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„Vorsatz (Recht)“ – Versionsunterschied

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<p>'''Vorsatz''' (''dolus'') bezeichnet im [https://de.wikipedia.org/wiki/Strafrecht Strafrecht] den [https://de.wikipedia.org/wiki/Wille Willen] zur Tatbestandsverwirklichung in [https://de.wikipedia.org/wiki/Kenntnis Kenntnis] aller objektiven [https://de.wikipedia.org/wiki/Tatbestandsmerkmal#Im_Strafrecht Tatumstände] einschließlich der [https://de.wikipedia.org/wiki/Kausalit%C3%A4t_(Recht) Kausalitätsbeziehungen]. Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsprechung Rechtsprechung] definiert ihn im Strafrecht als Willen zur Verwirklichung eines Straftatbestandes in Kenntnis aller seiner Tatumstände. Bei Vorsatzdelikten stellt der Vorsatz den wesentlichen Teil des subjektiven [https://de.wikipedia.org/wiki/Tatbestand Tatbestands] dar, weitgehend deckungsgleich mit dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Tatentschluss Tatentschluss].</p><p>Umgangssprachlich bedeutet Vorsatz auch „(feste) [https://de.wikipedia.org/wiki/Absicht Absicht] beziehungsweise Entschluss“; also etwas, was sich jemand bewusst vorgenommen hat.<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Vorsatz_(Recht)#cite_note-1 <span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span>]</sup></p><div class="mw-heading mw-heading2">
<sup id="cite_ref-3" class="reference"></span></sup>Vorsatz (Recht)
 
'''Vorsatz''' (''[[dolus]]'') bezeichnet im [[Strafrecht]] den [[Wille|Willen]] zur [[Tatbestandsverwirklichung]] in [[Kenntnis]] aller objektiven [[Tatbestandsmerkmal#Im Strafrecht|Tatumstände]] einschließlich der [https://de.wikipedia.org/wiki/Kausalit%C3%A4t_(Recht) Kausalitätsbeziehungen]. Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsprechung Rechtsprechung] definiert ihn im Strafrecht als Willen zur Verwirklichung eines Straftatbestandes in Kenntnis aller seiner Tatumstände. Bei Vorsatzdelikten stellt der Vorsatz den wesentlichen Teil des subjektiven [https://de.wikipedia.org/wiki/Tatbestand Tatbestands] dar, weitgehend deckungsgleich mit dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Tatentschluss Tatentschluss].
 
Umgangssprachlich bedeutet Vorsatz auch „(feste) [https://de.wikipedia.org/wiki/Absicht Absicht] beziehungsweise Entschluss“; also etwas, was sich jemand bewusst vorgenommen hat.<sup class="reference" id="cite_ref-1">[https://de.wikipedia.org/wiki/Vorsatz_(Recht)#cite_note-1 <span class="cite-bracket">[</span>1]]</sup><div class="mw-heading mw-heading2">
== Voraussetzungen des Vorsatzes ==
== Voraussetzungen des Vorsatzes ==
</div><p>In einem Teil der Rechtslehre wird der Vorsatz kurz als „Wissen und Wollen der Tatbestandsverwirklichung“ beschrieben.<sup id="cite_ref-EiseleKurzformel_2-0" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Vorsatz_(Recht)#cite_note-EiseleKurzformel-2 <span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span>]</sup> Diese Definition greift jedoch möglicherweise zu kurz. In der Wissenschaft ist nämlich unter anderem strittig, ob der ''Vorsatz'' nur das Wissen des [https://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%A4ter_(Strafrecht) Täters] um seine Tat erfasst, nur dessen Willen, die Tat zu verwirklichen, oder wie in der Rechtsprechung beides.</p><p>Für eine stärkere Betonung des [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Kognitives_Element&action=edit&redlink=1 kognitiven Elements] (Wissen) gegenüber dem [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Voluntatives_Element&action=edit&redlink=1 voluntativen Element] (Wollen) spricht das Argument, dass der Wunsch des Täters regelmäßig nicht die Verwirklichung von Unrecht sei, sondern er dieses nur als notwendiges Übel in Kauf nehme, um ein anderes, eventuell sogar ehrhaftes Ziel zu erreichen.</p><p>Für eine stärkere Betonung des voluntativen Elements gegenüber dem des kognitiven Elements spricht, dass der Täter niemals alle Umstände seiner Tat kennen kann, was ihm nicht zum Vorteil gereichen sollte.</p><p>Das Vorliegen von ''Vorsatz'' bei Verwirklichung einer Handlung ist in der Regel ausschlaggebend für die [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsfolge Rechtsfolgen], die den Täter treffen. Für die Anforderungen an den Vorsatz ist weiterhin entscheidend, welches Rechtsgebiet betroffen ist. Grundsätzlich wird im [https://de.wikipedia.org/wiki/Strafrecht Strafrecht] der Begriff strenger ausgelegt, weil die Rechtsfolgen, die den Täter treffen können (z.&nbsp;B. [https://de.wikipedia.org/wiki/Freiheitsstrafe_(Deutschland) Freiheitsstrafe]) zum einen stärkere Eingriffe für diesen darstellen als etwa zivilrechtliche Schadensersatzansprüche. Die Vollstreckung strafrechtlicher Rechtsfolgen ist zum anderen ein Akt der öffentlichen [https://de.wikipedia.org/wiki/Gewalt Gewalt], der als solcher, weil dadurch [https://de.wikipedia.org/wiki/Grundrechte Grundrechte] des Täters eingeschränkt werden, einer Rechtfertigung bedarf.</p><div class="mw-heading mw-heading3">
</div>In einem Teil der Rechtslehre wird der Vorsatz kurz als „Wissen und Wollen der Tatbestandsverwirklichung“ beschrieben.<sup class="reference" id="cite_ref-EiseleKurzformel_2-0">[https://de.wikipedia.org/wiki/Vorsatz_(Recht)#cite_note-EiseleKurzformel-2 <span class="cite-bracket">[</span>2]]</sup> Diese Definition greift jedoch möglicherweise zu kurz. In der Wissenschaft ist nämlich unter anderem strittig, ob der ''Vorsatz'' nur das Wissen des [https://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%A4ter_(Strafrecht) Täters] um seine Tat erfasst, nur dessen Willen, die Tat zu verwirklichen, oder wie in der Rechtsprechung beides.
 
Für eine stärkere Betonung des [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Kognitives_Element&action=edit&redlink=1 kognitiven Elements] (Wissen) gegenüber dem [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Voluntatives_Element&action=edit&redlink=1 voluntativen Element] (Wollen) spricht das Argument, dass der Wunsch des Täters regelmäßig nicht die Verwirklichung von Unrecht sei, sondern er dieses nur als notwendiges Übel in Kauf nehme, um ein anderes, eventuell sogar ehrhaftes Ziel zu erreichen.
 
Für eine stärkere Betonung des voluntativen Elements gegenüber dem des kognitiven Elements spricht, dass der Täter niemals alle Umstände seiner Tat kennen kann, was ihm nicht zum Vorteil gereichen sollte.
 
Das Vorliegen von ''Vorsatz'' bei Verwirklichung einer Handlung ist in der Regel ausschlaggebend für die [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsfolge Rechtsfolgen], die den Täter treffen. Für die Anforderungen an den Vorsatz ist weiterhin entscheidend, welches Rechtsgebiet betroffen ist. Grundsätzlich wird im [https://de.wikipedia.org/wiki/Strafrecht Strafrecht] der Begriff strenger ausgelegt, weil die Rechtsfolgen, die den Täter treffen können (z.&nbsp;B. [https://de.wikipedia.org/wiki/Freiheitsstrafe_(Deutschland) Freiheitsstrafe]) zum einen stärkere Eingriffe für diesen darstellen als etwa zivilrechtliche Schadensersatzansprüche. Die Vollstreckung strafrechtlicher Rechtsfolgen ist zum anderen ein Akt der öffentlichen [https://de.wikipedia.org/wiki/Gewalt Gewalt], der als solcher, weil dadurch [https://de.wikipedia.org/wiki/Grundrechte Grundrechte] des Täters eingeschränkt werden, einer Rechtfertigung bedarf.<div class="mw-heading mw-heading3">
=== Grade des Vorsatzes ===
=== Grade des Vorsatzes ===
</div><p>Der ''Dolus''-Begriff (Vorsatz) kennt drei Einteilungsstufen:</p>
</div>Der ''Dolus''-Begriff (Vorsatz) kennt drei Einteilungsstufen:
#[https://de.wikipedia.org/wiki/Absicht_(Recht) Dolus directus 1. Grades] („Absicht“): Die Absicht ist der zielgerichtete Wille, den tatbestandlichen Erfolg herbeizuführen. Die Tatbestandsverwirklichung ist das „Ziel“ des Handelns des Täters.
 
#[https://de.wikipedia.org/wiki/Direkter_Vorsatz Dolus directus 2. Grades] („direkter Vorsatz“, „Wissentlichkeit“): Der Täter hat das Wissen, dass das eigene Handeln zur Verwirklichung des Tatbestandes führt.
# [https://de.wikipedia.org/wiki/Absicht_(Recht) Dolus directus 1. Grades] („Absicht“): Die Absicht ist der zielgerichtete Wille, den tatbestandlichen Erfolg herbeizuführen. Die Tatbestandsverwirklichung ist das „Ziel“ des Handelns des Täters.
#[https://de.wikipedia.org/wiki/Eventualvorsatz Dolus eventualis] („Eventual- oder bedingter Vorsatz“): Der bedingte Vorsatz ist gegeben, wenn der Täter „den Taterfolg ernsthaft für möglich gehalten und billigend in Kauf genommen hat“,<sup id="cite_ref-3" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Vorsatz_(Recht)#cite_note-3 <span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span>]</sup> beziehungsweise „sich mit diesem Risiko abfindet“. Der Eventualvorsatz ist grundsätzlich ausreichend, um Vorsatz für eine Tat zu begründen.
# [https://de.wikipedia.org/wiki/Direkter_Vorsatz Dolus directus 2. Grades] („direkter Vorsatz“, „Wissentlichkeit“): Der Täter hat das Wissen, dass das eigene Handeln zur Verwirklichung des Tatbestandes führt.
<p>Für den Vorsatz gilt – wie für die übrigen [https://de.wikipedia.org/wiki/Tatbestandsmerkmal Tatbestandsmerkmale] – das [https://de.wikipedia.org/wiki/Simultanit%C3%A4tsprinzip Simultanitätsprinzip]. Das bedeutet, dass der Vorsatz bei Tatbegehung vorliegen muss, vergleiche <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__16.html § 16]</span> i.&nbsp;V.&nbsp;m. <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__8.html § 8]</span> StGB. Der Täter muss demnach Kenntnis der vergangenen, und gegenwärtigen Tatbestandsmerkmale und Voraussicht vom künftigen Verlauf von Tathandlung und Taterfolg haben. Ein nur vor der Tat (lat. dolus antecedens) oder nach der Tat (lat. dolus subsequens) vorliegender Vorsatz genügt für die Annahme einer Vorsatztat nicht. Genauso wenig ist der sogenannte [https://de.wikipedia.org/wiki/Dolus_generalis dolus generalis], nach dem es ausreichend sein soll, dass zu irgendeinem Zeitpunkt der Tatbegehung Vorsatz vorlag, ein Fall des Vorsatzes.</p><p>Bei Teilnehmern ([https://de.wikipedia.org/wiki/Anstiftung_(Deutschland) Anstifter], [https://de.wikipedia.org/wiki/Beihilfe_(Strafrecht) Gehilfen]) muss sich deren Vorsatz sowohl auf die vorsätzliche und rechtswidrige Tat als auch auf ihren eigenen Tatbeitrag beziehen. Hierbei ist für das Vorliegen des Vorsatzes der Zeitpunkt ihres eigenen Tatbeitrages entscheidend (z.&nbsp;B. bei der Anstiftung).</p><p>Ein Irrtum über die Umstände einer Tat ([https://de.wikipedia.org/wiki/Tatbestandsirrtum Tatbestandsirrtum], <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__16.html § 16]</span> Abs.&nbsp;1 StGB) schließt regelmäßig den Vorsatz aus, eine Bestrafung wegen der [https://de.wikipedia.org/wiki/Fahrl%C3%A4ssig fahrlässigen] Begehung eines Delikts bleibt davon unberührt. Der Vorsatz entfällt im Strafrecht nicht beim sog. [https://de.wikipedia.org/wiki/Verbotsirrtum Verbotsirrtum](<span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__17.html § 17]</span> StGB), bei dem sich der Täter lediglich über die rechtliche Bewertung seiner Handlung irrt. Die Straffreiheit tritt beim Verbotsirrtum nur dann ein, wenn der Täter diesen Irrtum nicht vermeiden konnte.</p><div class="mw-heading mw-heading3">
# [https://de.wikipedia.org/wiki/Eventualvorsatz Dolus eventualis] („Eventual- oder bedingter Vorsatz“): Der bedingte Vorsatz ist gegeben, wenn der Täter „den Taterfolg ernsthaft für möglich gehalten und billigend in Kauf genommen hat“,<sup class="reference" id="cite_ref-3">[https://de.wikipedia.org/wiki/Vorsatz_(Recht)#cite_note-3 <span class="cite-bracket">[</span>3]]</sup> beziehungsweise „sich mit diesem Risiko abfindet“. Der Eventualvorsatz ist grundsätzlich ausreichend, um Vorsatz für eine Tat zu begründen.
 
Für den Vorsatz gilt – wie für die übrigen [https://de.wikipedia.org/wiki/Tatbestandsmerkmal Tatbestandsmerkmale] – das [https://de.wikipedia.org/wiki/Simultanit%C3%A4tsprinzip Simultanitätsprinzip]. Das bedeutet, dass der Vorsatz bei Tatbegehung vorliegen muss, vergleiche <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__16.html § 16]</span> i.&nbsp;V.&nbsp;m. <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__8.html § 8]</span> StGB. Der Täter muss demnach Kenntnis der vergangenen, und gegenwärtigen Tatbestandsmerkmale und Voraussicht vom künftigen Verlauf von Tathandlung und Taterfolg haben. Ein nur vor der Tat (lat. dolus antecedens) oder nach der Tat (lat. dolus subsequens) vorliegender Vorsatz genügt für die Annahme einer Vorsatztat nicht. Genauso wenig ist der sogenannte [https://de.wikipedia.org/wiki/Dolus_generalis dolus generalis], nach dem es ausreichend sein soll, dass zu irgendeinem Zeitpunkt der Tatbegehung Vorsatz vorlag, ein Fall des Vorsatzes.
 
Bei Teilnehmern ([https://de.wikipedia.org/wiki/Anstiftung_(Deutschland) Anstifter], [https://de.wikipedia.org/wiki/Beihilfe_(Strafrecht) Gehilfen]) muss sich deren Vorsatz sowohl auf die vorsätzliche und rechtswidrige Tat als auch auf ihren eigenen Tatbeitrag beziehen. Hierbei ist für das Vorliegen des Vorsatzes der Zeitpunkt ihres eigenen Tatbeitrages entscheidend (z.&nbsp;B. bei der Anstiftung).
 
Ein Irrtum über die Umstände einer Tat ([https://de.wikipedia.org/wiki/Tatbestandsirrtum Tatbestandsirrtum], <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__16.html § 16]</span> Abs.&nbsp;1 StGB) schließt regelmäßig den Vorsatz aus, eine Bestrafung wegen der [https://de.wikipedia.org/wiki/Fahrl%C3%A4ssig fahrlässigen] Begehung eines Delikts bleibt davon unberührt. Der Vorsatz entfällt im Strafrecht nicht beim sog. [https://de.wikipedia.org/wiki/Verbotsirrtum Verbotsirrtum](<span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__17.html § 17]</span> StGB), bei dem sich der Täter lediglich über die rechtliche Bewertung seiner Handlung irrt. Die Straffreiheit tritt beim Verbotsirrtum nur dann ein, wenn der Täter diesen Irrtum nicht vermeiden konnte.<div class="mw-heading mw-heading3">
=== Eventualvorsatz (dolus eventualis) und bewusste Fahrlässigkeit (luxuria) ===
=== Eventualvorsatz (dolus eventualis) und bewusste Fahrlässigkeit (luxuria) ===
</div><div class="hauptartikel" role="navigation"><span class="hauptartikel-pfeil" title="siehe" role="presentation" aria-hidden="true">→ </span>''<span class="hauptartikel-text">Hauptartikel</span>: [https://de.wikipedia.org/wiki/Eventualvorsatz Eventualvorsatz]''</div><p>Problematisch ist die Abgrenzung des Eventualvorsatzes von der bewussten Fahrlässigkeit. Sowohl ein mit Eventualvorsatz als auch ein bewusst fahrlässig handelnder Täter rechnet nämlich regelmäßig mit der Möglichkeit, die im Gesetz benannten Umstände erfüllen und durch sein Verhalten den Eintritt des tatbestandlichen Erfolgs bewirken zu können.</p><p>Nach herrschender Lehre und [https://de.wikipedia.org/wiki/St%C3%A4ndige_Rechtsprechung ständiger Rechtsprechung] des [https://de.wikipedia.org/wiki/Bundesgerichtshof Bundesgerichtshofs] handelt ein Täter nicht vorsätzlich, sondern lediglich bewusst [https://de.wikipedia.org/wiki/Fahrl%C3%A4ssigkeit#Strafrecht fahrlässig], wenn dieser ernsthaft auf den Nichteintritt eines tatbestandlichen Erfolgs vertraut.<sup id="cite_ref-4" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Vorsatz_(Recht)#cite_note-4 <span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span>]</sup> Dazu gehören nach neuerer Ansicht auch psychische Prozesse der Gefahrverdrängung.<sup id="cite_ref-5" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Vorsatz_(Recht)#cite_note-5 <span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span>]</sup> In derartigen Fallkonstellationen unterdrückt der Täter mental seine Vorstellung von der Möglichkeit eines Erfolgseintritts.</p><p>Bei der Prüfung sind sämtliche Umstände des jeweiligen Einzelfalls zu berücksichtigen. Eine bloß vage Vermutung des Täters getreu dem Motto „Na, wenn schon …“ reicht für eine Bejahung lediglich fahrlässigen Verhaltens nicht aus. Vielmehr wird in jenen Fällen ein Erfolgseintritt als möglich, nicht ganz fernliegend erachtet und zumindest billigend in Kauf genommen ([https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Billigungstheorie&action=edit&redlink=1 Billigungstheorie] zum Eventualvorsatz). Bei Tötungsdelikten soll die [https://de.wikipedia.org/wiki/Hemmschwellentheorie Hemmschwellentheorie] einen schematischen Schluss von der objektiven Gefährlichkeit einer Handlung auf das Willenselement verhindern.</p><p>Aus Sicht des Bundesgerichtshofs ist Eventualvorsatz selbst dann anzunehmen, wenn dem Täter ein Erfolgseintritt an sich zwar unerwünscht sein mag, die Kriterien der Billigungstheorie jedoch erfüllt sind.</p><div class="mw-heading mw-heading2">
</div><div role="navigation" class="hauptartikel"><span aria-hidden="true" role="presentation" title="siehe" class="hauptartikel-pfeil">→</span> ''<span class="hauptartikel-text">Hauptartikel</span>: [https://de.wikipedia.org/wiki/Eventualvorsatz Eventualvorsatz]''</div>Problematisch ist die Abgrenzung des Eventualvorsatzes von der bewussten Fahrlässigkeit. Sowohl ein mit Eventualvorsatz als auch ein bewusst fahrlässig handelnder Täter rechnet nämlich regelmäßig mit der Möglichkeit, die im Gesetz benannten Umstände erfüllen und durch sein Verhalten den Eintritt des tatbestandlichen Erfolgs bewirken zu können.
 
Nach herrschender Lehre und [https://de.wikipedia.org/wiki/St%C3%A4ndige_Rechtsprechung ständiger Rechtsprechung] des [https://de.wikipedia.org/wiki/Bundesgerichtshof Bundesgerichtshofs] handelt ein Täter nicht vorsätzlich, sondern lediglich bewusst [https://de.wikipedia.org/wiki/Fahrl%C3%A4ssigkeit#Strafrecht fahrlässig], wenn dieser ernsthaft auf den Nichteintritt eines tatbestandlichen Erfolgs vertraut.<sup class="reference" id="cite_ref-4">[https://de.wikipedia.org/wiki/Vorsatz_(Recht)#cite_note-4 <span class="cite-bracket">[</span>4]]</sup> Dazu gehören nach neuerer Ansicht auch psychische Prozesse der Gefahrverdrängung.<sup class="reference" id="cite_ref-5">[https://de.wikipedia.org/wiki/Vorsatz_(Recht)#cite_note-5 <span class="cite-bracket">[</span>5]]</sup> In derartigen Fallkonstellationen unterdrückt der Täter mental seine Vorstellung von der Möglichkeit eines Erfolgseintritts.
 
Bei der Prüfung sind sämtliche Umstände des jeweiligen Einzelfalls zu berücksichtigen. Eine bloß vage Vermutung des Täters getreu dem Motto „Na, wenn schon …“ reicht für eine Bejahung lediglich fahrlässigen Verhaltens nicht aus. Vielmehr wird in jenen Fällen ein Erfolgseintritt als möglich, nicht ganz fernliegend erachtet und zumindest billigend in Kauf genommen ([https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Billigungstheorie&action=edit&redlink=1 Billigungstheorie] zum Eventualvorsatz). Bei Tötungsdelikten soll die [https://de.wikipedia.org/wiki/Hemmschwellentheorie Hemmschwellentheorie] einen schematischen Schluss von der objektiven Gefährlichkeit einer Handlung auf das Willenselement verhindern.
 
Aus Sicht des Bundesgerichtshofs ist Eventualvorsatz selbst dann anzunehmen, wenn dem Täter ein Erfolgseintritt an sich zwar unerwünscht sein mag, die Kriterien der Billigungstheorie jedoch erfüllt sind.<div class="mw-heading mw-heading2">
== Deutschland ==
== Deutschland ==
</div><p>Gemäß <span class="plainlinks-print">[https://dejure.org/gesetze/stgb/15.html § 15]</span> [https://de.wikipedia.org/wiki/Strafgesetzbuch_(Deutschland) StGB] ist grundsätzlich nur vorsätzliches Handeln strafbar, wenn das Gesetz nicht ausdrücklich auch [https://de.wikipedia.org/wiki/Fahrl%C3%A4ssigkeit fahrlässiges] Handeln mit Strafe bedroht.</p><p>Im [https://de.wikipedia.org/wiki/Zivilrecht_(Deutschland) deutschen Zivilrecht] findet der Vorsatzbegriff beispielsweise in <span class="plainlinks-print">[https://dejure.org/gesetze/BGB/276.html § 276]</span> BGB Verwendung. Dort bezeichnet er das Wissen und Wollen der Tatbestandsverwirklichung im Bewusstsein der durch das Handeln indizierten [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtswidrigkeit Rechtswidrigkeit].</p><div class="mw-heading mw-heading3">
</div>Gemäß <span class="plainlinks-print">[https://dejure.org/gesetze/stgb/15.html § 15]</span> [https://de.wikipedia.org/wiki/Strafgesetzbuch_(Deutschland) StGB] ist grundsätzlich nur vorsätzliches Handeln strafbar, wenn das Gesetz nicht ausdrücklich auch [https://de.wikipedia.org/wiki/Fahrl%C3%A4ssigkeit fahrlässiges] Handeln mit Strafe bedroht.
 
Im [https://de.wikipedia.org/wiki/Zivilrecht_(Deutschland) deutschen Zivilrecht] findet der Vorsatzbegriff beispielsweise in <span class="plainlinks-print">[https://dejure.org/gesetze/BGB/276.html § 276]</span> BGB Verwendung. Dort bezeichnet er das Wissen und Wollen der Tatbestandsverwirklichung im Bewusstsein der durch das Handeln indizierten [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtswidrigkeit Rechtswidrigkeit].<div class="mw-heading mw-heading3">
=== Zivilrecht ===
=== Zivilrecht ===
</div><p>Nach den Maßgaben des [https://de.wikipedia.org/wiki/Zivilrecht Zivilrechts] wird das [https://de.wikipedia.org/wiki/Vertretenm%C3%BCssen Vertretenmüssen] gemäß <span class="plainlinks-print">[https://dejure.org/gesetze/bgb/276.html § 276]</span> Abs.&nbsp;1 [https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCrgerliches_Gesetzbuch BGB] an den subjektiven Merkmalen des Vorsatzes und der Fahrlässigkeit gemessen.</p><p>Vorsatz ist das Wissen und Wollen der Tatbestandsverwirklichung im Bewusstsein der [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtswidrigkeit Rechtswidrigkeit].<sup id="cite_ref-6" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Vorsatz_(Recht)#cite_note-6 <span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span>]</sup> Damit entspricht der Begriff bis auf das erforderliche Bewusstsein der Rechtswidrigkeit dem des [https://de.wikipedia.org/wiki/Strafrecht Strafrechts]. Ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Tatbestandsirrtum Tatbestandsirrtum] lässt somit den Vorsatz entfallen. Die vorsätzliche Handlung kann eine verschärfte Haftung auslösen, so beispielsweise bei der [https://de.wikipedia.org/wiki/Deliktsrecht_(Deutschland)#Sittenwidrige_vors%C3%A4tzliche_Sch%C3%A4digung,_%C2%A7_826_BGB sittenwidrigen vorsätzlichen Schädigung] im Sinne des <span class="plainlinks-print">[https://dejure.org/gesetze/bgb/826.html § 826]</span> BGB.</p><p>Bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Deliktsrecht_(Deutschland) deliktischer Haftung] aufgrund eines strafrechtlichen [https://de.wikipedia.org/wiki/Schutzgesetz Schutzgesetzes] im Sinne des <span class="plainlinks-print">[https://dejure.org/gesetze/bgb/823.html § 823]</span> Abs.&nbsp;2 BGB ist allerdings wie im Strafrecht das Bewusstsein der Rechtswidrigkeit für Vorsatz nicht erforderlich.<sup id="cite_ref-7" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Vorsatz_(Recht)#cite_note-7 <span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span>]</sup><sup id="cite_ref-8" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Vorsatz_(Recht)#cite_note-8 <span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span>]</sup><sup id="cite_ref-9" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Vorsatz_(Recht)#cite_note-9 <span class="cite-bracket">[</span>9<span class="cite-bracket">]</span>]</sup></p><p>Insbesondere für den Bereich der [https://de.wikipedia.org/wiki/Haftpflichtversicherung Haftpflichtversicherung] ist wichtig, dass der Vorsatz nicht nur das Schadensereignis umfassen muss, sondern auch dessen Folgen.<sup id="cite_ref-10" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Vorsatz_(Recht)#cite_note-10 <span class="cite-bracket">[</span>10<span class="cite-bracket">]</span>]</sup><sup id="cite_ref-11" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Vorsatz_(Recht)#cite_note-11 <span class="cite-bracket">[</span>11<span class="cite-bracket">]</span>]</sup></p><div class="mw-heading mw-heading3">
</div>Nach den Maßgaben des [https://de.wikipedia.org/wiki/Zivilrecht Zivilrechts] wird das [https://de.wikipedia.org/wiki/Vertretenm%C3%BCssen Vertretenmüssen] gemäß <span class="plainlinks-print">[https://dejure.org/gesetze/bgb/276.html § 276]</span> Abs.&nbsp;1 [https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCrgerliches_Gesetzbuch BGB] an den subjektiven Merkmalen des Vorsatzes und der Fahrlässigkeit gemessen.
 
Vorsatz ist das Wissen und Wollen der Tatbestandsverwirklichung im Bewusstsein der [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtswidrigkeit Rechtswidrigkeit].<sup class="reference" id="cite_ref-6">[https://de.wikipedia.org/wiki/Vorsatz_(Recht)#cite_note-6 <span class="cite-bracket">[</span>6]]</sup> Damit entspricht der Begriff bis auf das erforderliche Bewusstsein der Rechtswidrigkeit dem des [https://de.wikipedia.org/wiki/Strafrecht Strafrechts]. Ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Tatbestandsirrtum Tatbestandsirrtum] lässt somit den Vorsatz entfallen. Die vorsätzliche Handlung kann eine verschärfte Haftung auslösen, so beispielsweise bei der [https://de.wikipedia.org/wiki/Deliktsrecht_(Deutschland)#Sittenwidrige_vors%C3%A4tzliche_Sch%C3%A4digung,_%C2%A7_826_BGB sittenwidrigen vorsätzlichen Schädigung] im Sinne des <span class="plainlinks-print">[https://dejure.org/gesetze/bgb/826.html § 826]</span> BGB.
 
Bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Deliktsrecht_(Deutschland) deliktischer Haftung] aufgrund eines strafrechtlichen [https://de.wikipedia.org/wiki/Schutzgesetz Schutzgesetzes] im Sinne des <span class="plainlinks-print">[https://dejure.org/gesetze/bgb/823.html § 823]</span> Abs.&nbsp;2 BGB ist allerdings wie im Strafrecht das Bewusstsein der Rechtswidrigkeit für Vorsatz nicht erforderlich.<sup class="reference" id="cite_ref-7">[https://de.wikipedia.org/wiki/Vorsatz_(Recht)#cite_note-7 <span class="cite-bracket">[</span>7]]</sup><sup class="reference" id="cite_ref-8">[https://de.wikipedia.org/wiki/Vorsatz_(Recht)#cite_note-8 <span class="cite-bracket">[</span>8]]</sup><sup class="reference" id="cite_ref-9">[https://de.wikipedia.org/wiki/Vorsatz_(Recht)#cite_note-9 <span class="cite-bracket">[</span>9]]</sup>
 
Insbesondere für den Bereich der [https://de.wikipedia.org/wiki/Haftpflichtversicherung Haftpflichtversicherung] ist wichtig, dass der Vorsatz nicht nur das Schadensereignis umfassen muss, sondern auch dessen Folgen.<sup class="reference" id="cite_ref-10">[https://de.wikipedia.org/wiki/Vorsatz_(Recht)#cite_note-10 <span class="cite-bracket">[</span>10]]</sup><sup class="reference" id="cite_ref-11">[https://de.wikipedia.org/wiki/Vorsatz_(Recht)#cite_note-11 <span class="cite-bracket">[</span>11]]</sup><div class="mw-heading mw-heading3">
=== Strafrecht ===
=== Strafrecht ===
</div><p>Im [https://de.wikipedia.org/wiki/Strafrecht Strafrecht] ist der Vorsatz zwingendes Tatbestandsmerkmal (<span class="plainlinks-print">[https://dejure.org/gesetze/stgb/15.html § 15]</span> [https://de.wikipedia.org/wiki/Strafgesetzbuch_(Deutschland) StGB]) der Verwirklichung einer Straftat. Sofern nichts anderes bestimmt ist, bedarf es daher immer des Vorsatzes (außer bei den explizit genannten [https://de.wikipedia.org/wiki/Fahrl%C3%A4ssigkeit Fahrlässigkeitsdelikten], beispielsweise <span class="plainlinks-print">[https://dejure.org/gesetze/stgb/222.html §§ 222]</span>, <span class="plainlinks-print">[https://dejure.org/gesetze/stgb/229.html 229]</span>, <span class="plainlinks-print">[https://dejure.org/gesetze/stgb/306d.html 306d]</span> StGB). Ist kein bestimmter Grad des Vorsatzes gefordert (z.&nbsp;B. „absichtlich“) genügt immer die schwächste Vorsatzform des dolus eventualis (bedingter Vorsatz).</p><p>Der Vorsatz ist nach dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Umkehrschluss Umkehrschluss] aus <span class="plainlinks-print">[https://dejure.org/gesetze/stgb/16.html § 16]</span> Abs.&nbsp;1 StGB (vgl. [https://de.wikipedia.org/wiki/Tatbestandsirrtum Tatumstandsirrtum]) die Kenntnis sämtlicher Tatumstände, die zum gesetzlichen Tatbestand gehören, also der Tatbestandsmerkmale. Der überwiegenden Ansicht nach genügt die bloße Kenntnis der Tatbestandsmerkmale jedoch nicht, da zum einen grammatikalisch der Wille in der Begriffsbedeutung des Wortes „Vorsatz“ mitschwingt und zum anderen stets ein Wille vorhanden sein muss, wenn jemand eine Tat in Kenntnis der Tatbestandsmerkmale begeht.<sup id="cite_ref-12" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Vorsatz_(Recht)#cite_note-12 <span class="cite-bracket">[</span>12<span class="cite-bracket">]</span>]</sup> Aus diesem Grund lautet die Kurzformel für die Beschreibung des Vorsatzes: Wissen und Wollen der Tatbestandsverwirklichung.<sup id="cite_ref-EiseleKurzformel_2-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Vorsatz_(Recht)#cite_note-EiseleKurzformel-2 <span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span>]</sup> Diese Kurzformel wird in der rechtswissenschaftlichen Literatur jedoch ob ihrer Kürze und Ungenauigkeit kritisiert. Schon das Reichsgericht definierte: „Vorsatz bedeutet Wissen und Wollen sämtlicher Tatbestandsmerkmale.“<sup id="cite_ref-13" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Vorsatz_(Recht)#cite_note-13 <span class="cite-bracket">[</span>13<span class="cite-bracket">]</span>]</sup> Als genauere Definition wird daher der „Wille zur Verwirklichung eines Straftatbestandes in Kenntnis aller seiner Tatumstände“<sup id="cite_ref-14" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Vorsatz_(Recht)#cite_note-14 <span class="cite-bracket">[</span>14<span class="cite-bracket">]</span>]</sup>, d.&nbsp;h. objektiven Tatbestandsmerkmale, vorgeschlagen.<sup id="cite_ref-15" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Vorsatz_(Recht)#cite_note-15 <span class="cite-bracket">[</span>15<span class="cite-bracket">]</span>]</sup> Auch diese etwas längere Formel wird in der Literatur lediglich als „erste Annäherung“ angesehen.<sup id="cite_ref-16" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Vorsatz_(Recht)#cite_note-16 <span class="cite-bracket">[</span>16<span class="cite-bracket">]</span>]</sup> Zudem wird an der Kurzformel kritisiert, dass nach der Wissenstheorie gerade kein Wille mehr erforderlich sei.<sup id="cite_ref-17" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Vorsatz_(Recht)#cite_note-17 <span class="cite-bracket">[</span>17<span class="cite-bracket">]</span>]</sup></p><p>Der Vorsatz muss die wesentlichen Elemente des eingetretenen [https://de.wikipedia.org/wiki/Kausalit%C3%A4t_(Recht) Kausalverlaufs] umfassen, zumindest in bedingter Form ([https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Atypischer_Kausalverlauf&action=edit&redlink=1 atypischer Kausalverlauf], [https://de.wikipedia.org/wiki/Objektive_Zurechnung#Lehre_von_der_objektiven_Zurechnung objektive Zurechnung]).</p><p>Keine Bezugspunkte des Vorsatzes im Strafrecht sind [https://de.wikipedia.org/wiki/Objektive_Bedingung_der_Strafbarkeit objektive Strafbarkeitsbedingungen] sowie im Allgemeinen die Rechtswidrigkeit.<sup id="cite_ref-18" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Vorsatz_(Recht)#cite_note-18 <span class="cite-bracket">[</span>18<span class="cite-bracket">]</span>]</sup></p><div class="mw-heading mw-heading3">
</div>Im [https://de.wikipedia.org/wiki/Strafrecht Strafrecht] ist der Vorsatz zwingendes Tatbestandsmerkmal (<span class="plainlinks-print">[https://dejure.org/gesetze/stgb/15.html § 15]</span> [https://de.wikipedia.org/wiki/Strafgesetzbuch_(Deutschland) StGB]) der Verwirklichung einer Straftat. Sofern nichts anderes bestimmt ist, bedarf es daher immer des Vorsatzes (außer bei den explizit genannten [https://de.wikipedia.org/wiki/Fahrl%C3%A4ssigkeit Fahrlässigkeitsdelikten], beispielsweise <span class="plainlinks-print">[https://dejure.org/gesetze/stgb/222.html §§ 222]</span>, <span class="plainlinks-print">[https://dejure.org/gesetze/stgb/229.html 229]</span>, <span class="plainlinks-print">[https://dejure.org/gesetze/stgb/306d.html 306d]</span> StGB). Ist kein bestimmter Grad des Vorsatzes gefordert (z.&nbsp;B. „absichtlich“) genügt immer die schwächste Vorsatzform des dolus eventualis (bedingter Vorsatz).
 
Der Vorsatz ist nach dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Umkehrschluss Umkehrschluss] aus <span class="plainlinks-print">[https://dejure.org/gesetze/stgb/16.html § 16]</span> Abs.&nbsp;1 StGB (vgl. [https://de.wikipedia.org/wiki/Tatbestandsirrtum Tatumstandsirrtum]) die Kenntnis sämtlicher Tatumstände, die zum gesetzlichen Tatbestand gehören, also der Tatbestandsmerkmale. Der überwiegenden Ansicht nach genügt die bloße Kenntnis der Tatbestandsmerkmale jedoch nicht, da zum einen grammatikalisch der Wille in der Begriffsbedeutung des Wortes „Vorsatz“ mitschwingt und zum anderen stets ein Wille vorhanden sein muss, wenn jemand eine Tat in Kenntnis der Tatbestandsmerkmale begeht.<sup class="reference" id="cite_ref-12">[https://de.wikipedia.org/wiki/Vorsatz_(Recht)#cite_note-12 <span class="cite-bracket">[</span>12]]</sup> Aus diesem Grund lautet die Kurzformel für die Beschreibung des Vorsatzes: Wissen und Wollen der Tatbestandsverwirklichung.<sup class="reference" id="cite_ref-EiseleKurzformel_2-1">[https://de.wikipedia.org/wiki/Vorsatz_(Recht)#cite_note-EiseleKurzformel-2 <span class="cite-bracket">[</span>2]]</sup> Diese Kurzformel wird in der rechtswissenschaftlichen Literatur jedoch ob ihrer Kürze und Ungenauigkeit kritisiert. Schon das Reichsgericht definierte: „Vorsatz bedeutet Wissen und Wollen sämtlicher Tatbestandsmerkmale.“<sup class="reference" id="cite_ref-13">[https://de.wikipedia.org/wiki/Vorsatz_(Recht)#cite_note-13 <span class="cite-bracket">[</span>13]]</sup> Als genauere Definition wird daher der „Wille zur Verwirklichung eines Straftatbestandes in Kenntnis aller seiner Tatumstände“<sup class="reference" id="cite_ref-14">[https://de.wikipedia.org/wiki/Vorsatz_(Recht)#cite_note-14 <span class="cite-bracket">[</span>14]]</sup>, d.&nbsp;h. objektiven Tatbestandsmerkmale, vorgeschlagen.<sup class="reference" id="cite_ref-15">[https://de.wikipedia.org/wiki/Vorsatz_(Recht)#cite_note-15 <span class="cite-bracket">[</span>15]]</sup> Auch diese etwas längere Formel wird in der Literatur lediglich als „erste Annäherung“ angesehen.<sup class="reference" id="cite_ref-16">[https://de.wikipedia.org/wiki/Vorsatz_(Recht)#cite_note-16 <span class="cite-bracket">[</span>16]]</sup> Zudem wird an der Kurzformel kritisiert, dass nach der Wissenstheorie gerade kein Wille mehr erforderlich sei.<sup class="reference" id="cite_ref-17">[https://de.wikipedia.org/wiki/Vorsatz_(Recht)#cite_note-17 <span class="cite-bracket">[</span>17]]</sup>
 
Der Vorsatz muss die wesentlichen Elemente des eingetretenen [https://de.wikipedia.org/wiki/Kausalit%C3%A4t_(Recht) Kausalverlaufs] umfassen, zumindest in bedingter Form ([https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Atypischer_Kausalverlauf&action=edit&redlink=1 atypischer Kausalverlauf], [https://de.wikipedia.org/wiki/Objektive_Zurechnung#Lehre_von_der_objektiven_Zurechnung objektive Zurechnung]).
 
Keine Bezugspunkte des Vorsatzes im Strafrecht sind [https://de.wikipedia.org/wiki/Objektive_Bedingung_der_Strafbarkeit objektive Strafbarkeitsbedingungen] sowie im Allgemeinen die Rechtswidrigkeit.<sup class="reference" id="cite_ref-18">[https://de.wikipedia.org/wiki/Vorsatz_(Recht)#cite_note-18 <span class="cite-bracket">[</span>18]]</sup><div class="mw-heading mw-heading3">
=== Ordnungswidrigkeitenrecht ===
=== Ordnungswidrigkeitenrecht ===
</div><p>Ähnlich wie im Strafrecht ist gemäß § 10 Ordnungswidrigkeitengesetz grundsätzlich nur vorsätzliches Handeln sanktionsbewehrt, es sei denn, dass auch fahrlässiges Handeln ausdrücklich mit Geldbuße bedroht ist. Knüpft eine Ordnungswidrigkeit an fahrlässigen Handeln an und die Tat wird vorsätzlich begangen, sieht § 3 der Bußgeldkatalogverordnung vor, dass das Regelbußgeld zu verdoppeln ist.</p><div class="mw-heading mw-heading2">
</div>Ähnlich wie im Strafrecht ist gemäß § 10 Ordnungswidrigkeitengesetz grundsätzlich nur vorsätzliches Handeln sanktionsbewehrt, es sei denn, dass auch fahrlässiges Handeln ausdrücklich mit Geldbuße bedroht ist. Knüpft eine Ordnungswidrigkeit an fahrlässigen Handeln an und die Tat wird vorsätzlich begangen, sieht § 3 der Bußgeldkatalogverordnung vor, dass das Regelbußgeld zu verdoppeln ist.<div class="mw-heading mw-heading2">
== Siehe auch ==
== Siehe auch ==
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*[https://de.wikipedia.org/wiki/Dolus_alternativus Dolus alternativus]
 
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Rubikonmodell_der_Handlungsphasen Rubikonmodell der Handlungsphasen]
* [https://de.wikipedia.org/wiki/Dolus_alternativus Dolus alternativus]
* [https://de.wikipedia.org/wiki/Rubikonmodell_der_Handlungsphasen Rubikonmodell der Handlungsphasen]
 
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== Literatur ==
== Literatur ==
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*Frank Bleckmann: ''Strafrechtsdogmatik – wissenschaftstheoretisch, soziologisch, historisch: das Beispiel des strafrechtlichen Vorsatzes'', Freiburg im Breisgau: Ed. Iuscrim, Max-Planck-Inst. für Ausländisches und Internat. Strafrecht, 2002, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3861130491 ISBN 3-86113-049-1].
 
*Theodor Geßler: ''Ueber den Begriff und die Arten des Dolus''. Laupp, Tübingen 1860 ([http://www.google.de/books?id=yOzCq7qdXMEC Digitalisat])
* Frank Bleckmann: ''Strafrechtsdogmatik – wissenschaftstheoretisch, soziologisch, historisch: das Beispiel des strafrechtlichen Vorsatzes'', Freiburg im Breisgau: Ed. Iuscrim, Max-Planck-Inst. für Ausländisches und Internat. Strafrecht, 2002, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3861130491 ISBN 3-86113-049-1].
*Walter Kargl: ''Der strafrechtliche Vorsatz auf der Basis der kognitiven Handlungstheorie'', Frankfurt am Main, Lang 1993, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3631458185 ISBN 3-631-45818-5].
* Theodor Geßler: ''Ueber den Begriff und die Arten des Dolus''. Laupp, Tübingen 1860 ([http://www.google.de/books?id=yOzCq7qdXMEC Digitalisat])
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Claus_Roxin Claus Roxin]: ''Strafrecht. Allgemeiner Teil.'' (Band 1). 3. Auflage. Beck Verlag, München 1997, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3406425070 ISBN 3-406-42507-0], S. 363–403.
* Walter Kargl: ''Der strafrechtliche Vorsatz auf der Basis der kognitiven Handlungstheorie'', Frankfurt am Main, Lang 1993, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3631458185 ISBN 3-631-45818-5].
*Zeitschrift für Schadensrecht: ''Der Vorsatzvorwurf bei Geschwindigkeitsordnungswidrigkeiten in der amtsgerichtlichen Rechtsprechungspraxis'', zfs 06/2023, S. 303–313
* [https://de.wikipedia.org/wiki/Claus_Roxin Claus Roxin]: ''Strafrecht. Allgemeiner Teil.'' (Band 1). 3. Auflage. Beck Verlag, München 1997, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3406425070 ISBN 3-406-42507-0], S. 363–403.
* Zeitschrift für Schadensrecht: ''Der Vorsatzvorwurf bei Geschwindigkeitsordnungswidrigkeiten in der amtsgerichtlichen Rechtsprechungspraxis'', zfs 06/2023, S. 303–313
 
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== Weblinks ==
== Weblinks ==
</div><div class="sisterproject"><div class="noviewer" role="presentation" aria-hidden="true"><span class="mw-default-size skin-invert-image"><span title="Wikiquote">[[file:13px-Wikiquote-logo.svg.png|13x16px]]</span></span></div>'''[https://de.wikiquote.org/wiki/Vorsatz Wikiquote: Vorsatz]'''&nbsp;– Zitate</div>
</div><div class="sisterproject"><div aria-hidden="true" role="presentation" class="noviewer"><span class="mw-default-size skin-invert-image"><span title="Wikiquote">[[Datei:13px-Wikiquote-logo.svg.png|16x16px]]</span></span></div>'''[https://de.wikiquote.org/wiki/Vorsatz Wikiquote: Vorsatz]'''&nbsp;– Zitate</div>
*[http://juraschema.de/index.php?thema=vsfl Übersicht] Die juristische Abgrenzung von Vorsatz und Fahrlässigkeit
 
*<span class="cite">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gunnar_Duttge Gunnar Duttge]: [https://www.hrr-strafrecht.de/hrr/archiv/12-08/index.php?sz=7 ''Ein neuer Vorsatzbegriff?''] Besprechung zu BGH, Urteil v. 08. September 2011 (1 StR 38/11) = BGH HRRS 2011 Nr. 1139. In: ''Onlinezeitschrift für Höchstrichterliche Rechtsprechung zum Strafrecht (HRRS).'' S. 359.</span>
* [http://juraschema.de/index.php?thema=vsfl Übersicht] Die juristische Abgrenzung von Vorsatz und Fahrlässigkeit
* <span class="cite">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gunnar_Duttge Gunnar Duttge]: [https://www.hrr-strafrecht.de/hrr/archiv/12-08/index.php?sz=7 ''Ein neuer Vorsatzbegriff?''] Besprechung zu BGH, Urteil v. 08. September 2011 (1 StR 38/11) = BGH HRRS 2011 Nr. 1139. In: ''Onlinezeitschrift für Höchstrichterliche Rechtsprechung zum Strafrecht (HRRS).''S. 359.</span>
 
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== Einzelnachweise ==
== Einzelnachweise ==
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#<span class="reference-text">Vergleiche die Einträge [https://www.duden.de/rechtschreibung/Vorsatz ''Vorsatz''] und [https://www.duden.de/rechtschreibung/vorsaetzlich ''vorsätzlich''] im Online-[https://de.wikipedia.org/wiki/Duden Duden]; besonders jeweils die Abschnitte über die Wortbedeutung und die [https://de.wikipedia.org/wiki/Synonyme Synonyme]. Abgerufen am 16. Januar 2018.</span>
 
#<span class="reference-text">Jörg Eisele, Bernd Heinrich: <cite>Strafrecht Allgemeiner Teil für Studienanfänger</cite>. 2. Auflage. Kohlhammer, Stuttgart 2020, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783170389663 ISBN 978-3-17-038966-3], Kapitel 6: Subjektiver Tatbestand III. Der Begriff des Vorsatzes.</span>
# <span class="reference-text">Vergleiche die Einträge [https://www.duden.de/rechtschreibung/Vorsatz ''Vorsatz''] und [https://www.duden.de/rechtschreibung/vorsaetzlich ''vorsätzlich''] im Online-[https://de.wikipedia.org/wiki/Duden Duden]; besonders jeweils die Abschnitte über die Wortbedeutung und die [https://de.wikipedia.org/wiki/Synonyme Synonyme]. Abgerufen am 16. Januar 2018.</span>
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Bundesgerichtshof Bundesgerichtshof], <cite>NStZ-Rechtsprechungsreport</cite>. Jahr 2013, 2013, S.&nbsp;91.</span>
# <span class="reference-text">Jörg Eisele, Bernd Heinrich: <cite>Strafrecht Allgemeiner Teil für Studienanfänger</cite>. 2. Auflage. Kohlhammer, Stuttgart 2020, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783170389663 ISBN 978-3-17-038966-3], Kapitel 6: Subjektiver Tatbestand III. Der Begriff des Vorsatzes.</span>
#<span class="reference-text">[http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=en&nr=41904&pos=0&anz=1 BGH, Urteil vom 18. Oktober 2007], Az.&nbsp;3&nbsp;StR&nbsp;226/07, Volltext, Rn. 11.</span>
# <span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Bundesgerichtshof Bundesgerichtshof], <cite>NStZ-Rechtsprechungsreport</cite>. Jahr 2013, 2013, S.&nbsp;91.</span>
#<span class="reference-text">Detlev Sternberg-Lieben: In [https://de.wikipedia.org/wiki/Sch%C3%B6nke/Schr%C3%B6der Schönke/Schröder] ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetzeskommentar Kommentar] zum deutschen [https://de.wikipedia.org/wiki/Strafgesetzbuch_(Deutschland) Strafgesetzbuch]'', 27. Aufl., München 2006, § 15 Rn. 75.</span>
# <span class="reference-text">[http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=en&nr=41904&pos=0&anz=1 BGH, Urteil vom 18. Oktober 2007], Az.&nbsp;3&nbsp;StR&nbsp;226/07, Volltext, Rn. 11.</span>
#<span class="reference-text">Jauernig BGB, 17. Aufl. 2018, § 276 Rn. 15; MüKo BGB, 8. Aufl. 2019, § 276 Rn. 154</span>
# <span class="reference-text">Detlev Sternberg-Lieben: In [https://de.wikipedia.org/wiki/Sch%C3%B6nke/Schr%C3%B6der Schönke/Schröder] ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetzeskommentar Kommentar] zum deutschen [https://de.wikipedia.org/wiki/Strafgesetzbuch_(Deutschland) Strafgesetzbuch]'', 27. Aufl., München 2006, § 15 Rn. 75.</span>
#<span class="reference-text">Christian Förster: <cite>BGB § 823 Schadensersatzpflicht</cite>. In: Wolfgang Hau, Roman Poseck (Hrsg.): <cite>BeckOK BGB, 66. Edition, Stand: 1. Mai 2023</cite>. C.H.BECK, München, Rn. 285 ([https://de.wikipedia.org/wiki/Beck-Online Beck-Online]).</span>
# <span class="reference-text">Jauernig BGB, 17. Aufl. 2018, § 276 Rn. 15; MüKo BGB, 8. Aufl. 2019, § 276 Rn. 154</span>
#<span class="reference-text">BGH, Urteil vom 26. Februar 1962, Az. [https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=II+ZR+22%2F61 II ZR 22/61].</span>
# <span class="reference-text">Christian Förster: <cite>BGB § 823 Schadensersatzpflicht</cite>. In: Wolfgang Hau, Roman Poseck (Hrsg.): <cite>BeckOK BGB, 66. Edition, Stand: 1. Mai 2023</cite>. C.H.BECK, München, Rn. 285 ([https://de.wikipedia.org/wiki/Beck-Online Beck-Online]).</span>
#<span class="reference-text">Wolfgang Fikentscher: <cite>Schuldrecht</cite>. 7. Auflage. De Gruyter, 2019, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783111344997 ISBN 978-3-11-134499-7], § 53 IV 1 c cc, S.&nbsp;323&nbsp;f.</span>
# <span class="reference-text">BGH, Urteil vom 26. Februar 1962, Az. [https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=II+ZR+22%2F61 II ZR 22/61].</span>
#<span class="reference-text">[https://web.archive.org/web/20151203213931/http://www.versicherungspfalz.de/uhaft.htm OLG Hamm, Urteil vom 6. November 1996] ([https://de.wikipedia.org/wiki/Web-Archivierung#Begrifflichkeiten <span class="webarchiv-memento">Memento</span>] des <span class="dewiki-iconexternal">[https://redirecter.toolforge.org/?url=http%3A%2F%2Fwww.versicherungspfalz.de%2Fuhaft.htm Originals]</span> vom 3. Dezember 2015 im ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Internet_Archive Internet Archive]'') <small><span class="wp_boppel noviewer" role="presentation" aria-hidden="true"><span title="i">[[file:15px-Pictogram_voting_info.svg.png|15x15px]]</span></span>&nbsp;'''Info:''' Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß [https://de.wikipedia.org/wiki/Benutzer:InternetArchiveBot/Anleitung/Archivlink Anleitung] und entferne dann diesen Hinweis.</small>, Az.&nbsp;20&nbsp;U&nbsp;28/96, ''Ohrfeigen für Partygast'', Kurzinformation.</span>
# <span class="reference-text">Wolfgang Fikentscher: <cite>Schuldrecht</cite>. 7. Auflage. De Gruyter, 2019, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783111344997 ISBN 978-3-11-134499-7], § 53 IV 1 c cc, S.&nbsp;323&nbsp;f.</span>
#<span class="reference-text">OLG Koblenz, Urteil vom 6. Juli 2007, Az. [https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=10+U+1748%2F06 10 U 1748/06].</span>
# <span class="reference-text">[https://web.archive.org/web/20151203213931/http://www.versicherungspfalz.de/uhaft.htm OLG Hamm, Urteil vom 6. November 1996] ([https://de.wikipedia.org/wiki/Web-Archivierung#Begrifflichkeiten <span class="webarchiv-memento">Memento</span>] des <span class="dewiki-iconexternal">[https://redirecter.toolforge.org/?url=http%3A%2F%2Fwww.versicherungspfalz.de%2Fuhaft.htm Originals]</span> vom 3. Dezember 2015 im ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Internet_Archive Internet Archive]'') <small><span aria-hidden="true" role="presentation" class="wp_boppel noviewer"><span title="i">[[Datei:15px-Pictogram_voting_info.svg.png|15x15px]]</span></span>&nbsp;'''Info:''' Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß [https://de.wikipedia.org/wiki/Benutzer:InternetArchiveBot/Anleitung/Archivlink Anleitung] und entferne dann diesen Hinweis.</small>, Az.&nbsp;20&nbsp;U&nbsp;28/96, ''Ohrfeigen für Partygast'', Kurzinformation.</span>
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Kristian_K%C3%BChl Kristian Kühl]: ''Strafrecht, Allgemeiner Teil'', München, Verlag Franz Vahlen, 8. Aufl. 2017, § 5 Rn. 11 f.</span>
# <span class="reference-text">OLG Koblenz, Urteil vom 6. Juli 2007, Az. [https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=10+U+1748%2F06 10 U 1748/06].</span>
#<span class="reference-text">RG, Urteil vom 4. Dezember 1917, Az. [https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=IV+622%2F17 IV 622/17] = RGSt 51, 305.</span>
# <span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Kristian_K%C3%BChl Kristian Kühl]: ''Strafrecht, Allgemeiner Teil'', München, Verlag Franz Vahlen, 8. Aufl. 2017, § 5 Rn. 11 f.</span>
#<span class="reference-text">BGH, Urteil vom 5. Mai 1964, Az. [https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=1+StR+26%2F64 1 StR 26/64] = BGHSt 19, 295.</span>
# <span class="reference-text">RG, Urteil vom 4. Dezember 1917, Az. [https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=IV+622%2F17 IV 622/17] = RGSt 51, 305.</span>
#<span class="reference-text">[http://www.iurastudent.de/content/begriff-und-definition-des-vorsatzes Vergleiche Onlinekommentar zum StGB, A. Begriff und Definition des Vorsatzes.]</span>
# <span class="reference-text">BGH, Urteil vom 5. Mai 1964, Az. [https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=1+StR+26%2F64 1 StR 26/64] = BGHSt 19, 295.</span>
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Detlev_Sternberg-Lieben Detlev Sternberg-Lieben], Irene Sternberg-Lieben: <cite>Vorsatz im Strafrecht</cite>. In: <cite>[https://de.wikipedia.org/wiki/Juristische_Schulung Juristische Schulung]</cite>. 2012, S.&nbsp;884.</span>
# <span class="reference-text">[http://www.iurastudent.de/content/begriff-und-definition-des-vorsatzes Vergleiche Onlinekommentar zum StGB, A. Begriff und Definition des Vorsatzes.]</span>
#<span class="reference-text">Joachim Vogel †, Jens Bülte: <cite>Vorbemerkungen zu den §§ 15 ff</cite>. In: Gabriele Cirener, Henning Radtke, Ruth Rissing-van Saan, Thomas Rönnau, Wilhelm Schluckebier (Hrsg.): <cite>Strafgesetzbuch&nbsp;: Leipziger Kommentar</cite>. 13. Auflage. Band&nbsp;1. De Gruyter, Berlin / Boston 2020, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783110300253 ISBN 978-3-11-030025-3], Rn. 56.</span>
# <span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Detlev_Sternberg-Lieben Detlev Sternberg-Lieben], Irene Sternberg-Lieben: <cite>Vorsatz im Strafrecht</cite>. In: <cite>[https://de.wikipedia.org/wiki/Juristische_Schulung Juristische Schulung]</cite>. 2012, S.&nbsp;884.</span>
#<span class="reference-text">Detlev Sternberg-Lieben, Irene Sternberg-Lieben: <cite>Vorsatz im Strafrecht</cite>. In: <cite>Juristische Schulung</cite>. 2012, S.&nbsp;884&nbsp;(887).</span>
# <span class="reference-text">Joachim Vogel †, Jens Bülte: <cite>Vorbemerkungen zu den §§ 15 ff</cite>. In: Gabriele Cirener, Henning Radtke, Ruth Rissing-van Saan, Thomas Rönnau, Wilhelm Schluckebier (Hrsg.): <cite>Strafgesetzbuch&nbsp;: Leipziger Kommentar</cite>. 13. Auflage. Band&nbsp;1. De Gruyter, Berlin / Boston 2020, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783110300253 ISBN 978-3-11-030025-3], Rn. 56.</span>
# <span class="reference-text">Detlev Sternberg-Lieben, Irene Sternberg-Lieben: <cite>Vorsatz im Strafrecht</cite>. In: <cite>Juristische Schulung</cite>. 2012, S.&nbsp;884&nbsp;(887).</span>

Version vom 29. August 2024, 10:12 Uhr

Vorsatz (Recht)

Vorsatz (dolus) bezeichnet im Strafrecht den Willen zur Tatbestandsverwirklichung in Kenntnis aller objektiven Tatumstände einschließlich der Kausalitätsbeziehungen. Die Rechtsprechung definiert ihn im Strafrecht als Willen zur Verwirklichung eines Straftatbestandes in Kenntnis aller seiner Tatumstände. Bei Vorsatzdelikten stellt der Vorsatz den wesentlichen Teil des subjektiven Tatbestands dar, weitgehend deckungsgleich mit dem Tatentschluss.

Umgangssprachlich bedeutet Vorsatz auch „(feste) Absicht beziehungsweise Entschluss“; also etwas, was sich jemand bewusst vorgenommen hat.[1]

Voraussetzungen des Vorsatzes

In einem Teil der Rechtslehre wird der Vorsatz kurz als „Wissen und Wollen der Tatbestandsverwirklichung“ beschrieben.[2] Diese Definition greift jedoch möglicherweise zu kurz. In der Wissenschaft ist nämlich unter anderem strittig, ob der Vorsatz nur das Wissen des Täters um seine Tat erfasst, nur dessen Willen, die Tat zu verwirklichen, oder wie in der Rechtsprechung beides.

Für eine stärkere Betonung des kognitiven Elements (Wissen) gegenüber dem voluntativen Element (Wollen) spricht das Argument, dass der Wunsch des Täters regelmäßig nicht die Verwirklichung von Unrecht sei, sondern er dieses nur als notwendiges Übel in Kauf nehme, um ein anderes, eventuell sogar ehrhaftes Ziel zu erreichen.

Für eine stärkere Betonung des voluntativen Elements gegenüber dem des kognitiven Elements spricht, dass der Täter niemals alle Umstände seiner Tat kennen kann, was ihm nicht zum Vorteil gereichen sollte.

Das Vorliegen von Vorsatz bei Verwirklichung einer Handlung ist in der Regel ausschlaggebend für die Rechtsfolgen, die den Täter treffen. Für die Anforderungen an den Vorsatz ist weiterhin entscheidend, welches Rechtsgebiet betroffen ist. Grundsätzlich wird im Strafrecht der Begriff strenger ausgelegt, weil die Rechtsfolgen, die den Täter treffen können (z. B. Freiheitsstrafe) zum einen stärkere Eingriffe für diesen darstellen als etwa zivilrechtliche Schadensersatzansprüche. Die Vollstreckung strafrechtlicher Rechtsfolgen ist zum anderen ein Akt der öffentlichen Gewalt, der als solcher, weil dadurch Grundrechte des Täters eingeschränkt werden, einer Rechtfertigung bedarf.

Grade des Vorsatzes

Der Dolus-Begriff (Vorsatz) kennt drei Einteilungsstufen:

  1. Dolus directus 1. Grades („Absicht“): Die Absicht ist der zielgerichtete Wille, den tatbestandlichen Erfolg herbeizuführen. Die Tatbestandsverwirklichung ist das „Ziel“ des Handelns des Täters.
  2. Dolus directus 2. Grades („direkter Vorsatz“, „Wissentlichkeit“): Der Täter hat das Wissen, dass das eigene Handeln zur Verwirklichung des Tatbestandes führt.
  3. Dolus eventualis („Eventual- oder bedingter Vorsatz“): Der bedingte Vorsatz ist gegeben, wenn der Täter „den Taterfolg ernsthaft für möglich gehalten und billigend in Kauf genommen hat“,[3] beziehungsweise „sich mit diesem Risiko abfindet“. Der Eventualvorsatz ist grundsätzlich ausreichend, um Vorsatz für eine Tat zu begründen.

Für den Vorsatz gilt – wie für die übrigen Tatbestandsmerkmale – das Simultanitätsprinzip. Das bedeutet, dass der Vorsatz bei Tatbegehung vorliegen muss, vergleiche § 16 i. V. m. § 8 StGB. Der Täter muss demnach Kenntnis der vergangenen, und gegenwärtigen Tatbestandsmerkmale und Voraussicht vom künftigen Verlauf von Tathandlung und Taterfolg haben. Ein nur vor der Tat (lat. dolus antecedens) oder nach der Tat (lat. dolus subsequens) vorliegender Vorsatz genügt für die Annahme einer Vorsatztat nicht. Genauso wenig ist der sogenannte dolus generalis, nach dem es ausreichend sein soll, dass zu irgendeinem Zeitpunkt der Tatbegehung Vorsatz vorlag, ein Fall des Vorsatzes.

Bei Teilnehmern (Anstifter, Gehilfen) muss sich deren Vorsatz sowohl auf die vorsätzliche und rechtswidrige Tat als auch auf ihren eigenen Tatbeitrag beziehen. Hierbei ist für das Vorliegen des Vorsatzes der Zeitpunkt ihres eigenen Tatbeitrages entscheidend (z. B. bei der Anstiftung).

Ein Irrtum über die Umstände einer Tat (Tatbestandsirrtum, § 16 Abs. 1 StGB) schließt regelmäßig den Vorsatz aus, eine Bestrafung wegen der fahrlässigen Begehung eines Delikts bleibt davon unberührt. Der Vorsatz entfällt im Strafrecht nicht beim sog. Verbotsirrtum(§ 17 StGB), bei dem sich der Täter lediglich über die rechtliche Bewertung seiner Handlung irrt. Die Straffreiheit tritt beim Verbotsirrtum nur dann ein, wenn der Täter diesen Irrtum nicht vermeiden konnte.

Eventualvorsatz (dolus eventualis) und bewusste Fahrlässigkeit (luxuria)

Problematisch ist die Abgrenzung des Eventualvorsatzes von der bewussten Fahrlässigkeit. Sowohl ein mit Eventualvorsatz als auch ein bewusst fahrlässig handelnder Täter rechnet nämlich regelmäßig mit der Möglichkeit, die im Gesetz benannten Umstände erfüllen und durch sein Verhalten den Eintritt des tatbestandlichen Erfolgs bewirken zu können.

Nach herrschender Lehre und ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs handelt ein Täter nicht vorsätzlich, sondern lediglich bewusst fahrlässig, wenn dieser ernsthaft auf den Nichteintritt eines tatbestandlichen Erfolgs vertraut.[4] Dazu gehören nach neuerer Ansicht auch psychische Prozesse der Gefahrverdrängung.[5] In derartigen Fallkonstellationen unterdrückt der Täter mental seine Vorstellung von der Möglichkeit eines Erfolgseintritts.

Bei der Prüfung sind sämtliche Umstände des jeweiligen Einzelfalls zu berücksichtigen. Eine bloß vage Vermutung des Täters getreu dem Motto „Na, wenn schon …“ reicht für eine Bejahung lediglich fahrlässigen Verhaltens nicht aus. Vielmehr wird in jenen Fällen ein Erfolgseintritt als möglich, nicht ganz fernliegend erachtet und zumindest billigend in Kauf genommen (Billigungstheorie zum Eventualvorsatz). Bei Tötungsdelikten soll die Hemmschwellentheorie einen schematischen Schluss von der objektiven Gefährlichkeit einer Handlung auf das Willenselement verhindern.

Aus Sicht des Bundesgerichtshofs ist Eventualvorsatz selbst dann anzunehmen, wenn dem Täter ein Erfolgseintritt an sich zwar unerwünscht sein mag, die Kriterien der Billigungstheorie jedoch erfüllt sind.

Deutschland

Gemäß § 15 StGB ist grundsätzlich nur vorsätzliches Handeln strafbar, wenn das Gesetz nicht ausdrücklich auch fahrlässiges Handeln mit Strafe bedroht. Im deutschen Zivilrecht findet der Vorsatzbegriff beispielsweise in § 276 BGB Verwendung. Dort bezeichnet er das Wissen und Wollen der Tatbestandsverwirklichung im Bewusstsein der durch das Handeln indizierten Rechtswidrigkeit.

Zivilrecht

Nach den Maßgaben des Zivilrechts wird das Vertretenmüssen gemäß § 276 Abs. 1 BGB an den subjektiven Merkmalen des Vorsatzes und der Fahrlässigkeit gemessen.

Vorsatz ist das Wissen und Wollen der Tatbestandsverwirklichung im Bewusstsein der Rechtswidrigkeit.[6] Damit entspricht der Begriff bis auf das erforderliche Bewusstsein der Rechtswidrigkeit dem des Strafrechts. Ein Tatbestandsirrtum lässt somit den Vorsatz entfallen. Die vorsätzliche Handlung kann eine verschärfte Haftung auslösen, so beispielsweise bei der sittenwidrigen vorsätzlichen Schädigung im Sinne des § 826 BGB.

Bei deliktischer Haftung aufgrund eines strafrechtlichen Schutzgesetzes im Sinne des § 823 Abs. 2 BGB ist allerdings wie im Strafrecht das Bewusstsein der Rechtswidrigkeit für Vorsatz nicht erforderlich.[7][8][9]

Insbesondere für den Bereich der Haftpflichtversicherung ist wichtig, dass der Vorsatz nicht nur das Schadensereignis umfassen muss, sondern auch dessen Folgen.[10][11]

Strafrecht

Im Strafrecht ist der Vorsatz zwingendes Tatbestandsmerkmal (§ 15 StGB) der Verwirklichung einer Straftat. Sofern nichts anderes bestimmt ist, bedarf es daher immer des Vorsatzes (außer bei den explizit genannten Fahrlässigkeitsdelikten, beispielsweise §§ 222, 229, 306d StGB). Ist kein bestimmter Grad des Vorsatzes gefordert (z. B. „absichtlich“) genügt immer die schwächste Vorsatzform des dolus eventualis (bedingter Vorsatz).

Der Vorsatz ist nach dem Umkehrschluss aus § 16 Abs. 1 StGB (vgl. Tatumstandsirrtum) die Kenntnis sämtlicher Tatumstände, die zum gesetzlichen Tatbestand gehören, also der Tatbestandsmerkmale. Der überwiegenden Ansicht nach genügt die bloße Kenntnis der Tatbestandsmerkmale jedoch nicht, da zum einen grammatikalisch der Wille in der Begriffsbedeutung des Wortes „Vorsatz“ mitschwingt und zum anderen stets ein Wille vorhanden sein muss, wenn jemand eine Tat in Kenntnis der Tatbestandsmerkmale begeht.[12] Aus diesem Grund lautet die Kurzformel für die Beschreibung des Vorsatzes: Wissen und Wollen der Tatbestandsverwirklichung.[2] Diese Kurzformel wird in der rechtswissenschaftlichen Literatur jedoch ob ihrer Kürze und Ungenauigkeit kritisiert. Schon das Reichsgericht definierte: „Vorsatz bedeutet Wissen und Wollen sämtlicher Tatbestandsmerkmale.“[13] Als genauere Definition wird daher der „Wille zur Verwirklichung eines Straftatbestandes in Kenntnis aller seiner Tatumstände“[14], d. h. objektiven Tatbestandsmerkmale, vorgeschlagen.[15] Auch diese etwas längere Formel wird in der Literatur lediglich als „erste Annäherung“ angesehen.[16] Zudem wird an der Kurzformel kritisiert, dass nach der Wissenstheorie gerade kein Wille mehr erforderlich sei.[17]

Der Vorsatz muss die wesentlichen Elemente des eingetretenen Kausalverlaufs umfassen, zumindest in bedingter Form (atypischer Kausalverlauf, objektive Zurechnung).

Keine Bezugspunkte des Vorsatzes im Strafrecht sind objektive Strafbarkeitsbedingungen sowie im Allgemeinen die Rechtswidrigkeit.[18]

Ordnungswidrigkeitenrecht

Ähnlich wie im Strafrecht ist gemäß § 10 Ordnungswidrigkeitengesetz grundsätzlich nur vorsätzliches Handeln sanktionsbewehrt, es sei denn, dass auch fahrlässiges Handeln ausdrücklich mit Geldbuße bedroht ist. Knüpft eine Ordnungswidrigkeit an fahrlässigen Handeln an und die Tat wird vorsätzlich begangen, sieht § 3 der Bußgeldkatalogverordnung vor, dass das Regelbußgeld zu verdoppeln ist.

Siehe auch

Literatur

  • Frank Bleckmann: Strafrechtsdogmatik – wissenschaftstheoretisch, soziologisch, historisch: das Beispiel des strafrechtlichen Vorsatzes, Freiburg im Breisgau: Ed. Iuscrim, Max-Planck-Inst. für Ausländisches und Internat. Strafrecht, 2002, ISBN 3-86113-049-1.
  • Theodor Geßler: Ueber den Begriff und die Arten des Dolus. Laupp, Tübingen 1860 (Digitalisat)
  • Walter Kargl: Der strafrechtliche Vorsatz auf der Basis der kognitiven Handlungstheorie, Frankfurt am Main, Lang 1993, ISBN 3-631-45818-5.
  • Claus Roxin: Strafrecht. Allgemeiner Teil. (Band 1). 3. Auflage. Beck Verlag, München 1997, ISBN 3-406-42507-0, S. 363–403.
  • Zeitschrift für Schadensrecht: Der Vorsatzvorwurf bei Geschwindigkeitsordnungswidrigkeiten in der amtsgerichtlichen Rechtsprechungspraxis, zfs 06/2023, S. 303–313
Wikiquote: Vorsatz – Zitate
  • Übersicht Die juristische Abgrenzung von Vorsatz und Fahrlässigkeit
  • Gunnar Duttge: Ein neuer Vorsatzbegriff? Besprechung zu BGH, Urteil v. 08. September 2011 (1 StR 38/11) = BGH HRRS 2011 Nr. 1139. In: Onlinezeitschrift für Höchstrichterliche Rechtsprechung zum Strafrecht (HRRS).S. 359.

Einzelnachweise

  1. Vergleiche die Einträge Vorsatz und vorsätzlich im Online-Duden; besonders jeweils die Abschnitte über die Wortbedeutung und die Synonyme. Abgerufen am 16. Januar 2018.
  2. Jörg Eisele, Bernd Heinrich: Strafrecht Allgemeiner Teil für Studienanfänger. 2. Auflage. Kohlhammer, Stuttgart 2020, ISBN 978-3-17-038966-3, Kapitel 6: Subjektiver Tatbestand III. Der Begriff des Vorsatzes.
  3. Bundesgerichtshof, NStZ-Rechtsprechungsreport. Jahr 2013, 2013, S. 91.
  4. BGH, Urteil vom 18. Oktober 2007, Az. 3 StR 226/07, Volltext, Rn. 11.
  5. Detlev Sternberg-Lieben: In Schönke/Schröder Kommentar zum deutschen Strafgesetzbuch, 27. Aufl., München 2006, § 15 Rn. 75.
  6. Jauernig BGB, 17. Aufl. 2018, § 276 Rn. 15; MüKo BGB, 8. Aufl. 2019, § 276 Rn. 154
  7. Christian Förster: BGB § 823 Schadensersatzpflicht. In: Wolfgang Hau, Roman Poseck (Hrsg.): BeckOK BGB, 66. Edition, Stand: 1. Mai 2023. C.H.BECK, München, Rn. 285 (Beck-Online).
  8. BGH, Urteil vom 26. Februar 1962, Az. II ZR 22/61.
  9. Wolfgang Fikentscher: Schuldrecht. 7. Auflage. De Gruyter, 2019, ISBN 978-3-11-134499-7, § 53 IV 1 c cc, S. 323 f.
  10. OLG Hamm, Urteil vom 6. November 1996 (Memento des Originals vom 3. Dezember 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., Az. 20 U 28/96, Ohrfeigen für Partygast, Kurzinformation.
  11. OLG Koblenz, Urteil vom 6. Juli 2007, Az. 10 U 1748/06.
  12. Kristian Kühl: Strafrecht, Allgemeiner Teil, München, Verlag Franz Vahlen, 8. Aufl. 2017, § 5 Rn. 11 f.
  13. RG, Urteil vom 4. Dezember 1917, Az. IV 622/17 = RGSt 51, 305.
  14. BGH, Urteil vom 5. Mai 1964, Az. 1 StR 26/64 = BGHSt 19, 295.
  15. Vergleiche Onlinekommentar zum StGB, A. Begriff und Definition des Vorsatzes.
  16. Detlev Sternberg-Lieben, Irene Sternberg-Lieben: Vorsatz im Strafrecht. In: Juristische Schulung. 2012, S. 884.
  17. Joachim Vogel †, Jens Bülte: Vorbemerkungen zu den §§ 15 ff. In: Gabriele Cirener, Henning Radtke, Ruth Rissing-van Saan, Thomas Rönnau, Wilhelm Schluckebier (Hrsg.): Strafgesetzbuch : Leipziger Kommentar. 13. Auflage. Band 1. De Gruyter, Berlin / Boston 2020, ISBN 978-3-11-030025-3, Rn. 56.
  18. Detlev Sternberg-Lieben, Irene Sternberg-Lieben: Vorsatz im Strafrecht. In: Juristische Schulung. 2012, S. 884 (887).