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Seele

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Seel + -e | Seelen

Seelenteile (Psychologie): In seiner Seelenlehre (z. B. in der Platons Definition der Gerechtigkeit in der Politeia) unterteilt Platon die Seele in drei Teile: das Logistikon (Vernunft), das Thymoeides (Wille/Mut) und das Epithymetikon (Begierde)


das einen Organismus belebende, nutzende; das den Stoffwechsel, die Atmung und so weiter steuernde, um Angleichung zu erwirken, während der Orgnaismus diese reguliert um Angleichung zu bewirken (ndt.)

‘Gesamtbereich der menschlichen Empfindungen und des Erlebnisvermögens’, in religiösem Sinne ‘der für unsterblich gehaltene spirituelle Teil des Menschen’; Die Seele wird als der innere, der empfindende Teil des Menschen angesehen;

Vergleich jemandem. auf der Seele liegen ‘ihn belasten, bedrücken’, auf der Seele haben (18. Jh.), auf die Seele fallen, auf der Seele brennen (19. Jh.); etwas (eine Last) von der Seele wälzen (18. Jh.); jemandem. aus der Seele sprechen ‘die Überzeugung, die Empfindungen eines anderen ausdrücken’ (19. Jh.).

Die Fügung schöne Seele, seit den Mystikern des 14. Jhs. (mhd. diu sēle schœne) bis ins 17. Jh. dem religiösen Bereich angehörend, wird unter dem Einfluß Wielands (1750), der „Nouvelle Héloïse“ Rousseaus (frz. belle âme) und der engl. Romanliteratur im Sinne von ‘empfindsames, tugendhaftes Gemüt’ Ausdruck einer Harmonie von innerer Haltung und äußerer Erscheinung.

Häufig mit charakterisierendem Attribut für ‘Mensch’ schlechthin, vgl. eine gute Seele ‘ein guter Mensch’, fromme, ehrliche, arme, schwarze Seele (sämtlich 18. Jh.); auch keine Seele ‘niemand’ (17. Jh.), 200 Seelen (18. Jh.); eine Seele von Mann, 'von Mensch u. ä. (18. Jh.).

Die alte Vorstellung, daß sich die Seele im Hauch, im Atem manifestiere, liegt Ausdrücken für ‘sterben’ zugrunde: seine Seele ausblasen (17. Jh.),mhd. die sēle gēt ūʒ dem munde. (…)

Aus dem mhd. sēle, aus dem ahd. sēula, sēla, aus dem Urwestgermanischen *saiwalu, aus dem Urgermanischen *saiwalō. Verwandt mit ndt. Seel, nl. Ziel, engl. soul, dän. Sjæl.

1. Die Seele, plur. die -n, ein nur in einigen Fällen übliches Wort, welches daselbst in verschiedenen Bedeutungen vorkommt, wo es nichts weniger, als eine Figur des folgenden Wortes zu seyn scheinet.
1. An einem Feuergewehre wird der ganze innere hohle Raum, die hohle Röhre, die Seele desselben genannt, in welchem Verstande es sowohl von Kanonen, als von kleinem Gewehre üblich ist. Hier scheinet die Bedeutung des hohlen Raumes die herrschende zu seyn, so daß es als ein Verwandter von Sahl, aula, Schale, Zille, ein Kahn, Zelle u.s.f. betrachtet werden muß. S. Sahl.
2. Der lange, halb durchsichtige, welche innere Theil eines Federkieles heißt im gemeinen Leben dessen Seele, im mittlern Lateine ohne Zischlaut Ilum. Auf ähnliche Art wird in den Häringen die dünne lange silberfarbene Blase, welche durch den ganzen Rücken derselben gehet, deren Seele genannt. Bey den Tuchmachern heißt das dünne Eisen inwendig an dem Schützen, die Seele. In allen drey Fällen, entweder mit dem herrschenden Begriffe der Ausdehnung in die Länge in Verbindung mit der Dünnheit, als ein Verwandter von Zeile, Seil u.s.f. Oder auch in den beyden ersten Fällen, wegen der weißen Farbe und halb durchsichtigen Beschaffenheit, wie Sol, Silber, Salm u.s.f. S. Sahl.
3. Endlich ist Seele auch bey den Bildern die erste gröbere Form einer Figur, welche hernach mit Gyps überzogen und völlig ausgebildet wird; der Kern, im Franz. gleichfalls l'Ame. Vielleicht auch als eine Figur der ersten Bedeutung, etwas das im Innern, inwendig ist. S. Sahl.

Quelle: Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 4. Leipzig 1801, S. 11.
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2. Die Seele, plur. die -n, Diminutiv. welches doch nur im vertraulichen Scherze üblich ist, das Seelchen, ein sehr altes Wort, welches in verschiedenen Bedeutungen üblich ist.

1. Das Leben, und die Lebenskraft, eines lebendigen Dinges; eine der ersten und ältesten Bedeutungen. Merke, daß du das Blut nicht essest, denn das Blut ist die Seele, darum sollt du die Seele nicht mit dem Fleische essen, 5 Mos. 12, 23. Du soll dem Armen seinen Lohn nicht vorenthalten – – denn er erhält seine Seele damit, Kap. 24, 14. f. Kommt ihr aber ein Schade daraus, so soll er lassen Seele um Seele, 2 Mos. 21, 23. Und so in vielen andern Stellen mehr. Im Hochdeutschen ist es in dieser Bedeutung veraltet, außer daß einige Redensarten der folgenden Bedeutungen auch durch diese erkläret werden können; z.B. die Seele ist ihm ausgefahren. Beseelen und Entseelen leiden gleichfalls diese Erklärung.

2. Das Vermögen, die Kraft, zu empfinden und zu begehren. Die Seelen der Thiere. Besonders dieses Vermögen in dem Menschen, als ein mit Herz gleichbedeutendes Wort, da es denn eigentlich dem Geiste entgegen stehet. Der Mensch hat eine vernünftige Seele. Man sagt, jemand habe keine Seele, wenn sich dieses Vermögen nur schwach bey ihm äußert. Gottes Wort scheidet Seele und Geist, Ebr. 4, 12. Meine Seele ist betrübt, ist sehr erschrocken, freuet sich, u.s.f. in der Deutschen Bibel. Eine edle, eine schlechte, niederträchtige Seele haben. Das gehet mir durch die Seele, schmerzt mich in der Seele. Ich schäme mich in der Seele. Es thut ihr in die Seele weh. Ach, das Geld liegt mir nicht an die (der) Seele, Gell. Wie edel gesinnt ist ihre Seele! eben ders. Die Mine, mit der sie diese Nachricht aufnehmen wird, soll mir ihre ganze Seele aufklären. In der tiefsten Betrübniß meiner Seele. Welches Lob ist größer, blühende Wangen, oder eine schöne Seele? Dusch.

3. Das Wesen, welches in uns denkt, Verstand und Willen hat, ein mit einem organischen Körper verbundener Geist.[11]

(1) Eigentlich, sowohl in Verbindung mit seinem Körper. Die Seele des Menschen, die menschliche Seele. Die Seele ist ein Wesen, welches Verstand und Willen hat. Daher die im gemeinen Leben üblichen R.A. einem etwas auf seine Seele anbefehlen, anvertrauen u.s.f. auf das dringendste. Bey meiner Seele, eine in der niedrigen Sprechart übliche Art zu schwören. In jemandes Seele schwören, in seinem Nahmen, so daß seine Seele den Eid zu verantworten hat, und denn auch in weiterer Bedeutung: in jemandes Seele roth werden, an seiner Statt, in seinem Nahmen. Als auch vor der Vereinigung mit ihrem künftigen organischen Körper, und nach der Trennung von demselben. Die Seelen der Verstorbenen, der Gerechten, der Verdammten.

(2) Figürlich.

(a) Ein mit einer vernünftigen Seele begabtes Geschöpf, zunächst ein Mensch, in Ansehung seines Empfindungs- und Begehrungsvermögens. Er ist eine gute, eine feige, eine niederträchtige Seele. Deine Reitze werden auch die wildesten Seelen bändigen. Eine feile Seele. Lasterhafte Seelen die das größte, was die Menschheit besitzt, verunedlen. Eine volle Seele zertritt wohl Honigseim, aber einer hungrigen Seele ist alles Bittere süße, Sprichw. 27, 7. Aber auch in weiterer Bedeutung, für Mensch, Person, im weitesten Verstande. Abram zog mit allen Seelen, die er gezeuget hatte, in Haran, 1 Mos. 12, 5. Eine Stadt enthält zehntausend Seelen, wenn sie so viele lebendige Einwohner hat. Daher das Seelenregister, das Verzeichniß aller an einem Orte zugleich lebender Personen. Es ist keine lebendige Seele da, wo es auch wohl in noch weiterer Bedeutung ein jedes lebendiges Geschöpf bedeutet. Sie spricht von keiner lebendigen Seele Gutes. Sage es keiner Seele. Mit Vorsatz hat er noch keiner Seele gedienet. Indessen lässet sich das Wort Seele in dieser weitern Bedeutung nur in einigen Fällen für Mensch oder Person gebrauchen, welche allem Ansehen nach nur diese zwey sind, wenn man von den zugleich lebenden menschlichen Einwohnern eines Ortes redet, und dann, wenn man nach einer gewöhnlichen Figur statt Mensch ein beseeltes oder lebendiges Geschöpf setzt. In der engern Bedeutung eines Menschen in Ansehung seines Empfindungs- und Begehrungsvermögens ist es allgemeiner.

(b) Dasjenige, was einem Dinge Leben, regelmäßige Bewegung und Wirksamkeit ertheilet. Man sagt, jemand sey die Seele der Geschäfte, wenn ihre Behandlung vornehmlich von ihm abhängt. Die Liebe ist die Seele aller christlichen Tugenden. Die Demuth ist die Seele aller Tugenden, Gell. Die Seele der Ehe ist die Gleichheit der Gemüther, eben ders. In einer mehr eigentlichen Bedeutung verstanden die ältern Philosophen unter der Seele der Welt oder der Weltseele ein geistiges Vermögen der Materie, ihre Veränderungen selbst hervor zu bringen, welches sie auch die Natur nannten.

(c) In noch weiterm Verstande, der vornehmste, wesentlichste Theil, die nothwendigste Eigenschaft einer Sache. Die Billigkeit ist die Seele der Gesetze. Eine bündige Kürze ist die Seele der Anakreontischen Ode. Die Mannigfaltigkeit ist die Seele eines Gedichts.

Anm. Im Isidor Seulo, im Kero, Ottfried und Willeram Sela, in den gröbern Oberdeutschen Mundarten Siel, bey dem Ulphilas Saivala,im Angels. Savel, Savul, im Engl. Soul, im Schwed. Själ, im Ißländ. Soal. Junius sahe es als ein aus ζάειν, leben, und dem Ißländ. Wala,Quelle, zusammen gesetztes Wort an, allein er hätte das letztere immer weglassen können. Frisch leitet es sehr gesucht von dem alten salen, übergeben, her, weil die Seele von Gott eingegeben sey. Da alle Nahmen des Geistes und der Seele fast in allen Sprachen Figuren des Athems, des Hauches, des Windes sind; z.B. anima von ἁγεμος: so kann man auch bey diesem Worte schon zum voraus etwas[12]ähnliches vermuthen. In der That ist auch Leben und Lebenskraft eine der ersten Bedeutungen, so wie die Latein. anima, Seele, und animal, ein Thier, lebendiges Geschöpf, Wörter Eines Geschlechtes sind; der Ausdruck des Lebens aber ist wiederum eine Figur, theils des Athems, theils auch der Bewegung überhaupt, da man denn am Ende auf zwey Onomatopöien kommt. S. Sahl, wo schon gezeiget worden, daß dieses Wort ursprünglich eine Onomatopöie ist, und hernach figürlich, sowohl Bewegung überhaupt, als auch Zahl, Menge, Gesellschaft u.s.f. bedeutet. Verwandt sind damit freylich sowohl das Griech. ζάειν, leben, als auch das Böhm. Syla, Kraft, das Hebr. שאל, begehren, unser selbst und andere mehr.

Es ist eine alte und gewöhnliche Form, den Fämininis auf e in der zweyten und dritten Endung des Singulars noch ein n anzuhängen, welche Form auch im Hochdeutschen nicht ganz fremd ist, ob sie gleich nicht die richtigste ist. Die nach meiner Seelen stehen, Ps. 17, 9. Angst der Seelen, Röm. 2, 9.

Jede Freude, meiner Seelen Friede,
Ist dahin,
Wiel.

In welchem letztern Falle doch der Wohlklang diese Form entschuldigt, weil meiner Seele Friede einen Übelklang hat, der sich in deiner Seele Beßtes nicht findet. Einige Zusammensetzungen, haben diese Form gleichfalls behalten, wie Seelenangst, Seelenlehre u.s.f. dagegen in andern nur Seel – üblich ist.

Quelle: Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 4. Leipzig 1801, S. 11-13.
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