Tertullian
Quintus Septimius Florens Tertullianus oder kurz Tertullian (* nach 150 in Karthago (heute in Tunesien); † nach 220) war ein antiker, früher christlicher und der erste lateinische Kirchenschriftsteller. In seinen Schriften verteidigte er das christliche Glaubenssystem gegenüber heidnischen Angriffen und ketzerischen Lehren. Er prägte wichtige Begriffe und Konzepte, die später in der christlichen Theologie von großer Bedeutung werden sollten. Er verwendete beispielsweise erstmals den Begriff Trinität, um das Konzept der Dreieinigkeit Gottes auszudrücken und setzte entscheidende Impulse bei der Erklärung des Verhältnisses von menschlicher und göttlicher Natur in Christus. Da er sich dem später als häretisch verurteilten Montanismus zuwandte, gilt er heute weder in der Westkirche noch in der Ostkirche als Heiliger.
Durch seinen scharfen, glänzenden Stil – und die Tatsache, dass er der erste Kirchenschriftsteller war, der auf Lateinisch schrieb – gilt Tertullian als Vater des Kirchenlatein. Er ist der Erste im christlichen Kontext, bei dem die Begriffe trinitas für griechisch τριάς trias („Dreifaltigkeit“ Gottes) oder damnatio für ἀνάϑεμα anathema („Verdammung, Verurteilung“) historisch greifbar werden.
Tertullians theologische Begriffe und Formeln sind in späteren Auseinandersetzungen von Bedeutung, nicht zuletzt, wenn es um Gott selbst ging: So nannte er Vater, Sohn und Heiligen Geist „drei Personen“ (tres personae), die aber eine Einheit Gottes (una substantia) bilden. Jesus Christus sei wahrer Mensch und zugleich Gott. Demnach sei zwischen menschlichen und göttlichen Eigenschaften Christi zu unterscheiden: Sie seien zwar in der Person des Sohnes vereint, aber nicht vermischt.
Tertullian vertrat auch die Auffassung, dass die Ungläubigen in einer Hölle bei vollem Bewusstsein endlos bestraft werden. In seiner Abhandlung Über die Auferstehung des Fleisches kritisiert Tertullian die Christen, die den in Mt 10,28 EU benutzten Ausdruck „Zerstörung“ so interpretieren, dass damit die endgültige Annihilation oder Vernichtung gemeint sei oder ein zeitlich begrenzter Tod und nicht eine ewige Strafe. Gegenüber dieser Auffassung betont Tertullian, dass das Feuer der Hölle ewig und ausdrücklich als eine ewig andauernde Strafe angekündigt sei. Als solche stelle die Strafe ein „nie endendes Töten“ dar – ein Töten, dessen Wirkungen furchterregender seien als die eines nur von Menschen begangenen Mordes, womit er weit über die Aussagen der Bibel hinausging. In seiner Apologie schrieb Tertullian, dass „diejenigen, die Gott anbeten, für immer bei Gott sein werden […], aber die Gotteslästerer und diejenigen, die sich Gott nicht von ganzem Herzen hingegeben haben, werden in gleicher Weise für immer im Feuer der Strafe sein“. Damit stellte er sich scharf gegen die Allerlösung, die sein Zeitgenosse Origenes vertrat.
So beeinflusste Tertullian nachhaltig einige Kirchenväter, vor allem Cyprian von Karthago und Augustinus von Hippo, die ebenfalls im Gebiet des heutigen Tunesien und Algerien wirkten, und somit die gesamte westliche Kirche. In dem theologischen Lehrschreiben des Papstes Leo der Große an das Konzil von Chalcedon, dem so genannten Tomus ad Flavianum, tauchen ähnliche Begriffe auf.
In seinem Bibelgebrauch zeigt Tertullian deutliche Präferenzen, etwa für Jesaja und mehrere Paulusbriefe. Das Evangelium nach Lukasverwendet er intensiver als das Evangelium nach Johannes, obwohl er in der Auseinandersetzung mit Marcion das von diesem allein anerkannte Evangelium nach Lukas als nicht von einem Augenzeugen geschrieben abwertet. An den Rändern der Bibel werden manche später anerkannte Bücher bei Tertullian kaum verwendet: Im Alten Testament verwendet er von den deuterokanonischen Büchern nur die Weisheit Salomo sowie die Zusätze zu Daniel.