„biegen“ – Versionsunterschied
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Version vom 17. April 2025, 15:06 Uhr
- biegen Vb.
- ‘in eine von der Geraden abweichende Form bringen, krumm machen’
- (reflexiv) ‘sich krümmen, sich beugen’,
- intransitive Verwendung heute nur im Sinne von ‘bogenförmig die Richtung ändern, einen Bogen machen’,
- stets mit einer durch Präposition angeschlossenen Ortsangabe (z. B. um die Ecke, in eine Nebenstraße biegen).
- —Wrtwndl
- Ahd. biogan (8. Jh.),
- mhd. biegen ‘biegen, beugen, krümmen’
- (und nicht gesichertes asächs. biogan)
- entspricht got. biugan ‘beugen’.
- In den übrigen westgerm. Sprachen weist das starke Verb ablautende Präsensformen (mit Dehnung der Tiefstufe) auf, vgl.
- asächs. būgan ‘sich beugen’,
- mnd. būgen ‘beugen, verbiegen, sich biegen, ausweichen’,
- mnl. būghen ‘beugen, wenden, unterwerfen, sich beugen, geneigt sein’,
- nl. buigen ‘biegen, beugen, sich biegen, sich beugen’,
- aengl. būgan ‘sich beugen, sich unterwerfen, sich wenden, nachgeben, zurückweichen, fliehen’
- (woraus engl. to bow ‘beugen, krümmen, sich beugen, sich verneigen’ mit schwacher Flexion).
- Für das Anord. kann nach den belegten Präteritalformen bugu ‘sie bogen’, boginn ‘gebogen’ ein Infinitiv *bjūga oder *būga angesetzt werden
- (vgl. aber schwach flektierendes schwed. buga sig ‘sich verbeugen’, vielleicht unter mnd. Einfluß).
- Germ. *beug-, *būg- setzt uig. *bheugh- voraus, während außerhalb des Germ.
- aind. bhujáti ‘biegt, krümmt sich’ (Part. Perf. bhugna- ‘gebogen, krumm’) und wohl auch
- air. fidbocc ‘hölzerner Bogen’
- auf uig. *bheug- zurückführen, das gleichfalls für semantisch entferntere Bildungen wie
- griech. phé͞ugein (φεύγειν),
- lat. fugere ‘fliehen’ und wohl auch für
- lit. bū́gti ‘erschrecken’ gilt.
- Wahrscheinlich muß von einer Wurzel uig. *bheug(h)- ‘biegen’ ausgegangen
- und eine spätere Bedeutungsentwicklung zu ‘zurückweichen, fliehen’ vermutet werden
- (vgl. auch ‘ausweichen’ im Mnd. und ‘zurückweichen, fliehen’ im Aengl.).
- Das ursprünglich intransitive germ. Verb, von dem das unter beugen (s. d.) dargestellte Kausativum abgeleitet ist,
- wird im Hd. (im Unterschied zu den meisten anderen germ. Sprachen, s. oben) seit Beginn der Überlieferung vorwiegend transitiv gebraucht;
- biegen stimmt daher in seinen Verwendungen oft mit beugen überein.
- Im älteren Nhd. konkurriert es mit diesem auch als grammatischer Terminus (biegen ‘flektieren’ vom 15. bis ins 18. Jh.).
- Zur Wortgruppe von biegen gehören ferner Bogen, Bucht, Bügel, bücken (s. d.).
- wird im Hd. (im Unterschied zu den meisten anderen germ. Sprachen, s. oben) seit Beginn der Überlieferung vorwiegend transitiv gebraucht;