Begriffbildung
Begriff–Bildung deu. 'Bildung eines Begriff' Vorlage:eigtl. 'Benennung, Namen für Einheiten an Dasein und Erdachtes vergeben'
Anm. KF: geeignetes Verfahren zur Bildung eines Begriff welches eine Bewusstseinsbedeutungseinheit erwirkt oder bewirkt, welche anschließend zur Bildung einer Meinungssbedeutungseinheit als Abbild führt, dem die die Bildung eines Begriffwort, Begriffzeichen, Begriffgegenstand als erneutes Abbild, welche sich dazu eignen die Meinungssbedeutungseinheit erneut als Erinnerung anzuregen und so erneut diese als entsprechende Bewusstseinsbedeutungseinheit erwirken.
Begriffbildung
◀▶ „Der Begriff ist das Werkzeug, mit dem wir die Wirklichkeit deuten.“ (Hans Aebli 1989).[1] Die menschliche Kognition ist lebenslang zur Begriffsbildung in der Lage, um Objekte oder Ereignisse nach ihren Merkmalen zu kategorisieren. Das ist ein Gebiet der Denkpsychologie. Für die Entwicklungspsychologie ist die ansteigende Fähigkeit zum Bau von Begriffen nach der Geburt bis in die Jugend von besonderem Interesse, um das Lernen besser zu verstehen. Dabei wird vorausgesetzt, dass Merkmale überhaupt unterschieden (Diskrimination) sowie die charakteristischen Merkmale von den unwesentlichen unterschieden werden können. Minimal muss ein Begriff dem Menschen erlauben, ein bestimmtes Phänomen wiederzuerkennen. Die maximale Anforderung wird erreicht, wenn der neue Begriff sich als invariant gegenüber äußeren Veränderungen und damit von stabiler Bedeutung erweist. Die Begriffsbildung ist ein aktiver kognitiver Strukturierungsprozess, d. h. die neue Struktur bildet die Umwelt nicht einfach ab, sondern ist Ergebnis mentaler Konstruktionen, häufiger eine Umstellung bereits bestehender Begriffsstrukturen und seltener eine Neubildung. Zusammengefasst werden folgende Schritte vollzogen:
- Abstraktion von unwichtigen Reizmerkmalen,
- Differenzierung und Löschung der Reizmerkmale,
- vermittelte Assoziation oder
- Invariantenbildung aufgrund schrittweiser Informationsverarbeitung[2]
Eigenschaftsbegriffe entstehen durch eine Kategorisierung, daher heißen sie auch oft einfach Kategorie: Mondfinsterniswird zugeordnet partiell oder total. Für manche Begriffe wird ein Prototyp (idealer Vertreter) gebildet: körperliche Aggression ist Schlägerei.
Erklärungsbegriffe beinhalten eine Erklärung, also Annahmen, die auf etwas Bekanntes (Theorie, Zusammenhang) zurückgreifen, um das Phänomen zu begreifen. Mondfinsternis wird erklärt als Mond im Erdschatten.
Jeder Begriff weist zwei Bestandteile auf:
- sachliche (denotative) Bedeutung: logische Struktur oder Prototyp (bei den Eigenschaftsbegriffen) bzw. Theorie (bei den Erklärungsbegriffen)
- emotionale (konnotative) Bedeutung: gefühlsmäßige Beziehung einer Person zu dieser Sache.[3]
Zur Geschichte
Bereits in der aristotelisch-thomistischen Tradition wurde die Begriffsbildung als Abstraktion durch einen aktiven Geist erklärt. Für den Empirismus ist der Geist dagegen eher passiv, eine Tabula rasa für alle neuen sinnlichen Eindrücke, er abstrahiert von selbst aus diesen (viele Wahrnehmungen von Einzelpferden) nur den gemeinsamen Begriff Pferd. Der deutsche Psychologe Narziß Ach (1921) begann mit einfachen Experimenten zur „Begriffsfindung“. Der Schweizer Jean Piaget hat eine Strukturanalyse der dem jungen Menschen zur Verfügung stehenden kognitiven Strukturen begonnen. Nach ihm bilden sich kognitive Strukturen durch Interaktion mit den Objekten. Alte Strukturen werden so lange beibehalten, bis neue invariante Merkmale zugeordnet werden können und so zu einer Korrektur führen. Im ersten Fall wird das Objekt der Wahrnehmung angepasst, Piaget nennt dies Assimilation. Im letzten Fall passt sich die Wahrnehmung dem Objekt an, man spricht von der Akkommodation. Zwischen diesen Prozessen herrscht ein Fließgleichgewicht, das er Äquilibration nennt. Die Wahrnehmung und damit einhergehend auch die Möglichkeit, neue Begriffe bilden zu können, differenziert sich dadurch immer mehr aus. Er hat experimentalpsychologisch versucht, die natürliche Begriffsbildung bei Kindern nachzuvollziehen, wobei er die konstruktive Rolle des Geistes hervorhob, der traditionellen hierarchischen Abstraktion aber eine Beziehungsbildung (mise en relation) zwischen Phänomen vorzog. Er zeigte dies an einfachen geometrischen Begriffen wie horizontal und vertikal.[4] In den USA erweiterten C. I. Hovland (1952) und Jerome Bruner (1956) diese Experimente, wobei aktive Such„strategien“ gefunden wurden. Edna Heidbreder forschte zu Begriffen in offenen unbegrenzten Systemen und kam ebenso auf die große Rolle von Korrelationen zwischen Phänomenen.
Dabei war in der Theorie lange umstritten, ob die Begriffe scharf (x ist entweder Glas oder Vase) oder vage-fließend (x ist irgendwie ähnlich zu Glas – Vase) abgegrenzt werden. Die erste Position gilt als klassische Position der Logik, die zweite wird im 20. Jahrhundert seit Ludwig Wittgenstein in der Philosophie und Eleanor Rosch in der Psychologie mit der Prototypentheorie (s. o.) vertreten.
- ↑ Hans Aebli: Denkprozesse. In: Denken: das Ordnen des Tuns. 2. Auflage. Band 2. Stuttgart 1994, ISBN 978-3-608-91035-3, S. 83.
- ↑ K. Foppa: Begriffsbildung, in: Joachim Ritter: Historisches Wörterbuch der Philosophie., Band 1, S. 787
- ↑ Begriffsbildung. In: Lexikon der Psychologie. Spektrum, abgerufen am 27. September 2021.
- ↑ Piaget, Jean: Der Aufbau der Wirklichkeit beim Kinde. Ernst Klett, 1974, ISBN 3-12-926310-1.