Rechen
Rechen m. (landschaftlich, besonders südd.
md.
) ‘Harke’, ahd. rehho (9. Jh.), mhd. reche ‘Harke’, spätmhd. auch ‘rechenförmige Vorrichtung’, frühnhd. (mit Endungs-n aus den obliquen Kasus) Rechen, asächs. reko, mnl. rēke, nl.(landschaftlich) reek (auch ‘kleine Egge’), anord. reka, schwed. (mundartlich) räka (germ. *rekōn) stehen neben (ablautendem) mnd. mnl. rāke ‘Harke, Rechen’, nd. Raak, nl. (landschaftlich) raak, aengl. raca m., racu f., engl. rake, anord. raka ‘Streifen, Reihe’, schwed. raka ‘Harke, Kratzer, Schaber’ (germ. *rakōn). Die Substantive sind Bildungen zu dem heute veralteten starken Verb ahd. rehhan ‘zusammenscharren’ der mit Asche überdeckten Glut (11. Jh.), mhd.rechen ‘Feuer rechen, zusammenkratzen, raffen, scharren, häufeln’, mnd. mnl. mengl. reken ‘Feuer bzw. Asche rechen’, got. rikan ‘zusammenscharren, anhäufen’; vgl. daneben ablautendes schwach flektierendes mnd. mnl. rāken‘zusammenscharren, umwühlen, graben’, anord. raka ‘zusammenfegen’, schwed. raka ‘scharren, kratzen’. Außergerm.verwandt sind mit den oben sowie den unterrecken
(s. d.) genannten Formen aind. ṛ́jyati, ṛñjáti ‘streckt sich, eilt’, griech. orégein (ὀρέγειν) ‘(die Hand) hinstrecken, darreichen, sich strecken, zu erreichen suchen’, lat. regere (rēctum) ‘geraderichten, lenken, leiten, herrschen’, air. rigid ‘streckt aus’, lit. rę́žti ‘straffen, recken’. Zugrunde liegt die unterrecht
(s. d.) angeführte Wurzel ie. *reg̑- ‘gerade, geraderichten, lenken, recken, strecken, aufrichten’. Auszugehen ist für die germ. verbale Wortgruppe von ‘etw. aufrichten, sich aufrichten, sich recken’, dann ‘die Hand ausstrecken, sich nach etw. recken’, vgl. 373, der auch annimmt, daß die Bedeutung des starken Verbs ‘die Glut mit Asche bedecken, um sie zu bewahren’ und ‘die Glut von der Asche wegrechen, um das Feuer aufflammen zu lassen’ unter dem Einfluß eines abgeleiteten Substantivs (also wohl Rechen und seiner Entsprechungen, s. oben) entstanden sei.