Werk:TDPC/3.2
▷Cardinalis:
Id, quod video sensibiliter, scio ex se non esse.
Ich weiß, dass das, was ich sinnlich sehe, nicht aus sich selbst ist.
Sicut enim sensus nihil a se discernit, sed habet discretionem a superiori virtute, sic et sensibile a se non est, sed est ab altiore virtute.
Denn so wie die Sinne nichts von sich selbst unterscheiden, sondern Urteilsvermögen höherer Tugend haben, so ist das Sinnliche nicht von sich selbst, sondern von einer erhabenen Macht.
Ideo apostolus dicebat «a creatura mundi»[1], ut a visibili mundo tamquam creatura ad creatorem elevemur.
Quando igitur videndo sensibile intelligo ipsum a quadam altiori virtute esse, cum sit finitum, quod a se esse nequit – quomodo enim finitum sibi ipsi terminum posuisset? –, tunc virtutem, a qua est, non possum nisi invisibilem et aeternam conspicere.
Virtus enim creativa non potest intelligi nisi aeterna.
Nam quomodo esset ab alia virtute, nisi foret creata?
Sempiterna igitur est virtus, per quam mundi exstat creatura, ideo invisibilis. «Quae enim videntur, temporalia sunt.» [2]
Et haec est ipsa omni creaturae invisibilis divinitas.
Deshalb sagte der Apostel „aus dem Geschöpf der Welt“, damit wir als Geschöpf aus der sichtbaren Welt zum Schöpfer erhoben werden.
Wenn ich also durch vernünftiges Sehen verstehe, dass es von einer bestimmten höheren Macht stammt, da es endlich ist, was es nicht von sich selbst sein kann – denn wie könnte das Endliche sich selbst eine Grenze setzen? - dann kann ich nur die Kraft erblicken, aus der es unsichtbar und ewig ist.
Denn schöpferische Kraft kann nur als ewig verstanden werden.
Denn wie könnte es von einer anderen Macht sein, wenn es nicht erschaffen worden wäre?
Es ist daher eine ewige Kraft, durch die das Geschöpf der Welt existiert und daher unsichtbar ist. „Denn das Gesehene ist zeitlich.“
Und das ist die Göttlichkeit, die für jedes Geschöpf unsichtbar ist.
Kardinal:
Von dem, was ich sinnlich sehe, weiß ich, daß es nicht aus sich ist.
Wie der Sinn nichts von sich aus unterscheidet, vielmehr diese Unterscheidung von einer höheren Kraft hat, so ist auch das Sinnliche nicht von sich, sondern von einer höheren Kraft.
Deshalb erklärte der Apostel, daß wir von der Weltschöpfung als der sichtbaren Welt ausgehend gleichsam als Geschöpf zum Schöpfer verwiesen werden. Wenn ich also beim Sehen des Sinnlichen einsehe, daß es von einer höheren Kraft stammt, da es etwas Begrenztes ist, das nicht von sich selbst sein kann – denn wie hätte das Begrenzte sich selbst die Grenze setzen können? –, dann vermag ich die Kraft, aus der es stammt, nicht anders denn als eine unsichtbare und ewige zu erblicken. Die Schöpferkraft können wir nämlich nur als eine ewige erkennen. Denn wie sollte sie von einer anderen Kraft sein, ohne geschaffen zu sein? Die Kraft, durch welche die Weltschöpfung besteht, ist also immerwährend und unsichtbar; denn was wir sehen, ist zeitlich. Sie ist die alles schaffende unsichtbare Gottheit.
- ↑ Röm 1, 20. Seit Erschaffung der Welt wird seine unsichtbare Wirklichkeit an den Werken der Schöpfung mit der Vernunft wahrgenommen, seine ewige Macht und Gottheit. Daher sind sie unentschuldbar.
- ↑ 2 Cor. 4,18. "da wir nicht auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare blicken. Denn das Sichtbare ist vorläufig, das Unsichtbare aber ewig."