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gerade

aus AufEinWort, der freien Forschung
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¦∅¦ gerade2, ge- + Rade | auch grade2 Adj. ‘ohne Krümmung immer in der gleichen Richtung verlaufend’, übertragen ‘von aufrichtiger Gesinnung, offen’ (seit dem 16. Jh.) sowie in vielfacher adverbieller Verwendung, besonders ‘soeben, eben noch, genau, ausgerechnet’; ‘rasch, schnell, gewandt’;

¦⊕¦ Begrifferläuterung

¦⊗¦ gerade1, auch grade1 Adj. ‘ohne Rest durch zwei teilbar’ (von Zahlen), ahd. gihrad, girad (um 1000), mhd. gerat, gerade steht seit Beginn der Überlieferung für lat. pār ‘gleichkommend, gleich’. Es gehört wie got. raþjō ‘Zahl’, garaþjan ‘zählen’ zur Wortgruppe von Rede und verbindet sich erst sekundär im Sprachbewußtsein mit gerade2. Ende des 15. Jhs. kommt es als mathematischer Terminus in Gebrauch und lebt außerdem fort in der Wendung fünfe gerade sein lassen ‘es nicht so genau nehmen’ (16. Jh.); dazu ungerade Adj. ‘nicht ohne Rest durch zwei teilbar’, ahd. ungihrad, ungirad (um 1000), mhd. ungerat, ungerade für lat. impār ‘ungleich’.

¦√¦ uig. *(s)ker- ‘drehen, biegen, kreisend bewegen’;

¦↵¦ ahd. hrad, rad, gihradi, giradi (8. Jh.), hredi, redi (9. Jh.) Adj. ‘rasch, schnell’, hrado, rado Adv. ‘schnell, gewandt’ (8. Jh.), gihrado, girado Adv. ‘plötzlich’ (9. Jh.), mhd. gerat, rat Adj., gerade Adj. Adv. ‘schnell bei der Hand, rasch, gewandt’, dann auch (md.) ‘frisch aufgewachsen und lang’, mnd. gerā̌t, rā̌t Adj., gerāde, rāde Adj. Adv. ‘schnell, gewandt, sogleich’, mnl. gherat Adj., gherāde Adj. Adv. ‘schnell, tüchtig, sogleich, richtig’, nl. rad Adj. Adv., aengl. hræd, ræd, hræþ Adj., hrade, rade, hraþe, raþe, ræþe Adj. Adv., anord. hraðr Adj. ‘schnell’.

Auf Grund des durch die ahd., aengl. und anord. Formen gesicherten h-Anlauts ist von uig. *kret- ‘schütteln, sich rasch bewegen’ auszugehen, das auch lit. kretė́ti ‘zittern, schlottern’, mir. crothaim ‘ich schüttle’ zugrunde liegt und als Erweiterung der Wurzel uig. *(s)ker- ‘drehen, biegen, kreisend bewegen’ aufgefaßt werden kann (s. Ring, Rücken, Schrank, schreiten). Der heute im Dt. vorherrschende Gebrauch des Adjektivs als Gegenwort von krumm beruht auf der zuerst für das 14. Jh. bezeugten Bedeutung ‘lang aufgewachsen’, die sich vor allem im Frühnhd. reich entfaltet, wo gerade häufig Personen nicht nur hinsichtlich ihres Auftretens (im alten Sinne ‘gewandt’), sondern auch in bezug auf ihr Äußeres (‘hochgewachsen, schlank, wohlgestaltet’) charakterisiert.