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„Allgemeinrechtsgrundsatz“ – Versionsunterschied

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'''Allgemeine Rechtsgrundsätze''' sind eine Rechtsquelle des [https://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%B6lkerrecht Völkerrechts]. Sie bestehen aus den rechtlichen Normen und [https://de.wikipedia.org/wiki/Grundsatz Prinzipien], die in allen innerstaatlichen [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsordnung Rechtsordnungen] anerkannt sind und die sich auf die Ebene des Völkerrechts übertragen lassen.<div class="mw-heading mw-heading2">
== Statut des Internationalen Gerichtshofs ==
</div><p>Art. 38 Abs. 1 des Statuts des [https://de.wikipedia.org/wiki/Internationaler_Gerichtshof Internationalen Gerichtshofs] (IGH-Statut) nennt „die von den Kulturvölkern anerkannten allgemeinen Rechtsgrundsätze“ neben den [https://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%B6lkerrechtlicher_Vertrag völkerrechtlichen Verträgen] und dem [https://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%B6lkergewohnheitsrecht Völkergewohnheitsrecht] als diejenigen Rechtsquellen, die der Internationale Gerichtshof im Rahmen seiner Zuständigkeit bei seinen völkerrechtlichen Entscheidungen anwendet.<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Allgemeine_Rechtsgrunds%C3%A4tze#cite_note-1 [1]]</sup></p><div class="mw-heading mw-heading3">
=== Rechtsgrundsatz ===
</div><p>Zunächst muss es sich um einen Rechtsgrundsatz handeln, der in den innerstaatlichen Rechtsordnungen angewendet oder zumindest anerkannt wird. Dies unterscheidet die allgemeinen Rechtsgrundsätze von den allgemeinen Regeln des Völkergewohnheitsrechts, die auf der zwischenstaatlichen Ebene entstehen.<sup id="cite_ref-2" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Allgemeine_Rechtsgrunds%C3%A4tze#cite_note-2 [2]]</sup></p><div class="mw-heading mw-heading3">
=== Von den Kulturvölkern anerkannt ===
</div><p>Art. 38 Abs. 1 lit. c) IGH-Statut verwendet die Formulierung: „die von den Kulturvölkern anerkannten allgemeinen Rechtsgrundsätze“. Der Begriff der „Kulturvölker“ entstammt der [https://de.wikipedia.org/wiki/Kolonialismus Kolonialzeit], in der zwischen „Kulturvölkern“ und „unzivilisierten“ Völkern unterschieden wurde. Diese Abgrenzung wird heute im Völkerrecht nicht mehr vorgenommen,<sup id="cite_ref-3" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Allgemeine_Rechtsgrunds%C3%A4tze#cite_note-3 [3]]</sup> stattdessen umfasst der Begriff heute nach überwiegender Auffassung alle Mitglieder der Vereinten Nationen.<sup id="cite_ref-4" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Allgemeine_Rechtsgrunds%C3%A4tze#cite_note-4 [4]]</sup>Eine gewisse Bedeutung hat der Begriff nur noch insoweit, als man zur Feststellung von allgemeinen Rechtsgrundsätzen häufig auf die verschiedenen [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtskreis Rechtskreise] verweist.<sup id="cite_ref-5" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Allgemeine_Rechtsgrunds%C3%A4tze#cite_note-5 [5]]</sup></p><div class="mw-heading mw-heading3">
=== Anwendbarkeit im Völkerrecht ===
</div><p>Schließlich muss der Rechtsgrundsatz seinem Inhalt nach auf die Völkerrechtsordnung anwendbar sein. Da im Völkerrecht der Grundsatz der Gleichheit der [https://de.wikipedia.org/wiki/Staat Staaten] herrscht,<sup id="cite_ref-6" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Allgemeine_Rechtsgrunds%C3%A4tze#cite_note-6 [6]]</sup> stammen die meisten der allgemeinen Rechtsgrundsätze aus dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Privatrecht Privatrecht].<sup id="cite_ref-7" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Allgemeine_Rechtsgrunds%C3%A4tze#cite_note-7 [7]]</sup> Grundsätze aus dem [https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96ffentliches_Recht Öffentlichen Recht], das vor allem das Verhältnis des Staates zu den Bürgern bestimmt, können oft bereits wegen der verschiedenen politischen Systeme der Staaten nicht als allgemeine Rechtsgrundsätze angesehen werden.<sup id="cite_ref-8" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Allgemeine_Rechtsgrunds%C3%A4tze#cite_note-8 [8]]</sup></p><div class="mw-heading mw-heading2">
== Deutsches Verfassungsrecht ==
</div><p>Die allgemeinen Rechtsgrundsätze gehören zu den allgemeinen Regeln des Völkerrechts im Sinne der [https://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%B6lkerrechtsklausel Völkerrechtsklausel] in <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_25.html Art. 25]</span> des [https://de.wikipedia.org/wiki/Grundgesetz_f%C3%BCr_die_Bundesrepublik_Deutschland Grundgesetzes]. Sie sind Bestandteil des Bundesrechtes und gehen den [https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetz Gesetzen] vor.</p><div class="mw-heading mw-heading2">
== Beispiele ==
</div><p>Beispiele für allgemeine Rechtsgrundsätze im Völkerrecht sind:</p>
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Pacta_sunt_servanda Pacta sunt servanda] (Verträge sind einzuhalten)
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Lex_specialis_derogat_legi_generali Lex specialis derogat legi generali] (das speziellere [https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetz Gesetz] geht dem allgemeineren Gesetz vor)
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Lex_posterior_derogat_legi_priori Lex posterior derogat legi priori] (ein späteres Gesetz geht einem vorherigen vor)
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Venire_contra_factum_proprium Venire contra factum proprium] (Zuwiderhandlung gegen das eigene frühere Verhalten)
*Der Grundsatz von [https://de.wikipedia.org/wiki/Treu_und_Glauben Treu und Glauben]
<div class="mw-heading mw-heading2">
== Literatur ==
</div>
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Andreas_von_Arnauld Andreas von Arnauld]: ''Völkerrecht''. 4. Auflage, C.F. Müller, Heidelberg 2019, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783811449619 ISBN 978-3-8114-4961-9].
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Torsten_Stein_(Rechtswissenschaftler) Torsten Stein] u.&nbsp;a.: ''Völkerrecht''. 14. Auflage, Vahlen, München 2017, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783800653386 ISBN 978-3-8006-5338-6].
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Volker_Epping Volker Epping], [https://de.wikipedia.org/wiki/Wolff_Heintschel_von_Heinegg Wolff Heintschel von Heinegg] (Hrsg.): ''Völkerrecht''. 7. Auflage, Beck, München 2019, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783406712609 ISBN 978-3-406-71260-9].
<div class="mw-heading mw-heading2">
== Einzelnachweise ==
</div>
#<span class="reference-text">[https://www.menschenrechtsabkommen.de/statut-des-internationalen-gerichtshofs-1154/#34-kapitel-ii-zust%C3%A4ndigkeit-des-gerichtshofs-artikel-34---38 ''Statut des Internationalen Gerichtshofs''], Anhang zur Satzung (Charta) der Vereinten Nationen vom 26. Juni 1945, menschenrechtsabkommen.de, abgerufen am 8. Dezember 2020.</span>
#<span class="reference-text">Oliver Dörr in: Volker Epping, Wolff Heintschel von Heinegg (Hrsg.): ''Völkerrecht.'' 7. Auflage, C.H. Beck, München 2019, S. 560 Rn. 1.</span>
#<span class="reference-text">Torsten Stein u.&nbsp;a.: ''Völkerrecht.'' 14. Auflage, Vahlen, München 2017, S. 52 Rn. 161.</span>
#<span class="reference-text">Andreas von Arnauld: ''Völkerrecht.'' 4. Auflage, C.F. Müller, Heidelberg 2019, S. 114 Rn. 266.</span>
#<span class="reference-text">Torsten Stein u.&nbsp;a.: ''Völkerrecht.'' 14. Auflage, Vahlen, München 2017, S. 52 Rn. 161.</span>
#<span class="reference-text">Andreas von Arnauld: ''Völkerrecht.'' 4. Auflage, C.F. Müller, Heidelberg 2019, S. 14 Rn. 37.</span>
#<span class="reference-text">Torsten Stein u.&nbsp;a.: ''Völkerrecht.'' 14. Auflage, Vahlen, München 2017, S. 52 Rn. 162</span>
#<span class="reference-text">Andreas von Arnauld: ''Völkerrecht.'' 4. Auflage, C.F. Müller, Heidelberg 2019, S. 115 f. Rn. 268.</span>

Version vom 23. August 2024, 09:31 Uhr

allgemein–Rechtsgrundsatz nhdt.-dt. 'allgemeiner Rechtsgrundsatz'

Allgemeine Rechtsgrundsätze sind eine Rechtsquelle des Völkerrechts. Sie bestehen aus den rechtlichen Normen und Prinzipien, die in allen innerstaatlichen Rechtsordnungen anerkannt sind und die sich auf die Ebene des Völkerrechts übertragen lassen.

Statut des Internationalen Gerichtshofs

Art. 38 Abs. 1 des Statuts des Internationalen Gerichtshofs (IGH-Statut) nennt „die von den Kulturvölkern anerkannten allgemeinen Rechtsgrundsätze“ neben den völkerrechtlichen Verträgen und dem Völkergewohnheitsrecht als diejenigen Rechtsquellen, die der Internationale Gerichtshof im Rahmen seiner Zuständigkeit bei seinen völkerrechtlichen Entscheidungen anwendet.[1]

Rechtsgrundsatz

Zunächst muss es sich um einen Rechtsgrundsatz handeln, der in den innerstaatlichen Rechtsordnungen angewendet oder zumindest anerkannt wird. Dies unterscheidet die allgemeinen Rechtsgrundsätze von den allgemeinen Regeln des Völkergewohnheitsrechts, die auf der zwischenstaatlichen Ebene entstehen.[2]

Von den Kulturvölkern anerkannt

Art. 38 Abs. 1 lit. c) IGH-Statut verwendet die Formulierung: „die von den Kulturvölkern anerkannten allgemeinen Rechtsgrundsätze“. Der Begriff der „Kulturvölker“ entstammt der Kolonialzeit, in der zwischen „Kulturvölkern“ und „unzivilisierten“ Völkern unterschieden wurde. Diese Abgrenzung wird heute im Völkerrecht nicht mehr vorgenommen,[3] stattdessen umfasst der Begriff heute nach überwiegender Auffassung alle Mitglieder der Vereinten Nationen.[4]Eine gewisse Bedeutung hat der Begriff nur noch insoweit, als man zur Feststellung von allgemeinen Rechtsgrundsätzen häufig auf die verschiedenen Rechtskreise verweist.[5]

Anwendbarkeit im Völkerrecht

Schließlich muss der Rechtsgrundsatz seinem Inhalt nach auf die Völkerrechtsordnung anwendbar sein. Da im Völkerrecht der Grundsatz der Gleichheit der Staaten herrscht,[6] stammen die meisten der allgemeinen Rechtsgrundsätze aus dem Privatrecht.[7] Grundsätze aus dem Öffentlichen Recht, das vor allem das Verhältnis des Staates zu den Bürgern bestimmt, können oft bereits wegen der verschiedenen politischen Systeme der Staaten nicht als allgemeine Rechtsgrundsätze angesehen werden.[8]

Deutsches Verfassungsrecht

Die allgemeinen Rechtsgrundsätze gehören zu den allgemeinen Regeln des Völkerrechts im Sinne der Völkerrechtsklausel in Art. 25 des Grundgesetzes. Sie sind Bestandteil des Bundesrechtes und gehen den Gesetzen vor.

Beispiele

Beispiele für allgemeine Rechtsgrundsätze im Völkerrecht sind:

Literatur

Einzelnachweise

  1. Statut des Internationalen Gerichtshofs, Anhang zur Satzung (Charta) der Vereinten Nationen vom 26. Juni 1945, menschenrechtsabkommen.de, abgerufen am 8. Dezember 2020.
  2. Oliver Dörr in: Volker Epping, Wolff Heintschel von Heinegg (Hrsg.): Völkerrecht. 7. Auflage, C.H. Beck, München 2019, S. 560 Rn. 1.
  3. Torsten Stein u. a.: Völkerrecht. 14. Auflage, Vahlen, München 2017, S. 52 Rn. 161.
  4. Andreas von Arnauld: Völkerrecht. 4. Auflage, C.F. Müller, Heidelberg 2019, S. 114 Rn. 266.
  5. Torsten Stein u. a.: Völkerrecht. 14. Auflage, Vahlen, München 2017, S. 52 Rn. 161.
  6. Andreas von Arnauld: Völkerrecht. 4. Auflage, C.F. Müller, Heidelberg 2019, S. 14 Rn. 37.
  7. Torsten Stein u. a.: Völkerrecht. 14. Auflage, Vahlen, München 2017, S. 52 Rn. 162
  8. Andreas von Arnauld: Völkerrecht. 4. Auflage, C.F. Müller, Heidelberg 2019, S. 115 f. Rn. 268.