'' des Aristoteles'' 208, 28. Vgl. auch [https://de.wikipedia.org/wiki/Ammonios_Hermeiou Ammonios Hermeiou], ''Kommentar zur ''Isagoge'' des Porphyrios'' 40,6 und die ''Scholien zu Aristoteles'', S. 66, 68. Eine sehr ähnliche Geschichte erzählt Diogenes Laertios zu Diogenes von Sinope in ''Über Leben und Lehren berühmter Philosophen'' 6, 53. Dieser soll gesagt haben: „Tisch und Becher, Platon, sehe ich, Tischheit und Becherheit aber ganz und gar nicht“, worauf Platon geantwortet haben soll: „Das ist klar, denn Augen, um Tisch und Becher zu sehen, hast du, Verstand, um Tischheit und Becherheit zu schauen, aber nicht.“</span>
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Andreas_Graeser Andreas Graeser]: ''Geschichte der Philosophie''. Band 2: ''Die Philosophie der Antike 2'', Beck, München 1993 (2. Auflage), S. 56.</span>
#<span class="reference-text">Das Wort ''logos'' kann hier auch mit „Definition“ übersetzt werden.</span>
#<span class="reference-text">Diogenes Laertios, ''Über Leben und Lehren berühmter Philosophen'' 6,3.</span>
#<span class="reference-text">Diogenes Laertios, ''Über Leben und Lehren berühmter Philosophen'' 3,35.</span>
#<span class="reference-text">Diogenes Laertios, ''Über Leben und Lehren berühmter Philosophen'' 9,53.</span>
#<span class="reference-text">Gemeint ist wahrscheinlich Platon, ''Euthydemos'' 286c.</span>
#<span class="reference-text">Aristoteles, ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Topik_(Aristoteles) Topik]'' 104b20.</span>
#<span class="reference-text">Diogenes Laertios, ''Über Leben und Lehren berühmter Philosophen'' 6,8.</span>
#<span class="reference-text">Diogenes Laertios, ''Über Leben und Lehren berühmter Philosophen'' 6,8.</span>
#<span class="reference-text">Diogenes Laertios, ''Über Leben und Lehren berühmter Philosophen'' 6,2.</span>
#<span class="reference-text">Diogenes Laertios, ''Über Leben und Lehren berühmter Philosophen'' 6,1-19.</span>
#<span class="reference-text">Xenophon, ''Memorabilien'' (Erinnerungen an Sokrates) 3,11,17 und 2,5.</span>
#<span class="reference-text">Ob die Berichte Xenophons mehr als literarisch-fiktive oder als historisch verlässliche Augenzeugenberichte (wie Xenophon behauptet) angesehen werden können, ist umstritten, man tendiert heute eher zu ersterem. Vgl. Andreas Patzer: ''Antisthenes der Sokratiker'', Teildruck, Dissertation Heidelberg 1970, S. 46–50.</span>
#<span class="reference-text">Andreas Patzer: ''Antisthenes der Sokratiker'', Teildruck, Dissertation Heidelberg 1970, S. 13.</span>
#<span class="reference-text">Platon, ''Sophistes'' 251b3</span>
#<span class="reference-text">Platon, ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Phaidon Phaidon]'' 59b.</span>
#<span class="reference-text">Epiktet, ''Lehrgespräche'' 1,17,12; 2,17,35; 3,24,67; 4,6,20.</span>
#<span class="reference-text">Cicero, ''Tusculanae disputationes'' 5,26.</span>
#<span class="reference-text">Carl Werner Müller: ''[http://www.rhm.uni-koeln.de/138/Mueller4.pdf Cicero, Antisthenes und der pseudoplatonische 'Minos' über das Gesetz] (PDF; 4,2&nbsp;MB)''. In: ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Rheinisches_Museum_f%C3%BCr_Philologie Rheinisches Museum für Philologie]'', Band 138, 1995, S. 247–265, hier: S. 248</span>
#<span class="reference-text">Klaus Döring: ''Antisthenes''. In: Hellmut Flashar: ''Grundriss der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie der Antike'', Band 2/1, Schwabe, Basel 1998, S. 268–280, hier: S. 268.</span>
#<span class="reference-text">Andreas Patzer: ''Antisthenes der Sokratiker'', Teildruck, Dissertation Heidelberg 1970, S. 11–13.</span>
#<span class="reference-text">Andreas Patzer: ''Antisthenes der Sokratiker'', Teildruck, Dissertation Heidelberg 1970, S. 14–15.</span>
#<span class="reference-text">Eine umfangreiche und detaillierte Übersicht zu Schriften und Quellensammlungen zu Antisthenes gibt Andreas Patzer: ''Antisthenes der Sokratiker'', Teildruck, Dissertation Heidelberg 1970, S. 16–44.</span>
#<span class="reference-text">Andreas Patzer: ''Antisthenes der Sokratiker'', Teildruck, Dissertation Heidelberg 1970, S. 17.</span>
#<span class="reference-text">Wilhelm Gottlieb Tennemann: ''Geschichte der Philosophie'', Band 2, Barth, Leipzig 1799, S. 87–99.</span>
#<span class="reference-text">August Wilhelm Winckelmann (Hrsg.): ''Antisthenis Fragmenta'', Meyer und Zeller, Zürich 1842.</span>
#<span class="reference-text">Karl Barlen: ''Antisthenes und Plato'', Struder'sche Buchdruckerei & Buchhandlung, Neuwied 1881.</span>
#<span class="reference-text">K. Urban: ''Über die Erwähnungen der Philosophie des Antisthenes in den Platonischen Schriften'', Königsberg 1882.</span>
#<span class="reference-text">Karl Joël: ''Der echte und der xenophontische Sokrates'', 2 Bände, 1893-1901.</span>
#<span class="reference-text">Eine Übersicht zur Antisthenes-Rezeption gibt die von der Herausgeberin verfasste Einleitung in: Margarethe Billerbeck (Hrsg.): ''Die Kyniker in der modernen Forschung'', B. R. Grüner, Amsterdam 1991, S. 1–30.</span>
#<span class="reference-text">Eduard Zeller: ''[http://archive.org/details/diephilosophied13zellgoog Die Philosophie der Griechen in ihrer geschichtlichen Entwicklung. Zweiter Theil, Erste Abtheilung. Sokrates und die Sokratiker, Plato und die alte Akademie]''. 3. Auflage, Fues, Leipzig 1875, S. 240–287.</span>
#<span class="reference-text">Theodor Gomperz: ''Griechische Denker''. Band 2, 4. Auflage des Nachdrucks von 1922-1931, De Gruyter, Holland 1973, S. 122.</span>
#<span class="reference-text">Donald R. Dudley: ''[http://archive.org/details/historyofcynicis032872mbp A History of Cynism]''. Methuen & Co., London 1937.</span>
#<span class="reference-text">Kurt von Fritz: ''Antistene e Diogene. Le loro relazioni reciproche e la loro importanza per la setta cinica''. In: Margarethe Billerbeck (Hrsg.): ''Die Kyniker in der modernen Forschung''. B. R. Grüner, Amsterdam 1991, S. 59–72.</span>
#<span class="reference-text">Margarethe Billerbeck (Hrsg.): ''Die Kyniker in der modernen Forschung''. B. R. Grüner, Amsterdam 1991, S. 8–9.</span>
#<span class="reference-text">Heinz Schulz-Falkenthal: ''Zum Arbeitsethos der Kyniker''. In: Margarethe Billerbeck (Hrsg.): ''Die Kyniker in der modernen Forschung''. B. R. Grüner, Amsterdam 1991, S. 287–303.</span>
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Nikolaus_Himmelmann Nikolaus Himmelmann]: ''Antisthenes.'' In: Bernard Andreae: ''Phyromachos-Probleme.'' Zabern, Mainz 1990, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3805311265 ISBN 3-8053-1126-5], S. 13–23; [https://de.wikipedia.org/wiki/Bernard_Andreae Bernard Andreae]: ''[http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/propylaeumdok/volltexte/2012/1319/ Die römischen Kopien in Marmor nach griechischen Meisterwerken in Bronze als Ausdruck der römischen Kultur]''. In: ''Studi italiani di filologia classica''. Band 10, 1992, S. 21–31.</span>
#<span class="reference-text">[http://www.brindisiweb.it/storia/bronze_statues.asp www.brindisiweb.it].</span>
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Version vom 8. August 2024, 07:24 Uhr

Antisthenes Vorlage:dt.-agrie. Ἀντισθένης Antisthénēs "Gegenstehender'"

Antisthenes (altgriechisch Ἀντισθένης Antisthénēs; * um 445 v. Chr.; † um 365 v. Chr.) war ein griechischer Philosoph der Antike. Er lebte in Athen und war Begründer sowie einer der Hauptvertreter der Lehre des Kynismus.

Antisthenes dürfte zu seiner Zeit einer der bekanntesten Philosophen Athens gewesen sein. Er war ein Schüler des 20 Jahre älteren Sokrates, ein Zeitgenosse Platons und ein Lehrer des Kynikers Diogenes von Sinope. In der Philosophiegeschichte wird Antisthenes oft zu den sogenannten kleinen Sokratikern gezählt.

Von den Schriften des Antisthenes ist außer zwei kurzen Übungsreden nichts erhalten. Was man heute über sein Leben und seine Lehre weiß, wurde aus Berichten anderer antiker Autoren gesammelt. Insgesamt ist die Überlieferungslage schlecht. Die wichtigsten Auskünfte über Antisthenes stammen von seinem Zeitgenossen Xenophon, Aristoteles und dem im 3. Jahrhundert tätigen Philosophiehistoriker Diogenes Laertios.

Antisthenes war dafür bekannt, Luxus und Reichtum geringzuschätzen, Bedürfnislosigkeit hingegen zu befürworten. Auf dem Gebiet der Logik hat sich Antisthenes mit Definitionen und Aussagenbeschäftigt; auf dem der Erkenntnistheorie hat er gegen die Ideenlehre Platons die Existenz der platonischen Ideen angezweifelt. Außerdem hat er politische Fragen behandelt und Werke des Dichters Homer interpretiert.


Eine von elf gefundenen römischen Kopien einer verlorenen griechischen Antisthenes-Darstellung. Sie befindet sich heute in denVatikanischen Museen

.[1]

Leben

Die Lebenszeit Antisthenes’ ist vergleichsweise gut aus den antiken Berichten rekonstruierbar und wird auf 445 bis 365 v. Chr. geschätzt.[2]

Antisthenes war der Sohn eines gleichnamigen Athener Bürgers und einer Thrakerin.[3] Er selbst soll – zumindest eine Zeit lang – im 8 km von Athen entfernten Piräus gewohnt haben.[4] Antisthenes starb im Alter von etwa 80 Jahren infolge einer Krankheit.[5] Er war in die Orphischen Mysterien eingeweiht[6] und erhielt eine Auszeichnung in der Schlacht von Tanagra.[7]

<figure class="mw-default-size">[1]<figcaption>Eine weitere Kopie des verlorenen Originals. Sie wurde in Rom an der Via Appia gefunden und befindet sich heute im British Museum.[8]</figcaption></figure>

Über die äußere Erscheinung des Antisthenes, der den Beinamen „reiner Hund“ (haplokyon) führte,[9] wird berichtet, dass er bei einer Begegnung mit Sokrates einen schäbigen Mantel getragen habe[10] und dass er generell nichts als einen doppelt umgeschlagenen Mantel getragen und Stock und Hängetasche mitgeführt haben soll.[11] Zur Beschreibung seines Charakters wird gesagt, er sei „ein ungewöhnlicher Mann, der durch geistvollen Umgang jedermann für sich einnimmt.“[12] Beim spätantiken Philosophiehistoriker Diogenes Laertios stehen auch zahlreiche Anekdoten aus dem Leben des Antisthenes und etliche ihm zugeschriebene prägnante Aussprüche. In Xenophons Symposion tritt Antisthenes einerseits als kynischer Philosoph und bedürfnisloser Mensch auf, andererseits als ständig stichelnder Kritiker, der die Ansichten der anderen Gesprächspartner hinterfragt, sich gerne mit anderen anlegt und sich gelegentlich auch über sie lustig macht. Beispielsweise nennt er die Ehefrau des Sokrates als diejenige, „die unter allen lebenden, ja, meines Bedünkens, unter allen die ehemals gelebt haben und künftig leben werden, die unerträglichste ist“[13] und fragt einen gewissen Nikeratos, der Ähnlichkeiten mit den antiken Rhapsoden aufweist, ob er ein „alberneres Volk in der Welt als die Rhapsoden“ kenne.[14]

Anfangs war Antisthenes wahrscheinlich ein Schüler des Sophisten Gorgias von Leontinoi,[15] wechselte später aber zu den Anhängern des Sokrates, „dessen Standhaftigkeit und Gelassenheit (apatheia) er sich zu eigen machte und damit die kynische Lebensweise begründete.“[16] Seine Gespräche hat Antisthenes in einem athenischen Gymnasion, dem Kynosarges, geführt.[17] Dieses war denjenigen Athenern für ihre Übungen zugeteilt worden, die wie Antisthenes einen nicht-athenischen Elternteil hatten und somit politisch nicht als volle Bürger zählten.[18]

Isokrates verfasste zwei Reden,[19] in denen er sich gegen die Sokratiker und auch speziell gegen die Kyniker und Antisthenes wandte. Basierend auf diesem Dokument, gehen einige Forscher davon aus, dass Antisthenes in den ersten Jahrzehnten nach dem Tod des Sokrates der berühmteste Sokratiker war, also auch berühmter als Platon.[20]

Das Verhältnis zu Platon war kritisch. So soll Antisthenes ihn wegen seiner Aufgeblasenheit, Protzigkeit und Arroganz verspottet haben.[21] In einem Wortspiel nannte er ihn statt Platon („mit breiter Stirn“) Sathon („mit dickem Glied“).[22] Diogenes Laertios stellt an drei Stellen einen Bezug zwischen Antisthenes und der Schule der Stoa her,[23] die möglicherweise von der Lehre des Antisthenes beeinflusst war.

Lehre

Antisthenes gilt bereits dem antiken Philosophiehistoriker Diogenes Laertios als Begründer einer neuen Richtung innerhalb der Philosophie, die später die Bezeichnung Kynismus erhielt. Der Kynismus wurde vor allem für seine Ethik bekannt, die sich für Bedürfnislosigkeit und gegen Luxus sowie gesellschaftliche Konventionen ausspricht. Der berühmteste der wenigen[24] Schüler des Antisthenes war Diogenes von Sinope, weitere Vertreter des Kynismus finden Philosophiehistoriker bis ins 4. Jahrhundert.

Schriften

Antisthenes hat zahlreiche Schriften verfasst, Diogenes Laertios gibt die Titel von 60 bis 70 Werken an, die in 10 Bänden gesammelt waren.[25] Unter ihnen waren Dialoge,[26] Traktate und Übungsreden.[27] Eingehend untersucht wurde der Katalog und seine Rezeption von Andreas Patzer.[28] Welche der genannten Schriften es tatsächlich gegeben hat, ist unklar.[29] Grundsätzlich stuft man den Schriftenkatalog bei Diogenes allerdings als vertrauenswürdig ein und geht davon aus, dass er ihn möglicherweise nach ihm vorliegenden Bibliothekskatalogen, vor allem aber nach daraus entstandenen Sammelschriften erstellt hat.[30] Die in Frage kommenden philosophiehistorischen und biographischen Schriften, die auch Bücherlisten enthielten, entstanden zur Zeit des Hellenismus, vor allem in den Städten Alexandria und Pergamon. In Frage kommende Autoren, die Antisthenes mit Sicherheit behandelt haben, waren Satyros von Kallatis, Hermipp, Sotion von Alexandria (* um 200 v. Chr.; † 170 v. Chr.), Panaitios und Herodikos von Babylon.[31] Patzer schließt aus der Anordnung der Schrifttitel, dass es in der Antike eine Gesamtausgabe der Schriften Antisthenes’ gegeben haben muss,[32] was auch Diogenes Laertios' Bericht von einem zehnbändigen Werk nahelegt.

Einige Forscher schreiben Antisthenes die zwei erhaltenen, äußerst kurzen Übungsreden Aias und Odysseus zu, die nach den Helden Ajax dem Großenund Odysseus benannt sind. Sie wurden in Handschriften von Rednern überliefert.[33] In ihnen beanspruchen Ajax und Odysseus die Waffen des gestorbenen Achilleus für sich.[34]

Antisthenes hat auch Interpretationen zu Dichtungen Homers verfasst. Über diese Interpretationen hat später Porphyrios referiert, wovon noch so genannte Homerscholien erhalten sind.[35]

Ethik

Luxus und Bedürfnislosigkeit

Antisthenes richtete sich gegen ein luxuriöses Leben: „Meinen Feinden wünsche ich, dass ihre Kinder in Luxus leben!“[36] Einmal soll er den Ehemann einer stark aufgeputzten Frau aufgefordert haben, ihm Pferd und Waffen zu zeigen, da luxuriöser Aufputz erst nach zureichender Verteidigung kommen dürfe.[37] Im Gegensatz zum Luxus lobt Antisthenes die Autarkie im Sinne von Bedürfnislosigkeit.[38]

Als sich in Xenophons Symposion[39] die Frage stellt, worauf sich Antisthenes am meisten einbilde, antwortet dieser, auf seinen Reichtum. Als sich herausgestellt hat, dass er weder einen Groschen Bargeld, noch Grund und Boden besitzt, erklärt er, dass Reichtum „nicht in unseren Häusern, sondern in unseren Seelen“ liege. Direkt auf dieses Zitat folgt eine längere Stelle, in der Antisthenes seine Position – dem kurz danach auch die „Kunst nichts zu bedürfen“ zugeschrieben wird – in Bezug auf Luxus und Bedürfnislosigkeit darlegt. So gäbe es sehr Reiche, die trotzdem immer noch mehr Geld anhäufen wollen und wie einige Tyrannen nicht einmal vor Mord und Versklavung ganzer Städte zurückschrecken. Er selbst habe wenig, aber doch genug zu essen, trinken sowie Kleidung und ein Haus. Er stehe ungern auf und begnüge sich mit Menschen, mit denen niemand sonst etwas zu tun haben möchte. Er genieße was er habe und würde im Fall des Falles nicht viel verlieren. Hin und wieder leiste er sich eine Kleinigkeit, führe aber ein wenig anspruchsvolles Leben und brauche wenig Geld. Sein Reichtum bestehe aus Schätzen in seiner Seele, die er wie Sokrates gerne mit anderen teile, und in ausgiebig vorhandener Freizeit, die er gerne mit Sokrates verbringe.

Tugend

Im folgenden Zitat über die Ethik des Antisthenes steht der Begriff der Tugend (arete) im Zentrum:

„Seine Philosophie war folgende: Tugend, so bewies er, sei lehrbar. Eigentlicher Adel sei Tugendadel, Tugend allein ist ausreichend (autarkes) für die Glückseligkeit (eudaimonia) und bedarf zusätzlich nur noch der Kraft eines Sokrates. Die Tugend ist eine Sache des Handelns und bedarf weder vieler Worte noch Kenntnisse. Der Weise habe an sich selbst genug, denn er besitze ja alle übrigen Güter. Ruhmlosigkeit sei etwas Gutes ebenso wie die Arbeit. Der Weise lässt sich in der Politik nicht von den Gesetzen des Staates, sondern von dem der Tugend leiten.“

– Diogenes Laertios: Über Leben und Lehren berühmter Philosophen 6, 10–11

Antisthenes, dessen soziale Stellung nicht bekannt ist, nennt hier die Arbeit (ponos) ein Gut.[40] In einer weiteren Stelle schreibt Diogenes Laertios: „Dass anstrengende Arbeit etwas Gutes sei, dafür verwies er auf den großen Herakles und auf Kyros.“[41]

Erkenntnistheorie

Nach Johannes Tzetzes soll Antisthenes die von Platon gelehrte Realität der Ideen nicht anerkannt haben. Diese Ideen seien nach Antisthenes vielmehr „bloße Gedanken“ (psilai ennoiai).[42] In dieselbe Kerbe schlägt eine bei Simplikios überlieferte Anekdote, laut der Antisthenes zu Platon gesagt haben soll: „Ich sehe ein Pferd, aber ich sehe keine Pferdheit“, worauf Platon entgegnet haben soll: „Du hast eben nur das Auge, mit dem man ein Pferd sieht, aber das Auge, mit dem man eine Pferdheit erblickt, hast du noch nicht erworben.“[43] Antisthenes könnte damit gemeint haben, dass Gattungen und Arten nicht etwas Wirkliches, Existierendes sind, sondern nur auf unseren Vorstellungen beruhen.[44]

Logik

Definition

Antisthenes soll der erste gewesen sein, der definiert hat (horisato), was eine Aussage[45] (logos) ist: „Die Aussage zeigt auf, was etwas war oder ist.“[46] Damit kann er als einer der Vorläufer der antiken Logik gelten, deren erstes umfangreiches Werk Aristoteles verfasst hat. Gerade dieser berichtet wiederum, dass nach Antisthenes Definitionen unmöglich gewesen sein sollen:

„So hat denn der Zweifel eine gewisse Berechtigung, welchen die Anhänger des Antisthenes und die in dieser Weise Ungebildeten vorbrachten, es sei nämlich nicht möglich zu definieren, was etwas ist, da die Definition durch eine lange Reihe von Worten geschehe, sondern man könne nur bestimmen und lehren, wie beschaffen etwas ist; vom Silber zum Beispiel lasse sich nicht angeben, was es ist, sondern nur, dass es wie Zinn ist. Darnach ist denn von einigen Wesenheiten Definition und Begriff möglich, zum Beispiel von den zusammengesetzten, mögen diese sinnlich wahrnehmbar oder nur denkbar sein; nicht möglich dagegen von denen, aus welchen als ihren ersten Bestandtheilen diese bestehn, sofern ja der bestimmende Begriff etwas von etwas aussagt, und das eine die Stelle des Stoffes, das andere die der Form einnehmen muss.“

– Aristoteles: Metaphysik 1039a14
Unmöglichkeit des Widerspruchs

Diogenes Laertios erwähnt eine Vorlesung des Antisthenes, deren Thema die nicht näher erklärte „Unmöglichkeit, einander zu widersprechen“ gewesen sein soll.[47] In einer anderen Stelle schreibt er Antisthenes einen „Grundsatz“ zu, der die „Unmöglichkeit des Widerspruchs zu erweisen sucht“[48] und verweist auf den Dialog Euthydemos von Platon, in dem diese Ansicht (die auch Protagoras vertreten habe) diskutiert wird.[49] Auch Aristoteles greift diesen Punkt auf und nennt Antisthenes’ Ansicht „töricht“. Denn er habe behauptet:

„man dürfe von keinem Gegenstande etwas anderes aussagen als seinen eigenen Begriff (logos): „von einem nur eines.“ Daraus ergab sich denn, daß es unmöglich sei, widersprechende, und beinahe unmöglich, falsche Aussagen zu machen.“

– Aristoteles: Metaphysik 1024b33

Auch an einer weiteren Stelle berichtet Aristoteles: „Es ist nicht möglich, zu widersprechen, wie Antisthenes sagt.“[50]

Politik

Antisthenes scheint die antike Demokratie kritisiert zu haben. So riet er den Athenern per Volksbeschluss die Esel zu Pferden zu erklären, wie sie ja auch ungelernte Leute durch bloßes Händeheben zu Feldherren machten,[51] und äußerte auf den Hinweis, dass ihn die Menge lobe: „Was hab ich denn falsch gemacht?“[52]

Bei seinem Schüler Diogenes von Sinope taucht erstmals der Begriff des Weltbürgers (kosmopolites) auf, doch stellt bereits Antisthenes – um zu zeigen, dass anstrengende Arbeit etwas Gutes sei – ein Beispiel von Griechen neben einem von Nicht-Griechen.[53] Ein Vergleich, der zur damaligen Zeit eher ungewöhnlich gewesen sein dürfte; andere zeitgenössische Autoren bezeichneten sämtliche Nicht-Griechen zusammengenommen mit dem abwertenden Begriff Barbaren.

Theologie

Auch im Bereich der Theologie sind vereinzelte Fragmente der Ansichten des Antisthenes erhalten, aus denen sich aber bei weitem kein Gesamtbild der Theologie des Antisthenes ableiten lässt.

Überlieferung

Da die Schriften Antisthenes’ – bis auf die zwei kurze Reden – verloren sind, ist so gut wie alles, was wir heute über sein Leben und seine Lehre wissen, Texten anderer antiker Autoren entnommen. Teilweise zitieren sie originale Textstellen des Antisthenes (Fragmente), teilweise berichten sie über sein Leben oder seine Lehre oder Antisthenes tritt als Figur in literarischen Texten auf. Am umfangreichsten berichtet der Doxograph Diogenes Laertios, dessen Schrift Über Leben und Lehren berühmter Philosophen[54] allerdings erst aus dem 3. Jahrhundert stammt. Eine weitere bedeutende Quelle ist der mehr literarische als philosophische Dialog Symposion von Antisthenes’ Zeitgenossen Xenophon, in dem Antisthenes neben Sokrates als einer der aktivsten Gesprächspartner auftritt. Kurz taucht er auch in Xenophons Schrift Memorabilien[55] auf.[56]

Im Vergleich zu Platon und Xenophon, deren Schriften vollständig erhalten sind, ist die Überlieferungslage äußerst schlecht; im Vergleich zu anderen Schülern des Sokrates ist man über die Lehre Antisthenes’ aber gut unterrichtet.[57]

Die philosophischen Ansichten des Antisthenes sind aus den vorhandenen Quellen nur schwer rekonstruierbar. Was über seine Lehre berichtet wird, ist meist bruchstückhaft oder besteht überhaupt nur aus knappen Weisheitssprüchen oder Anekdoten. Bei Athenaios (der im 3. Jahrhundert eine Schrift von Herodikos von Babylon exzerpiert hat) stehen einige Inhalte der Schriften des Antisthenes. Wie auch in anderen Dialogen finden zahlreiche Autoren im Dialog Sophistes von Platon eine Anspielung[58] auf die Logik des Antisthenes, obwohl er nicht namentlich erwähnt wird. Der Name des Antisthenes kommt bei Platon nur einmal vor, und zwar in der Aufzählung der beim Tod des Sokrates anwesenden Personen.[59] Bei Aristoteles und seinen Kommentatoren werden an einigen Stellen logische und erkenntnistheoretische Ansichten des Antisthenes referiert (siehe oben). Bei Epiktet wird Antisthenes viermal erwähnt.[60] Im Werk Ciceros, der ihm die Propagierung einer einfachen Lebensweise zuschreibt,[61] kommt der Name des Antisthenes viermal vor.[62] Manche Forscher schreiben die Vorlage, die Dion Chrysostomos nach dessen eigener Aussage für seine 13. Rede benutzt hat, dem Antisthenes zu.[63] Was die Lebensumstände des Antisthenes betrifft, sind nur wenig Informationen vorhanden; sie stammen fast alle von Diogenes Laertios.

Rezeption

Die moderne Antisthenes-Rezeption besteht in der philologischen Sammlung antiker und mittelalterlicher Textstellen, in denen über Antisthenes berichtet wird, in philosophiegeschichtlichen Darstellungen der Hauptpunkte seiner Philosophie, in Monographien, die sich ausschließlich mit Antisthenes beschäftigen und in Arbeiten zu speziellen Themen der Lehre Antisthenes’.

In der Behandlung des Kynismus allgemein wurde die Frage gestellt, wieweit er auf die ihm nachfolgenden Kyniker und andere antike Philosophen gewirkt hat und ob er tatsächlich als Gründer der kynischen Schule bezeichnet werden kann.

Die Bilder, die verschiedene Autoren vom Leben und der Lehre des Antisthenes gezeichnet haben, sind sehr unterschiedlich. Wenn man von der von ihm begründeten Tradition der antiken Kyniker absieht, hat die Philosophie des Antisthenes in der Philosophiegeschichte, etwa im Vergleich zu der Philosophie seines Zeitgenossen Platon, kaum Nachwirkungen gehabt; eher kann man von Kontroversen darüber sprechen, was denn tatsächlich die authentischen Ansichten des Antisthenes gewesen sind. Zu den Gründen, warum Antisthenes wenig rezipiert wurde, zählt die – etwa im Vergleich zu Platon – schlechte Überlieferungslage, aber auch die Tatsache, dass die Philosophiegeschichte ihn zu den sogenannten „kleinen Sokratikern“ gezählt hat, die hinsichtlich ihrer Nachwirkung im Schatten des Werks Platons standen.[64] Eine gewisse Bedeutung hat Antisthenes auch für die moderne Sokrates-Forschung. So erhoffte man sich, das aus Texten anderer Autoren gewonnene Bild durch die Darstellung des Sokrates bei Antisthenes zu ergänzen.[65]

Schriften zu Antisthenes und Quellensammlungen

Die ersten monographischen Abhandlungen, die sich allerdings noch übermäßig an dem Bericht Diogenes Laertios' orientierten, verfassten Gottlob Ludwig Richter (1724) und Ludwig Christian Crell (1728).[66] Im 19. Jahrhundert weitete sich die Antisthenes-Forschung aus, verfiel allerdings teilweise in „unkritische Spekulation“.[67] Die erste Behandlung innerhalb der Philosophiegeschichtsschreibung erfuhr Antisthenes 1799 von Wilhelm Gottlieb Tennemann.[68] Es folgten ihm weitere Philosophiehistoriker, etwa Friedrich Schleiermacher, Heinrich Ritter (1830), Eduard Zeller (1846) und Friedrich Überweg (1863). Erst 1821 setzte die philologische Beschäftigung mit Antisthenes ein. Johann C. von Orelli (1821) und Ludwig Preller (1838) veröffentlichten erste Zusammenstellungen der zu Antisthenes überlieferten Bruchstücke, 1842 erschien eine erste ausführlichere, aber immer noch unvollständige Gesamtausgabe von Wilhelm Winckelmann.[69] Es folgte eine unveränderte Sammlung bei Friedrich Wilhelm August Mullach, 1872 und 1885 veröffentlichten Gildemeister und Bücheler weitere Fragmente. Auch erschienen zu dieser Zeit wieder Monographien (Ferdinand Deycks 1841, Charles Chappuis 1854, Adolf Müller 1860), die sich allerdings auf Biographisches und literarische Probleme konzentrierten. Im 19. Jahrhundert wurden immer mehr antike Textstellen in einen oft sehr spekulativen Zusammenhang mit Antisthenes gebracht, in denen sein Name nicht auftaucht. So konnten 1881 und 1882 Schriften wie Antisthenes und Plato[70] und Über die Erwähnungen der Philosophie des Antisthenes in den Platonischen Schriften[71]entstehen, obwohl Platon Antisthenes in seinen Schriften nur einmal erwähnt. Einige der damals gefundenen Platonstellen gelten aber auch heute noch – da sie starke Ähnlichkeit zu Antisthenes-Fragmenten aufweisen – als Anspielungen auf Antisthenes’ Philosophie. In Heranziehung zahlreicher Stellen, die er in einen hypothetischen Zusammenhang mit Antisthenes brachte, versuchte 1882 Georg Ferdinand Dümmler Antisthenes’ Philosophie im großen Stil zu rekonstruieren. Für Karl Joël[72] steht Antisthenes gar im Mittelpunkt sämtlicher sokratischer Schriften Xenophons, wie auch vieler Dialoge Platons. Dieser Richtung einer spekulativ-hypothetischen Rekonstruktion der Philosophie Antisthenes folgten in den Jahren 1890 bis 1915 weitere Philologen und Philosophiehistoriker.

Andere Autoren haben von 1890 bis 1900 in ihrer Methode kritischere Behandlungen vorgelegt, darunter Paul Natorp und Franz Susemihl. Scharfe Kritik an den übertriebenen Interpretationen des 19. Jahrhunderts äußerten 1913 Heinrich Maier und 1919 Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff. Im Anschluss, 1912, 1932, 1950 und 1951, entstanden auch neue, sorgfältige und alte Zusammenstellungen erweiternde Quellensammlungen. 1922 hat Wilhelm Nestleeinige Fragmente ins Deutsche übersetzt. Ein gewisser Abschluss wurde 1966 mit der Sammlung von Decleva Caizzi erreicht, 1990 erschien schließlich die heute maßgebliche Sammlung von Gabriele Giannantoni. Neuere Monographien verfassten 1916 Giuseppe Zuccante, 1948 Farrand Sayre und 1964 Caizzi. Überblicke findet man besonders bei Olof Gigon (1947) und Jean Humbert (1967). Zahlreiche Beiträge zu speziellen Themen wie vor allem der antisthenischen Logik, Rhetorik und Homerinterpretation entstehen seit etwa 1910.

Die heute maßgeblichen Monographien stammen von Andreas Patzer (1970), Herbert David Rankin (1986) und Luis E. Navia (2001).

Positionen der Antisthenes-Rezeption

Als Anfang der modernen Kynikerforschung[73] gilt das philologisch dominierte Kapitel über die Kyniker in Eduard Zellers Die Philosophie der Griechen in ihrer geschichtlichen Entwicklung[74] von 1844–1852, das die philosophische Lehre gegenüber den Lebensumständen und Anekdoten in den Vordergrund stellt. Von Theodor Gomperz (1902) stammt die Gegenüberstellung von Antisthenes als Begründer der kynischen Lehre und Diogenes von Sinope als „Vater des praktischen Kynismus“.[75] Wie vor ihm schon Karl Wilhelm Göttling und auch Gomperz, richtet Donald R. Dudley[76] seine Darstellung auf die historischen Gestalten hinter der kynischen Lehre und spricht sich dagegen aus, dass Antisthenes der erste Kyniker gewesen sein soll. Er negiert eine Verbindung zwischen Antisthenes und den späteren Kynikern und sieht darin eine nachträgliche, bereits in der Antike entstandene philosophiegeschichtliche Konstruktion. Ob nun Antisthenes der erste Kyniker war oder nicht ist bis heute eine umstrittene Frage, der vor allem auch Kurt von Fritz[77] nachgegangen ist. Allgemein sieht man in Antisthenes eher den Philosophen, dessen Nachwirkung auf seinen Schriften beruht, bei Diogenes von Sinope steht dessen Person im Vordergrund.[78] Den sozialkritischen Aspekt der Lehre des Antisthenes rücken marxistische Autoren wie der Russe I. Nachov und Heinz Schulz-Falkenthal[79] in den Vordergrund. Sie stellen Antisthenes als Vertreter und Fürsprecher der arbeitenden, unteren Gesellschaftsschichten dar.

Wie allen Philosophen wird auch Antisthenes in systematischen Darstellungen der Philosophiegeschichte eine mehr durch die philosophiegeschichtliche Auffassung des jeweiligen Autors als durch philologisch korrekte Aufarbeitung bestimmte philosophische Position zugeschrieben, die in die philosophiegeschichtliche Interpretation des Autors passen muss. Bei Hegel beispielsweise ist die Tugend bei Antisthenes:

„...nicht bewußtlose Tugend, wie die unmittelbare eines Bürgers eines freien Volkes, der seine Pflichten gegen Vaterland, Stand und Familie so erfüllt, wie Vaterland, Stand es unmittelbar fordern. Das Bewußtsein, aus sich herausgegangen, bedarf jetzt, Geist zu werden, alle Realität zu ergreifen und derselben als der seinigen bewußt zu werden oder zu begreifen. Solcherlei Zustände aber, die Unschuld oder Schönheit der Seele und dergleichen genannt werden, sind Kinderzustände, die an ihrer Stelle jetzt gepriesen werden, aus denen der Mensch, weil er vernünftig ist, heraustreten muß und aus der aufgehobenen Unmittelbarkeit sich wieder erschaffen muß.“

– Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie 18, 555

Bildnisse

<figure class="mw-default-size">[2]<figcaption>Bronzekopf des Antisthenes, Brindisi, Museo Archeologico Provinciale</figcaption></figure>

Es sind zwei antike Plastiken bekannt, die Antisthenes darstellen könnten. Die erste ist nicht im Original erhalten, jedoch durch insgesamt 11 römische Kopien bekannt. Eine Kopie aus dem 2. Jahrhundert ist eine in den 1770ern in Tivoli gefundene Herme mit der Inschrift ANTISTHENES, die heute in der Sala delle Muse der vatikanischen Museen steht. Seit 1969 in Ostia Antica auf einer der Kopien der Name des Bildhauers Phyromachos entdeckt worden ist, schreiben einige Forscher das unbekannte Original, das aus Bronze bestand, diesem Künstler zu.[80]Phyromachos wirkte allerdings im 2. Jahrhundert v. Chr., also deutlich später als Antisthenes, der bereits im 4. Jahrhundert v. Chr. starb.

Die zweite Plastik ist ein Bronzekopf, der 1992 von Tauchern in der Nähe von Brindisi gefunden wurde.[81] Man nimmt an, dass es sich um das Bildnis eines Philosophen handelt, möglicherweise um Antisthenes.

Quellenausgaben und -übersetzungen

Ausgaben (teilweise mit Übersetzung)

  • Gabriele Giannantoni (Hrsg.): Socratis et Socraticorum Reliquiae, Band 2, Bibliopolis, Neapel 1990, ISBN 88-7088-215-2, S. 137–225 (kritische Ausgabe der griechischen und lateinischen Quellen; online)
  • Fernanda Decleva Caizzi (Hrsg.): Antisthenis fragmenta. Istituto Editoriale Cisalpino, Milano 1966 (unkritische Ausgabe mit Kommentar)
  • Susan H. Prince (Hrsg.): Antisthenes of Athens: Texts, Translations, and Commentary. University of Michigan Press, Ann Arbor 2015, ISBN 978-0-472-11934-9

Übersetzungen

Literatur

Übersichtsdarstellungen

Monographien

  • Luis E. Navia: Antisthenes of Athens. Setting the World Aright. Greenwood, Westport 2001, ISBN 0-313-31672-4
  • Andreas Patzer: Antisthenes der Sokratiker. Das literarische Werk und die Philosophie, dargestellt am Katalog der Schriften. Teildruck, Heidelberg 1970 (Dissertation)
  • Herbert David Rankin: Anthisthenes [sic] Sokratikos. Hakkert, Amsterdam 1986, ISBN 90-256-0896-5

Untersuchungen zu Teilbereichen

  • Aldo Brancacci: Oikeios logos. La filosofia del linguaggio di Antistene. Bibliopolis, Neapel 1990, ISBN 88-7088-229-2
    • Französische Übersetzung (durchgesehen und erweitert): Antisthène. Le discours propre. Traduit de l’italien par Sophie Aubert (Tradition de la pensée classique). Vrin, Paris 2005, ISBN 978-2-7116-1726-5. – Rezension von Annie Hourcade, Revue Philosophique de Louvain 104, 2006, S. 137–141 (online)
  • Aldo Brancacci: Érotique et théorie du plaisir chez Antisthène. In: Marie-Odile Goulet-Cazé, Richard Goulet (Hrsg.): Le cynisme ancien et ses prolongements. Presses Universitaires de France, Paris 1993, ISBN 2-13-045840-8, S. 35–55
  • Pedro Pablo Fuentes González. En defensa del encuentro entre dos Perros, Antístenes y Diógenes: historia de una tensa amistad. In: Cuadernos de Filología Clásica: Estudios Griegos e Indoeuropeos. 23, 2013, S. 225–267 (reprint: in V. Suvák [ed.], Antisthenica Cynica Socratica, Oikoumene,Praha 2014, S. 11–71)
  • Gabriele Giannantoni: Antistene fondatore della scuola cinica? In: Marie-Odile Goulet-Cazé, Richard Goulet (Hrsg.): Le cynisme ancien et ses prolongements. Presses Universitaires de France, Paris 1993, ISBN 2-13-045840-8, S. 15–34

Porträt

  • Gisela M. A. Richter: The Portraits of the Greeks II (1965) 180 Abb.1034-1039.
  • Gisela M. A. Richter: The Portraits of the Greeks, Supplement (1972) Abb.1055.1056.
  • Nikolaus Himmelmann: Antisthenes, in: B. Andreae (Hrsg.) Phyromachos-Probleme, 31. Ergh. Mitteilungen des DAI, Römische Abteilung(1990)13-24.
  • Bernard Andreae: Die Antisthenes-Statuette in Neapel, in: B. Andreae (Hrsg.): Phyromachos-Probleme, 31. Ergh. Mitteilungen des DAI, Römische Abteilung (1990) 80-82.
  • L. Seemann (Koch): Die Sitzstatuetten des Antisthenes und Pittakos aus Pompeji, Archäologischer Anzeiger 1993, 263-269.
Commons: Antisthenes – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten

  1. Inventarnummer 288; weitere Information zu diesem Bildnis beispielsweise bei Arachne
  2. Klaus Döring: Antisthenes. In: Hellmut Flashar (Hrsg.): Grundriss der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie der Antike, Band 2/1, Schwabe, Basel 1998, S. 268–280, hier: S. 269.
  3. Diogenes Laertios, Über Leben und Lehren berühmter Philosophen 6,1.
  4. Diogenes Laertios, Über Leben und Lehren berühmter Philosophen 6,2.
  5. Diogenes Laertios, Über Leben und Lehren berühmter Philosophen 6,18-19.
  6. Diogenes Laertios, Über Leben und Lehren berühmter Philosophen 6,4.
  7. Diogenes Laertios, Über Leben und Lehren berühmter Philosophen 6,1.
  8. Inventarnummer 1838; weitere Informationen zu diesem Bildnis bei Arachne
  9. Diogenes Laertios, Über Leben und Lehren berühmter Philosophen 6,13.
  10. Diogenes Laertios, Über Leben und Lehren berühmter Philosophen 6,8.
  11. Diogenes Laertios, Über Leben und Lehren berühmter Philosophen 6,13.
  12. Diogenes Laertios, Über Leben und Lehren berühmter Philosophen 6,14.
  13. Xenophon, Symposion (Gastmahl) 4.
  14. Xenophon, Symposion (Gastmahl) 3.
  15. Diogenes Laertios, Über Leben und Lehren berühmter Philosophen 6,2.
  16. Diogenes Laertios, Über Leben und Lehren berühmter Philosophen 6,2.
  17. Diogenes Laertios, Über Leben und Lehren berühmter Philosophen 6,13.
  18. Demosthenes, Gegen Aristokrates 213 (online)
  19. Gegen die Sophisten und Helenarede.
  20. Andreas Patzer: Antisthenes der Sokratiker, Teildruck, Dissertation Heidelberg 1970, S. 238–246.
  21. Diogenes Laertios, Über Leben und Lehren berühmter Philosophen 6,7.
  22. Diogenes Laertios, Über Leben und Lehren berühmter Philosophen 3,35. In 6,16 ist ein Dialog namens Sathon angeführt, den auch Athenaios zwei Mal (5,220d und 11,507a) erwähnt.
  23. Diogenes Laertios, Über Leben und Lehren berühmter Philosophen 6,14-15 und 19.
  24. Diogenes Laertios, Über Leben und Lehren berühmter Philosophen 6,4.
  25. Diogenes Laertios, Über Leben und Lehren berühmter Philosophen 6,15-18.
  26. Diogenes Laertios, Über Leben und Lehren berühmter Philosophen 6,2.
  27. Klaus Döring: Antisthenes. In: Hellmut Flashar (Hrsg.): Grundriss der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie der Antike, Band 2/1, Schwabe, Basel 1998, S. 268–280, hier S. 271.
  28. Andreas Patzer: Antisthenes der Sokratiker, Teildruck, Dissertation Heidelberg 1970, S. 51–53 und 107–163, siehe auch S. 91–107.
  29. Vgl. Th. Birt: Das antike Buchwesen, Bonn 1974, S. 449.
  30. Andreas Patzer: Antisthenes der Sokratiker, Teildruck, Dissertation Heidelberg 1970, S. 118–122.
  31. Andreas Patzer: Antisthenes der Sokratiker, Teildruck, Dissertation Heidelberg 1970, S. 123–124.
  32. Andreas Patzer: Antisthenes der Sokratiker, Teildruck, Dissertation Heidelberg 1970, S. 127.
  33. Andreas Patzer: Antisthenes der Sokratiker, Teildruck, Dissertation Heidelberg 1970, S. 45.
  34. Klaus Döring: Antisthenes. In: Hellmut Flashar: Grundriss der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie der Antike, Band 2/1, Schwabe, Basel 1998, S. 268–280, hier: S. 271.
  35. Vgl. Klaus Döring: Antisthenes. In: Hellmut Flashar: Grundriss der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie der Antike, Band 2/1, Schwabe, Basel 1998, S. 268–280, hier: S. 278–280.
  36. Diogenes Laertios, Über Leben und Lehren berühmter Philosophen 6,8.
  37. Diogenes Laertios, Über Leben und Lehren berühmter Philosophen 6,10.
  38. Karl Müller: Fragmenta historicorum Graecorum, 2, 283, 51.
  39. Vgl. Xenophon, Symposion (Gastmahl) 3-4.
  40. Vgl. Heinz Schulz-Falkenthal: Zum Arbeitsethos der Kyniker. In: Margarethe Billerbeck (Hrsg.): Die Kyniker in der modernen Forschung. B. R. Grüner, Amsterdam 1991, S. 287–303.
  41. Diogenes Laertios, Über Leben und Lehren berühmter Philosophen 6,2.
  42. Johannes Tzetzes, Chiliades 6,606.
  43. Simplikios, Kommentar zu den Kategorien des Aristoteles 208, 28. Vgl. auch Ammonios Hermeiou, Kommentar zur Isagoge des Porphyrios 40,6 und die Scholien zu Aristoteles, S. 66, 68. Eine sehr ähnliche Geschichte erzählt Diogenes Laertios zu Diogenes von Sinope in Über Leben und Lehren berühmter Philosophen 6, 53. Dieser soll gesagt haben: „Tisch und Becher, Platon, sehe ich, Tischheit und Becherheit aber ganz und gar nicht“, worauf Platon geantwortet haben soll: „Das ist klar, denn Augen, um Tisch und Becher zu sehen, hast du, Verstand, um Tischheit und Becherheit zu schauen, aber nicht.“
  44. Andreas Graeser: Geschichte der Philosophie. Band 2: Die Philosophie der Antike 2, Beck, München 1993 (2. Auflage), S. 56.
  45. Das Wort logos kann hier auch mit „Definition“ übersetzt werden.
  46. Diogenes Laertios, Über Leben und Lehren berühmter Philosophen 6,3.
  47. Diogenes Laertios, Über Leben und Lehren berühmter Philosophen 3,35.
  48. Diogenes Laertios, Über Leben und Lehren berühmter Philosophen 9,53.
  49. Gemeint ist wahrscheinlich Platon, Euthydemos 286c.
  50. Aristoteles, Topik 104b20.
  51. Diogenes Laertios, Über Leben und Lehren berühmter Philosophen 6,8.
  52. Diogenes Laertios, Über Leben und Lehren berühmter Philosophen 6,8.
  53. Diogenes Laertios, Über Leben und Lehren berühmter Philosophen 6,2.
  54. Diogenes Laertios, Über Leben und Lehren berühmter Philosophen 6,1-19.
  55. Xenophon, Memorabilien (Erinnerungen an Sokrates) 3,11,17 und 2,5.
  56. Ob die Berichte Xenophons mehr als literarisch-fiktive oder als historisch verlässliche Augenzeugenberichte (wie Xenophon behauptet) angesehen werden können, ist umstritten, man tendiert heute eher zu ersterem. Vgl. Andreas Patzer: Antisthenes der Sokratiker, Teildruck, Dissertation Heidelberg 1970, S. 46–50.
  57. Andreas Patzer: Antisthenes der Sokratiker, Teildruck, Dissertation Heidelberg 1970, S. 13.
  58. Platon, Sophistes 251b3
  59. Platon, Phaidon 59b.
  60. Epiktet, Lehrgespräche 1,17,12; 2,17,35; 3,24,67; 4,6,20.
  61. Cicero, Tusculanae disputationes 5,26.
  62. Carl Werner Müller: Cicero, Antisthenes und der pseudoplatonische 'Minos' über das Gesetz (PDF; 4,2 MB). In: Rheinisches Museum für Philologie, Band 138, 1995, S. 247–265, hier: S. 248
  63. Klaus Döring: Antisthenes. In: Hellmut Flashar: Grundriss der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie der Antike, Band 2/1, Schwabe, Basel 1998, S. 268–280, hier: S. 268.
  64. Andreas Patzer: Antisthenes der Sokratiker, Teildruck, Dissertation Heidelberg 1970, S. 11–13.
  65. Andreas Patzer: Antisthenes der Sokratiker, Teildruck, Dissertation Heidelberg 1970, S. 14–15.
  66. Eine umfangreiche und detaillierte Übersicht zu Schriften und Quellensammlungen zu Antisthenes gibt Andreas Patzer: Antisthenes der Sokratiker, Teildruck, Dissertation Heidelberg 1970, S. 16–44.
  67. Andreas Patzer: Antisthenes der Sokratiker, Teildruck, Dissertation Heidelberg 1970, S. 17.
  68. Wilhelm Gottlieb Tennemann: Geschichte der Philosophie, Band 2, Barth, Leipzig 1799, S. 87–99.
  69. August Wilhelm Winckelmann (Hrsg.): Antisthenis Fragmenta, Meyer und Zeller, Zürich 1842.
  70. Karl Barlen: Antisthenes und Plato, Struder'sche Buchdruckerei & Buchhandlung, Neuwied 1881.
  71. K. Urban: Über die Erwähnungen der Philosophie des Antisthenes in den Platonischen Schriften, Königsberg 1882.
  72. Karl Joël: Der echte und der xenophontische Sokrates, 2 Bände, 1893-1901.
  73. Eine Übersicht zur Antisthenes-Rezeption gibt die von der Herausgeberin verfasste Einleitung in: Margarethe Billerbeck (Hrsg.): Die Kyniker in der modernen Forschung, B. R. Grüner, Amsterdam 1991, S. 1–30.
  74. Eduard Zeller: Die Philosophie der Griechen in ihrer geschichtlichen Entwicklung. Zweiter Theil, Erste Abtheilung. Sokrates und die Sokratiker, Plato und die alte Akademie. 3. Auflage, Fues, Leipzig 1875, S. 240–287.
  75. Theodor Gomperz: Griechische Denker. Band 2, 4. Auflage des Nachdrucks von 1922-1931, De Gruyter, Holland 1973, S. 122.
  76. Donald R. Dudley: A History of Cynism. Methuen & Co., London 1937.
  77. Kurt von Fritz: Antistene e Diogene. Le loro relazioni reciproche e la loro importanza per la setta cinica. In: Margarethe Billerbeck (Hrsg.): Die Kyniker in der modernen Forschung. B. R. Grüner, Amsterdam 1991, S. 59–72.
  78. Margarethe Billerbeck (Hrsg.): Die Kyniker in der modernen Forschung. B. R. Grüner, Amsterdam 1991, S. 8–9.
  79. Heinz Schulz-Falkenthal: Zum Arbeitsethos der Kyniker. In: Margarethe Billerbeck (Hrsg.): Die Kyniker in der modernen Forschung. B. R. Grüner, Amsterdam 1991, S. 287–303.
  80. Nikolaus Himmelmann: Antisthenes. In: Bernard Andreae: Phyromachos-Probleme. Zabern, Mainz 1990, ISBN 3-8053-1126-5, S. 13–23; Bernard Andreae: Die römischen Kopien in Marmor nach griechischen Meisterwerken in Bronze als Ausdruck der römischen Kultur. In: Studi italiani di filologia classica. Band 10, 1992, S. 21–31.
  81. www.brindisiweb.it.