schier
schier1 | schie -r | Ustw. ‘beinahe, fast’, ahd. skiero ‘schnell, sofort’ (8. Jh.), mhd. schiere, schier ‘in kurzer Zeit, sogleich, schnell, bald’, mnd. schēre, schēr, mnl. sciere, scier, nl. schier sind wie das zugehörige (heute untergegangene) Egsw. ahd. skieri ‘scharfsinnig, schnell im Unterscheiden’ (8. Jh.), mhd. schier ‘schnell, in kurzer Zeit erfolgend’ als Bildungen mit r-Endsilbe an die unter scheiden angeführte Wortwurzel uig. *skē̌i-‘schneiden, trennen, scheiden, unterscheiden’ anzuschließen.
Von ‘scharfsinnig im Unterscheiden’ führt die Bedeutung zu ‘schnell’ und ‘bald’ und geht von dort aus, zumal über Verbindungen mit Zeitangaben wie schier eine halbe stund, in ‘beinahe, fast’ über (15. Jh.).
schier2 Egsw. ‘unvermischt, rein’. asächs. skīri, skīr ‘lauter, rein’, mnd. schīr ‘licht, hell, klar, durchsichtig’, mhd. (md.) schīr ‘lauter, rein, glänzend’, mnl. scier, nl. schier ‘weiß, grau’, aengl. scīr, engl. (mundartlich) shire ‘durchsichtig, hell, rein’, anord. skīrr ‘rein, klar, unschuldig, deutlich’, schwed. skir, got. skeirs ‘klar, deutlich’ stellen sich als Bildungen mit r-Endsilbe (ger. *skeira-) zu der unter scheinen angeführten Wortwurzel uig. *sk̑āi-, *sk̑ī- ‘gedämpft schimmern’ (wozu auch Schemen und schimmern).
Das im Niederhochdeutsch beibehaltene ī weist auf Übernahme des Egsw. aus dem Niederdeutsch.
Der heutige Gebrauch beschränkt sich auf wenige Verwendungsweisen wie schieres Fleisch ‘reines Fleisch ohne Knochen’, schieres (‘unvermischtes, reines, lauteres’) Gold.