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„animal rationale“ – Versionsunterschied

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'''Animal rationale''' ist eine lateinische Übersetzung des altgriechischen ''Zoon logikon'' (ζῷον λογικόν) oder ''Zoon logon echon'' (ζῷον λόγον ἔχον). Mit diesem Ausdruck hob [https://de.wikipedia.org/wiki/Aristoteles Aristoteles] die Fähigkeit des Menschen zu denken als die wesentliche, ihn vom Tier unterscheidende Eigenschaft des Menschen hervor. Das genauere Verständnis hängt davon ab, wie [https://de.wikipedia.org/wiki/Vernunft Vernunft] (Ratio), [https://de.wikipedia.org/wiki/Denken Denken], [https://de.wikipedia.org/wiki/Logos Logos], [https://de.wikipedia.org/wiki/Geist Geist] und andere Begriffe definiert werden.<div class="mw-heading mw-heading2">
'''Animal rationale''' ist eine lateinische Übersetzung des altgriechischen ''Zoon logikon'' ([[ζῷον]] [[λογικόν]]) oder ''Zoon logon echon'' ([[ζῷον]] [[λόγον]] [[ἔχον]]). Mit diesem Ausdruck hob [[Aristoteles (Universalgelehrter)|Aristoteles]] die Fähigkeit des Menschen zu denken als die wesentliche, ihn vom Tier unterscheidende Eigenschaft des Menschen hervor. Das genauere Verständnis hängt davon ab, wie [[Vernunft]] ([[Ratio]]), [[Denken]], [[Logos]], [[Geist]] und andere Begriffe definiert werden.<div class="mw-heading mw-heading2">
== Definition ==
== Definition ==
</div><p>Geht man von der „These von der psycho-physischen Doppelnatur des Menschen“<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Animal_rationale#cite_note-1 [1]]</sup> aus und sieht&nbsp;– wie [https://de.wikipedia.org/wiki/Platon Platon]&nbsp;– das Wesen des Menschen in der Vernunft, führt dies zu einer Vernunftanthropologie. Der angenommene Primat der animalischen Natur des Menschen kann hingegen zu [https://de.wikipedia.org/wiki/Biologismus Biologismus] oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Materialismus Materialismus] führen. Von [https://de.wikipedia.org/wiki/Aristoteles Aristoteles] wurde ein solcher Dualismus abgelehnt. [https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_von_Aquin Thomas von Aquin] brachte diese Perspektive in Anknüpfung an Aristoteles auf den Begriff, dass die Seele die „forma corporis“ sei.</p><p>[https://de.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Kant Immanuel Kant] definiert den Menschen als ''Animal rationabile'', das durch Verwirklichung seiner Vernunftfähigkeit erst zum ''Animal rationale'' werden müsse. Der Mensch werde erst durch Erziehung und Bildung zum Menschen, eine aufklärerische Sicht, der bisweilen „eine geradezu explosive Wirkung“<sup id="cite_ref-2" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Animal_rationale#cite_note-2 [2]]</sup> zugemessen wurde.</p><p>Dagegen kritisierte [https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Heidegger Martin Heidegger] die Definition des Menschen als ''Animal rationale'', da sie zu einer „Verengung des Daseinsbegriffs“ führe, insofern „darin die Geschichtlichkeit der menschlichen Existenz zugunsten einer übergeschichtlichen Wesensbestimmung, der Rationalität des Menschen, geopfert werde“.<sup id="cite_ref-3" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Animal_rationale#cite_note-3 [3]]</sup></p><div class="mw-heading mw-heading2">
</div><p>Geht man von der „These von der psycho-physischen Doppelnatur des Menschen“<ref><span class="reference-text">Jan P. Beckmann: <cite>Animal rationale</cite>. In: [https://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Kasper Walter Kasper] (Hrsg.): <cite>[https://de.wikipedia.org/wiki/Lexikon_f%C3%BCr_Theologie_und_Kirche Lexikon für Theologie und Kirche]</cite>. 3. Auflage. Band&nbsp;1. Herder, Freiburg im Breisgau 1993, Sp.&nbsp;682&nbsp;(683).</span></ref> aus und sieht&nbsp;– wie [[Platon]]&nbsp;– das Wesen des Menschen in der Vernunft, führt dies zu einer Vernunftanthropologie. Der angenommene Primat der animalischen Natur des Menschen kann hingegen zu [https://de.wikipedia.org/wiki/Biologismus Biologismus] oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Materialismus Materialismus] führen. Von Aristoteles wurde ein solcher Dualismus abgelehnt. [[Thomas von Aquin]] brachte diese Perspektive in Anknüpfung an Aristoteles auf den Begriff, dass die Seele die „[[forma corporis]]“ sei.</p><p>[[Immanuel Kant]] definiert den Menschen als ''[[animal rationabile|Animal rationabile]]'', das durch Verwirklichung seiner Vernunftfähigkeit erst zum ''Animal rationale'' werden müsse. Der Mensch werde erst durch Erziehung und Bildung zum Menschen, eine aufklärerische Sicht, der bisweilen „eine geradezu explosive Wirkung“<ref><span class="reference-text">Gernot Böhme: ''Immanuel Kant: Die Bildung des Menschen zum Vernunftwesen'', in: R. Weiland, ''Philosophische Anthropologie.'' Weinheim, 1995, S.&nbsp;30 (31).</span></ref> zugemessen wurde.</p><p>Dagegen kritisierte [[Martin Heidegger]] die Definition des Menschen als ''Animal rationale'', da sie zu einer „Verengung des Daseinsbegriffs“ führe, insofern „darin die Geschichtlichkeit der menschlichen Existenz zugunsten einer übergeschichtlichen Wesensbestimmung, der Rationalität des Menschen, geopfert werde“.<ref><span class="reference-text">Martin Gessmann: ''Philosophisches Wörterbuch.'' 23. Auflage. Kröner, Stuttgart 2009: ''Animal rationale''.</span></ref></p><div class="mw-heading mw-heading2">
== Siehe auch ==
== Siehe auch ==
</div><p>Der Begriff ist bedeutsam in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophische_Anthropologie Philosophischen Anthropologie].</p><div class="mw-heading mw-heading2">
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*[https://de.wikipedia.org/wiki/Jan_P._Beckmann Jan P. Beckmann]: <cite>Animal rationale</cite>. In: [https://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Kasper Walter Kasper] (Hrsg.): <cite>[https://de.wikipedia.org/wiki/Lexikon_f%C3%BCr_Theologie_und_Kirche Lexikon für Theologie und Kirche]</cite>. 3. Auflage. Band&nbsp;1. Herder, Freiburg im Breisgau 1993, Sp.&nbsp;682–683.
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Jan_P._Beckmann Jan P. Beckmann]: <cite>Animal rationale</cite>. In: [https://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Kasper Walter Kasper] (Hrsg.): <cite>[https://de.wikipedia.org/wiki/Lexikon_f%C3%BCr_Theologie_und_Kirche Lexikon für Theologie und Kirche]</cite>. 3. Auflage. Band&nbsp;1. Herder, Freiburg im Breisgau 1993, Sp.&nbsp;682–683.
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== Einzelnachweise ==
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#<span class="reference-text">Jan P. Beckmann: <cite>Animal rationale</cite>. In: [https://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Kasper Walter Kasper] (Hrsg.): <cite>[https://de.wikipedia.org/wiki/Lexikon_f%C3%BCr_Theologie_und_Kirche Lexikon für Theologie und Kirche]</cite>. 3. Auflage. Band&nbsp;1. Herder, Freiburg im Breisgau 1993, Sp.&nbsp;682&nbsp;(683).</span>
#<span class="reference-text">Gernot Böhme: ''Immanuel Kant: Die Bildung des Menschen zum Vernunftwesen'', in: R. Weiland, ''Philosophische Anthropologie.'' Weinheim, 1995, S.&nbsp;30 (31).</span>
#<span class="reference-text">Martin Gessmann: ''Philosophisches Wörterbuch.'' 23. Auflage. Kröner, Stuttgart 2009: ''Animal rationale''.</span>

Version vom 15. August 2024, 00:47 Uhr

animal rationale Vorlage:lat.

Animal rationale ist eine lateinische Übersetzung des altgriechischen Zoon logikon (ζῷον λογικόν) oder Zoon logon echon (ζῷον λόγον ἔχον). Mit diesem Ausdruck hob Aristoteles die Fähigkeit des Menschen zu denken als die wesentliche, ihn vom Tier unterscheidende Eigenschaft des Menschen hervor. Das genauere Verständnis hängt davon ab, wie Vernunft (Ratio), Denken, Logos, Geist und andere Begriffe definiert werden.

Definition

Geht man von der „These von der psycho-physischen Doppelnatur des Menschen“[1] aus und sieht – wie Platon – das Wesen des Menschen in der Vernunft, führt dies zu einer Vernunftanthropologie. Der angenommene Primat der animalischen Natur des Menschen kann hingegen zu Biologismus oder Materialismus führen. Von Aristoteles wurde ein solcher Dualismus abgelehnt. Thomas von Aquin brachte diese Perspektive in Anknüpfung an Aristoteles auf den Begriff, dass die Seele die „forma corporis“ sei.

Immanuel Kant definiert den Menschen als Animal rationabile, das durch Verwirklichung seiner Vernunftfähigkeit erst zum Animal rationale werden müsse. Der Mensch werde erst durch Erziehung und Bildung zum Menschen, eine aufklärerische Sicht, der bisweilen „eine geradezu explosive Wirkung“[2] zugemessen wurde.

Dagegen kritisierte Martin Heidegger die Definition des Menschen als Animal rationale, da sie zu einer „Verengung des Daseinsbegriffs“ führe, insofern „darin die Geschichtlichkeit der menschlichen Existenz zugunsten einer übergeschichtlichen Wesensbestimmung, der Rationalität des Menschen, geopfert werde“.[3]

Siehe auch

Der Begriff ist bedeutsam in der Philosophischen Anthropologie.

Quellen

  • Aristotle’s Metaphysics (englisch)
  • Herbert Marcuse, 2001: Eros and Civilsation, Seite 56 in: Kory Schaff: Philosophy and the Problems of Work: A Reader, Rowman & Littlefield Publishers (englisch)

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Jan P. Beckmann: Animal rationale. In: Walter Kasper (Hrsg.): Lexikon für Theologie und Kirche. 3. Auflage. Band 1. Herder, Freiburg im Breisgau 1993, Sp. 682 (683).
  2. ↑ Gernot Böhme: Immanuel Kant: Die Bildung des Menschen zum Vernunftwesen, in: R. Weiland, Philosophische Anthropologie. Weinheim, 1995, S. 30 (31).
  3. ↑ Martin Gessmann: Philosophisches Wörterbuch. 23. Auflage. Kröner, Stuttgart 2009: Animal rationale.