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„Reflexionsbegriff“ – Versionsunterschied

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<p>Für [https://de.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Kant Immanuel Kant] und seine [https://de.wikipedia.org/wiki/Transzendentalphilosophie Transzendentalphilosophie] war die Reflexion wesentliches Mittel der [https://de.wikipedia.org/wiki/Erkenntnis Erkenntnis], indem er die Rolle der damit verbundenen [https://de.wikipedia.org/wiki/Begriff Begriffe] und ihrer notwendigen Unterscheidung betonte, vgl. → [https://de.wikipedia.org/wiki/Grundrelation Grundrelation], [https://de.wikipedia.org/wiki/Kritizismus Kritizismus]. Indem er diese Tätigkeiten auf das eigene Ich des Denkenden zurückführte, benannte er sie auch mit eigenen ›Reflexionsbegriffen‹, nämlich der Einerleiheit und Verschiedenheit, der Einstimmung und des Widerstreits, des Inneren und des Äußeren, der Materie und der Form ([https://de.wikipedia.org/wiki/KrV KrV] B 316 ff.). Hierbei ist auch auf die [https://de.wikipedia.org/wiki/Transzendentale_Analytik#Anhang:_Amphibolie_der_Reflexionsbegriffe Amphibolie] der Reflexionsbegriffe hinzuweisen (KrV B 326).</p><p>Der Gedanke, dass die Reflexion einen Verlust der Unmittelbarkeit bedeute, findet sich erstmals bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Fran%C3%A7ois_F%C3%A9nelon François Fénelon] und wurde vor allem von [https://de.wikipedia.org/wiki/Jean-Jacques_Rousseau Jean-Jacques Rousseau] propagiert: „Der Zustand der Reflexion ist gegen die Natur.“<sup id="cite_ref-8" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Reflexion_(Philosophie)?wprov=srpw1_0#cite_note-8 [8]]</sup> Eine bekannt gewordene literarische Verarbeitung dieses Themas ist [https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_von_Kleist Heinrich von Kleists] ''[https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cber_das_Marionettentheater Über das Marionettentheater]'', wo es heißt:</p>
[[Reflexion]]{{-s-}}[[Begriff]] {{lat.-dt.}} 'conceptus comparationis',[[Vergleichungsbegriff]]
:„Wir sehen, daß in dem Maße, als in der organischen Welt die Reflexion dunkler und schwächer wird, die Grazie immer strahlender und herrschender hervortritt.“
 
<p>[https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Gottfried_Herder Johann Gottfried Herder] verwies darauf, dass die Reflexion auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Sprache Sprache] angewiesen ist: nur sie erlaube es, in einem „Ocean von Empfindungen“ einzelne Momente festzuhalten, an denen der Verstand sich reflektieren könne.<sup id="cite_ref-9" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Reflexion_(Philosophie)?wprov=srpw1_0#cite_note-9 [9]]</sup> Da die Menschen dabei auf bereits früher Erreichtes zurückgriffen, das sie erweiterten und verbesserten, stellt sich für Herder die Geistesgeschichte schließlich als ein „überindividueller Reflexionszusammenhang“ (L. Zahn) dar.<sup id="cite_ref-10" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Reflexion_(Philosophie)?wprov=srpw1_0#cite_note-10 [10]]</sup></p>
Erstens werden als Reflexionsbegriffe jene Begriffe bezeichnet, die die auf Allgemeinbegriffe führende generalisierende Abstraktion anleiten. In diesem Sinne spricht Kant von logischen Reflexionsbegriffen oder „[[Vergleichungsbegriffe|Vergleichungsbegriffen]]“.
 
Reflexionsbegriffe (Vergleichungsbegriffe). Unter dem Titel ‹R.› faßt I. Kant vier Paare korrelativer Begriffe (‹[[Einerleiheit]]› und ‹[[Verschiedenheit]]›, ‹[[Einstimmung]]› und ‹[[Widerstreit]]›, ‹[[Inneres]]› und ‹[[Äußeres]]›, ‹[[Materie]]› und ‹[[Form]]›) zusammen, die ihm als die allgemeinsten und grundsätzlich verbindlichen Gesichtspunkte der [[Reflexion (Philosophie)|Reflexion]], d.h. – in einem in der vorkantischen Fachsprache schon vorgeprägten Sinn dieses Wortes [1] – der vergleichenden Betrachtung, der Beziehungs- und Kontrastbestimmung von Vorstellungsinhalten gelten [2]. Die R. weisen zwar auf dieselbe Gesetzlichkeit und Gesetzgebung des Verstandes zurück, die auch in den Kategorien sich bekundet; von diesen sind sie gleichwohl insofern sorgfältig zu unterscheiden, als sie keine konstitutive Funktion für die Erkenntnis, d.h. für den Objekt- und Objektivitätscharakter der in ihr sich darstellenden Objekte haben. Sie sind nicht «Begriffe der Verknüpfung und dadurch des Objects selbst», sondern Begriffe «der bloßen Vergleichung schon gegebener Begriffe» [3].
 
Das Thema der R. erörtert Kant in der KrV vornehmlich in Rücksicht auf die Gefahr ihrer transzendentalen Amphibolie: Die Amphibolie, d.h. die Mißdeutung der R. ist ein exemplarischer Fall von «Verwechselung des reinen Verstandesobjects mit der Erscheinung» [4] und von ontologischem Mißbrauch logischer Gesichtspunkte. Sie läßt außer Betracht, daß der Sinn und Anwendungsbereich der R. durch den Bezug der Erkenntnis auf Anschauung, auf raumzeitlich Gegebenes festgelegt ist, daß z.B. Einerleiheit und Verschiedenheit von Gegenständen nicht allein in Hinsicht auf ihren begrifflichen Inhalt, sondern nur in zusätzlicher Rücksicht auf ihre raumzeitliche Position ausgesagt werden dürfen. Vor der transzendentalen Amphibolie – sie steht im Zentrum der Kantschen Leibniz-Kritik – bewahrt die transzendentale Reflexion, als deren systematisches Resultat Kant die transzendentale Topik postuliert. In freilich sehr lockerer Analogie zur Amphibolie der R. in der theoretischen Philosophie wird in der ‹Metaphysik der Sitten› eine «Amphibolie der moralischen R.» konzipiert, die darin besteht, daß «das, was Pflicht des Menschen gegen sich selbst ist, für Pflicht gegen Andere» gehalten wird [5].

Version vom 29. August 2024, 16:08 Uhr

Reflexion‎-s-Begriff Vorlage:lat.-dt. 'conceptus comparationis',Vergleichungsbegriff

Erstens werden als Reflexionsbegriffe jene Begriffe bezeichnet, die die auf Allgemeinbegriffe führende generalisierende Abstraktion anleiten. In diesem Sinne spricht Kant von logischen Reflexionsbegriffen oder „Vergleichungsbegriffen“.

Reflexionsbegriffe (Vergleichungsbegriffe). Unter dem Titel ‹R.› faßt I. Kant vier Paare korrelativer Begriffe (‹Einerleiheit› und ‹Verschiedenheit›, ‹Einstimmung› und ‹Widerstreit›, ‹Inneres› und ‹Äußeres›, ‹Materie› und ‹Form›) zusammen, die ihm als die allgemeinsten und grundsätzlich verbindlichen Gesichtspunkte der Reflexion, d.h. – in einem in der vorkantischen Fachsprache schon vorgeprägten Sinn dieses Wortes [1] – der vergleichenden Betrachtung, der Beziehungs- und Kontrastbestimmung von Vorstellungsinhalten gelten [2]. Die R. weisen zwar auf dieselbe Gesetzlichkeit und Gesetzgebung des Verstandes zurück, die auch in den Kategorien sich bekundet; von diesen sind sie gleichwohl insofern sorgfältig zu unterscheiden, als sie keine konstitutive Funktion für die Erkenntnis, d.h. für den Objekt- und Objektivitätscharakter der in ihr sich darstellenden Objekte haben. Sie sind nicht «Begriffe der Verknüpfung und dadurch des Objects selbst», sondern Begriffe «der bloßen Vergleichung schon gegebener Begriffe» [3].

Das Thema der R. erörtert Kant in der KrV vornehmlich in Rücksicht auf die Gefahr ihrer transzendentalen Amphibolie: Die Amphibolie, d.h. die Mißdeutung der R. ist ein exemplarischer Fall von «Verwechselung des reinen Verstandesobjects mit der Erscheinung» [4] und von ontologischem Mißbrauch logischer Gesichtspunkte. Sie läßt außer Betracht, daß der Sinn und Anwendungsbereich der R. durch den Bezug der Erkenntnis auf Anschauung, auf raumzeitlich Gegebenes festgelegt ist, daß z.B. Einerleiheit und Verschiedenheit von Gegenständen nicht allein in Hinsicht auf ihren begrifflichen Inhalt, sondern nur in zusätzlicher Rücksicht auf ihre raumzeitliche Position ausgesagt werden dürfen. Vor der transzendentalen Amphibolie – sie steht im Zentrum der Kantschen Leibniz-Kritik – bewahrt die transzendentale Reflexion, als deren systematisches Resultat Kant die transzendentale Topik postuliert. In freilich sehr lockerer Analogie zur Amphibolie der R. in der theoretischen Philosophie wird in der ‹Metaphysik der Sitten› eine «Amphibolie der moralischen R.» konzipiert, die darin besteht, daß «das, was Pflicht des Menschen gegen sich selbst ist, für Pflicht gegen Andere» gehalten wird [5].