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„Perzeption“ – Versionsunterschied

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<p>Als '''Perzeption''' ([https://de.wikipedia.org/wiki/Latein lateinisch] perceptio von ''percipere'' „erfassen, ergreifen, wahrnehmen“) wird bezeichnet</p>
[[perzeptio]][[-n]] {{lat.-dt.}} [[wrtl.-sgm.]] 'Vernahme, [[Vernehmung]], das [[Vernehmen]]'; glhrt. [[Wahrnehmung]]
*einerseits die Gesamtheit der Vorgänge der [https://de.wikipedia.org/wiki/Wahrnehmung Wahrnehmung],
 
*andererseits der Inhalt der Wahrnehmung selbst.
Als '''Perzeption''' (lateinisch [[perceptio]] von ''[[percipere]]'' „erfassen, ergreifen, wahrnehmen“) wird bezeichnet
*einerseits die Gesamtheit der Vorgänge der [[Wahrnehmung]],
*andererseits der [[Inhalt der Wahrnehmung]] selbst.
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== Begriffsinhalt ==
== Begriffsinhalt ==
</div><p>Perzeptionen sind primär [https://de.wikipedia.org/wiki/Unbewusst unbewusste] Prozesse individueller Informations- und Wahrnehmungsverarbeitung, die im Bewusstsein des Informationsempfängers Vorstellungsbilder (''images'') von wahrgenommenen Teilaspekten der [https://de.wikipedia.org/wiki/Wirklichkeit Wirklichkeit] entstehen lassen.</p><p>Der Prozess der Perzeption bewirkt, dass die von außen kommenden Informationen im Erkenntnissystem des Informationsempfängers [https://de.wikipedia.org/wiki/Missverst%C3%A4ndnis unwillentlich] in einer bestimmten Weise strukturiert und eingeordnet werden. Perzeptionen sind demnach selektiv-[https://de.wikipedia.org/wiki/Subjektiv subjektive]Bestandsaufnahmen der Umwelt. Sie sind relativ statisch.</p><p>Perzeption bezeichnet nicht nur das subjektive Ergebnis des Wahrnehmungsvorgangs ([https://de.wikipedia.org/wiki/Perzept Perzept]), sondern auch die diesem zugrundeliegenden [https://de.wikipedia.org/wiki/Neurophysiologie neurophysiologischen] Prozesse (Sinneswahrnehmungen).</p><p>Unter Perzeption ''im oben definierten'' Sinne dürfen auch nicht nur die Vorgänge des [https://de.wikipedia.org/wiki/Auffassungsgabe Auffassens], [https://de.wikipedia.org/wiki/Erkenntnis Erkennens] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Konklusion Beurteilens], also die [https://de.wikipedia.org/wiki/Gedanke gedankliche] Verarbeitung des Wahrgenommenen, subsumiert werden, die heute – in strengerem Sinne – als [https://de.wikipedia.org/wiki/Apperzeption Apperzeptionen] oder gar [https://de.wikipedia.org/wiki/Kognition Kognitionen] bezeichnet würden. Eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Wille willentliche] Zuwendung der [https://de.wikipedia.org/wiki/Aufmerksamkeit Aufmerksamkeit] gehört ebenso dazu. Die Perzeption ''im weiteren Sinne''umfasst dagegen auch unbewusste und emotionale Vorgänge des [https://de.wikipedia.org/wiki/Empfindung Empfindens].</p><div class="mw-heading mw-heading2">
</div><p>Perzeptionen sind primär [[unbewusst|unbewusste]] Prozesse individueller Informations- und Wahrnehmungsverarbeitung, die im Bewusstsein des Informationsempfängers Vorstellungsbilder (''images'') von wahrgenommenen Teilaspekten der [https://de.wikipedia.org/wiki/Wirklichkeit Wirklichkeit] entstehen lassen.</p><p>Der Prozess der Perzeption bewirkt, dass die von außen kommenden Informationen im Erkenntnissystem des Informationsempfängers [https://de.wikipedia.org/wiki/Missverst%C3%A4ndnis unwillentlich] in einer bestimmten Weise strukturiert und eingeordnet werden. Perzeptionen sind demnach selektiv-[https://de.wikipedia.org/wiki/Subjektiv subjektive]Bestandsaufnahmen der Umwelt. Sie sind relativ statisch.</p><p>Perzeption bezeichnet nicht nur das subjektive Ergebnis des Wahrnehmungsvorgangs ([https://de.wikipedia.org/wiki/Perzept Perzept]), sondern auch die diesem zugrundeliegenden [https://de.wikipedia.org/wiki/Neurophysiologie neurophysiologischen] Prozesse (Sinneswahrnehmungen).</p><p>Unter Perzeption ''im oben definierten'' Sinne dürfen auch nicht nur die Vorgänge des [https://de.wikipedia.org/wiki/Auffassungsgabe Auffassens], [https://de.wikipedia.org/wiki/Erkenntnis Erkennens] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Konklusion Beurteilens], also die [https://de.wikipedia.org/wiki/Gedanke gedankliche] Verarbeitung des Wahrgenommenen, subsumiert werden, die heute – in strengerem Sinne – als [https://de.wikipedia.org/wiki/Apperzeption Apperzeptionen] oder gar [https://de.wikipedia.org/wiki/Kognition Kognitionen] bezeichnet würden. Eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Wille willentliche] Zuwendung der [https://de.wikipedia.org/wiki/Aufmerksamkeit Aufmerksamkeit] gehört ebenso dazu. Die Perzeption ''im weiteren Sinne''umfasst dagegen auch unbewusste und emotionale Vorgänge des [https://de.wikipedia.org/wiki/Empfindung Empfindens].</p><div class="mw-heading mw-heading2">
== Begriffsgeschichte ==
== Begriffsgeschichte ==
</div><p>Der Begriff wurde bereits in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Stoa Stoa] zur Kennzeichnung einer klaren und unfehlbaren Wahrnehmung verwendet.<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Perzeption#cite_note-1 [1]]</sup> In der Neuzeit wurde der Begriff ursprünglich durch [https://de.wikipedia.org/wiki/Ren%C3%A9_Descartes René Descartes] als ''perceptio ab imaginatione et a sensibus'' (Erfassen durch Vorstellung und Sinne) verwendet. Im englischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Empirismus Empirismus] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Sensualismus Sensualismus] bedeutete er sinnliche Wahrnehmung. So beinhalten Perzeptionen bei [https://de.wikipedia.org/wiki/John_Locke John Locke] keine „zusammengesetzten Ideen“.<sup id="cite_ref-2" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Perzeption#cite_note-2 [2]]</sup> Bei [https://de.wikipedia.org/wiki/George_Berkeley George Berkeley] findet sich die Formel ''esse est percipi'' (Sein ist wahrnehmen). In der Folge stellte [https://de.wikipedia.org/wiki/Gottfried_Wilhelm_Leibniz Gottfried Wilhelm Leibniz] der [https://de.wikipedia.org/wiki/Apperzeption Apperzeption] als dem klar und mit Selbstbewusstsein Wahrgenommenen die Perzeption als eine vage und unscharfe Vorstufe des Denkens gegenüber und unterschied darüber hinaus noch [https://de.wikipedia.org/wiki/Petites_perceptions kleine Perzeptionen], die unmerklich sind und unter der Bewusstseinsschwelle bleiben. „Auf ihnen beruhen unsere unbestimmten Eindrücke, unser Geschmack, unsere Wahrnehmungsbilder der sinnlichen Qualitäten, welche alle in ihrem Zusammensein klar, jedoch ihren einzelnen Teilen nach verworren sind; auf ihnen beruhen die ins Unendliche gehenden Eindrücke, die die uns umgebenden Körper auf uns machen, und somit die Verknüpfung, in der jedes Wesen mit dem übrigen Universum steht. Ja man kann sagen, daß vermöge dieser kleinen Perzeptionen die Gegenwart mit der Zukunft schwanger geht und mit der Vergangenheit erfüllt ist, daß alles miteinander zusammenstimmt und daß Augen, die so durchdringend wären wie die Gottes, in der geringsten Substanz die ganze Reihenfolge der Bewegungen des Universums lesen könnten.“<sup id="cite_ref-3" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Perzeption#cite_note-3 [3]]</sup> Indem er Schlaf und Traum zum Thema machte, eröffnete Leibniz der Philosophie das Thema des [https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Unbewusste Unbewussten].<sup id="cite_ref-4" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Perzeption#cite_note-4 [4]]</sup></p><p>Bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Kant Immanuel Kant] ist die ''perceptio'' eine Unterart der Vorstellungen (''repraesentatio'') und bezeichnet solche mit Bewusstsein (KrV B 375). Im Rahmen der ''perceptio'' sind Vorstellungen, bei denen sich der subjektive Zustand verändert, Empfindungen (''sensatio''). Objektive Perzeptionen sind bei Kant Erkenntnisse (''cognitio''). Als Apperzeption bezeichnete er hingegen das Bewusstsein seiner selbst. Eine erneute Wende des Begriffsinhalts ergibt sich bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Friedrich_Herbart Johann Friedrich Herbart], bei dem die Perzeption die Aufnahme des sinnlich Wahrgenommenen (bei Kant: Anschauung = ''intuitio'') bezeichnete, während er Apperzeption die Aneignung und Verarbeitung nannte. [https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Wundt Wilhelm Wundt] schließlich verwendet die [https://de.wikipedia.org/wiki/Metapher Metapher] des Sehens zur Beschreibung der Wahrnehmung und unterscheidet die Perzeption als das Eintreten einer Vorstellung in das Blickfeld des Bewusstseins, während die Apperzeption der Eintritt in den Blickpunkt der Aufmerksamkeit ist.<sup id="cite_ref-5" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Perzeption#cite_note-5 [5]]</sup> Im zwanzigsten Jahrhundert hat [https://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_North_Whitehead Alfred North Whitehead] in ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Prozess_und_Realit%C3%A4t Prozess und Realität]'' eine zu Leibniz analoge Unterscheidung getroffen, indem er Wahrnehmungen im Modus „kausaler Wirksamkeit“ (''causal efficacy'') vage und unbestimmt nannte, wohingegen Wahrnehmungen im Modus „vermittelnder Unmittelbarkeit“ (''presentational immediacy'') klar und willentlich gesteuert erfolgen. Beide Formen der Wahrnehmung sind ein Teil des Erfassens (''prehension'') der Realität und erhalten ihre Bedeutung, indem sie unter Einschluss der subjektiven Vorgeprägtheit (''subjective form'') zu einer „symbolischen Referenz“ verbunden werden.<sup id="cite_ref-6" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Perzeption#cite_note-6 [6]]</sup></p><div class="mw-heading mw-heading2">
</div><p>Der Begriff wurde bereits in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Stoa Stoa] zur Kennzeichnung einer klaren und unfehlbaren Wahrnehmung verwendet.<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Perzeption#cite_note-1 [1]]</sup> In der Neuzeit wurde der Begriff ursprünglich durch [https://de.wikipedia.org/wiki/Ren%C3%A9_Descartes René Descartes] als ''perceptio ab imaginatione et a sensibus'' (Erfassen durch Vorstellung und Sinne) verwendet. Im englischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Empirismus Empirismus] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Sensualismus Sensualismus] bedeutete er sinnliche Wahrnehmung. So beinhalten Perzeptionen bei [https://de.wikipedia.org/wiki/John_Locke John Locke] keine „zusammengesetzten Ideen“.<sup id="cite_ref-2" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Perzeption#cite_note-2 [2]]</sup> Bei [https://de.wikipedia.org/wiki/George_Berkeley George Berkeley] findet sich die Formel ''esse est percipi'' (Sein ist wahrnehmen). In der Folge stellte [https://de.wikipedia.org/wiki/Gottfried_Wilhelm_Leibniz Gottfried Wilhelm Leibniz] der [https://de.wikipedia.org/wiki/Apperzeption Apperzeption] als dem klar und mit Selbstbewusstsein Wahrgenommenen die Perzeption als eine vage und unscharfe Vorstufe des Denkens gegenüber und unterschied darüber hinaus noch [https://de.wikipedia.org/wiki/Petites_perceptions kleine Perzeptionen], die unmerklich sind und unter der Bewusstseinsschwelle bleiben. „Auf ihnen beruhen unsere unbestimmten Eindrücke, unser Geschmack, unsere Wahrnehmungsbilder der sinnlichen Qualitäten, welche alle in ihrem Zusammensein klar, jedoch ihren einzelnen Teilen nach verworren sind; auf ihnen beruhen die ins Unendliche gehenden Eindrücke, die die uns umgebenden Körper auf uns machen, und somit die Verknüpfung, in der jedes Wesen mit dem übrigen Universum steht. Ja man kann sagen, daß vermöge dieser kleinen Perzeptionen die Gegenwart mit der Zukunft schwanger geht und mit der Vergangenheit erfüllt ist, daß alles miteinander zusammenstimmt und daß Augen, die so durchdringend wären wie die Gottes, in der geringsten Substanz die ganze Reihenfolge der Bewegungen des Universums lesen könnten.“<sup id="cite_ref-3" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Perzeption#cite_note-3 [3]]</sup> Indem er Schlaf und Traum zum Thema machte, eröffnete Leibniz der Philosophie das Thema des [https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Unbewusste Unbewussten].<sup id="cite_ref-4" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Perzeption#cite_note-4 [4]]</sup></p><p>Bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Kant Immanuel Kant] ist die ''perceptio'' eine Unterart der Vorstellungen (''repraesentatio'') und bezeichnet solche mit Bewusstsein (KrV B 375). Im Rahmen der ''perceptio'' sind Vorstellungen, bei denen sich der subjektive Zustand verändert, Empfindungen (''sensatio''). Objektive Perzeptionen sind bei Kant Erkenntnisse (''cognitio''). Als Apperzeption bezeichnete er hingegen das Bewusstsein seiner selbst. Eine erneute Wende des Begriffsinhalts ergibt sich bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Friedrich_Herbart Johann Friedrich Herbart], bei dem die Perzeption die Aufnahme des sinnlich Wahrgenommenen (bei Kant: Anschauung = ''intuitio'') bezeichnete, während er Apperzeption die Aneignung und Verarbeitung nannte. [https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Wundt Wilhelm Wundt] schließlich verwendet die [https://de.wikipedia.org/wiki/Metapher Metapher] des Sehens zur Beschreibung der Wahrnehmung und unterscheidet die Perzeption als das Eintreten einer Vorstellung in das Blickfeld des Bewusstseins, während die Apperzeption der Eintritt in den Blickpunkt der Aufmerksamkeit ist.<sup id="cite_ref-5" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Perzeption#cite_note-5 [5]]</sup> Im zwanzigsten Jahrhundert hat [https://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_North_Whitehead Alfred North Whitehead] in ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Prozess_und_Realit%C3%A4t Prozess und Realität]'' eine zu Leibniz analoge Unterscheidung getroffen, indem er Wahrnehmungen im Modus „kausaler Wirksamkeit“ (''causal efficacy'') vage und unbestimmt nannte, wohingegen Wahrnehmungen im Modus „vermittelnder Unmittelbarkeit“ (''presentational immediacy'') klar und willentlich gesteuert erfolgen. Beide Formen der Wahrnehmung sind ein Teil des Erfassens (''prehension'') der Realität und erhalten ihre Bedeutung, indem sie unter Einschluss der subjektiven Vorgeprägtheit (''subjective form'') zu einer „symbolischen Referenz“ verbunden werden.<sup id="cite_ref-6" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Perzeption#cite_note-6 [6]]</sup></p><div class="mw-heading mw-heading2">

Version vom 28. August 2024, 07:12 Uhr

perzeptio-n Vorlage:lat.-dt. wrtl.-sgm. 'Vernahme, Vernehmung, das Vernehmen'; glhrt. Wahrnehmung

Als Perzeption (lateinisch perceptio von percipere „erfassen, ergreifen, wahrnehmen“) wird bezeichnet

Begriffsinhalt

Perzeptionen sind primär unbewusste Prozesse individueller Informations- und Wahrnehmungsverarbeitung, die im Bewusstsein des Informationsempfängers Vorstellungsbilder (images) von wahrgenommenen Teilaspekten der Wirklichkeit entstehen lassen.

Der Prozess der Perzeption bewirkt, dass die von außen kommenden Informationen im Erkenntnissystem des Informationsempfängers unwillentlich in einer bestimmten Weise strukturiert und eingeordnet werden. Perzeptionen sind demnach selektiv-subjektiveBestandsaufnahmen der Umwelt. Sie sind relativ statisch.

Perzeption bezeichnet nicht nur das subjektive Ergebnis des Wahrnehmungsvorgangs (Perzept), sondern auch die diesem zugrundeliegenden neurophysiologischen Prozesse (Sinneswahrnehmungen).

Unter Perzeption im oben definierten Sinne dürfen auch nicht nur die Vorgänge des Auffassens, Erkennens und Beurteilens, also die gedankliche Verarbeitung des Wahrgenommenen, subsumiert werden, die heute – in strengerem Sinne – als Apperzeptionen oder gar Kognitionen bezeichnet würden. Eine willentliche Zuwendung der Aufmerksamkeit gehört ebenso dazu. Die Perzeption im weiteren Sinneumfasst dagegen auch unbewusste und emotionale Vorgänge des Empfindens.

Begriffsgeschichte

Der Begriff wurde bereits in der Stoa zur Kennzeichnung einer klaren und unfehlbaren Wahrnehmung verwendet.[1] In der Neuzeit wurde der Begriff ursprünglich durch René Descartes als perceptio ab imaginatione et a sensibus (Erfassen durch Vorstellung und Sinne) verwendet. Im englischen Empirismus und Sensualismus bedeutete er sinnliche Wahrnehmung. So beinhalten Perzeptionen bei John Locke keine „zusammengesetzten Ideen“.[2] Bei George Berkeley findet sich die Formel esse est percipi (Sein ist wahrnehmen). In der Folge stellte Gottfried Wilhelm Leibniz der Apperzeption als dem klar und mit Selbstbewusstsein Wahrgenommenen die Perzeption als eine vage und unscharfe Vorstufe des Denkens gegenüber und unterschied darüber hinaus noch kleine Perzeptionen, die unmerklich sind und unter der Bewusstseinsschwelle bleiben. „Auf ihnen beruhen unsere unbestimmten Eindrücke, unser Geschmack, unsere Wahrnehmungsbilder der sinnlichen Qualitäten, welche alle in ihrem Zusammensein klar, jedoch ihren einzelnen Teilen nach verworren sind; auf ihnen beruhen die ins Unendliche gehenden Eindrücke, die die uns umgebenden Körper auf uns machen, und somit die Verknüpfung, in der jedes Wesen mit dem übrigen Universum steht. Ja man kann sagen, daß vermöge dieser kleinen Perzeptionen die Gegenwart mit der Zukunft schwanger geht und mit der Vergangenheit erfüllt ist, daß alles miteinander zusammenstimmt und daß Augen, die so durchdringend wären wie die Gottes, in der geringsten Substanz die ganze Reihenfolge der Bewegungen des Universums lesen könnten.“[3] Indem er Schlaf und Traum zum Thema machte, eröffnete Leibniz der Philosophie das Thema des Unbewussten.[4]

Bei Immanuel Kant ist die perceptio eine Unterart der Vorstellungen (repraesentatio) und bezeichnet solche mit Bewusstsein (KrV B 375). Im Rahmen der perceptio sind Vorstellungen, bei denen sich der subjektive Zustand verändert, Empfindungen (sensatio). Objektive Perzeptionen sind bei Kant Erkenntnisse (cognitio). Als Apperzeption bezeichnete er hingegen das Bewusstsein seiner selbst. Eine erneute Wende des Begriffsinhalts ergibt sich bei Johann Friedrich Herbart, bei dem die Perzeption die Aufnahme des sinnlich Wahrgenommenen (bei Kant: Anschauung = intuitio) bezeichnete, während er Apperzeption die Aneignung und Verarbeitung nannte. Wilhelm Wundt schließlich verwendet die Metapher des Sehens zur Beschreibung der Wahrnehmung und unterscheidet die Perzeption als das Eintreten einer Vorstellung in das Blickfeld des Bewusstseins, während die Apperzeption der Eintritt in den Blickpunkt der Aufmerksamkeit ist.[5] Im zwanzigsten Jahrhundert hat Alfred North Whitehead in Prozess und Realität eine zu Leibniz analoge Unterscheidung getroffen, indem er Wahrnehmungen im Modus „kausaler Wirksamkeit“ (causal efficacy) vage und unbestimmt nannte, wohingegen Wahrnehmungen im Modus „vermittelnder Unmittelbarkeit“ (presentational immediacy) klar und willentlich gesteuert erfolgen. Beide Formen der Wahrnehmung sind ein Teil des Erfassens (prehension) der Realität und erhalten ihre Bedeutung, indem sie unter Einschluss der subjektiven Vorgeprägtheit (subjective form) zu einer „symbolischen Referenz“ verbunden werden.[6]

Siehe auch

Literatur

Wiktionary: Perzeption – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  • Friedrich Kirchner: Perzeption, in: Wörterbuch der philosophischen Grundbegriffe. (1907)

Einzelnachweise

  1. Cicero: De Finibus Bonorum et Malorum. V, 76
  2. John Locke: An Essay Concerning Humane Understanding. II 9 (of perception)
  3. Gottfried Wilhelm Leibniz: Neue Abhandlungen über den menschlichen Verstand. Einleitung.
  4. Kurt Flasch: Kampfplätze der Philosophie: große Kontroversen von Augustin bis Voltaire. Klostermann, Frankfurt 2008, 308.
  5. Wilhelm Wundt: Grundzüge der physiologischen Psychologie II. 235 ff.
  6. Erstmals hatte Whitehead das Konzept in Kulturelle Symbolisierung vorgestellt.