stimmen
‘zusammenpassen, richtig sein, übereinstimmen’, mhd. stimmen ‘eine Stimme hören lassen, rufen, mit einer Stimme versehen, erfüllen, anstimmen, nennen, festsetzen, abschätzen’ und ahd. gistimnen ‘zusammen-, anstimmen’ (8. Jh.); in der Musik ‘die Höhe der einzelnen Töne kontrollieren’ (16. Jh.), ‘seine Stimme, seine Wahl für jmdn., etw. abgeben’ (17. Jh.), ‘jmdn. in eine bestimmte Gemütslage versetzen’ (18. Jh.); Ww. uig. *stem- "Mund, Maul", "Stimme";
Mit der Stimme (ger. stemno, e Lautverschiebung zu i) oder etwas ein Dasein vorgeben, erwirken oder bewirken (ein Dasein danach bestimmen); den Ton angeben; ‘zusammenpassen, richtig sein, übereinstimmen’;
Stimmen eines Seiteninstrument bspw. Gitarre besteht darin, dass man eine erste Saite soweit gedehnt wird, dass die anderen Saiten nach dieser so entstandenen Stimme ausgerichtet werden; ‘eine Stimme hören lassen, rufen, mit einer Stimme versehen, erfüllen, anstimmen, nennen, festsetzen, abschätzen’; im übertragenen Sinn ist dies bei Begriffen wie Gemütslage auch tatsächlich im Dasein so seiend, dass Stimme, Schwingung, Gemüt … sich begrifflich ergänzen (21 Jh. ndt.)
stimme,stimmst,stimmt,stimmte,gestimmt
stimmen[1]
Wahr ists, daß alles Ding nicht allen Menschen stimmt,
Daß Hochmuth dieß für das, und das für jenes nimmt.
(2) Von Stimme, Meinung, Urtheil unter mehrern, ist stimmen, diese Meinung von sich geben. Für eine Sache, wider dieselbe stimmen. Über etwas stimmen, die Stimmen darüber geben. Wir haben noch nicht gestimmt. Siehe auch Beystimmen.
2. Als ein Activum, wird ein musikalisches Instrument gestimmt, wenn man demselben oder den einzelnen Theilen desselben die verhältnißmäßige Höhe oder Tiefe des Tones gibt. Ein Clavier, eine Violine, eine Orgel stimmen. Ein Instrument um Einen Ton höher stimmen. Ingleichen figürlich. Harmonische Empfindungen gleich gestimmter Seelen, Dusch. Seinen Verstand stets nach der Anleitung anderer stimmen, heißt sein Eigenthum verlassen, um betteln zu können, Gell. Wir bewunderten die treffliche Anlage dieses Mädchens; sie stimmte sich mit ungemeiner Richtigkeit auf jeden Ton, Herm. Er ist immer auf den prahlhaften Ton gestimmt. Jemanden stimmen, ihm unter der Hand eingeben, angeben, wie er urtheilen und handeln soll. Er ist schon gestimmt, er hat schon geheime Anweisung erhalten. Wo es aber auch eine Figur der folgenden Bedeutung seyn kann.
II. Mit dem herrschenden Nebenbegriffe sowohl der Spitze als auch der Festigkeit und Dauer, ist es als ein Activum nur noch in verschiedenen figürlichen Bedeutungen in dem zusammen gesetzten bestimmen üblich, welches sowohl bedeutet, die Merkmale einer Sache genau angeben, als auch, fest setzen, entschließen u.s.f. Ehedem war das einfache stimmen in eben diesem Verstande gangbar. Stimme mir, wenn ich für dich bitten soll, 2 Mos. 8, 9. Und stimmeten einen Tag, da die beyde zu Hause kommen sollten, 2 Macc. 14, 21. Alles für bestimmen.
So auch die Stimmung.
Anm.
- In der ersten Hauptbedeutung ist es ohne Zweifel eine Onomatopöie der Stimme selbst,
- der Form nach aber ein Intensivum von einem veralteten stimen,
- wohin auch das Lat. aestimare,
- und ohne Zischlaut das alte Gothische domjan, urtheilen, richten, u.s.f.
- zu gehören scheinen.
- Die zweyte Hauptbedeutung
- ist wohl keine Figur der ersten,
- sondern eine eigene,
- ob gleich am Ende gleichfalls verwandte Bedeutung.
- Die meisten Wörter,
- welche ursprünglich einen Laut bezeichnen,
- bedeuten nach sehr gewöhnlichen Figuren
- auch verschiedene Arten der Bewegungen, Richtungen und Körpermassen,
- die mit solchem Laute verbunden sind.
- Stim bedeutet[4] daher
- in Stimulus, und ohne Zischlaut in Temo,
- ein in die Länge ausgedehntes Ding,
- in Stamm,
- desgleichen mit dem Begriffe der Festigkeit, der Masse u.s.f.
- Stimmen in Bestimmen,
- die Merkmale eines Dinges anzeigen,
- scheinet eigentlich eine Figur des Stechens,
- in der Bedeutung des Festsetzens
- aber, ein Bild von Stamm zu seyn.
- scheinet eigentlich eine Figur des Stechens,
- Auf eben dieselbe Art
- die Merkmale eines Dinges anzeigen,
- in Stimulus, und ohne Zischlaut in Temo,
- ↑ Quelle: Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 4. Leipzig 1801, S. 382-384. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20000455601; Lizenz: Gemeinfrei; Faksimiles: 382 | 383 | 384; Kategorien: Lexikalischer Artikel
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